Titel: Die Reinigung des Kesselspeisewassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 299 (S. 227–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj299/ar299060

Die Reinigung des Kesselspeisewassers.

(Schluss des Berichtes S. 206 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Nach der vorstehenden übersichtlichen und klaren Auseinandersetzung wird es befremden, wenn noch immer der Kesselstein-Geheimschwindel blüht, und man wird es dankbar anerkennen, wenn die grossherzogl. badische Prüfungs- und Versuchsanstalt etwas Licht auf das Treiben fallen lässt, das noch immer zum Nachtheil der Kesselbesitzer mit den Kesselsteingegenmitteln getrieben wird.

Nach den Untersuchungen der Anstalt ist z.B. das Kesselsteinmittel Lithoréactif von Weiss und Co. im Wesentlichen nichts anderes als rohe Aetznatronlauge, welche mit organischen Stoffen etwas braun gefärbt ist. Den in 100 k des Mittels enthaltenen wirksamen Stoff kann man für etwa 9 M. erhalten, der Preis des Mittels wird jedoch mit 36 M. berechnet, also zum Vierfachen des wahren Werthes.

„Lithophage“, ein Pariser Geheimmittel, besteht im Wesentlichen aus roher Soda mit zerriebenen Pflanzentheilen. Der als wirksam zu betrachtende Theil, die Soda, kostet 3 Pf. das Kilo, das empfohlene Mittel dagegen 3,60 M., als das 120fache.

Einige Geheimmittel seien hier noch angeführt:

Rapid, Hauptwirkung die der Soda, Preis 50 Pf., reeller Werth 6 Pf. das Kilo.

Perschmann's Antikesselsteinmittel. Wirksamer Stoff Soda, Preis 7 Pf., Verkaufspreis 50 Pf., gleich dem Siebenfachen.

Dem „Antifouling Boiler-fluid“ wird jeder rationelle Werth abgesprochen, Preis 1 M. das Kilo.

Viele andere Mittel haben nur die Wirkung des Catechus und auch nur dessen Werth, der also je nach der Art des Speisewassers gleich Null sein kann.

Dies sind nur wenige Beispiele, die aber genügen mögen, das Treiben dieser Geschäftsleute zu kennzeichnen. Wer sich über diesen Schwindel gründlich unterrichten will, der werfe nur einen Blick in die Zeitschrift des Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine, welche sich das Verdienst erworben hat, die schönen Namen und Firmen etwas niedriger zu hängen.

Wir lassen hier einige Verfahren und Apparate folgen, welche zur Reinigung und Klärung des Speisewassers dienen und die meistens, trotz ihrer grossen constructiven Verschiedenheit, ihrem Zwecke gut entsprechen.

Zunächst seien die Versuche mit einem neuen patentirten Verfahren erwähnt, nach welchem chromsaure Salze zur Verwendung kommen.

Ueber Versuche, betreffend die Anwendung chromsaurer Salze zur Verhütung des Kesselsteins, die er in der Karstadt'schen Färberei in Hamburg-Billwärder mit dem Nieske'schen Patentverfahren angestellt hat, machte in der Versammlung des Vereins für angewandte1) Chemie Dr. M. M. Richter einige Mittheilungen. „Nach diesem Verfahren können zur Verhütung von Kesselstein die Kalksalze im Kesselwasser durch Ausfällung als Chromat unschädlich gemacht werden. Bei einem Cornwall-Kessel mit 100 qm Heizfläche wurde täglich 1 k Natriumbichromat angewendet. Die Verdampfung betrug 15 cbm Wasser von 10° Härte täglich. Der nach 3 Monaten resultirende Kesselstein war graugrün gefärbt. Er war leichter klopfbar, weicher, und seine Menge geringer als vor Anwendung des Mittels. Die Angabe der Patentschrift, dass der Kesselstein durch das Chromat vollständig zu verhüten sei, auch alter, vorhandener Kesselstein leicht damit zu |228| entfernen sei, fand sich indessen nicht bestätigt. Die fortlaufende chemische Controle des Kesselwassers ergab eine zunehmende alkalische Reaction und das Vorhandensein grosser Mengen Na2SO4. Der abgeblasene Schlamm bestand lediglich aus Cr2O3 und CaCO3. Niemals fand sich chromsaurer Kalk im Niederschlag entgegen der Angabe der Patentschrift. Vielmehr ist die Wirkung des chromsauren Natrons ausschliesslich derart, dass es unter den im Kessel herrschenden Druck- und Temperaturverhältnissen von der organischen Substanz des Speisewassers zu Cr2O3 und NaOH reducirt wird, welches letztere alsdann dem CaSO4 des Wassers die SO3 entzieht und Na2SO4 bildet. Derselbe Effect dürfte demnach mit NaOH zu erreichen sein. Doch ist nicht zu verkennen, dass das indifferente, voluminöse, im Wasser suspendirte Cr2O3 dem Kesselstein incorporirt wird und somit dessen Festigkeit verringert. Corrosionen an eingehängten Kupfer-, Messing-, Eisen- und Bleiblechen wurden nicht beobachtet.

Auch ein bekanntes Kesselsteingegenmittel, der Gerbstoff, ist neuerdings Gegenstand eines Patentes geworden; Oscar Lauffer führt in seinem D. R. P. Nr. 77124 Folgendes aus:

Zur Entfernung und zur Verhinderung der Neubildung von Kesselstein gibt man dem Kesselwasser einen Extract zu, der ungefähr einen Gehalt von 24 Proc. Gerbstoff in vollständig aufgeschlossener, d.h. hydroxylirter Form besitzt, und welcher hergestellt wird:

1) Durch Kochen gewöhnlicher gerbstoffhaltiger Materialien, wie Fichtenrinde, Eichenrinde oder Kastanienrinde, mit Ammoniak und nachfolgende Vergährung, und

2) durch Erhitzen dieser Materialien mit hochgespannten Wasserdämpfen nebst darauffolgender Vergährung.

Bei Anwendung der ersten Methode setzt man zu je 100 k rohem Gerbstoffextract 1 k Ammoniaklösung von 25 Proc. und zwar nachdem man das gerbstoffhaltige Material bereits 1 bis 2 Stunden mit Wasser gekocht hat. Die Zeitdauer der Kochung richtet sich nach der Natur des angewendeten Rohmaterials. An Stelle von Ammoniaklösung lässt sich mit gleichem Erfolge eine solche von Ammoniumcarbonat gleicher Concentration verwenden.

Die so erhaltene Lösung wird durch Kolirtücher gegossen, zur Entfernung aller fein vertheilten, aufgeschlämmten Theilchen in Filterpressen geklärt und nachher auf 3° Bé. verdünnt, falls man nicht die Kochung schon so geleitet hat, dass diese Concentration erzielt ist. Die Lösung wird nun rasch auf 30° C. gebracht und mit etwas faulendem Käse versetzt, an dessen Stelle später der Gährungsrückstand der vorangegangenen verwendet werden kann.

Nach einiger Zeit, in der Regel nach 1 bis 2 Tagen, beginnt der Extract in Gährung überzugehen, wobei zunächst alle zuckerartigen Stoffe und wegen der Milchsäuregährung auch die stickstoffhaltigen zerstört werden. Die im Extract vorhandenen Glycoside und schleim artigen Körper zerfallen hierbei in Zuckerarten, welche ebenfalls zerstört werden, und in Salze von gerbstoffartigen Verbindungen, die sich durch einen grossen Reichthum an Hydroxylgruppen auszeichnen. Diese Verbindungen sollen in hohem Grade auf Beseitigung des Kesselsteins wirken.

Um die Spaltung mit Ammoniak zu vermeiden, kann man den zweiten Weg einschlagen und die Rohmaterialien bei 2 at Dampfdruck 1 Stunde lang kochen, dann verdünnen und vergähren lassen, wobei wiederum eine durchgreifende Hydratisation stattfindet und die gleichen eigenthümlichen Hydroxylderivate des Gerbstoffes entstehen.

Patentanspruch: Die Herstellung eines die Entfernung und Neubildung von Kesselstein bewirkenden bezieh. verhütenden Extractes, welcher etwa 24 Proc. Gerbstoff in aufgeschlossener, hydroxylirter Form enthält, in der Weise, dass man gerbstoffhaltige Rohmaterialien, als Fichtenrinde, Eichenrinde, Kastanienrinde u.s.w., entweder mit Ammoniaklösung kocht und nachher Milchsäuregährung einleitet, oder dass man die gerbstoffhaltigen Rohmaterialien unter Dampfdruck kocht und nachher vergähren lässt.

Zur Klärung der Kesselwässer ist auf der Zeche General Blumenthal ein Reichling'scher „Apparat zur Klärung der Kesselwässer“ aufgestellt worden. Er besteht aus geräumigen, aufrecht stehenden, cylindrischen Behältern, in denen die Wässer durch den Abdampf der Maschinen bis fast zur Siedetemperatur erhitzt und durch Zusatz von Kalk und Soda derart gereinigt werden, dass sie keinen Stein mehr absetzen. Die Apparate arbeiten zufriedenstellend. Die Anlage kostet rund 10000 M. und ist im Stande, die Speisewässer für 16 Dampfkessel zu reinigen. Die Kosten der Reinigung betragen für 1 cbm Wasser 2½ Pf., während die Zeche für das bisher zum Theil zur Kesselspeisung benutzte Ruhrwasser 10 Pf. bezahlen musste. Die zu reinigenden Wässer werden jetzt Brunnen entnommen.

Auf der Zinkerzgrube Neue Helene und auf der Wäsche der Cäciliengrube bei Scharley sind Wasserreinigungsapparate System Humboldt (D. R. P. Nr. 38032) aufgestellt worden, welche die Härte des Wassers von 22° bezieh. 17° auf 2° und 3½° vermindern sollen. Maassgebend bei der Wahl des Systems waren die guten Ergebnisse, welche mit demselben auf den Schmidt-Schächten der Scharleyer Tiefbausocietät gemacht worden waren.

Textabbildung Bd. 299, S. 228

Wasserreinigungsapparat nach Riddell's System, ausgeführt durch L. Hugh Bristowe und Co. in London. In Gegenden, wo die Wasserzufuhr direct den Flüssen entnommen wird, handelt es sich mehr um die Filtrirung als um das Weichmachen des Wassers. Die Unreinigkeiten können oft dadurch entfernt werden, dass man dieselben sich absetzen lässt, doch erfordert dies neben grossem Zeitaufwand die Anlage umfangreicher Klärbassins, wozu meistens der Raum fehlt.

Die von den Wasserwerken im Allgemeinen benutzten |229| Sandbettfilter, die ungefähr 3 Gallonen Wasser auf 1 Quadratfuss und 1 Stunde filtriren, besitzen den Nachtheil, dass sie einen grossen Raum und erhebliche Kosten zu ihrer Reinigung erfordern, da die schmutzige Sandlage öfter entfernt und vor ihrer Wiederbenutzung ausgewaschen werden muss.

Textabbildung Bd. 299, S. 229

Ein Apparat, der in Amerika die vielseitigste Anwendung gefunden hat, kann neben der Wasserreinigung für gewerbliche Zwecke unter Zuhilfenahme chemischer Mittel auch zur Reinigung der Fabrikabwässer und Cloakenwässer dienen und soll sich in diesem Falle bewähren. Das chemische Reagens wird dann dem Wasser vor seinem Eintritt in das Saugrohr der Pumpe zugefügt. Dadurch wird es mit dem Wasser innig vermischt und kann seine Wirkung äussern, ehe es in den Filter eintritt. Die Zufuhr der Chemikalien kann je nach Bedarf geregelt werden.

