Titel: Schnell laufende Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 300 (S. 169–173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/ar300040

Schnell laufende Dampfmaschinen.

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 300, S. 169

Es ist zunächst über eine grosse Anzahl von Verbesserungen an rotirenden Dampfmaschinen (Dampfstrahlturbinen) zu berichten, durch welche gegenüber den bisherigen Constructionen eine vollkommenere Ausnutzung des Arbeitsdampfes, sowie in Folge eigenartig gestalteter und gruppirter Umdrehungskörper eine erhebliche Verminderung der Reibungswiderstände und Abnutzungen der Oberflächen der vom Dampfe getriebenen Theile erreicht wird. Auf ein äusserst geringes Maass werden Reibung und Abnutzung der letzteren namentlich bei einigen neueren rotirenden Maschinen mit auf den Cylinderoberflächen „rollendem“ und nicht wie gewöhnlich „gleitendem“ Kolben beschränkt.

Eine rotirende Dampfmaschine von S. Quincey in London, bei der die Wirkung des Dampfes auf den Kolben eine directe und demzufolge hohe Umdrehungszahlen bei geringer Abnutzung und geräuschlosem Gange erreichbar sind, veranschaulichen die Industries and Iron vom 14. December 1894 entnommenen Abbildungen (Fig. 1 und 2).

Der mit der Grundplatte A aus einem Stück gegossene Cylinder B ist behufs ungezwungenen Gleitens der äusseren Fläche d des Scheibenkolbens D an seiner Innenfläche genau ausgebohrt und beiderseits mit Deckeln C verschraubt, von denen der eine den Schieberkasten H trägt. Der auf seiner äusseren Umfläche abgedrehte Kolbenkörper G steht mit dem in einer Erweiterung der Cylinderwandung liegenden Gleitstück g, welches durch eine Feder g4 beständig gegen den ersteren gedrückt wird, in Berührung. Der Kolbenkörper G ist mit der Welle I verbunden und mit einem Ausschnitt g1 in der ganzen Breite seiner cylindrischen Wandung für den Scheibenkolben D versehen. Ein dampfdichtes Anliegen der äusseren Fläche des letzteren gegen die Innenwandung des Cylinders wird mittels des auf den Kolben f im Hilfscylinder F ausgeübten Dampfdruckes, wodurch die Kolbenstange E mitsammt dem vorliegenden Scheibenkolben D stets so weit nach aussen getrieben wird, wie es die jedesmalige Stellung des Kolbens im Cylinder B erfordert, erreicht. Irgendwelche Dampfverluste finden in dem Hilfscylinder F nicht statt, da dieser mittels des durch die Welle 1 gebohrten Kanales f1, sowie eines in den Cylinder F ausmündenden Rohres f2 in steter Verbindung mit dem Inneren des Schieberkastens steht. Der Dampf tritt durch L aus dem Schieberkasten H in den Arbeitscylinder und entweicht aus diesem bei der Kolbenbewegung durch die Oeffnung L1.

Die besonders auch zum Fördern von Flüssigkeiten dienende rotirende Maschine von G. L. Conroy in London mit Ein- und Ausströmkanälen für den Dampf (Flüssigkeit) auf dem Umfange bezieh. auf der Seite des Gehäuses ist Fig. 3 und 4 bezieh. Fig. 5 und 6 ersichtlich.

Textabbildung Bd. 300, S. 169

Wie Industries and Iron vom 14. September 1894 berichten, ist auf der mittleren Welle A ein mit vier radialen cylindrischen Kammern C, in denen Kolben D arbeiten, versehener Körper B befestigt. Jeder Kolben ist gelenkig mit Stücken E verbunden, deren vorstehende Theile F auf jeder Seite durch einen Ring G auf dem Zapfen H gehalten und damit gezwungen werden, an der durch den letzteren bezüglich des Körpers B hervorgerufenen excentrischen Bewegung Theil zu nehmen. Der Zapfen H ist an dem einen der beiden Gehäusedeckel befestigt. In Erweiterungen I des Gehäuses liegen durch Schrauben auf den Umfang der Stirnwände des Körpers B gehaltene Gleitstücke K. L ist eine Nuth mit einem nach der Saugseite der Pumpe führenden Kanal zur Ableitung etwaiger zwischen Körper B und Innenfläche des Gehäuses tretender Flüssigkeit in das Saugrohr. Im Inneren der Deckel befinden sich Aussparungen, welche mit den Ein- und Ausströmkanälen M und N in Verbindung stehen; die stehenbleibenden Theile der Innenfläche bilden gleichzeitig die Abdichtungen zwischen den Oeffnungen.

Bei der Fig. 5 und 6 ersichtlichen Anordnung treten die nach den Ein- und Ausströmkanälen M und N führenden |170| Oeffnungen durch einen in einer seitlichen Aussparung des Gehäuses liegenden Dichtungsring, während ein auf dem Umfange des Körpers B befestigter Ring die Enden der Cylinder C überdeckt und die dichtenden Gleitstücke K gegen die Seite des Körpers B presst. (Englisches Patent Nr. 14 612 vom 29. Juli 1893.)

Eine Rotationsmaschine, welche ebenfalls als Pumpe, auch als Gebläse Verwendung finden kann, wurde Charles Rumley in Helena, Nordamerika, unter Nr. 81753 vom 13. März 1894 in Deutschland patentirt.

Textabbildung Bd. 300, S. 170

Wie Fig. 7 ersichtlich, sind bei der Verwendung als Pumpe im unteren Theil des Gehäuses zwei Oeffnungen a und b angeordnet, die je nach der Bewegungsrichtung des Pumpenkolbens d als Saug- und Austrittsöffnungen dienen können. Durch eine schräge feste Zwischenwand c und die im Kolben d befestigte Verschlussplatte ef werden die beiden Oeffnungen a und b von einander getrennt. Das eine Ende e der Abschlussplatte ist massiv, um die Oeffnung b verschliessen zu können, ausserdem ist die Platte mit einem Schieber f versehen, der sich frei auf einer Packung an der Kante der Zwischenwand c bewegt und hier einen dichten Verschluss bewirkt. Oberhalb der Eintrittsöffnung a besitzt die Abschlussplatte Arme, die an einer in dem Gehäuse gelagerten Welle befestigt sind und zwischen welchen das Wasser oder die Luft frei durchtreten kann. An einer Seite des Kolbens ist ein sperrzahnförmiger Ansatz angebracht, der die Verbindungsstellen verschliessen kann.

Befindet sich der Kolben in der auf der Abbildung ersichtlichen Lage, so wird er bei einer Drehung in der Pfeilrichtung die Abschlussplatte aufwärts drücken, so dass die Oeffnung b geöffnet und das auf der Vorderseite des Kolbens befindliche Wasser, welches bei einer früheren Umdrehung des Kolbens eingesaugt worden ist, ausgetrieben wird. Bei der Weiterbewegung des Kolbens wird durch die Oeffnung a neues Wasser in den Cylinder eingesaugt.

Bei jeder Umdrehung des Kolbens wiederholt sich dieser Vorgang.

Textabbildung Bd. 300, S. 170

Der rotirende Dampfmotor von Marie Edmond Philbert Chaboche in Paris (D. R. P. Nr. 82242) gehört zu denjenigen Kraftmaschinen, bei denen der Kolben innerhalb eines ringsectorenförmigen, um die Ringachse rotirenden Cylinders Schwingungen um diese Achse ausführt. Zweckmässig verbindet man hierbei mehrere Cylinder, welche in derselben Ebene um eine gemeinsame Ringachse angeordnet sind, zu einer mehrfachen Maschine.

Wie Fig. 8 und 9 erkennen lassen, ist die rotirende Kapsel V aus zwei Theilen zusammengesetzt und mittels des einen auf der in den Ständern A und C gelagerten Achse befestigt. Die beweglichen Scheidewände der Kolben fghk sitzen mittels der Arme T und T1 auf einer gemeinsamen Muffe D, welche die Achse der Maschine umgibt und, unter Anwendung einer Stopfbüchse durch die Kapsel tretend, in dem Ständer B gelagert ist.

Diese Muffe trägt behufs Umsetzung der schwingenden Bewegung des Kolbens in die rotirende des Cylinders eine Kurbel H, deren Zapfen durch die Lenkstange I mit einem Zapfen der Doppelkurbel M verbunden ist; letztere ist zusammen mit zwei einfachen Kurbeln in Winkelabständen von 120° auf einer fest auf der Maschinenachse sitzenden Scheibe P und diese andererseits in einem Ringe Q gelagert, der lose auf einem excentrisch zur Welle an dem Lagerständer A befestigten Zapfen O sitzt.

Textabbildung Bd. 300, S. 170

Die Maschinenwelle ist hohl und wird zur Zuleitung des Kesseldampfes und Fortführung des Abdampfes benutzt. Der Dampfzutritt erfolgt von der Leitung S her durch die Bohrung R im Ständer C, an welcher Stelle die Welle mit (nicht gezeichneten) Durchbrechungen versehen ist. Andere Durchbrechungen der Wand der Welle münden in die innerhalb der Kapsel V angeordneten Dampfkanäle. Der Hohlraum der Welle erhält zur Scheidung des Kesseldampfes vom Abdampf entweder eine Querwand zwischen den zu den betreffenden Dampfkanälen gehörenden Durchbrechungen oder wird durch eine Längswand in zwei Kammern getheilt, von denen die eine mit den Eintritts-, die andere mit den Austrittskanälen communicirt.

Zur Steuerung dienen zwei Muschelschieber G und G1, welche durch Excenter der Hauptwelle bethätigt werden. Die Cylinder abcd sind einfach wirkend und je ein Schieber regelt die Dampfvertheilung in den Räumen a und d zu beiden Seiten der festen Scheidewand F bezieh. b und c vor und hinter der Scheidewand F1.

Die Erzeugung der Kapselrotation aus den Kolbenschwingungen lässt sich auch mittels Zahnräder erreichen.

Die rotirende Dampfmaschine von Firmin Brückert in Paris mit zwei versetzt angeordneten Dampfkammern (D. R. P. Nr. 81759 vom 17. October 1894) veranschaulichen Fig. 10 und 11.

An den Deckel A des Gehäuses K ist eine halbkreisförmige Kammer B gegossen, welche in zwei schiefe Ebenen endigt und durch eine Mittelwand G in zwei gleiche Abtheilungen getrennt ist. An den Deckel I ist eine ähnliche Kammer B1 gegossen, die jedoch einen grösseren Radius als die Kammer B besitzt und gegen diese um 180° versetzt angeordnet ist. In centralen Ansätzen der Deckel sind Spurlager M bezieh. eine Büchse M1 zur Führung der Welle F untergebracht, auf der aussen ein |171| Schwungrad, im Inneren des Gehäuses K eine dicht an den äusseren Wandungen der Kammern B und B1 laufende Scheibe L gekeilt ist. Zur Führung und Dichtung zwischen den Enden der Scheibe L und den Gehäusedeckeln dienen breite Stahlringe II1 bezieh. NN1, welche zwischen Metallringe HH1 und OO1 in entsprechende Nuthen G der Deckel- und Scheibenenden gelegt sind.

Die Scheibe L besitzt zwei diametral gegenüberliegende Schlitze, in denen zwei Kolbenplatten PQ hin und her gleiten. Dieselben bestehen aus zwei mit einander verschraubten Wangen mit Vorsprüngen, welche in entsprechende Nuthen der Scheibe L greifen und damit verhindern, dass die Platten sich zu stark an den Angüssen der Scheibe reiben. Zwischen den beiden Wangen befinden sich zwei kleine Platten, deren Verbindungstellen regelmässig gegen einander versetzt sind. Nahezu inmitten dieser Platten Verbindung sind federnde Ringe eingesetzt, welche sämmtliche Platten gegen die Wandungen der durch die Deckel A und I, die Angüsse B und B1 und die Scheibe L gebildeten Kammern pressen.

R ist ein Hahn zum Umsteuern der Maschine, S ein Steuerrundschieber, welcher durch den nicht gezeichneten Regulator der Maschine bethätigt wird.

Die Wirkungsweise der Maschine ist folgende:

Der Arbeitsdampf strömt durch den Kanal 2 in die Kammer 3, sowie durch die Oeffnung 4 gegen den Kolben P und ertheilt diesem einen Impuls im Sinne des Fig. 11 ersichtlichen Pfeiles. Der Dampf entweicht durch die Oeffnung 5 in die Kammer 6 und strömt durch den Kanal 7. Aus dem letzteren tritt er durch die Bohrung 8 des Hahnes R in den Kanal 9, um in eine Kammer des Theiles B1 und aus derselben wieder durch eine Oeffnung gegen den Kolben Q zu strömen, wodurch dieser einen Stoss im entgegengesetzten Sinne des Fig. 11 ersichtlichen Pfeiles erhält; schliesslich strömt der Dampf nach dem Durchtreten weiterer Oeffnungen und Kammern durch die bezügliche Hahnbohrung nach dem Condensator.

Um die Maschine ausser Gang zu setzen, genügt es, den Hahn auf O einzustellen, und um die Maschine umzusteuern, hat man den Hahn derart zu drehen, dass die Einströmöffnungen zu Ausströmöffnungen werden.

Soll die Maschine als Pumpe wirken, so werden die Kammern B und B1 gleich gross gemacht, während bei Verbundmaschinen die eine Kammer B1 grösser als die andere gemacht wird.

Eine verbesserte Construction der Carl Karpa in Berlin unter D. R. P. Nr. 69171 patentirten Dampfmaschine mit kreisendem Flügelkolben und einer kreisenden Kurbelscheibe als Widerlager (1895 296 3) zeigen Fig. 12 und 13.

In dem mit einer Erweiterung A1 versehenen cylindrischen Gehäuse A liegt ein aus Kurbelscheibe B und Kranz C gebildeter, durch Deckel D in dem Gehäuse gehaltener, auf der Achse E befestigter Cylinder; ferner in diesem der durch eine Schraube mit der Rückwand des Gehäuses fest verbundene Cylinder F mit einem der Erweiterung A1 entsprechenden Ausschnitt F1 derart, dass er mit dieser einen Cylinder bildet, in dem eine auf der Schwungradwelle H befestigte Nabe I mit dem als Kolben dienenden Knaggen K rotiren kann, welch letzterer durch den Arbeitsdampf bewegt wird. Dieser gelangt durch das Rohr L, die Steuerung M und den Kanal N hinter den Knaggen K und treibt diesen, ohne durch den Kranz C behindert zu sein, frei herum. Zu dem Zwecke erhält die in dem Gehäuse A drehbar gelagerte Kurbelscheibe B zwei diametral gegenüberstehende Oeffnungen OO1, welche dem Kolben K entsprechend so gross gewählt werden, dass letzterer bei seiner Rotation frei durch dieselben hindurchtreten kann und gleichzeitig durch die Rotation des Kolbens K und der Nabe I eine Drehung erfährt, deren Geschwindigkeit halb so gross wie die des Kolbens K ist. Um dieses herbeizuführen, ist auf der Welle H ein Zahnrad P befestigt, welches mit einem grösseren Zahnrade Q der Welle B in Eingriff steht. Auf dieser Welle sitzt ferner ein Zahnrad S, welches in das doppelt so grosse Zahnrad T der Welle E eingreift und dieser, sowie der Kurbelscheibe B dadurch bei einer Umdrehung des Kolbens K eine halbe Umdrehung ertheilt, so dass, da K bei jeder Umdrehung eine der Oeffnungen O oder O1 des Kranzes C bei seinem Uebergang in den Theil A1 vorfindet, er durch dieselbe hindurchtreten kann. U ist eine Austrittsöffnung für den Dampf und etwaige atmosphärische Luft. Zur Steuerung für den Dampfeinlass dient eine in der Wandung des Cylinders F befindliche Bohrung M, welche mit dem Rohre L und dem Kanal N in Verbindung steht. Eine in der Durchbohrung drehbar gelagerte Hülse V ist auf einer Seite für den Dampfeintritt offen, auf der anderen durch den Zapfen einer Welle W geschlossen; letztere ist so mit der Hülse V verbunden, dass diese an der Drehung der Welle theilnehmen muss. Auf der Welle sitzt ferner ein mit dem Zahnrad P der Welle H in Eingriff stehendes Zahnrad X, womit erreicht ist, dass die Hülse V bei der Rotation des Kolbens K eine gleiche Umdrehung erhält wie dieser. Ein Ausschnitt Y der Hülse V von einer dem gewünschten Expansionsverhältniss entsprechenden Länge kommt bei der Drehbewegung derselben eine gewisse Zeit mit dem Einlasskanal N in Verbindung.

