Titel: Aluminiumgeräthe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 4 (S. 263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi11_4

Aluminiumgeräthe.

Nachdem nunmehr auch das Reichsgesundheitsamt der Ueberzeugung Ausdruck gegeben hat, dass wir im Aluminium das für Herstellung von Kochgeschirren geeignetste und der Gesundheit unschädlichste Metall besitzen, müssen auch die letzten Bedenken gegen dasselbe als beseitigt gelten. Bereits sind Feldflaschen und Kochgeschirre aus Aluminium bei der gesammten deutschen Armee eingeführt worden, und auch in der Privathaushaltung haben sich Aluminiumgeschirre beliebte Aufnahme verschafft. Wir können zu den früher geltend gemachten Vorzügen solcher Geschirre (geringes Gewicht, keine Oxydation, gutes Aussehen) noch einige andere, beim praktischen Gebrauch bekannt gewordene hinzufügen. Zum Beispiel hat das heisseste Backfett, welches die Verzinnung in Kupfergeschirren zum Schmelzen bringt, keinen Einfluss auf Aluminium. Kartoffeln, die in einem Aluminiumgefäss mit Salz abgekocht wurden und nach dem Abgiessen noch zwei Stunden heiss standen, behielten ihre ursprüngliche weisse Farbe und den frischen Geschmack. Auch Früchte (z.B. Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren, die beim Kochen in verzinnten Gefässen blau werden) behalten in Berührung mit Aluminium ihre frische Farbe.

Von dem Berliner Verkaufsbureau der Aluminium-Actiengesellschaft Neuhausen ist eine Auslese von Aluminiumgeräthen an die Landesgewerbehalle in Karlsruhe zur Ausstellung eingesandt worden, aus welcher namentlich die Küchengeschirre hervorzuheben sind. Dieselben sind aus je einem Stück Rein-Aluminiumblech gestanzt bezieh. gepresst, Henkel und Stiele angenietet. Preise dieser Geräthe sind z.B. für einen Schmortopf von 3½ l Fassungsraum 3.65 M., für einen Fruchtkessel von 12½ l 12,50 M., für einen Becher von 0,3 l 2,50 M. – Auch Essbestecke sind in verschiedenen Formen ausgestellt: Löffel und Gabeln zu 3,50 M. das Dutzend, Messer mit Aluminiumheften zu 10 M. Dieselben, „Victoria-Aluminium-Essbestecke“ genannt, bieten mancherlei besondere Annehmlichkeiten, die sich auch hier aus dem geringen Gewicht und der Beständigkeit gegen Oxydation ergeben; sie behalten immer die schöne, silberweisse Farbe (während z.B. Silber selbst durch eiweisshaltige Speisen dunkelt) und erfordern nur geringen Zeitaufwand zu ihrer Instandhaltung. Sie können die gewöhnlichen Zinnstahlbestecke mit Vortheil ersetzen; im Preise stehen sie kaum höher als sogen. Britanniametall. – Ferner finden sich die beliebt gewordenen Aluminium-Touristenflaschen in mehrfacher Art vor, ¼ bis ½ l Flüssigkeit fassend, zum Preise von 1,75 bis 4 M.; auch eine Infanteriefeldflasche mit Filzbezug befindet sich darunter.

Von anderen zur Ausstellung gebrachten Gegenständen, die wegen der besonders zweckmässigen Anfertigung aus Aluminium beachtenswerth sind, nennen wir einen Steigbügel und Sporen, eine Rohrposthülse, einen Konus für Spinnereien zum Aufwinden des Fadens, eine Webschütze. – Man kann in dem neuerdings sich zeigenden Bestreben, für das Aluminium und seine Eigenschaften passendere Verwendungsarten ausfindig zu machen, als kurz nach Einführung des neuen Metalls in die Technik vielfach geschah (wir erinnern nur an die wenig glückliche Verwendung zur Anfertigung von Schlüsseln), eine Gewähr dafür erblicken, dass sich das Metall, wenn auch langsam, doch fortschreitend ein immer weiteres Verwendungsgebiet erobern wird. (Pf. in Bad. Gewerbezeitung.)

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