Titel: Gasautomaten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi02_2

Gasautomaten.

Nach dem Vorgange einer Londoner Gesellschaft, welche eine Einrichtung zur automatischen Gewährung von Gas zu Leucht- und Heizzwecken einführte, und angeregt durch den grossen Erfolg dieser Automaten, haben, wie die Eisenzeitung mittheilt, auch die deutschen Gas- und Wasserfachmänner dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zugewendet. So berichtete Director Reichard in Karlsruhe auf der 35. Jahresversammlung dieses Vereins, welche vor Kurzem in Köln stattfand, dass z.B. in Karlsruhe bei Wohnungen, die einen Miethwerth von weniger als 300 M. haben, der Gasconsum verschwindend klein ist, während schon 24 Proc. der Wohnungen, die einen Miethwerth von 300 bis 600 M. haben, an die Gasleitung angeschlossen sind. Für die ärmeren Leute, welche eine grössere Gasrechnung zu bezahlen nicht im Stande sind, sei der Automat am Platze, falls die betreffende Gasdirection bezieh. die Stadtbehörde Lampen und Kochapparate zur Verfügung stelle. Die ganze Ausrüstung, also Automat, Lampen und Kochapparat, würde sich auf etwa 110 M. Anlagekosten stellen, die sich durch den Gasconsum rasch amortisiren dürften. Der untere Beamte, z.B. der Eisenbahnbeamte, der morgens früh zum Dienst müsse, werde sich, statt Schnaps zu geniessen, eine Tasse Kaffee auf dem Kochapparat fertigstellen, und die Arbeiterfrau werde sich auf dem Kochapparat in kurzer Zeit warme Speisen herstellen können. Auf diese Weise werde der Gasautomat auch zur Lösung der socialen Frage in erheblicher Weise beitragen. Redner empfahl seinen Fachgenossen dringend, Versuche mit den Gasautomaten zu machen.

Dr. Homann in Berlin, Mitglied der Normalaichungscommission, machte Mittheilungen über die Construction der Gasautomaten. Dieselben hätten die doppelte Aufgabe, einmal bei Einwurf eines Geldstücks eine bestimmte Quantität Gas zu liefern, und andererseits zu verhindern, dass Gas weiter aus der Leitung ströme, falls das betreffende Quantum durch den Apparat gegangen ist. Die Automaten seien entweder ganz selbsthätig, d.h. sie functionirten durch den blossen Einwurf des Geldstücks, oder es müsse nach dem Einwurf noch eine Handleistung dazu treten, etwa Druck auf einen Knopf, Ziehen einer Klappe oder Umdrehung einer Kurbel. Die Hauptsache sei, dass der Automat nach Durchlass der betreffenden Gasmenge selbsthätig die Leitung absperre; dies könne nur durch einen Verlust an Gasdruck geschehen; falls dieser Verlust sich in engen Grenzen bewege, schade dieser Umstand nichts, Apparate mit starkem Druckverlust seien dagegen nicht empfehlenswerth.

Generalsecretär Hofrath Bunte forderte die deutschen Fabrikanten auf, so bald als möglich Gasautomaten herzustellen. Die englischen Fabriken können zur Zeit keine Apparate liefern, da sie mit Aufträgen überlastet seien.

Director v. Oechelhäuser bemerkte, dass die Deutsche Continental-Gasgesellschaft sich früher bereits englische Apparate habe kommen lassen und dass diese zur Zeit durch technische Beamte geprüft würden.

Als ein Fabrikant darauf aufmerksam machte, dass deutsche Fabrikate fertig zum Versand in verschiedenen Fabriken ständen, dass nur die Erlaubniss der Normalaichungscommission fehle, erwiderte Regierungsrath Dr. Weinstein, Mitglied der Normalaichungscommission, dass letztere einem Antrag des Vereins betreffs der Gasautomaten entgegensehe. An Bereitwilligkeit werde es nicht fehlen. Demgemäss dürften Gasautomaten auch in Deutschland sehr bald zur Einführung gelangen.

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