Titel: Neuerungen an Flüssigkeits-Zerstäuberdüsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297 (S. 197–200)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/ar297049

Neuerungen an Flüssigkeits-Zerstäuberdüsen.

(Schluss des Berichtes S. 178 d. Bd.)

Mit Abbildung.

Druckluftstreudüsen.

Das älteste und bekannteste Mittel zur Flüssigkeitszerstäubung ist die Benutzung von Pressluft in der Weise, dass ein aus einem Mundstücke austretender Pressluftstrahl gegen das dazu senkrecht stehende Flüssigkeitsmundstück trifft und dadurch in letzterem die Flüssigkeit ansaugt und beim Austritte zum Zerstäuben bringt. Diese Einrichtung wird auch neuerdings noch vielfach zur Flüssigkeitszerstäubung benutzt.

Textabbildung Bd. 297, S. 197

Um bei dieser Düsenanordnung möglichst tropfenfreien Wasserstaub zu erzielen, ordnet T. Schmitz in Rheydt (D. R. P. Nr. 55370 Kl. 27) nach Fig. 15 an dem senkrechten Flüssigkeitsmundstück W eine quer geriefte Zunge Z an. Die Pressluft aus der Düse L bläst das Wasser über die obere Riffelfläche der Zunge gegen die entgegenstehenden Riffelungen, wodurch eine vollkommenere Zerstäubung und Abscheidung von Wassertropfen erzielt wird.

Zur gleichzeitigen Absperrung und Oeffnung, sowie gleichmässigen Regelung des Stromes bei dem Luft- und Wassermundstücke |198| ordnet W. Baars in Hannover (D. R. P. Nr. 75208 Kl. 30) einen Doppelhahn an. Wie aus Fig. 16 zu entnehmen ist, sind um diesen Doppelhahn h, in welchen von oben durch das Rohr L die Pressluft und von der Seite durch das Rohr W das Wasser eingefühlt wird, mehrere Wasser- und Luftmundstücke w und l angeordnet, so dass bei Verdrehung des Hahnes mittels eines Aufsteckschlüssels gleichzeitig bei allen Mundstücken der Zutritt geregelt und abgesperrt wird und der Zutritt auch bei Oeffnung gleichzeitig beginnt.

Textabbildung Bd. 297, S. 198

Die umgekehrte Mundstück- oder Düsenanordnung gegenüber der bisher betrachteten gewöhnlichen wendet Th. Winter in Zell i. W., Baden (D. R. P. Nr. 23083 Kl. 27), an. In das Wasser des von dem Rohre W (Fig. 17) gefüllt erhaltenen und mit dem Ueberlauf u versehenen Gefässes G tauchen die um das Luftzuführrohr L angeordneten, oben zu wagerechten Mundstücken umgebogenen Rohre w ein, und kommen die Spitzen der Mundstücke über die Oeffnungen einer das Rohr L abschliessenden Platte s zu stehen, durch deren Oeffnungen die Luft austritt, welche dann das Wasser in den Rohren w ansaugt und beim Austritte zerstäubt.

Textabbildung Bd. 297, S. 198
Textabbildung Bd. 297, S. 198

Die von P. E. Mauteau in Reims (D. R. P. Nr. 57990 Kl. 27) angegebene Düsenanordnung ist insofern bemerkenswerth, als dieselbe in einander tretende Düsen besitzt. Das Wasser läuft einem Gefässe G (Fig. 18) frei durch das Rohr W zu, und wird in dem Gefässe ein gleichbleibender Wasserstand durch ein Ueberlaufrohr u erhalten. In das Wasser des Gefässes taucht ein im inneren Röhrenhals des Deckels desselben steckender Docht d, durch welchen das Mundstück des Luftzuführungsrohres L reicht. Ueber dem Mundstücke ist auf dem Gefässdeckel die Platte i befestigt, die ein kegelförmiges Loch besitzt. Durch dasselbe bläst der Pressluftstrahl nach aussen, welcher dabei das Wasser aus dem Docht mitreisst und zerstäubt.

In einander steckende Düsen besitzt auch die Einrichtung von E. Gillet von Montmore in Wien (D. R. P. Nr. 69932 Kl. 27). In dem Wasserzuführrohre W (Fig. 19) steckt das Luftzuführrohr L, welches sein Mundstück innerhalb des das Rohr W abschliessenden glockenförmigen Mundstückes g besitzt. Der Innenraum desselben dient gewissermaassen als Mischkammer für das Pressgas oder die Pressluft mit der zugeführten Flüssigkeit oder dem Wasser, und wird daher schon in diesem Mischraum eine Wasserzertheilung stattfinden, welche beim Austritte aus dem Mundstücke g eine vollkommene Zerstäubung gibt.

Sowohl das Pressluftmundstück, als das Mundstück g können statt einer grösseren Oeffnung mehrere kleinere Oeffnungen erhalten, und das Mundstück g kann auch innen mit schräg oder schraubenförmig stehenden Rippen versehen werden, wie Fig. 20 zeigt, um eine Wirbelung des zugeführten Wassers zu erzeugen und damit die feine Zerstäubung zu unterstützen.

Textabbildung Bd. 297, S. 198

Wie im letzteren Falle die Wirkung der Pressluftzerstäubung mit der der Centrifugalzerstäubung vereinigt wird, so ist auch die erstere Wirkung mit der der Prallzerstäuber in steckende der Einrichtung von W. Tattersall in Accrington (Englisches Patent Nr. 284 vom J. 1893) vereinigt. Wie aus Fig. 21 zu entnehmen ist, wird der mittels Pressluft aus dem Rohre l an der Wasserdüse w erzeugte Wasserstaubstrahl gegen eine feste Scheibe p geblasen und zerstäubt durch den Anprall noch weiter.9)

Zu bemerken ist noch, dass sich die Düsenanordnungen der dritten Gruppe weniger für Lüftungszwecke, also zum Fortbewegen von Luft eignen, nur die Anordnungen Fig. 13 und 14 lassen diese Benutzung mit genügendem Erfolge zu. Ebenso sind auch die Pressluftzerstäuber im Allgemeinen für die Fortbewegung von Luft weniger geeignet, doch eignen sich auch hier Anordnungen mit in einander steckenden Mundstücken, wie Fig. 19, für diesen Zweck.

Textabbildung Bd. 297, S. 198

Die bisher betrachteten Zerstäubungsvorrichtungen waren Düsenanordnungen, weil damit im Allgemeinen volle oder Hohlstrahlen erzeugt wurden, die bei ihrem Austritte dann der Zerstäubung unterliegen. Es seien nun hier auch noch die Vorrichtungen mit erwähnt, welche die Zerstäubung von Flüssigkeiten durch Bildung vieler, möglichst feiner Wasserstrahlen zu erreichen suchen. Es sind dies also mehr Brausen, und die Zerstäubung wird mit denselben kaum so vollkommen erreicht werden, als mit den eine besondere Zerstäubungswirkung auf den austretenden Flüssigkeitsstrahl ausübenden Düsenanordnungen.

Textabbildung Bd. 297, S. 198

Die Bildung mehrerer feiner Wasserstrahlen benutzt auch die beschriebene Merz'sche |199| Pralldüse (Fig. 10). Solche in einem Kreise stehender Strahlen, aber von grösserer Zahl, erzeugt die Brause von H. Mestern (D. R. P. Nr. 14827 Kl. 85), welche Fig. 22 zeigt. In die Glocke g ist ein unten geschlossenes, mit einem fein gerieften Kegelbund k versehenes Rohr r geschraubt, so dass sich der Kegelbund fest in die entsprechende Oeffnung der Glocke g setzt und durch dessen Riffelungen viele kleine Kanäle für den Austritt des Wassers gebildet werden.

Textabbildung Bd. 297, S. 199

Die Bildung dieser vielen kleinen Austrittsöffnungen für die Flüssigkeit wird bei der Brause von H. Betche in Berlin (D. R. P. Nr. 44744 Kl. 27) dadurch erzielt, dass der Rand einer Glocke g (Fig. 23) radial gerieft ist, und auf diesen Rand ein Deckel d geschraubt wird. Durch Lösen des Deckels lässt sich die Brause leicht reinigen.

Textabbildung Bd. 297, S. 199

In ähnlicher Weise ist bei der Brause von A. Dittmar in Berlin (D. R. P. Nr. 30097 Kl. 85; vgl. 1884 255 * 365) die Glocke g (Fig. 24) durch einen fein gezahnten Deckel d abgeschlossen. Auf diesen Deckel ist noch ein zweiter fein gezahnter Deckel geschraubt, so dass die aus den Lücken des ersten Deckels austretenden Strahlen durch die zweite Zahnung nochmals getheilt werden.

Bei der Zerstäuberbrause von S. Frank in Frankfurt a. M. (D. R. P. Nr. 76702 Kl. 27) wird über einer Glocke g (Fig. 25) eine Scheibe d so gehalten, dass die untere wagerechte Fläche derselben sich mit der Oberkante der zum Scheibendurchmesser genau passenden Glockenmündung vergleicht. Die Brause bildet daher einen Rohrstrahl, der sich gewissermaassen aus zwei Strömungen zusammensetzt; einer wagerechten am unteren Rand der Scheibe und einer senkrechten am Rand der Glockenmündung. Das Zusammentreffen der beiden Strömungen in dem feinen Austrittsringschlitze soll eine vollständige Zerstäubung ergeben.

Textabbildung Bd. 297, S. 199

Das Wasser und die Luft führen stets Schmutz und Staub mit sich, und es ist bei dem gezwungenen Durchtritt durch Mundstücke nicht zu vermeiden, dass sich der Schmutz in den Mundstücken ansetzt. Dadurch werden diese verstopft, die Zerstäubung wird schlecht und hört schliesslich ganz auf. Dies ist ein grosser Uebelstand der Zerstäubungsdüsen, und man muss deshalb bedacht sein, denselben zu vermeiden oder abzumindern. Im Allgemeinen sucht man sich hier durch Einfügen von Sieben und Filtern in die Flüssigkeitszuleitungen und vor den Düsen zu helfen. So zeigen die Fig. 4, 12, 16 und 23 solche Siebe, und auch bei den Körting'schen Streudüsen werden in die Düsenglocken Siebe eingesetzt. In Fig. 19 wirkt der Docht d als Filter für den vom Wasser mitgeführten Schmutz, und sonst schaltet man Filter in die Saug- und Druckleitungen der Pumpen ein, welche den Düsen das Wasser zuführen. Alle diese Siebe und Filter müssen aber wieder von Zeit zu Zeit gereinigt werden, womit aber die Düsen selbst, in denen sich noch immer, wenn auch nur weniger Schmutz ansetzen wird, so dass eine Verstopfung seltener eintritt, nicht gereinigt werden. Es sind deshalb Vorrichtungen ersonnen worden, die gewöhnlich schwerer zugänglichen Düsen selbsthätig zu reinigen. Diese Reinigung erfolgt allgemein in einem Ausspülen, wozu die kleinen Austrittsöffnungen erweitert und frei gelegt und von einem Wasserstrahl bespült werden. Es ist dabei nicht nöthig, an die Düsen selbst heranzukommen.

Für Centrifugalstreudüsen sind solche selbsthätige Reinigungseinrichtungen noch nicht bekannt geworden und sind dieselben auch vielleicht nicht so nöthig, weil die Düsenöffnungen grösser sind und deshalb eine Verstopfung bei durch Filter rein gehaltenem Wasser nicht so häufig eintritt.

Textabbildung Bd. 297, S. 199

Für Düsen mit mehreren Strahlen, im Besonderen für die Gumtow'sche Düse (Fig. 7) ist die von M. A. Lutzner in Berlin (D. R. P. Nr. 47436 Kl. 85) angegebene und in Fig. 26 und 27 veranschaulichte Einrichtung bestimmt. Die drei gegen einander gerichteten Strahlöffnungen werden von den in einem Kegel k eingearbeiteten Spuren und der Oeffnung des Mundstückes M gebildet, in welche der Kegel k durch den Wasserdruck gepresst wird. Das in die Düse tretende Presswasser drückt ebensowohl auf die untere Fläche des Kegels k, als die mit demselben verbundene Scheibe s. Lässt nun der Druck des Wassers nach, so kommt die auf dem Verbindungsstift von Kolben k und Scheibe s steckende Feder f zur Wirkung und zieht den Kolben aus der Mundstücköffnung zurück. Die Strahlkanäle werden dadurch frei, und das immer noch, aber mit geringerem Druck, in die Düse tretende Wasser spült die Kanäle und die Mundstücköffnung von angesetztem Schmutz frei.

Textabbildung Bd. 297, S. 199

Eine ähnliche Einrichtung besitzt die Düse von F. Fayot in Zürich (D. R. P. Nr. 52232 Kl. 85), welche die Anwendung der selbsthätigen Reinigung bei der Mestern'schen Pralldüse (Fig. 13) darstellt. Wie Fig. 28 ersehen lässt, ist die Einrichtung der Düse dieselbe, nur ist der die Strahlöffnung bildende Kegel K verkehrt angeordnet. Dieser Kegel K sitzt auf einer Stange t, die durch eine Mutter n mit dem einen Ende einer auf der Stange t steckenden, als Feder wirkenden Gummihülse f verbunden ist. Das andere (untere) Ende der Gummihülse ist in einem festen Rohre befestigt.

Wenn der Wasserdruck steigt, so wird der Kegel K nach aussen gepresst, die Strahlöffnung erweitert und ausgespült. |200| Nach dem Mindern des Wasserdruckes zieht die Feder f den Kegel K wieder zurück. Hier gehört also zur Reinigung, entgegengesetzt zu der vorher beschriebenen Einrichtung, eine Steigerung des Wasserdruckes.10)

Bei der Merz'schen Pralldüse (Fig. 10) findet die selbsthätige Reinigung durch Hineindrücken des Stiftes B in das Mundstück M statt. Dazu wird durch Drahtzug o. dgl. die Prallscheibe S niedergeführt, so dass dieselbe zum Aufsitzen auf den Stift B kommt und denselben dann niederdrückt. Beim Zurückgehen der Scheibe S bringt der Wasserdruck den Stift B sofort wieder in seine richtige Lage.

Textabbildung Bd. 297, S. 200

Für Pressluftzerstäuberdüsen kommt die von J. G. Garland in Biddeford (Nordamerika) (vgl. Leipziger Monatsschrift für Textilindustrie, 1893 * S. 452) benutzte Einrichtung in Betracht. Hierbei werden sowohl in die Wasser- als Luftdüsenöffnung von innen spitze Drähte geführt, welche den in den Oeffnungen abgesetzten Schmutz und Staub herausstossen.

Für Ventilationsbrausen mit mehreren feinen Wasserstrahlen ist die selbsthätige Reinigungsvorrichtung der Commanditgesellschaft Heinr. Röth und Co. in Mannheim (Gebrauchsmuster Nr. 4509) bestimmt. Nach Fig. 29 ist der in dem Mundstücke sitzende geriefte Kegel k mit einem in dem Mundstücke geführten Kolben O verbunden, und hält eine Feder f den Kegel k in festem Schluss mit dem Mundstücke, wozu noch der von unten auf den Kolben O wirkende Wasserdruck kommt. Wird aber der Druck in dem Wasserzuführrohre W gemindert und Presswasser oberhalb des Kolbens O durch das Rohr D zugelassen, so wird der Kegel k herausgedrückt und rein gespült. Nach Aufhören des Druckes über dem Kolben zieht die Feder f den Kegel sofort wieder zurück.

Der Kegel k kann die Riffelung auch schräg oder schraubenförmig erhalten, so dass dann die Strahlen schräg austreten und gewissermaassen ein drehender Wasserstaubkegel gebildet wird. Auch hierbei lässt sich die selbsthätige Reinigungsvorrichtung anwenden, worauf sich das Gebrauchsmuster Nr. 4511 derselben Gesellschaft bezieht. Das Gebrauchsmuster Nr. 4510 dieser Gesellschaft bezieht sich auf das Niederziehen des Brausenkegels zur Reinigung mittels Drahtzug.11)

G. Rohn.

|198|

Mit Pressluft arbeiten auch die Flüssigkeitszerstäuber der Berliner Actiengesellschaft für Eisengiesserei und Maschinenfabrikation, früher J. C. Freund und Co. in Charlottenburg (Gebrauchsmuster Nr. 26654 Kl. 27), und von dieser und Rob. Leicht in Vaihingen (Gebrauchsmuster Nr. 27552 Kl. 27).

|200|

Vgl. die Gebrauchsmuster Nr. 10152, 11198 und 12525 (Zerstäuber mit selbsthätiger Reinigung von A. Weihmann bezieh. O. Mestern und F. Gülter in München).

|200|

Vgl. auch Gebrauchsmuster Nr. 9341 von O. Hering in Berlin.

Für Zerstäuberdüsen kommt der von R. Ostermeyer in Hamburg (D. R. P. Nr. 58904 Kl. 27) angegebene Hahn in Betracht, dessen Kegel mit mehreren Rinnen von verschiedenem Querschnitt, die sich über einen Theil des Kegelumfanges in verschiedener Länge erstrecken. Je nachdem die eine, mehrere oder alle dieser Rinnen zur Verbindung des Ein- und Auslaufen kommen, wird der Druck in der Düse und damit der Flüssigkeitsstrahl verschieden stark werden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: