Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 300 (S. 289–294)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/ar300066

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von Prof. Alfred Haussner, Brünn.

(Schluss des Berichtes S. 121 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 300, S. 289

Noch auf einen bereits früher (1892 286 10) besprochenen Untergrundholländer von Adolf Karger in Aloisthal sei hier zurückgekommen, weil für denselben ein Zusatzpatent Nr. 79106 vorliegt und weil Berichterstatter in Folge freundlicher Einladung des Herrn Karger Gelegenheit hatte, in dessen Fabrik die Arbeit des Holländers eingehendst zu verfolgen. In Fig. 24 ersehen wir, dass die Hauptanordnung die frühere geblieben ist; neu ist die Art der Füllung. Es wird vorerst Wasser aus dem Wasserkasten a mit Hilfe des Filtrirsackes f durch die Oeffnung b nach der ganzen Walzenbreite eingelassen, bis der untere Boden etwa 10 bis 15 cm hoch bedeckt ist, dann links bei A etwa ein Drittel des Stoffes unter fortwährendem Wasserzulauf und ebenso rechts durch das Mannloch h und den Trichter m ein Drittel des Stoffes eingetragen. Das Weitere an Stoff wird allmählich bei A zugegeben, nachdem der Trichter m entfernt und das Mannloch h mit dem Deckel k geschlossen worden ist. Dieses Mannloch h erleichtert auch später das Leeren des Holländers, indem man nach beendeter Mahlung mit einem Stoffschieber nachhelfen kann, um den ungewöhnlich dick eingetragenen Stoff leichter und rascher durch den Auslass C aus dem Holländer zu bekommen.

Indem ich mir eine eingehendere Begründung der Wirksamkeit dieses wie anderer Holländersysteme als Resultat von einschlägigen Versuchen und theoretischen Betrachtungen an anderer Stelle vorbehalte, constatire ich nur hier über dieses Holländersystem, dass bei ungewöhnlich dick eingetragenem Stoffe (es wird nur Halbstoff zu Ganzstoff gemahlen, oder der Holländer als Leim-, Misch-, Färbholländer benutzt), einer Messerwalzenumfangsgeschwindigkeit von etwa 9 m, einer Umfangsgeschwindigkeit des Schieberades von 0,45 m eine minutliche Stoffbewegung von etwa 10 m (ein ganz ungewöhnlich hoher Werth) erzielt worden ist. Ich beobachtete diese Werthe selbst und liess versuchsweise einen schweren Schraubenschlüssel in den Untergrundkanal hinab; welcher, wie ich an dem Zuge der Befestigungsschnur verspürte, energisch vom Stoffe mitgenommen wurde. Aber auch zu sehen hatte ich Gelegenheit, dass der Stoff an allen Stellen im Untergrundkanale energisch „zog“ und nichts liegen blieb. Es war nämlich ein Versuchsholländer hergestellt worden, dessen eine Seitenwand aus Glas bestand. Was den Grund für diese günstigen Verhältnisse betrifft, so sei nur hervorgehoben, dass von Karger durch mühevolle Versuche jene geeignete Kropferhebung h bestimmt worden ist (links von der Walze), welche ausreicht, den Stoff bei A abwärts durch den Untergrundkanal D dem Stoffschieberad B mit der genannten Geschwindigkeit zuzuführen. Das Schieberad B leistet dann beständig die Arbeit, den Stoff zur Walze emporzuführen. Vermöge der raschen Arbeit des Holländers genügt in der Aloisthaler Papierfabrik ein Ganzzeugholländer für max. 600 k Eintragung für eine Papiermaschine.

Was die im Holländer zu leistenden Nebenarbeiten betrifft, so sei hierfür eine, wenn auch nicht besonders einfache Einrichtung für das Waschen hervorgehoben, weil mit derselben Vorrichtung neben dem gründlichen Waschen auch noch „der Zug“ im Holländer verbessert und ein gutes Mischen erzielt werden soll. Im Holländer von Wilhelm Moosdorf in Ratingen werden nach D. R. P. Nr. 75926 zwei eigenthümlich gelagerte Waschtrommeln benutzt. Wir sehen in Fig. 25 und 26 eine der beiden Waschtrommeln A1 hoch, mehr an der Oberfläche des Stoffstromes, die andere A2 tiefer, mehr in der Nähe des Holländerbodens, angebracht. Dabei ist deren Lagerung nicht fest, sondern an den Enden zweier Hebelarme B und C so durchgeführt, dass die Höhenstellung der Trommeln dann, wenn B und C mit Hilfe von Handhebeln H gedreht werden, innerhalb bestimmter Grenzen verändert werden kann. Hierfür sind B und C so angeordnet, dass ihre Drehungsachse in dieselbe gerade Linie fällt. Die Arme C sind hohl, als Rohre ausgeführt, so dass das durch die Siebwände gegangene Wasser beständig abgeleitet werden kann, wobei man durch Hähne D die Geschwindigkeit des Abflusses regeln kann. Weil aber auf die Mantelfläche der Siebcylinder schief gegen deren Erzeugende Treibschaufeln S aufgesetzt werden, so wird durch die Drehung der Waschtrommeln auch die Stoffbewegung einigermaassen befördert; weil weiters die Schaufeln S an den beiden Trommeln entgegengesetzt gestellt sind, so wird dadurch von der einen Trommel der in Bewegung befindliche Stoff mehr gegen die Aussenwand, von der anderen Trommel mehr gegen die Mittelwand gedrängt, so dass der Stoff gewiss durchgemischt |290| wird. Denken wir uns nun z.B. die Trommel A2 gänzlich herausgehoben und nur A1 in Thätigkeit, so wird durch deren Schaufeln der Stoff hauptsächlich von der Mittelwand weg gegen die Aussenwand gedrängt, so dass gleichmässigere Mahlung deshalb zu erwarten ist, weil der Stoff, der vorher in der Nähe der Mittelwand, also auf kürzerem Wege geflossen ist, nun zur Aussenwand, also dorthin geschafft wird, wo er den längeren Weg zu machen hat.

b) Stoffmühlen.

Textabbildung Bd. 300, S. 290

Eine Stoffmühle, deren Gehäuse ganz jenem bei Untergrundholländern nachgebildet und welche vom Erfinder wohl deshalb noch als Papierstoffholländer bezeichnet worden ist, ist jene von William H. F. Tower in Mineral Point (Amerikanisches Patent Nr. 532501). Wir sehen in Fig. 27 die Mahlscheibe C auf der Achse D, welche, durch eine Stopfbüchse abgedichtet, in den Trog tritt; die feststehenden Messer A sind mit dem Troge verbunden. Dieser ist, wie bei Untergrundholländern üblich, mit der wagerechten Mittelwand E ausgestattet, auf welcher der Stoff der Messerscheibe C durch die Oeffnung b zufliesst. Der Stoff wird dann erfasst, am Umfange der Messerscheibe ausgeschleudert in den Raum F, von welchem er in den Untergrundkanal B gelangt und aus diesem nach beendeter Mahlung durch die Oeffnung e abgelassen wird. Fragen wir nun, wie es hier mit der Stoffbewegung bestellt sein dürfte, so ist vor allem klar, dass ein Ueberdruck, durch welchen der Stoffzug überhaupt nur veranlasst werden kann, nur durch die Drehung der Mahlscheibe, also ganz ähnlich wie bei Holländern durch die Messerwalze zu erzielen ist. Aus den für diese vorliegenden, Jahrhunderte alten Erfahrungen darf man aber für dieses System nicht viel, höchstens einen sehr trägen Zug erwarten. Das ist aber hier um so bedenklicher, weil mit der Mahlscheibe der Untergrundtrog verbunden ist, in dessen unterem Theil man hier gar nicht nachhelfen kann. Es ist das hier eben ganz etwas anderes, als z.B. oben beim Karger-Holländer. Abgesehen davon, dass dort schon in günstigerer Weise durch die Messerwalze ein Gefälle erzeugt wird, finden wir noch das Schieberad angebracht, welches dem Stoff sozusagen aus dem Untergrundkanal heraufhilft.

