Titel: Einsturz einer Monier-Brücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 4 (S. 191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi08_4

Einsturz einer Monier-Brücke.

In der Nähe von Zachau bei Stargard stürzte, wie wir der Deutschen Bauzeitung entnehmen, am 22. December 1894 eine Strassenbrücke ein, die von der Monier-Gesellschaft in Berlin nach dem System „Monier“ gebaut war. Dieser Einsturz bildete für die Gegner der Monier'schen Bauweise einen willkommenen Angriffspunkt, die Existenzfähigkeit dieses Systems von Neuem anzuzweifeln. Es sind jedoch durch vielfache Versuche während einer Reihe von Jahren die Bedenken gegen diese Bauweise, dass die Verbindung des Eisens mit dem Cement keine innige sei, dass das Eisen durch den nass aufgetragenen Cement roste, und schliesslich, dass das Eisen bei Temperaturveränderungen sich anders ausdehne als der Cement, so glänzend widerlegt, dass der Monier-Bauart wohl für immer eine grosse Zukunft gesichert ist.

Der Einsturz jener oben erwähnten Brücke erfolgte auch nicht in Folge irgend eines Fehlers der Monier-Bauweise, sondern ist ausschliesslich der Einwirkung äusserer Einflüsse zuzuschreiben.

Die Widerlager der Brücke waren auf Pfähle gegründet, die 1,5 m in festem Sand und 4 m in Torf- und Wiesengrund standen, und es ist nun mit Bestimmtheit anzunehmen, dass eine Durchweichung und Unterspülung des Baugrundes ein Ausweichen der Widerlager hervorrief. Bei der Hinterfüllung schon zeigten sich in den Widerlagern Risse, die sich während der Arbeit erweiterten und schliesslich zum Bruch führten. Der Bruch am Scheitel trat zuletzt ein, die beiden Bogenhälften liegen ungebrochen im Flussbett der Ihna.

Die Brücke hatte eine Spannweite von 18 m, eine Scheitelstärke von 25 cm und eine Stichhöhe von 1,8 m. Beim Neubau der Brücke wählte man eine Construction von eisernen Trägern mit dazwischen gespannten Monier-Gewölben, doch geschah das nur aus dem Grunde, die unversehrt gebliebenen Landpfeiler benutzen zu können. Die Pfeiler erhalten jetzt selbstverständlich nur senkrechte Belastung ohne Schub. (Nach Stahl und Eisen.)

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