Titel: Ueber bakteriologische Wasseruntersuchung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 4 (S. 144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi06_4

Ueber bakteriologische Wasseruntersuchung.

F. W. Richardson (Journ. Soc. Chem. Ind., 1894 S. 1157) nimmt in dem bekannten Streit über die Möglichkeit, ein Wasser nach seiner chemischen Zusammensetzung und seiner Provenienz hygienisch zu beurtheilen, in einem längeren Aufsatze, der die einschlägige Litteratur in erheblichem Umfange anführt und bespricht, Stellung gegen die chemische und für die bakteriologische Untersuchung. Eigene Versuche, die sich auf die Nährfähigkeit verschiedener Wasser für Bakterien beziehen, werden in Aussicht gestellt und durch die Mittheilung eingeleitet, dass die Nährfähigkeit von Jauche gegenüber Pepton- und Zuckerlösungen, bezogen auf den gleichen Gehalt an fester organischer Substanz, eine enorm grosse ist. Das Migula'sche Postulat für bakteriologische Wasseruntersuchung, dass nicht die Colonien, sondern die Species gezählt werden sollen, wird gebilligt, die daran anknüpfende Methode, Colonien, welche die Nährsubstanz verflüssigen, von denjenigen, welche es nicht thun, zu scheiden und beide besonders zu zählen, wird aber verworfen, weil das Ueberwiegen der einen oder der anderen Bakteriengruppe keinen Schluss auf Verseuchung des Wassers zulässt. Richardson empfiehlt vielmehr, das zur Untersuchung bestimmte Wasser 12 Stunden auf Bluttemperatur zu erwärmen und das Verhältniss des Bakteriengehaltes vor und nach der Erwärmung als Kriterium der Verseuchung zu betrachten. Seine Versuche zeigen, dass in unverseuchtem Wasser die Anzahl der Bakterien sich bis auf einen winzigen Bruchtheil vermindert, während in verseuchtem ⅔ bis ⅗ sich erhalten. Bei länger fortgesetztem Erwärmen auf Bluttemperatur wächst die Zahl der Bakterien im verseuchten Wasser enorm. Richardson schreibt vor, 1 cc des zu untersuchenden Wassers in 40 kleinen Tropfen mittels einer sterilisirten Pipette je zu einem Fläschchen Bouilloncultur hinzuzufügen, 12 Stunden auf Bluttemperatur zu erwärmen und dann das Bakterienwachsthum in den 40 Culturen zu untersuchen. 0,1 Proc. Jauche in sterilisirtem Wasser soll sich dabei mit Sicherheit durch intensives Bakterienwachsthum in sämmtlichen Culturen verrathen.

Richardson kritisirt weiter die Methode der Plattencultur, welche er um der unvermeidlichen Verunreinigung mit Luftkeimen willen verwirft, und beschreibt sein eigenes Verfahren, welches im Gebrauch schmaler flacher Flaschen besteht, die zwar nicht so bequem für die mikroskopische Untersuchung sind, aber unter Benutzung einer Wolffhügel'schen Zählplatte und einer passenden Vergrösserung die Zählung der Colonien mit genügender Schärfe gestatten sollen.

Der Schluss des Aufsatzes behandelt das Verhältniss des Bacillus coli communis zum Bacillus typhi in Rücksicht auf Massenhaftigkeit des Vorkommens in Defäcationen Typhuskranker, Leichtigkeit der Auffindung und Möglichkeit der Unterscheidung beider Organismen. Auf die in Form einer Tabelle dem Aufsatz angeschlossene Zusammenstellung von sechs Wasseranalysen, bei denen neben den chemischen Bestandtheilen durch mühevolle Züchtung nach Möglichkeit Bakteriengruppen isolirt wurden, sei nur verwiesen.

Hr.

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