In der Stoffmühle von William Hay Caldwell in Edinburgh finden wir nach D. R. P. Nr. 81718 elastischen Druck der Messer angewendet, um sich den Ungleichmässigkeiten des Mahlgutes anzupassen. Im Innern des Gehäuses A (Fig. 28 und 29) dreht sich mittels der Achse B die mit festliegenden schmalen Messern C1 ausgestattete Trommel C. In Schlitzen des Gehäusetheiles E sind dagegen breite Messer D angebracht, welche sich gegen aussen an den elastischen Ring F stützen, welcher z.B. aus Gummi gebildet werden kann. Weil nun aber durch die Oeffnung G des Gehäuses in den Ring A1 Presswasser eingeleitet wird, so dient der elastische Ring F nur als geeignetes Zwischenmittel, um den Druck des Presswassers auf die einzelnen Messer im Gehäuse zu übertragen. – Falls nun an irgend einer Stelle sich dickere oder widerstandsfähigere Stofftheile ansammeln, können einzelne Messer nachgeben und dadurch das einseitige Wachsen des Druckes zwischen den Messern hintanhalten. Durch richtige Wahl in den Stärken der Messer auf der Walze und im Gehäuse kann es vermieden werden, dass die Gehäusemesser etwa in Zwischenräume der Walzenmesser eindringen, oder umgekehrt. Es erleidet das Princip keine Aenderung, wenn die beweglichen, nachgiebigen Messer in die Walze, die festen in das Gehäuse gelegt werden. Da diese Anordnung auf dasselbe hinaus kommt, was für die elastische Holländerwalzenlagerung nach System Rész 1892 286 11 maassgebend war, nämlich den Druck der Messerwalze der Natur des Fasermateriales anzupassen, so kann von diesem Standpunkte aus die vorliegende Ausführung warm begrüsst werden. Etwas anderes ist es, wie sich die praktische Ausführung stellt. Da kann nicht geleugnet werden, dass die glückliche Lösung der Schwierigkeiten in der constructiven Durchbildung wohl noch offen ist. Darauf deutet die Anordnung des Einlaufes H und des Auslaufes I für den Stoff hin.

Textabbildung Bd. 300, S. 290

Wie beschränkt ist der Raum um diese Oeffnungen, |291| wie schwer mag sich der Stoff ausbreiten und den Arbeitsflächen zu-, sowie von denselben wegfliessen.

Textabbildung Bd. 300, S. 291

Eine Feinstoffmühle von David Pearson in Schotley Bridge und David Noble Bertram in Edinburgh wurde in Amerika (Nr. 539704) patentirt. Diese sogen. „Neuerung“ zeigt so wesentliche Uebereinstimmung mit dem alten Kingsland'schen Centrifugalholländer mit zwei Mahlstellen, bezieh. mit jenen Ausführungen, welche von der Firma Kirchner in Frankfurt a. Main hergestellt werden, dass von einer Verschiedenheit zwischen dieser und der bekannten Ausführung kaum gesprochen werden kann.

c) Verschiedene andere Zerkleinerungsmaschinen.

Der alte Kollergang leistet bekanntlich in der Papierfabrikation in den Fällen gute Dienste, wenn es sich um das Auflösen von bereits zerkleinertem Fasermaterial, z.B. bei der Wiederauflösung von altem Papier oder auch auf der Papiermaschine gebildetem Ausschuss u. dgl. handelt. Nur ist es unvermeidlich, dass dabei das Fasermaterial noch weiter zerkleinert wird. Bei Papier ist dies von Uebel, weil bei demselben die Faser bereits weit genug zerkleinert war. Es können daher Fasern leicht todtgemahlen werden. Dies geschieht, weil die bereits verkleinerten Theile von den noch gröberen nicht rechtzeitig abgeschieden werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 291

Es hat deshalb manches für sich, wenn mit der Quetscharbeit des Kollerganges unmittelbar eine Art Sichtung verbunden wird, welche gestattet, die bereits hinreichend feinen Theilchen rechtzeitig abzuleiten. Von diesem Gedankengang geleitet, haben verschiedene Constructeure neuere Kollergänge entworfen. Eine solche Ausführung von Karl Hefft in Heidelberg (D. R. P. Nr. 71089) ist in Fig. 30 gezeichnet. Die Steine (Läufer) A1 und A2 sind mit der stehenden Welle B in gewöhnlicher Weise verbunden; der Boden des Kollerganges jedoch besteht aus mit Oeffnungen versehenen Sectoren (Fig. 31) aus Stahl oder Hartguss. Bei manchen Systemen haben diese Oeffnungen kreisrunden Querschnitt. Bei der Hefft'schen Ausführung finden wir jedoch schmale, nach unten sich erweiternde Schlitze wie bei Knoten fangplatten, was dem zu verarbeitenden Stoffe ganz angepasst ist. Gelangt eine genügend zerkleinerte Faser über einen solchen Schlitz, so vermag sie nach unten durchzutreten. In gewissem Sinne können sogar die Schlitzkanten bei der Verkleinerung mitwirken. So sehen wir in Fig. 31 Theilchen d und e bei Schlitzen einigermaassen gehalten, wodurch das Zerquetschen derselben erleichtert wird. Es liegt jedoch die Befürchtung nahe, dass die spitzwinkeligen Kanten Schaden leiden unter dem bedeutenden Drucke, welchen die Läufer A1A2 bei der Arbeit allerorten auf dem Boden verursachen. Dann erweitern sich die Schlitze und die Sichtung wird unvollkommen. So lange die Schlitze aushalten, ist es allerdings möglich, ununterbrochen zu arbeiten, so dass oben immer frisches Material zugeschüttet wird, während das Gemahlene nach unten selbsthätig durchfällt, wenn eben hierfür der aus Fig. 31 ersichtliche geringe Sichtquerschnitt ausreicht.

Textabbildung Bd. 300, S. 291
Textabbildung Bd. 300, S. 291

An den sogen. Tritürateur von Simonet (vgl. 1892 286 13) erinnert lebhaft der Stoffquetscher von Francis Hickman in Bound Brook (Amerikan. Patent Nr. 529907). Wir bemerken in Fig. 32, welche die untere Hälfte des Apparates darstellt, von dem der Deckel abgenommen worden ist, in welchem sich der Einlauftrichter befindet, zwei mit schraubenförmig verlaufenden Quetschrippen d |292| versehene Walzen c so angeordnet, dass die Rippen d ähnlich wie Zähne zweier zusammenarbeitender Zahnräder in einander greifen. Weil nun auch an der Gehäusewand festliegende Rippen b vorhanden sind, an welchen sich auch die Rippen d vorüberwälzen, so wird der in den Apparat gebrachte Stoff von den Walzen während der Drehung derselben zerquetscht, aber auch in Folge der schraubenförmigen Krümmung der Rippen allmählich von links gegen rechts zum Auslaufe f geschafft. Weil der Stoff aber mit verhältnissmässig wenig Feuchtigkeit den Apparat passiren soll, so liegt die Gefahr nahe, dass stellenweise ungehörige Anhäufungen entstehen. Um dieser Gefahr zu begegnen, kann durch Rohre g durch die Achsen der Walzen c hindurch, wie aus Fig. 33 zu ersehen, Dampf eingeleitet werden, welcher durch zahlreiche Bohrungen h in den Apparat austritt, wodurch der Stoff gelockert wird, so dass er sich leichter weiter schieben lässt. Die Vorrichtung soll vornehmlich zum Raffiniren von hartem Stoff aus Flachsstroh verwendet werden. Die Art des Arbeitsvorganges in diesem Apparate lässt ihn aber wohl geeignet erscheinen, für das Auflösen von ähnlichen Halbstoffen, z.B. Cellulose u. dgl., welche man nicht gern in Pappenform in die Ganzzeugholländer einträgt, zu dienen.

