Titel: Neuere Schmiedepressen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297 (S. 248–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/ar297061

Neuere Schmiedepressen.

Mit Abbildungen.

Nach Versuchen von Dr. Kollmann1) fällt die Zugfestigkeit von Schweisseisen bei Temperaturen von 600 bis 1100°, um je 100° ansteigend, von 7,0 k/qmm auf 6,2, 4,0, 2,2, 1,5 bis 1,2 k/qmm bei 1100°.

Beim Schmieden und Strecken mittels Pressen werden bedeutend höhere Druckspannungen im Werkstückmaterial angenommen. – Stahlblöcke können mittels Schmiedepressen durch Druck vortheilhaft behandelt werden, während Schweisseisen besser mit Schlagwirkung unter Dampfhämmern bearbeitet wird. – Mit Pressen von 1200 t Druckwirkung können stündlich 18 t Stahlingots von 400 zu 400 mm Geviertquerschnitt zu Panzerplatten von 200 mm Stärke ausgeschmiedet werden. Je 3 t Stahlingot von 700 zu 470 mm Breite und Dicke kann in 10 Minuten auf einen Mittelquerschnitt von 660 zu 180 mm Breite und Dicke abgerichtet werden, eine Leistung, die mit einem 30-t-Dampfhammer kaum zu erzielen ist. – Da die Nutzarbeit des Dampfhammers von dem Schlaggewichte und dem Gewichte der Chabotte abhängt, deren kolossales Gewicht aber kostspielige Grund werke bedingt, auch die Ausnutzung des Dampfes im Cylinder sehr mangelhaft ist und der Dampfverbrauch mit der Werkstückshöhe zu-, die Leistung durch die Verminderung des Fallhubes aber abnimmt, so sind diese Nachtheile des Dampfhammers den Vortheilen der Presse gegenüber wohl zu beachten.

Die Schmiedepresse bedarf keiner Chabotte, auch keiner grossen Grundwerke; die Lieferung der Betriebskraft, des Presswassers, erfolgt durch vollkommene stetig wirkende Kraftmaschinen. Zwar beschränkt auch hier die Höhe des Werkstückes den Hub des Presskolbens, diese Einbusse bleibt aber ohne Einfluss auf die Nutzleistung.

Mit der Presse kann sowohl die Arbeit des Schmiedens und Streckens, als auch der Formgebung in Gesenken bewerkstelligt werden.

Um günstige Arbeitsergebnisse zu erhalten, müssen die Presstheile eine genügende Festigkeit und Steifigkeit besitzen, die Presse muss mit vollkommenen Pump- und Ventil werken ausgerüstet, sowie mit Hebevorrichtungen zur Bewältigung der Werkstücke ausgestattet sein.

In der Hauptsache besteht jede Schmiedepresse aus zwei Tragplatten, welche durch vier Säulen verbunden sind.

In einer dieser Platten ist der Presscylinder eingebettet, während der Presskolben den Tisch mit dem Gesenk trägt. Nur bei Biegepressen, die drei unbeschränkte freie Arbeitsseiten erhalten müssen, wird das Pressengestell C-förmig ausgebildet.

Wasserpressungen von 50 bis 100 k/qc verursachen wenig Störungen bei der Instandhaltung der Ventile und Rohrleitungen.

Dagegen wird das Dichthalten derselben bei Pressungen von 500 bis 650 k/qc die grössten Schwierigkeiten, namentlich bei kleineren Arbeitsperioden oder öfteren Unterbrechungen bedingen. Geliefert wird das Presswasser von Kraftspeichern (Accumulatoren) oft mit Anwendung zwischengeschalteter Druckübersetzer (Multiplicatoren).

Als Belastung des Kolbens für den Kraftspeicher dienen Gewichte, neuerdings werden aber diese durch grössere Dampf- und Luftdruckkolben belastet oder durch Dampfkolben unmittelbar bethätigt, während bei den Druckübersetzern die Triebkraft gewöhnlich das vom Speicher gelieferte Presswasser ist.2)

Durch unmittelbaren Dampfbetrieb des Accumulatorkolbens werden Presswasser- und Luftpumpenwerke erspart.

Einem in Stahl und Eisen, 1894 Bd. 14 * S. 901, auszugsweise mitgetheilten Vortrage von Tweddell ist das Folgende über Schmiedepressen entnommen.

Textabbildung Bd. 297, S. 249

Der eigentliche Erfinder der hydraulischen Presse ist bekanntlich der englische Mechaniker Joseph Bramah, der in einer Vorstadt Londons in Denmark Street in St. Giles seine mechanische Werkstätte besass.

Sein Werkführer Henry Maudslay lieferte zu diesen 1795 erfundenen Pressen die zum Abdichten der Kolben erforderlichen, noch bis jetzt unübertroffenen Lederstulpringe.

In Fig. 1 ist eine im J. 1847 von Charles Fox gebaute Presse, in Fig. 2 die erste Schmiedepresse, von Haswell in Wien 1861 gebaut, dargestellt, welche wegen ihrer geringen Kraftwirkung (700 t) mehr zu Gesenkarbeit als zum Schmieden sich eignete.

Um den Arbeitszwischenraum dem Werkstück anzupassen, hat Bessemer in seiner Presse (Fig. 3) den Pressbär c durch eine starke Schraubenspindel b stellbar gemacht, während bei der Whitworth-Presse (Fig. 4) das ganze Querstück b mit dem Presscylinder a an Schraubensäulen c durch Muttern d Stellbarkeit erhält, sowie es durch hydraulische Hebewerke f gehoben wird. Durch diese Verstellbarkeit der Arbeitshöhe wurde eine Verkürzung der Presscylinder angestrebt, welche aber nach Ueberwindung der Herstellungsschwierigkeiten nicht mehr in Frage kommt.

Textabbildung Bd. 297, S. 249

So zeigt noch die in Fig. 5 vorgeführte Davy'sche Presse zwei Presscylinder mit Kolben e, welche auf das Querhaupt a wirken, das sich im Holm mit dem Mittelzapfen b führt, eine Umgehung zu grosser Cylinder, während bei der Walker'schen Presse (Fig. 15 und 16) der einzige Presscylinder e in das Querhaupt d eingesetzt, der Kolben b aber an das Holmstück angeschlossen ist, an dem die Hebecylinder c seitliche Anordnung finden.

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Fielding und Platt's Pressen.

Textabbildung Bd. 297, S. 250
Textabbildung Bd. 297, S. 250

Fielding und Platt geben ihren Pressen eine abweichende Anordnung (Fig. 6 und 7), indem die Presscylinder a im Untertheil b mit nach abwärts gerichteten Kolben auf ein Querstück c wirken, welches mittels geführter Zugstangen d ein Querhaupt f niederwärts bewegt, an dessen Unterseite das Hammerstöckel g angebracht ist, welches auf den Ambosstock h wirkt. Passende Führungsgestelle k, sowie Hebekolben i vervollständigen das Presswerk.

Wenn nun die vorgeführten Pressen für Drücke von 1000 bis 5000 t bestimmt sind, so finden nicht minder kleinere Pressen von 30 bis 150 t Wirkung ein stetig sich erweiterndes Arbeitsgebiet, namentlich dadurch, dass dieselben für eine grössere Hubzahl, 50 bis 60 in der Minute, eingerichtet sind, so dass mit diesen ganz wohl alle Arbeiten des Dampfhammers, also auch jene des Schweissens, durchgeführt werden können. Solche Presshämmer sind mit einseitigem Hammergestell (Fig. 8 und 9) namentlich bei Blecharbeiten beliebt, während jene mit Säulengestell (Fig. 10 bis 12) zum Schmieden vorgezogen werden.

Textabbildung Bd. 297, S. 250

Davy's 2000-t-Schmiedepresse.

In Spencer's Stahlwerk in Newcastle-on-Tyne ist eine Pressenanlage vorhanden, dessen Wasserspannung auf 316 k/qc gesteigert werden kann, während die Pressluft im Windkessel m auf 4,4 k/qc gespannt wird.

Textabbildung Bd. 297, S. 250

Diese Anlage ist in Fig. 13 und 14 und zwar schematisch dargestellt. Die Presse entspricht der bereits erwähnten Anordnung (Fig. 5), deren Querhaupt a durch den Mittelzapfen b im Holm c und an den vier Säulen d geführt ist. Derselbe wird durch zwei Presskolben e niedergedrückt und von zwei Rückzugskolben f gehoben, dessen untere Cylinderräume mit dem Ventilsatz durch Rohrleitungen g in Verbindung stehen, während die Rohrleitung kl vom Windkessel m bis zu den beiden Presskolben e führt, wobei Abzweigungen nach den Saugventilen der Presspumpen o, sowie auch nach dem Abströmventil p bei Einschluss des selbsthätigen ringförmigen Zwischenventils q vorhanden sind, an dem sich das Steuerventil r anschliesst. Hebekolben, die an den Ventilen p und r sich vorfinden, ermöglichen deren leichte Steuerbarkeit, welche mittels des Steuerhebels t durch den Steuerschieber s erreicht wird. Dagegen wird durch das Handrad u der Pumpenbetrieb eingeleitet und geregelt.

Vor Beginn der Auflage des Pressbärs a auf das Werkstück erzeugt das todte Gewicht der Querhaupttheile |251| in den Hebecylindern f eine hohe Wasserpressung, welche die Pumpenventile o und das Steuerventil r belastet. Sobald der Pressbär a sich auf das Schmiedestück legt, wird eine Entlastung des Presswassers eintreten, derzufolge das vorher gehobene Ringventil q durch die Eigenschwere niederfällt, wodurch die ebenfalls vorher geöffnete Anschlussleitung kl vom Windkessel m nach den Presscylindern abgeschlossen wird. Demgemäss wird auch die weitere Füllung der Presscylinder vom Windkessel aus unterbrochen.

Textabbildung Bd. 297, S. 251

Wenn nun darauf die Umsteuerung des Schiebers s vorgenommen wird, so wird das Steuerventil r geöffnet und gleichzeitig das Abströmventil p geschlossen. Bei geöffnetem Steuerventil r und selbsthätig geschlossenem Kingventil q wird das von dem Pumpwerk o gelieferte Presswasser durch die mittlere axiale Bohrung des Ringventils q in der Hauptleitung Je nach dem Presscylinder gedrückt.

Nach beendeter Schmiedepressung und nach eingelegtem Steuerschieber s wird das Ventil p geöffnet und gleichzeitig r geschlossen. Durch den in der Leitung vorhandenen Ueberdruck wird das Ringventil q gehoben und dadurch die Verbindung mit dem Windkessel m herbeigeführt, während das Pumpwerk o Presswasser bis zum vollendeten Auf hübe unter die Hebekolben drückt, deren Zweigleitung währenddessen durch das Ringventil q abgeschlossen ist.

Tannet und Walker's Schmiedepressen.

Eine in der Gusstahlfabrik von Fried. Krupp in Essen aufgestellte 5000-t-Schmiedepresse ist für die Bearbeitung von Schmiedestücken bis zu 5,5 m Länge und Breite eingerichtet, daher die Säulenabstände entsprechend dieses Maass erhalten. Das obere Querstück lässt sich um 2,13 m hochverstellen, so dass zusammen mit dem Kolbenhube von 0,914 m eine Gesammtverstellung von annähernd 3,044 m ermöglicht wird. Das obere Querhaupt wird durch Hebekolben getragen, deren Cylinder an einem festen oberen Rahmenstück befestigt sind. Nach Einstellung des Querhauptes in die gewünschte Höhenlage wird derselbe an die Standsäulen durch besondere liegende Presskolben verriegelt. In diesem Querhaupt ist der Presscylinder eingeschlossen, so dass der Kolben mit dem Pressbär daraufhin in Hubbewegung versetzt werden kann, wozu Hebekolben dienen. Auf die unteren 2041 mm hohen Vollblechträger sind in voller Auflage zwei 1020 mm hohe Längsträger gelegt, auf welchen ein gewaltiger durch Presskolben bethätigter Ambosschlitten sich aus dem Pressgestell verschieben lässt. so dass mit dem Amboss auch das Schmiedestück in den Bereich des 150 t tragkräftigen Laufkrahnes von 18,3 m Spurweite gelangt.

Ueber besondere Einzelheiten dieser interessanten Maschine ist in der Quelle Stahl und Eisen, 1894 Nr. 20 * S. 908, nichts erwähnt.

Eine ähnliche Bauart besitzt eine 20001 starke Schmiedepresse (Fig. 15 und 16) von Tannet und Walker in Leeds, welche in dem Werk der Société Cockerill in Seraing sich befindet. Bei dieser Presse ist der Kolben b am oberen feststehenden Holm a unmittelbar angeschraubt, an dem seitlich die Cylinder c für die Hebekolben angebracht sind. Diese tragen ein starkes an den Standsäulen l geführtes Querhaupt d, in welchem sich der Presscylinder e und der Pressbär f befindet. Während also das obere Presswerk, verglichen mit der Krupp'schen Presse, eine gerade umgekehrte Anordnung besitzt, sind die Grund werke ziemlich übereinstimmend. Auf den zwei Grundträgern g sind längere Querträger h von geringer Höhe aufgelegt, auf denen der Ambosschlitten i sich durch Presskolben k verschieben lässt. Bei 3,8 m Säulenabstand beträgt der Kolbenhub annähernd 2,0 m.

Textabbildung Bd. 297, S. 251

Tannet, Walker und Co. in Leeds haben für Witkowitz eine 2000-t-Schmiedepresse für Panzerplatten geliefert, deren Abmessungen nach Stahl und Eisen, 1894 Bd. 14 Nr. 12 * S. 553, folgen:

Presskolbendurchmesser 810 mm, drei Accumulatorkolben zu 229 mm Durchmesser und 1150 mm Hub für Wasserpressung p = 600 k/qc, ein Rückzugsaccumulator mit Kolbendurchmesser, 500 mm Hub, 3000 mm für Wasserpressung |252| von p1 = 50 k/qc, Dampfcylinderdurchmesser D = 1067 min für das Pumpwerk von 105 bezieh. 118 mm Kolbendurchmesser.

Greenword und Batley's Schmiedepresse mit Dampfdruckübersetzer.

Textabbildung Bd. 297, S. 252

In Fig. 17 bis 21 bedeutet a die Grundplatte, b den Holm, der mit den vier Säulen c das Pressgestell bildet. Im Holm ist der Presscylinder eingesetzt, dessen Kolben d das Querhaupt e mit dem Pressbär f trägt. Getragen wird das an den Säulen geführte Querhaupt e durch zwei Kolbenstangen g, deren Kolben im Dampfcylinder h sich bewegen und die mit demselben Dampfe arbeiten, mit welchem im Hauptcylinder i des Druckübersetzers der grosse Kolben auf den Presswasserkolben k wirkt. – Zu bemerken ist noch, dass sich im J. 1862 die Firma Shanks und Köhn eine Schmiedepresse mit Dampfdruckübersetzer patentiren liess.

Brown's 1500-t-Schmiedepresse.

Von Brown Brothers and Co. in Edinburgh wurde für das eigene Rosebank Iron Work eine Schmiedepresse von 1500 t Druckäusserung gebaut, welche nach Engineering, 1893 Bd. 55 * S. 913, die aus Fig. 22 und 23 ersichtlichen Einrichtungen und folgende bemerkenswerthe Abmessungen besitzt.

Der im Holm a eingesetzte Gusstahlpresscylinder hat 660 mm Durchmesser bezieh. der Kolben 3421 qc Kolbenfläche und rund H = 1 m Hub, was bei einer Wasserspannung von p = 465 k/qc einen grössten Arbeitsdruck von 1590 t, welcher mit Rücksicht auf Reibungswiderstände und den Rückzugskolben sich auf 1500 t ermässigt. Der unmittelbar an den Hauptkolben angesetzte Rückzugskolben b wird ununterbrochen mit einer Wasserpressung von p1 = 55 k/qc von einem Accumulator bethätigt, ebenso erfolgt die Nachfüllung des grossen Presscylinders mit Wasser von dieser Spannung von demselben Accumulator aus. Erst bei Beginn des Andruckes am Schmiedestück wird Presswasser von 465 k/qc zugeleitet.

Ein Dampfdruckübersetzer c von d = 914 mm Kolbendurchmesser bezieh. 6561 qc Fläche und 2133 mm Kolbenhub wirkt auf einen Presspumpenkolben d von 127 mm Durchmesser bezieh. 126,67 qc Querschnitt, welcher bei jedem Vollhube der Presse den Bär um je 76 mm niederstellt.

Bei einem Dampfüberdruck von

kann mit 20 bis 30 minutlichen Hüben selbsthätig gearbeitet werden.

Die Hochstellung des Dampfkolbens erfolgt nach beendeter Umsteuerung einfach durch den oberen Rückzugskolben b, welcher beim Anheben des Pressbärs das Arbeitswasser aus dem Presscylinder a in die Pumpe e zurückleitet und dabei das Kolbengestänge d hebt. Sonach arbeitet dieses Pumpwerk ohne jegliches Ventil, durch einfache Vermittelung der Rohrleitung f.

Textabbildung Bd. 297, S. 252

Gesteuert wird durch den am Pumpenkolben angeschlossenen Kreuzkopf g, in dessen Arm h eine Mutter mit Steilgewinde vorhanden ist, die eine Stange i mit gleichem Steilgewinde umfasst und dadurch in Drehung versetzt. Mittels eines am oberen Ende mit feinem Gewinde versehenen Ansatzstückes wird ein geführtes Querstück k in Hubbewegung versetzt, wodurch Anschläge an einer Steuerstange l getroffen werden, die mit der Stange des unteren Hilfssteuerventils m in Verbindung steht. Nun kann mittels eines Handrades n der obere Anschlag geregelt werden, wodurch der Pumpenhub abgeändert werden kann. Durch das untere Hilfssteuerventil wird aber ein |253| Dampfkolben gesteuert, an welchem mittels Stange o der eigentliche obere Steuerkolben p angeschlossen ist. Dieser letztere kann auch durch den Handhebel q bethätigt werden, sowie ein Federkraftventil r das am Dampfzuleitungsrohr s vorgesehene Drosselventil t einstellt. Zudem ist ein Ventilkopf u mit Sicherheitsventil vorhanden, um Presswasser von 55 k/qc vom Accumulator nach dem Presscylinder a zum Nachfüllen einzuleiten.

Meistens ist diese Nachfüllung nach jedem Arbeitshübe erforderlich, und weil der volle Pumpenhub nur für 76 mm Hub des Pressbärs zureicht, so wird an Stelle einer vollen Entlastung des im Presscylinder vorhandenen Wassers die Nachfüllung vom Accumulator besorgt, indem das Wechselventil u durch den Handhebel v gesteuert und Presswasser von 55 k/qc nach dem Arbeitscylinder durch die Rohrleitung f gespeist wird. In Folge dessen bleibt der Pressbär nicht nur liegen, sondern wirkt mit 3421 . 55 = 188 oder annähernd 180 t auf das Schmiedestück und mit 126,67 . 55 = 696,6 k oder mit rund 670 k auf den Pumpenkolben des Dampfdruckübersetzers und bringt dadurch denselben in die Hochstellung, worauf nach Verschluss des Wechselventils u der Presshub mit ansteigendem Arbeitsdruck beginnt, wobei der Rückzugskolben b beständig unter der Accumulatorpressung von 55 k/qc steht, wozu die Rohrleitung w vorgesehen ist.

Tenner's 350-t-Schmiedepresse.

Max Hasse und Co., Maschinenfabrik in Berlin, haben Schmiedepressen von 200 bis 350 t bezieh. 1000 t Kraftstärke für eine grössere Anzahl staatlicher und privater Werke geliefert.

Textabbildung Bd. 297, S. 253

Verschiedene Eisenbahnbedarfstheile, wie Federgehäuse, Bufferkörbe, Zughaken u. dgl. kleinere Stücke, sowie Ankersegmente für elektrische Kraftmaschinen können mit Pressen von der angegebenen Druckwirkung in Gesenken gut ausgearbeitet werden. Bei der in Fig. 24 und 25 nach Glaser's Annalen, 1894 Bd. 35 Nr. 418 * S. 194, dargestellten Presse betragen der Durchmesser des Presskolbens d = 36,6 cm bezieh. 1000 qc Fläche, so dass bei einer Spannung von 350 k/qc die angegebene Druckstärke zu ermöglichen ist, ferner D = 56,0 cm Durchmesser des Dampfcylinders f bei 2463 qc Kolbenfläche, und zwei Presspumpen g und i von 6,68 cm bezieh. 17,5 cm Durchmesser mit Querschnittsflächen von 35 und 237,8 qc.

Dementsprechend stellen sich die Wasserspannungen dieser Presspumpe bei einem Dampfüberdruck von 5 k/qc auf

oder rund 50 k/qc und

Bei älteren Presspumpen mit Kurbel- bezieh. Excenterbetrieb findet sich die Einrichtung, dass der kleine Pumpenkolben im grösseren Pumpenkolben arbeitet, sobald der grosse Kolben vom kleinen losgekuppelt, dafür aber dieser an das Pumpcylindergehäuse festgelegt worden ist.

Aehnlich ist diese Einrichtung bei Hasse bezieh. Tenner's Schmiedepresse angewendet. Man kann hier einen Theil des s = 0,8 m betragenden Hubes des Dampfübersetzers zum Nachfüllen des Presscylinders und den restlichen Theil zum Pressen benutzen. Da nun auf einem vollen Füllhube von 0,8 m mit dem grossen Pumpenkolben 2,378 . 8 = 19,024 l geleistet werden, so wird der Hub h des Pressbärs für den halben Hub von 0,4 m

h = 9,5 : 10 = 0,95 dm bezieh. 95 mm

betragen, während bei gleicher Hubstrecke des kleinen Kolbens eine Leistung von 0,35.4=1,4 1 folgt, wobei wieder dieser Volumleistung ein Hub des Pressbärs von

h1 = 1,4 : 10 = 0,14 dm bezieh. 14 mm

entspricht.

Mit Rücksicht auf den volumetrischen Wirkungsgrad von μ = 0,85 bezieh. 0,78 für die kleine und grosse Wasserpressung werden diese Hübe auf 80 und 11 mm abgemindert.

Diese Pressenanlage besteht aus dem Gestell mit Holm a, vier Stahlsäulen b, Geschlinge c, in welchen der Gusstahlcylinder d eingehängt ist, in dem der Kolben mit der rechteckigen Plattform e (1,0 zu 1,1 m) sich mit einem grössten Hube von 0,5 m bei 1,0 grösstem Höhen abstand bis zur Unterkante Holm a lothrecht verschiebt. Der stehende Druckübersetzer besteht aus dem Dampfcylinder f und der Kolbenstange g, an welcher unmittelbar der kleine Pumpenkolben angesetzt ist, welcher in dem Füllkolben i arbeitet. Dieser Füllkolben i bewegt sich im Cylinder k, welcher mittels Säulen l seinen Anschluss an dem Dampfcylinder f findet.

Die Steuerung des Uebersetzers erfolgt durch einen vom Handhebel m mittels Zugstange n bethätigten Dampfdrehschieber o, welcher den frischen Kesseldampf durch das zwischengeschaltete Regulirventil p nach dem oberen Cylinderraum leitet. Ueber die inneren Einrichtungen der Ventile und deren Anschlüsse an die Rohrleitungen und die Pumpencylinder ist in der Quelle Näheres nicht angegeben, so dass auf die Fig. 24 und 25 verwiesen werden muss.

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1250-t-Schmiedepresse der Leeds Company.

Die Leeds Hydraulic and Engineering Company in Leeds, England, machen den Presscylinder a (Fig. 26) auf den Säulen b stellbar, wodurch das Arbeitsfeld zwischen dem Pressbär und Holm c geregelt werden kann.

Textabbildung Bd. 297, S. 254

Zudem ist der Rückzugskolben e in den Hauptkolben d eingeschoben, dessen hohle Kolbenstange durch den Boden des Presscylinders a geführt ist. Rohrleitungen f und g stellen die Verbindung mit dem Ventilkopf h her, während die Umsteuerung in den äussersten Hubstellungen mittels Anschlagwerken i selbsthätig besorgt wird. Bei 457 mm grösstem Hub hat der Presskolben d = 50,8 cm Durchmesser bezieh. 2027 Querschnittsfläche, was bei einer Wasserspannung im Accumulator von 630 k/qc eine Kraftäusserung von 1277 t oder rund 1250 t ergibt, sofern 27 t für Rückzugskolben und Reibung angenommen wird. (Uhland's Rundschau, 1893 Bd. 7 * S. 279.)

C. Mercader's Schmiedepresse.

Textabbildung Bd. 297, S. 254

Zum Schmieden von Waggonachsen wird nach dem amerikanischen Patent Nr. 524092 vom 6. Juli 1893 die in Fig. 27 vorgeführte Presse mit vier Kolben vorgeschlagen, von denen die zwei gegenüberstehenden ab zum Strecken und die zwei cd zum Stauchen in der Weise verwendet werden, indem kegelförmige Dorne in die Zapfen eingetrieben werden, wodurch das Material des Rohstabes in die Formen der Anlaufbunde gedrückt wird.

Bethlehem's 14000-t-Schmiedepresse.

In der Bethlehem Iron Company ist nach The Engineer, 1893 Bd. 76 * S. 482, eine gewaltige Schmiedepresse mit zwei Presskolben von je 127 cm Durchmesser bezieh. 12668 qc Querschnitt, welche bei einer Wasserspannung von 560 k/qc eine Druckstärke von je 7292 t oder rund 7000 t auszuüben vermögen, so dass im Presswerk 14000 t zur Wirkung kommen.

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Vgl. Verhandlungen des Gewerbfleisses, 1880 * S. 92.

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Ueber Accumulatoren vgl. 1893 289 * 276 bezieh. 1891 280 * 289. 1890 279 * 15.

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