Textabbildung Bd. 300, S. 171

Bei der Fig. 12 ersichtlichen Stellung der Maschine steht dieselbe auf Antrieb. Der Arbeitsdampf gelangt durch L in die Hülse V und durch den Ausschnitt Y derselben und den Kanal N hinter den mit einer die Verlängerung des Kanales N bildenden Durchbohrung versehenen Kolben K, so dass mittels der Zahnräder u.s.w. auch die Kurbelscheibe B in Umdrehung gelangt. Die Zuführung des Dampfes dauert nun so lange an, bis der Ausschnitt Y in seiner ganzen Länge an dem Kanal N vorbeigelaufen ist und der volle Theil der Hülse V den Dampfzutritt zu N absperrt. Der Dampf verrichtet dann so lange durch Expansion Arbeit, bis der Kolben die Ausströmöffnung U erreicht hat, durch welche dann der Dampf entweicht. Während dieses Kolbenweges |172| hat die Kurbelscheibe B einen solchen Weg zurückgelegt, dass die Oeffnung O1 des Kranzes C dem Kolben K gegenübersteht und derselbe nun durch diese Oeffnung hindurchtreten und in Folge seiner ihm ertheilten Geschwindigkeit im Raume A1 weiter fortschreiten kann. Nähert sich der Kolben wieder der Stellung Fig. 12, so tritt er allmählich aus der Oeffnung O1 heraus und in den Cylinderraum F1 hinein. Der Kolben hat also ebenso wie die Hülse V eine Umdrehung, die Kurbelscheibe eine halbe Umdrehung vollführt, so dass die Oeffnung O jetzt die Stellung der Oeffnung O1 (Fig. 12) einnimmt. Der Vorgang wiederholt sich dann von Neuem in ähnlicher Weise.

Die Maschine kann ohne wesentliche Abänderungen auch mit zwei oder mehr Kolben arbeiten.

Textabbildung Bd. 300, S. 172

Bei der Dampfmaschine mit umlaufenden Kolben von W. Scheuten und A. Scheuten in Braunschweig (D. R. P. Nr. 85441) werden, wie Fig. 14 ersichtlich, drei bewegliche, von aussen in den Cylinder eintretende und bis zu dem excentrisch angeordneten Kolben C reichende Scheidewände E dadurch zum stetigen Anliegen an dem Kolbenumfange gezwungen, dass sie an ihren äusseren Enden von einem ihre Entfernung von einander und ihre gegenseitige Lage stets gleich erhaltenden Ringe F umgeben sind. Auf der in dem Cylinder A durch Stopfbüchsen geführten Stange B sitzt der excentrische, die Innenwandung des ersteren in der Linie D berührende Kolben C. Die Abdichtung an dieser Stelle wird dadurch gesichert, dass der Kolben gegen die Stange B in bekannter Weise beweglich ist und durch Feder- oder Keilandruck oder durch beides an die Cylinderwandung gepresst wird.

An der einen Stirnseite trägt der Cylinder die Oeffnungen für den Dampfeintritt, an der anderen die für den Austritt. Diese Oeffnungen werden durch Rundschieber, welche mit der Welle B umlaufen, in beliebiger Weise freigegeben und geschlossen.

Eine rotirende Maschine mit auf der Cylinderfläche rollendem Kolben von Arthur Longe in Paris (D. R. P. Nr. 83392 vom 26. April 1894) ist Fig. 15 gegeben. Das Wesentliche der Erfindung liegt darin, dass der Kolben (Scheibe A) an dem Krummzapfen a der Welle E angelenkt ist und bei seiner Drehbewegung nicht gleitet, sondern sich auf der Innenfläche des Cylinders B abrollt. Hiermit ist alle nennenswerthe Reibung zwischen den Oberflächen beseitigt. D ist der Einlass-, D1 der Auslassstutzen für den Dampf. Das unter dem Drucke einer Feder b stehende Gleitstück C liegt mittels eines Kugelgelenkkörpers i gegen die Scheibenumfläche an, wodurch Verschluss zwischen Einlass- und Auslassöffnung des Dampfes erreicht wird.

Die vermöge Fliehkraft gegen die Cylinderwandung getriebene Scheibe bewegt sich in einem zur Richtung ihres Fortschreitens in dem Cylinder entgegengesetzten Sinne um den Kurbelzapfen. Bei jeder Umdrehung des in zweckmässiger Lagerung befindlichen Zapfens a beschreibt der Scheibenrand nur einen dem Winkel nach gemessenen Weg 2π(R – r), wodurch die Reibungsarbeit gegen das Gleitstück, sowie die seitlichen Abdichtungsstücke verringert und schneller Gang der Maschine ermöglicht wird.

Zur Dampfvertheilung für einen gewissen Expansionsgrad dient zweckmässig ein von der Treibwelle mittels Excenters in schwingende Bewegung gebrachter Hahn d, doch können auch andere Mittel, wie Schieber, Ventile o. dgl. zum Zwecke der Erzielung einer constanten oder veränderlichen Expansion angewandt werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 172

Die Abdichtung der Scheibe A auf beiden Seiten erfolgt mittels einer ein Kreissegment bildenden und unter Federdruck in einer kreisförmigen Nuth gegen die Cylinderendfläche geführten Packung. Am Umfange der Scheibe A bedarf es einer besonderen Liderung deshalb nicht, weil die Fliehkraft genügend anpressend wirkt.

Die Erfindung lässt sich auch für Zweifach-Expansionsmaschinen verwerthen. In derartigen Fällen trägt der Krummzapfen der Welle zwei Scheiben von verschiedenem Durchmesser, welche unabhängig von einander rotiren und bei der Abrollung auf der inneren Umfläche ihrer betreffenden Cylinder eine bezüglich der Kurbelwelle entgegengesetzte Drehrichtung haben.

Um den Eintritt des Dampfes in die beiden Cylinder zu erleichtern, sind in den Scheidewänden der Scheiben Aushöhlungen angeordnet, und um die Durchbiegung des hier verhältnissmässig langen Kurbelstückes zu verhüten, ist dasselbe mit einem in einem Lager laufenden Endzapfen versehen.

Textabbildung Bd. 300, S. 172

Bei der Carl Alrik Hult und Oscar Walfrid Hult in Stockholm unter D. R. P. Nr. 86082 vom 20. April 1895 patentirten rotirenden Dampfmaschine findet ebenfalls kein Gleiten, sondern ein Rollen der vom Dampf getriebenen Theile an den Oberflächen, mit denen sie in Berührung kommen, statt.

Wie Fig. 16 und 17 ersichtlich, ist in den Seitendeckeln des Dampfcylinders A die Trieb welle C gelagert, auf welcher eine Scheibe D befestigt ist. In dem zwischen der letzteren und dem Cylinder gebildeten Dampfraum E befinden sich zwei lose, aus einem passenden elastischen |173| Material oder federnden Hingen hergestellte Rollen FF1, die abwechselnd durch eine Sperrvorrichtung am Platz gehalten werden.

Die Abbildung zeigt den Augenblick, in welchem die Rolle F unmittelbar bei dem Dampfzulass G mit Hilfe der Sperrvorrichtung am Platz gehalten wird, so dass sie den Boden im Dampfraum E bildet, während die zweite Rolle F1 von dem durch G eingelassenen Dampf durch den Dampfraum getrieben wird und hierbei zufolge des an der Cylinderwand erzeugten Widerstandes auch eine rotirende Bewegung erhält, die sich auf die Scheibe D und die Triebwelle überträgt.

Die Sperrvorrichtung besteht aus zwei Zapfen H, welche je in einem der Deckel B aus- und einschiebbar sind und deren innere konische Enden in entsprechende Vertiefungen inmitten der Enden der Rollen FF1 passen. Die Zapfen sind mit an den Aussenseiten der Deckel B drehbar gelagerten Hebeln I verbunden, deren obere Enden schräge Schlitze K bilden, in welche die Finger L einer an der durch die Cylinderwand geführten Spindel N befestigten Stange M treten. Die Spindel ist an ihrem in den Dampfraum eintretenden Ende mit einem zum Theil in den Dampfraum austretenden Anschlagkopf versehen und wird durch eine Feder O nach abwärts gezogen.

