Titel: Die Entwickelung der Blattmetall- und Bronzefarbenfabrikation.
Autor: Odernheimer, Edgar
Fundstelle: 1896, Band 299 (S. 19–23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj299/ar299007

Die Entwickelung der Blattmetall- und Bronzefarbenfabrikation.

Von Dr. Edgar Odernheimer in Stuttgart.

Echt Blattgold.

Die Goldschlägerkunst reicht weit zurück. Die Chinesen sollen schon 2000 v. Chr., die Aegypter 1600 v. Chr. das Blattgold verwendet haben. König Salomo liess von dem auf dem Zuge nach Ophir erbeuteten Golde und von dem reichen Goldschatze, welchen er von der Königin von Saba zum Geschenke erhielt, Blattgold hämmern und schmückte damit 989 v. Chr. die Wände des von ihm erbauten Tempels und Palastes. In Ecbatana, der Residenz des medischen Reiches, waren die Säulen, das Gebälk und die Täfelungen mit Platten von Gold und Silber überzogen. Die Griechen und Römer verwendeten das Blattgold hauptsächlich beim ionischen Stile und zur Verzierung von Statuen und Bildern.

Durch die Römer kam die Kenntniss der Herstellung des Blattgoldes nach Frankreich und Deutschland. Man verzierte damit Kirchen und Heiligenbilder, aber erst im Alter der Renaissance und noch mehr zur Rococozeit wurde die Verwendung eine allgemeinere. Da dieser letztere Stil seinen Ausgangspunkt in Frankreich hatte, so ist leicht erklärlich, dass auch die Goldschlägerkunst zu Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Hauptsitz in Frankreich bezieh. in Paris hatte und von dort aus den Weltmarkt beherrschte, so dass im Auslande nur das Pariser Gold bekannt war. Es wurde zwar auch in den anderen Ländern Blattgold hergestellt, aber der Verbrauch beschränkte sich auf das Inland.

Durch den Krieg von 1870/71 wurde jedoch der Absatz für Frankreich sehr erschwert und namentlich durch die Belagerung von Paris zeitweilig ganz unmöglich gemacht.

Diese Situation wurde von den deutschen, besonders den Nürnberger und Fürther Fabrikanten ausgenützt, um ihre Fabrikate auf den Weltmarkt zu bringen, und der Güte ihrer Erzeugnisse haben sie es zu verdanken, dass auch nach Beendigung des Krieges das erworbene Absatzgebiet nicht wieder verloren ging.

Die Blattgoldfabrikation ging in Frankreich um die Hälfte zurück und auch die englische wurde zum Theil vom Weltmarkte verdrängt.

Die Manipulationen bei der Herstellung des Blattgoldes sind sehr einfach, aber sie erfordern eine grosse Geschicklichkeit des Arbeiters, welche hauptsächlich darin besteht, das Gold von der Mitte nach den Seiten hin so auszuschlagen, dass in der Mitte das Goldblättchen am dünnsten ist. Der Rand wird abgeschnitten und kommt zu den Abfällen (sogen. Schabine), welche entweder wieder eingeschmolzen oder zu echter Goldbronze verrieben werden.

Das Schmelzen des Goldes geschieht in Thontiegeln, welche mit Graphit überzogen sind, und zwar am besten in einem Fletscher'schen Gasofen, der mit einem Löwe'schen Gasventilator verbunden ist.

Die Construction dieses Ventilators ist kurz folgende: Gas und Luft treten zuerst in eine Kammer ein, in welcher ein kleines Rad, dessen Flügel mit Löchern versehen sind, in rascheste Umdrehung versetzt wird und dadurch eine vollkommene Mischung des Gases mit der Luft herbeiführt und dieses Gemisch zugleich mit Gewalt in den Ofen treibt, wo es angezündet mit grosser Stichflamme von ausserordentlicher Hitze verbrennt und in kürzester Zeit den Tiegel in heftiges Glühen versetzt.

Man kann in diesem Ofen eine Temperatur von etwa 3000° C. erzielen.

Das geschmolzene Gold wird in gusseiserne Eingüsse zu kleinen Zainen gegossen, welche zwischen stählernen Walzen, den sogen. Quetschen, zu langen Goldstreifen ausgewalzt werden. Das Ausschlagen geschieht zuerst mit dem Dampfhammer (Federhammer) und dann folgt die weitere Bearbeitung zwischen Ochsenhäutchen mit dem Handhammer.

Um das mühsame und zeitraubende Ausschlagen des Goldes zu umgehen, sind schon vielfach Versuche gemacht worden, solche dünne Goldhäutchen auf andere Weise herzustellen.

So hat neuerdings ein in England patentirtes Verfahren, welches darin besteht, das Gold elektrolytisch auf Kupferplatten niederzuschlagen und dann das Kupfer durch Säuren aufzulösen, einige Zeit die betheiligten Kreise in Aufregung versetzt. Es dürfte jedoch schwierig sein, auf diese Weise eine Goldhaut zu erhalten, welche bei gleicher Dünne dieselbe Dichte und den hohen Glanz des durch Schlagen erhaltenen Blattgoldes zeigt.

Solche Aenderungen würden natürlich in diesem bis jetzt ganz auf die manuelle Geschicklichkeit des Arbeiters angewiesenen Betriebe eine grosse Umwälzung hervorrufen. Man hat auch versucht, dadurch an Gold zu sparen, dass man andere Metalle mit Gold überzog und diese dann zusammen bis zur gewünschten Feinheit ausschlug.

Das sogen. Zwischgold wird in dieser Weise hergestellt, dass man ein dünnes Blatt Feingold und ein ebensolches von Feinsilber heiss auf einander walzt und dann durch die gewöhnliche Goldschlägerarbeit vereinigt. Andere Metalle wie Silber eignen sich jedoch nicht zur Unterlage |20| für Gold, weil sie eine bedeutend geringere Ausdehnungsfähigkeit als das Gold besitzen.

Da die losen dünnen Goldblättchen beim Arbeiten im Freien schwer zu handhaben sind, so kommen neuerdings Goldblättchen in den Handel, welche in ähnlicher Weise wie die Abziehbilder auf Papier befestigt sind. Bei diesem sogen. Transfer- oder Abziehgold spart man viel an Material, da man jedes einzelne Blättchen fest in der Hand hat und nach Bedarf theilen kann.

Das Blattsilber und Blattaluminium wird in derselben Weise wie das Blattgold hergestellt.

Schon sehr geringe Mengen fremder Metalle, besonders Blei und Antimon, vermindern die Dehnbarkeit des Silbers sehr stark, weshalb diese Metalle in echtem Blattsilber nur in ganz geringer Menge vorkommen können.

Bei Aluminium sind es hauptsächlich Silicium, Eisen und Kupfer, welche einen solchen schädlichen Einfluss ausüben. Das Blattaluminium wurde zuerst von J. W. Cramer in Fürth hergestellt.

Unechtes Blattgold.

Man versteht darunter die in Nuancen von Gelb bis Roth hergestellten Legirungen aus Kupfer und Zink.

Von Verunreinigungen kommen bei dem Kupfer vor allem das Wismuth in Betracht, welches schon bei 0,05 Proc. das Kupfer spröde und hart macht. Ebenso wirken auch kleine Mengen von Antimon und Arsen. Das Zink wird durch einen Gehalt an Zinn, und zwar schon mit 0,001 Proc. dieses Metalles, merklich spröder.

Bei der Herstellung bestimmter Farbennuancen muss man berücksichtigen, dass die Farbe der Legirungen keineswegs immer eine Mischfarbe aus den Farben der einzelnen Metalle ist.

Eine Kupfer-Zinklegirung, welche 1,7 Proc. Zink enthält, besitzt noch Kupferfarbe mit einem ganz schwachen gelblichen Stich.

Mit 7,4 bis 13,8 Proc. ändert sich die Farbe bedeutend und geht in ein schönes Rothgelb, bei 16,6 Proc. in reines Gelb über.

Steigert man den Gehalt auf 40 bis 50 Proc. Zink, so wird der Farbenton merkwürdiger Weise wieder etwas röthlicher und kommt der Farbe des Goldes am nächsten.

Die zu halbrunden Barren (Stengel) gegossenen Metalle gelangen wie bei dem Golde zunächst unter die Walzwerke und dann unter die mit Wasser oder Dampf getriebenen Zainhämmer. J. Schmidberger in Nürnberg hat einen Hammer zum Zainen und Schlagen, sowie zur Façonschmiederei construirt, für Geschwindigkeiten von 200 bis 500 Schlägen in der Minute.1)

Um die Oberfläche des Metalles, welche sich durch das öftere mit dem Aushämmern verbundene Ausglühen mit einer dunklen Oxydschicht bedeckt, zu reinigen, legt man die Bänder kurze Zeit in ganz verdünnte Schwefelsäure. Dann werden dieselben abgebürstet und abgespült.

Dieses Reinigen des Blattmetalles ist sehr umständlich und zeigt verschiedene Misstände. Durch das packweise Einlegen in die Schwefelsäure werden einzelne Theile der Blätter nicht vollständig durchgebeizt und derartige Blätter müssen zurückgelegt und nachgebeizt werden. Auch das nachfolgende Abspülen und Abbürsten ist umständlich, da jedes Blatt einzeln gebürstet werden muss. Ausserdem verletzen sich die Arbeiter an den scharfkantigen Metallblättern leicht die Hände.

Diese Uebelstände sollen durch die folgende maschinelle Vorrichtung von J. Erwand in Neumühl bei Nürnberg und M. Bühl in Gauting bei München beseitigt werden.2)

Die Blätter werden in gewissen Abständen in Zangen eingelegt und durch federnde Zangenhebel festgeklemmt, so dass sie bei ihrem Eintauchen in die verschiedenen Bäder, beim Spülen und Trocknen nur mittels der Zangen gehalten werden. Das Bürsten der gebeizten Blätter geschieht in einer unter Wasserspülung sich bewegenden Trommel, bei deren Vorwärtsbewegung die eine und bei der Rückwärtsbewegung die andere Seite der Blätter gereinigt wird.

Dieses Verfahren hat jedoch noch den Nachtheil, dass die in der Längsrichtung des Blattstreifens rotirende Bürste in die durch das Glühen entstandenen quer liegenden Falten des Blattmetalles nicht genügend einzudrängen vermag. Auch das Befestigen der Blätter in den Zangen ist etwas umständlich und es kommt vor, dass dieselben verbogen werden.

J. Erwand3) hat sich daher die Abänderung patentiren lassen, dass das Blattmetall in der gewalzten Länge bearbeitet werden kann, ohne dass es nöthig ist, die Stränge in kürzere Blätter zu theilen. Die Stränge werden auf einer Haspel lose aufgewunden in die Bäder gebracht und gespült, darauf durch mehrere auf jeder Seite des Blattstranges liegende Bürsten sowohl quer gegen die Längsrichtung als auch in der Längsrichtung bearbeitet.

Diese gereinigten und blanken Metallstreifen werden unter dem Fertighammer so lange ausgeschlagen, bis sie eine Breite von etwa 24 cm erreicht haben. Dieses sogen. Zainmetall bildet sowohl das Ausgangsmaterial für die Blattgoldschlägerei als auch für die Bronzefarbenfabrikation.

Das eigentliche Blattmetall.

Das sorgfältig sortirte Zainmetall wird in kleine Quadrate zerschnitten, wieder ausgeglüht und in Pergamentformen unter langsam schlagenden Hämmern ausgeschlagen.

Nachdem die Blättchen (Metallothe) eine entsprechende Dünne erhalten haben, werden sie aus den Pergamentformen herausgenommen und dem Handmetallschläger zur Herstellung des eigentlichen Blattmetalles übergeben.

Dieses Ausschlagen geschieht in derselben Weise zwischen Ochsenhäutchen wie bei dem echten Blattgold.

F. Haenle in München hat ein Verfahren4) zur Herstellung von Lothmetall ausgearbeitet, bei welchem der Gebrauch der theuren Pergamentblätter vollständig wegfällt und auch der Quetschhammer überflüssig wird, da er die ganze Operation mit dem Zainhammer zu Ende führt.

Das Verfahren basirt auf der von dem Erfinder gemachten Erfahrung, dass nicht fertig gezainte, unmittelbar aus der Beize kommende Blätter sich mit Blättern, welche bereits in einem weiteren Stadium der Zainung sind, unter der Einwirkung des Hammers nicht mehr vereinigen.

Die ganzen Blätter, wie sie bisher als fertig gezaint von dem Zainhammer kamen, werden nochmals in dem |21| Glühofen geglüht, dann der Länge nach durchgeschnitten und zwischen ganze Blätter gelegt, welche direct aus der Beize kommen und noch nicht fertig gezaint sind.

Es werden daraus Schläge zusammengesetzt, so dass immer ein halbes fertig gezaintes Blatt mit einem halb gezainten ganzen Blatt abwechselt.

Diese Schläge werden wieder unter den Zainhammer gebracht und so lange bearbeitet, bis die halben Blätter so dünn geschlagen sind, dass sie als Lothmetall dem Metallschläger übergeben werden können.

Die halb gezainten gebeizten Blätter, welche den ganz gezainten als Zwischenlagen gedient haben, sind nach diesem Process „fertig gezaintes“ Metall. Sie werden geglüht, getheilt und zwischen halb gezainten gebeizten Blättern ebenfalls unter dem Zainhammer für den Metallschläger fertig gemacht.

Der Ersatz der Pergamentblätter durch Metallblätter hat den weiteren Vortheil, dass diese nicht wie jene starr and zähe sind, sondern sich beim Hämmern mit ihrer Einlage ausdehnen, die Dehnung der letzteren dadurch befördern und zu einer gleich massigeren machen. Durch das Hämmern von Metall zwischen Metall erhalten auch die Lothe ein glänzendes, polirtes Aussehen, während die zwischen Pergament geschlagenen Blätter matt sind. Ein Zusammenkleben der Metallblätter an ihrer metallischen Zwischenlage findet wie erwähnt nicht statt. Beide lassen sich nach dem Fertighämmern mit Leichtigkeit von einander trennen.

Eine Vorrichtung zur selbsthätigen Führung der Hautformen bei Metallschlagmaschinen haben sich H. und Ch. Reich in Nürnberg patentiren lassen.5) Bei dem Dünnschlagen von Metallblättern soll durch diese Maschine die Verschiebung der Formen unter den Maschinenhämmern ohne Hilfe eines Arbeiters geleistet werden.

Die Maschine besitzt einen die Bahn der Formfassungen durch gleicharmige Hebel bestimmenden Führungsstift. Die Vor- und Rückwärtsschiebung desselben innerhalb eines Spiralganges erfolgt durch Drehung eines Stellarmes, und zwar ausgehend von einem auf bestimmte Umdrehungszahlen einzustellenden Wendegetriebe. Die Vermittelung geschieht durch ein Seilwickelungsgetriebe mit doppelt konischer Abwickelungsschnecke in der Weise, dass der Stift in den inneren und äusseren Gängen der Spiralnuth gleiche Wege durchläuft.

Das Zusatzpatent Nr. 79024 betrifft die Verdoppelung der aus der Spiralnuthplatte und dem Führungsstifte bestehenden Führungsmittel.

In dieser Ausführungsform lässt sich ausserdem die Vorrichtung dahin ergänzen, dass an zwei Formfassungen, die in gleicher Anordnung mit einander auftreten, nicht eine spiralförmige, sondern eine kreuzförmige Führungsbewegung erzielt wird.

Mit der so eingerichteten Maschine können Hautformen demnach sowohl mit spiralförmiger, als auch mit kreuzförmiger Vorrückung unter dem Hammer geschlagen und fertig bearbeitet werden.

Maschine zum Schneiden von Gold- oder anderen Metallfolien von G. Faubert in Paris.6) Das Schneiden des Blattgoldes und anderer Metallfolien, welche in Hefte gelegt werden sollen, ist bis jetzt durch Handarbeit bewerkstelligt worden.

Die von Faubert construirte Maschine besteht im Wesentlichen aus zwei parallelen Messerblättern, deren Entfernung beliebig verändert werden kann.

Die beim Schnitt vorn liegenden Spitzen der Messer sind abgerundet, damit das Blattgold beim Schneiden nicht zerreisst. Die Messerblätter bewegen sich in ihrer Längsrichtung, drücken zu gleicher Zeit auf die auf einem Teller liegende Metallfolie, diese zerschneidend, um dann während einer Vierteldrehung des Tellers hochgehoben zu werden und bei ihrem zweiten Niedergange einen zum ersten Schnitt rechtwinkligen auszuführen.

Färbung der Blattmetalle.

Die Färbung geschieht entweder auf chemischem Wege durch Einwirkung der Wärme (Anlauffarben) oder auf mechanischem Wege durch Ueberziehen mit Farbstoffen.

Chemische Färbung. Durch Erwärmen kann man sowohl vielfarbige als auch einfarbige Blattmetalle erzeugen.

Zum continuirlichen Betriebe haben sich Köhler und Co. in Fürth folgenden Apparat patentiren lassen.7)

Derselbe besteht aus zwei gleich grossen, um eine wagerechte Achse drehbaren Rädern, welche mit einem gemeinsamen Blechmantel umgeben sind. Im Innern dieser so gebildeten Trommel, senkrecht auf der aus einem Gasrohr bestehenden Achse, sind mehrere Bunsen-Brenner in solchen Abständen angebracht, dass das über den Flammen befindliche Mantelblech einer ungleichmässigen Erhitzung ausgesetzt ist. Durch langsame Drehung des Apparates kommt das auf der. Trommel befindliche Blattgold mit den verschieden heissen Stellen des Mantels in Berührung, wodurch die bekannten schönen Anlauffarben entstehen.

Da die Adhäsion der dünnen Metallblättchen an der erwärmten Unterlage eine grosse ist, so gleiten dieselben bei einer Weiterdrehung des Rades nicht von selbst von dem Mantel. Es wird daher durch folgende sinnreiche Einrichtung ein selbsthätiges Abheben der gefärbten Blätter bewerkstelligt. Ausserhalb der Trommel, parallel mit der Achse der Räder, ist ein Gasrohr angebracht, welches oben einen Schlitz besitzt, dessen Länge der Breite der Trommel entspricht. Die aus diesem Schlitze brennende Gasflamme erzeugt einen nach oben gerichteten Luftstrom, welcher durch ein Führungsblech tangential so gegen die Trommel geleitet wird, dass die leichten Goldblättchen von der Unterlage abgehoben werden. Die abgehobenen Blättchen sinken durch die polirte Führungsrinne in einen untergestellten Kasten. Die Rinne ist mit einem Schutzbleche versehen, damit keine andere Luftströmung die Blättchen verwehen kann.

Am schwierigsten ist die Herstellung einfarbiger Blattmetalle, und erst in neuerer Zeit ist es Dr. Rosenthal in Fürth gelungen, eine Methode auszuarbeiten, Blattkupfer oder unechtes Blattgold mit verschiedenen einfarbigen Anlauffarben zu versehen.8)

Die Metallblätter werden einzeln mit einer besonders präparirten Zwischenlage auf einander geschichtet und in einer Wärme Vorrichtung längere Zeit einer bestimmten Temperatur ausgesetzt.

Je nach der Höhe der Temperatur, der Dauer der |22| Einwirkung und der Art der Zwischenlagen entstehen die verschiedensten Farben.

Da die Herstellung dieser Farben eine an allen Stellen ganz gleiche Erwärmung der Metallblättchen erfordert, so ist es schwierig, selbst nach diesem verbesserten Verfahren grössere Blätter gleichmässig zu färben.

Durch die genauen Untersuchungen der physikalischtechnischen Reichsanstalt in Berlin hat man die genauen Bedingungen kennen gelernt, unter welchen sich diese Farben hervorbringen lassen. Die durchscheinende Oxydhaut, welche sich unter der Einwirkung der Wärme bildet, bringt bei ihrer fortschreitenden Verstärkung die bekannten Farben dünner Blättchen in einer bestimmten Reihenfolge hervor, welche eine nach der Wellenlänge des Lichtes bestimmte Wiederkehr der Farbenscala zeigt. Man unterscheidet fünf Reihen.

In der ersten Reihenfolge sind die Farben blassgelb, hellgelb, dunkelgelb, violett, blau, hellblau, seegrün.

In den anderen Reihen wiederholen sich ungefähr dieselben Farben, nur sind dieselben näher an einander gerückt.

Die mechanische Färbung, das Ueberstreichen und Bedrucken mit Farblacken u.s.w., welche hauptsächlich bei den Zinnfolien angewendet wird, bietet weniger Interesse.

Hente in Nürnberg nimmt die Färbung in folgender Weise vor:9)

Die Blätter werden auf ein flaches Kissen gelegt und von diesem auf ein mit Klebstoff bestrichenes Rähmchen gebracht, so dass die Blätter nach jeder Richtung hin glatt anliegen. Nach dem Trocknen des Klebstoffes wird der Rahmen mit dem daran haftenden Blattmetall in ein Bad von Metallack getaucht, sofort wieder herausgenommen und in einen schwach geheizten Trockenraum gebracht.

Die Metallfolienpapiere.

Die Metallpapierfabrikation war vor 40 Jahren noch sehr gering. Französische Erzeugnisse beherrschten den Markt. Bald aber konnte Deutschland mit Frankreich erfolgreich concurriren. Der Hauptsitz dieser Industrie in Deutschland ist in Nürnberg, Fürth, München und Augsburg. Das Zinnpapier wurde früher allein in England hergestellt. Leo Haenle in München führte diese Fabrikation zuerst in Deutschland ein.

Das Belegen der Papiere mit den Metallfolien erfordert grosse Geschicklichkeit des Arbeiters.

Man hat auch versucht, Metalle auf elektrolytischem Wege auf dem Papier niederzuschlagen.

Bisher wurden nach C. Endruweit bei der galvanischen Fabrikation von Metallpapieren die als Form dienenden Metall(Messing)platten mit einer Lack-, Fett-, Theer-, Oxyd- oder Sulfidschicht überzogen, um dadurch die Isolation und nachherige Ablösbarkeit der Metallhaut zu erzielen.

Da die Isolation aber meistens keine vollkommene war, blieb die Metallhaut an der Platte hängen.

Die isolirten Platten waren auch an der Oberfläche nicht durchweg gleichmässig leitungsfähig und es konnte deshalb keine gleichmässig dicke Metallschicht erzielt werden. Ferner hafteten den Formplatten nach dem Herausnehmen aus den galvanischen Bädern stets Substanzen an, welche die Isolationsschicht schädigten und so Brüchigkeit der Metallhaut zur Folge hatten.

Diese Mängel verursachten aber nicht nur einen hohen Procentsatz Ausschuss (bis zu 75 Proc.), sondern sie waren auch die Ursache, dass die Formplatten an der Oberfläche vielfach Poren oder Flecken erhielten und vor jedem Gebrauche neu geschliffen und polirt werden mussten.

Alle diese Misstände, welche bisher jede galvanische Fabrikation von Metallpapier nach kurzem Bestehen zum Stillstande brachten, sollen nach C. Endruweit10) verhütet werden, wenn man die mit einer concentrirten Lösung von Schwefelalkali behandelten Metallplatten nach dem Abspülen mit Wasser noch in eine schwache Lösung von Kalium- oder Natriumhydrat taucht und dann nochmals mit Wasser abspült, um die Platte darauf in das Bad zu bringen.

Unter Umständen, besonders wenn man eine Kupferhaut niederschlagen will, ist es erforderlich, die mit der Schwefelalkalilösung bestrichenen Platten, während man sie in die schwache Alkalilösung taucht, unter kurzem Stromschluss als negativen Pol zu benutzen.

Ein ähnliches Verfahren von J. Brandt und G. W. Nawrocki11), verbessert von J. v. d. Poppenburg12), besteht darin, dass man zuerst auf einer glatten isolirten Metallplatte ein dünnes Metallhäutchen niederschlägt und nach dem Trocknen auf dieses Häutchen angefeuchtetes Papier oder Papierbrei aufträgt. Das Papier soll dann durch Walzendruck (Gummi walzen) so innig mit dem Metallhäutchen vereinigt werden, dass das gebildete Metallpapier von der Unterlage abgehoben werden kann, ohne zu zerreissen.

Als Unterlage für Gold werden polirte Zink- oder Kupferplatten, für Silber Kupfer verwendet.

Die Firma C. A. Holl in Frankfurt a. M.13) stellt leicht abhebbare Metallniederschläge dadurch her, dass sie mit Nickel legirte Platten verwendet. Unterwirft man nach K. Reinfeld die Nickeloberfläche ausserdem noch einer Behandlung mit oxydirenden Körpern, so können von einer derart vorbereiteten Fläche selbst elektrolytische Niederschläge von nur ein- bis zweitausendstel Millimeter Dicke leicht abgehoben werden. Es hat sich übrigens gezeigt, dass man ausser Nickel auch andere Metalle als Unterlage für die Niederschläge benutzen kann, wenn nur die Oberfläche eine genügend glatte ist.

Auf dem Gebiete der Metallfolienfabrikation und deren Anwendung sind noch folgende neuere Patente zu erwähnen:

Verfahren zur Herstellung geschmeidig bleibender Ornamente mit Gold-, Silber- oder anderem Metallpapier von H. W. Gutberlet;14)

Herstellung von Mustern auf Geweben mittels Blattmetall.15)

Verfahren zur Herstellung von Brokat- bezieh. Goldstoffnachahmungen von E. P. Werner.16)

E. de Soye in Paris17) versieht Gelatine oder andere Stoffe mit einem Goldüberzuge, indem er zunächst auf |23| einer Glasplatte auf chemischem Wege eine dünne Goldhaut niederschlägt und dann über das auf der Platte aufgetrocknete Gold eine etwas erwärmte 5procentige Gelatinelösung giesst. Nach dem völligen Erstarren kann man die Gelatine in Form einer Platte, an welcher das Goldhäutchen festhaftet, von dem Glase abheben. Die so erhaltenen Platten sollen in der Bilder- und Luxuspapierfabrikation u.s.w. Verwendung finden.

Japanische Gold- und Silberpapiere.

Seit Kurzem kommen von Japan Gold- und Silberfäden nach Europa, welche aus Gold- und Silberpapier hergestellt sind und sehr viel zu Gold- und Silberstickereien verwendet werden, da sie billiger und leichter sind als der bei uns gewöhnlich benutzte Metalllahn. Wie bei diesem besteht die Seele aus einem Seiden- oder Baumwollfaden. Um diesen Faden ist der vergoldete oder versilberte, etwa 1 mm breite Papierstreifen spiralförmig gewunden.

Das aas der Rinde des japanischen Maulbeerbaumes gefertigte Papier ist sehr fest, geschmeidig und langfaserig verfilzt. Die Grundirung des Papiers besteht aus einem ziemlich dicken, orangegelb gefärbten Lacke, auf welchem die Silberfolie befestigt ist.

Auch die Goldfäden sind mit Blattsilber hergestellt und erhalten, wie dies bei der Goldrahmenfabrikation auch bei uns üblich ist, je nach der Goldnuance, welche erzielt werden soll, einen ganz dünnen, hell- oder dunkelgelb gefärbten Lacküberzug, wodurch in täuschender Weise die Farbe des Goldes nachgeahmt wird.

Aus diesen Fäden werden in Japan auch Gold- und Silbertressen hergestellt. Die Billigkeit ist jedenfalls der Hauptvorzug dieser Fäden, denn die Widerstandsfähigkeit gegen Nässe und Reiben ist eine sehr geringe, und in dieser Beziehung sind die bei uns hergestellten Metallfolienpapiere weit dauerhafter.

Solche Fäden aus Metallfolienpapieren werden übrigens auch in Deutschland, z.B. von der Firma Tröltsch und Hanselmann in Weissenburg a. S., hergestellt und unter dem Namen „Zyprische Goldfäden“ in den Handel gebracht.

(Schluss folgt.)

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D. R. P. Nr. 68864 vom 5. März 1892 und Zusatzpatent Nr. 75150 vom 17. October 1893.

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D. R. P. Nr. 58807 vom 6. Januar 1891.

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D. R. P. Nr. 66003 vom 16. Februar 1892.

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D. R. P. Nr. 24458 vom 28. December 1882.

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D. R. P. Nr. 66087 vom 15. April 1892 und Zusatzpatent Nr. 79024 vom 7. Juni 1894.

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D. R. P. Nr. 79065 vom 20. April 1894.

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D. R. P. Nr. 48355 vom 14. October 1888.

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D. R. P. Nr. 65470 vom 22. März 1892.

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D. R. P. Nr. 73965 vom 15. October 1893.

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D. R. P. Nr. 82664 vom 25. Januar 1895.

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D. R. P. Nr. 43351 vom 25. September 1887.

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D. R. P. Nr. 51643 vom 5. December 1888.

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D. R. P. Nr. 50890 vom 22. November 1888 und Zusatzpatent Nr. 74904 vom 7. October 1892.

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D. R. P. Nr. 76206 vom 30. Juli 1893.

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D. R. P. Nr. 69226 vom 15. Mai 1892.

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D. R. P. Nr. 65938 vom 19. December 1891.

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D. R. P. Nr. 66299 vom 2. Februar 1892.

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