Titel: Neuere Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 300 (S. 55–60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/ar300014

Neuere Pumpen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 30 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Ueber Dauerversuche, welche Prof. J. Galbraith in Toronto, Canada, an einer von der Geo. F. Blake Manufacturing Co. 'in New York für die Esplanade Pumping-Station der Stadt Toronto erbauten Verbundpumpmaschine anstellte, finden sich in einer dem Berichterstatter seitens des Chefingenieurs der vorgenannten Firma und Erfinders dieser Pumpenconstruction, A. F. Hall, freundlichst zur Verfügung gestellten Broschüre ausführliche Angaben.

Die mit Condensationseinrichtung versehene Pumpe besitzt die bereits 1895 296 * 177 Fig. 61 ersichtliche Construction (dort irrthümlich als Peabody's Verbundpumpmaschine bezeichnet, während dieser nur bezügliche Versuche anstellte), weicht jedoch in ihren Abmessungen bedeutend von dieser ab, da sie nach den Lieferungsbedingungen bei ununterbrochenem Betriebe in 24 Stunden 45440 cbm Wasser fördern soll.

Die Hauptabmessungen der Maschine sind nachstehend gegeben:

Durchmesser des Hochdruckcylinders 736 mm
„ „ Niederdruckcylinders 1473 mm
„ jedes Pumpenplungers 508 mm
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 1222 mm
Durchmesser der Kolben- und Plungerstangen 140 mm
Durchgangsquerschnitt eines Pumpenventils 43,08 qc
Anzahl der Saugventile an jedem Cylinderende 63
„ „ Druckventile „ „ „ 63
Luftpumpe (senkrecht):
Durchmesser der beiden Dampfcylinder (dop-
pelt wirkend)

305

mm
Durchmesser der beiden Pumpencylinder (ein-
fach wirkend)

635

mm
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 457 mm
Durchmesser der Kolbenstangen der Dampf-
cylinder

57

mm
Speisepumpe (wagerecht):
Durchmesser des Dampfcylinders (doppelt
wirkend)

165

mm
Durchmesser der beiden Pumpenplunger (ein-
fach wirkend)

105

mm
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 178 mm
Durchmesser der Kolbenstange des Dampf-
cylinders

27

mm
Duplex-Pumpe für Condenswasser (wagerecht):
Durchmesser der beiden Dampfcylinder (dop-
pelt wirkend)

76

mm
Durchmesser der beiden Pumpencylinder (dop-
pelt wirkend)

51

mm
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 76 mm
Durchmesser aller Kolbenstangen 19 mm

Die bemerkenswertesten Ergebnisse der 48 Stunden und 23½ Minuten andauernden Versuche waren folgende:

Durchschnittliche Anzahl von minutlichen
Umdrehungen

105,374
Durchschnittliche Kolbengeschwindigkeit
in der Minute

88,78

m
Durchschnittliche Anzahl der Umdrehungen
der Luftpumpe in der Minute

15,45
Gesammtleistung der Pumpe bei einem
Drucke von 7,4756 k auf jedes Quadrat-
centimeter der wirksamen Kolbenfläche


7409143721


mk
Leistung der Pumpencylinder in der Secunde 567
Förderung der Pumpencylinder in 24 Stun-
den (abzüglich 4 Proc. für Verluste)

47843

cbm
Gesammter reiner Brennstoffverbrauch 18721,4 k
Verbrauch an reinem Brennstoff in der
Stunde

383,76

k
Verbrauch an reinem Brennstoff für die
Stunde und

0,676

k

Die zur Dampferzeugung dienende Kohle hatte einen Aschengehalt von 14,22 Proc.

|56|

Eine Zwillings-Verbunddampfpumpe von Taylor and Challen, Limited, and S. W. Challen in Birmingham mit bequemer Zugänglichkeit aller Einzeltheile und Weglassung des zur Erreichung geringerer Geschwindigkeit der Pumpenplunger gegenüber den Kolben der Dampfcylinder angeordneten Zahnrädervorgeleges veranschaulichen die Industries and Iron vom 25. Januar 1895 entnommenen Abbildungen (Fig. 19 und 20). Ein Paar Hoch- und Niederdruckcylinder AA1, BB1 sind, nach dem Tandemsystem hinter einander liegend, auf gemeinschaftlicher Sohlplatte derart montirt, dass zwischen ihren Schieberkasten DD1 noch genügend Platz zum Hindurchgehen verbleibt. Auf dem bezüglich der Dampfcylinder entgegengesetzten Ende der Sohlplatte liegt die in Lagern ee1 geführte Kurbelwelle E mit überhängenden Schwungrädern FF1 auf jeder Seite; letztere tragen Zapfen GGl, an denen die Pleuelstangen H angreifen. Der mittlere Theil der Kurbelwelle E ist mit einer Kröpfung E1 versehen, deren Halbmesser kleiner als derjenige des Kurbelkreises der an den Schwungrädern befestigten Zapfen ist. Ueber die Kröpfung der Kurbelwelle greift der entsprechend gestaltete Kopf einer Schubstange I, deren andere gabelförmige Enden an einem zwischen den beiden einfach wirkenden, ebenfalls auf der Sohlplatte C befestigten Pumpencylindern LL1 liegenden Gleitstück K angeschlossen sind. Dieses ist mit den Plungern NN1 der beiden Pumpen verbunden und führt sich auf Stangen, welche an den Pumpencylindern befestigt sind. Die Saug- und Druckventilgehäuse PP1 mit ihren selbsthätigen Ventilen sind oberhalb der Pumpencylinder angeordnet. Eine gemeinschaftliche Saugkammer befindet sich mitten zwischen jedem Saugventilgehäuse der einfach wirkenden Enden der Pumpen, so dass die Flüssigkeit, nachdem sie durch das zugehörige Steigrohr O oder O1 und die Druckventile P1 getreten, durch das gemeinschaftliche Hauptdruckrohr S in den Accumulator oder in eine Leitung gelangt.

Textabbildung Bd. 300, S. 56

Die The Engineer vom 11. Januar 1895 entnommene Abbildung (Fig. 21) lässt die Construction einer von der Firma Hayward Tyler and Co. in Luton, Beds., erbauten, in ihren Einzeltheilen äusserst kräftig gehaltenen Triplex-Wasserpumpe erkennen.

Die Plunger der auf gemeinschaftlicher Fundamentplatte befestigten einzelnen Pumpencylinder haben je 381 mm Durchmesser und 915 mm Hub. Die Pumpe kann 270 oder 180 cbm Wasser in der Stunde mittels zweier Stirnräder und eingreifender, aus Gusstahl gefertigter Getriebe von 88,89 mm Theilung bei 229 m Breite liefern, von denen jedes letztere sich durch eine Klauenkuppelung ein- und ausrücken lässt.

Die Kurbelwelle hat 254, die Vorgelegswelle 146 mm Durchmesser. Der aus Stahlblechen zusammengenietete Druckwindkessel mit Wasserstandsglas, Manometer und Sicherheitsventil hat 1270 mm Höhe und 660 mm Durchmesser; er steht durch eine Rohrleitung mit einem selbsthätigen Luftzuführungsapparat in Verbindung; der ebenfalls mit Wasserstandsglas versehene Saugwindkessel von, 1524 mm Höhe und 381 mm Durchmesser ist auch aus genieteten Stahlblechen zusammengesetzt. Die Pumpen werden durch einen über das 5000 k schwere Schwungrad von 3048 mm Durchmesser gelegten Riemen angetrieben.

Es ist hinlänglich bekannt, welche Vortheile es gewährt, die Leistung einer Pumpe reguliren und möglichst unabhängig von den verschiedenen Phasen ihrer Bewegung machen zu können. Durch Vermeidung unregelmässiger Kolbengeschwindigkeiten, wie auch demzufolge veränderlicher Geschwindigkeiten des Wassers im Saug- und Druckrohr, sowie beim Ausguss bleiben die einzelnen Organe der Pumpe vor Zerstörungen durch Wasserschläge bewahrt und es kann auch die Kolbengeschwindigkeit erhöht werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 56

Für eine festgesetzte Leistung der Pumpe fallen dann die Abmessungen des Pumpencylinders, sowie diejenigen des Dampfcylinders, dessen Länge bei directer Bethätigung gleich derjenigen des ersteren genommen werden muss, entsprechend kleiner aus; auch können, wenn die Bethätigung der Pumpe, wie es häufig geschieht, unter Zwischenschaltung eines Zahnrädervorgeleges o. dgl. erfolgt, die zur Geschwindigkeitsregulirung des Motors dienenden Mechanismen in Wegfall kommen oder wenigstens vereinfacht werden, und ferner, sofern Wasserverluste nur eine unbedeutende Rolle spielen, die Durchmesser der Saug- und Druckrohre kleiner gehalten werden. Mit der Verringerung der Einzeltheile einer Pumpe wächst aber das Güteverhältniss derselben. Endlich lässt sich auch das Volumen des zur Erreichung eines möglichst gleichmässigen und beständigen Ausgusses dienenden Windkessels entsprechend vermindern.

Häufig gibt man dem Luftbehälter zu diesem Zwecke ganz bedeutende Abmessungen oder vereinigt zwei, auch mehrere Pumpencylinder in der Weise, dass ihre Kolben mittels zweckmässig aufgekeilter Kurbeln einer gemeinschaftlichen Treibwelle bethätigt werden.

|57|

Eine neuere Einrichtung zur Erlangung eines beständigen und gleichmässigen Wasserausgusses hat Henry Jandin an Pumpen getroffen.

Wie Le Génie civil vom 27. April 1895 S. 401 berichtet, arbeitet eine mit dieser Anordnung versehene, Fig. 22 schematisch dargestellte Pumpe mit zwei Kolben P1P2, welche von zwei gegen einander um 120° versetzten Kurbeln der Treib welle bethätigt werden und bei ihren einander parallelen Bewegungen in Kammern k1k'1k2k'2 des Pumpengehäuses treten. Letztere sind durch zwei gekrümmte Rohre nach unten und oben verlängert, die gleichzeitig die Verbindung dieser Kammern mit dem Saug- bezieh. Druckrohre herstellen. Die zur Steuerung der Pumpe dienenden Ventile c1c2c3c'1c'2c'3 öffnen sich sämmtlich von unten nach oben.

Textabbildung Bd. 300, S. 57

Man sieht, dass die Construction dieser Pumpe eine weit einfachere ist, als diejenige einer gewöhnlichen doppelt wirkenden Pumpe mit zwei Cylindern, da gegenüber der letzteren zwei Ventile in Fortfall kommen und auch nur zwei Rohre zum Ansaugen und Fortdrücken des Wassers anstatt vier derselben vorhanden sind.

Das charakteristische Merkmal dieser Pumpe liegt aber darin, dass bei jedem Zwölftel der Wellenumdrehung dieselbe Wassermenge in das Druckrohr gelangt und bei jeder vollen Umdrehung der Welle ein Wasservolumen gefördert wird, welches theoretisch den dreifachen Betrag des Volumens einer der Cylinder ausmacht.

Um dies zu erkennen, verfolgen wir die Fig. 23 wiedergegebene kreisförmige Bewegung der beiden Kurbeln P1P2, welche die Kolben bethätigen. Unter Vernachlässigung der geneigten Lage der Schubstangen sind die Stellungen der Kolben in dem Pumpengehäuse durch die Projectionen auf den wagerechten Durchmesser des Kurbelkreises gegeben. Der Umfang des letzteren ist in zwölf gleiche Theile, entsprechend einem jedesmaligen Kurbelwinkel von 30° getheilt. Den Projectionen der Theilbogen auf die Horizontale entsprechen die Längen ab oder c, so dass a + b + c = R und oder . Die Grössen abc stellen auch, wenn der Querschnitt der Kolben gleich der Einheit gesetzt wird, die den Stellungen der letzteren entsprechenden Volumina während der von 1/12 zu 1/12-Umdrehung der Welle zurückgelegten Wege dar. Für jeden Kolben weg lassen sich nun die angesaugten und fortgedrückten Volumina in den Kammern k1k2k'1k'2, ferner die durch die Ventile gegangenen Wassermengen und endlich auch diejenigen in den Saug- und Druckrohren bestimmen und die erhaltenen Werthe in einer Tabelle zusammenstellen. Da das angesaugte Volumen der einen Seite stets genau gleich demjenigen ist, welches von demselben Kolben auf der anderen Seite fortgedrückt wird, kann man die Resultate für die Kammer k1k2 einerseits und k'1k'2 andererseits in eine einzige Doppelspalte bringen, indem man für das in die eine Kammer gesaugte Volumen das aus der anderen Kammer fortgedrückte einsetzt und umgekehrt.

Betrachten wir zum Beispiel die Bewegung der Pumpe, während der Zapfen der Kurbel P1 den Bogen 0 bis 1 durchläuft. Während dieser Zeit bewegt sich der Kolben P1 um die Länge a nach rechts; er saugt in k1 das Volumen a ein und drückt dasselbe Volumen nach k'1. Der Kolben P2 bewegt sich dagegen um die Grösse c nach links; er saugt das Volumen c in k'2 und drückt dasselbe Volumen nach k2.

Bezüglich der Ventile ist Folgendes ersichtlich: c1 saugt a ein, c2 ist geschlossen; k'1 empfängt a, welches durch den Kolben P1 nach dort gedrückt wird, und verliert c, welches vom Kolben P2 angesaugt wird, so dass durch c'1 ein Volumen ca = b tritt; c'3 ist geschlossen und durch c3 wird ein Volumen c gedrückt. In das Saugrohr A endlich tritt das Volumen a für das Ventil c1 und das Volumen b für das Ventil c'1, demnach insgesammt ein Volumen a + b, während gleichzeitig in das Druckrohr R das durch c3 tretende Volumen c gedrückt wird. Verfolgt man in derselben Weise die beiden Kolbenwege für jede 1/12-Umdrehung, also insgesammt für eine ganze Umdrehung der Treibwelle, so ergeben sich die in der nachstehenden Tabelle zusammengestellten Werthe.

Zwischenstellungen Saugrohr A Ventil c1 Kammer
k1
Ventil c2 Kammer
k2
Ventil c3 Druckrohr R
Eingesaugtes
Volumen
Fortgedrücktes
Volumen
Eingesaugtes
Volumen
Fortgedrücktes
Volumen
0
c a b a c c c c
1
c b a b c c c c
2
c c c c b b a c
3
c c c c a a b c
4
a c b a b a c c
5
c c a b a b c c
6
c b a a c c c c
7
c a b b c c c c
8
c c c c b a b c
9
c c c c a b a c
10
c c b b a a c c
11
c c a a b b c c
12
Ventil c'1 Fortgedrücktes
Volumen
Eingesaugtes
Volumen
Ventil c'2 Fortgedrücktes
Volumen
Eingesaugtes
Volumen
Ventil c'3
Kammer k'1 Kammer k'2

Ein kurzer Blick auf die Tabelle zeigt, dass für irgend welche Phase der Bewegung sowohl das angesaugte als auch das fortgedrückte Volumen stets denselben Betrag c ausmacht; dasselbe ist für jede 1/12-Umdrehung constant und stellt sich demnach bei einer ganzen Umdrehung auf . Da die theoretische Leistung einer Pumpe 2R beträgt, ist die Gesammtleistung, wie oben |58| bereits bemerkt, gleich dem dreifachen Volumen einer der beiden Pumpencylinder.

Auch auf graphischem Wege lassen sich die vorstehend rechnerisch ermittelten Werthe bestimmen.

Trägt man nämlich (Fig. 23) für die gleichzeitigen Wege der beiden Kolben die von den Kurbelwarzen durchlaufenen Bogen als Abscissen und die Projectionen dieser Bogentheile auf den Durchmesser 0 bis 6 als Ordinaten eines rechtwinkligen Coordinatensystems auf, so ergibt sich, dass der Kolben P1 das Volumen a in k1 saugt und nach k'1 drückt, ferner der Kolben P2 das Volumen c nach k2 drückt und in k'2 saugt, schliesslich die Ventile c1c'1c'2c3 geöffnet, die anderen geschlossen sind.

Kennt man die in die Kammern k gesaugten und gedrückten Volumina, so lassen sich hieraus leicht die entsprechenden Durchflussmengen der Ventile ableiten. Fig. 24 und 25 zeigen diese Werthe für die Ventile c bezieh. c'. Die Diagramme lassen erkennen, dass jedes Ventil während eines Zeitraumes entsprechend 4/6-Umdrehung der Kurbelwelle ganz geöffnet ist, während dies bei einer gewöhnlichen Pumpe nie länger als entsprechend 3/6-Umdrehung der Kurbelwelle andauert. Es ergibt sich hieraus, dass bei gleicher Dauer der Ventilerhebung die vorliegende Pumpe gegenüber einer gewöhnlichen Pumpe eine im Verhältniss 3 : 4 geringere Tourenzahl auszuführen hat.

Textabbildung Bd. 300, S. 58

Um denjenigen Theil des Hubes kennen zu lernen, während dessen die Kolben Arbeit verrichten, genügt es, diejenigen Stellungen zu ermitteln, in denen jeder Kolben auf einer seiner Flächen der Saugwirkung, auf der anderen der Druckwirkung ausgesetzt ist.

Dies lässt sich mit Hilfe der obigen Tabelle, auch der Diagramme (Fig. 23 bis 25) leicht finden; aus beiden ist ersichtlich, dass zum Beispiel bei der Kolbenbewegung 0 bis 1 und 1 bis 2 die Ventile c1 und c'1 geöffnet sind und der Kolben P1 nicht arbeitet, während P2 Arbeit verrichtet und sich ausserdem im entgegengesetzten Sinne zu P1 bewegt. Im Gegensatz hierzu arbeiten die Kolben auf den Wegen 4 bis 5 und 5 bis 6 beide und bewegen sich in demselben Sinne saugend und drückend zugleich, der eine a, der andere b auf jedem Wege entsprechend 1/12-Umdrehung der Kurbelwelle liefernd.

In Fig. 23 sind übrigens diejenigen Abschnitte der Curven, welche den Kolbenwegen entsprechen, auf denen Arbeit verrichtet wird, stark ausgezogen. Man erkennt unmittelbar, dass

1) jeder Kolben während ¾ seines Hubes Arbeit verrichtet;

2) für jede 1/12-Umdrehung die Gesammtleistung der Kolben c beträgt;

3) wenn die Kolben sich in den Cylindern im entgegengesetzten Sinne bewegen, nur derjenige arbeitet, welcher in der Mitte seines Hubes steht, und

4) wenn sie sich in demselben Sinne bewegen, beide Kolben Arbeit verrichten; sie stehen dann in den beiden äussersten Vierteln ihres Hubes.

Textabbildung Bd. 300, S. 58

Die Abbildungen Fig. 26 bis 28 veranschaulichen die einer vollständigen Umdrehung der Kurbelwelle entsprechenden Tangentialdrücke der verschiedenen Kurbelgeschwindigkeiten und geben auch ein Bild von der Leistung jedes Pumpensystems; sie gestatten die Ermittelung der Gleichförmigkeitsgrade dieser drei Pumpen.

Da die Projectionen der Tangentialgeschwindigkeiten dem Cosinus der Ergänzungswinkel, welchen die Kurbeln mit den Kolbenachsen einschliessen, proportional sind, ergeben sich die kleinsten und grössten Ordinaten derselben

für die Pumpe System Jandin zu

cos 30° = 0,866 und cos 0° = 1;

für die doppelt wirkende Pumpe mit einem Kolben zu

cos 90° = 0 und cos 0° = 1;

für die doppelt wirkende Pumpe mit zwei Kolben zu

cos 0° = 1 und 2. cos 45°= 1,414,

und die Gleichförmigkeitsgrade demzufolge entsprechend:

Textabbildung Bd. 300, S. 58

Die Pumpe System Jandin lässt sich je nach dem Zwecke, für welchen sie bestimmt ist, in verschiedener Weise ausführen. Zum Fördern grösserer Wassermengen für städtische Versorgungen, Werkstätten u. dgl. dient die Fig. 29 und 30 ersichtliche Pumpe. Die zu hebende Flüssigkeit fliesst in schräg aufsteigender Richtung durch die |59| Pumpe, um damit den Durchgang von Gasen, welche in der Flüssigkeit enthalten sein könnten, zu erleichtern. Bei dieser Anordnung lassen sich in senkrechter Richtung bewegliche, federbelastete Ventile verwenden, besonders auch eine grosse Anzahl kleiner Doppelsitzventile, welche einen schnellen Gang der Pumpe gestatten. Auch zum Speisen von Accumulatoren und hydraulischen Pressen können die Pumpen mit Antrieb durch Kurbel oder Riemen von einer Vorgelegswelle aus vortheilhaft verwendet werden; in derartigen Fällen sind die Pumpen noch mit einem Sicherheitsventil zu versehen.

Textabbildung Bd. 300, S. 59

Zum Fortschaffen von sandigen oder schmutzigen Flüssigkeiten (für städtische Abfuhrzwecke o. dgl.) erhält die Pumpe die Fig. 31 ersichtliche Construction. Auch hier steigt die Flüssigkeit beim Durchgang durch die Pumpe, um das Fortschaffen von festen Körpern, welche durch die Siebkörbe am Ende des Saugrohres nicht zurückgehalten werden, zu erleichtern. Die Oeffnungen der Klappenventile sind reichlich breit, jedoch, um den Hub möglichst klein zu erhalten, von nur geringer Höhe. Die Ventile sind leicht zugänglich und tragen auf ihrer Achse ausserhalb des Pumpengehäuses, um ihre Bewegung erkennen zu können, einen Zeiger. Ein kleines Luftreservoir auf der Druckkammer der Pumpe dient zur Aufnahme und Abführung von mitgerissener und comprimirter Luft in den Cylindern. Bei grosser Saughöhe findet sich auch, um zu vermeiden, dass die der Flüssigkeit entsteigenden Gase unter der Wirkung der theilweisen Luftleere einen schädlichen Raum bilden, wodurch das Güteverhältniss der Pumpe beeinflusst wird, seitlich an der Saugkammer ein Luftbehälter angeordnet, in welchem eine gewisse Luftverdünnung herrscht, wenn man denselben durch eine Rohrleitung mit der Luftpumpe des zur Betriebsmaschine gehörigen Condensators oder mit einer besonderen Luftpumpe in Verbindung bringt, welche die Luft in die Atmosphäre drückt.

Diese Einrichtung ist namentlich dann vortheilhaft, wenn bedeutende Druckhöhen zu bewältigen sind.

M. Tissot, Conducteur des Ponts et Chaussées, in Lyon stellte mit zwei Pumpen der Fig. 29 und 30 ersichtlichen Construction von je 60 mm Durchmesser und 80 mm Hub der beiden zusammengehörigen Pumpencylinder, von denen die eine mittels Kurbel, die andere durch einen Riemen betrieben wurde, praktische Versuche an. Ein an einem kleinen Luftbehälter von 2 l Gesammtinhalt angebrachter Hahn erlaubte, die Druckspannung, die an einem bis zu 15 k anzeigenden Manometer abgelesen werden konnte, zu regeln.

Die mittels Kurbel betriebene Pumpe wurde von einem einzigen Arbeiter unter Einhaltung eines Arbeitsdruckes von 15 k mit Abweichungen von nur ¼ k bedient, ohne dass sich die Leistung der Pumpe im mindesten änderte.

Die mittels Riemen betriebene Pumpe konnte mit einer Geschwindigkeit bis zu 120 Umdrehungen in der Minute betrieben werden (die Transmission erlaubte keine höhere Tourenzahl); die Abweichungen betrugen bei dem Arbeitsdrucke von 15 k nur ½ k bei 64 und 1 k bei 120 minutlichen Umdrehungen.

Die Abbildung einer 1000pferdigen Pumpmaschine für Wasserhaltungszwecke, aus zwei Seite an Seite liegenden Tandem-Verbundpumpmaschinen bestehend, bringt The Engineer vom 21. December 1894 S. 554.

Die von Hathorn, Davey und Co. in Leeds erbauten Maschinen haben je 1016 und 1930 mm Cylinderdurchmesser für 3048 mm Kolbenhub; ihr Gewicht beträgt einschliesslich der Pumpen und aller zugehörigen Theile über 1000 t. Die Ventilsteuerung ist eine Abänderung der bekannten Differentialsteuerung.

In einem ausgeführten Falle wurden die Pumpen auf dem Boden des Schachtes, etwa 244 m unter der Oberfläche, aufgestellt und die Verbindung zwischen ihnen und der Maschine durch Stangen aus Pitch-pine von 508 mm im Quadrat hergestellt. Das System, Wasser auf grössere Höhen in einem einzigen Strahl mittels Gestängepumpen zu fördern, ist von Davey angegeben und hat bereits in zahlreichen Fällen Anwendung gefunden.

Bisher ordnete man in dem Schachte Pumpensätze in Abständen von höchstens 76 m an, derart, dass eine Pumpe das Wasser nach dem Aufstellungsorte der nächsten darüber liegenden Pumpe drückte.

Eine doppelt wirkende Gestängepumpe, System Cornish, von William Nance mit einigen bemerkenswerthen Einzeltheilen beschreibt The Engineering and Mining Journal vom 30. März 1895 S. 295.

Die alten einfach wirkenden Cornish-Pumpen waren für Wasserhaltungszwecke in Bergwerken wegen ihrer Schwerfälligkeit nicht vortheilhaft zu verwenden; aus diesem Grunde baut man in neuerer Zeit diese Pumpen doppelt wirkend und verringert damit das Gewicht des Hauptgestänges, so dass die schweren Gewichte zum Ausbalanciren desselben in Wegfall kommen können. Das Gestänge ist immerhin noch schwer genug, um beim Abwärtshube auf die Wassersäule treibend zu wirken; es besteht aus Holz mit armirten Stahlplatten.

Textabbildung Bd. 300, S. 59

Damit die zur Abdichtung der Kolbenstange dienende Stopfbüchse, auch wenn eine derartige Pumpe unter Wasser arbeitet, noch genügend dicht bleibt, ist eine Einrichtung getroffen, welche das selbsthätige Nachstellen der Stopfbüchse bewirkt.

Wie Fig. 32 erkennen lässt, wird die Stopfbüchse mit Hilfe von Gewichten W, welche an Drahtseilen hängen, die über Rollen geführt und an der Brille der Stopfbüchse befestigt sind, nach abwärts gezogen. Durch die Sperrvorrichtung C soll verhütet werden, dass sich die Brille beim Aufwärtshube der Kolbenstange in Folge zeitweiliger grösserer Reibung mit nach oben bewegt. Beim Abwärtshube arbeitet die Kolbenstange auf Dichthalten der Stopfbüchse. |60| A ist die Packung, B ein mit Oel gefüllter, im Innern der Packung eingeschlossener Raum, D eine Oelkanne zur selbsthätigen Füllung des Raumes B je nach Erforderniss. Die Brille wirkt auf die oberen Schichten der Packung und presst den Oelbehälter auf die unteren Packungsschichten, so dass ersterer ebenfalls mitsammt der Packung zusammengedrückt wird.

Textabbildung Bd. 300, S. 60

Eine Abdichtung der Plungerkolben doppelt wirkender Pumpen von B. C. Cox beschreibt Revue industrielle vom 20. April 1895 S. 155. Fig. 33 und 34 lassen die Einrichtung an einer derartigen schnell laufenden Pumpe erkennen. Die Muffe B ersetzt die gewöhnlich angeordneten Stopfbüchsen und verbindet die beiden Pumpenkörper mit einander; sie trägt auf ihrer inneren Bohrung eine Anzahl Nuthen, welche sich beim Arbeiten der Pumpe mit Wasser anfüllen. Der Cylinder E wird durch einen seitlich angegossenen Trichter mit irgend welcher Schmiersubstanz angefüllt, nachdem der Kolben F vordem in seine höchste Stellung gebracht wurde. Die Stange dieses letzteren tritt mit ihrer Verlängerung in einen darüber liegenden Cylinder L und trägt einen Kolben j, auf dessen obere Fläche ein hydraulischer Druck mit Hilfe eines Doppelrohres mit Hähnen M ausgeübt wird.

Nachdem man den Kolben j angehoben und den Cylinder E mit einer genügenden Menge Schmiermaterial angefüllt hat, lässt man Druckwasser auf die obere Fläche des genannten Kolbens wirken. Das Schmiermaterial tritt dann bei geöffnetem Hahn H durch das Rohr G in die mittlere Aussparung C des Muffes B und wird dort zusammengedrückt. Wenn diese Aussparung vollständig angefüllt ist, tritt das Schmiermaterial durch den geöffneten Hahn i ins Freie. Man schliesst dann diesen Hahn, ebenso auch den Hahn H, hebt den Kolben j von Neuem und füllt den Cylinder E nochmals mit so viel Schmiermaterial an, als zur Füllung der mittleren Aussparung des Muffes B ungefähr nöthig ist.

Je nach dem Drucke, unter welchem die Schmiersubstanz in der Aussparung C steht, füllt diese bald den zwischen Plunger a und Muffe B liegenden leeren Raum an, so dass das Wasser nicht mehr von einem nach dem anderen Pumpenkörper übertreten kann.

Um Ventilsitze von Kesselspeisepumpen, auch anderer Pumpen, ohne nachtheilige Folgen schnell aus ihren Gehäusen nehmen zu können, wurde C. E. Owens in London die nachstehend beschriebene Anordnung unter Nr. 21253 vom 12. September 1894 in England patentirt.

Wie die Engineering, 1895, entnommene Abbildung (Fig. 35) erkennen lässt, sind der Sitz c für das Saugventil d und der Sitz e für das Druckventil f in einer gemeinschaftlichen Büchse b vereinigt, welche mittels Flanschen g und h auf entsprechenden Aussparungen des Ventilgehäuses ruht. Die Büchse b wird unter Zwischenschaltung des Ventildeckels k mittels eines Bügels i auf seine Sitzflächen gedrückt. Um die Büchse b mitsammt den Ventilen aus dem Gehäuse zu nehmen, ist demnach nur nothwendig, den Bügel i zu lösen und den Deckel h zu entfernen. Fig. 36 zeigt eine abgeänderte Construction der Hubbegrenzung der Ventile.

Eine von der Pulsometer Engineering Co. in London, S. W., erbaute stehende Vacuumpumpe, mittels welcher gegenüber den mit grossem Zeitaufwande arbeitenden, demselben Zwecke dienenden Quecksilberluftpumpen in kurzer Zeit ein hohes Vacuum geschaffen werden kann, beschreibt Engineering vom 14. December 1894.

Textabbildung Bd. 300, S. 60

Die Leistung der nach dem Verbundsystem mit fünf Cylindern arbeitenden Pumpe stellt sich auf 28,32 cbm Luft in der Minute. Der Durchmesser der beiden ausserhalb des Gestelles von gewöhnlicher A-Form angeordneten grossen Pumpencylinder beträgt je 381 mm, die beiden zwischen dem Gestelle liegenden Pumpencylinder haben je 229 mm Durchmesser, während die comprimirte Luft schliesslich durch eine fünfte kleinere Pumpe fortgedrückt wird. Das erhaltene Vacuum ist nahezu vollkommen und soll nach dem Vacuummeter nur um 0,003 mm von dem absoluten Vacuum abweichen. Ihre Bewegung erhält die Pumpe mittels Zahnräder von einer Vorgelegswelle aus.

Die Fig. 37 ersichtliche Abbildung einer wagerechten elektrischen Triplexpumpe für Bergwerke von der Gould's Manufacturing Co. ist The Engineering and Mining Journal vom 30. März 1895 S. 297 entnommen.

Textabbildung Bd. 300, S. 60

Die auf einem Wagen montirte Pumpe hat drei Plunger aus Phosphorbronze mit Aussenstopfbüchsen, welche durch Schubstangen mit den um 120° gegenseitig versetzten Kurbeln einer dreifach gekröpften Welle verbunden sind. Die Cylinder und Stopfbüchsen sind mit Bronzebüchsen ausgefüttert. Die Zahnräder der beiden Vorgelegswellen sind mit Ausnahme des zum Elektromotor gehörigen, aus Bronze gefertigten Getriebes aus Gusseisen hergestellt und wie alle der Zerstörung durch herunterfallendes Gestein o. dgl. ausgesetzten Theile von Schutzblechen umgeben.

(Schluss folgt.)

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