Titel: Der Elektromotor im Dienste der Bijouterieindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 10 (S. 95–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi04_10
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Der Elektromotor im Dienste der Bijouterieindustrie.

Die Stadt Pforzheim in Baden ist berühmt durch ihre ausgedehnte Bijouterieindustrie. Dieselbe besass im J. 1891 nach einem Berichte der dortigen Handelskammer nicht weniger als 460 Bijouteriefabriken mit rund 9000 Arbeitern, ferner etwa 290 Bijouteriehilfsgeschäfte mit rund 1300 Arbeitern. Wenn nun auch die Mehrzahl dieser Fabriken viel zu klein ist, um eine selbständige Krafterzeugungsanlage auszunutzen, so waren doch immerhin nach dem Geschäftsbericht des dortigen städtischen Gaswerks Ende 1894 nicht weniger als 110 Gasmotoren mit zusammen etwa 520 im Betrieb. Bei den anerkannten Vortheilen, welche der Elektromotorenbetrieb vor allen anderen Kraftbetrieben bietet, konnte man, als im vorigen Jahre das Elektricitätswerk in Pforzheim in Betrieb genommen wurde, voraussehen, dass der Elektromotor eine ausgedehnte Anwendung finden würde. Dies ist denn auch in hervorragendem Maasse der Fall gewesen. Einen näheren Einblick in die in Pforzheim herrschenden Verhältnisse erhält man aus einem in der Frankfurter Zeitung vom 21. Juni erschienenen Artikel von Dr. Oscar May, aus welchem wir die nachstehende Tabelle entnehmen. Dieselbe stellt den Stand der Betriebe Ende Mai dieses Jahres dar und gibt zugleich Aufschluss über die verschiedenen Zwecke, zu denen die Elektromotoren verwendet werden.

Das Werk ist mit einer Wolf'schen Locomobile von 120 bis 150 und mit einem Deutzer Gasmotor von 120 bis 140 ausgerüstet und liefert mittels 4 Gleichstromdynamomaschinen von entsprechender Leistung Strom mit durchschnittlich 250 Volt Spannung nach der 1,6 km entfernten, inmitten der Stadt in den Kellern des neuerbauten Rathhauses untergebrachten Unterstation. Dort ist ein Accumulator für zweimal 110 Volt aufgestellt, von welchem aus der Strom nach dem Dreileitersystem den Consumstellen zugeführt wird. Das Leitungsnetz ist der Hauptsache nach als oberirdische Leitung und nur auf den hierfür nicht geeigneten Strecken als unterirdische Kabelleitung ausgeführt.


Elektromotoren
Leistung
eines
Motors
in
Zahl der
Motoren
Gesamt-
leistung
in
1) Für Bijouterieindustrie.
Poliermaschinen
Walzen
Ziehbank
Vergoldung
Exhaustoren
Ventilatoren
Transmissionsantriebe.
0,08
1,2 u. 2,8
1,0
0,2
0,75
0,15
0,25–2,8
294
23
1
10
4
6
3
23
40
1
2
3
1
10
346 80
2) Für Bijouteriehilfsindustrie.
Vergoldung
Chatonfabrikation
Scheideanstalten
0,2 u. 1,2
0,8 u. 5,3
0,5–3,5
3
2
6
2
6
12
11 20
3) Für sonstige Zwecke.
Apotheker
Bäcker
Druckereien
Koffer- und Etuisfabriken
Mechaniker
Prägeanstalt
Schreiner
Schuhfabriken
Wirthe
Zahnärzte
1,2
1,2
0,5–4,3
0,25–2,8
0,5–1,2
0,5–2,8
0,5 u. 3,5
0,5–2,8
0,15
0,1
1
1
4
3
6
5
3
3
2
2
1,2
1,2
7
4
7
6
8
5
0,3
0,2
30 40

Zusammen 387 Motoren mit 140 .

Durchschnittlich pro Motor
für Bijouterieindustrie 0,23
für Bijouteriehilfsindustrie 1,8
für sonstige Zwecke 1,3
im Gesammtdurchschnitt 0,36

132 Elektromotorenanschliesser. 3 Elektromotoren im Durchschnitt für 1 Anschliesser. 1,1 im Durchschnitt für 1 Anschliesser.

Das Werk ist das einzige bestehende städtische Elektricitätswerk, welches hauptsächlich für Kraftvertheilung bestimmt ist; ausser den Motoren sind an dasselbe noch etwa 2400 Glühlampen und einige Bogenlampen angeschlossen, von welchen in runden Zahlen auf Wohnungen 1000, auf Fabriken 300, auf Bureaux 500, auf Ladengeschäfte 400 und auf Wirthschaften 200 Glühlampen entfallen. Die Anzahl der Licht- und Kraftconsumenten beträgt zur Zeit je etwa 140. (Elektrotechnische Zeitschrift.)

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