Titel: Elektrische Bahn in Baden bei Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 297/Miszelle 2 (S. 300)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj297/mi297mi13_2

Elektrische Bahn in Baden bei Wien.

Zwischen Baden und Vöslau bei Wien ist kürzlich eine von der Firma Schuckert gebaute elektrische Strassenbahn eröffnet worden; gleichzeitig fand in Baden die Umwandlung der bestehenden Pferdebahn in eine elektrische statt. Beide Bahnstrecken sind durchweg eingleisig mit Ausweichstellen angelegt; die Gesammtlänge beträgt etwa 10 km, wovon 5 km auf die Strecke zwischen Baden und Vöslau entfallen. Der Oberbau besteht in den Strassen aus Flusstahlrillenschienen Phönix-Profil 76, nur in den Theilen der Stadt, wo das Gleise neben der eigentlichen Fahrstrasse liegt, sind die alten Vignol-Schienen belassen worden. Auch für die neue Strecke Baden-Vöslau sind, da der Bahnkörper ausserhalb der Stadtgebiete gesondert ist, Vignol-Schienen mit hölzernen Querschwellen verwandt worden. Die Stromzuführung ist, trotzdem Baden den Charakter eines eleganten Badeortes hat, durchweg oberirdisch (Trolley-System), die Rückleitung erfolgt durch die Schienen, neben denen ein blanker, 6 mm starker Kupferdraht verlegt ist; die maximale Steigung ist 3 Proc., der kleinste Curvenradius 20 m. Die oberirdische Stromzuführung besteht aus einem 5 bis 6 m über Schienenoberkante aufgehängten 7-mm-Siliciumbronzedraht, der von 5,5 bis 6,5 m hohen Masten in 30 bis 40 m Abstand getragen wird; die Ausführung der Masten ist eine solche, dass sie allen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Die Arbeitsleitung ist, um etwaige Betriebsstörungen zu localisiren, in 5 Sectionen getheilt, die durch besondere Zuleitungen gespeist werden. Die Wagen, von denen jeder 28 Personen fasst, haben eine Fahrgeschwindigkeit von 14 km in der Stadt, 18 km ausserhalb und bis zu 25 km auf den Strecken, wo ein besonderer Bahnkörper vorhanden ist. Die Motorwagen sind mit 2 Elektromotoren von je 8 ausgerüstet. Dieselben können jedoch eine zeitweilige Ueberlastung bis auf das Doppelte vertragen. Die Maschinenstation (in der alten Wagenremise der Pferdebahn, etwa 1 km von der Bahn gelegen) besteht gegenwärtig aus 3 wagerechten Verbunddampfmaschinen von normal 50 bis maximal 80 bei 180 Touren und 8 at Admissionsspannung, welche mittels Riemenübersetzung zum Betriebe von 3 Schuckert-Nebenschlussdynamo à 48 Kilo-Watt mit 600 Touren dienen. Die Betriebsspannung beträgt 550 Volt. Ein vierter Maschinensatz von der doppelten Leistung befindet sich noch im Bau. Die Station liefert gleichzeitig den Strom für die Beleuchtung von Baden und Umgebung, die in den Händen einer Gesellschaft liegt, welche mit dem Finanzconsortium der elektrischen Bahn ein diesbezügliches Abkommen getroffen hat. Dadurch ist die Stromerzeugung sehr billig geworden. Der Strom für die Beleuchtung wird in einer Unterstation, welche im Beleuchtungscentrum liegt, durch 2 Transformatoren auf die gewöhnliche Spannung von 220 Volt transformirt (Dreileitersystem). Ausserdem ist eine Accumulatorenbatterie vorhanden, so dass die Unterstation in der Lage ist, nach vollem Ausbau den Strom für 3000 Glühlampen zu liefern; für die Strassenbeleuchtung sind von der Stadt 52 Bogenlampen ä 6 Ampère vorgesehen. Der Strompreis für Private ist auf 45 kr. für die Kilo-Wattstunde festgesetzt. (E. T. Z., Heft 34.)

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