Titel: Telephonmessbrücke der Actiengesellschaft Mix und Genest in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 300/Miszelle 2 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj300/mi300mi03_2

Telephonmessbrücke der Actiengesellschaft Mix und Genest in Berlin.

Nachdem die Nothwendigkeit, die Gebäude mit Blitzableitern zu versehen, in immer weitere Kreise gedrungen ist, tritt auch an den Installateur fast täglich die Nothwendigkeit heran, die Blitzableiter nach einem stattgehabten Gewitter oder sonst auch in regelmässigen Zeiträumen rationell zu untersuchen.

Alle bisher für diesen Zweck construirten Apparate waren mit bestimmten Mängeln oder Unbequemlichkeiten behaftet, deren Beseitigung entweder umständliche Vorversuche oder ein tieferes Eingehen auf die elektrischen Grundgesetze erforderte, oder in einzelnen Fällen wohl auch nicht möglich war. Prof. W. Kohlrausch hat vor einer Reihe von Jahren die Methode der Untersuchung von Blitzableitern mit der Telephonmessbrücke ausgebildet und dazu eine einfache Messbrücke construirt, die seit dieser Zeit in den meisten Fällen angewendet und namentlich von Behörden und Versicherungsgesellschaften vorgeschrieben wird.

Die Telephonmessbrücken werden mit kleinen Abweichungen von einander construirt (z.B. mit Magnetinductor, mit Batteriestrom und Selbstunterbrecher, mit Selbstunterbrecher und Inductorium u.s.w.), die für den praktischen Gebrauch nach der einen oder anderen Richtung Vortheile bieten. Die Actiengesellschaft Mix und Genest hat eine Messbrücke construirt, die bei einfachster Handhabung die genauesten Resultate ergibt.

Textabbildung Bd. 300, S. 71

Die Telephonmessbrücke, mit welcher Widerstände von 0,1 bis 800 Ohm gemessen werden können, enthält in einem Kästchen aus Eichenholz (Fig. 1) einen Selbstunterbrecher, der durch zwei neben einander geschaltete Trockenelemente betrieben wird, drei Vergleichswiderstände von 1, 10 und 100 Ohm, einen geradlinig ausgespannten Brückendraht mit Gradtheilung und Gleitcontact und ein Dosentelephon mit Schnur. Das Dosentelephon ist in einem Metallring gelagert, in welchem sich ein Ausschalter befindet, der den Selbstunterbrecher in dem Augenblick einschaltet, in dem das Telephon aus dem Lager genommen wird. Endlich sind zwei Klemmen zum Einschalten der zu untersuchenden Leitung vorhanden. Fig. 2 macht die Schaltung ersichtlich, worin U den Selbstunterbrecher, R die Vergleichswiderstände, T das Telephon, E und L die Anschlussklemmen, a c den Brückendraht mit dem Gleitcontact WZ darstellen.

Die Untersuchung eines Blitzableiters umfasst bekanntlich die Messung des Widerstandes der Ableitung in sich, der ein möglichst niedriger sein muss, sowie die Feststellung des Uebergangswiderstandes der einzelnen Erdplatten zur Erde. Bei der |72| Feststellung des Widerstandes der Ableitung in sich, der nicht grösser als 1 Ohm sein soll, wird der Vergleichswiderstand l gestöpselt, nachdem die Ableitung an beiden Enden mit den Klemmen E und L verbunden ist. Wird darauf das Telephon zur Hand genommen, so hört man in demselben ein summendes Geräusch, welches durch Verschieben des Gleitcontactes WZ zum Verstummen gebracht oder wenigstens auf ein Minimum beschränkt wird, was in einigen Secunden zu erzielen ist. Die Stellung des Zeigers des Gleitcontactes auf der Scala lässt den Widerstand auf der letzteren direct ablesen.

Textabbildung Bd. 300, S. 72

Um den Erdleitungswiderstand zu messen, muss man mit einer oder zwei Hilfserden (Gas- und Wasserleitungen, zweite oder dritte Platten von Blitzableitern oder besonders construirte Hilfserdplatten aus Blech oder auch Erdleitungspflöcke aus verkupfertem T-Eisen) die erforderlichen Messungen ausführen, hierbei ist der Vergleichs widerstand 10 zu stöpseln, da der gesuchte Erdwiderstand voraussichtlich über 8 Ohm hinausgeht, die auf der Scala abgelesene Zahl ist alsdann mit 10 zu multipliciren.

Der Apparat ist von der Physikalischen Reichsanstalt geprüft worden und lautet deren Schlusszeugniss dahin, dass sich mit dem Apparat die Messungen mit genügender Genauigkeit ausführen lassen und das Tonminimum im Telephon hinreichend scharf ist.

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