Titel: Säurefeste Fussböden, Wände und Anstriche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 2 (S. 119–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi05_2

Säurefeste Fussböden, Wände und Anstriche.

Zu den schwierigen Aufgaben beim Bau und Betrieb von Fabriken, in welchen saure oder ätzende Flüssigkeiten und Gase benutzt werden, gehört die Herstellung säuredichter Ueberzüge und Bekleidungen des Mauerwerks und entsprechender Anstriche für Metall- und Maschinentheile. Da die Papier- und Zellstoffabriken mit diesen Uebelständen gleichfalls zu kämpfen haben, so möchte ich – so schreibt Dr. A. Frank (Charlottenburg) in der Papierzeitung, 1895 Nr. 30 – Versuche mit einem Material empfehlen, welches sich seit einigen Jahren in mehreren mir bekannten chemischen Fabriken vorzüglich bewährt hat. Es ist der von Reh und Co., Asphaltgesellschaft San Valentino, Berlin NW, eingeführte italienische Asphalt. Dies Material wird zwar in erster Reihe behufs Massenverwendung |120| auch für den Strassenbau benutzt, doch eignet es sich ganz besonders für säurefeste Fussböden in Fabriken, weil die darin enthaltenen Mineralbestandtheile nicht aus dem, schon von schwachen Säuren leicht zersetzbaren Kalkstein oder Dolomit bestehen, sondern aus in Säuren unlöslichem Quarzkiesel, welcher mit dem reinen Asphaltpech vollkommen gemischt ist und so zu dichtschliessenden Platten verarbeitet werden kann, die nicht nur für Wasser undurchlässig sind, sondern auch der Einwirkung von Chlor und verdünnten Mineralsäuren, wie Schwefelsäure, Salpetersäure und Salzsäure vollkommen widerstehen, während der gewöhnliche kalkhaltige Gussasphalt, ebenso wie der sonst für solche Zwecke vielfach benutzte Cement von Säuren nach kurzer Zeit aufgelöst und zerstört wird.

Die aus San Valentino-Asphalt hergestellten wasserdichten Bodenbelege haben auch, wie ich in den betreffenden Fabriken erfuhr und selbst erprobte, nicht die unangenehme Eigenschaft, bei etwas höherer Wärme zu erweichen und klebrig zu werden, vielmehr kann man ohne Bedenken Flüssigkeiten darüber laufen lassen, welche eine Temperatur von 50 bis 60° haben.

Ueber einen aus reinem San Valentino-Asphalt hergestellten Lack, welcher namentlich zum Anstrich von Metalltheilen, Trägern, Rohren und Blechen, sowie von Maschinen dient, habe ich von verschiedenen Fabriken günstige Berichte bekommen, und ebenso haben Versuche, die ich damit im Laboratorium anstellen liess, gute Erfolge ergeben, von welchen ich namentlich hervorhebe, dass dieser als Adjodon bezeichnete Asphaltlack sich sehr gut und dicht mit der Metalloberfläche verbindet, so dass ein Unterfressen des Anstriches bei mehrmonatlicher Aufbewahrung in feuchter saurer Luft nicht eintrat.

Ich theile meine bezüglichen Erfahrungen hier mit, um auch Andere zu Versuchen anzuregen, da es mir bekannt ist, dass zuverlässige wasser- und säurefeste Anstriche noch immer schwer zu erlangen sind.

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