Titel: Tondruckplatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 262–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi11_2

Tondruckplatten.

Ein neues Verfahren zur Herstellung von Druckplatten für den Buch- und Kunstdruck, vornehmlich geeignet für Behandlung grösserer Flächen durch Aufdruck leichter Farbentöne, dann aber auch für einfachere figurelle Bearbeitung – zur Herstellung von Silhouetten, grosser Zierschrift, Plakatschrift, Initialen – ist seit Kurzem von der Rheinischen Gypsindustrie |263| Heidelberg eingeführt worden. Dasselbe wird dadurch charakterisirt, dass Gypsplatten von der Dicke der Schrift-(Lettern-) Höhe gegossen werden, welche dann durch Gravirwerkzeuge die Oberflächengestaltung des Druckstockes erhalten. Um den Gypsplatten die für das Drucken erforderliche Härte zu geben, werden sie theils vor, theils nach ihrer Bearbeitung mittels zweier besonderer Gypshärtungsflüssigkeiten, Santorin und Aparin genannt, getränkt. Der zum Giessen der Druckplatten dienende Apparat besteht aus zwei geschliffenen Glasplatten, zwischen welchen vier eingefettete, schrifthohe Leisten zur Bildung eines rechteckigen Rahmens durch Schraubenzwingen eingespannt werden. Durch eine Oeffnung wird der dünnflüssige Gypsbrei, bereitet aus gleichen Raumtheilen sogen. Cementgyps, Santorinflüssigkeit und Wasser, in die Form eingegossen. Nach einem Tag Erhärtens wird die Platte herausgenommen und getrocknet. Kleinere Druckplatten werden in rechteckige Stücke mit der Säge abgeschnitten. Zu ihrer weiteren Bearbeitung wird auf gummirtes Papier ein Abzug der betreffenden Druckarbeit gemacht, die Druckplatte schnell mit Wasser übergössen, der Abzug darauf gelegt und leicht aufgedrückt. Die Zeichnung wird so nach Art eines Abzugbildes auf die Platte übertragen; die Contouren werden jetzt mittels der Gravirnadel eingeschnitten, grössere Flächen mit dem Stichel weggeschabt. Bei der Weichheit des Plattenmaterials erledigt sich die Arbeit sehr rasch. Zu ihrer Härtung wird die Druckplatte in ein Gemisch von 5 Th. Aparinflüssigkeit und 3 Th. Santorinflüssigkeit eingelegt, nach einer Stunde Imprägnirens aus diesem Bade wieder herausgenommen und über einer Flamme getrocknet. Man kann diese Imprägnirung auch vor dem Schneiden des Bildstockes vornehmen, man hat alsdann die Oberfläche der Platte vor der Bearbeitung nur nass zu machen, wodurch sie erweicht. Ein Vortheil liegt hierbei darin, dass die Aufnahme von Härtungsflüssigkeit und das nachfolgende Trocknen nachher um so rascher beendet ist; innerhalb 10 Minuten lässt sich eine solche Platte druckfertig herstellen.

Wie bereits eingangs bemerkt, lässt sich das Verfahren besonders zur Anfertigung von Platten zum Bedrucken grösserer Flächen mit einem leichten Farbenton verwenden. Eine eigenartige Structur des gehärteten Gypsmaterials, das sich in körniger Beschaffenheit der an sich glatten Oberfläche zu erkennen gibt, kommt hier in vortheilhafter Weise zum Ausdruck. Man kann auch die Farbentöne nach einer Richtung hin verlaufen lassen, indem man die Oberfläche der Tondruckplatte mit Glas- oder Schmirgelpapier leicht abreibt.

Ueber den Umfang dessen, was mit dem neuen Tondruckplatten-Verfahren sich erreichen lässt, gewinnt man einen Ueberblick durch einen von der Rheinischen Gypsindustrie herausgegebenen illustrirten Katalog, in welchem hauptsächlich die verschiedenfarbigen Töne in Mustern oder in Combination mit Zeichnungen und Einfassungen vorgeführt werden. Das Verfahren nebst den dazu gehörigen Apparaten und Materialien wird von der genannten Firma zum Preise von 50 Mark abgegeben. (Pf. in der Badischen Gewerbezeitung.)

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