Textabbildung Bd. 300, S. 292

Wesentlich energischer wird Holzschliff und Zellstoff in dem Stoffreisser (D. R. P. Nr. 82891) der Maschinenfabrik Germania vorm. Schwalbe und Sohn in Chemnitz behandelt, ebenfalls zu dem Zwecke, um dem Ganzzeugholländer oder der Stoffmühle vorzuarbeiten. Der Stoff wird (Fig. 34 und 35) in der Richtung des Pfeiles in den Trichter N aufgegeben, von der Riffel walze W erfasst und über das festliegende Messer M der mit Daumen t besetzten Walze T zugeführt. Die Daumen t, welche so über den Umfang von D vertheilt sind, dass bei einer Umdrehung von T jeder Theil der Vorderkante des Messers M bestrichen wird, zerren den Stoff aus einander und werfen ihn bei A heraus in einer Form, in welcher er anstandslos den Ganzzeugholländern oder Stoffmühlen überliefert werden kann. Weil die abscherende Wirkung, welche an der Kante des Messers M stattfindet, für den vorliegenden Zweck keineswegs nothwendig ist, finden wir in anderen Ausführungen desselben Systems das Messer M weggelassen, weiters statt des ununterbrochenen Vorschubes mittels der Speisewalze W periodischen Vorschub durch ein Schaltwerk eingerichtet und ein Abstreifmesser angebracht, um Stoff, welcher allenfalls an den Daumen hängen geblieben ist, vor der Rückkehr zur Einlaufseite abzustreifen. Solche Stoffreisser von 300 mm Arbeitsbreite können in einer Stunde zerreissen: nassen Holzschliff in Packeten 3000 k, trockene Pappen 1000 k, feuchten Zellstoff 1000 k, wenn die Daumentrommel 300 Umdrehungen in der Minute macht. Der veränderlichen Dicke der zugeführten Pappenbündel entsprechend, kann mit Hilfe des Hebels H die Höhenlage der Walze W eingestellt werden.

Textabbildung Bd. 300, S. 292

Eine Zerfaserungsmaschine, welche ungemein zart angreifen soll, ist jene von John B. Carter in Kokomo, Indiana (Amerikan. Patent Nr. 515193). Die Vorrichtung erinnert in ihrer Wirkungsweise an den Zellstoffauflöseapparat von H. Blackmann (1890 276 56). Es wirken nämlich auch hier keine Schneidkanten, sondern eigenthümliche, wellig gestaltete Flächen, welche vermöge ihrer Anordnung den Stoff grösstentheils nur drückend und quetschend behandeln. Wir bemerken in der Fig. 36, welche die principielle Einrichtung versinnlicht, eine Walze A, welche jedoch etwas excentrisch zu der Höhlung des Gehäuses C liegt, so dass bei G, wo der Einlauf des Stoffes stattfinden soll, der grösste Zwischenraum zwischen Mantel und Walze, bei i, wo der Stoff die Maschine verlässt, der kleinste Zwischenraum vorhanden sein sollte. Wenn also Mantel und Walze auch nur glatte Flächen besässen, so würde der Stoff während des Durchganges durch die Maschine kräftig gequetscht. Die Wirkung wird aber noch dadurch erhöht, dass sowohl Walzen-, ebenso wie Mantelumfang wellig ausgeführt sind, so dass die Wellenberge als Ringe um die Walze gehen, also senkrecht gegen die Drehungsachse liegen. Ueberdies liegen fast parallel zur Achse Stäbe, welche den früher genannten Wellen folgen und sich auf dieselben vollständig auflegen. Es kann dies besonders gut aus Fig. 37 entnommen werden, in welcher M die Ringe senkrecht gegen die Walzenachse und B die Stäbe ungefähr senkrecht dazu bedeuten. Dadurch ist aller Voraussicht nach eine sehr schonende Behandlung gewährleistet, aber auch der Benützungskreis wesentlich beschränkt. Widerstandsfähigeres Rohmaterial, als etwa feuchte Zellstoffpappe wird in diesem Apparate kaum zu behandeln sein.

Bleichen.

Für die Darstellung des noch immer als gangbarstes Bleichmittel in der Papierfabrikation gebrauchten Chlorkalkes wird von B. Hasenclever in der Zeitschrift deutscher Ingenieure vorgeschlagen eine Art Gegenstromsystem in Röhren an Stelle der Chlorkalkkammern, um der Arbeiter Gesundheit mehr zu schonen. Von oben nach unten wandert der Kalk durch Förderschnecken bewegt, während das Chlorgas in den Rohren aufsteigt.

Auch die elektrische Darstellung von Bleichflüssigkeiten gewinnt anscheinend an Ausdehnung, was mit Rücksicht auf die verhältnissmässig saubere und nicht so gesundheitsschädliche |293| Arbeitsweise nur zu begrüssen ist. Dass der Process bereits ökonomischer durchführbar ist, scheint auch daraus hervorzugehen, dass man doch jetzt schon Angaben über den Kraft verbrauch aus der Praxis finden kann. So verbraucht nach englischen Blättern die Aluminium Co. in Oldbury zur Zersetzung von 100 k Kochsalz täglich 14 nach dem Kastner'schen Verfahren.

Textabbildung Bd. 300, S. 293

Das Verfahren von Hermite, vgl. 1892 286 25, sowie jenes von Dr. Karl Kellner in Wien nach D. R. P. Nr. 76115 ist weiter durchgebildet worden. In Fig. 38 ist ein Bleichholländer skizzirt, welcher mit einer Bleichung nach System Kellner versehen ist. Die Stoffbewegung wird, wie sonst üblich, durch die Walze B eingeleitet und unterhalten. Bei C sind sogen. Bleichblöcke eingesetzt, welche bei D1 und D2 mit der Dynamomaschine in Verbindung gesetzt werden. Die Bleichblöcke bestehen aus einerseits mit Platin überzogenen Platten, welche durch kräftige Stäbe zu einem starren Körper vereinigt sind. Gebleicht wird dadurch, dass das in den Trog zugesetzte Kochsalz durch den elektrischen Strom zerlegt wird und das Chlor, im Entstehungszustande viel kräftiger wirkend, bei dem Stoff, welcher fortwährend zwischen den Elektroden hindurchgeht, die Entfärbung veranlasst.

In der Papierfabrik A. Karger in Aloisthal ist als Bleichholländer ein Apparat aufgestellt, dessen Trog aus Cement einen Fassungsraum von 11 cbm besitzt und dessen äussere Form ganz jener in Fig. 38 entspricht, während der Stoffumlauf durch ein Stofftreibrad veranlasst wird, welches an Stelle der Messerwalze eingebaut ist und jene Gestalt besitzt, welche aus Fig. 24 (Karger Holländer) zu ersehen ist. Dabei wurden sehr gute Erfolge auch dann erzielt, wenn der mit der Bleichflüssigkeit versetzte Stoff nicht fortwährend, sondern nur hier und da, ein paar Umläufe machend, herumgetrieben wurde. Es liegt auf der Hand, dass bei dieser Art des Vorganges an mechanischer Arbeit wesentlich erspart werden muss. Die Befürchtung, dass wegen nicht beständigen Umlaufes der Stoff ungleichmässig gebleicht werde, ist nach der Versicherung des Herrn Karger unbegründet.

