Titel: Neuere Steuerungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 31–37)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301007

Neuere Steuerungen an Dampfmaschinen.

(Schluss des Berichtes S. 6 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

3) Hahnsteuerungen.

Die Hahnsteuerung von Carl Diefenbacher in Zürich besitzt gegenüber anderen derartigen Steuerungen den Vortheil, dass die Reibungsarbeit beim Abgleiten des verwendeten activen Mitnehmers von dem passiven Mitnehmer nicht durch den Regulator mit Hilfe der Massenträgheit desselben, sondern von dem Steuerexcenter selbst geleistet wird.

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Wie Fig. 18 und 19 ersichtlich, ist die mit einer Coulisse n versehene Stange b des von der Steuerwelle W in Umlauf versetzten Excenters a an ihrem freien Ende mit dem am Arme A des Maschinenrahmens oder Cylinders drehbar befestigten Doppelhebel e gelenkig verbunden, dessen anderes Ende die Klinke oder den sogen. activen Mitnehmer g trägt. Dieser wirkt auf den durch eine Stange p mit dem Rundschieber q verbundenen passiven Mitnehmer h ein, der unten die nach dem Luftbuffer k führende Stange i trägt.

Textabbildung Bd. 301, S. 32

Da der Mitnehmer g mit der Excenterstange b durch eine Stange m und einen Coulissenstein a1 verbunden ist, erhält er ausser seiner durch den Excenterhub bestimmten Verticalbewegung noch eine von der jedesmaligen Stellung des Steines a1 in der Coulisse n abhängige Seitenbewegung. Die Verstellung des Steines in der Coulisse kann entweder durch eine Schraube (bei geringer Veränderlichkeit der Füllung) oder mittels eines im Punkte w an dem Hebel e drehbar gelagerten Hebels s, sowie einer Hängestange t durch die Regulatorzugstange v erfolgen. Bei der durch den Pfeil b1 (Fig. 18) angedeuteten Drehung des Excenters führt die Kante g1 des Daumens g ausser der Aufwärtsbewegung zunächst eine Bewegung nach links aus, so dass sie unter den passiven Mitnehmer h zu liegen kommt. Bei Ueberschreitung des linken, in der Wagerechten liegenden Todtpunktes des Excenters a hört die Linksbewegung des Daumenpunktes g1 auf und es beginnt die Rechtsbewegung desselben, welche ihn wieder unter dem Mitnehmer h herauszieht.

Befindet sich der Coulissenstein a1, der Füllung „Null“ entsprechend, im obersten Ende der Coulisse n, so schwingt die Klinke g am weitesten seitlich aus, wobei sie, von ihrer untersten Lage beginnend, zunächst nur sehr wenig links, darauf bedeutend nach rechts geht. Die Daumenkante g1 tritt hierbei zwar in den Verticalschlitz c1 des passiven Mitnehmers h ein und hebt diesen letzteren so weit, dass der Schieber eben im Begriff steht, Dampf in die Maschine einzulassen, verlässt jedoch in demselben Augenblicke den Schlitz wieder, so dass der Mitnehmer unter Wirkung des Luftbuffers nach unten gezogen wird. Der grössten Füllung entspricht die tiefste Lage des Steines in der Coulisse. Die Klinke g macht hierbei den kleinsten seitlichen Ausschlag.

