Titel: Anfertigung von gelbem Weissblech.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 6 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi04_6

Anfertigung von gelbem Weissblech.

Gelbes Weissblech wird gegenwärtig viel verwendet, hauptsächlich zu Dosen für Pomaden, Fette, Wichse u.s.w. Zur Herstellung desselben wendet man den sogen. Oelgoldlack an, der von verschiedenen Lackfabriken sehr billig zu beziehen ist. Seiner Zusammensetzung nach besteht der Lack aus einer Harzauflösung von Bernstein oder Kopal, oder auch beider Harze in Leinöl und Terpentinöl. Das Auftragen des Lackes geschieht, indem man denselben mit einem breiten Pinsel auf dem Blech verreibt. Zu dem Zwecke wird ein passender Tisch mit Papier belegt und eine grössere Anzahl von Blechtafeln, gewöhnlich der Inhalt einer Kiste, darauf gebracht, wobei man darauf achtet, dass die einzelnen Blechtafeln genau auf einander liegen. Um zu überziehen, wird mit dem Pinsel etwas Lack aus dem Behälter, den man am besten aus Weissblech anfertigt, entnommen und auf dem Blech durch gerade gezogene Striche |95| verrieben. Beim Ueberziehen hat man mit dem Pinsel fest aufzudrücken und streicht zunächst lang und dann quer, und zwar so lange, bis die Platte mit einer dünnen, gleichmässigen Schicht bedeckt ist. Hierbei ist Acht darauf zu geben, dass das Ansetzen des Pinsels nahe an der Kante, aber nicht darüber hinweg geschieht, da im letzteren Falle viel Lack auf die andere Seite gelangt, wodurch Flecken entstehen. Etwas Lack kommt aber gewöhnlich trotz aller Vorsicht dorthin, und wird entfernt, indem man die farbige Blechtafel auf die Kante stellt und das Uebergetretene mittels Putzwolle von den Rändern entfernt, worauf man die Tafel auf Drähten in einen Korb schiebt. Dieser Korb hat viereckige Form und ist aus starkem Bandeisen angefertigt, in welches, über einander liegend, Drähte eingezogen werden. Nachdem der Korb gefüllt ist, wird er in den Lackirofen gebracht und darin so lange gelassen, bis die gewünschte Farbe vorhanden ist. Die unscheinbare Farbe des Lackes geht langsam in Messingfarbe und darauf in Goldfarbe über. Wirkt die Wärme, die annähernd 150° betragen soll, zu lange auf den Lack ein, so verschlechtert sich die Farbe und wird dunkler. Nach dem Herausnehmen aus dem Ofen und Erkalten wird meistens die zweite Seite ebenfalls in der angegebenen Weise behandelt. Werden beide Seiten des Bleches mit Lack überzogen, so ist das Trocknen des Lackes auf der ersten Seite nur so weit auszudehnen, dass eine blasse Messingfarbe entsteht, die dann nach dem Ueberziehen der zweiten Seite im Ofen gleichfalls Goldfarbe bekommt, andernfalls würde erstere Seite zu dunkel werden.

(Der Metallarbeiter.)

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