Titel: Ueber Flecht- und Klöppelmaschinen.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1896, Band 300 (S. 121–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/ar300027

Ueber Flecht- und Klöppelmaschinen.

Von H. Glafey, Ingenieur, Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 97 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

G. Hövelmann in Barmen hat im D. R. P. Nr. 50408 einen Klöppel mit Fadenspannung in Vorschlag gebracht, bei welchem die Höhe dadurch abgemindert ist, dass die den Klöppelfaden spannende Feder c (Fig. 32) um eine Rolle b herumgeführt und mit dem äusseren Ende am oberen Ende des Klöppelständers a befestigt ist.

Einen Klöppel, bei welchem die Veränderung der Fadenspannung dadurch in engere Grenzen als bisher gebracht ist, dass die zeitweise erforderliche Sperrung der Spule mittels des zwischen dieser und dem Belastungsgewicht ausgespannten Fadenstückes selbst, also nicht mittels einer besonderen Sperrklinke erfolgt, veranschaulichen die Fig. 33 und 34. Dieser Klöppel rührt ebenfalls von G. Hövelmann in Barmen her und besitzt nach D. R. P. Nr. 50788 folgende Einrichtung.

Textabbildung Bd. 300, S. 121
Textabbildung Bd. 300, S. 121

Die auf der Fussplatte a1 befestigte runde Blechbüchse B ist so gebogen, dass eine Führungsleiste b1 für die Nuth des auf und nieder gleitenden Gewichtes C gebildet wird. Die Garnspule D dreht sich um die Büchse B und wird durch den Untersetzer b2 in passender Höhe getragen. Sie hat einen gezahnten Rand d1, welcher zur Sperrung gegen Drehung dient, wenn kein Faden abgelassen werden soll. Der Stab E dient hauptsächlich zur Führung des von der Spule kommenden Flechtfadens d2, welcher zunächst durch das Auge e1 und das mit diesem sich deckende Auge e2 des Aussetzers gezogen wird. Zur Weiterführung des Fadens ist mit dem Stabe E eine um den Stift e3 drehbare Falle verbunden, welche mit den Augen e4e5e6 versehen ist. Da nun noch das Gewicht C das Auge c2 besitzt, so kann der Flechtfaden der Reihe nach durch die Augen e1e2e4e5e2e6 und dann nach dem Flechtpunkte der Maschine geführt werden. Auf diesem Wege durchläuft der Faden den gezahnten Spulenrand d1 und soll gleichsam als biegsame Klinke die Spule gegen Drehung sperren. Die Fadenstrecke e4e5, anfänglich nach dem Durchgange des Fadens gerade, wird allmählich zur gebrochenen Linie e4exe5, wie in Fig. 34 dargestellt.

Das Auslösen des Fadens geschieht durch das aufsteigende Gewicht C, und zwar mittels des über das Auge c2 hervorragenden Randes c3, welcher in der höchsten Lage (Fig. 33) den Faden aus dem gezahnten Rande d1 hebt. Das Gewicht kann sofort sinken, ohne dass erst die Spule Garn abzugeben braucht, weil die gebrochene Fadenstrecke e4exe5 zur kürzeren e4e5 wird und Faden freigibt. Das weitere Nachziehen von der Spule geschieht, durch die rüttelnde Bewegung des Klöppels begünstigt, allmählich durch das Gewicht innerhalb der Zeit von einer Spulen Sperrung bis zur nächsten.

Würde dagegen plötzlich von der ruhenden Spule Faden abgezogen, wie es bei Anwendung einer Sperrklinke der Fall ist, so würde die Fadenspannung sehr verschieden von der bis dahin stattgefundenen constanten Spannung, und zwar davon abhängig sein, ob von der vollen oder fast leeren Spule und ob oben oder unten von der Spule abgezogen wird, auch in welchem Maasse die Reibungswiderstände bei den einzelnen Spulen auftreten und in welchem Verhältniss die Reibung einer Spule zum Spannungsgewicht des Klöppels steht.

Textabbildung Bd. 300, S. 121

Fig. 35 veranschaulicht einen Klöppel von A. M. M. Alamagny, Oriol und Co. (Französisches Patent Nr. 200724). Die mit Zahnkranz b ausgestattete Spule a wird von einem Dorn frei drehbar getragen, welcher auf Klöppel von einem consolartigen Ansatz der Klöppelführungshülse e sitzt. In der letzteren gleitet das Fadenbelastungsgewicht g auf und ab, in welches der Faden in der aus der Zeichnung ersichtlichen Weise eingezogen ist. Derselbe läuft von der Spule durch das Auge k in der Hülse, von hier durch das Auge i des Gewichtes g und schliesslich durch die Führung d der Hülse zur Flechtstelle. Die Sperrung der Spule erfolgt durch die an dem Spulendorne drehbar befestigte Klinke c und deren Auslösung durch die Verlängerung l des Belastungsgewichtes, welche mit ihrer winkelförmigen Nase gleichzeitig in einer schlitzförmigen Aussparung der Hülse e gleitet und so eine Verdrehung des Gewichtes verhindert.

A. M. M. Burelier bewirkt nach dem französischen Patent Nr. 200267 die Sperrung der Fadenspule nicht durch eine drehbare, am Spulendorn oder der Klöppelfeder befestigte Sperrklinke, sondern durch eine parallel verschiebbare Sperrklinke. Die Einrichtung dieses Klöppels ergibt sich aus den Fig. 36 und 37. Auf der Klöppelhülse |122| e sitzt frei drehbar die mit Zahnkranz b ausgestattete Spule a, deren Sperrung durch den Riegel c erfolgt, welcher in schlitzförmigen Aussparungen g des Kopfes der Klöppelhülse e Führung erhält und innerhalb derselben mit einem Führungsauge i für den Faden versehen ist. Der letztere läuft von der Spule durch das Führungsauge m der Klöppelfeder nach dem Führungsauge d der Hülse e, geht in dieser nach abwärts durch den Sperriegel c in das Fadenbelastungsgewicht f und verlässt schliesslich den Klöppel durch die beiden Augen i und d. Wird die freie Fadenlänge aufgebraucht, so steigt das Fadenbelastungsgewicht f in der Klöppelhülse nach oben und trifft mit seinem Auge schliesslich an den Riegel c. Dieser wird parallel zu sich selbst angehoben und gibt die Spule frei. Die Spule gibt in Folge Sinkens des Fadenbelastungsgewichtes eine neue Fadenlänge her und wird durch Sinken des Riegels c wieder gesperrt, bis sich das Spiel in bekannter Weise aufs Neue wiederholt.

Textabbildung Bd. 300, S. 122

H. C. Brunner und H. Hall jr. in New York wenden zur Sperrung der Klöppelspule nach dem amerikanischen Patent Nr. 425857 eine auf den Spulendorn aufgeschobene, auf dem Spulenkranze aufruhende Platte an, die auf ihrer Unterseite einen Stift trägt, der sich in den Zahnkranz der Spule einlegt. Die besondere Einrichtung des Klöppels ergibt sich aus den Fig. 38 und 39. Die mit Zahnkranz H ausgestattete Spule C sitzt auf dem auf dem Herzstücke D angeordneten Spulendorne B. Ihre Sperrung erfolgt durch das auf ihr aufruhende plattenförmige Sperrstück A, welches auf seiner Unterseite über dem Zahnkranze H der Spule mit einem stiftartigen Ansatz I ausgestattet ist und ausserdem in dem Bereiche der Bewegungsbahn des Fadenbelastungsgewichtes F zwei nasenartige Ansätze K trägt. Sobald das auf der Klöppelfeder E auf und ab steigende Gewicht die höchste Stellung erreicht, trifft dasselbe gegen die Anschläge K des Sperrstückes A und hebt dasselbe in die in Fig. 38 ersichtliche Stellung. Die Folge davon ist, dass der Sperrstift I aus dem Zahnkranze H sich entfernt, also die Fadenspule freigibt und diese beim Sinken des Belastungsgewichtes neuen Faden abgibt. Dabei wird die Spule vor einem Ueberlaufen durch das Sperrstück dadurch gesichert, dass sich dasselbe mit seinem dem Stifte I entgegengesetzten Ende auf den Spulenkranz auflegt. Ist die Fadenabgabe erfolgt, so sinkt auch das Sperrstück A wieder und legt die Spule fest. Soll die Fadenspule ausgewechselt werden, so wird dieselbe einfach mit ihrem Sperrstück vom Spulendorn B abgehoben.

Textabbildung Bd. 300, S. 122

Bei dem in Fig. 40 wiedergegebenen Klöppel von Robert Charles Fischer in Toronto, Ontario (Englisches Patent Nr. 6004 A. D. 1890), erfährt die Fadenspule, wie die Figur erkennen lässt, überhaupt keine periodische Sperrung. Die Spannung des von derselben ablaufenden Fadens erfolgt mit Hilfe einer Scheibenspannung e und einer federnd aufgehängten Führungsrolle gi. Die Spule a sitzt auf dem Dorne m und wird vor einem Abheben von demselben durch den drehbar an der Klöppelfeder d befestigten Hebel cf verhindert, der zugleich eine feste Verbindung zwischen der Klöppelfeder und dem Spulendorne herstellt. Der Faden läuft von der Spule durch die Spannscheiben e und von da über die Führungsrolle g nach dem Fadenleitauge k. Beim Arbeiten der Maschine wird in Folge Verbrauches der freien Fadenlänge die Feder i angespannt, und sobald diese Spannung eine bestimmte Höhe erreicht hat, wird neuer Faden durch die Spannscheiben e nachgezogen. Auf diese Weise bleibt die Fadenspannung stets eine elastische und, da eine plötzliche Festlegung bezieh. Freigabe der Fadenspule vermieden ist, auch eine annähernd gleichmässige.

Textabbildung Bd. 300, S. 122

Zoll und Nohr in Zeitz haben in der Patentschrift Nr. 57248 einen Klöppel in Vorschlag gebracht, bei welchem, wie Fig. 41 erkennen lässt, die Fadenspule s sich um eine wagerechte Achse dreht, die Fadenabführung durch zwei Führungswalzenpaare k1k2k3k4 hindurch erfolgt und die Fadenspannung in der Weise regulirt wird, dass eine in beweglichen Armen gelagerte Belastungswalze r1 den Faden stets straff hält und mittels Hilfsrollen r8 die sonst festliegende Spule nur dann so viel lüftet, dass sie sich drehen kann; wenn Bedarf an Faden vorhanden ist.

Textabbildung Bd. 300, S. 122

Die Fig. 42 und 43 stellen einen Klöppel für Flecht- und Klöppelmaschinen von Rich. Grah in Gevelsberg dar (D. R. P. Nr. 62576), bei welchem die Fadenspannung durch eine um den Schaft des drehbaren Spulenträgers gelegte Schraubenfeder erfolgt, die beim Abwickeln des Fadens auf Torsion in Anspruch genommen wird und das Bestreben hat, den Spulenträger und Faden entgegengesetzt zu der vom ablaufenden Faden bewirkten Drehung zurückzudrehen. Bei den bekannten, gewöhnlichen Fadenspannungen hält die Spannfeder nur den Fadenführer unter Zug und wirkt daher weder in der Weise, dass jede Fadenschlaffheit sofort selbsthätig durch die zurückdrehende Spule wieder aufgenommen wird, noch in der Weise, dass jede beliebige Fadenlänge beim wechselnden Gang der Klöppel mit stets sich völlig gleichbleibender Spannung abgegeben wird.

Die Form und Antriebsweise des Spulenträgers ist im |123| Wesentlichen die gebräuchliche; A ist der zwischen den Tellern oder Scheiben des Riemenganges sich bewegende Fuss, B die Seitenstange mit dem Aussetzer C und F der die Spule tragende drehbare Stift mit Platte G, auf der die Spule ruht und mit der ihre gezahnte Unterfläche durch einen Fanghaken in Eingriff gehalten wird. Dieser Fanghaken bildet das vordere Ende eines um einen Stift beweglichen Hebels, dessen hinteres Ende von einer unter der Scheibe G befestigten Feder h herabgedrückt wird. An dem Hebel ist ein nach unten vorspringender Arm oder An schlag H1 befestigt oder angeformt.

Textabbildung Bd. 300, S. 123

Der die Scheibe G tragende Stift F ist auf dem Theile zwischen der Führung B1 und der Scheibe G mit Gewinde von geeigneter Steigung versehen und ruht in dem Spurzapfenlager f des Fusses A. An diesem Lager f ist das untere Ende einer Schraubenfeder I befestigt, die den Stift F umgibt und deren Ende an diesem Stift unterhalb des Armes B1 befestigt ist. Auf dem Gewindetheil F1 des Stiftes befindet sich eine Mutter E1 an der ein Anschlag e sitzt, welcher in einem senkrechten Einschnitt der von der Führung B1 getragenen Platte B2 verschiebbar ist. Der Faden geht von der Spule D ab zunächst durch das Loch b der Stange B, dann durch das Loch c des Aussetzers C und zuletzt durch das obere Loch b1 der Stange B.

Beim Anziehen des Fadens dreht sich die Spule D und gibt Faden ab; die Scheibe G und Stift F folgen durch den Eingriff des Fanghakens H1 mit der Spule der Drehung, und die Mutter E, welche wegen des im Einschnitt der Platte B2 liegenden Anschlages e der Drehung nicht folgen kann, schraubt sich auf dem Gewindetheile F1 hinauf, bis der Anschlag e gegen den Anschlag H1 des Fanghakenhebels trifft; dadurch wird die Feder h hinauf- und der Hebel H1 her abgedrückt und kommt ausser Eingriff mit der Spulenverzahnung. Nun dreht sich die Spule auf dem Stifte F und der Scheibe (r, ohne dieselben in ihrer Drehung mitzunehmen, weiter und gibt Faden in beliebiger Länge ab.

Während der Drehung des Stiftes F, d.h. bis der Anschlag e der Mutter E den Fanghaken auslöst, ist die um den Stift F gewundene Feder gespannt worden. Dieselbe hat das Bestreben, den Stift F in entgegengesetzter Richtung zurückzudrehen, und thut dies sofort, sobald der Zug des Fadens auf die Spule nachlässt bezieh. der Anschlag e den Anschlag H1 freilässt. Jede Schlaffheit des von der Spule abgelaufenen Fadens wird folglich sofort durch das selbsthätige Zurückdrehen des Stiftes und der Spule von letzterer wieder aufgenommen und eine beständig gleichmässige Fadenspannung beibehalten, gleichviel, ob die Spule sich der Mitte des Riemenganges nähert oder sich von ihr entfernt.

Joseph Thomas in New York hat im D. R. P. Nr. 67902 und französischen Patent Nr. 215325 einen Klöppel in Vorschlag gebracht, welcher behufs leichter Auswechselung der Fadenspule mit seitlich herausklappbarem Spulenrahmen versehen ist. Der Aufbau dieses Klöppels ist nach Fig. 44 und 45 folgender.

Die Spule s ist auf eine Spindel aufgesteckt, deren unteres, mit Gewinde versehenes Ende g mit dem oberen Ende der Klöppelspindel O (bei P) verschraubt ist. Ueber dem Schraubfortsatze P ist ferner eine Platte h festgeschraubt, an deren Aussenflächen gegenüberliegend die Scharniere für den Spulenrahmen oder das Spulengehäuse i angebracht sind. Dieser Rahmen i bildet an seinem oberen Ende einen rohrförmigen Fortsatz j, durch welchen ein verschiebbarer Stab k in Längsrichtung hindurchgeht und nach Art eines Riegels unter der Wirkung der sich am Stifte m stützenden Feder l derart steht, dass das untere Stabende k abwärts in eine Bohrung oder Ausdrehung n am oberen Spindelende f gezogen wird. Das vorstehende obere Ende des Riegelstabes k hat eine Oese o, durch welche der von der Spule abgezogene Faden geführt wird. An dem Hülsentheile j des Spulenhalters ist seitlich die Spannvorrichtung p angebracht, bestehend aus zwei Klemmscheiben, deren Klemmdruck mittels einer nachstellbaren Feder q zu regeln ist. Auf derselben Seite befindet sich am Spulenrahmen ein Bügel r mit Oehr u, um dem Faden t als Führung zu dienen, durch die er von der Spule s aus zuerst hindurchgeht. Danach läuft derselbe über die Spannvorrichtung p und durch die Oese o an der Stange k nach dem Flechtpunkte.

Textabbildung Bd. 300, S. 123

Um eine leere Spule herauszunehmen und sie durch eine neue zu ersetzen, hat man nur nöthig, den Spulenrahmen durch Zug an der Stange k von der Spulenspindel f auszulösen, so dass er zur Seite geklappt werden kann, wie in Fig. 45 punktirt angedeutet. In dieser Stellung liegt die leere Spule zur Herausnahme bereit und kann die neue Spule aufgesteckt werden, wonach der Rahmen i in die geschlossene oder gesperrte Lage zurückzuklappen ist. Diese Auswechselung kann erforderlichenfalls erfolgen, ohne dass der Klöppel aus dem Klöppelwerke genommen wird.

Die Fig. 46 und 47 veranschaulichen einen Klöppel mit Gewichtsspannung, bei welchem das Abziehen des Fadens unter einem spitzen Winkel von der Spule und so ein Abheben derselben dadurch verhindert wird, dass der Faden von der Spule nach dem Führungsauge in der Klöppelfeder um einen Leitungsdraht geleitet wird. Der Leitungsdraht n dieses von H. Grossenbach und W. Pankorst in New York im amerikanischen Patent |124| Nr. 445315 in Vorschlag gebrachten Klöppels sitzt auf dem Spulenträger k und dieser kann durch Drehung auf dem Spulendorne in jede Lage eingestellt, somit der Fadenabzug in Folge Aenderung des Weges für den Faden vom Fadenablauf bis zur Klöppelfeder mit Leichtigkeit geändert werden. Die sonstige Einrichtung des Klöppels bietet nichts wesentlich Neues. Der Faden läuft von der Spule a durch das Führungsauge e der Klöppelfeder op, das Führungsauge d des auf dieser gleitenden Aussetzers l, das Leitauge f und die Sperrklinke g nach dem Fadenbelastungsgewicht g, um die Führungshülse für das letztere schliesslich durch das Führungsauge h zu verlassen und nach der Flechtstelle zu gehen.

Textabbildung Bd. 300, S. 124
Textabbildung Bd. 300, S. 124

P. A. Fornander in Brooklyn hat nach der amerikanischen Patentbeschreibung Nr. 447108 den Klöppel, wie Fig. 48 erkennen lässt, mit einer federnden Sperrklinke a für die Spule b ausgestattet. Hierdurch wird verhindert, dass die Sperrklinke sich bei raschem Lauf des Klöppels in Folge An treffen s des durch die Feder c belasteten Gleitstückes d an dieselbe überschlägt und so die Spule zu lange frei gibt, also eine Entspannung des Fadens eintritt.

Textabbildung Bd. 300, S. 124

Anton Kreidler in Stuttgart stellt nach dem D. R. P. Nr. 70839 die Fadenspule aus zwei Theilen her, von denen der äussere a aus einem dauerhaften, wenig Raum einnehmenden Material, wie Blech, Pappe u.s. w., hergestellt ist, lediglich das Deckmaterial aufzunehmen hat und auf die innere Spule b aufgesetzt ist (Fig. 49 bis 51). Diese Spule b läuft stets auf einem und demselben Klöppel. Da die inneren Spulen nicht abgenommen werden und da für jeden Klöppel nur eine solche Spule erforderlich ist, so kann auf die Herstellung und Ausführung dieser Spulen b viel mehr Sorgfalt verwendet werden. Hierdurch ist ein genaues Aufpassen dieser Spulen gesichert, so dass Störungen nicht mehr vorkommen können.

Um ein gutes Festsitzen der Spulen a auf dem Spulenkern b zu sichern, ist es zweckmässig, die letzteren, wie in Fig. 50 gezeigt, kegelförmig zu gestalten. Das Auswechseln der Spulen a geschieht einfach durch Abnehmen der leeren Spule und Aufstecken einer vollen Spule auf den Spulenkern b. Die verlässliche Verbindung zwischen den Theilen a und b kann auch noch durch zwischengelegte Papier- oder Pappstreifen erhöht werden. Bei grösseren Spulen wird es nothwendig, für die gute Verbindung der Theile a und b noch besondere Befestigungsschrauben zu Hilfe zu nehmen.

Ein Klöppel, welcher eine Verarbeitung des Garnes direct vom Kötzer, Cop- oder der Garnspule dadurch ermöglicht, dass derselbe zwecks Aufnahme des Kötzers mit einem Kötzerträger versehen ist, ist von C. F. Wolferts in Barmen und Fr. Forch in Crefeld im D. R. P. Nr. 73218 und dem englischen Patent Nr. 15687/93 in Vorschlag gebracht worden. Die Regulirung der Fadenspannung erfolgt bei diesem in Fig. 52 dargestellten Klöppel durch eine Fadenklemm- und Fadenspannvorrichtung d, deren jeweiliges Oeffnen durch das die freie Fadenlänge beeinflussende auswechselbare Spanngewicht herbeigeführt wird. Die Drehung des vom Kötzer ablaufenden Fadens kann dadurch regulirt werden, dass der Kötzer auf einer Spindel steht, deren Fuss mit einem Zahngetriebe ib ausgestattet ist, welches beim Fortschreiten des Klöppels durch eine Zahnstange in Umdrehung versetzt wird. Sollen gleichzeitig mehrere Fäden von einem Klöppel verarbeitet werden, so ist derselbe mit mehreren Kötzerträgern ausgestattet und es erfährt der dieselben tragende Fuss bei seiner Fortschreitung gleichzeitig eine Drehung. Wird diese Drehung aufgehoben, so werden die gleichzeitig ablaufenden Fäden als doublirte Fäden verarbeitet.

Textabbildung Bd. 300, S. 124
Textabbildung Bd. 300, S. 124

Fig. 53 bis 55 veranschaulichen einen Klöppel, welcher bei Fadenbruch eine selbsthätige Stillsetzung der Maschine herbeiführt. Der Faden dieses von Louis Raffloer in Berlin und Charles Henry Schott in Brooklyn (D. R. P. Nr. 75978) herrührenden Klöppels wird von der Spule A aus um eine geeignete Führung a herum, durch eine Oese b im Spulenträger, sowie eine solche im Schlitten c hindurch nach der Flechtstelle geführt. Seine Spannung erhält der Faden vom Schlitten c aus, welcher mittels einer Schnur e oder in anderer geeigneter Weise mit einer am Spulenträger |125| drehbar gelagerten Trommel B in Verbindung steht. Im j Innern der Trommel ist eine, wie bei x in der Fig. 53 ersichtlich, von aussen zu regelnde Spiralfeder auf der Trommelachse angeordnet und am Trommelumfang befestigt, derart, dass sich die Trommel beim Heben des Schlittens c durch den Faden dreht und die Feder gespannt wird, beim Senken des Schlittens, d.h. bei lockerem Fadengange, dagegen sich zurückdreht.

Auf diese Weise wird eine annähernd gleiche Spannung des Fadens erzielt, gleichgültig, ob derselbe sich von der Spule A abwickelt oder ob die letztere gesperrt ist.

Während der ganzen Zeit, während welcher der Faden gespannt ist, liegt der eine Arm 1 eines am Spulenträger drehbar gelagerten Winkelhebels C auf der Peripherie der mit Trommel B verbundenen Daumenscheibe f auf, während der andere Arm 2 des Hebels G den im Innern des Schaftes D gelagerten Gleitbolzen g in gehobener Stellung erhält, wobei das untere Ende des Gleitbolzens mit dem unteren Ende des Schaftes abschneidet, wie in Fig. 55 durch volle Linien angegeben ist.

Sobald jedoch Fadenbruch eintritt, wird die Spiralfeder der Trommel B vollständig entspannt und in Folge dessen dreht sich, indem der Schlitten c nach abwärts gleitet, die Trommel mit der Daumenscheibe f derart, dass der Arm 1 des Winkelhebels in den Ausschnitt der Daumenscheibe eintritt und dementsprechend Arm 2 dieses Hebels sich senkt. In Verbindung mit dem Arme 2 geht auch der Gleitbolzen g nach abwärts, so dass sein unteres Ende nunmehr aus der Durchbohrung des Schaftes D hervortritt, und das Ausrücken der Maschine dadurch bedingt wird, dass der Gleitbolzen gegen einen die Abstellung der Maschine in der bekannten Weise vermittelnden Hebel drückt.

Bei dieser Anordnung der Abstellvorrichtung tritt demnach der das Ausrücken der Maschine vermittelnde Bolzen g nicht, wie bei den bisher bekannten ähnlichen Vorrichtungen, unmittelbar nach dem Fadenbruche nach abwärts, sondern erst nachdem das Gehäuse B sich so weit gedreht hat, dass der Arm 1 des Hebels G in den Ausschnitt der Daumenscheibe f zu liegen kommt. Da dieser Ausschnitt aber kreisbogenförmig gestaltet ist, so erfolgt der Eintritt des Hebelarmes 1 in dasselbe nicht plötzlich, sondern der Umdrehung des Gehäuses B durch die Federwirkung entsprechend allmählich, und der Hebelarm 1 gleitet allmählich in seine tiefste Stellung. Dementsprechend wird auch der vom Hebelarm 2 getragene Bolzen g, wie erwähnt, nicht plötzlich herabfallen, sondern sich allmählich senken.

Unter Anwendung der vorstehend beschriebenen Vorrichtung erfolgt demnach bei Fadenbruch das Ausrücken in einer für die in Betracht kommenden Maschinen besonders vortheilhaften, einfachen, sicheren und allmählichen Weise.

(Schluss folgt.)

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