Titel: Neuere Nietmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297 (S. 269–274)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/ar297065

Neuere Nietmaschinen.

Mit Abbildungen.

Seit dem Jahre 1838 sind Nietmaschinen im Gebrauch. William Fairbairn in Manchester gilt als erster, welcher |270| die Nietmaschine erdacht und gebaut hat. Demselben folgten 1844 Schneider in Creusot; 1854 Roberts in Manchester; 1859 Sparrow in Nordamerika; 1862 Cook in Glasgow; 1863 Donald zu Johnston, Schottland.

Im Wesentlichen wurden diese Nietmaschinen mittels Excenter-, Hebel- und Räderübertragung und zwar durch Riemen betrieben. Unmittelbarer Dampfbetrieb wurde bei Nietmaschinen 1845 von Garforth zu Dukinfield in Cheshire, Presswasser 1846 von May in Ipswich, Druckluft 1860 von Shanks in London angewendet.

Die Nietmaschinen kamen zunächst zum Nieten von Brücken- und sonstigen Fachwerksträgern, später zu Dampfkesselarbeiten in Verwendung. Lemaitre in Paris 1844 bezieh. 1846 Ledru, ebenfalls in Paris, bauten Nietmaschinen zur Herstellung von Röhren (vgl. K. Karmasch, Geschichte der Technologie, 1872 S. 377).

Textabbildung Bd. 297, S. 270

Seit 1870 ist das mechanische Nieten in den englischen Kesselschmieden fast allgemein geworden, während Nietmaschinen in Deutschland langsam aber stetig fortschreitende Aufnahme finden. Beim Bau grosser Schiffskessel ist die Nietmaschine wohl nicht mehr zu entbehren, dagegen können gewöhnliche Dampf- und Locomotivkessel verhältnissmässig billig mit Handarbeit genietet werden, woraus auch die verzögerte Einführung der Nietmaschinen erklärt ist. Durch die Einführung der Nietmaschine ist die Verwendung von Stahlmaterial bei grossen Brückenbauten und im Schiffsbau erst möglich geworden, denn das fehlerfreie Schliessen 50 mm starker Nieten überschreitet wohl die Grenzen der Menschenkraft. – So wird zum Schliessen 38 mm starker Stahlnieten in 33 mm starke Stahlbleche ein Druck von 30 t für den Blechschluss, von 45 t für die Nietkopfbildung und zuletzt ein Schlussdruck von 45 + 30 = 75 t angenommen, was einer Flächenpressung von 40 k/qmm auf den Schaftquerschnitt bezieh. beim Schlussdruck von 23 k/qmm auf die Kopfprojection gleichkommt. In Wirklichkeit werden diese Drücke um ein bis zwei Drittheile überschritten, wie aus dem Diagramm (Fig. 1 bis 3) ersichtlich, weil bei Anwendung eines Gewichtsaccumulators (Stossaccumulators) durch die lebendige Kraft des niedergehenden Belastungsgewichtes eine Bewegungspressung in der Druckflüssigkeit hervorgerufen wird, welche die statische Pressung um den oben angegebenen Betrag überschreitet.

Diese lebendige Kraft hängt von der raschen Wasserentnahme bei unzulänglichem Widerstandsdruck ab und stellt in der Gesammtwirkung nichts weiteres als eine theilweise Rückgabe der vorher unvollständig ausgenutzten Wasserkraft vor.

Nun tritt beim Anstauchen des Nietstiftes dieser Bewegungsvorgang in vollem Maasse ein, so dass beim Fertigstellen des Schliesskopfes ein Enddruck wirksam wird, welcher unter Umständen dem Schlussdruck gleicht, welcher aus der Entlastung des Blechschlusskolbens entwickelt wird.