Wählt man den ideellen Angriffshebel für die Regulatorstange an dem um w drehbaren Hebel s derart, dass derselbe gleich der Entfernung des Punktes w von dem Drehungspunkte d des Hebels e ist, so ergibt sich, wie Fig. 18 erkennen lässt, eine Stellung des Hebels s, in welcher der Angriffspunkt u der Regulatorstange genau die Verlängerung der geometrischen Achse d bildet; bei dieser Stellung der Steuerung, wenn gleichzeitig auch der Endpunkt des Hebels s in die geometrische Achse durch den Excenterstangenangriffspunkt e1 geht, werden gar keine Rückwirkungen auf den Regulator ausgeübt. Hat ein Ausschlagen des Hebels s nach oben oder unten stattgefunden, so findet, da der Schwingungsmittelpunkt fi des Steines nicht mehr mit dem Punkte e1 zusammenfällt, eine kleine Bewegung in der Coulisse n statt, doch ist die hierbei vom Regulator gewissermaassen geleistete Reibungsarbeit sehr viel kleiner als diejenige, welche an den Gleitflächen zwischen g und h geleistet wird. Der Regulator kann daher in gleichem Maasse leichter und auch empfindlicher gemacht werden als bei solchen Steuerungen, bei denen die Reibung zwischen dem activen und passiven Mitnehmer durch die Trägheit des Regulators überwunden werden muss.

Eine Abänderung des unter Nr. 73770 im Deutschen Reiche ertheilten Patentes, den Ersatz des in diesem Patent gekennzeichneten Excenters nebst Schwinge und Gegenkurbel durch eine Steuerschwinge, Winkelhebel u.s.w. betreffend, wodurch sich eine wesentliche Vereinfachung der Drebschiebersteuerung ergibt, wurde Gustav Honegger in Berlin unter Nr. 84155 geschützt.

Die um den Zapfen C drehbare Steuerschwinge B (Fig. 20) erhält ihre Bewegung mittels der Lenkerstange A von einer Kurbel oder einem Excenter aus. Auf dem Zapfen D der Schwinge B sind die beiden Winkelhebel EF, deren Zapfen F je mittels einer Stange G mit dem Zapfen L des Lenkers H verbunden ist, frei beweglich. Ueber den Zapfen L ist der active Mitnehmer K lose geschoben; derselbe wird durch den Anschlag M der Stange G geführt und mittels einer Feder N gegen diesen Anschlag gedrückt. Der passive Mitnehmer I ist auf die Schieberspindel aufgekeilt und durch die Zugstangen O stets belastet.

Textabbildung Bd. 301, S. 32

Bei einer Drehung in Richtung des Fig. 20 ersichtlichen Pfeiles bewegt sich der Zapfen F concentrisch um die Achse C, während der Lenker H um die Spindelachse |33| schwingt; der Zapfen F hat also seine Lage gegen die senkrechte Cylinderachse verändert und in Folge dessen ändert sich auch die Neigung der Stange G gegen die wagerechte Cylinderachse und damit die Lage des activen Mitnehmers K. Fig. 20 stellt den Augenblick dar, in welchem der letztere den passiven Mitnehmer 1 freigibt, der Drehschieber also plötzlich in seine Schlusstellung gelangt.

Behufs Erreichung variabler Füllungen werden die auf der Achse D frei beweglichen Arme EE der Winkelhebel mittels der Schienen RR im Punkte P durch den Regulator S symmetrisch zur senkrechten Cylinderachse derart gedreht, dass sich die Zapfen FF heben oder senken und dementsprechend die activen Mitnehmer längere oder kürzere Zeit mit den passiven Mitnehmern in Eingriff bleiben.

Textabbildung Bd. 301, S. 33

Eine von R. Bergmans in Breslau erfundene zwangläufige Hahnsteuerung mit nur einem einzigen Excenter für die Ein- und Auslassorgane veranschaulicht die für die Todtpunktlage der Kurbel gezeichnete Abbildung (Fig. 21).

