Titel: Das Stangenplanimeter von Prytz, nebst einigen Bemerkungen zur Praxis des Polarplanimeters.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi04_2

Das Stangenplanimeter von Prytz, nebst einigen Bemerkungen zur Praxis des Polarplanimeters.

Unter obigem Titel bringt die Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1895 S. 90 ff., einen interessanten Aufsatz von Professor Hammer in Stuttgart. In der deutschen Litteratur findet sich, soviel dem Referenten bekannt, bisher nirgends eine ausführlichere Mittheilung über das „Stangplanimeter“ (Hatchet-Planimeter der Engländer), das in England und Amerika schon ziemliche Verbreitung gefunden zu haben scheint. Das Instrument besteht einfach aus einem Stab („stang“), in dessen einem Ende senkrecht zu seiner Längenrichtung der Fahrstift eingesetzt ist, während das andere Ende in derselben Richtung herabgebogen ist und unten in eine zur Stabrichtung parallel stehende, gerundete, keilförmige Schneide („hatchet“) ausläuft. Man könnte das Instrument im Deutschen mit dem Erfinder, dem dänischen Generalstabscapitän Prytz, ein Stangenplanimeter oder auch Stabschneidenplanimeter nennen. Die Constante des Instruments ist seine Länge a (Entfernung: Schneide bis Stift); es ist in verschiedenen Grössen zu haben, z.B. mit a =10, 20, 25 cm u.s.f. Der Verfertiger ist Mechaniker Corn. Knudsen, Kopenhagen, Kjöbmagergade 37; der Preis ist 11 M. Die Anwendung ist diese: Es sei O der Schwerpunkt einer von beliebiger geschlossener Curve begrenzten Fläche; man verbindet O mit einem beliebig gewählten Punkt A des Umfangs durch die Gerade OA, setzt den Fahrstift des Instruments nach O, bezeichnet durch leichten Druck auf die Schneide deren Anfangsstellung M1 auf dem Papier, durchfährt die Linie O – A – Umfang der Figur – A – O, drückt wieder auf die Schneide und erhält dadurch die Endstellung M2; man hat dann, um die umfahrene Fläche F zu erhalten, nur die Strecke M1M2 = l (eigentlich den Bogen M1M2 mit O als Mittelpunkt) zu messen und sie mit der Constanten des Instruments zu multipliciren:

F = al.

Der Verfasser gibt nun ein Näherungsverfahren für den Fall an, dass man O nicht kennt. Man schätzt dann O1 in der Nähe von O; die Fehler sind meist so gering, dass das Verfahren genügt. Prytz hat eine kleine Broschüre verfasst, welche dem Instrumente beigegeben wird, dieselbe enthält eine kurze Theorie des Instruments. Man vergleiche auch den Aufsatz des Erfinders in Engineering, 1894 S. 813 vom 29. Juni.

Die Meinungen über den praktischen Werth des Instruments sind getheilt. Die Einen erklären das Instrument für theoretisch interessant. Andere haben es aber als geradezu „extremely useful in the workshop“ erprobt.

Des weiteren, auch was die Bemerkungen zur Praxis des Polarplanimeters überhaupt betrifft, verweisen wir auf die oben citirte Abhandlung.

-r.

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