Titel: Cementdecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 118–119)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi05_2

Cementdecken.

Am 28. Juni 1895 fanden in Berlin, Georgenstrasse Nr. 12, Feuer- und Belastungsproben mit den als tragfähig, feuer-, schall- und schwammsicher bezeichneten Decken des Cementbaugeschäftes A. Donath und Co. in Berlin statt, zu welcher eine Anzahl Baubeamter und Interessenten erschienen war.

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Die auf Pfeilern von Ziegelmauerwerk frei aufgelegten Decken zeigten folgende Construction: Zwischen zwei eisernen I-Trägern von 30 bis 35 cm Höhe sind auf den unteren Flanschen derselben leichte Profileisen, zumeist ┴- und I-Eisen von 20 mm Höhe in Entfernungen von 14 bis 30 cm eingelegt und zwar mit den unteren Flanschen der Hauptträger bündig. Zwischen diesen Profileisen lagern dünne Eisenstäbe, welche mit den Profileisen ein tragfähiges Gerippe bilden, unter dem das zur vorläufigen Aufnahme einer dünnen Mörtelschicht dienende verzinkte Drahtgeflecht befestigt wird. Diese dünne Mörtelschicht dient nach Erhärten als Träger für die aufzubringende eigentliche Deckenfüllung aus Cement oder Bimsbeton und gleichzeitig als Ersatz für die vorgeschriebene provisorische Abdeckung. Der leere Raum bis Oberkante-Hauptträger war an einzelnen Modellen, wie dies zur Erzielung grösserer Schalldämpfung ausgeführt wird, mit Beton aus Cement und Schlacken oder Bimskies ausgefüllt worden. Auf diese Ausfüllung kann der Fussboden direct gelegt werden. – Die Unterfläche hat in Folge der durch die Maschen des Drahtnetzes durchdringenden Mörteltheile ein rauhes Aussehen und kann leicht verputzt werden.

Neun solcher Decken in verschiedener Spannweite waren aufgestellt, und ausserdem war gleichzeitig mit den Decken am 22. Juni 1895 ein kleines etwa 1,50 m hohes, 1,50 m breites und 1 m tiefes. Gebäude hergestellt worden, dessen Wände zwischen einen Stein starken Mauerpfeilern errichtet waren.

Die Wände zeigten:

1) feuerfesten Drahtputz nach System Rabitz,

2) eine ausgezackte Blechtafel mit Mörtelumhüllung,

3) feuerfeste Gypsdielen nach System Donath,

4) Drahtputz nach System Donath.

In dem beschriebenen Versuchsraum wurde etwa eine Stunde lang ein Holzfeuer unterhalten, welches Aluminium zum Schmelzen brachte. Nach Ablöschung des Feuers zeigten sich die Wände unter 2) und 3) verhältnissmässig am besten erhalten. Die Wand Nr. 4) war ganz mürbe geworden und liess sich leicht durchstossen, so dass sie dem Wasserstrahl einer Feuerspritze keinen Widerstand geboten haben würde.

Während des Verlaufes der Brandprobe war mit einem Gewölbe von 4 m Spannweite, 1 m Breite, 11 cm Scheitelstärke und 18 cm Pfeilhöhe, in welches auf den Trägerflanschen ruhend sieben Stück 20 mm hohe I-Eisen eingelegt waren, eine Belastungsprobe vorgenommen worden.

Bei 1650 k zeigte sich oberhalb der eingelegten Eisen ein durchgehender Riss, der sich schnell verbreiterte und den völligen Durchbruch des Gewölbes schon bei 2300 k einleitete. Diese schnelle Zerstörung ist wahrscheinlich zum grössten Theil auf die mangelhafte Verspannung der 35 cm hohen Träger, die nur durch zwei eiserne Zugstangen in der Mitte des Steges mit einander verschraubt waren und in Folge dessen kippen konnten, zuzuschreiben.

Eine zweite Belastungsprobe führte zu besseren Ergebnissen, obgleich auch hier die Träger ungenügend verschraubt waren. Die Decke hatte 1,50 m Spannweite, 1 m Breite, 8 cm Dicke und enthielt sechs 20 mm hohe, über den Flanschen der Hauptträger verkröpfte I-Eisen und zwischen liegende Zackenbleche. Bei einer Belastung von 3850 k gleichmässig vertheilter Last zeigte die Decke noch keine Veränderung; leider waren keine Vorrichtungen angebracht, um etwaige Durchbiegungen genau messen zu können.

Ein dritter Versuch erstreckte sich auf eine Decke von 2,50 m Spannweite, 1 m Breite und 12 cm Dicke, mit sieben 20 mm hohen I-Eisen. Diese Decke wurde in der Mitte, auf 1 qm gleichmässig vertheilt, mit 3410 k belastet, ohne dass sich Veränderungen gezeigt hätten.

Von Interesse war ein Fallversuch, der an einer Decke von 1 m Spannweite, 1 m Breite und 6 cm Dicke mit fünf 20 mm hohen I-Eisen ausgeführt wurde. Es fiel auf diese Decke aus 3 m Höhe zunächst ein 5-k-Gewicht, ohne merkliche Zerstörungen zu bewirken. Eine Eisenbarre von 42 k Gewicht, aus 3 m Höhe auf das Gewölbe fallend, verursachte Risse in der Decke, und der noch zweimal wiederholte Fall bog die Decke durch und löste den unteren Theil des Putzes los.

Die Versuche sollen fortgesetzt werden.

(Thonindustrie-Zeitung.)

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