Das nur mit Rücksicht auf die Ausströmungsverhältnisse gewählte Excenter steuert durch Vermittelung des Gestänges EFGHIK die Auslasschieber Sa und Sa1 in stets gleichbleibender, von der Füllungsänderung unabhängiger Weise. Die Steuerung der Einlasschieber Se und Se1 wird von einem Punkte N der an die Excenterstange drehbar angeschlossenen Lenkstange Pb abgeleitet, deren Punkt b in einer durch den Drehpunkt d des Regulatorhebels gehenden, vom Regulator verlegbaren Richtung gerade geführt ist. Als Geradführung ist ein Evans'scher Lenker abcde benutzt. Die besondere Lage dieses Lenkers zum Regulator ist dadurch gekennzeichnet, dass der eine Fixpunkt des Lenkers, der Drehpunkt d des Gegenlenkers dc, mit dem Drehpunkt des Regulatorhebels zusammenfällt. Der Punkt a des Hauptlenkers acb wird durch das Gelenk ae annähernd gerade geführt, und so lange e seine Lage nicht ändert, beschreibt b eine durch d gehende Gerade gg. Der Hebel de, der diesen zweiten Fixpunkt trägt, ist mit dem Regulatorhebel d f auf derselben Achse dd fest aufgekeilt, während der Gegenlenker de lose auf dieser Achse sitzt. Jeder Regulatorstellung entspricht eine andere Lage des Punktes e, also auch eine andere Lage der Führungsgeraden gg, z.B. e1 entspricht g1g1. Jeder Lage der Geraden gg entspricht eine andere Bahn des Punktes N oder, was dasselbe ist, eine andere ideelle Excentricität. Der Punkt N beschreibt in Folge der durch den Regulator bewirkten Verstellung des Punktes e innerhalb der Grenzen e und e1 Curven, die das ganze Gebiet der zur Füllungsänderung nothwendigen ideellen Excentricitäten umfassen.

Eine stossfreie Ueberführung der bei Corliss-Maschinen zur Verwendung kommenden Einlassorgane in die Ruhestellung (auch ein stossfreies Aufsetzen der Dampfventile bei Ventilmaschinen) soll mittels der Rudolf Kron in Golzern i. S. unter D. R. P. Nr. 83683 patentirten Steuerung erzielt werden.

In Fig. 22 sind zu dem Zwecke je zwei über einander liegende Hähne AA1 und BB1 durch eine aus zwei Theilen gebildete Zugstange verbunden, die aus einem länglichen Gehäuse a und einer in letzteres eingelegten Rundstange b gebildet ist. Das untere Ende des Gehäuses a ist an den Winkelhebel der unteren Steuerhähne, das obere Ende der Rundstange b dagegen an den auf der Achse der oberen Hähne sitzenden Arm angeschlossen. Unter das verstärkte Ende der mit einer Aussparung b1 versehenen Rundstange b legt sich ein am unteren Ende des Gehäuses a drehbar gelagerter Haken c, welcher beim Aufwärtsgange der auf Druck oder Schub wirkenden Stange ab das Verbindungsglied zwischen dem Gehäuse und der Rundstange bildet. Die an den Armen der oberen Hähne angedeuteten Pfeile stellen die Rückwärtsbewegung der Gewichts- oder Luftkatarakte dar.

Textabbildung Bd. 301, S. 33

Die Einleitung der Hahnbewegung erfolgt von der unteren wagerecht liegenden Excenterstange C aus, welche die unteren beiden Hähne A1B1 constant bewegt, während die oberen Einlasshähne AB durch die vorstehend gekennzeichneten, in ihrer Länge veränderlichen Druckstangen bethätigt werden. Um die Haken c bei Bewegung der |34| Druckstangen in letztere hineintreten zu lassen, sind sie mit einem mehr oder weniger stark ausschwingenden Regulirhebel e verbunden, welcher bei der einen Druckstange den Haken c einschiebt, wenn er bei der anderen Druckstange austritt und damit die Verbindung zwischen den Theilen a und b der letzteren aufhebt.

Eine durch Druckflüssigkeit betriebene Hahnsteuerung von Claude Bonjour in Paris zeigen die Abbildungen Fig. 23 und 24.