Sobald die vom Dampfe getriebene Rolle F1 auf den Kopf P trifft, wird dieser in die Aussparung Q hineingedrückt, so dass durch die nach aussen geschobene Stange N die Zapfen H mittels der Finger I aus der Rolle F gezogen werden und letztere vorwärts rollen kann. Gleichzeitig wird der Dampfzulasskanal G durch einen Kolbenschieber R, der durch einen aussenliegenden Hebel mit dem einen Zapfen H fest verbunden ist, abgesperrt, worauf sich die Bewegung der Rollen F1 und F in Folge der lebendigen Kraft eines auf der Welle C befestigten Schwungrades fortsetzt. Die Rolle F1 hält hierauf den Anschlagkopf P hochgedrückt und wird, sobald dieser in seine frühere Lage zurückkehrt und der Dampfzulass geöffnet wird, durch die Enden der Zapfen H festgehalten, die bei dieser Gelegenheit vor den Dampfzulass gekommene Rolle F dagegen vom Dampf fortgetrieben.

Diejenige Rolle, welche gesperrt ist, wird von der Scheibe D in Drehung versetzt und rotirt, anstatt an der Cylinderwand zu schleppen und Reibung zu verursachen, an einer anderen Scheibe U.

Ueber dem Kopf P befindet sich der Auslasskanal T für den verbrauchten Dampf.

Sollte die Reibung zwischen den Rollen und der Scheibe D bei einem sehr grossen Widerstände der Welle C nicht genügen, so können erstere sowohl, wie auch die innere Oberfläche des Cylinders A gezähnt werden. Die Vorrichtung kann auch so abgeändert werden, dass nur eine Rolle verwendet wird. An Stelle der gesperrten Rolle ist dann eine drehbare Klappe angebracht und, da nun die Sperrvorrichtung in Wegfall kommt, wird durch den Anschlagkopf P nur die Oeffnung und Schliessung des Dampfzulasses vermittelt.

Die rotirende Dampfmaschine von Friedrich Brackemann in Augsburg (D. R. P. Nr. 83731) besteht, um Reibungswiderstände möglichst zu verhindern, aus zwei in einem gemeinschaftlichen Gehäuse A (Fig. 18 und 19) drehbaren Kapselrädern aa1 und bb1, von denen das erstere als Arbeitsorgan beständig, das letztere als Steuerungsorgan nur periodisch und in der Weise bewegt wird, dass es den nach aussen gerichteten Flügeln a1 des ersten Rades ausweicht. Das Steuerrad besteht aus zwei Theilen, von denen jeder eine Scheibe b mit an den nach innen gerichteten Stirnflächen hervorstehenden Flügeln b1 darstellt. Die inneren cylindrischen Flächen und Stirnflächen der Flügel a1b1 schleifen an den feststehenden Büchsen c und d, in denen die Achsen der Räder drehbar gelagert sind. Die Flächen der um die Achse des Rades aa1 herum gelagerten beiden Büchsen c sind so geformt, dass sie von den inneren cylindrischen Flächen und den Stirnflächen der Scheibe und Flügel aa1 berührt werden, während die die Achse des Steuerrades umgebende Büchse d so gestaltet ist, dass sie von den inneren cylindrischen Flächen und den Stirnflächen der Scheiben bb1 berührt wird. An denjenigen Stellen ihres Umfanges, an denen die Flügel a1 und b1 der Kapselräder bei der Drehung den Umfang der Büchsen d bezieh. c berühren, sind diese mit bogenförmigen Aussparungen versehen, welche entsprechend den äusseren cylindrischen Flächen der dagegen streichenden Flügel conaxial geformt und durch Einschneiden der Flügelbahnen der gegenüberstehenden Räder in die Büchsen hergestellt sind. Durch die Berührung von Flügel und Büchsen in Flächen wird ein genügend dichter Abschluss zwischen den verschiedenen Drücken ausgesetzten Räumen der Maschine hergestellt. Die Einrichtung der Räder aa1 und bb1, der Flügel a1 und b1, sowie der Büchsen c und d gewährt eine vollkommene Entlastung der bewegten Organe, wodurch Reibungsarbeit und Abnutzungen auf ein kleines Maass beschränkt werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 173

(Fortsetzung folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: