Titel: Ueber die Elektrometallurgie des Eisens
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi08_2
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Ueber die Elektrometallurgie des Eisens

sagt Dr. W. Borchers in dem soeben erschienenen Jahrbuch der Elektrochemie u.a. Folgendes:

„Für die Gewinnung der verschiedenen Eisensorten können bei dem heutigen Stande der Technik direct nur die Vorschläge in Betracht kommen, bei denen es sich darum handelt, grössere oder geringere Eisenmassen einigermaassen gleichmässigen Querschnittes schnell und hoch zu erhitzen. Der Schweissofen und andere Erhitzungsvorrichtungen für Walzwerks- und Schmiedearbeiten haben Aussicht auf Einführung elektrischer Erhitzung. Es ist also die elektrische Erhitzungstechnik, nicht die Elektrode, welche der Eisenindustrie direct und zwar zunächst dem der mechanischen Bearbeitung obliegenden Zweige, Nutzen schaffen kann. Vorrichtungen dieser Art sind, wie aus einem früheren Abschnitt dieses Buches hervorgeht, in grosser Anzahl und Mannigfaltigkeit im Entstehen begriffen, so dass die nächsten Jahre die nöthigen Erfahrungen für den Vergleich dieser Erhitzungsmethode gegenüber der alten sicher bringen werden. Bei derartigen Vergleichsrechnungen ist aber im eigensten Interesse der Erhitzungselektrotechniker nur zu rathen, beide Methoden mit gleichem Maasse zu messen und nicht, wie dies in einem Artikel über „Elektrische Hitzung“ in Nr. 1 der Zeitschrift für Elektrotechnik und Elektrochemie geschehen, für die alte Erhitzungsmethode Grundlagen zu benutzen, welche vor 20 Jahren gültig waren. Ein Hochofenwerk, das heute zur Erzeugung von 100 k Roheisen noch 165 k Koks gebraucht, würde seinen Besitzern wenig Freude machen.

Ganz leer soll aber die Eisenindustrie nicht ausgehen. Wenn die Elektrochemie bei der Eisenerzeugung nicht mitwirken kann, so ist sie doch auf bestem Wege, jener grossen Industrie Mittel zu verschaffen, welche die Eisenraffination ganz wesentlich zu erleichtern im Stande sind. Es sei nur eines derselben als Beispiel hier angeführt: das Calciumcarbid, von welchem in neuerer Zeit so viel geschrieben wird. Nach dem Verblasen des Roheisens im Bessemer- und Thomas-Converter dürfte es kaum ein kräftigeres Reductions- und gleichzeitig Rückkohlungsmittel geben, als dieses oder die übrigen im elektrischen Schmelzofen leicht zu erhaltenden Carbide.“

(Stahl und Eisen.)

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