Textabbildung Bd. 299, S. 229

Der Filter wird in den verschiedensten Ausführungen geliefert. Fig. 3 zeigt eine wagerechte Anordnung mit mehreren Abtheilungen, was ermöglicht, einen Theil des Apparates ausser Thätigkeit zu stellen, während der andere ruhig fortarbeitet. Abgesehen davon, dass dieses Filtrationssystem wenig Raum erfordert, ist besonders dessen ungewöhnliche Leistungsfähigkeit hervorzuheben, wie auch ein Verlust an Filtrirmaterial niemals eintritt. Das Auswaschen des Filtrirmaterials selbst erfordert nur wenig Wasser. Neben wenig erheblichen Anschaffungskosten bietet der Apparat wesentliche Ersparnisse an Arbeitskraft, Zeit, Brennmaterial und Wasser.

Textabbildung Bd. 299, S. 229

In etwas anderer Form ist derselbe Apparat, wie Fig. 4 bis 6 zeigen, ausgeführt.

Eine weitere Ausführung von Riddell's Filtern zum Reinigen grösserer Mengen von Kesselspeisewässern ist nach Engineer vom 29. December 1893 in Fig. 7 und 8 dargestellt, zu deren Verständniss wohl keine weitere Erläuterung nöthig ist.

Fig. 9 zeigt eine Reinigungsanlage für Kesselspeisewasser, wie er von der Firma F. Zimmermann und Co., Halle a. S., construirt wird. Das zu reinigende Wasser gelangt mit einem bestimmten Zusatz von Soda und Aetznatron in das Gefäss A, wo es mit Hilfe von directem oder indirectem Dampf aus der Düse b auf etwa 75° angewärmt wird. Die sich hierbei ablagernden Kesselsteinbildner setzen sich theilweise am Boden des Gefässes A ab, theilweise werden sie in einem Diffusionsfilter D zurückgehalten. Zur Controle der Temperatur des angewärmten Wassers dient ein Thermometer C.

Der Vorgang im Gefässe A1 ist genau derselbe; er spielt sich nur nach Entleerung des Gefässes A ab, um |230| eine stetige Anwärmung und Mischung des Speisewassers mit der Lauge zu bewerkstelligen.

Das gereinigte Wasser gelangt bei W in einen Wasserbehälter, von wo es durch die Pumpe in den Kessel gespeist wird. Die Fabrikanten erbieten sich, bei Innehaltung

ihrer Vorschriften die vollständige Entfernung des Kesselsteins zu verbürgen.

Textabbildung Bd. 299, S. 230

Unter Nr. 82030 wurde A. L. G. Dehne in Halle a. S. nachstehend beschriebene Wasserreinigungsvorrichtung patentirt. Wie aus Fig. 10 ersichtlich, wird das zu reinigende Wasser in getheiltem Lauf durch Rohr W bei w und w1 in den aufrecht stehenden Behälter A eingeführt. Beim unteren Einlauf vermischt sich das Wasser mit dem durch Rohr K als Wasser oder Milch zugeführten Kalk, so dass Kalk- und Magnesiacarbonate ausfallen. Beim Aufsteigen dieses Gemisches und dem Zusammentreffen mit dem oben zugeführten Wasser fällt die Gesammtmenge der Carbonate aus, so dass das oben angeordnete Filter F nur wenig mechanisch mitgeführte Theilchen zurückzuhalten braucht.

Der Speisewasserreiniger (Fig. 11) von Franz Maas und Hart in Barmen-Rittershausen soll das Ansetzen von Kesselstein im Kessel gänzlich verhindern und den Schlamm selbsthätig aus dem Dampfkessel entfernen.

Zu diesem Zwecke treibt die genannte Firma das Wasser beständig durch einen entsprechend vorgerichteten Wasserreiniger, in welchem die Durchflussgeschwindigkeit so weit als möglich zu vermindern ist, damit das Wasser Gelegenheit habe, seine Schlammtheile abzusetzen.

Zur guten Erreichung dieses Zweckes ist es erforderlich, dass Wasser- und Schlammwege getrennt sind; dies geschieht im vorliegenden Apparate in der Weise, dass auf den Boden oder nach der erreichbar tiefsten Stelle des Dampfkessels ein gelochtes Rohr gelegt wird, dessen Oeffnungen so angebracht sind, dass auf der erforderlichen Länge ein Ansaugen des schlammhaltigen Wassers stattfindet. Das aufsteigende heisse Kesselwasser wird durch ein Injectionsstück, in welches auch das frische Speisewasser einströmt, in den Wasserreiniger geführt, mischt sich hier mit demselben und fliesst dann auf langem, schlangenförmigem Wege durch denselben und das Speiserohr in bezieh. zurück in den Kessel.

Zur Erreichung des schlangenförmigen Weges sind Zellen in den Apparat gebaut, und zwar so, dass die Umkehr des Wassers und das Absetzen des Schlammes an der breitesten Stelle, wo das ruhigste Fliessen stattfindet, geschieht. Die untersten Wasserschichten im Reiniger bleiben unbewegt, die hier hinein gesunkenen Schlammtheilchen setzen sich zu Boden und kommen mit dem fliessenden Wasser nicht mehr in Berührung. Das Absetzen des Schlammes schreitet von Zelle zu Zelle fort und das Wasser verlässt rein und geklärt den Apparat.

Um den Schlamm fortzuschaffen, ist unterhalb des Reinigers ein röhrenförmiger Kasten angebracht, welcher mit jeder Zelle in Verbindung steht; die einzelnen Oeffnungen sind durch einen Schieber verschlossen, damit die Wassercirculation in der vorgeschriebenen Weise erfolge. Dieser Schieber wird durch einen Hebel bewegt, der gleichzeitig mit einem Ablasshahn verbunden ist; sind die Zellen geöffnet, so ist auch der Hahn offen und der angesammelte Schlamm fliesst ab; wird der Hahn geschlossen, so sind die Zellenöffnungen abgesperrt.

Die Circulation des Kesselwassers durch den Reiniger findet unabhängig von der Speisung so lange statt, als zwischen der Temperatur des Wassers im Dampfkessel und im Apparat ein Unterschied, wenn auch nur ein minimaler, besteht.

Textabbildung Bd. 299, S. 230

Eine Einrichtung zum Weichmachen des Wassers ist von Doulton und Co. in Lambeth angegeben (Fig. 12). Bei derselben tritt das zu reinigende Wasser in den Kasten A, welcher die nöthigen Reagentien enthält, und tritt mit denselben in den Mischungsraum B über, von wo es in die Abtheilungen C gelangt. Hier setzt sich der Niederschlag schnell ab; die geklärte Flüssigkeit geht durch ein Abflussrohr in den Filterraum D und gelangt durch das Abzugsrohr H in die Abtheilung der Fabrik, welche das gereinigte Wasser verbraucht. Ein solcher Apparat für Lieferung von 450 l reinen Wassers in 1 Stunde kann aus Steingut hergestellt sein, welches jedenfalls vor der eisernen Construction den Vorzug hat, dass das gereinigte Wasser kein Eisen aufnehmen kann. Vor Gebrauch des Apparates muss das Wasser analysirt werden, um die geeigneten Reagentien wählen zu können. Auch das härteste Wasser wird durch den Doulton'schen Apparat auf 3 bis 4 deutsche Härtegrade heruntergebracht. Die ganze Einrichtung nimmt |231| einen sehr kleinen Raum ein; z.B. erfordert eine solche für stündliche Lieferung von 4500 l nur 6 qm Bodenfläche. Die Bedienung besteht nur im Zusatz der Chemikalien und Oeffnen der Abzugsrohre E, welche in den Boden der einzelnen Abtheilungen des Mischungsraumes münden und nur monatlich zu reinigen sind, was innerhalb 10 Minuten ausgeführt werden kann. Die Auslagen für die Chemikalien richten sich natürlich nach der Beschaffenheit des Wassers, doch stellen sie sich unter allen Umständen niedriger als 10 Pf. für je 4500 l des zu reinigenden Wassers.

Textabbildung Bd. 299, S. 231

Nach dem Privilegium vom 5. October 1893, ertheilt an David Hanna in Ogdensburg, County of St. Lawrence, State of New York, Nordamerika, wird Kesselspeisewasser dadurch gereinigt, dass man dasselbe in den hoch erhitzten Dampfraum eines Dampfkessels oder Dampferzeugers in der Weise einführt, dass die Unreinigkeiten ausgeschieden werden.

Anderen Verfahren gegenüber, bei welchen Wasser in den Dampfraum eines Kessels eingespritzt wird, ist bei dem vorliegenden Verfahren eine Spritzvorrichtung nicht nöthig und trotzdem wird der Zweck in einfacher Weise erreicht, auch wenn man mit hoch erhitztem Dampfe arbeitet. Wenn das Speisewasser nämlich der Wirkung des hoch erhitzten Dampfes in zerstäubter Form ausgesetzt wird, so greift die Ausscheidung der Unreinigkeiten aus dem Wasser so schnell Platz, dass diese an den Wandungen der Ausläufe als Kesselstein sich absetzen, wodurch die Fähigkeit des Apparates, dem Kessel das nöthige Wasser zuzuführen, in hohem Maasse vermindert wird.

Während das Einspritzverfahren und der hierzu gehörige Apparat sich besonders für Dampf von verhältnissmässig geringer Temperatur gut eignen, eignen sie sich doch nicht für Temperaturen, die das Ansetzen von Kesselstein an den Zuleitungsöffnungen veranlassen.

Aus demselben Grunde wird das Rückschlagventil nicht unmittelbar nahe dem Dampfraume angeordnet, da dasselbe in dieser Lage den in den Dampf eintretenden Wasserstrahl zerstäuben würde, so dass an dem Ventile und den anliegenden Wänden der Auslauföffnung Kesselstein sich ansetzen müsste. Zwischen dem Rückschlagventile und dem Dampfraume wird vielmehr ein kleiner Stutzen angeordnet, der so ausgeführt ist, dass er das Speisewasser in einem starken, vollen Strahle in den erhitzten Dampf einführt. Die Form der Oeffnung ist cylindrisch, da diese Form das Wasser am besten in compactem Strahle fortleitet.

Nach vorliegendem Verfahren kommt also die Spritzvorrichtung in Wegfall. Um die Uebelstände zu vermeiden, welche aus dem heftigen Schlagen bei plötzlicher Umwandlung des Speisewassers in Dampf entstehen, wird ein Rückschlagventil möglichst nahe an der Austrittsöffnung des Speiserohres angeordnet, jedoch nicht so nahe, dass der in den Kessel tretende Wasserstrahl zerstäubt wird.

Das Ventil ist mit einer Feder ausgestattet, die es auf seinem Sitze hält, wenn der Druck des Dampfes im Kessel abnimmt und das Uebertreten des Wassers aus dem Speiserohre und den Eintritt des Dampfes in dasselbe verhindert, wenn die Speisepumpe nicht arbeitet. Fig. 13 zeigt den Querschnitt eines Dampfkessels mit einer solchen Vorrichtung, und Fig. 14 den senkrechten Schnitt eines solchen Rückschlagventils in grösserem Maasstabe.

Auf dem Mantel a des Dampfkessels oder sonstigen Dampferzeugers ist ein Rückschlagventil befestigt, dessen Gehäuse b (Fig. 14) innen mit einem Querstege b1 versehen ist, in dessen cylindrischer Kappe b2 der hohle Ventilschaft c des Ventils c1 in Folge des über dem Ventil herrschenden Wasserdruckes verschiebbar ist. Die in dem Ventilschaft c liegende Feder c2 dient dazu, das Ventil c1 an seinem Sitze zu halten.

Die auf den oberen Theil des Gehäuses b geschraubte Hülse d ist mit dem ringförmigen Ventilsitze d1 und einer an einem Querstege der Hülse sitzenden Kappe d2 versehen, welche als Führung für den oberen Theil c3 des Ventilschaftes dient. Um das übermässige Schlagen, welches bei der Umwandlung des Speisewassers in Dampf entsteht, und ein Schlagen der Speisepumpe zu verhindern, wird der obere Theil c3 des Ventilschaftes zweckmässig hohl ausgeführt und mit einer Oeffnung c4 versehen, durch welche Wasser eintreten kann, so dass hinter dem Schafttheile c3 ein Wasserkissen gebildet wird.

Textabbildung Bd. 299, S. 231

Damit der Schaft c in der Hülse b2 frei beweglich ist, versieht man ihn zweckmässig mit einer Oeffnung b3 und die Hülse b2 mit einem Rohrstück b4, so dass in das Innere der Hülse Dampf eintreten kann. An den oberen Theil der Hülse d ist in passender Weise das Speiserohr e angeschlossen. In dem Kessel ist ein Auffangbehälter oder Trichter f in solchem Abstande von der Auslauföffnung des Rückschlagventils befestigt, dass die in dem zu reinigenden Wasser enthaltenen festen Theilchen in den Behälter f getrieben werden. Der Trichter f muss somit über dem Wasserspiegel und in den Dampfraum des Kessels hineinreichen, um diese Theilchen auszuscheiden.

Der Dampfraum, in welchen das Speisewasser durch den Einlaufstutzen eingeleitet wird, muss so ausgeführt sein, dass er den freien und raschen Umlauf des hoch erhitzten Dampfes gegen das einlaufende Wasser nicht hindert und dass er den freien Umlauf des entstehenden Dampfes von dem einströmenden Wasser hinweg ermöglicht. Anderen Falles würde das Speisewasser in den Auffangbehälter f geleitet und die darin sich sammelnden fremden Theilchen würden über dessen Seiten in das im Kessel befindliche Wasser hineingespült, wodurch die Vortheile ihrer vorherigen Ausscheidung wieder verloren gingen.

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An das untere Ende des Trichters f schliesst sich ein Rohr g an, das nach aussen führt und mit einem Absperrhahn h versehen ist. Der obere Rand des Trichters f ist, wie dargestellt, zweckmässig nach innen gebogen, damit der Inhalt bei plötzlichen Erschütterungen des Kessels nicht hinausgeschleudert werden kann.

Die Wirkungsweise ist folgende: Das zu reinigende Wasser wird durch das Speiserohr e in den Kessel eingeführt; von hier strömt es abwärts gegen die obere Fläche des Ventils c1, welches der Wirkung der Feder c2 entgegen nach unten gedrückt wird, so dass Wasser an dem Stege d2 vorbei in das Gehäuse b eintritt, wo es auf den erhitzten Kesseldampf trifft.

Dieser heisse Dampf verdampft das Speisewasser, bevor es den Trichter f oder das Kesselwasser erreicht, und die im Wasser enthaltenen Unreinlichkeiten, welche nicht verdampft, bezieh. nicht zersetzt werden, werden in den Trichter f getrieben, an dessen geneigten Seiten sie in das Rohr g herabgleiten. Nach Oeffnen des Absperrhahnes h werden die Unreinigkeiten durch den im Kessel herrschenden Dampfdruck aus dem Kessel herausbefördert.

Es hat sich herausgestellt, dass der Dampf im Kessel, wenn er auf eine zu der einzuführenden Wassermenge passende Temperatur erhitzt wird, das Speisewasser so schnell verdampft, dass die fremden Körpertheilchen dem Trichter zugeführt und verhindert werden, sich mit dem Kesselwasser zu vermischen und im Kessel und dessen Röhren sich abzulagern.

Nach vorliegendem Verfahren wird das in den Dampfraum eines mit hoch erhitztem Dampfe gefüllten Dampfkessels oder Dampferzeugers eingeleitete Wassers auf einfachere und sicherere Weise gereinigt, als bei bekannten Einrichtungen, wo das Wasser mittels einer Spritzvorrichtung strahlenförmig in den Dampf eingeführt wird.

Patentansprüche:

1) Verfahren zum Reinigen von Kesselspeisewasser, darin bestehend, dass ein compacter starker Strahl Wasser in den hoch erhitzten und Hindernisse nicht darbietenden Dampfraum eines Kessels eingetrieben wird, wodurch das Speisewasser verdampft, bevor es den Auffangsbehälter oder die im Kessel befindliche Wassermasse erreicht; dass die Unreinigkeiten während des Verdampfens aus dem Speisewasser ausscheiden und durch den Hindernisse nicht darbietenden Dampf in den Dampfraum des Kessels fallen; und dass die so aus dem Wasser ausgeschiedenen Unreinigkeiten gesammelt und aus dem Kessel herausbefördert werden, bevor sie mit dem im Kessel befindlichen Wasser sich mischen können.

2) Ein Kesselspeisewasserreiniger, gekennzeichnet durch einen Einströmungsstutzen b, in welchem ein Rückschlagventil c1 in solcher Entfernung von der unteren Ausmündung angebracht ist, dass das Wasser bei seinem Eintreten in den Kessel nicht zerstäubt, sondern in einem geschlossenen Strahle eingeführt wird, wobei ein Sammelbehälter f für die Verunreinigungen mit Entleerungsrohr g so weit unter der Ausmündung des Stutzens b angebracht ist, dass der Wasserstrahl verdampft ist, bevor er ihn erreicht.

3) Bei einem Kesselspeisewasserreiniger nach Anspruch 2) ein Rückschlagventil c1, dessen Feder c2 das Bestreben hat, das Ventil gegen das einströmende Speisewasser zu schliessen und welches in dichter Nähe des Kesselraumes angeordnet ist, während zwischen Rückschlagventil und Dampfraum des Kessels ein offener Stutzen b liegt, der so gross ist, dass er einen zusammenhängenden starken Strahl Wasser in den keine Hindernisse darbietenden Dampfraum des Kessels einleitet.

4) Bei einem Kesselspeisewasserreiniger nach Anspruch 1) ein unter Federwirkung stehendes Rückschlagventil c1, das in dichter Nähe des Dampfraumes des Kessels angeordnet ist, während zwischen dem Rückschlagventil und dem Dampfraume des Kessels ein offener Stutzen liegt, der so ausgeführt ist, dass er das Wasser im zusammenhängenden scharfen Strahle in den keine Hindernisse darbietenden Dampfraum des Kessels einführt und im keine Hindernisse darbietenden Dampfraume zwischen Einlaufstutzen und Auffangbehälter f sich befindet, der so gross ist, dass er die Verdampfung des Speisewassers beim Hindurchgehen ermöglicht, und bei welchem ein Auffangbehälter f über dem Wasserspiegel im Kessel mit einem einwärts gekehrten Rande und mit einem Rohre g versehen ist, das nach aussen führt, um die Unreinigkeiten aus dem Behälter abzuleiten.

Textabbildung Bd. 299, S. 232

Wichtig für die gute Wirkung des Kessels ist eine sorgfältige Reinhaltung des Kesselwassers, also ein geregeltes Abblasen des Schlammes und anderer Verunreinigungen. Ueber die Vortheile des Abblasens des Schaumes aus Dampfkesseln berichtet Zeitschr. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Bd. 42 S. 237, folgendes: Auf dem Salzbergwerk Ludwig II. bei Stassfurt ist eine Abblasevorrichtung nach Fig. 15 angebracht, die das Abblasen bei vollem Dampfdruck gestattet. Das Abblasen geschieht alle 1½ Stunden und hat das Ergebniss geliefert, dass Kessel, die früher im günstigsten Falle nur 3 Wochen betrieben werden konnten, jetzt 6 Wochen in Betrieb bleiben können; während früher in 3 Wochen sich eine Schlamm Schicht von 180 bis 200 mm bildete, beträgt deren Dicke jetzt nach 6wöchentlichem Betriebe nur 40 bis 50 mm und die Flammrohre sind frei von Schlamm. Die Vorrichtung besteht aus dem angenieteten Stutzen A, durch welchen das Rohr B bis in die Mitte des Kessels geführt wird und hier den Trichter C bildet, der 3 cm unter dem mittleren Wasserstand liegt. Mittels des Hahns D erfolgt das Abblasen des Wassers, nachdem kurz vorher bis auf den höchsten Wasserstand gespeist worden war.

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Zeitschr. für angewandte Chemie, Heft 2, 1896.

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