Titel: Untersuchung von Mannlochdichtungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 4 (S. 72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi03_4

Untersuchung von Mannlochdichtungen.

In dem Laboratorium der Chemischen Centralversuchsstation in Wien wurden von F. Fuchs und F. Schiff Versuche mit einer Mannlochdichtungsmasse angestellt. Die an eine solche Dichtung zu stellenden Anforderungen sind im Wesentlichen die folgenden: Vor allem soll die Masse eine gewisse Elasticität besitzen und sich dadurch zwischen Kesselwölbung und Mannlochplatte so vollkommen anschmiegen, dass eine absolute Dampfdichtung erzielt wird; ferner muss sie frei sein von allen Substanzen, welche in der Hitze die Eisenbleche angreifen würden; endlich soll sie längere Zeit hindurch verwendbar sein, also nach Oeffnen des Mannlochdeckels weder zerfallen noch zu stark an die Kesselwand ankleben. Dem Versuche wurden zwei neue Packungsmassen, welche sich in einer grösseren Kesselanlage praktisch bewährt hatten, hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Structur näher unterworfen.

1) Das Product stellt einen weissen, biegsamen Cylinder dar, welcher 20 mm Durchmesser hat und sich talkartig anfühlt. Es besteht aus einer Reihe langgedrehter Fäden, welche seilartig verflochten sind und einander hinsichtlich ihrer Structur und Zusammensetzung vollkommen gleichen.

Die Analyse ergab folgende Zusammensetzung in der ursprünglich en Dichtungsmasse:

Fett 15 Proc.
Asche 42,5
Pflanzenfaser 42,5

Die nähere Untersuchung des Fettes zeigte, dass dasselbe aus einem Gemische von 25 Proc. Talg und 75 Proc. Stearinsäure besteht; die Asche erwies sich als reiner Asbest, an welchem man noch die langfaserige Structur erkennen konnte; endlich wurde die Pflanzenfaser auf Grund der mikroskopischen Prüfung als Baumwolle erkannt.

Hieraus ergibt sich, dass vorliegende Dichtungsmasse in folgender Weise erzeugt worden ist: Gleiche Theile Baumwolle und Asbestfasern werden gemeinsam versponnen, dieses Garn sodann durch ein geschmolzenes Gemisch von Stearinsäure und Talg (3: 1) gezogen und schliesslich zu einem Seil verflochten.

2) Das zweite Product ist von rother Farbe, hat einen Durchmesser von 25 mm und ist mit einem leicht abpressbaren Oele durchtränkt. Die Masse besteht aus mehreren concentrischen Schichten in folgender Art: Zwei weitmaschige, diagonal gestrickte Baumwollstrümpfe sind in einander geschoben und werden durch langfaserige, im Kreise herum stehende Asbeststränge getrennt; der innere Strumpf umschliesst ein Bündel gedrehter Hanffasern, welche in Talkpulver eingebettet sind. Die ganze Masse ist mit, 15proc. schwerem Cylinderöl eingefettet, dessen Farbe und Fluorescenz durch einen rothen, fettlöslichen Anilinfarbstoff verdeckt ist.

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