Textabbildung Bd. 301, S. 34

Ein auf der Welle M aufgekeiltes Excenter treibt die Kolben AAa zweier doppelt wirkender Druckpumpen. Der Kolben A bethätigt den Steuerkolben B für die beiden Einlass-, der Kolben Aa den Steuerkolben Ba für die beiden Auslasschieber, welche letztere durch eine Stange g derart mit einander gekuppelt sind, dass, wenn der eine Schieber in seiner Schlusstellung steht, der andere Schieber sich in seiner Oeffnungslage befindet. Bewegt sich der Druckkolben Aa, so bleibt der Steuerkolben Ba zunächst noch so lange stehen, bis der erstere allmählich die Oeffnungen D seines Cylinders abgesperrt hat. Hierauf gelangt Druckflüssigkeit durch das Rohr Ea1 gegen den Kolben Ba und bewegt denselben nach aufwärts, während der mit dem Auslasschieber der anderen Seite verbundene zweite Kolben Ba seine Abwärtsbewegung ausführt. Dies dauert so lange, bis der Kolben Ba die Oeffnungen C seines Cylinders überschritten; ersterer bleibt dann stehen, während der Druckkolben sich noch bis an sein Hubende weiter bewegt, wobei die Druckflüssigkeit durch C nach O1 entweicht. Der Rückgang des Kolbens Ba erfolgt, wenn die Flüssigkeit durch den Kolben Aa mittels des Rohres Ea gegen den zweitgenannten Kolben Ba gedrückt wird. In ähnlicher Weise wirkt die zur Steuerung der beiden Einlassschieber dienende Druckpumpe mit dem Kolben A, nur arbeiten die von ihr bethätigten beiden Steuerkolben B unabhängig von einander. Jeder Kolben B besteht aus drei Theilen verschiedenen Durchmessers und zwar aus einem den eigentlichen Steuerkolben bildenden unteren Theil b, einem mittleren Theil b1 zur Verhütung etwaiger Stösse beim Schieberabschluss und einem Theil b2 behufs Nutzbarmachung des äusseren Atmosphärendruckes beim Rückschube des Kolbens B. Der entsprechende Einlassschieber gelangt dann schnell in seine Schlusstellung, sobald das unterhalb des Kolbens B im zugehörigen Cylinder angeordnete Ventil V die Druckflüssigkeit durch die Oeffnungen vv nach dem gemeinsamen Mantelraum O1 abströmen lässt. Die durch eine Stange mit einander gekuppelten Ventile V werden von der Welle M aus durch einen geeigneten, vom Regulator beeinflussten Mechanismus periodisch in Schwingungen versetzt. Wenn der in Richtung des Pfeiles y sich bewegende Kolben A die Oeffnungen D geschlossen hat, drückt das durch Rohr E und Ventil V strömende Druckwasser gegen die untere Fläche b des Kolbens B, und der mit ihm verbundene Einlasschieber kommt in seine Oeffnungslage. Hat B die Oeffnungen C überschritten, so bleibt er stehen, während A seinen Hub beendet. Während des Hubes von B ist Flüssigkeit aus dem Behälter O1 durch die Oeffnungen tt1t2 unter den mittleren Kolbentheil b1 getreten, während sich unter dem oberen Kolbentheil b2 Luftleere hergestellt hat, da das im Cylinderrand s angeordnete Ventilchen r sich nur nach dem Raume O1 hin öffnen kann. Der Kolben B bleibt ruhend in seiner gehobenen Lage, bis das Ventil V herumschwingt und die Oeffnungen vv überschreitet. Indem nunmehr die Flüssigkeit unterhalb des Kolbens B abströmt, gestattet die unter dem Kolbentheil b2 herrschende Luftverdünnung dem Atmosphärendruck, den Kolben B schnell in sein unteres Hubende zurückzudrücken, d.h. den Einlasschieber in seine Schlusslage zu bringen. Bei diesem Rückschub wirkt die unter den Kolbentheil b1 gedrungene Flüssigkeit als Dämpfer.

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Bewegt sich der Kolben A entgegengesetzt zur Pfeilrichtung y, so bethätigt er in gleicher Weise, wie vorstehend erläutert, einen zweiten, mit dem zweiten Einlassschieber verbundenen Steuerkolben B mittels des Rohres E1.

Die Mantelräume O und O1 stehen durch Leitungen F mit einander in Verbindung.

Da die Ventile V von der Kraftwelle M aus unter Mitwirkung des Regulators bewegt werden, kann der Schieberschluss bei irgend welcher beliebigen Kolbenstellung erfolgen, demnach die Menge des in den Cylinder strömenden Dampfes beliebig geregelt werden.

In einer zweiten Ausführungsform ist die Einrichtung dahin abgeändert, dass die Rückkehr des Steuerkolbens durch Druckflüssigkeit bewirkt wird.

Die Erfindung lässt sich auch zur Steuerung einer Maschine mit einem einzigen Schieber anwenden.

Um bei den mit Hahnsteuerungen, System Wheelock (1890 275 * 490), arbeitenden Dampfmaschinen mit Verwendung nur eines einzigen Excenters Füllungen bis 75 Proc. des Kolbenhubes zu erreichen, schlägt die Chemnitzer Werk-Zeugmaschinenfabrik vorm. Joh. Zimmermann in Chemnitz nachstehend beschriebene Einrichtung vor.

Ein auf der Schwungradwelle sitzendes Excenter ertheilt mittels der Excenterstange b (Fig. 25) und der Verbindungsstange c den auf den Spindeln der beiden Auslasschieber befestigten Hebeln d und d1 eine schwingende Bewegung. An den Bolzen e und e1 dieser Hebel sind drehbar die Steuerklinken f und f1 angeordnet. Bei der Vorwärtsbewegung des Excenters fasst die Steuerklinke f den durch die Stange h geführten, an einem Bolzen des auf der Spindel des Einlasschiebers befestigten Hebels k drehbaren Würfel i und bleibt so lange mit diesem in Eingriff, bis die vordere Fläche der Klinke f auf die vom Regulator beeinflusste Steuernase o aufstösst; die Kuppelung der Klinke f mit dem Würfel i wird dann aufgehoben und der Einlasschieber gelangt unter Mitwirkung eines Luftbuffers o. dgl. schnell in seine Schlusstellung. Die Auslösung der Kuppelung von f und i und somit der Dampfabschluss wird um so später erfolgen, je mehr der Regulator die Steuernase o nach abwärts bewegt hat.

Textabbildung Bd. 301, S. 35

Bis zur Umkehr der Excenterbewegung erfolgt die Absteuerung auf der vorgenannten Fläche der Klinke f. Während dieses Vorganges wird die um einen Zapfen der Klinke f drehbare Einfallklinke p gehoben, sobald nämlich ihre untere Fläche mit der Steuernase o in Berührung kommt.

Ist nun in Folge der Regulatorstellung die Auslösung bis zur Umkehr der Excenterbewegung nicht erfolgt, so wird die Einfallklinke p durch Gewicht oder Federdruck oder auf eine sonst geeignete Weise so weit heruntergedrückt, dass sie vor die Steuernase o zu stehen kommt. Damit die Klinke p bei der Excenterumkehr schon eingefallen ist, also kein todter Gang entsteht, weicht ihre gekrümmte Fläche von dem aus dem Drehungspunkt geschlagenen Kreisbogen entsprechend ab, ausserdem ist der Drehungspunkt der Klinke auf dem in der Hauptklinke f durch Stellschraube o. dgl. befestigten Bolzen excentrisch angeordnet, so dass eine Drehung dieses Bolzens ein Nachstellen der Einfallklinke ermöglicht.

Textabbildung Bd. 301, S. 35

Sobald also der Rückgang des Excenters beginnt, kann das Abheben der Steuerklinke f vom Würfel i durch die Einfallklinke p erfolgen, indem letztere mit ihrer gekrümmten Fläche je nach dem Regulatorstand früher oder später an die Steuernase o antrifft.

Die obere Fläche des Würfels i, d.h. seine Rückenfläche, ist nicht, wie bei der Wheelock-Steuerung, eben und der unteren Fläche parallel, sondern gekrümmt und zwar so, dass der Klinkenangriff in der Mittellinie des Zapfens e mit dem Drehzapfen des Würfels i erfolgt und die Klinke nach erfolgter Auslösung sich nicht auf die Steuernase o legt und auf derselben schleift, sondern sich nur mit einem eingesetzten Stahlplättchen auf den Würfel legt. Durch den Klinkenangriff in der Mittellinie wird die Abnutzung der betreffenden Steuertheile vermindert, auch findet, da die Klinke nur im Augenblicke der Auslösung mit der vom Regulator beeinflussten Steuernase o in Berührung kommt, eine auf das Minimum reducirte Rückwirkung auf den Regulator statt.

Eine Hahnsteuerung für Zwillings- oder Verbundmaschinen von Robert Mc C. Fryer in Washington veranschaulichen Fig. 26 und 27.

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A ist der Hochdruck-, B der hinter demselben liegende Niederdruckcylinder. Die Kolbenstange des einen Cylinders ist mit der Kurbel C der Kurbelwelle 20a, diejenige des anderen Cylinders mit der Kurbel C1 der Kurbelwelle 20b verbunden. Auf den Kurbelwellen sind ferner um 90° gegenseitig versetzte Kurbeln DD1, welche durch Stangen dd1 an den Zapfen e der Antriebswelle angeschlossen sind, und auf vorstehenden Scheiben 21a 21b derselben diametral gegenüberliegende lange Zapfen 24 25 bezieh. 22 23 befestigt; ein dritter Zapfen 20c der Kurbelwelle 20a ist etwas excentrisch eingesetzt, so dass er sich bei der Fig. 47 ersichtlichen Mittelstellung der Kurbelwelle in gleicher Horizontalebene mit dem Centrum der Kurbelwelle befindet.

Von den auf die Steuerungsorgane einwirkenden Hebeln 33 34 35 36 sind die äusseren Hebel 33 36 länger als 34 35 gehalten; erstere erhalten ihre Bewegung von den Zapfen 27a, letztere von dem diametral gegenüberliegenden Zapfen 27b einer auf den Zapfen 22 23 angeordneten Scheibe 27. Auf den Enden der letztgenannten Zapfen ist ferner eine Scheibe 26 mit dem auf beiden Seiten vorstehenden Zapfen 26a befestigt, der, in derselben Weise zu der axialen Richtung der Kurbelwelle 20b wie der Zapfen 20c in der Kurbelwelle 20a eingesetzt, den vier Hebeln 29 30 31 32, deren Länge und Anordnung den Hebeln 33 bis 36 entsprechen, als Drehpunkt dient.

Die kürzeren Hebel 30 31 werden durch den Zapfen 28a, die längeren durch den Zapfen 28b einer auf den Zapfen 24 25 befestigten Scheibe 28 bethätigt.

Wenn die Maschine im Betrieb ist, wird die schwingende Bewegung der Kurbelwellen 20a 20b den genannten Hebeln in der Weise mitgetheilt, dass sich ein Paar jeder Reihe hebt, während das andere sich senkt.

Lose auf den Wellen 18a 18b sind vier gleiche Hebel 5 6 7 8, sowie vier einander gleiche Doppelgabelhebel angeordnet, von denen diejenigen der einen Welle durch die Hebelarme der gegenüberliegenden Welle bethätigt werden. Die Hebel 5 bis 8 sind zu dem Zwecke auf ihrem einen Ende mit je einem rechteckigen Schlitz versehen, in dem sich ein mit dem Kurbelzapfen der betreffenden Welle verbundener Gleitklotz bewegt. Jeder Satz Kurbelzapfen besitzt Arme, welche durch eine Hülse mit einander verbunden sind. Der Cylinder A ist mit Schiebergehäusen 1 2 3 4, der Cylinder B mit Schiebergehäusen 1a 2a 3a 4a versehen. Die Schieberspindeln 10 sind durch Kurbeln 9 und Gelenkstangen 11 mit den Armen der Wellen 18a 18b verbunden, wobei jeder Satz der Kurbelarme auf zwei Schieber wirkt.

Befinden sich die auf die Schieber der Gehäuse 1 bis 4 einwirkenden Arme 7 und 8 in ihrer niedrigsten bezieh. höchsten Lage, so strömt während des Kolbenniederganges Dampf durch die Kammer 1 ein, während der Dampfaustritt durch Kammer 4 erfolgt. Bei veränderter Stellung der Arme 7 und 8 gelangen die Schieber der vorgenannten Kammern in ihre Schlusstellung, diejenigen der Kammern 2 und 3 dagegen in ihre Oeffnungslage.

Um die verschiedenen Schieberstellungen zu erhalten, sind die Arme 5 bis 8 mit wagerechten Ansätzen, z.B. 5d 7d (Fig. 26), versehen, welche Gelenke 13 14 15 16 tragen, die mit den Hebelarmen 29 bis 36 durch Gelenkstangen verbunden sind, wobei jedes Gelenk für sich wieder mit den zwei Hebeln in Verbindung tritt. So ist Gelenk 13 durch Gelenkstangen 13a 13b (Fig. 27) mit den Hebeln 29 30, Gelenk 14 durch Stangen 14a 14b mit den Hebeln 31 32, Gelenk 15 durch Stangen 15a, 15b mit Hebeln 33 34 und Gelenk 16 durch Stangen 16a 16b mit Hebeln 35 36 verbunden.

Da die Hebel eine schwingende Bewegung ausführen, wird das eine Ende jedes Gelenkes gehoben, das andere Ende gesenkt; an diesen Bewegungen nehmen die Hebelstangen Theil. Die Mittel zur Bewegung der Glieder sind nicht dargestellt, da irgend welche bekannte Mechanismen hierzu benutzt werden können.

Die Einrichtung zur axialen Entlastung eines rotirenden, wie auch hin und her gehenden Steuerhahnes von C. Hoppe in Berlin mag noch angefügt sein.

Wie Fig. 28 und 29 erkennen lassen, ist A das Hahnküken, B das Hahngehäuse, C die Dampfzuleitung, D die Dampfableitung, E die Leitung zum Cylinder bezieh. zu den Cylindern des Motors.

Textabbildung Bd. 301, S. 36

Die radiale Entlastung des Hahnes A wird in bekannter Weise dadurch erzielt, dass sowohl die Eintrittskanäle cc, wie auch die Austrittskanäle ff und ferner die Kanäle ee im Gehäuse für die Zuleitung zu den Cylindern unter sich diametral gegenüberstehend (Fig. 29) angeordnet sind. Es kann deshalb der Hahn A in radialer Richtung nicht einseitig angepresst werden und sich in Folge dessen auch nicht einseitig abnutzen.

Der mit Ausnahme derjenigen Stellen, an denen die Kanäle ff ausmünden, vollständig vom Arbeitsdampfe umgebene Hahn wird in folgender Weise belastet.

Von m aus drückt der Dampf mit einem specifischen Flächendruck p auf die Fläche , von n aus auf die Fläche , worin 2xy die Projection der Flächen der Kanäle ff des Hahnes auf die Verticalebene bedeutet.

Ist nun d = d1, so wird der Hahn mit einer Kraft

in der Richtung von m. nach n verschoben bezieh. in den Sitz hineingepresst, sich also sehr schwer bewegen lassen.

Um dies zu vermeiden, wird der Durchmesser d1 des Hahnschaftes a1 kleiner gehalten, und zwar um so viel, |37| dass sein Querschnitt um 2xy kleiner wird als derjenige des Schaftes a vom Durchmesser d, also .

Es beträgt dann obige Kraft

Der Hahn ist sonach vollkommen entlastet, bewegt sich leicht und ist nur geringer Abnutzung unterworfen.

Fr.

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