Titel: Aschenhalden und Härte des Brunnenwassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 4 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi05_4

Aschenhalden und Härte des Brunnenwassers.

H. Höfer (Zeitschr. des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereins, 1894 Nr. 47, nach eingesendetem Sonderabzug) empfiehlt bei der Anlage von Brunnen, deren Wasser zu Kesselspeisezwecken oder in Brauereien und anderen industriellen Etablissements, welche möglichst weiches Wasser bedürfen, Verwendung finden soll, darauf zu achten, dass die Kohlenaschenhalden entsprechend weit entfernt placirt werden, weil die löslichen Bestandtheile der Asche in das Wasser gelangen und eine erhebliche Erhöhung des Härtegrades bewirken können.

Gelegentlich der Vorarbeiten behufs der Wasserversorgung der Stadt Wolfsberg (Körnten) hat Höfer auch die dortigen Grundwasserverhältnisse eingehender studirt. Es fliesst dort, entsprechend dem unteren Lavantthale, ein mächtiger Grundwasserstrom von Nord nach Süd, dessen Ostgrenze in Wolfsberg, dessen Westgrenze knapp hinter dem Bahnhofe dieser Stadt gelegen ist, in dessen Nähe ein Seitenstrom des Grundwassers, von St. Margarethen kommend, mündet.

Die Locomotiven werden aus einem rund 2,5 m tiefen Brunnen, neben dem Heizhause liegend, gespeist, dessen Wasser 14,18 deutsche Härtegrade besass, während zwei andere ziemlich nahe liegende Brunnen an demselben Tage 8,93 bezieh. 8,12 deutsche Härtegrade aufwiesen. Es zeigte somit das Wasser des Heizhausbrunnens eine um 66 Proc. höhere Härte als das Grundwasser in der Nachbarschaft, was mit Rücksicht auf die Verwendung dieses Wassers zur Kesselspeisung recht misslich ist. Nachdem auch die Wässer aus den anderen Brunnen dieses Grundwasserstromes Härten unter 8 deutschen Härtegraden hatten, so lag die Vermuthung nahe, dass jene Härteerhöhung beim Bahnhofe einen ganz localen Grund habe.

Die Erhebung ergab auch, dass um den Heizhausbrunnen theilweise mit Kohlenasche und Cinder eingeebnet wurde.

Dass die an im Wasser löslichen Verbindungen reiche Kohlenasche die Härte des Wassers in einem nachbarlichen Brunnen ungünstig beeinflusst, ist einleuchtend. Es wird sich deshalb empfehlen, die Aschenhalde möglichst weit vom Brunnen zu situiren und zwar, wenn thunlich , derart, dass die Grundwasserströmung nicht von der Aschenablagerung zum Brunnen, sondern entgegengesetzt gerichtet ist, oder auch, dass die Verbindungslinie Brunnen-Aschenhalde zum Stromstriche querweise liegt. Diese Stromrichtung ist in den meisten Fällen ähnlich der des Oberflächenwassers, womit die Praxis sich so lange behelfen wird, bis aus Nivellements benachbarter Brunnenspiegel die Richtung des Stromgefälles, das bekanntlich zur Isohypse des Grundwasserspiegels normal gerichtet ist, genau bestimmt wurde.

K.

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