Statt der bei Karger für den Ablauf des Stoffes oberhalb des Kropfes ganz passend gekrümmten Schaufeln (der Stoff, auch ziemlich dick, fliesst von den Schaufeln ganz vorzüglich ab, wie Berichterstatter Gelegenheit hatte, durch den Augenschein sich zu überzeugen) finden wir in der Construction von M. Schmitz nach französischem Patent Nr. 245087 sechs ebenflächige Schaufeln aus säurebeständigem Material angewendet. Schmitz schlägt vor, hierfür Platten aus Glas, Porzellan oder Hartgummi zu benutzen. Besonders werden Schaufeln aus Metalltuch mit Glasüberzug (Drahtglas) empfohlen.

Circulation des Stoffes im Bleichholländer mit Hilfe einer Centrifugalpumpe wird erzielt in dem Wasch- und Bleichholländer von Benjamin Cawthorn in Hylton und James P. Cornett in Claxheugh nach D. R. P. Nr. 76589 und 82697, sowie nach amerikanischem Patent Nr. 535237. Schon in Fig. 5 und 6 ist ein Holländer nach diesem System mit Messerwalze, also zum Stoffmahlen, skizzirt. Dadurch, dass bei dem Bleichholländer desselben Systems die Messerwalze nebst allen sonstigen Zuthaten entfernt worden und nur die Centrifugalpumpe zur Erhaltung des Stoffumlaufes geblieben ist, wobei an die Stelle des Grundwerkes der Zulaufkanal zur Pumpe tritt, ist der Bleichholländer wesentlich einfacher im Ansehen geworden und in der äusseren Form dem üblichen Holländer ganz ähnlich.

Textabbildung Bd. 300, S. 293

Statt des Bleichens im Holländertroge wird von Cawthorn und Cornett (D. R. P. Nr. 82725) eine Bleichbatterie (vgl. 1892 286 25) empfohlen, und zwar wird (Fig. 39 und 40) nach der vorliegenden Neuerung der Stoff aus der Trommel A zusammen mit der Bleichflüssigkeit aus einer der mit Rührern 4 versehenen Stoffbütten CC1 mit Hilfe von Centrifugalpumpen 10 und P nach der Reihe durch ein paar Behälter T geschafft. Hierbei saugt Pumpe 10 mittels Rohr 9 vom Boden der einen Bütte den Stoff ab, was durch Hähne 8 geregelt werden kann, und drückt ihn durch Rohr 11 in den ersten Behälter T der Bleichbatterie. Aus diesem kann nun der Stoff nach Eröffnung des Hahnes 12 der Pumpe P mittels des geneigten Rohres M zufliessen, um von der Pumpe mittels des Steigrohres N in die Rinne O |294| befördert zu werden, aus welcher er durch Ansätze Q1... Q4 in einen der Behälter T1... T4 fallen kann. Für diejenigen Behälter, welche nicht mit Stoff versehen werden sollen, wird die bezügliche Oeffnung Q verstöpselt. Gerade so wie nach Eröffnung des Hahnes 12 aus T der Stoff genommen wurde, kann es auch bei irgend einer der anderen Behälter T geschehen, weil diese sämmtlich mittels Rohrstutzen an das Rohr M angeschlossen sind. Während nun in den Stoffbütten C und C1 die mittels Kegelräder angetriebenen Rührer das Absetzen des Stoffes verhindern, wird in den Behältern T durch die Circulation (mittels der Pumpe P) der Stoff fortwährend gemischt. So gut durchdacht diese Anordnung ist, so fragt es sich doch, ob sie geeignet sein wird, dem Bleichholländer, z.B. den recht einfachen von denselben Erfindern, zu ersetzen.

Im Principe dem vorigen Bleich verfahren ähnlich, ist jenes von George M. Newhall in Philadelphia nach dem amerikanischen Patent Nr. 529937. Nur finden wir hier bloss einen Stoffkasten, den Rührer mit wagerechter Achse, den Stoff vom Boden der Bütte einer Plungerpumpe zufliessend, welche denselben aufwärts über den Rand derselben Bütte zurückbefördert oder aber in den Feinmahlapparat drückt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: