Titel: Ueber Kaffeebrenner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 299 (S. 86–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj299/ar299022

Ueber Kaffeebrenner.

Mit Abbildungen.

Die wesentlichen Gesichtspunkte, auf welchen sich die Einrichtung eines Kaffeebrenners aufbauen muss, sind folgende:

1) müssen die Bohnen schnell geröstet werden können, um ihnen die aromatischen Bestandtheile möglichst zu erhalten;

2) ist die rasche Abführung der sich beim Röstprocess entwickelnden Dämpfe und sich ablösenden Hülsen – Schalen – von grosser Wichtigkeit, da die Bohnen andernfalls einen schlechten Geschmack annehmen;

3) verhindert man durch ein rasches Abkühlen der Bohnen die Verflüchtigung der feinen ätherischen Oele, sowie das Aufbrechen der Bohnen;

4) ist ein gründliches Durcheinanderwerfen der Bohnen im Interesse einer gleichmässigen Röstung und zum Zweck, das Anbrennen der Bohnen zu verhindern, erwünscht.

Dem unter 1) und 2) angeführten Erforderniss eines vollkommenen Röstapparates kann man dadurch gerecht werden, dass man die Heizgase in die Rösttrommel einführt und unmittelbar auf das Röstgut einwirken lässt.

Im Hinblick auf diese naheliegende Erkenntniss sind denn auch in den letzten Jahren Apparate construirt worden, bei welchen das Röstgut in unmittelbare Berührung mit dem Röstmittel gebracht wird, und zwar sowohl solche, bei welchen die Röstbehälter mit durchbrochenen Wandungen, als auch solche, bei welchen sie mit vollen Wandungen versehen sind.

Zu den Schnellröstern mit durchbrochenen Wandungen gehört der Apparat von Carl Salomon in Braunschweig (D. R. P. Nr. 68811), dessen Einrichtung aus dem unter Nr. 49493 patentirten Apparat (vgl. 1890 276 299) dadurch hervorgegangen ist, dass man die Trommel ganz oder theilweise zu dem Zwecke perforirt hat, die Zu- und Abführung der Heizgase durch die Trommelhälse zu vermeiden. Hierbei hat man es in der Hand, durch im Trommelgehäuse angeordnete Scheidewände den Heizgasen einen derartigen Weg vorzuschreiben, dass sie vor oder nach ihrem Durchgange durch die Trommel diese ganz oder theilweise umspülen. Durch verschiedene Anordnung der Durchlochungen an der Trommel und der Scheidewände im Gehäuse ergeben sich für die Zu- und Abführung der Heizgase eine Reihe verschiedener Einrichtungen, von welchen die Zeichnungen mehrere Beispiele geben.

Textabbildung Bd. 299, S. 86

Nach Fig. 1 umspülen die Heizgase zunächst das eine Ende der Trommel, treten alsdann durch einen ringförmigen Schlitz der Scheidewand x in die andere Abtheilung des Gehäuses, um durch die Durchlochungen B in das Innere der Rösttrommel zu gelangen, welche sie bis zu ihrem Eintritt in den Abzugsschlot C der Länge nach durchströmen.

Fig. 2 zeigt, wie die Heizgase durch den durchlochten Ringschieber in der Mitte der Trommel eintreten und diese, da die Absaugung der Gase nach zwei Richtungen erfolgt, auch an beiden Seiten durchstreichen.

Fig. 3 zeigt, wie das Trommelgehäuse durch die Scheidewände x und y in drei Räume getheilt ist derart, dass die Heizgase im Mittelraum durch den durchlochten Ringschieber in das Innere der Trommel eintreten, diese durchströmen und alsdann durch die an den beiden Enden der Trommel angeordneten Durchlochungen in die Seitenräume des Gehäuses gelangen, welche mit dem Abzugsschlot in Verbindung stehen.

Textabbildung Bd. 299, S. 86

Bei dem Kaffeebrenner von Emil und Rudolph Offermann in Aachen (D. R. P. Nr. 69254) treten die Feuergase dadurch in unmittelbare Berührung mit dem Röstgute, dass sie durch siebartige Durchbrechungen a (Fig. 4) in das Innere der Trommel eintreten. Diese Durchbrechungen sind von Schaufeln S überdeckt, welche die Feuergase auffangen und in das Innere der Trommel treiben. Der Austritt der Gase aus der Trommel erfolgt entweder durch die Durchbrechungen c oder durch die hohle Achse A der Trommel. Nach vollendeter Röstung wird die Feuerung unter der Rösttrommel weggefahren und der Kaffee dadurch dem Kühlprocesse unterworfen, dass die Schaufeln S bei fortgesetzter Drehung der Trommel reine atmosphärische Luft durch die Trommel treiben. Die beim Rost- und Kühlprocess sich entwickelnden Dämpfe werden selbstverständlich durch die die Trommel durchziehenden Gase oder Luft entfernt.

|87|

Um eine gleichmässigere Vertheilung der Heizgase durch die Trommel zu ermöglichen und dadurch den Grad des Brennens zu beseitigen, welcher bei dem Röstgute Brandflecken verursacht, hat Ferd. Gothot in Mülheim an der Ruhr auf dem cylindrischen mittleren Theil der Rösttrommel A (Fig. 5 und 6) winkelförmige Vertheiler D angeordnet, welche die aufsteigenden Heizgase gleichmässig nach beiden Seiten ablenken. Durch die an den Kopfenden der Trommel angeordneten Absperrwände E werden die Heizgase in ihrer Richtung aufgehalten und gezwungen, durch die durchlöcherten schrägen Flächen a der Trommel in das Innere des Röstbehälters zu treten. Aus dieser ziehen sie dann mit den sich während des Röstprocesses bildenden Dämpfen durch die Kopfwände F hindurch nach den Abzugskanälen G hin ab. Auf diese Weise wird eine schnelle und gleichmässige Röstung erzielt.

Textabbildung Bd. 299, S. 87

Um die Wirkung der Röstung noch zu erhöhen, ist im Innern der Trommel eine Misch- und Rührvorrichtung HH vorgesehen, welche das Röstgut den Heizgasen entgegenführt. Sie besteht aus an der mittleren cylindrischen Trommelwand befestigten muldenförmigen Schöpfern c mit nach beiden Seiten abfallenden Rohren b. Diese schöpfen in ihrer tiefsten Stellung die nach der Mitte der Trommel fallenden Bohnen, welche sie bei der weiteren Drehung der Trommel nach den Kopfwänden F befördern. Von hier gelangen die Bohnen, auf den schrägen Wandungen der Trommel herabgleitend, wieder nach der Mitte der Trommel, um, wieder von den Schöpfern aufgenommen, einen neuen Kreislauf zu beginnen. Da die Bohnen bei diesem Kreislauf den die Trommel durchziehenden Heizgasen entgegengeführt und gleichzeitig gemischt werden, so erzielt man eine schnelle und gleichmässige Röstung. Beabsichtigt man, die Trommel zu entleeren, so wird der Feuerkorb C in die in der Figur punktirt gezeichnete Stellung geschoben. Der Apparat ist unter Nr. 78044 patentirt.

Textabbildung Bd. 299, S. 87

Das Princip, Röstgut und Heizgase sich im Gegenstrom zu einander bewegen zu lassen, hat auch bei der Röstvorrichtung von Barth in Ludwigsburg (D. R. P. Nr. 73441) Anwendung gefunden. Die Heizgase, welche aus seitlichen Oeffnungen E ihren Weg durch die gelochte Wand des Röstbehälters nehmen, werden mittels eines Ventilators durch den Abzug C (Fig. 7) abgesaugt. Das Röstgut bewegt sich in Folge der Drehung der Trommel entgegengesetzt dem Zuge der Heizgase. Man erzielt hierdurch eine rasche und gleichmässige Röstung. Eine rasche Abkühlung erreicht Barth durch Schliessen des Schiebers F und Oeffnen der in der vorderen Wand des Gehäuses befindlichen Thür G, durch welche die kalte Luft eintritt. Um den Feuergasen bei geschlossenem Schieber einen Abzug zu geben, ist das Abzugsrohr T vorgesehen.

Textabbildung Bd. 299, S. 87

Zu der vorbeschriebenen Gattung von Kaffeeröstern gehört auch der Emil Böttcher in Elberfeld unter Nr. 75796 patentirte Apparat, bei welchem bald die Heizgase, bald kalte Luft den rotirenden siebförmigen Mantel eines Kugelbrenners durchziehen, je nachdem der Röstbehälter über die Feuerung A (Fig. 8) oder über den Kühler O gebracht wird. Um diese Verlegung des Röstbehälters vornehmen zu können, ist dieser um die Achse M drehbar gelagert. In der Röstlage durchziehen die Heizgase den Röstbehälter und gelangen durch das Schornsteinrohr D ins Freie. Damit der sogen. Kaff nicht auch dahin gelangt, ist in das Abzugsrohr eine Einrichtung eingeschaltet, welche aus einer in das Rohr E eingeschalteten Siebklappe F besteht. Diese gestattet wohl den Gasen Durchlass, hält aber die Schuppen der Bohnen u.s.w. zurück und zwingt letztere, in den Trichter G zu fallen, der mit dem Exhaustorrohre H in Verbindung steht. Der fast gar geröstete Kaffee wird mit dem in Drehung verbleibenden Brenner mittels der Hebelarme L vom Herde A abgehoben und in den Kühlraum O gelegt, wo zunächst das Garrösten stattfindet. Ist dieses vollendet, so wird die Kühlung vorgenommen. Zu diesem Zweck wird die Trommel stillgesetzt, die Thür an ihr geöffnet, die Trommel mit der Oeffnung nach unten gedreht und das Röstgut auf den Siebboden des Kühlbehälters P geschüttet. Hier wird das Röstgut mittels der Flügel Q stetig umgerührt und durch einander geworfen, während es gleichzeitig der Wirkung eines Exhaustors ausgesetzt wird, der Kaff und Dünste absaugt.

Wir betrachten nunmehr die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der Kaffeebrenner mit vollen Wandungen, bei welchen das Röstgut in unmittelbare Berührung mit den Heizflammen kommt.

Es gehört hierher die der Firma Emmericher Maschinenfabrik und Eisengiesserei van Gülpen, Lensing und von Gimborn in Emmerich unter Nr. 68280 patentirte Vorrichtung, bei welcher die Röstung mit Hilfe eines Gasbrenners erzielt wird. Die zum Rösten der Stoffe nöthige Luft tritt |88| durch die in der Kopfplatte A (Fig. 9) befindliche Oeffnung ein, während die Abführung des beim Rösten entstehenden Dunstes und der Verbrennungsproducte durch die in der Kopfplatte B angebrachte Oeffnung erfolgt. Um ein Herausfallen des Röstgutes aus der Trommel zu vermeiden, sind in ihrem Innern durchlochte Bleche E vor den Oeffnungen der Kopfplatten angebracht. Die Wurfleisten F ersetzen die sonst üblichen Flügel.

Bei dem Kaffeebrenner von Peter Bollig in Köln wirkt das Röstmittel sowohl mittelbar als auch unmittelbar auf das Röstgut, und zwar mittelbar, indem die von einer Feuerung aufsteigenden Feuergase den Röstbehälter von aussen umspülen, und unmittelbar, indem ein Exhaustor die im Hohlraum a (Fig. 10 und 11) des Behälters durch die Feuergase erwärmte Luft in das Innere der Trommel saugt. An der hohlen Achse c ist der Hahn g angebracht, welcher mit einem Exhaustor in Verbindung steht und durch das Knierohr i an den Hohlraum a angeschlossen ist. Sobald der Exhaustor in der Trommel eine Luftleere erzeugt, tritt die im Hohlraum a befindliche heisse Luft in das Innere des Röstbehälters und beschleunigt den Röstprocess. Ist die Röstung vollendet, so öffnet man verschiedene, auf den Höhepunkten der aus Wellblech angefertigten Trommel angeordnete Schieber f, welche die Durchbrechungen g enthalten. Hierauf zieht man die Feuerung aus dem Apparate und saugt mittels des Exhaustors kalte Luft durch die Löcher in das Innere des Röstbehälters, welche den gebrannten Kaffee rasch kühlt. Der Apparat ist unter Nr. 78188 im Deutschen Reiche patentirt.

Textabbildung Bd. 299, S. 88
Textabbildung Bd. 299, S. 88

Augusto Ferreira Ramos in Sao Paulo in Brasilien (D. R. P. Nr. 83962) lässt die Kaffeebohnen in regulirbaren Mengen aus einer der beiden Kammern des Trichters A (Fig. 12) in den zugehörigen Vertheilungscylinder 6 und von diesem auf den Rost 66 einer Rinne 21 fallen, welche durch Kurbel und Stange 63 in Schüttelbewegung versetzt wird. Sobald auf den Rost genügend Kaffeebohnen aufgeschüttet sind, wird erhitzte Luft durch den Ventilator 51 unter den Rost 66 und durch die Zwischenräume der aufgeschütteten Bohnen hindurch getrieben. Auf ihrem Wege längs des Rostes nehmen die Bohnen fortgesetzt Wärme auf und gelangen schliesslich nach der Rinne 31, aus welcher sie durch Elevatoren C nach dem Trichter A befördert werden, um wieder in den Vertheilungscylinder und weiter auf den Rost der Förderrinne zu gelangen. Dieser Kreislauf der Bohnen wiederholt sich bis zur Beendigung des Röstprocesses.

Im Interesse einer gleichmässigen Röstung der Bohnen ist es erforderlich, dass die Trichterräume stets vollständig von Röstgut entleert werden. Denn geschähe dies nicht, so könnte der Fall eintreten, dass die an den Wandungen des Trichterraumes liegenden Bohnen den Trichterraum nicht verlassen, sondern daselbst liegen bleiben. Das Röstgut würde also zum Theil nur wenig oder gar nicht geröstete Bohnen enthalten. Sobald nun der eine Trichterraum vollständig entleert ist, setzt man den zugehörigen Vertheilungscylinder ausser Betrieb und setzt den anderen Cylinder, welcher zum zweiten Trichterraume gehört, in Bewegung. Wenn dieser zweite Trichterraum leer ist, setzt man den ersten Cylinder wieder in Bewegung und fährt so fort, bis das Product den gewünschten Trockengrad erreicht hat. Um die Bohnen im Trichter gleichmässig zu vertheilen, sind zwei Elevatoren angeordnet. Die Vertheilung des Kaffees in die Kammern des Trichters kann durch Register geschehen, welche an den Elevatoren angeordnet sind.

Textabbildung Bd. 299, S. 88

Wir gehen nunmehr zu einer dritten Klasse von Kaffeebrennern über, welche dadurch gekennzeichnet ist, dass das Röstmittel nicht mit dem Röstgute in Berührung kommt, sondern nur mittelbar auf dieses einwirkt.

Hierher gehört der Apparat von Ernst Boersken in Viersen (D. R. P. Nr. 70664), bei welchem dadurch ein gleichmässiges Erhitzen des Röstbehälters und dadurch eine gleichmässige Beschaffenheit des Röstgutes erzielt wird, dass zwei Rauchabzugsrohre c (Fig. 13 und 14) von gleicher Länge oben am Gehäuse angebracht sind, welche den gleichen Abstand von dem Mittelpunkte und von den Endpunkten der Trommel haben und zu einem Rohre vereinigt sind. Auf diese Weise wird eine gleichmässige Vertheilung der Heizgase in Bezug auf die Heizfläche des |89| Brenners herbeigeführt. Die Trommel selbst wird von den durchlochten Rohren r durchzogen, welche zur Aufnahme des in der Trommel entstehenden Dampfes dienen und in Bezug auf Mitte und Enden der Trommel genau so angeordnet sind wie die Rauchabzugsrohre c. Die Rohre r gelangen bei der Drehung der Trommel mit ihren offenen Enden abwechselnd unter die Rauchabzugsrohre, welche den Dampf aufnehmen und abführen. Die Rauchabzugsrohre stehen durch ein Rohr d mit einem Kasten b in Verbindung, in welchen die Feuerung geschoben wird, wenn sie nicht mehr auf die Rösttrommel einwirken soll.

Textabbildung Bd. 299, S. 89
Textabbildung Bd. 299, S. 89

Nach dem Verfahren von Louis Dahlmann in Düsseldorf (D. R. P. Nr. 69536) werden die Kaffeebohnen dadurch geröstet, dass man sie der Einwirkung eines geheizten Cylinders aussetzt. Die Vorrichtung zur Ausführung dieses Verfahrens ist derart eingerichtet, dass in einem mit feuerfesten Steinen ausgemauerten Ofen eine Retorte A (Fig. 15 und 16) aus Eisen rotirt und der Einwirkung der Heizgase ausgesetzt wird. Auf der einen geschlossenen Kopfseite wird die Retorte mittels des Schneckengetriebes S in Umdrehung versetzt, während das entgegengesetzte offene Kopfende der Retorte auf Rollen ruht und durch zwei halbe doppelwandige Schiebethüren E geschlossen wird. Die Antriebsseite ist mittels der Schrauben i mit dem Flansche des Lagerzapfens Z verbunden und durch eine Zwischenlage von Asbest oder Graphit isolirt. Das Lager C wird durch Zu- und Abführung eines Wasserstrahles kalt gehalten. Die aus Drahtgewebe hergestellte Rösttrommel D sitzt verschiebbar auf der Welle v, so dass sie durch die offene, mit den Schiebethüren E verschlossene Seite der Retorte in die punktirte Lage der Fig. 15 behufs Entleerung und Füllung herausgeschoben werden kann. Der Antrieb der Rösttrommel erfolgt durch die Riemenscheiben B, welche auf der Achse v sitzen.

Nachdem die Retorte durch die Feuerungen F in Hitze gebracht ist, wird die Rösttrommel mit dem Röstgute in die Retorte geschoben und werden die Schiebethüren geschlossen. Der Kaffee ist dann in der in Rotation versetzten Rösttrommel sofort allseitig der Glühhitze ausgesetzt und erhält einen reinen Geschmack und ein feines Aroma, da ihm die aromatischen Bestandtheile bei dem raschen Röstverfahren erhalten bleiben. Die während des Röstens sich entwickelnden Röstgase werden durch die Oeffnungen e unmittelbar nach dem Kamin abgeführt.

Das unter Nr. 76449 David Grove in Berlin patentirte Verfahren stützt sich auf das bei Backöfen seitens des Erfinders mit Erfolg angewendete Arbeitsverfahren der indirecten Heizung mittels in geschlossenem Raume circulirender, einerseits Wärme aufnehmender, andererseits solche abgebender Luft. Da das Arbeitsverfahren an sich bereits durch die dem Erfinder ertheilten Patente Nr. 27830, Nr. 62685 und Nr. 68815 in Bezug auf Backöfen bekannt geworden ist, so soll als Gegenstand der Erfindung lediglich die besondere Anwendungsweise und Ausführung des bekannten Verfahrens gelten, die sich aus dem abgeänderten Zweck des Röstens von Kaffee, Cacao u.s.w. ergibt.

Textabbildung Bd. 299, S. 89

Der zur Ausführung des Verfahrens dienende Apparat besteht aus einem unteren und oberen Theil. In dem unteren Theil treten die Heizgase jenseits der Feuerbrücke durch ein Rippenheizrohr c (Fig. 17) hindurch, um durch ein an die hintere Stirnplatte d angeschlossenes Abzugsrohr zu entweichen. In dem oberen Theil befinden sich die parallel zu einander gelagerten Rohre a mit den Transportschnecken k. Der Antrieb dieser Transportmittel erfolgt durch die Schneckenräder p, welche mit den Schnecken der Welle s in Eingriff stehen. Zwischen den Rohren a und der Calorifere c ist eine wagerechte Platte o so eingebaut, dass sie die von der Calorifere aufsteigende erhitzte Luft abfängt und nur ein seitliches Emporsteigen derselben gestattet. Die erhitzte Luft gibt ihre Wärme an die Rohre a ab, in welchen das Röstgut durch die |90| Transportschnecken von der Kammer i zur Kammer j gefördert wird. Die Geschwindigkeit dieser Förderung muss so im Verhältniss zur Temperatur der erhitzten Luft geregelt werden, dass das Röstgut fertig geröstet an die Kammer j abgegeben wird.

Um das Röstgut möglichst schnell abzukühlen, wird es in hohlwandige Rohre w geleitet, die mittels stetig zugeführten Wassers kühl gehalten werden und die zur Vergrösserung der Kühlfläche mit Längsrippen versehen sind. Die Abführung der Röstgase erfolgt durch die Rohrstutzen v, die zu einem Abzug vereinigt die Saugleitung eines Exhaustors bilden.

Textabbildung Bd. 299, S. 90

Der Kaffeebrenner von Anton Quadflig in Köln-Deutz (D. R. P. Nr. 70331) gestattet dadurch einen ununterbrochenen Betrieb, dass drei in einem Gehäuse angeordnete Trommeln der Reihe nach erstens in die Lage zum Entleeren und Füllen der Trommeln, zweitens in die Lage zum Vorwärmen des Röstgutes und drittens in diejenige zum Garbrennen des letzteren gebracht werden. Zu diesem Behufe sind die drei Rösttrommeln T1T2T3 (Fig. 18) in zwei drehbaren Rundblechen B (Fig. 19) gelagert, welche als Kopfabschluss des Gehäuses H dienen und durch vorgeschraubte Blechringe B am Heraustreten aus dem Gehäuse gehindert werden. Auf diese Weise wird zugleich ein hinreichend dichter Rauchabschluss erzielt. Oben ist das Gehäuse mit Rauchabzugsrohren versehen, während es unten einseitig eine Längsöffnung enthält, unter welche die Feuerung F zu stehen kommt. Eine dritte Oeffnung, welche normal zur Längsachse des Brenners steht, führt auf das rüttelbare Kühlsieb S und ist durch eine Klappe K von einer dem Gehäuse angepassten Krümmung verschliessbar. Die Klappe K steht jedoch für gewöhnlich offen, da sie unter der Einwirkung eines Gewichtshebels in das Innere des Gehäuses zurückschlägt und hier stehend erhalten wird.

Textabbildung Bd. 299, S. 90

In Folge dieser Stellung der Klappe werden die Feuergase gezwungen, nur auf die beiden, die rechte Seite des Gehäuses einnehmenden Trommeln T1 und T2 derart einzuwirken, dass in der Trommel T1 die Kaffeebohnen geröstet und in der Trommel T2 vorgewärmt werden. Die in der Trommel T3 befindlichen Bohnen werden von den Feuergasen nicht beeinflusst, sondern kühlen sich ab. Sobald in Trommel T1 der Röstprocess beendet ist, werden die Kopfbleche sammt den drei Trommeln derart gedreht, dass T1 in die Kühllage, T3 in die Lage von T2 und T2 in die Röstlage gelangt. Es kommen also die Bohnen in T2 zur Röstung, die in T3 werden vorgewärmt und die in T1 befindlichen Bohnen werden auf das Rüttelsieb S ausgeschüttet. Darauf wird die Trommel T1 von Neuem gefüllt und der Kreislauf des Röstprocesses kann seinen Fortgang nehmen.

Textabbildung Bd. 299, S. 90

Eine Anlage zum gleichzeitigen Rösten grösserer Mengen von Kaffee hat sich Carl Theodor Seidel in Dresden unter Nr. 71206 patentiren lassen. Bei dieser Röstanlage wird das Röstgut in eine grössere Anzahl auf einem fahrbaren Gestell drehbar gelagerter Trommeln h (Fig. 20) eingebracht und in einen geeigneten Röstraum eingefahren. Der Röstraum ist derart von Heizkanälen umgeben, dass man die Heizgase vom Roste a aus erst in hin und her laufenden Kanälen b unter den Röstraum und dann durch aufsteigende Kanäle in über dem Röstraume hinführende Kanäle e leitet. Nach Beendigung des Röstprocesses werden die Rösttrommeln aus dem Ofen und auf das Gleis I geschoben, wo sie ihren Inhalt in die auf dem Gleis II stehenden Kühlbehälter entleeren. Das Kühlmuldengestell wird dann sofort in den mit geeignetem Abzug ausgestatteten Kühlraum befördert, in welchem das Röstgut durch die Drehbewegung der Schnecken o rasch abgekühlt und von allen Unreinigkeiten befreit wird. Während des Kühlprocesses werden die Rösttrommeln von Neuem gefüllt und in den Röstraum eingefahren.

Einen Kaffeebrenner, bei welchem die Heizung der Rösttrommel nicht nur von aussen, sondern gleichzeitig auch von innen bewirkt wird, betrifft die Heinrich Trillich in München unter Nr. 72516 patentirte Röstvorrichtung. Die vom Rost aufsteigenden Feuergase umspülen die Trommel a (Fig. 21) und gelangen durch eine Rohrleitung und die hohle Achse der Trommel in die Kammer h, von wo sie durch die Heizrohre f nach der Kammer i und weiter durch den zweiten Hohlzapfen der Trommel nach dem Abzüge ziehen. Die Heizröhren f der rotirenden Trommel bewirken gleichzeitig ein gründliches Durcheinandermischen und Wenden des Röstgutes. Jede unmittelbare Berührung der Heizgase mit dem letzteren ist bei vorliegendem Apparat ausgeschlossen. Die sich in der Rösttrommel während des Röstprocesses entwickelnden Gase treten durch die durchlochte Wand e nach der Kammer i aus und werden von hier aus gemeinsam mit den Heizgasen nach dem Ventilator abgesaugt. |91| Nach der Zeichnung werden die Verbrennungsgase der Feuerung zur Heizung verwendet; es kann jedoch auch erhitzte Luft oder Dampf in die Trommel eingeführt werden.

(Schluss folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: