Titel: Anstrich auf Cementverputz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 4 (S. 302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi13_4

Anstrich auf Cementverputz.

Ein Uebelstand, der sich bei der Verwendung des Cementverputzes bemerkbar macht, liegt in der Schwierigkeit, haltbaren Oel färb an strich auf solchem Verputze anzubringen; man verfolgt die Regel, erst nach Jahresfrist, frühestens aber nach Ablauf mehrerer Monate nach Herstellung des Verputzes, denselben anzustreichen, und soll sich dann erst der Anstrich haltbar erweisen.

Die Zerstörung, welche Oelfarbanstrich auf Cementverputz erfährt, äussert sich zunächst im Fahlwerden der Farbe, wobei dieselbe den Glanz verliert; im weiteren Fortgange wird sie schmierig und lässt sich oft in grösseren Fetzen abheben. Die Ursache der Veränderung hat man in der Einwirkung der alkalischen Bestandtheile des Cementes auf das Leinöl der Farbe erkannt und hat vorgeschlagen, die dem Oel schädlichen Stoffe im Cementverputz zu neutralisiren; am häufigsten ist hierzu verdünnte Salzsäure, auch Schwefelsäure im Gebrauch (von welchen übrigens die erstgenannte Säure wegen der Bildung von Chlorcalcium, welches die Wand dauernd feucht erhält, entschieden zu verwerfen ist), als Neutralisationsmittel ist auch Leinölfettsäure in Vorschlag gebracht worden; ferner bedient man sich „zum Abtödten“ des Cementes gern einer Eisenvitriolauflösung, welche die alkalischen Bestandtheile bindet und gleichzeitig unlösliches Eisenoxydhydrat ausscheidet, letzteres verstopft die Poren des Cementes; auch durch vorangehenden Anstrich von Schellackauflösung suchte man die Cementoberfläche gegen die Wirkung auf die Oelfarbe abzudichten. Da ein nachhaltiger Erfolg nicht erzielt wurde, wurden nach der Badischen Gewerbezeitung von 1894, Nr. 39, weitere Versuche angestellt, wobei sich hinsichtlich der Oelfarbanstriche in allen Fällen der Anstrich als haltbar erwies, wenn der Cement trocken ist, was bei nicht allzu grosser Dicke des Verputzes schon in wenigen Tagen erreicht werden kann. Beim Aufbewahren des Cements unter Wasser wurde dagegen Oelfarbe unter den oben gezeigten Erscheinungen sehr bald zerstört, ebenso bei den nur im Innern feucht gehaltenen Proben; und zwar war im Hinblick auf die Art der vorangegangenen Präparation des Cementes, welche die Zerstörung der Farbe hintanhalten sollte, nicht der geringste günstige Einfluss wahrzunehmen. Es liess sich insbesondere bei dem feucht erhaltenen Cement erkennen, dass das Wasser, mit den alkalischen Bestandtheilen beladen, bis an den Anstrich dringt und denselben zerstört. Das Tränken des Cementes ist demnach in Beziehung hierauf ohne die gewünschte Wirkung, wiewohl eine theilweise Verlegung der Poren nicht in Abrede zu stellen ist, da auf der Oberfläche so behandelten Cementes (Mineralsäuren ausgenommen) sich die Farbe viel besser streichen liess, als auf den nicht imprägnirten Probekörpern, welche vermöge ihrer Porosität der Oelfarbe das Bindemittel zu rasch entzogen.

Nach den vorstehenden Beobachtungen kann Cementverputz, welcher dauernd oder zeitweilig der Nässe ausgesetzt wird, auch unter Anwendung der hierfür empfohlenen Mittel nicht mit Oelfarbanstrich versehen werden. Es muss dahingestellt bleiben, ob nach Verlauf grösserer Zeiträume unter diesen Verhältnissen Anstrich ohne Schaden erfolgen kann. Dagegen ist es statthaft, Cementverputz mit Oelfarbe zu streichen, sofern er nur getrocknet ist und nicht mehr nass wird von innen heraus; es darf angenommen werden, dass die Oelfarbschicht das Nasswerden des Cementes von aussen durch atmosphärische Niederschläge vollkommen verhindert; Häuserfassaden dürfen daher immer gestrichen werden, sobald nur der Cementverputz vollkommen trocken ist.

Von anderen Anstrichen, die wir in Bezug auf ihre Haltbarkeit auf Cement versucht haben, hat sich nur solcher mit Wasserglas bewährt. Man kann denselben ohne Nachtheil auch auf den ganz nassen Cement, der eben angebunden hat, auftragen. Zur Herstellung streichfertiger Farbe, die nicht gut im Vorrath aufbewahrt werden kann, rührt man erst das Farbpulver mit wenig Wasser an, sodann gibt man auf das dreifache Volumen mit Wasser verdünntes Wasserglas des Handels von 83° Bé. hinzu. Der Anstrich erhärtet nach einigen Tagen so vollkommen, dass er nicht mehr mit der Hand abgerieben werden kann. Durch Ueberstreichen mit Wasserglaslösung kann man ihm etwas Glanz verleihen. Als Farbkörper dürfen nur kalkechte Farben verwendet werden. – Anstrich mit Wasserglasfarben empfiehlt sich schon um deswillen, weil das Bindemittel entschieden einen härtenden Einfluss auf die Cementoberfläche ausübt. Bereits vor 29 Jahren liess Hofrath Meidinger in den Ausstellungsräumen der Landesgewerbehalle in Karlsruhe den Cementboden daselbst strichweise mit einer Wasserglasauflösung imprägniren. Die gestrichenen Stellen heben sich heute gegen die angrenzenden Bodenflächen sehr augenfällig ab, sie zeigen eine dichte, glasige, spiegelnde Oberfläche und ragen über den nicht gestrichenen Cementboden reliefartig hervor, da der letztere durch das Begehen mehr abgescheuert worden ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: