Titel: Maschinen zum Heben und Senken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 300 (S. 148–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/ar300035

Maschinen zum Heben und Senken.

(Fortsetzung des Berichtes S. 125 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Reichmann's Aufzug.

Neben der lothrechten Anordnung des Rollenzuges kann, durch örtliche Verhältnisse bedingt, auch die wagerechte Anlage vortheilhafte Anwendung finden. Nach Bulletin de la Société d'Encouragement, 1894 Bd. 93 S. 779 und 780, besitzt der in Fig. 54 bis 60 vorgeführte Rollenzug Reichmann's die folgenden besonderen Einrichtungen.

Am Arbeitscylinder a ist eine Führung b für den Kolbenkopf c angesetzt, in welchem zwei Seilrollen d lagern, die mit dem festen Rollenpaar e am Cylinderdeckel in Beziehungen stehen. Am hinteren Cylindertheil ist. der Ventilsatz f (Fig. 55 und 58 bis 60) mit Zu- und Ablaufrohr g und h angeschraubt, in welchem die beiden Doppelsitzventile i und Je für Ein- und Ausströmung spielen. Hierzu dient ein mit Sicherheitsgewicht l versehener Hebel m, der mittels Zugstange n an den Steuerhebel o angelenkt ist, der in der festen Gabelstange p seinen Drehpunkt findet.

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Nun sind an den Hebelenden von o die Zugschnüre, und zwar q für die Auffahrt und r für den Niedergang des Fahrgehäuses angebracht. Zur Begrenzung der unteren Hubstellung des Fahrgehäuses ist ferner eine selbsthätige Umsteuerung angebracht, die aus einem an der Kolbenstange angesetzten Klemmring s besteht, die an dem Gewichtshebel t anschlägt, an dem eine Stange u angebracht ist, in welcher ein Federgehäuse v (Fig. 57) eingeschaltet ist, um die Umstellung des Bogenhebels w (Fig. 58 bis 60) stossfrei zu besorgen. Mittels Anschlag x wird der nach links geneigte Steuerhebel o in die wagerechte Lage eingehoben, wodurch der Verschluss beider Ventile, also der Stillstand des Fahrstuhles herbeigeführt wird.

Textabbildung Bd. 300, S. 149
Textabbildung Bd. 300, S. 149

Dieser Bogenhebel w schwingt um einen in der Gabelstange p eingesetzten Zapfen y. Um ferner die Ueberströmung der Pressflüssigkeit stossfrei einzuleiten, erhalten die Ventile i und k schwache kegelförmige Ansätze z, so dass die Eröffnung und der Abschluss allmählich erfolgen muss.

Hall's Steuerkolben für hydraulische Aufzüge.

Zur Erleichterung der Steuerbewegung grosser Kolbenschieber wird zumeist eine Hilfskolbensteuerung angewendet, welche mit dem Steuerseil durch geeignete Hebelwerke verbunden wird. Durch einen entsprechenden Aufwand an Presswasser wird alsdann die Steuerung des Hauptkolbenschiebers bewirkt. Nach Bulletin de la Société d'Encouragement, 1894 Bd. 93 S. 781, besteht die Hall'sche Steuerung (Fig. 61) aus einem Gehäuse a mit Einlaufstutzen b und einem Untertheil mit Anschlussrohr c nach dem Arbeitscylinder und dem Ablaufstutzen d. Beide Rohrtheile sind durch ein Rohrgitter e (Nebenfigur) geschieden, in welchem der Doppelkolben f sich bewegt.

Textabbildung Bd. 300, S. 149

An das Mittelrohr g dieses Doppelkolbens f ist der obere Kolben h angeschlossen, welcher in einem eingehängten Cylinder i geht, der durch das Deckelstück k festgelegt ist. Nun bewegt sich im mittleren axialen Kolbenrohr g eine schwache Kolbenstange l, welche den unteren Ausgleichkolben m, den mittleren Steuerkolben n und den oberen Verschlusskolben o in fester Einstellung trägt. In der dem Stillstande des Fahrstuhles entsprechenden Mittellage liegen die kleinen Durchgangsöffnungen p des Mittelrohres gerade noch etwas über dem kleinen Steuerkolben w, so dass Presswasser durch diese in das Mittelrohr und durch Oeffnungen q in den oberen Cylinderraum treten kann, wodurch der grosse Steuerkolben l und h niedergeht, worauf bei stillstehender Stange l wieder Abschluss von p und Eröffnung durch den oberen Verschlusskolben o erfolgt, so dass der Steuerkolben beständig in kleinen Hüben sich bewegt. Wird aber der Steuerstange l eine Abwärtsbewegung zugelassen, so treibt beständig das durch p, g und q in den oberen Cylinderraum fliessende Wasser den Hauptsteuerkolben nach abwärts in die Tiefstellung, so dass das Anschlussrohr d des Arbeitscylinders vollständig frei für die Einströmung wird.

Wenn dagegen der Steuerstange l eine Aufwärtsbewegung ertheilt wird, so schliesst zuerst der mittlere Steuerkolben n die Oeffnungen p, worauf der Kolben o das Mittelrohr g eröffnet, so dass das im oberen Cylinderraum befindliche Wasser durch die Oeffnungen q in den oberen Behälter r und von da durch das Ablaufrohr s ins Freie abströmen kann.

Weil der obere Kolben h grösser als der Doppelkolben |150| f ist, so wird die Leistung der Steuerkraft dem Unterschied der beiden Kolbenflächen (h – f) entsprechend sein, während der Verbrauch an Presswasser der ganzen Kolbenfläche h verhältnissmässig ist.

J. A. Steven's Kolben für hydraulische Hebemaschinen.

Textabbildung Bd. 300, S. 150

Nach dem englischen Patent Nr. 9176 vom 19. April 1893 besteht dieser selbstdichtende Kolben aus dem Hauptkörper a mit dem aufgeschraubten Deckel b (Fig. 62). In dem Zwischenraum sind ein Metallring c und die Hanfpackung d eingeschlossen. An diese beiden hinten anschliessend ist ein Gummiring e eingelegt, der unten einen Stülp besitzt, in dem ein kleiner Spannring f aus Hartgummi eingelegt ist, während am oberen glatten Ende ein federnder Metallring g, der in einer Ringnuth des Hauptkörpers a sitzt, den weiteren Anschluss des Gummiringes e an den Metallring c besorgt. Wenn nun durch einen kleinen Kanal Presswasser aus dem oberen Druckraum des Cylinders in den abgeschlossenen freien Raum hinter der Kolbenpackung einfliesst, so wird diese, der Spannung des Kraftwassers angemessen, an die Cylinderwand angepresst und dadurch eine selbsthätige regelbare Dichtung hervorgebracht.

Geo. H. Reynold's hydraulischer Rollenzug für Aufzüge.

Der oben genannte leitende Ingenieur der Crane Elevator Co. in Chicago hat durch geschickte Ausbildung der hydraulischen Triebwerke für Aufzüge die Betriebsschwierigkeiten dieser Gattung Aufzüge überwunden und bedeutende Fortschritte ermöglicht, die namentlich durch Anwendung hochgespannter Druckflüssigkeit (50 k/qc) erreichbar geworden sind. Bei Anwendung solcher Pressungen werden die Arbeitscylinder wesentlich kleiner im Durchmesser, in Folge dessen sämmtliche Rohrleitungen und Steuerventilsätze niedlich ausfallen, dafür aber die Ausführungsschwierigkeiten zunehmen werden. Bei grösserer Kolbentriebkraft ist dafür die Uebersetzung in den Rollenzügen kleiner gehalten, und zwar bei massigen Förderhöhen (1:4) und bei grossen (1:6) gemacht, so dass bei einem Hub des Treibkolbens von s = 5,5 m eine Förderhöhe bis 22 m erhältlich ist. Bei Hochdruckwasser werden entweder Scheibenkolben, häufiger aber einfache Taucherkolben in Anwendung gebracht, die in lothrechten Cylindern sich bewegen, an dessen nach oben durchgeführter Kolbenstange die untere bewegliche Schere des Rollenzuges angeschlossen ist. Gewöhnlich ist überdies die Einrichtung getroffen, dass an den unteren Theil der abwärts nach aussen geführten Kolbenstange ein Gegengewicht angehangen ist, welches die todte Last des Fahrgehäuses bei kleinen Aufzügen von 100 bis auf 200 k ausgleicht, so dass ein Niedergang des leeren Fahrgehäuses dadurch gesichert erscheint.

