Titel: Die Anwendung des elektrischen Stromes für gewerbliche Zwecke
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 7 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi11_7

Die Anwendung des elektrischen Stromes für gewerbliche Zwecke

führte kürzlich im „Verein für deutsches Kunstgewerbe“ in Berlin der Ingenieur der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft, Richard Opitz, einem zahlreichen Publicum vor Augen. An der Südseite des Saales hatten auf langen Tafeln zahlreiche kleine Maschinen und Apparate des gewerblichen und wirthschaftlichen Lebens Aufstellung gefunden. Auf einfachen Tafeln aufgestellt, sah man Bohr- und Drehmaschinen von mehreren Pferdekräften Leistungsfähigkeit, niedliche Motoren, elektrische Kochapparate in gefälliger Bowlenform, elektrische Bügeleisen und Brennscheren, ja selbst elektrische Cigarrenanzünder, Ventilatoren für Fabrik- und Salonbedarf, Carbol- oder Parfümzerstäuber, eine Fülle von Installationsgegenständen und schliesslich auch einen an eine Marmortafel installirten Apparat, der es ermöglicht, den Kabelstrom in allen Stärken zu den verschiedensten medicinischen Zwecken zu benutzen.

Alle diese Maschinen und Apparate waren direct mit der Kabelleitung der Elektricitätswerke verbunden, um die Regulirbarkeit des Stromes zu constatiren. Die elektrische Ausstellung umschloss eine aus den verschiedenfarbigsten Glühlampen gebildete Illuminationsguirlande. Die elektro-medicinischen Apparate u.s.w. hatte die vielfach prämiirte Firma Reiniger, Gebbert und Schalb in Berlin, Wien, London und Erlangen zur Verfügung gestellt. In anderthalbstündigem Vortrag erläuterte Opitz die Verwendbarkeit des elektrischen Stromes auf allen Gebieten maschineller Thätigkeit und wies nach, dass, wenn die ersten Anlagekosten gedeckt, der elektrische Betrieb der angenehmste und billigste sei, da der Strom für gewerblichen Betrieb von der Elektricitäts-Gesellschaft zu einem Viertel des Preises wie zu Leuchtzwecken abgegeben wird. So würde der Betrieb einer Nähmaschine, die an jede Glühlampe angeschlossen werden kann, für die Betriebsstunde kaum ⅔ Pfennig Kosten verursachen.

Um die Verwendung der Elektricität für gewerbliche Zwecke, insbesondere für kleinere Maschinen und für Nähmaschinen, allgemeiner zugänglich zu machen, führe die Gesellschaft die Anlagen jetzt auch auf ihre Kosten aus gegen einen Miethszins, der nur den Amortisationskosten und einer 5procentigen Verzinsung des Anlagekapitals entspricht. Für den Betrieb von Nähmaschinen ist die Gesellschaft jetzt dabei, billige Motoren für den Preis von 50 bis 60 M. zu beschaffen, da die bisherigen (für 215 M.) für viele Interessenten zu theuer waren. Am Schlusse seines mit lebhaftem Beifall und der gespanntesten Aufmerksamkeit entgegengenommenen Vortrages gab Opitz noch einen Ueberblick über den Betriebsumfang seiner Gesellschaft. In den vier Stationen der Gesellschaft sind Dampfmaschinen von zusammen 15400 zur täglichen Erzeugung der elektrischen Energie erforderlich. Das Kabelnetz der Gesellschaft umfasst rund 900 km. Die Zahl der Consumenten beträgt 2871 bei 1800 Hausanschlüssen. Ausser 153378 Glühlampen und 6400 Bogenlampen besorgt die Gesellschaft auch noch 503 Elektromotoren in den verschiedensten Betrieben von 1950 mit elektrischem Strom.

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