Titel: Schmelzpfropfen der Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 1 (S. 262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi11_1

Schmelzpfropfen der Dampfkessel.

Die Zeitschrift des Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine bringt folgende Mittheilung von C. Haage in Chemnitz über die Frage: „Hat die Anwendung von Schmelzpfropfen auf Feuerplatten von Dampfkesseln besonderen Werth?“

Zur Beantwortung dieser in der letzten Verbandsversammlung aufgeworfenen Frage habe ich bei allen Vereinen des Verbandes Umfrage gehalten und von 25 Vereinen den gewünschten Bescheid empfangen.

Diese Mittheilungen der genannten Vereine lassen sich in Folgendem zusammenfassen: Schmelzpfropfen auf Feuerplatten sind bei feststehenden Kesseln nur wenig eingeführt; nur einige Kesselfabriken (namhaft gemacht sind nur zwei Firmen) bringen dieselben regelmässig zur Anwendung. In Belgien sind die Schmelzpfropfen für alle Kessel mit Innenfeuerung obligatorisch. Fast allgemein in Gebrauch sind dagegen die Schmelzpfropfen in den Feuerbüchsdecken der Locomobilen. Die konischen Pfropfen aus leicht schmelzbarem Metall bezieh. aus Blei sind zumeist in Rothgusskopfschrauben eingelassen, welche von der Wasser- oder auch von der Feuerseite her in der Feuerbüchsdecke eingeschraubt werden. Seltener kommt die in England gebräuchliche Form zur Anwendung, bei welcher der Pfropfen sich in der Decke einer aufgeschraubten Rothgussbüchse befindet.

Zur Beurtheilung des Werthes der Schmelzpfropfen würde von grösster Wichtigkeit eine Zusammenstellung derjenigen Fälle sein, in denen bei eingetretenem Wassermangel ein grösserer Schaden oder Unfall am Kessel durch rechtzeitiges Abschmelzen der Pfropfen und Austreten von Dampf in die Feuerung vermieden worden ist. Leider werden derartige Fälle nicht jedesmal zu unserer Kenntniss kommen, da die Heizer aus naheliegenden Gründen kein Interesse daran haben, einen begangenen groben Fehler in der Wartung des Kessels ohne zwingenden Grund bekannt zu geben. Nur von vier Vereinen können fünf Fälle aufgeführt werden. Zahlreicher waren die Meldungen von Vorkommnissen, bei denen in Folge Wassermangels Erglühen der Feuerbleche bezieh. verbunden mit Einbeulung und Zusammendrückungen der letzteren eingetreten ist, ohne dass die Schmelzpfropfen geschmolzen waren. Dies betraf sowohl Schmelzpfropfen der ersten wie der zweiten Art und zumeist Locomobilen, aber auch Flammrohrkessel. Von zehn Vereinen (Bernburg, Chemnitz, Danzig, Magdeburg, München, Mühlhausen, Offenbach, Posen, Saarbrücken, Stettin) wurden derartige Fälle beobachtet und untersucht, in denen also die Schmelzpfropfen auf Feuerplatten ihren Zweck nicht erfüllten. Die Ursache des Versagens dieser Sicherheitsvorrichtung ist wohl hauptsächlich in der Ablagerung von Kesselstein auf den Schmelzpfropfen zu suchen. Von allen Seiten wird aber darüber geklagt, dass die Schmelzpfropfen vielfach leck werden, sogar zum Abschmelzen kommen, ohne dass Wassermangel im Kessel vorgelegen hat, und dadurch zu Unannehmlichkeiten und Betriebsstörungen Veranlassung geben. Nicht selten wird gefunden, dass die Pfropfen durch eiserne Schrauben ersetzt worden sind.

Diese Thatsachen sind wohl auch die Veranlassung, dass Schmelzpfropfen bei feststehenden Kesseln nicht allgemein eingeführt sind und für die Anwendung derselben sich nur sechs Vereine zustimmend aussprachen, dies auch nur bedingungsweise bezieh. bloss für Locomobilen.

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