Textabbildung Bd. 297, S. 270

Bei tragbaren Nietmaschinen mit Druckwasserbetrieb werden nicht nur die Kolbenabmessungen, sondern auch die Wasserpressungen auf das Nothwendigste und zwar letztere aus dem Grunde beschränkt, um die Rohrleitungen nicht zu sehr anzustrengen. Bei standfesten Nietmaschinen entfällt zum Theil diese Beschränkung, weshalb der Wirkungsgrad bei leichter Arbeit bedeutend abfällt, sofern nicht die Spannung der Arbeitsflüssigkeit geregelt werden kann, was bei Gewichtsaccumulatoren zwar möglich, doch immer umständlich ist, sobald der Kraftsammler zum Betriebe verschiedener Maschinen dient. – So kann es vorkommen, dass der Schaftquerschnitt eines Nietbolzens mit s = 80 bis 140 k/qmm und die Projection des Schliesskopfes beim Schlussdruck mit k = 50 bis 90 k/qmm gepresst wird, was doch überflüssig viel ist, sofern Pressungen von s = 40 bis 70 k/qmm auf den Schaftquerschnitt einer Stahlniete als zureichend ermittelt worden sind. Uebrigens liegt der wesentliche Vorzug einer mittels Maschine geschlossenen Niete in der völligen Ausfüllung des Nietloches durch den mit stetig ansteigendem Druck gestauchten Nietstift und in einem sauberen Anlegen des Schliesskopfes, was in Fig. 4 bis 6 anschaulich gemacht ist.

Wird nur der Nietstift glühend gemacht, der Setzkopf aber kalt erhalten, so ist ein richtiger Anschluss des Setzkopfes an das Blech auch beim Maschinennieten nicht immer gewährleistet. In Fig. 7 und 8 sind durch versetzte Löcher geschlagene fehlerhafte Nieten gezeigt.

Das Nieten mittels durchgehends erhitzten Nieten birgt aber die Gefahr in sich, dass bei vorzeitiger Entlastung im Nietstift gefährliche Zugspannungen eintreten, welche bei scharfen Lochrändern das Einreissen der Köpfe oder auch das Abspringen derselben im Gefolge hat. Beim Kesselnieten darf daher der Arbeitsbetrieb nicht zu sehr beschleunigt werden, weshalb eine allzu grosse Nietleistung nicht immer als Vortheil anzusehen ist.

Textabbildung Bd. 297, S. 270

Wenn auch beim Nieten von Trägern das Zusammenpassen der Theile gleichzeitig mit der Nietkopfbildung vorgenommen wird, so ist dies beim Kesselnieten entschieden zu vermeiden. Schon vor der Bindung des Schliesskopfes müssen die zu vernietenden Bleche zum strengen Anschluss gebracht werden, wobei vorhandene Unebenheiten am Lochrand sich ausgleichen. Gefährlich sind aber eingekeilte Bohrspäne (Fig. 9), die beim gleichzeitigen Durchbohren zweier Bleche in die Fuge sich einlegen, weshalb vor dem Nieten die Blechplatten aus einander gehoben und von Bohrspänen gereinigt werden sollen. Selbstredend werden die äusseren Lochränder abgefast, während das Abfasen der innenliegenden Ränder (Fig. 10) |271| aus dem Grunde nicht empfehlenswerte erscheint, weil das Herausschlagen fehlerhafter Nieten dadurch erschwert wird. Auch bildet das in die durch Abfasen entstandene Lochfuge eintretende Nietmaterial einen Keilring, welcher die Blechplatten von einander zu treiben sucht und den Verband eher lockert als fördert.

Textabbildung Bd. 297, S. 271
Textabbildung Bd. 297, S. 271

In Bezug auf die Arbeitsgenauigkeit ist die Maschinennietung bei vorsichtiger Behandlung der Handnietung zweifellos überlegen (Fig. 4 bis 6). Auch wird bei der Maschinennietung das Verstemmen der Schliessköpfe erspart, während das Verstemmen der Blechränder auch hier selten zu umgehen ist.

Ist der nach aussen zu um 1 bis 1,5 mm verjüngte Nietstift zu lang, so wird das überflüssige Material am Schliesskopfrand hervorquellen (Fig. 9). Ist die Druckkraft zu gross, so presst der Nietstempel eine scharfe Ringnuth in das Blech, was einer Schwächung und Beschädigung gleichkommt. Ist der Nietstift nicht frei von Zunder, so bleibt die Verbindung zwischen Nietschaft und Blech mangelhaft.

Wird jedoch die Nietung mit einfacher Druckwirkung vorgenommen, so kann das Material des weissglühenden Nietstiftes zwischen die Blechplatten zum Ausfliessen gebracht, wodurch die Blechplatten trotz des hohen Arbeitsdruckes aus einander getrieben werden (Fig. 9). Bei Verwendung kalt gehaltener Setzköpfe wird bei scharfen Lochrändern ein Aufsetzen in der Holzkehle des Nietes und ein Abstehen der Kopffläche die Folge sein. Dies wird dadurch verhindert, dass die Blechplatten vor dem Schliessen des Nietkopfes stark zusammengepresst und unter diesem Druck bis zur Beendigung des Nietkopfes gehalten werden. Erst nachher wird dieser Druck auf den Nietkopf übertragen. Bei vollkommenen Nietmaschinen werden die Arbeitsdrücke in drei Vorgänge, und zwar in den Blechschluss, in die Nietkopfbildung und den Schlussdruck, gegliedert.

In der Hauptsache sind die Nietmaschinen Pressen, seltener Hammerwerke. Sie sind standfest, fahrbar oder tragbar und mit Gestellen versehen, die ganz bestimmten Arbeitserfordernissen angepasst sind, wobei die Beherrschung eines gegebenen Arbeitsfeldes die Hauptrolle spielt.

Weil an das Maschinengestell der Gegenhalter angeschlossen ist, so enthält dasselbe eine U-Form von wechselnder Maultiefe. Manchmal ist der Gegenhalter zangenartig beweglich gemacht, doch selten ist der Gegenhalterarm zur Begrenzung der Kraftstärke herangezogen. Wie bereits erwähnt, sind die Nietmaschinen einfach und doppelt wirkend, also mit Einrichtung zum Blechschluss versehen. Vereinzelt kommt Handbetrieb vor, der unmittelbare Riemenbetrieb ist nur selten zu finden.

In England dient als Betriebsmittel für Nietmaschinen das von einem Accumulator oder von einem Druckübersetzer gelieferte hoch gespannte Presswasser; in Amerika ist dagegen niedrig gespannte Druckluft, welche auf grosse Kraftkolben wirkt, die mittels Kniehebel werke mit dem Nietstempel in Beziehung stehen, allgemein verbreitet. In Frankreich wirken unmittelbar Presspumpen, die bei standfesten Maschinen mit Riemen, bei tragbaren mit Hand oder elektrischem Strom durch Kraftmaschinen bethätigt werden. In Deutschland herrscht der Betrieb mit Druckflüssigkeit vor, die entweder von Gewichts- oder Druckluftaccumulatoren oder von directen Dampfpresspumpen geliefert wird.

Bei Druckluftaccumulatoren ist die Druckflüssigkeit Eismaschinenöl, welches bei niedrigen Temperaturen nicht erstarrt oder gefriert. Bei kleineren Anlagen wird als Druckmittel statt Luft hoch gespannte Kohlensäure verwendet, welche im Handel erhältlich ist.

Meistens besteht eine Nietmaschinenanlage aus standfesten und tragbaren Nietmaschinen mit entsprechenden Krahnen für Werkstück und Nietmaschinen, einem Kraftspeicher entsprechenden Druckübersetzer, einem Presspumpwerk und den zugehörigen Rohrleitungen, welche bei tragbaren Maschinen besondere Sorgfalt erheischen. Bei Druckluftbetrieb müssen statt Presspumpen Luftpumpen, Compressoren, bei Saugluftbetrieb Vacuumpumpen vorhanden sein.

Die Spannung der Saugluft wird auf 0,2 bis 0,3 k/qc, jene der Druckluft auf 4,0 bis 6,0 k/qc, jene der ruhenden Pressflüssigkeit auf annähernd 100 k/qc erhalten.1)

Tweddell's standfeste Nietmaschine.

An dem Nietständer a (Fig. 11 und 12) war früher der Gegenhalter b angegossen, in neuerer Zeit wird derselbe aus Gründen der Sicherheit und leichteren Herstellung mit starken Bolzen angesetzt. Zwischen der Nietstempelachse und der unteren Anschlusswand bleibt ein |272| freier Raum, die Maultiefe, welche bei grossen Maschinen bis 100 t grösste Kraft 8660 mm erreicht.

Mit zunehmender Druckkraft bis 150 t wird die Maultiefe bis auf 2000 mm beschränkt.

Am Nietständer a ist ein Kolben c angesetzt, welcher durch einen ausgebüchsten cylindrischen Theil d1 eines Schlittens d übergriffen wird, welcher der Träger des Nietstempels e (Döpper) ist, der an einer cylindrischen Ansatznase des Schlittens eingesteckt wird.

Textabbildung Bd. 297, S. 272

Im Schlitten d ist ferner achsenrichtig eine zweite cylindrische ausgebüchste Bohrung d2 vorhanden, in welcher der Schlitten f geht, der in einem Auge endigt, dabei die Ansatznase des Schlittens d umfasst und den Ringstempel g für den Blechschluss trägt. Ein Rückzugskolben h wirkt auf den Blechschlusschlitten f, ein zweiter i auf den Nietschlitten d. Beide Rückstellkolben vom Durchmesser d3 stehen mit der Druckleitung k in ständiger Verbindung und treiben daher die Schlitten d und f stets zurück. Durch den Boden des Ständerkopfes a ist das Ansatzrohr des Ventilkörpers l als Zuleitung zum Kolben d1 geführt. Dagegen ist seitlich am Schlitten f das Zuleitungsrohr m stopfbüchsenartig eingeschoben und mündet durch Winkelbohrungen n im kleinen Cylinder d2.

Das Verhältniss dieser Kolbenflächen wird gewöhnlich gewählt wie

d12 : (d12d22) : d22 = 10 : 6 : 4

also

d12 : d22 = 10 : 4

oder

d1 : d2 = 3,16 : 2.

Weil aber die Rückzugskolben d3 beständig entgegen wirken, und da annähernd

also

ist, so wird bei der Bemessung der Kraftstärke darauf entsprechende Rücksicht zu nehmen sein, was auch für die Reibungswiderstände gilt, indem man die Spannung der Druckflüssigkeit um

oder 20 Proc. erhöht in Rechnung setzt.

Bei einer Spannung von p = 100 k/qc stellt jedes Liter Pressflüssigkeit (Wasser) ein Arbeitsvermögen von

A = 1000 mk

vor.

Ein Kolben von 1 qdcm Fläche beschreibt bei 0,1 m Weg einen Raum von 1 cdcm oder 1 l. Auf dieser Kolbenfläche von 1 qdcm = 100 qc wirkt eine specifische Kraft von p == 100 k/qc, also eine Gesammtkraft von P= 10000 k, welche einen Weg von 0,1 m zurücklegt, so dass die mechanische Arbeit A = 0,1 . 10 000 = 1000 mk für 1 l Wasser folgt, oder es fällt 1 k Wasser von der Höhe h = 10 . p = 1000 m.

Jeder verlorene Wassertropfen ist daher einem nicht unbedeutenden Verlust an mechanischer Arbeit gleichwertig. Man wird daher jeden unnützen Kolbenhub auf das sorgfältigste zu vermeiden suchen, namentlich die Rückstellung der Arbeitskolben genau zu begrenzen suchen. Hierzu dient die am Cylinderschlitten d aufgeschraubte Nase o, welche an einen Zahnbogen p im Rücklauf anschlägt, wodurch der Hebel q gedreht und das Ablaufventil r selbsthätig geschlossen wird. Behufs Regelung des Rücklaufhubes ist der Zahnbogen p durch seinen angeschlossenen Hebel s drehbar gemacht, der wieder an dem am Hebel q sitzenden Stellbogen t spielt. Mit dem grossen Handhebel u wird das Einlaufventil v gesteuert.

Gebaut werden diese Nietmaschinen von Fielding und Platt in Gloucester, England, während dessen Vertretung G. Diechmann in Berlin W., Ansbacherstrasse 5, übertragen ist.

Nietmaschinen von 100 und theilweise 150 t Kraftstärke mit Gestellweiten von 2 bis 3 m besitzen in Deutschland: Vulcan in Stettin; Krupp in Essen; Tecklenburg in Geestemünde; Berninghaus in Duisburg; Flensburger Schiffbaugesellschaft in Flensburg; Maffei in München; Germania in Wilhelmshafen, Danzig und Berlin; Rechensteig in Hamburg; Gutehoffnungshütte in Oberhausen; Wolf in Magdeburg; Weser in Bremen; Schwartzkopff in Berlin; Klavitter in Danzig; Kaiserl. Werft in Kiel; Möller und Holberg in Grabow.

H. Smith's doppelte Nietmaschine.

Von Hugh Smith in Glasgow wurde für die Schiffsmaschinenfabrik in West Hartlepool die nach Engineering, 1893 Bd. 55 * S. 314, in Fig. 13 und 14 dargestellte doppelte Nietmaschine gebaut.

An dem Nietständer a ist in gewöhnlicher Weise der Gegenhalter b angebolzt, der jedoch eine stehende aufwärts wirkende Nietmaschine c erhält, welche gegen das am Hauptständer a bezieh. am Kopfstück d angesetzte Nasenstück e arbeitet, durch welche Anordnung es möglich wird, Kesselböden an die Mäntel anzunieten.

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Besondere Einrichtungen zum Wassersparen besitzt die in Fig. 14 gezeichnete Nietpresse. Es ist bereits wiederholt bemerkt worden, dass durch den Leergang der Stempelkolben mittels hoch gespannten Presswassers der Wirkungsgrad der Nietmaschine am meisten herabgedrückt wird.

Nun ist eine Begrenzung der Rückstellung der Kolben schon mit Vortheilen begleitet, die aber nur theilweise erreichbar sind, weil der zum Einführen des glühenden Nietes in das Werkstück erforderliche Spielraum gewöhnlich doch grösser ist, als die freie Nietstiftlänge. Es ist daher vortheilhafter, die Rücklage der Kolben reichlich zu bemessen, dafür aber den Leergang im Vorlauf mittels niedrig gespannten Wassers durchzuführen.

Textabbildung Bd. 297, S. 273

Dies ist an sich nicht einfach, denn es bedingt nicht nur eine Verdoppelung der Ventilsätze, sondern auch eine doppelte Accumulatoranlage für hohe und niedere Spannung.

Besser ist jedoch die in Fig. 14 vorgeführte Anordnung von H. Smith, wobei nur mit hoch gespanntem Wasser gearbeitet wird. Am Rückenstück f des Nietständers a ist ein Kolben g angesetzt, welcher von der hinteren Abtheilung des Doppelcylinders h übergriffen wird, während in der vorderen Abtheilung der Kolben i spielt, an dessen Kolbenstange Je der Nietstempel sitzt. Der vordere feste Deckel l dieses Cylinders h ist zu einem langen Rohr m erweitert, woran der Blechschlussringstempel n seinen Platz findet.

Dieses Rohr m erhält in einem Auge o entsprechende Führung, sowie der ganze Cylinder h in Gleitbahnen des Gestellkopfes sich bewegt. In einer Aussparung dieses Gestelles liegt der kleine Cylinder p für den Rückstellkolben q, dessen hohle Kolbenstange r, durch den Kolben i geführt, als Zuleitung dient. Nun ist die Rückfläche des Doppelcylinders h zu einer Nase s einseitig erweitert, an der ein kleiner Kolben t drückt, der in einer in der Gestellrückwand eingeschraubten cylindrischen Büchse geht, und hinter welche durch das am Deckel angebrachte Rohr Pressflüssigkeit eingeleitet werden kann, sowie durch die Rückwand f die Zuleitung u für die hintere Cylinderabtheilung h gelegt ist.

Durch diese im Cylinder h vorgesehene Scheidewand wird die Kraftleistung in zwei annähernd gleiche Theile zerlegt, die in einer abhängigen Wechselbeziehung stehen.

Ist der bewegliche Doppelcylinder h durch den unter beständigem Druck stehenden Rückstellkolben q in die äusserste Grenzstellung (Fig. 14) durch Mitwirkung bezieh. Anschlag des Kolbens i an die Zwischenwand gebracht, so kann nach Einführung des glühenden Nietes mit dem Arbeitsgang begonnen werden. Zuerst wird mittels eines der drei Steuerhebel v Druckflüssigkeit hinter dem kleinen Kolben t eingeleitet, durch welchen die Kraft des Rückstellkolbens q überwunden und der Doppelcylinder h im Leergang so weit vorgeschoben wird, bis der Ringstempel n zur Anlage an der Blechplatte gelangt, worauf die Bewegung selbstverständlich aufhört. Im Verlauf dieser Bewegung ist durch die Zuleitung u freie, also ungespannte Flüssigkeit nachgesaugt worden, so dass der frei gewordene Raum in der hinteren Cylinderabtheilung h mit Flüssigkeit gefüllt wird. Damit eine vollständige Füllung gewährleistet wird, ist das Zuleitungsrohr als Knie bis zur oberen Cylinderkante geführt. Darauf findet durch Steuerung mittels des zweiten Hebels v (Fig. 13) die Einleitung von Pressflüssigkeit durch das Rohr u statt, was den Blechschluss hervorruft und eine starke Kraftäusserung bei verhältnissmässig geringem Verbrauch an Pressflüssigkeit hervorbringt, weil das Zusammenpressen der Bleche bei kleinem Kolbenweg stattfindet. Hierbei ist der von dem Ringstempel um den Betrag der freien Stiftlänge zurückstehende Nietstempel an den Nietstift angelangt. Wenn nun durch den dritten Steuerhebel v gesteuert wird, so findet Zuleitung durch das Kolbenrohr nach der vorderen Abtheilung des Cylinders h statt, was zur Nietkopfbildung führt, während der Blechschluss ununterbrochen fortdauert. Weil die Zuleitung für beide Cylinderräume von einem gemeinschaftlichen Hauptrohr geleistet wird, so wird während der Stauchung des Nietstiftes in Folge des starken Verbrauches an Pressflüssigkeit die Spannung zeitweise fallen, was natürlich auch eine Entlastung des Blechschlusstempels im Gefolge hat, ein Umstand, der bei allen doppelt wirkenden Nietmaschinen mit Beschluss eintritt.

Ein Schlussdruck auf den Nietkopf ist bei dieser Nietmaschine nicht möglich, da mit der Entlastung der hinteren Cylinderabtheilung unmittelbar eine theilweise Entlastung des Nietkolbens mit bedingt wird, ja sogar eine Rückstellung desselben mit verbunden sein kann. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die centrale Anordnung des Niet- und Blechschlusstempels zu den Kraftkolben, welche nur durch die langen Ausführungen der beiden Kolbenstangen ermöglicht werden kann.

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R. D. Wood's Nietmaschine.

Textabbildung Bd. 297, S. 274

Am Nietständer a (Fig. 15 und 16) ist ein mit Rothguss ausgebüchster Cylinder b aufgeschraubt, in dem ein Zwischencylinder d mittels eines Rohrzapfens c achsenrichtig und ein wenig axial beweglich eingeschoben ist. Durch die Bohrung dieses Mittelzapfens c ist ein Zuleitungsrohr e geführt, während in den frei bleibenden Ringraum beider Cylinder b und d das Zuleitungsrohr f mündet. Im kleinen Cylinder d bewegt sich der Kolben g, welcher als -förmiger Schlitten weitergebildet in einem Auge endigt, in welches der Ringstempel h für den Blechschluss eingesetzt ist. Dieser Schlitten wird durch den grösseren Schlitten i übergriffen, welcher ebenfalls einen -formigen Querschnitt erhält und in einem Zapfen ausgeht, in welchem der Nietstempel k sitzt. Das hintere Ende dieses Schlittens i ist rohrförmig erweitert und passt mit seinen Stulpringen abgedichtet in den freien Ringraum beider Cylinder b und d. Ein Rückstellkolben mit stetiger Pressung l vervollständigt das Werk. Beide Schlitten g und i gleiten auf Rothgussplatten m, über welche die Führungsleisten n geschraubt sind, ganz unabhängig von einander.

Textabbildung Bd. 297, S. 274

Nun ist an dieser Nietmaschine eine selbsthätige Umsteuerungseinrichtung vorgesehen, mit welcher nach beendeter Nietkopfbildung der Schlussdruck durch Entleerung des kleinen Cylinders d eingeleitet und entwickelt wird. Bei Beginn eines Nietvorganges wird durch das Mittelrohr f Presswasser in den kleinen inneren Cylinderraum eingelassen, wodurch der Schlittenkolben g bis zur Anlage des Ringstempels h an das Blech fortrückt, um dann unter Druck stehen zu bleiben. Wird alsdann Presswasser hinter dem Ringkolben i durch das Rohr f zugeführt, so bewegt sich der Nietstempel k vorwärts und schliesst den Nietkopf. Währenddessen muss das Presswasser aus dem kleinen Cylinder d unter voller Pressung in das Zuleitungsrohr zurücklaufen können.

Kurz vor beendeter Nietkopfbildung, z.B. 3 mm vor dem Schluss, trifft eine am Nietschlitten i angesetzte Keilnase o in den Schlitz des unter Pressung stehenden Kolbens p, der in einem am Kolbenschlitten g angeschraubten Cylinder g sich nach abwärts stellt. Dieser Kolben untergreift mittels einer Rolle r einen Schieber s mit Anschlagbahn, an dem das Ventilgestänge angelenkt ist. Wird nun mittels der Keilnase o der Kolben p und damit der Schieber s gehoben, so findet Auslass des Presswassers aus dem kleinen Cylinder und demnach Entlastung des Blechschlusskolbens d statt, wodurch der gesammte Druck auf den Nietschlitten ik als Schlussdruck wirksam wird. Zudem ist noch die Einrichtung getroffen, dass nach Wegnahme der Abstellsteuerung opq beide Kolben i und g herausgeschoben werden, so dass ein Ersatz der beiden frei gelegten Liderungsringe jederzeit in der Maschine möglich wird, ohne die schweren Schlitten abheben zu müssen.

Gebaut werden diese Nietmaschinen nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 44 * S. 3, von R. D. Wood und Co. in Philadelphia, Pa.

W. Arrol's Nietmaschine.

Textabbildung Bd. 297, S. 274

Gewöhnlich ist der Nietständer aus Gusseisen, der Gegenhalter aus sogen. Façonstahlguss, wenn nicht aus Gusstahl gefertigt. Bei Arbeitsdrücken von über 100 t und Maultiefen von 3 m werden diese Gestelltheile ausserordentlich schwer. Deshalb wird immer versucht, die grösseren Gestelle aus Stahlblech herzustellen, wie es in Fig. 17 zur Darstellungkommt. Am Rücken des Nietständers ist ferner ein Druckübersetzer angebracht, dessen Einrichtung aus Fig. 18 ersichtlich gemacht ist. Im Doppelcylinder a bewegt sich der Kolben b, dessen Stange c als Taucherkolben im Cylinder d wirkt und Pressflüssigkeit von höherer Spannung liefert, welche im Nietcylinder zur Wirkung gelangt. Selbstverständlich muss die Volumenleistung eines Hubes für eine Nietung zureichen.

(Schluss folgt.)

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Bemerkenswerthe und in D. p. J. beschriebene Nietmaschinen sind:

  • a) Mit Handbetrieb und tragbar: Varlet, 1887 265 * 497.
  • b) Mit Maschinenbetrieb und standfest: Magna, 1891 279 * 14.
  • c) Mit Handbetrieb des an der Maschine sitzenden Presspumpwerkes und tragbar: Moisant, Manglin und Laurent, 1887 263 * 73 und 74, bezieh. Delaloë-Piat.
  • d) Mit Riemenbetrieb des Presspumpwerkes und standfest: Le Brun, 1887 265 * 497, Husson * 498, Delaloë-Piat 498.
  • e) Mit Dampfbetrieb des Presspumpwerkes und standfest: Breuer-Schumacher, 1887 268 * 179.
  • f) Mit elektrischem Kraftbetrieb des Presspumpwerkes und tragbar: Delaloë-Piat, 1891 270 * 14 und 1893 289 * 249.
  • g) Mit Saugluftbetrieb und Kniehebelwerk, tragbar: Lawrence, 1888 268 * 391.
  • h) Mit Druckluftbetrieb, Kniehebel werk und tragbar: Allen, 1887 266 * 259. 1889 271 * 438.
  • i) Mit Presswasserbetrieb vom Accumulator, standfest, fahrbar und tragbar:
    • H. Smith, 1886 260 * 112. 1888 268 * 311. 270 * 528.
    • Tweddell, Fielding und Platt, 1886 260 * 111. 1887 265 * 492.
    • Anderson-Gallwey, 1886 260 113. 1891 279 * 15.
    • Payne-Gallwey, 1893 289 * 247.
    • Arrol, 1886 260 * 113. 1888 270 * 205. 1889 274 * 479.
    • Piat, 1893 289 * 248.
    • Schönbach, 1889 274 * 569.
    • Wilke, 1893 289 * 246.
    • Bazant, 1893 289 * 247.
    • Seilers, 1893 289 * 247.
    • Varlet, 1887 265 * 494.
  • k) Mit Einrichtungen zum Schliessen von glatten Stiften:
    • Jacobi bezieh. Nevole-Prazil, 1886 260 * 17.
    • Hall, 1891 279 * 13.
    • Eltringham-Keen, 1891 279 * 13.
    • Schönbach, 1889 274 * 569.
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