Der Niedergang wird bei Scheibenkolbenanordnung mittels Druckausgleich in beiden Cylindertheilen ober- und unterhalb des Kolbens durch Ueberleitung des Presswassers und bei Anlage einfacher Taucherkolben durch Wegleitung des Wassers bewirkt. Befestigung finden diese Arbeitscylinder entweder an der Gebäudewand bezieh. an eisernen Tragbalken oder mittels Stangenfüssen, die bequem zur Führung des Gegengewichtes herangezogen werden können, am Grundwerk.

Dieses System wird noch in der Weise vervollständigt, dass der obere Cylinderkopf durch Drahtseile mit dem Balkengerüst für die obere feste Rollenschere verbunden wird, so dass dadurch eine Führung für die bewegliche Schere gewonnen wird.

Der Durchmesser der Glitzigen laufenden Drahtseile, welche je 19 Drähte aus Tiegelgusstahl enthalten, wechselt von 13 bis 35 mm, während der Rollendurchmesser annähernd 35mal so gross als der Seildurchmesser gemacht wird. Bei 10 k/qc Wasserspannung wird die Wassergeschwindigkeit in den Leitungen zu 4 bis 5 m/Sec. angenommen, und da bei 2 m/Sec. mittlerer Fahrgeschwindigkeit und 4fachem Rollenzug die Kolbengeschwindigkeit 2 : 4 = 0,5 in ist, so wird die Fläche des Arbeitskolbens 8- bis 10mal so gross als der Querschnitt der Rohrleitungen und der Durchgangskanäle gemacht.

In Bulletin de la Société d'Encouragement, 1894 Bd. 93 S. 783, ist ein Rollenflaschenzug beschrieben, bei welchem die festen Rollen in Lagerböcken laufen, die auf den Gebäudetragbalken befestigt sind, während die bewegliche Schere mit den Rollen in der Tief läge sich befindet, so dass die Kolbenstange schon in die obere Cylinderstopfbüchse einsetzt. Mit zwei festen Seilen wird mittels einer Brillentraverse am Arbeitscylinder mit dem oberen Gebäudebalken eine Verbindung herbeigeführt, die zugleich zur Führung der beweglichen Rollenschere dient. In dem zugehörigen 5 bis 6 m langen Arbeitscylinder spielt der Scheibenkolben. An diesem ist die obere schwache Kolbenstange, welche die Rollenschere fasst, und die untere stärkere Kolbenstange eingeschraubt, welche das Gegengewicht trägt. Um die beim Hubwechsel in den Endstellungen auftretenden Wasserstösse zu massigen, sind an beide Kolbenstangen längere Verstärkungshülsen angesetzt, welche in geschlossenen Ansätzen des Hauptcylinders einsetzen und durch die gehemmte Wasserverdrängung als Bremsen wirken. Regelbare Ueberströmkanäle bezieh. ein Ueberdruckventil sichern den Wasseraustritt bei geschlossenem Steuerkolben. Dieses Steuerorgan steht mit den beiden Ueberströmrohren in bekannter Beziehung, während Rohre die Zu- und Ableitung des Arbeitswassers besorgen.

Wenn bei mittleren Wasserspannungen Scheibenkolben angewendet werden, so kann bei Hochdruckwasser (50 k/qc) ganz wohl der einfach wirkende Kolben in Anwendung kommen, dessen Wirkungsfläche in dem Unterschiede der beiden Kolbenstangenquerschnitte gegeben ist.

In Fig. 63 bis 66 sind sowohl die Hauptanordnung als auch die baulichen Einzelheiten des Arbeitscylinders eines Rollenzugtriebwerkes nach einem Berichte von Prof. M. F. Gutermuth aus Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1893 Bd. 37 Nr. 36 S. 1097, vorgeführt.

An den aus einem Stahlrohr bestehenden Arbeitscylinder ist das Kopfstück b, sowie das Bodenstück c, beide mit Stopfbüchsen für die entsprechenden Kolbenstangen d1 und d2, angeschlossen. Mittels zwei Zugstangen e ist dieser Cylinder (bac) an das Grundwerk f gehangen, |151| während ein an die untere Kolbenstange d2 befestigtes Querhaupt g zugleich die Gegengewichte h trägt. Federwerke i mildern den Anschlag des Querhauptes g in seinen Endhubeinstellungen. Diese Feder werke i wären aber entschieden unzureichend, um die im bewegten Fahrstuhlgewicht enthaltene lebendige Kraft gehörig aufzufangen, wenn nicht durch den gehemmten Wasserablauf im Arbeitscylinder entsprechende Bremswirkungen vorgesehen wären.

