Titel: Die Wellner'schen Flugversuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 2 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi11_2

Die Wellner'schen Flugversuche.

Freunde der interessanten Versuche, welche Prof. G. Wellner unternahm, um das Problem einer gleich dem Schiffe lenkbaren Flugmaschine zu lösen, hatten mit wohlwollender Begeisterung für die Tragweite einer solchen Errungenschaft die Lösung des Problems noch für dieses Jahrhundert mit Gewissheit in Aussicht gestellt.1) Diese Zuversicht musste bei kühleren Beobachtern Zweifel erwecken. Dieselben erhalten nunmehr eine Bestätigung durch eine Zuschrift, welche Prof. Wellner am 18. Januar 1895 an den österreichischen Ingenieur- und Architektenverein richtete, der dem genannten Constructeur in freigiebigster Weise beträchtliche Mittel für seine Versuche zur Verfügung stellte (Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1895 Nr. 10). Nach derselben war die mit einem Segelrade von 4,77 m Durchmesser und 3 m Breite erzielte Anzahl von Radumläufen nicht grösser als 60 bis 80, eine Zahl, die zu einer dynamischen Wirkung viel zu gering ist. Es gelang jedoch bei diesen Versuchen, in angenäherter Weise das Gesetz zu erkennen, „nach welchem die erzeugte Hebekraft, sowie das nothwendige Arbeitserforderniss mit der wachsenden Umlaufgeschwindigkeit sich vergrössern“. Das bedeutet nicht sehr viel und zusammengehalten mit der Erkenntniss, dass mit der jetzigen Form, Constructionsweise und Aufstellungsart des Proberades selbst bei erhöhter Tourenzahl ein günstiges Ergebniss nicht zu erzielen sei, leider ein Scheitern der Versuche. Wellner ist der Ansicht, dass die Aufgabe, das Segelradprincip, das er vom theoretischen Standpunkte aus für gut hält, ins Praktische zu übersetzen, „eine sehr grosse und schwierige ist und neben amerikanischer Zähigkeit sehr viel Zeit und Geld und volle Unabhängigkeit verlangt“. Ein ungemein kräftiger und möglichst leichter Motor sei eine unbedingte Nothwendigkeit. Das sind aber durchgehends Bedingungen, über deren Bedeutung man sich schon vor den Versuchen klar war. Wellner beabsichtigt nun, die Versuche zunächst in kleinem Maasstabe mit den Schraubenfliegern fortzusetzen und namentlich dem einfachsten und billigsten Motorenbetrieb Aufmerksamkeit zuzuwenden. Möchten diese Versuche von mehr Glück begleitet sein. (Deutsche Bauzeitung.)

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Vgl. 1894 292 * 148. Wiedergabe des österreichisch-ungarischen Privilegiums.

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