Titel: Ueber Wegemesser und Geschwindigkeits-Anzeigevorrichtungen für Fahrräder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297 (S. 55–62)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/ar297019

Ueber Wegemesser und Geschwindigkeits-Anzeigevorrichtungen für Fahrräder.

Mit Abbildungen.

Auf Strassen ohne Kilometersteine ist es für den Radfahrer oft ein grosses Bedürfniss, zu wissen, wie viel Kilometer er zurückgelegt hat, um sich nach seiner Karte, auf welcher die Anzahl der Kilometer angegeben ist, orientiren zu können. Diesem Bedürfniss helfen Apparate ab, welche unter dem Namen „Wegemesser“ in den letzten Jahren in den verschiedensten Ausführungsformen aufgetaucht sind. Sämmtliche Constructionen haben das wesentliche Merkmal, dass die Umdrehungen einer Achse oder eines Rades durch geeignete Einrichtungen auf ein Zählwerk bezieh. auf ein Anzeigewerk übertragen werden.

So bewirkt Frau K. Börner geb. Haag in Bühlau bei Loschwitz a. d. Elbe bei ihrem unter Nr. 42783 patentirten |56| Wegemesser die Uebertragung der Kurbelumgänge eines Fahrrades auf ein in der Tasche des Fahrenden untergebrachtes Zählwerk durch stossweise Compression der in einer Gummirohrleitung eingeschlossenen Luft. An der Tretkurbel a (Fig. 1) ist eine Rolle i befestigt, welche bei jedem Umgange der Kurbel die Feder g gegen die Gabel b drückt und dadurch die in dem zwischengelagerten Gummibeutel h befindliche Luft comprimirt. Die aus dem Beutel h verdrängte Luft treibt den Kolben K im Zählwerk vor sich her, indem die Compression nach dem Stiefel m sich durch die mittels des Schlosses l gekuppelten Gummischläuche x und y fortpflanzt. Der Kolben K trifft mit seinem Bolzen n auf den schwingenden Hebel o auf, wodurch das Sperrrad p mit den Sperrkegeln q und r in Thätigkeit gesetzt wird. Die Schwingungen des Hebels o werden durch die Stifte s und t begrenzt, während die Drehung des Sperrrades p durch ein mit demselben fest verbundenes einzahniges Rad das Malteserrädchen u umtreibt. Mit der Welle des Rädchens u hängt ein auf der Rückseite angebrachtes Räderwerk zusammen, welches durch Zeiger auf Ziffernscheiben die durchfahrenen Kilometer anzeigt.

Textabbildung Bd. 297, S. 56
Textabbildung Bd. 297, S. 56

Bei dem ebenfalls pneumatisch betriebenen Wegemesser von Xavier Gosselin in Paris (D. R. P. Nr. 65513) ist als neu die Anordnung eines von einem Hebel zwangläufig bewegten Ventils im Uebertragungsapparat anzusehen, welches dem Zwecke dient, die Luft bei jedem Hube zu erneuern. Die mittels Luftschlauches k (Fig. 2) auf das Zählwerk zu übertragenden periodischen Bewegungen eines Maschinentheiles wirken auf einen Hebel o ein. Dieser schliesst das an der Membran m eines Luftbehälters l angeordnete Ventil n und comprimirt die Luft durch Zusammendrücken der Membran. Beim Zurückgehen des Hebels wird das Ventil wieder geöffnet, so dass der Luftbehälter von Neuem mit Luft gefüllt wird.

Textabbildung Bd. 297, S. 56

A. Steinhauser und E. Henrissat in La Chaux de Fonds haben sich unter Nr. 69299 einen Wegemesser patentiren lassen, bei welchem der Antrieb des Zählwerkes durch ein Pendel verursacht wird. Das durch ein Gewicht G (Fig. 3 und 4) beschwerte Pendel d erhält seine Bewegung durch die Drehung der Fahrradachse und wird in seinem Ausschlag durch die Stifte ff1 begrenzt. Ein an dem Pendel befindlicher Stift g wirkt bei jedem Ausschlag gegen die Arme einer gabelförmigen, um a1 drehbaren Platte h, deren Ausschlag durch die Stifte kk1 begrenzt wird. An dem Drehzapfen i der Platte h ist eine von einer Feder; beeinflusste Schiebeklaue l angebracht, welche bei jedem Hingang des Pendelgewichtes G das Treibrad a um einen Zahn weiter schiebt. Die Wirkungsweise bei unerwarteten Stössen wird durch die Haken nn1 pendelnder Hebel gesichert, welche, den Bewegungen des Pendels folgend, sich abwechselnd zwischen die Anschlagstifte kk1 und die Gabeln legen und so ein vollständiges Ausschlagen des Gewichtes G hindern.

Textabbildung Bd. 297, S. 56

Der durch die Schweizer Patentschrift Nr. 5871 bekannt gewordene Wegemesser von Fritz Gustave Chatelain in Neuchâtel beruht ebenfalls wie der vorbeschriebene auf dem Principe, welches den Schrittzählern zu Grunde liegt, nämlich auf der Wirkung eines hin und her pendelnden Gewichtshebels. Die Schaltung des Anzeigewerkes wird |57| bewirkt durch eine am Hebel K (Fig. 5) befestigte Schaltklinke k, welche in das Schaltrad L eingreift. Der Hebel K erhält die erforderliche Bewegung durch den pendelnden Gewichtshebel I und wird die ihm ertheilte Bewegung einerseits durch den festen Anschlag f und andererseits durch den verstellbaren Daumen D begrenzt. Auf der Achse dieses Daumens D sitzt ein Zeiger d (Fig. 6), welcher über einer Scala spielt. Die Theilstriche dieser Scala entsprechen verschiedenen Durchmessern der Fahrräder. Stellt man nun den Zeiger auf eine bestimmte Zahl, z.B. 100, ein, so entspricht diese Zahl einem Durchmesser des Rades von 1 m und der Zeiger des Anzeigewerkes markirt bei jeder Umdrehung der Achse bezieh. des auf ihr sitzenden Instrumentes 3,14 m. Dies wird dadurch verursacht, dass die Schwingungsweite des Hebels K von der Stellung des entsprechend gestalteten Daumens D abhängig gemacht ist. Die federnde Bremse M verhindert das Zurückgehen des Schalthebels K bis zu seiner zwangläufigen Rückwärtsbewegung durch den Stift i1 des Gewichtshebels I. Als Gegensperre für das Schaltrad L dient hierbei die Gegenfeder h.

Textabbildung Bd. 297, S. 57

Der Wegemesser von Ch. Couleru-Meuri in Chaux de Fonds, Schweiz (patentirt in Deutschland unter Nr. 70449 und in der Schweiz unter Nr. 5609), ist mit einer Einrichtung versehen, welche seine Verwendung für Fahrräder von verschiedenem Durchmesser ermöglicht. Die mit dem Zeiger z (Fig. 7 und 8) fest verbundene Scheibe a wird durch den Zahnkranz eines Rädchens r mitgenommen, das seinerseits auf einer mit Cannelirungen versehenen, wagerecht angeordneten Welle h sitzt und mittels einer auf den Anschlagwinkel p wirkenden Schraubenspindel y dem Mittelpunkte der Scheibe a genähert oder von demselben entfernt werden kann.

Durch die federnde Scheibe d wird das Anhaften der Scheibe a an das Rädchen r gesichert. Das Röllchen g dient der Scheibe a als Auflager und verhindert ein Verbiegen dieser Scheibe. Zeiger z zeigt bei einer Umdrehung über dem Zifferblatte 10 km und der Zeiger x 100 km an. Der Unterschied in der Umlaufsgeschwindigkeit beider Zeiger wird mittels eines Zahnradtriebes m hervorgerufen. Selbstverständlich kann man im Bedarfsfalle den Wegemesser noch mit einem kleinen Zifferblatt ausrüsten, welches 1000 km beim Umlauf des zugehörigen Zeigers registrirt. So kann z.B. durch einen mit dem Zeiger x in Verbindung stehenden Daumen U ein Sternrad f mit zehn Zähnen gedreht werden, welches den Zeiger für das Zifferblatt I trägt, dessen Scala bis 1000 km reicht. Der Anschlagwinkel p trägt an dem über das Gehäuse vorstehenden Theil eine den verschiedenen Durchmessern der Räder entsprechende Theilung. Beim Einsetzen des Messapparates genügt es, durch die Schraubenspindel y (Fig. 9) den Anschlagwinkel p auf denjenigen Theilstrich einzustellen, welcher dem Durchmesser des treibenden Rades entspricht.

Einen Wegemesser, der ebenfalls für Räder von verschiedenem Durchmesser Verwendung finden kann, betrifft auch der Gegenstand des Patentes Nr. 73910 von G. E. Kühn in Schmölln (Altenburg). Der Antrieb des Zeigerwerkes erfolgt von der Achse des Fahrzeuges aus durch einen excentrischen Ring oder Wulst e (Fig. 10 und 11), auf welchem ein Hebel d gleitet. Der Hebel d ist mit der Welle g ausserhalb des Gehäuses a verbunden, während auf derselben Welle innerhalb desselben ein zweiter Hebelarm h sitzt, dessen Schaltklinke i in die Zähne des Haupttriebrades l eingreift. Mit der Welle dieses Schaltrades ist das Rad m derart verbunden, dass es schnell und leicht durch verschieden grosse Räder ersetzt werden kann. Das Rad m ist am Umfang mit rechtwinkelig zu der Zahnradebene stehenden Zähnen versehen und kämmt mit der Riffelwalze n, welche ihrerseits das Zählwerk durch ein ebenfalls kranzförmig besetztes Zahnrad o in Umdrehung versetzt. Da die Riffel walze n sich je nach der Grösse des Zahnrades m schneller oder langsamer drehen wird, so ist durch diese Einrichtung die Möglichkeit gegeben, durch ein und dasselbe Zählwerk bei den verschiedensten Durchmessern des Laufrades die Wegestrecke richtig zu messen.

Textabbildung Bd. 297, S. 57

Bei dem Wegemesser von H. Walther in Leipzig-Reudnitz (D. R. P. Nr. 72800) werden die Umdrehungen eines mit Zählstift versehenen Schuhes auf das Zählwerk übertragen. Der Schuh b mit Zählstift a (Fig. 12 und 13) ist derart am Kranze eines Rades angebracht, dass der Stift sich durch den Radkranz nach dem Radmittel verschiebt, sobald der Schuh b belastet wird. Dies erfolgt, so oft der |58| Schuh den Boden berührt. Die Feder d bringt beim Aufhören der Belastung den Schuh sammt Stift in die Anfangslage zurück. Der Hebel f nebst Sperrkegel g übertragen die geradlinige Bewegung des Stiftes a auf das Sperrad h, das mit dem Zählwerk in Verbindung steht. Mit Hilfe des neuen Zählstiftes lassen sich auch Messräder herstellen, welche geeignet sind, die Anwendung eines Bandmaasses, einer Messkette u. s. w, zu ersetzen. Man fertigt zu diesem Zweck das Vermessungsrad in seinem Umfang auf ein bestimmtes Maass an und versieht es mit dem Schuh nebst Zählstift.

Textabbildung Bd. 297, S. 58
Textabbildung Bd. 297, S. 58

L. Ströbel in Schoppershof-Nürnberg und F. Ströbel in Augsburg (D. R. P. Nr. 74262) bewirken die Schaltung des Zählwerkes durch einen zweiarmigen Hebel A (Fig. 14 und 15). Derselbe besteht aus drei Theilen, dem Mittelstücke A mit dem Drehpunkte n, dem oberen Theil A1 und der Spitze A2. Die drei Theile sind durch Scharniere t und s so mit einander verbunden, dass die beiden äusseren Stücke sich nach derselben Seite drehen können. Die Achsen, um welche sich der Hebel dreht, umschliessen zwei an Grösse gleiche Spiralfedern B. Eine kleinere Feder V, das Mittelstück mit dem oberen Theil verbindend, zieht letzteren in seine Anfangslage zurück, wenn er aus dieser gebracht ist. Bei der Vorwärtsbewegung des Fahrrades bewegt ein Stift S, der an der Tretkurbel oder an einer Speiche befestigt ist, den Hebel A derart, dass die Spitze dieses Hebels das Sperrad C um einen Zahn weiter schaltet. Dieses Sperrad steht mit einem Räderwerk in Verbindung, das zwei ungleich grosse Zeiger über einem Zifferblatt bewegt. Der äussere Kreis desselben zeigt bis zu 200 km, der innere 10 km an. Durch geeignete Berechnung kann das Räderwerk allen Radumfängen entsprechend eingerichtet werden. Bei der Rückwärtsbewegung des Fahrrades tritt keine Schaltung des Rades C ein, da der Stift S nicht den ganzen Hebel A, sondern nur dessen oberen Theil bewegt.

Textabbildung Bd. 297, S. 58

L. Serwotka in Neustadt (Oberschlesien) überträgt bei seinem unter Nr. 74814 patentirten Wegemesser für Fahrräder die Grösse der Drehung des Vorderrades durch Räder auf das Zählwerk. Auf der Achse i des Vorderrades sitzt fest das Rad a, welches mit dem lose auf derselben Achse sitzenden konischen Rade c (Fig. 16) durch Sperrad o und Klinke so verbunden ist, dass sich das Rad c bloss beim Vorwärtsbewegen des Fahrrades dreht, dagegen bei der entgegengesetzten Drehbewegung des Fahrrades stehen bleibt. In das Rad c greift das Rad e ein und wird dessen Drehung durch die Stange d auf das Zahnrad m übertragen. Das Rad m greift in das Rad n ein, das seinerseits durch die Stange g die Drehung des konischen Zahnrades r (Fig. 17) verursacht. Die Uebersetzung der bisherigen Zahnräder ist so beschaffen, dass das Rad r genau so viel Umdrehungen macht wie das Vorderrad des Fahrrades. Das Rad r dreht das konische Zahnrad s. Die Drehungszahl dieses Rades wird durch die Uebersetzung der in einander greifenden Zahnräder ABCDEFGH so verringert, dass sich das Rad H während eines Kilometers einmal umdreht. Auf der Achse R dieses Rades sitzt der Zeiger Z, welcher die Anzahl der zurückgelegten Meter bis 1 km anzeigt. Ein mit dem Rade H fest verbundenes Daumenrad K schaltet das Zahnrad N, welches seine Bewegung durch Rad P auf das lose auf Achse B sitzende Rad T überträgt, das sich erst bei Zurücklegung von 50 km einmal umdreht. Der auf der Achse dieses Rades sitzende Zeiger Z1 zeigt auf der Theilung II (Fig. 18) des Zifferblattes die zurückgelegten Kilometer bis 50 km an. Ein am Rad P angebrachter Zacken V überträgt seine Bewegung durch Rad W auf den Zeiger Z1, welcher die zurückgelegten Wegestrecken bis 1000 km auf der Theilung III anzeigt. Die Theilung IV dient zur Anzeige von Wegestrecken bis zu 25 m.

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Textabbildung Bd. 297, S. 59
Textabbildung Bd. 297, S. 59

C. Scheerer in Hamburg-Borgfelde (D. R. P. Nr. 78721) bringt das Anzeigewerk in einem als Antriebscheibe dienenden rotirenden Gehäuse r (Fig. 19) unter. Auf der in der Gabel P gelagerten Achse A sind in gleichen Abständen die Scheiben ghikl befestigt, zwischen welchen auf derselben Achse lose drehbar die Zahnräder abcd angeordnet sind. Die Naben dieser Räder tragen an ihren Enden die Zeiger 123 4, welche über dem feststehenden Zifferblatte m spielen. Die Schaltung der Zahnräder erfolgt durch die Sperrkegel c1c2c3c4. Wird nämlich das Gehäuse in Drehung versetzt, so schleift der federnde Sperrkegel c1 so lange auf der Scheibe g, bis er, wie in Fig. 21 dargestellt, den Schlitz c3 erreicht hat, und in einen Zahn des Rades a eingreifend, dasselbe so lange mitnimmt, bis Fig. 23. der federnde Sperrkegel c1 durch die schiefe Ebene in der Scheibe wieder in die frühere Stellung zurückversetzt wird. Dies wiederholt sich bei jeder Umdrehung des Gehäuses r und das Rad a rückt dadurch jedesmal um einen Zahn vor. Das Fahrzeug legt bei einer Umdrehung des Rades a 10 m zurück, welche von dem Zeiger 1 (Fig. 19 und 20) angezeigt werden. Die Sperrklinke c2, welche an dem Rade a befestigt ist, wirkt genau so durch einen in der Scheibe h angeordneten Schlitz hindurch auf das Rad b ein, wie Sperrklinke c1 durch Scheibe g hindurch auf Rad a. Hat das Rad b 100 Zähne, so zeigt Zeiger 2 nach einer vollständigen Umdrehung des Rades b auf dem Zifferblatte m 1 km an. Durch dieselbe Uebersetzung von zeigen die Räder c und d 100 km bezieh. 1000 km an.

Der Wegemesser von V. Bertoglio Fu Matteo in Genua (D. R. P. Nr. 79017) wird mittels des gebogenen Armes D an der Gabel des vorderen Velocipedrades in der Weise befestigt, dass sich das Rädchen C (Fig. 22 und 23)auf dieses Rad stützt, gegen welches es mittels der Feder F leicht angedrückt wird. Dreht sich nun das Velocipedrad, so muss sich in Folge der von dem Drucke der Feder F ausgehenden Reibung das Rädchen C ebenfalls drehen, das seinerseits wieder die endlose Schraube B in Umdrehung versetzt. Diese überträgt ihre Bewegung durch ein Zahnradsystem auf die Zeiger L und l.

Textabbildung Bd. 297, S. 59

E. Bütikofer in Biel (Schweiz) hat einen Wegemesser construirt (D. R. P. Nr. 79019 und Schweizer Patent Nr. 7471), welcher in jedem Augenblick sowohl die Geschwindigkeit des Fahrzeuges als auch den zurückgelegten Weg angibt. Beide Einrichtungen werden von der Welle b (Fig. 25 und 26) aus in Thätigkeit gesetzt, und zwar diejenige, welche zum Messen des Weges dient, dadurch, dass der am Zahnrade d befestigte Stift e seine Bewegung auf das Rad f und weiter auf die Schnecken bezieh. Schneckenräder g, h, i und k überträgt. Zeiger l zeigt dann auf dem Zifferblatte m (Fig. 24) den zurückgelegten Weg in Kilometer an. Die Bewegung der Einrichtung zur Messung der Geschwindigkeit erfolgt ebenfalls von dem Zahnrade d aus, und zwar dadurch, dass der auf dem Rade d excentrisch gelagerte Anker n bei seiner Bewegung das Rad o mitnimmt. Auf der Welle p dieses Rades ist eine unter Einwirkung der Feder q stehende unrunde Scheibe s |60| angebracht, auf welche sich das Band t, welches Scheibe s mit Feder q verbindet, aufwickelt. Auf der Welle p sitzt noch der Zeiger u. Je nach der Geschwindigkeit, mit welcher sich das Fuhrwerk bewegt, macht der Zeiger u einen grösseren oder geringeren Ausschlag, zeigt also auf der empirisch festgestellten Scala die jeweilige Geschwindigkeit des Fuhrwerkes an.

Textabbildung Bd. 297, S. 60

Eine Geschwindigkeits-Anzeigevorrichtung für Fahrräder u. dgl. betrifft das unter Nr. 79667 Bauer und Landauer in Nürnberg ertheilte Patent. Auf der Welle b, welche durch Reibungsräder in Umdrehung versetzt wird, sitzt eine Scheibe c (Fig. 27 bis 29), mit welcher das eine Ende einer Feder a von kreisbogenförmiger Gestalt fest verbunden ist, während das freie Ende dieser Feder durch eine Schraubenfeder d mit der genannten Scheibe in Verbindung steht. Bei der Umdrehung des Fahrrades R wird die Rolle e durch Reibung mitgenommen und in Folge dessen auch die Achse b sammt der Feder a in rasche Umdrehung versetzt. Durch die sich hierbei entwickelnde Fliehkraft wird das belastete freie Federende unter Anspannung der Schraubenfeder d nach aussen geschleudert. Diese Eigenschaft der Vorrichtung wird benutzt, um bei Ueberschreitung einer gewissen Geschwindigkeit durch das freie Ende der Feder a ein sichtbares oder hörbares Signal hervorzubringen. Das obere Ende f1 (Fig. 27) eines um den Punkt h schwingenden, zweiarmigen Hebels f steht mit einer Signal Vorrichtung in Verbindung, während das untere Ende f2 dieses Hebels sich in geringem Abstande von dem freien Ende der Feder a befindet. Dieser Abstand ist so bemessen, dass die Feder a erst bei Erreichung der festgesetzten Maximalgeschwindigkeit das Hebelende f2 bewegt. Diese Bewegung wird dazu benutzt, um die oben erwähnte Signalvorrichtung, z.B. Glocke, zu bethätigen. Durch die derart hervorgebrachten Signale wird sowohl dem Radfahrer als auch den beauftragten Aufsichtsorganen sofort angezeigt, dass die zulässige Fahrgeschwindigkeit überschritten ist.

Textabbildung Bd. 297, S. 60
Textabbildung Bd. 297, S. 60

Einen Wegemesser, welcher ausser den zurückgelegten Wegstrecken noch die Geschwindigkeit anzeigt, mit welcher sich ein Fahrzeug bewegt, betrifft ferner der in der Schweizer Patentschrift Nr. 9153 beschriebene Apparat von F. Briault in Paris. Eine Schraube ohne Ende V (Fig. 30 und 31) überträgt ihre Bewegung auf die Achse a, welche durch ein Räderwerk P1P2P3P4 die Zeiger A1A2 in Umdrehung versetzt. Diese zeigen auf dem Zifferblatt die zurückgelegten Wegstrecken an. Das Zifferblatt ist mit zwei concentrisch angeordneten Scalen versehen, von welchen die äussere zur Angabe des zurückgelegten Weges und die innere zur Angabe der Geschwindigkeit dient. Die Einrichtung zur Anzeige der Geschwindigkeit erhält ihren Antrieb ebenfalls von der Achse a aus durch ein auf ihr befestigtes Rad d1. Dieses Rad überträgt seine Bewegung durch ein Getriebe p1p2p3d2d3 auf den Flügel r. Die Achsen des Triebwerkes werden von einem auf der Achse a lose sitzenden Gehäuse getragen, mit welchem der Triebe fest verbunden ist. Bei der Rotation des Flügels r setzt die Luft demselben einen Widerstand entgegen, welcher mit der Geschwindigkeit der Drehbewegung des Flügels wächst. Von einer gewissen Geschwindigkeit an wird dieser Widerstand so gross, dass das Gehäuse und mit ihm der Trieb p4 anfängt, sich um die Achse a zu drehen. Der Trieb p4 greift in den Zahnbogen E ein, dessen Drehung die Feder F entgegenwirkt, deren Spannung wächst mit der Neigung des Gehäuses. Ohne die Anordnung der Feder F würde das Gehäuse in Folge seines Beharrungsvermögens eine grössere Drehung ausführen, als der Grösse- der entsprechenden Geschwindigkeiten entspricht. Eine unrichtige Geschwindigkeitsangabe würde die Folge hiervon sein. Die Drehung des Gehäuses wird durch einen |61| Arm ql auf den Zeiger m übertragen, welcher die Geschwindigkeit an der inneren Scala anzeigt.

Textabbildung Bd. 297, S. 61

Geschwindigkeitsanzeiger für Velocipede von E. Boulier in Lilas bei Paris (Schweizer Patent Nr. 6708). Mit der Achse a dieses Instrumentes sind die beiden drehbaren Flügel l (Fig. 32 und 33) verbunden, deren Ausschlag in Folge der Centrifugalkraft zur Verschiebung der Stange m benutzt wird. Die Stange m steht unter der Wirkung der Feder f, deren Spannung sich mit der Zunahme der von den Flügeln l entwickelten Centrifugalkraft vergrössert. An die Feder f wird durch eine zweite Feder o der Stift n1 (Fig. 33) der Kurbel n2 leicht angedrückt. Letztere sitzt auf der Zeigerwelle. Die Bewegungen der Flügel l werden also durch die Stange m auf die Zeigerwelle n3 übertragen, deren Zeiger n4 auf der Scala die Geschwindigkeit in Kilometer per Stunde angibt.

Textabbildung Bd. 297, S. 61

Auf demselben Principe beruht ferner der Geschwindigkeitsanzeiger von Louis Martenet in Serrières (Neuchâtel, Schweiz), Schweizer Patentschrift Nr. 9028. Auf der Welle E (Fig. 34 und 35), welche von dem Fahrrade aus in Umdrehung versetzt wird, sitzt fest der Ring e eines Schwungkugelregulators, während der unter der Wirkung der Spiralfeder F stehende Ring e1 auf dieser Welle verschiebbar angeordnet ist. Die Translationsbewegungen des Ringes e1 werden durch den gebogenen Arm j1 und den Zahnsector I1 auf den Trieb H übertragen, welcher auf der Welle des Zeigers I sitzt. Die Bewegungsübertragung vom Fahrrad auf den Apparat wird durch den Eingriff eines Zahnkranzes in den Trieb E1 der Welle E bewirkt.

Textabbildung Bd. 297, S. 61

Bei dem Wegemesser von J. Rotherham, Hugh Rotherham und Kevitt Rotherham in Coventry, England (D. R. P. Nr. 79046), wird der Apparat von dem Rade des Fahrzeuges aus durch Frictionsrolle D (Fig. 36) und Schnecke C angetrieben. Diese setzt das Schneckenrad H in Bewegung, aus dessen oberer Fläche ein Stift I hervorragt. An der Unterseite der Platte I1 ist ein Gleitstück K (Fig. 37) angeordnet, welches um die Länge der Schlitze LL1 hin und her gleitet, sobald der Stift I bei den Umdrehungen des Schraubenrades abwechselnd an die mit dem Gleitstücke fest verbundenen Anläufe NN1 anstösst. Die Bewegungen des Gleitstückes werden durch die auf ihm angeordnete Klinke O auf das Zahnrad P der Zeigerwelle R übertragen. Die Bewegungsübertragung von dem Fahrzeugrade auf das Rad P geschieht vortheilhaft in solchen Verhältnissen, dass bei einem jeden zurückgelegten Kilometer das Rad P eine Umdrehung vollzieht. Ein zweiter Zeiger T, welcher durch beliebig angeordnete Uebersetzung von der Spindel R aus bethätigt werden kann, zeigt auf einem Zifferblatt Z die Anzahl der zurückgelegten Kilometer an, während der Zeiger S Bruchtheile eines Kilometers angibt.

Der Wegemesser von Geo E. Dell in London (D. R. P. Nr. 79485) zeigt insofern Aehnlichkeit mit dem vorbeschriebenen, als auch bei ihm zunächst die Umdrehungen des Fahrrades auf ein Schraubenrad übertragen werden, dessen Achse durch das Zifferblatt H hindurchragt und hier den Zeiger G trägt. Dieser Zeiger zeigt bei jeder seiner Umdrehungen zwei zurückgelegte Kilometer an. Auf dem Schneckenrade B (Fig. 38 und 39) liegt lose das Zahnrad I, dessen Achse conaxial mit der Achse A liegt. Ueber dem Rade I ist ein gleichgrosses feststehendes Rad K angeordnet. Mit beiden Zahnrädern kämmt ein auf dem |62| Schneckenrade befestigter Trieb L, welcher, da Rad K feststeht, eine Planetenbewegung ausführt, sobald sich das Schneckenrad bewegt. Die Anzahl der Zähne des Triebes L und der Zahnräder I und K sind so gewählt, dass bei jeder Umdrehung des Rades B das Zahnrad I um den fünfzigsten Theil einer Umdrehung zurückbleibt. Der an der Achse des Zahnrades I befestigte Zeiger I1 zeigt daher bis zu 100 km an. An der Achse des Zahnrades I ist ein Arm befestigt, der bei jeder Umdrehung des Zeigers I1 das Zahnrad N um einen Zahn weiterbewegt. Dieses Rad N hat zehn Zähne und der mit diesem Rade verbundene Zeiger O zeigt bei jeder seiner Umdrehungen 10 × 100 = 1000 km an.

Textabbildung Bd. 297, S. 62

Das unter Nr. 80918 patentirte Instrument von Th. Schroeder in New Prague (Nordamerika) ist mit einer Einrichtung versehen, dasselbe für Fahrräder von verschiedenem Durchmesser benutzbar zu machen. Auf der Hauptwelle B, welche in bekannter Weise von der Radnabe aus in Umdrehung versetzt wird, ist eine mit drei Sätzen beweglicher Zähne ausgerüstete Trommel C befestigt. Der eine Zahnsatz c befindet sich an der rechten Seite, der zweite Satz an dem Umfange und der dritte Satz c2 an der linken Seite der Trommel. Der Wegemesser ist für englisches Längenmaass bestimmt und es gibt der erste Satz c die Zahl der Fuss an, welche der Umfang des benutzten Wagenrades enthält, während der zweite Satz und Satz c2 sich auf Zoll und 1/16 Zoll beziehen.

Um den Wegemesser (Fig. 40 bis 42) entsprechend dem Durchmesser des Rades einstellen zu können, sind die Zähne am unteren Ende mit Schraubengewinde versehen, mittels dessen sie in die Trommel eingedreht oder ganz ausgeschraubt werden können. Ist beispielsweise der Umfang des Rades gleich 9 Fuss, 7 Zoll und 10/16 Zoll, so müssen bei Satz c 9 Zähne, beim zweiten Satz 7 Zähne und beim dritten Satz c2 10 Zähne vorstehen. Die Zähne cc2 stehen in Eingriff mit den Rädern d und f auf den Wellen D, E und F, welche ihrerseits mit einem Zählwerk in bekannter Weise verbunden sind. Das Zählwerk ist so eingerichtet, dass bis 100000 Meilen abgemessen werden. Der Apparat ist nach entsprechender Umänderung der Zähnezahlen der einzelnen Räder überall benutzbar, wo das metrische oder ein anderes Maassystem im Gebrauch ist.

Zum Schluss mögen noch zwei in den Vereinigten Staaten von Nordamerika patentirte Wegemesser Erwähnung finden. Bei dem einen, welcher unter Nr. 242157 patentirt ist, drehen sich mit der Radachse zwei oder mehrere Magnete, welche eine in einem Gehäuse lose auf der Achse sitzenden angeordnete Magnetnadel in entgegengesetzte Drehung versetzen. Diese steht mit einem Anzeigewerk in Verbindung. Bei dem anderen (patentirt unter Nr. 353479) werden die Bewegungen eines Gewichtes, das in einem Gehäuse hin und her gleitet, auf den Registrirmechanismus übertragen.

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