Textabbildung Bd. 300, S. 151

Hierzu dient der kurze, in zwei Durchmessern abgesetzte Aufsatzkolben k, der mit dem schwächeren Durchmesser in den Grundring des Kopfes b und mit dem grösseren Durchmesser in den Grundring des Bodenstückes c passt. Sowie nun der Ansatzkolben k in einen dieser Grundringe einsetzt, wird das im Endstück abgefangene Wasser nur durch den schwachen regelbaren Ueberströmkanal l in den Hauptcylinderraum a zurücktreten können.

Im oberen Theil des Kopfes b ist das Zuleitungsrohr m, am Bodentheil c aber das Ablaufrohr n angesetzt, welche an einem gemeinschaftlichen Ventilkopf angeschlossen sind, an welchem die Steuerung der Ventile durch Vermittelung eines Hilfssteuerkolbens durchgeführt wird.

R. Waygood's Fangvorrichtung an Personenaufzügen.

Bei Aufzügen mit Seilaufhängung und Wasserkraftrollenzug wird von der Firma E. Waygood in London S. E. die in Fig. 67 bis 69 nach Industries, 1888 II. Bd. 5 S. 348, gezeigte Fangvorrichtung angewendet. Am Leitbaum a führt sich der zur Plattform des Fahrgehäuses gehörige Schuh b, in welchem um Bolzen c zwei gezähnte Hebelklauen d schwingen, die durch die Zugeisen e, an welche die Tragseile angesetzt sind, vom Leitbaum abgedreht werden. Im Gegensatz hierzu werden diese zwei Hebelklauen d mittels Hebel f durch die Wirkung der Feder g an den Leitbaum a angedreht, sobald die Tragseile reissen und die Federkraft g wirksam wird.

Textabbildung Bd. 300, S. 151

Sobald eine Berührung des Leitbaumes mit den Fangklauen d eingetreten ist, wird zufolge der excentrischen Gestalt der gezähnten Stirnfläche der Hebelklaue im Fallhub eine selbsthätige Einklemmung derselben hervorgerufen.

Weismüller's Aufzug mit Zahnstangentriebwerk.

Von der Maschinenfabrik Gebrüder Weismüller in Bockenheim-Frankfurt a. Main werden Personen- und Lastenaufzüge mit directem Kolbenbetrieb und bei Seilaufhängung mit Rollenzug- oder Zahnstangenbetrieb eingerichtet, wozu entweder Hochdruckwasser oder gewöhnliche städtische Niederdruckwasserleitung zur Kraftlieferung herangezogen werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 151

Bei der in Fig. 70 und 71 gezeichneten Anlage ist a das Fahrgehäuse, dessen Aufhängeseil über die Leitrolle b und unter die grosse Triebrolle c geleitet ist, von wo es über die Leitrollen d, e und f (Fig. 71) nach einem Seitenschacht geht, in welchem das Gegengewicht g geführt ist. Nun ist an der Welle der Triebrolle c ein doppeltes Zahngetrieb h vorhanden, welches in die als Zahnstange ausgebildete Kolbenstange i eingreift.

Wird nun in dem Cylinderraum k durch das Steuerorgan l Presswasser zugeführt, so wird durch den steigenden Kraftkolben eine Rechtsdrehung der Triebrolle c und daher der Aufhub des Fahrgehäuses a bewirkt.

Da dieses Fahrgehäuse a durch das Gegengewicht g bis auf 100 bis 200 k entlastet wird, so bleibt selbst bei |152| leerer Niederfahrt des Gehäuses noch eine zureichende Triebkraft übrig, welche bei einer vorhandenen grösseren Verkehrslast sich in schädlicher Weise äussern könnte, wenn nicht durch einen gehemmten Wasserablauf q eine Beschleunigung der Niedergangsbewegung verhindert würde.

Zur Steuerung dienen die beiden Hängestangen m und n, deren Verbindungen über Leitrollen o geführt sind, durch welche ein Rädertriebwerk p Befestigung findet, an welches der Drehschieber für die Steuerung angekuppelt ist.

Mit dieser Zahnstangenvorrichtung wird in einfachster Weise eine Kraftübersetzung ins Schnelle erzielt.

Standard-Schraubenelevator.

Textabbildung Bd. 300, S. 152

In neuerer Zeit werden die umgekehrten Rollenzüge für Personen- und Lastenaufzüge mit Vorliebe und mit Vortheil durch Elektromotoren in der Weise bethätigt, dass der bewegliche Rollenkopf als Schlittenmutter zu einer Schraubenspindel ausgebildet wird. Dass zu einem solchen Zwischentriebwerk auch die Kraft gewöhnlicher Transmissionsriemenscheiben herangezogen werden kann, ist selbstverständlich. Welcher von den beiden Anordnungen mit liegender oder stehender Schraubenspindel der Vorzug zu geben ist, hängt von der Vorliebe des Erbauers zu einem oder dem anderen Zwischentriebwerk ab.

So ist bei dem von der Standard Screw Elevator Company, New York und Baltimore, gebauten Schraubenaufzug stehender Anordnung der Antrieb mittels Winkelräder gewählt, ein Rädertriebwerk, welches sonst gern und mit Recht umgangen wird.

Nach Uhland's Technischer Rundschau, 1894 Bd. 8 S. 151, besteht dieses Rollentriebwerk aus einem geschlossenen Rahmen a (Fig. 72 und 73), in welchem die Antriebspindel b lagert und in dem die Schlittenmutter c geführt ist. An Seitenzapfen d dieses Kreuzkopfes c1 laufen frei die Seilrollen e, welche von dem Zugseil an der unteren Hälfte umschlungen werden. Nun ist das erste Seilstück mit seinen beiden freien Enden an dem Wagebalken g (Fig. 74 und 75) der unteren beweglichen Rollenschere h befestigt, hierauf unter die Seilrollen e und hinauf über das Sattelstück f (Fig. 72 und 73) des Gestellrahmens a geführt.

Es sind daher die Wege der Rollenschere h doppelt so gross als jene der Spindelmutter c. In ähnlicher Weise steht die Doppelrolle i der unteren Schere h mit der mittleren Schere k und der Rolle l in Beziehung, so dass die Wege dieser mittleren Schere k doppelt so gross als jene der Schere h und 4mal grösser als jener der Spindelmutter c werden.

Wird hierauf zwischen der mittleren Rollenschere kl und der oberen festen Rollenschere m n ein Rollenzug mit frei auslaufenden Seilenden hergestellt und dieses zur Aufhängung eines Fahrstuhlgehäuses benutzt, so wird die Geschwindigkeit dieses letzteren 8mal grösser als jene der Spindelmutter c sein.

Ergänzend ist noch zu bemerken, dass zur Herbeiführung eines ruhigen Ganges die Zähne des kleineren Winkelrades o (Fig. 73) aus gepressten Lederscheiben gefräst sind, und dass ferner der axiale Zug der Antriebschraubenspindel b mittels eines Rollenlagers p aufgefangen wird, deren kegelförmige Walzen in Zahnkränzen lagern und sich zwischen Stahlringen abrollen. Uebrigens wird auf der Antriebwelle des Kegelrades o eine Bremsscheibenvorrichtung vorhanden sein müssen.

Pratt's Schraubenaufzugsmaschine mit elektrischem Antrieb.

Textabbildung Bd. 300, S. 152

Von der Sprague Electric Elevator Co. in New York wird nach Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1893 Bd. 37 S. 1574, ein Antriebwerk für Personenaufzüge gebaut, bei welchem zur Abminderung der Reibung die beliebten Kugellagerungen in ausgiebigster Weise Anwendung finden. Dieses Antriebwerk besteht aus einem umgekehrten Rollenzug, dessen fester Rollenkopf b (Fig. 76) am Kopfende einer Bettplatte a angeordnet ist, auf welcher das Stützlager c für eine liegende Schraubenspindel d befestigt ist, während der Zapfenschlitten e (Fig. 77) für den beweglichen Rollenkopf f auf der oberen Wange der Bettplatte a sich führt. In der weiteren Fortsetzung der Spindelwelle d ist ein Bremsscheibenwerk g und der Hauptelektromotor h angebracht, während zur Steuerung des Fahrstuhls die Contacttrommeln ikl vorgesehen sind, zu deren Betrieb ein kleiner Hilfselektromotor m dient, so dass dadurch auch beim plötzlichen Umlegen des im Fahrgehäuse befindlichen Contacthebels das Anlassen der Maschine nur allmählich erfolgt, weil durch den Steuermechanismus ikl die Widerstände nur in stetiger Folge nach einander aus- und eingelöst werden können. Nach erfolgter Stromunterbrechung zieht ein Elektromagnet das Bremswerk g an und hält die Schraubenspindel d fest.

Da bei gelüfteter Bremse in der Niederfahrt nur das |153| Uebergewicht des Fahrstuhles den beweglichen Rollenkopf f zurückführt und dadurch die Schraubenspindel d bethätigt, so wird bei fortdauernder Stromunterbrechung die Niedergangsarbeit durch die Reibungshindernisse in der Maschine und vom Rheostaten aufgebraucht, so dass die Bremse zur Regelung der Niedergangsbewegung nicht gebraucht wird, diese also nur zur Erhaltung der Ruhelage dient.

Bei dieser vom Ingenieur Pratt ausgeführten Maschine ist die Einzelausbildung, so z.B. jene des beweglichen Rollenkopfes f (Fig. 77), besonders bemerkenswerth.

Textabbildung Bd. 300, S. 153

Auf jeden der beiden schrägstehenden Zapfen n des Kreuzkopfes e ist eine Bordbüchse o mit Deckel p festgemacht, auf die zunächst die stählerne Kugelbüchse aufgesteckt ist, von deren Kugelbahnen je zwei auf jede der 750 mm grossen Seilrollen entfallen, deren Naben mit stählernen Büchsen ausgelegt sind. Auch in dem seitlichen Raum zwischen den einzelnen Naben sind Kugelrinnen vorhanden, so dass auch diese durch die Geschwindigkeitsunterschiede der einzelnen Seilrollen bedingte Reibung herabgemindert wird.

Textabbildung Bd. 300, S. 153

Aehnlich wird die axiale Zugkraft der Antriebspindel durch eine gehärtete Spurscheibe von 292 mm Durchmesser aufgefangen, die sich auf 226 Stahlkugeln stützt, die in einer frei beweglichen Scheibe geführt sind, und die ihre weitere Anlage an der festen Bodenplatte des Stützlagers c finden. Die stets auf Zug beanspruchte Antriebspindel d wird eine axiale Kraft ausüben, welche gleich der Summe der paarweise und symmetrisch vertheilten Seilspannungen ist. Bei 12facher Uebersetzung und 30 m Förderhöhe; also bei einem 6fachen Rollenkopf, wird der Hub des beweglichen Rollenkopfes (30 : 12) = 2,5 m betragen, sowie die Bewegung desselben bei 2,5 m/Sec. Fördergeschwindigkeit mit (2,5 : 12) = 0,208 m/Sec. verlaufen wird, woraus bei P = 800 k Nutzlast eine axiale Zugkraft in der Spindel nach

c . Q = vP

oder von

Q = (v : c)P = 12 P = 9600 k

folgt.

Diese Kraft wird durch eine mit eigenartigem Gewinde (Lieb) versehene Schraubenspindel d (Fig. 78 bis 80) von 105 und 76 mm Durchmesser durch die Muttern q und r auf den Zapfenschlitten e des beweglichen Rollenkopfes f übertragen. Um nun die Schraubenreibung zu reduciren, sind in dem Zwischenraum innerhalb zwölf Gewindegängen der Mutter q an die 300 Stück ½ zölliger Stahlkugeln eingeschoben, die an den Enden der Mutter durch je einen Seitenkanal ihre Rückleitung finden.

Jede dieser glasharten Stahlkugeln findet an einem Punkte des Spindelgewindes d und an zwei Punkten des Muttergewindes q Anlage. Bei regelrechtem Antrieb der Schraubenspindel d arbeitet nur die Mutter q, während die Nebenmutter r ohne Berührung mit dem Schraubengewinde bloss mitgeht, den Druck auf den Zapfenschlitten e durch Vermittelung der Rohrhülse s und des kegelförmigen Kopfes übertragend. Im Niedergang des Fahrstuhls arbeitet aber der bewegliche Rollenkopf f, welcher durch Vermittelung des Zapfenschlittens e die Nebenmutter r und dadurch die Kugelmutter q über die Schraubenspindel d bewegt, wodurch diese zum Kreisen gezwungen wird, sobald die Bremse g gelüftet ist, wobei der Strom abgestellt bleibt.

Textabbildung Bd. 300, S. 153

Gelangt aber im Aufhube der Fahrstuhl an die Hubgrenze, so dass der Zapfenschlitten e feststeht, so werden beide Muttern q und r bei fortlaufender Schraubenspindel d zum Mitkreisen gezwungen werden, wobei im Kugelkopf eine bedeutende Reibung überwunden werden wird. Im Falle eines Bruches der Kugelmutter q wird die Sicherheitsmutter r sofort in Wirksamkeit treten und wegen der starken Reibung im Gewinde von der Spindel d mitgenommen, also zum Umkreisen gezwungen werden, was den sofortigen Stillstand des Fahrstuhls zur Folge hat.

Otis' Aufzug mit Schraubenbetrieb.

Otis Brothers und Co. in New York bauen ihre Fahrstühle für elektrischen Antrieb mit Schrauben und Rollenzugübersetzung in der Weise, dass die das Fahrstuhlgewicht sammt der halben Verkehrslast entlastenden Gegengewichte in den Rollenzug eingeschlossen und selbstredend nach entgegengesetzter Richtung betrieben werden.

Hierdurch werden die auf die Schraubenspindel einwirkenden axialen Zugkräfte dem Ueberschuss der Nutzlast über die Gegengewichte entsprechend abgemindert werden. Zur Erläuterung dieser Einrichtungen mögen die in Fig. 81 bis 83 nach Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1893 Bd. 37 S. 1576, dargestellten Anordnungen dienen.

In einem durch zwei Lagerköpfe b und c abgeschlossenen Trägerrahmen a lagert die Antriebspindel d, welche in eigenartigen axial getheilten Kammlagern (Fig. 83) |154| läuft. Durch einen Elektromotor von Eickemeyer erhält diese Spindel nach beiden Drehrichtungen Bethätigung. Mittels Stützröllchen bewegen sich zwischen den Rahmenträgern a zwei Rollenköpfe e und f stets nach gleicher Richtung, durch gleichartige Spindelmuttern betrieben, während die festen Rollenköpfe g und h an den Lagerständern b und c passend angeordnet sind. Am linken Lagerständer b sind ausserdem die nach dem Fahrschacht ableitenden Führungsrollen i angebracht und zwar die innenliegenden Doppelrollen für zwei Paar Tragseile des Fahrgehäuses und die aussenliegenden für zwei Tragseile des Gegengewichtes bestimmt.

Textabbildung Bd. 300, S. 154

Der gegensätzlichen Bewegung von Fahrstuhl und Gegengewicht entsprechend sind die Endtrumme der Tragseile am Ständer b für das Gehäuse und für das Gegengewicht am rechtsseitigen Ständer c befestigt. Die festen Enden der Fahrstuhlseile laufen vom Ständer b aus zuerst von unten über die Rollen e, zweimal über die Rollen g und von diesen zweimal nach den Rollen f, von wo sie nach den Leitrollen i zum Fahrschacht nach aufwärts geführt werden, wogegen die festen Enden der Gegengewichtseile vom Ständer c aus oberhalb an die Rolle f, zweimal nach den Rollen h und von diesen zweimal nach den Rollen e und von den Rollen h aus nach den Leitrollen i geführt sind.

In Folge dessen heben sich die zwischen den Rollenköpfen e und f auftretenden Seilspannungen bis zu dem durch das Uebergewicht der Nutzlast bedingten Betrage in positivem oder negativem Sinn auf. Es wird daher auch die auf die Antriebspindel einwirkende Axialkraft jenen resultirenden Betrag erreichen.

Um den Druck auf die einzelnen Kammringe besser zu vertheilen, läuft der Kammzapfen k in einer unteren festen Schalenhälfte l und in einer oberen beweglichen Büchsenhälfte m, welche, an ein System von Doppelhebeln n gestützt, wagen artig spielt. Zur genauen Einstellung ist die durch Schrauben gehaltene Grundscheibe o vorgesehen.

(Fortsetzung folgt.)

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