Titel: Die Schwachstromtechnik auf der Berliner Gewerbeausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 76–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301018

Die Schwachstromtechnik auf der Berliner Gewerbeausstellung.

Von Conr. Hesse, Ingenieur in Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 61 d. Bd.)

Mit Abbildung.

Auch die Firma Gebrüder Naglo hat in ihrer Koje im Hauptindustriegebäude einen Umschalter aufgestellt, dessen Einrichtung von den bisher gebräuchlichen jedoch abweicht.

Der einzelne Schrank ist kleiner, besitzt in der Mitte der Langseite zwei Reihen Stöpsel und wird in je zwei Klinkengruppen A/B A/C u.s.w. getheilt. Jede Gruppe besteht aus einem Klinkenfeld, welches 8 Klinkensätze mit je 4 Schienen und 25 Klinken aufnimmt. Nach dem D. R. P. Nr. 86953 kann jede Gruppe der Naglo'schen Anordnung bis 2000 Theilnehmerleitungen bezieh. Klinken erhalten und soll durch dieselbe eine Ersparniss an Klinken und Kabeln bezweckt werden.

Textabbildung Bd. 301, S. 76

In den Fig. 6 und 7 ist schematisch die Anordnung und Verwendung der Gruppentheilung veranschaulicht.

Textabbildung Bd. 301, S. 76

Bezeichnet man die einzelnen Gruppen mit Buchstaben abcdef u.s.w. (Fig. 6), so erhalten die Schränke übereinstimmend mit den Gruppen, die sie enthalten, die Bezeichnung ab, ac, ad..., bc, bd... u.s.w. Wird nun die Leitung eines Theilnehmers, z.B. Nr. 406 der Gruppe a, wie es in der Zeichnung dargestellt ist, in Vielfachschaltung durch jene Schränke geführt, welche die Gruppe a enthalten, und verfährt man in gleicher Weise mit allen übrigen Theilnehmerleitungen, wie bei c23, e904 und f3 in der Zeichnung dargestellt, so sieht man, dass jede einzelne an das Amt angeschlossene Leitung mit jeder einzelnen der übrigen Leitungen einmal in einem Schrank zusammentrifft. Bei der schematischen Anordnung der Zeichnung tritt dies für zwei beliebige Leitungen ein in jenem Schrank, wo die beiden Leitungen sich kreuzen. Die Leitungen der Gruppe a kreuzen sich z.B. mit den Leitungen der Gruppe c in dem Schrank ac, wie es für die beiden Leitungen a406 und c23 dargestellt ist. Unter Anwendung der Zweischnuranordnung ist man dann in der Lage, die beiden Theilnehmer durch Stöpselung mit einander zu verbinden. Eine Verbindung zwischen Theilnehmern der gleichen Gruppe, z.B. der Gruppe f, kann |77| in allen jenen Schränken bewerkstelligt werden, welche die Gruppe f enthalten.

Bei der Schaltungsanordnung enthält jede Leitung so viele Klinken, als Theilnehmergruppen vorhanden sind.

Vor oder hinter den Schränken ist in die Leitung eine Rufklappe eingeschaltet – in der Zeichnung Fig. 6 hinter den Schränken bei k –; in der gegebenen Darstellung sind diese Klappen k für jede Theilnehmergruppe zu besonderen Klappentafeln Ka, Kb u.s.w. vereinigt, die an den Wänden entlang angeordnet sind. Der an Ka befindliche Beamte schaltet seinen Hör- und Sprechapparat, wenn eine Klappe fällt, in die Leitung des betreifenden Theilnehmers ein, z.B. a406, und meldet: „Hier Amt“. Der Theilnehmer a406 will z.B. mit c23 verbunden werden; er verlangt dann zunächst „Schrank c; der Beamte bei Ka muss dann den Beamten an Schrank ac benachrichtigen können, dass a406 ihn zu sprechen wünscht. Zu dem Zweck geht von jedem Schrank, z.B. dem Schrank ac, eine besondere Sprechleitung s nach den beiden Klappentafeln Ka und Kc. In diese Leitung schaltet der Beamte Ka seinen Sprechapparat ein und meldet mit den Worten „a406“, dass dieser Theilnehmer den Beamten bei c zu sprechen wünscht. Der Beamte stöpselt nun die zugehörige Klinke 406 der Tafel a und meldet in die Leitung dieses Theilnehmers: „Hier Schrank c; der Theilnehmer verlangt dann 23, und der Beamte steckt dann nach erfolgter Prüfung, die in üblicher Weise ausgeführt wird, den zweiten Stöpsel der Zweischnuranordnung in die Klinke dieses Theilnehmers, womit die gewünschte Verbindung hergestellt ist.

Es müssen für jede Verbindung zwei Beamte in Thätigkeit treten; der Beamte am Schrank Ka hat die Meldung entgegenzunehmen und sie dem Beamten am Schrank ac weiter zu geben, der alsdann dieselbe Arbeit zu verrichten hat wie bei den jetzigen Schränken.

Bei dem grossen technischen und wirthschaftlichen interesse, welches die Vielfachumschalter und die Frage der Centralisirung des Betriebes hervorgerufen haben, halte ich einen Vergleich gegenüber den jetzt gebräuchlichen Vielfachumschaltern in Bezug auf die erforderliche Klinkenzahl für angebracht.

Angenommen, jede Gruppe des Naglo'schen Umschalters enthalte, wie bei dem ausgestellten Schrank, 800 Klinken und es seien, wie in Fig. 6 dargestellt, die sechs Gruppen a bis f in einem Amte vertreten, so können 800 × 6 = 4800 Theilnehmer in dem Amte angeschlossen werden. Da das Amt nun 30 Gruppenfelder besitzt, so sind für 4800 Theilnehmer 800 × 30 = 24000 Gruppenklinken und 4800 Klappenklinken in dem Amte erforderlich. Sollen nun diese Theilnehmer in einem Amte mit seither gebräuchlichen Vielfachschränken untergebracht werden, so benöthigt man Schränke mit einer Gesammtklinkenzahl von (24 × 4800) + 4800 = 120000. Benutzt man für dieselbe Theilnehmerzahl wagerechte Vielfachumschalter, so ergeben sich

Da nun die Anschaffungskosten eines Amtes im Wesentlichen von der Klinkenzahl, welcher sich entsprechend die Kabelmenge anschliesst, abhängt, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Naglo'sche Anordnung hierin einen Vorzug hat. Ein weiterer Vortheil würde dabei der sein, dass weniger Klinkenübergänge und Löthstellen, welche vielfach Anlass zu Betriebsstörungen geben, vorhanden sind.

Diesen günstigeren Eigenschaften gegenüber ist nach meinem Dafürhalten aber auch zu erwägen, ob sich der Betrieb nicht erschweren oder verlangsamen wird und ob sich durch vermehrtes Beamtenpersonal in dieser Hinsicht nicht fortlaufende höhere Kosten einstellen werden.

Auf einen betriebstechnischen und ökonomischen Vergleich hier weiter einzugehen, dürfte einmal zu weit führen, wie auch andererseits mir nähere Angaben über die besondere Einrichtung und Ausführung dieser Umschalter fehlen.

Der Klappenumschalteschrank der Firma Gebrüder Naglo ist mit Glühlampenschauzeichen ausgestattet. In dem Raum über den Klinken befinden sich zunächst mehrere Reihen Anruf- und über diesen die entsprechende Zahl Schlusschauzeichen. Die Theilnehmernummern sind auf dunklen, runden Glasscheiben von etwa 3 cm Durchmesser derart aufgeschrieben, dass nach Leuchten einer hinter der Scheibe befindlichen kleinen Glühlampe die betreffende Nummer sichtbar wird. Aehnlich verhält es sich bei den Schlusszeichen. Die Glühlampe vertritt demnach die Stelle der sonst gebräuchlichen Klappe.

Diese Einrichtung ist zu unterscheiden von dem Vielfachumschalter mit Schauzeichen abgäbe der Telephonapparatfabrik von Fr. Welles in Berlin (D. R. P. Nr. 86578).

Die letztgenannter Firma geschützte Einrichtung bezieht sich auf ein Schaltungssystem, bei welchem Beginn- und Schlusszeichenglühlampen in die Stromleitung derart eingeschaltet werden, dass wenn eine Theilnehmerlinie auf dem Vermittelungsamt gestöpselt wird, deren Fernhörer abgehakt ist, der Gesammtstrom der Batterie nicht durch die Schlusszeichenlampe gehen kann, weil andere Schauzeichengeber bezieh. Glühlampen an den Ortsstrom der Theilnehmerlinie in Nebenschluss gebracht sind. Der Strom der Glühlampenbatterie verzweigt sich demgemäss und wird, so lange die Leitung besetzt ist, die Schlusszeichenlampe nicht zum Glühen bringen. Sobald ein Theilnehmer seinen Fernhörer abhakt, wird auf dem Vermittelungsamt ein in seiner Leitung befindliches Relais eingeschaltet. Durch Anziehen des Ankers schliesst dieses auf dem Vermittelungsamt einen Localstromkreis mit der Glühlampenbatterie und der Beginn-Schauzeichenlampe und wird diese leuchten. Stöpselt nun der Beamte die Klinke dieses Theilnehmers, so schaltet er dabei die Schlusszeichenlampe ein, für welche dieselbe Batterie verwendet ist. Hierdurch verzweigt sich aber der Strom und es wird die Beginn-Schauzeichenlampe wieder erlöschen und weder diese noch die Schlusszeichenlampe leuchten. Hängt der Theilnehmer seinen Fernhörer wieder an, so wird der Widerstand des hierdurch eingeschalteten Weckers zur Folge haben, dass das Relais den Anker loslässt. Jetzt wird aber auch die Zweig- bezieh. Localleitung der Beginn-Schauzeichenlampe geöffnet und da diese Lampe stromlos, wird durch die noch eingeschaltete Schlusszeichenlampe der Gesammtstrom der Batterie gehen und leuchten und zwar so lange, als die Klinke auf dem Amte gestöpselt bleibt. Wenn der andere Theilnehmer seinen Fernhörer anhängt, so lange der zweite Stöpsel des Zweischnursystems sich in der Klinke befindet, so wird ein zweites Schlusszeichen erfolgen, da |78| auch dieser Stöpsel mit einer Lampe verbunden ist. Nach diesem zweiten Schlusszeichen soll erst die Verbindung auf dem Amte wieder getrennt werden. Wird vom Amte aus gerufen, so wird, wie leicht zu entnehmen, das Umgekehrte eintreten, d.h. erst die Schlusszeichenlampe leuchten und beim Abhängen des Theilnehmerhörers die Beginn- und die Schlusszeichenlampe eingeschaltet sein, ohne jedoch zu leuchten. Dieses der Hauptfabrik (Western Electric Comp.) auch in Amerika patentirte Schaltungssystem dürfte viele Vorzüge haben, jedoch muss meiner Meinung nach der praktischen Verwerthung es vorbehalten bleiben und abzuwarten sein, ob bei der Construction der Vielfachumschalter Mittel und Wege gefunden werden, die durch Benutzung der Glühlampen hervorgerufene lästige Erwärmung und ein Blenden nicht unangenehm zu empfinden.

Gleichzeitig sei hier kurz ein kleiner neuer Umschalter der Telephonapparatfabrik Fr. Welles, welche Firma auf der Ausstellung zwar nicht vertreten ist, erwähnt. Der kleine als Hörumschalter zu bezeichnende Apparat (D. R. P. Nr. 80209) besteht im Wesentlichen aus einem nach zwei Richtungen hin aus einer Mittelstellung heraus beweglichen Doppelkeil, der zwei Gruppen von Umschaltefedern beeinflusst, welche mit den betreffenden Leitungen verbunden sind. Der Doppelkeil ist in der Mitte gelagert und kann mittels zwei oder auch mehr an den Enden des Keils angreifenden Druckknöpfen in die eine oder andere Stellung gedrückt werden, wobei er aus der zweiten Seitenstellung selbsthätig wieder in die Mittellage zurückkehrt.

Textabbildung Bd. 301, S. 78

Ein von der Firma Siemens und Halske auf der Ausstellung vorgeführter und von bekannten Constructionen abweichender Vielfachumschalter gehört zu der Klasse der wagerechten Umschalter. Die Klappen sind nicht am Tischumschalter untergebracht, sondern es ist über dem eigentlichen Umschalter ein von Säulen getragener Kasten angebracht, welcher die Klappen enthält, Entsprechend der Bedienung des Umschalters von beiden Längsseiten befinden sich auch auf beiden Seiten des Tischumschalters derartige Klappenkästen, welche ebenso lang sind wie die Tischumschalter selbst. Die Kästen sind so hoch über dem Boden angeordnet, dass unter diesen der den Umschalter bedienende Beamte stehen und von seinem Platz aus das ihm gegenüber befindliche Klappenfeld übersehen kann. Selbstverständlich müssen die den Localklinken der linken Umschalterseite entsprechenden Klappen im rechts befindlichen Klappenkasten untergebracht werden und umgekehrt. Da ein Erreichen der Klappen mit der Hand zwecks Wiederaufrichtung nicht möglich, verwendet die Firma Siemens und Halske eine neue, von ihr construirte Wechselklappe (D. R. P. Nr. 80236). Zwei Elektromagnete E1E2 (Fig. 8) sind an den unteren Polenden vereinigt und tragen einen um a drehbaren Anker A. Die Drehachse liegt unterhalb der Schwerlinie, so dass der Anker ein Uebergewicht hat. Mit diesem zwischen den Polen p1 und p2 schwingenden Anker ist ein zweiarmiger leichter Bügel durch b fest verbunden. Die Enden K1 und K2 des Bügels sind nach abwärts gebogen. Der Bügel K1 trägt die Nummeraufschrift und tritt bei Erregung des Elektromagneten E2 vor die Glasscheibe G. Bei Schluss des Theilnehmerstromkreises wird der Anker A vom Magnet E1 angezogen und der Bügel umgelegt, wo er in Folge seines Uebergewichtes verbleibt, bis er durch Stromschluss des Magneten E2 auf die andere Seite gelegt wird.

Ausser ihren Vielfachumschaltern (Fig. 1) hat die Firma Mix und Genest, Actiengesellschaft, einen der gleichfalls bei der Reichspost eingeführten und in Fig. 9 veranschaulichten Fernschränke ausgestellt.

Textabbildung Bd. 301, S. 78

Die äussere Gestaltung ähnelt den früher von Fr. Welles gelieferten Schränken, in Bezug auf die Schaltung und Einrichtung weicht jedoch der Fernschrank von Mix und Genest wesentlich ab.

Der Schrank ist für zwei Schleifen derart eingerichtet, dass derselbe im Fernverkehr als eine Zwischenstelle oder zwei Endstellen benutzt werden kann.

Ausser den Schleifenleitungen befinden sich an jedem Schrank drei Einzelanschlüsse vom Ortsvermittelungsamt, zwei der letzteren zu dem Zweck, bei Endstelle des Fernamtes zwei Ortstheilnehmer an die beiden Schleifenenden anlegen zu können und eine dritte Leitung vom Ortsvermittelungsamt für den dienstlichen Verkehr zwischen Ortsund Fernamt frei zu haben.

An Apparaten enthält der Fernschrank (vgl. Fig. 9) von oben angefangen folgende:

In der Krönung ein Dosentelephon mit Summer. Vier Sanduhren mit einer Laufzeit von 3 Minuten; für jede |79| Schleife sind zwei solcher Uhren bestimmt, für den Fall, dass ein neues Gespräch begonnen wird, bevor die erste Sanduhr vollends abgelaufen ist. Ein in der Höhe und nach der Seite verstellbares Mikrophon. Einen Rahmen mit Klinken und Klappen (Fig. 10) und zwar: Eine Schiene mit 6 Klappen, deren Deckel die Bezeichnungen A1, A2 A3, F1, D und F2 (Fig. 10) tragen. A1 bis A3 sind die Klappen vom Ortsvermittelungsamt, F1 und F2 die Klappen der Schleife bei Endstellung und D die Klappe bei Zwischenschaltung des Schrankes.

Textabbildung Bd. 301, S. 79

Dieser Klappenschiene folgt eine Klinkenschiene mit 5 Klinken – E, E, A1, A2 und A3 von denen E = Erde und A1 bis A3 Ortsklinken bedeuten.

Nun folgen 4 Klinkenschienen mit je 10 Klinken und haben diese den Zweck, mehrere Schränke parallel schalten zu können, sofern eine grössere Anzahl Fernschränke sich in einem Amte befinden. Bemerkt sei, dass eine Prüfung auf frei oder besetzt nicht stattfindet, sondern eine Benachrichtigung an den nahe sitzenden Beamten, bei der sehr selten eintretenden Benutzung fremder Schleifenleitungen, durch Zuruf erfolgt.

Die nächste Klinkenschiene enthält 8 Klinken und zwar von links 2 Klinken ab der Schleifenleitung 1 als Endstelle, eine Klinke F1 zum Einschalten der Betriebsapparate in die Schleife 1, 2 Klinken D1D2 für die durchgehende Schleifenleitung bei Einschaltung als Zwischenstelle; 2 Klinken ab und eine Klinke F2 in gleicher Weise für die Endschaltung 2. Die Bezeichnungen sind an den Klinken des Schrankes sichtbar gemacht.

Auf dem breiten Tisch, auf welchem reichlich Raum zum Notiren der Gespräche freigelassen, befinden sich die Stöpsel, Hörumschalter und Tasten (vgl. Fig. 9 und 11).

Die etwas zurückliegenden 4 Stöpsel S1, S2, SS1 und SS2 werden nur bei etwaigen Störungsfällen benutzt und sind je 2 Stöpsel durch eine Schnur zusammen verbunden. Die Stöpsel ab werden bei den Schleifenklinken a b verwendet.

Die Stöpsel JS1 bezieh. JS2 stehen mit der Uebertragung von der Schleife auf die Ortseinzelleitung (dem Inductorium) in Verbindung, während der Stöpsel S mit den Betriebsapparaten des Fernsehrankes verbunden ist.

Von den in Fig. 9 und 11 ersichtlichen Hörumschaltern dienen die äusseren beiden H1H2 zur Ein- und Ausschaltung der Doppelleitungen auf Klappe oder Taste und Sprechapparat, während die beiden inneren Hörumschalter U1U2 zur Ein- und Ausschaltung der beiden an den Schrank geführten Doppelleitungen in eine durchgebende Schleife (Schrank als Zwischenstelle) mit Einschaltung der Klappe D angeordnet sind.

Mittels der beiden äusseren T1T2 wird die eine oder andere der zwei Schleifen, mit der mittelsten Taste TA die Ortsleitung bezieh. das Ortsvermittelungsamt gerufen. Die Stöpsel, Hörumschalter und Tasten sind, wie bei dem Vielfachumschalter angegeben, durch rothe und schwarze Griffe noch besonders zu unterscheiden.

Unter der Tischplatte (Fig. 9) befindet sich ein Löffeltelephon mit Hebel zum Ein- und Ausschalten der Mikrophonbatterie. Hinter dem Schrankaufsatz sind 40 Klemmen zum Anschliessen der Leitungen, Batterien und der beiden Inductionsübertrager (System Krüger) angebracht. Ferner befindet sich daselbst die Mikrophonrolle und das Summerrelais. Letzteres, sowie das dazu gehörige Dosentelephon mit Schalltrichter ist in neuester Zeit fortgelassen. Nach meinem Dafürhalten könnte der vernickelte und mit Mechanismen zum Umklappen versehene Messingrahmen mit den Sanduhren ebenfalls fortfallen, da dieser den Fernschrank sehr vertheuert, ohne gerade sehr nöthig zu sein.

In den Fernämtern befinden sich ohnehin vorzügliche, mit grossen Minuten- und Secundenzeigern versehene Uhren, und die Beamten sind gezwungen, bei Beginn und Ende der Unterhaltung die genaue Gesprächszeit und Dauer von dieser Uhr zu entnehmen, so dass das jedesmalige Einstellen einer Sanduhr nur eine vergrösserte Arbeit bedeuten dürfte.

Textabbildung Bd. 301, S. 79

Die Schaltung der einzelnen Apparate ist folgende: Im Ortsvermittelungsamt sind die Leitungen zum Fernschrank |80| ebenso eingeschaltet wie die Theilnehmerstellen. Wenn das Ortsvermittelungsamt ruft, so fällt im Fernamt die Klappe A1, A2 oder A3, je nachdem, welche der drei Leitungen benutzt wird. Zum Sprechen wird alsdann im Fernamt der Stöpsel S in die betreffende Klinke A1 bis A3 gesteckt, und der Hebel am Fernhörer zur Einschaltung der Mikrophonbatterie gedrückt. Wenn der Beamte das Ortsvermittelungsamt rufen will, so geschieht dies in derselben Stellung durch Drücken auf die Taste TA.

Der Verkehr auf den Schleifenfernleitungen richtet sich zunächst danach, ob das Fernamt eine Zwischenstelle oder eine Endstelle ist.

Bei der Schaltung als Zwischenstelle sind die Hebel der Hörumschalter U1U2 nach vorn gezogen, wodurch die Klappe D eingeschaltet ist, welche bei dem ankommenden Ruf fällt. Werden nun die Stöpsel S1a und S1b in die Klinken D1D2 und der (Abfrage-)Stöpsel S in die Klinke F1 gesteckt, sowie der Hebel des Hörumschalters H1 nach vorn gezogen, so ist der Beamte der Zwischenstelle nach beiden Seiten zum Hören und Sprechen eingeschaltet. – Der Beamte kann hierfür ebenso auch S2a, S2b, F2 und H2 benutzen. Zum abgehenden Ruf wird in gleicher Stellung die Taste T1 bezieh. T2 gedrückt.

Soll das Amt als Endstelle geschaltet werden, so stecken dauernd die Stöpsel S1a, S1b in den Klinken 1ab und die Stöpsel S2a, S2b in den Klinken 2ab; die Hebel der Umschalter U1U2 stehen alsdann senkrecht. Kommt zu der Endstelle ein Ruf eines anderen Fernamtes, so fällt die Klappe F1 bezieh. F2. Hierauf zieht der Beamte den Hebel H nach vorn und steckt den Stöpsel S in die betreffende Klinke F. – Will er selbst ein Fernamt rufen, so benutzt er die gleiche Stellung und drückt auf die Taste T1 bezieh. T2.

Wird das Ortsvermittelungsamt bezieh. der Ortstheilnehmer eines in Zwischenschaltung befindlichen Amtes gewünscht, so schaltet der Beamte des Fernamtes den Schrank zunächst als Endstelle. Der Verkehr zwischen Ortstheilnehmern verschiedener Städte gestaltet sich demnach wie folgt:

Nachdem das Ortsvermittelungsamt, z.B. Berlin, gerufen ist, ruft dieses das Fernamt und das Fernamt schaltet sich in oben angegebener Weise ein. Nach Austausch der Wünsche zieht der Fernamtbeamte den Stöpsel S aus der Klinke A1–3 und bringt an dessen Stelle den Stöpsel JS1 oder JS2, je nachdem, ob Schleife 1 oder 2 verlangt ist. – Wie früher schon gesagt, dient der Stöpsel JS zur Einschaltung des Inductoriums.

Nun ruft der Beamte des Fernamtes Berlin z.B. das gewünschte Fernamt Cöln und dieses gibt den Ruf in oben genannter Weise an das Ortsvermittelungsamt Cöln ab, worauf auch der Beamte des Fernamtes Cöln den Stöpsel S gegen den Stöpsel JS vertauscht. Hat nun das Ortsvermittelungsamt Cöln den Theilnehmer gerufen, so können die Ortstheilnehmer in Berlin und Cöln sprechen, bei welchem Beginnen die Fernamtbeamten in Berlin und Cöln, beide zugleich, den Anfang des Gespräches notiren. Damit diese Beamten sich überzeugen können, dass das Gespräch zu Stande gekommen oder beendigt ist, stecken sie zum Mithören ihren Abfragestöpfel S in die betreffende F-Klinke ein. Der Hebel des Fernhörers wird dabei nicht gedrückt.

Nun sei noch kurz die Verbindung bei gestörten Schleifenleitungen genannt. Ist eine Leitung schadhaft, so wird die Schleife als Einzelleitung geschaltet und zu diesem Zwecke der eine Stöpsel S1a dauernd in die betreffende Fernklinke a oder b, der zweite Stöpsel S1b in die Erdklinke E gesteckt. Die übrigen Verbindungen geschehen wie bei der Schaltung als Endstelle.

Die Verbindung zwischen Fern- und Ortsleitung geschieht durch die Stöpselschnüre S1, S2 oder SS1, SS2, da nun die Uebertragung (Inductorium) fortfällt.

Die Ausführung der einzelnen Apparate des Fernschrankes ist im Wesentlichen die der Vielfachumschalter der Actiengesellschaft Mix und Genest.

In den meisten Fällen ist das Fernamt in demselben Gebäude, in welchem sich das Ortsvermittelungsamt befindet, aber in einem besondern, möglichst ruhig gelegenen Zimmer oder Saale untergebracht.

Das Fernamt ist mit den Vielfachumschaltern über den Umschalteraum durch Stanniolkabel verbunden, während die Batterien, welche der Ausdunstung und bequemeren Ueberwachung halber bei allen grösseren Aemtern in einem besonderen Batterieraum stehen, durch Guttaperchadrähte angeschlossen werden.

Ib.
Telephonapparate, Linienwähler, Umschalter, Läutewerke und Zubehöre.

Die Zahl der einfacheren Telephonapparate ist, wie wohl bei allen Ausstellungen, eine sehr grosse. Die Apparate der einzelnen Firmen unterscheiden sich meist nur durch ihre mehr oder weniger von einander abweichende Ausführung, ohne dabei wesentlich Neues aufzuweisen.

Unter den Wandstationen fallen besonders die nach dem schwedischen Modell gebauten Apparate auf. Die Tischstationen sind grossentheils für den Inductoranruf eingerichtet und, ausgenommen die Mignonstationen, mit Mikrotelephonen ausgestattet; bei den meisten Apparaten sind Kohlenkörnermikrophone verwendet. Neben Kopftelephonen spielen die Dosentelephone eine grosse Rolle, bei denen fast durchweg die Messingtheile durch Aluminium ersetzt sind.

Ausser den einfachen und bekannten Linienwählerkasten1) finden sich vielfache Combinationen von Telephonstationen mit Linienwählern, Kurbel- und Stöpselumschaltern vor.

Die vorgeführten und mit Stöpseln versehenen Centralumschalter für Fabrik- und Hausbetrieb besitzen bis auf wenige Ausnahmen keine Untergestelle; dieselben sind in Grössen von 5 bis 100 Klappen und Klinken, in Abstufungen für 5, 10, 15, 20, 25, 50 und 100 Anschlüsse vertreten.

Die verschiedenartigen Tableaux (ohne Klinken und Stöpsel), meist nur für die elektrische Haustelegraphie bestimmt, haben in ihrer Einrichtung und Gestaltung zwar einige Wandlungen erfahren, sind aber im Grossen und Ganzen dieselben wie früher geblieben.

Einen grösseren Centralumschalter führt die Firma Paul Hardegen und Co. vor. Dieser Umschalter hat äusserlich eine ähnliche Form, wie der in Fig. 9 dargestellte Fernschrank. In der oberen senkrechten Schrankfläche sind 100 Anruf klappen und an diese anschliessend 10 Schlussklappen untergebracht. Den Klappen folgen in einem anderen Felde 100 Klinken. Zur Verbindung dienen 10 auf |81| dem Tisch befindliche Stöpselpaare und ebenso viele Hörumschalter.

Ein besonderes Merkmal bietet der auf der rechten Seite des Schrankes vorgebaute in einem Kasten befindliche Inductor. Die Anordnung desselben ist recht praktisch, jedoch dürfte das Aussehen des Umschalterschrankes dadurch etwas beeinträchtigt werden. Das Mikrophon hängt wie bei den Vielfachschränken von einem Mikrophonständer frei herab. Als Empfänger wird ein Kopftelephon verwendet.

Die schöne und auch in technischer Beziehung reich ausgestattete Koje genannter Firma enthält ferner eine Tischstation, deren Deckel als Linienwählerkasten mit 12 Büchsen eingerichtet ist. Aus einer Seiten wand der Station führt die Leitungsschnur heraus, an welcher der Stöpsel angeschlossen ist. Zum Betriebe der Station werden ein Inductor und Mikrotelephon verwendet. Letzteres wird in Ruhestellung in gabelförmige Bügel, welche an der einen Längswand der Station angeschraubt sind, gelegt.

Textabbildung Bd. 301, S. 81

Bei einigen Telephonstationen sind die Mikrophone an verstellbaren Armen nach Art Nürnberger Scheren (Wandstation von Keiser und Schmidt) oder in Form einer Fahne (Tischstation von Rudolph Krüger) befestigt. An den Armen befinden sich 2 bis 3 Gelenke, so dass das Mikrophon in jede erforderliche Lage eingestellt werden kann. Aehnliche Gelenkverbindungen, durch welche jedoch Geber und Empfänger verstellt werden, weist auch das D. R. P. Nr. 87184 auf.

Bei der in Fig. 12 ersichtlichen Einrichtung ist das Gelenk 20, 21 durch Stift 24 in den unter dem Gehäuseboden befestigten Winkeln 23 gelagert und mit dem Ende eines Armes 22 drehbar verbunden.

Auf den Arm oder Stift 22 ist ein Tragarm 25 aufgeschoben, dem eine begrenzte Drehbewegung ertheilt werden kann, wogegen der Stift 26 eine Längsverschiebung verhindert. Dieser Stift ragt in einen wagerecht liegenden Einschnitt 27 am Tragarm 25.

Von letzterem steht seitlich ein Schenkel 28 ab, an dessen Ende das Mikrophon 29 befestigt ist. Das Diaphragma in diesem Sender liegt gewöhnlich rechtwinklig zur Längsachse der Arme 22 und 25 und es kann der Sender an einer Scheibe 30 befestigt werden. Durch geeignete Wahl der Länge des Schlitzes 27 sowie der Stellung des Stiftes 26 kann der Sender nach beiden Seiten des Armes 22 gedreht werden.

Wenn er gegen den das Telephon Benutzenden gedreht wird, so wird der Sender am Arm 22 bezieh. 25 erfasst. Der Arm 25 erstreckt sich mit gleichbleibender Dicke über den Stift oder Arm 22 hinaus, und in sein unteres Ende ist eine verschiebbare Hülse 31 eingesetzt, wobei die letztere auf einem Theile ihrer Länge gespalten ist und ein wenig federt, so dass sie beim Einschieben in den Arm 25 gedrückt werden muss. Hierdurch wird der Arm 31 an jedem Punkte seiner Länge festgehalten und kann beliebig verlängert und gedreht werden.

Auf dem aus dem Arm 25 vorstehenden Ende der Hülse 31 ist eine Gabel 32 zur Lagerung des um Stift 34 drehbaren Gelenkes 33 aufgesetzt. Etwa rechtwinklig zum freien Ende des Gelenkes stehend, ist an letzterem mittels Schraube 36 ein Halter 35 befestigt, durch welchen der Empfänger 37 hindurchgesteckt ist und in welchem er, wenn nöthig, in Richtung seiner Länge verschoben werden kann.

Gewöhnlich nimmt der Empfänger die aus Fig. 12 ersichtliche Stellung ein.

Benutzt man das Telephon und steht vor dem Sender, so ist der Empfänger dicht vor dem einen Ohre. Will man aus irgend einem Grunde das andere Ohr benutzen, so kann der Hörer vollständig auf die andere Seite des Armes 22 geschwungen werden, in Folge dessen auch das Mikrophon durch Reibung mitgenommen und herumgedreht wird.

Auch bei Mikrotelephonen ist die gelenkige Verbindung, wenn auch in vollständig anderer Ausführung und zu einem ganz anderen Zweck, angewendet worden. In dem in Fig. 13 dargestellten und besonders für transportable Apparate geeigneten Mikrotelephon ist durch das Scharnier C ein Aufklappen des unteren Theiles (Mikrophones) möglich, wodurch die ganze Einrichtung in ihrer räumlichen Ausdehnung reducirt und der Grifftaster g gegen zufälligen Druck im Apparatgehäuse dadurch geschützt wird, dass derselbe in die Sprechöffnung der Mikrophonmuschel hineinragt, ohne deren Schallplatte zu berühren. Die Schnureinführung befindet sich unterhalb bei o zwischen den zwei sichelförmigen Lamellen s, welche gleichzeitig die Stromzuführung nach dem Mikrophon M bilden; die Befestigung der beiden Theile s an der Mikrophonmuschel geschieht unter Verwendung von zwischengeschraubtem Isolirstoff.

Oberhalb des Scharniers C sind die beiden Lamellen s mit dem gerieften Hartgummigriff umgeben und bei l mit dem Obertheile durch isolirte Verschraubungen verbunden.

Das ausgestellte zusammenklappbare Mikrotelephon dürfte nach dem D. R. P. Nr. 85011 (Actiengesellschaft für Fernsprechpatente in Berlin) angefertigt sein.

Die Gewerbeausstellung ist bekanntlich nur für Berliner Fabrikate bestimmt und konnte in Folge dessen von auswärtigen Firmen nicht beschickt werden. Da nun gegenwärtig auch andere, wohl ganz praktische Mikrotelephon. Einrichtungen für Telephone bezieh. Telephonstationen auftauchen, so seien drei der wesentlichsten und hierher gehörigen Neuerungen, da sie noch nicht weiter bekannt sein dürften, beschrieben.

Textabbildung Bd. 301, S. 81

Die eine betrifft ein Doppelmikrophon, bei welchem die beiden Mikrophone M und M1 derart zu einem Ganzen verbunden sind, dass durch Drehung des Doppelmikrophons abwechselnd das eine und das andere eingeschaltet und benutzbar wird.

|82|

Zu dem Behufe wird die in Fig. 14 dargestellte Dreh- und Umschaltvorrichtung angewendet (D. R. P. Nr. 83173). Dieselbe besteht aus der Platte p, an welcher die beiden Mikrophone M und M1 angebracht sind, und welche um die Achse a-x drehbar ist. Die letztere ist in zwei von einander isolirten Trägern t und t1 gelagert, die gleichzeitig zur Stromleitung dienen und zu dem Zwecke Einschaltstücke c und c1 besitzen, welche in bekannter Weise in Verbindung mit der weiteren Mikrophonstromleitung gebracht werden.

Je ein Pol k und k1 der Mikrophone M und M1 ist in steter stromleitender Verbindung mit dem Träger t1, was unmittelbar durch die metallische Achse a-x erreicht wird, deren Ende a durch eine Hülse h vom anderen Träger t isolirt ist.

Textabbildung Bd. 301, S. 82

Die zwei anderen Pole des Mikrophons, welche durch die Kohlenschallplatten m bezieh. m1 gebildet werden, sind in steter metallischer Berührung mit den Metallstiften st bezieh. st1, die mit dem Mikrophongehäuse in fester Verbindung sind. Die Stromschlussfeder f kommt nun je nach der Stellung des Doppelmikrophons entweder mit dem Stifte st oder st1 in Verbindung, so dass entweder das Mikrophon M oder M1 in den Stromkreis eingeschaltet wird. Der Stromlauf ist folgender:

Ueber Schallplatte m oder m1 in den metallischen Deckel d oder d1 nach st oder st1 über Feder f, Träger t, Stromschlusstift c zu den bekannten Theilen des Mikrophonstromkreises (Inductionsspule, Batterie) über c1, t1, Achse a-x zum zweiten Pol des Mikrophons k oder k1 zurück.

Um die Drehung bequem vornehmen zu können, ist an der Achse a-x eine Kurbel oder ein Knopf K befestigt, der mit Anschlagstiften versehen ist, welche gegen den Anschlagstift i stossen und die Bewegung begrenzen.

Bei Kohlenkörnermikrophonen wird durch die Drehung und den Anschlag des Gehäuses eine Erschütterung des Kohlenpulvers herbeigeführt, was die stets gute mikrophonische Wirkung sichert.

Eine Feder f1 sichert durch Einschnappen in eine Einkerbung der Achse die jeweilige Stellung des Doppelmikrophons.

Die Firma Friedr. Heller in Nürnberg-Glaishammer hat eine Einrichtung angegeben (D. R. P. Nr. 85768), durch welche bezweckt wird, bei Telephonstationen die Mikrophonbatterien in Fortfall zu bringen, so dass bei Fernsprechapparaten, bei. welchen das Läutewerk durch Inductoren betrieben wird, überhaupt keine Batterie mehr nöthig ist.

Zu diesem Behufe findet zum Betriebe des Mikrophons ein Accumulator Verwendung, der an der Sprechstelle selbst, und zwar gleichzeitig mit dem jeweiligen An- und Abläuten, geladen wird.

Innerhalb des Telephongehäuses wird ausser dem Magnetinductor eine kleine Dynamomaschine so angeordnet, dass sie gleichzeitig mit diesem von der gemeinschaftlichen Welle aus betrieben wird.

Der hierbei in dem Inductor erzeugte Strom dient in üblicher Weise zum Betrieb des Läuteapparates, während der aus der Dynamo kommende Strom eine kleine, an geeigneter Stelle untergebrachte Accumulatorenbatterie speist.

Da letztere demnach vor und nach jedem Gespräch geladen wird, so ist bei Wahl richtiger Verhältnisse stets so viel Strom vorhanden, als unter normalen Umständen zum Betrieb des Mikrophons erforderlich ist.

Auch bei aussergewöhnlicher Inanspruchnahme kann durch länger andauerndes Kurbeln jederzeit eine ausreichende Strommenge erzeugt werden.

Damit bei der Ruhelage die Accumulatorenbatterie nicht durch die Wickelung der Dynamo kurz geschlossen werde und sich aufbrauchen kann, ist zwischen den beiden Stromerzeugern eine entweder von Hand zu betreibende oder selbständig wirkende Stromschlussvorrichtung eingeschaltet, durch welche beim Stillstand der Dynamo der Ladestromkreis unterbrochen, während des Kurbeins hingegen Stromschluss hergestellt wird.

Ob die Einrichtung sich in der Praxis bereits bewährt hat, ist mir unbekannt. Vielleicht wird ein weiterer Ausbau auf diesem Wege auch erst noch erfolgen müssen.

Durch eine andere Neuerung wird die möglichst vollkommene Ausnutzung aller, das magnetische Feld eines Telephons bildenden Kraftlinien und eine weitergehende Verminderung der magnetischen Streuung, als dies durch die blosse Annäherung der Platte an den Magnetpol erreicht werden kann, angestrebt.

Textabbildung Bd. 301, S. 82

Zu diesem Zwecke wird die Schaltplatte A (Fig. 15) mit einer oder mehreren Ausbauchungen B versehen, welche sich in ihrer Anordnung der Polform C anschliessen. Es werden hierfür in der Patentschrift Nr. 86594 mehrere Vorschläge gemacht, je nachdem, ob eine oder mehrere Spulen D, oder ob Glockenmagnete zur Verwendung kommen. Wenn der Magnetpol die Spule überragt, so wird die Ausbauchung B so angebracht, dass der Pol in ihre Höhlung tritt, letzterer also am Polende abgerundet ist.

Wesentlichere Neuerungen bei Centralumschaltern und Tableaux betreffen die zur Verwendung gelangenden Klappen. Da es in grossen Hotels, besonders des Morgens, bei regem Betriebe öfter vorkam, dass die üblichen Glockenzeichen (ein-, zwei- und dreimal Läuten) für den Kellner, das Zimmermädchen oder den Hausdiener nicht mehr unterschieden werden konnten und daher die Bedienung mangelhaft wurde, construirte die Actiengesellschaft Mix und Genest eine Tableauklappe mit drehbarer Zeichenscheibe, bei welcher entsprechend dem ein- oder mehrmaligen Klingeln Zahlen 1, 2 bezieh. 3 erscheinen.

Bei der in Fig. 16 dargestellten Klappe erfolgt nach jedesmaligem Anziehen des Ankers a eine Vierteldrehung der Scheibe b durch Auslösen der Klinke c.

Die Zurückstellung der Klappe geschieht durch eine aus dem Tableaukasten vorstehende Stange. Dieselbe stösst ähnlich wie bei den Fallklappentableaux gegen einen Hebel d der Drehklappe. Hierbei wird die Zahnstange e |83| gehoben und da diese in den Trieb f der Scheibe b eingreift, geht letztere in ihre Anfangsstellung zurück und wird daselbst von dem Haken der Klinke c bis zur neuen Auslösung festgehalten.

Die aus Fig. 17 ersichtliche Klappe ist mit einer Einrichtung zur selbsthätigen Umschaltung versehen.

Fällt in Folge des Stromdurchganges der Deckel d, so drückt der Stift e auf die Feder g, welche dadurch von dem Contact i abgehoben und an den Contact r gepresst wird. Diese Stromschlusstücke r und i mit den Muttern r1 bez. i1, zwischen welche die anzuschliessenden Leitungen gebracht werden, sind von der Grundplatte g1 isolirt, während die Feder g leitend auf der Platte g1 befestigt ist.

Textabbildung Bd. 301, S. 83

Die Klappe, welche bei verschiedenen Umschalteeinrichtungen Verwendung Fig. 16. findet, wird zweckmässig zur automatischen Um- bezieh. Einschaltung entfernt liegender Telephonstationen oder Läutewerke, besonders für die Nachtzeit verwendet, während sie am Tag zur Sichtbarmachung des Anrufes auf der Vermittelungsstelle dient. Durch einen besonders dazu construirten Umschalterkasten mit excentrischer Walze können alle an die Vermittelungsstelle angeschlossenen Stationen des Abends durch einfache Umdrehung dieser Walze von dem Centralumschalter ab und auf die automatische Umschaltung geschaltet werden.

Wird die untere Hälfte der Grundplatte g1 mit den auf dieser befestigten Theilen irg und der Stift e des Deckels d fortgelassen, so ist die Klappe die bei den Vielfachumschaltern der Actiengesellschaft Mix und Genest benutzte und bei diesen Apparaten vorstehend beschriebene Klappe. Es ist a die erwähnte Regulirschraube mit der Schraubenspindel, b der Anker mit dem Hebel und dem Höcker c zum Abdrücken des Deckels d beim Herabgehen des Ankers. (Vgl. diesen Bericht in Heft 3.)

Textabbildung Bd. 301, S. 83

Wird bei derselben Einrichtung an dem Ende m des Hebels b noch eine Contactschraube und an dem isolirten Träger n eine nach dieser Contactschraube hin gerichtete Contactfeder angebracht, so erhält man die Klappe, welche die Actiengesellschaft Mix und Genest seither bei ihren und ebenfalls im vorigen Bericht beschriebenen Fernschränken verwendet. Durch die Contactfeder und Schraube, deren Platinarmaturen in Ruhe wenig von einander abstehen, wird beim Anziehen des Ankers b ein Localstromkreis geschlossen, in welchen der Summer oder ein Läutewerk eingeschaltet ist. Die Klappe ist demnach so construirt, dass die wesentlichsten Theile derselben – als Massenartikel hergestellt – zu drei, wiederum verschiedenen Klappen verwendet werden können.

II.
Die Feuermeldeeinrichtung der Ausstellung und die Apparate zum Feuermelden.

Das ausgedehnte Ausstellungsterrain mit einer Gesammtfläche von etwa 917000 qm und die grossen, fast ausschliesslich in Holz ausgeführten Ausstellungsgebäude, von denen allein das Hauptindustriegebäude eine Fläche von etwa 50000 qm bedeckt, erforderten eine umfangreiche und möglichst vollkommene Sicherheitsanlage.

Mit der bekannten vorzüglichen Ausstattung und Schlagfertigkeit der Berliner Feuerwehr musste auch die zu schaffende Feuermeldeeinrichtung in Einklang gebracht werden, um nicht nur die Bedingungen, welche man an eine Sicherheitsanlage zu stellen berechtigt ist, zu erfüllen, sondern um auch gleich ersterer nach Möglichkeit als eine Mustereinrichtung gelten zu können.

Mit der Installation der Anlage und Lieferung der benöthigten Apparate wurde von dem Arbeitsausschuss der Gewerbeausstellung die Actiengesellschaft Mix und Genest betraut.

Machte es die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit auch erforderlich, möglichst vorhandene Constructionen bezieh. als Massenartikel herstellbare Apparattheile zu benutzen, so dürfte die ganze Einrichtung und Schaltung doch viel Neues bieten.

Die Vertheilung der auf dem Ausstellungsgelände befindlichen sieben Feuerwachen und der jeder Wache zugetheilte engere Schutzkreis ist aus dem beigefügten Plan (Fig. 18) zu ersehen.

Jede Feuerwache besitzt ein Tableau, und zwar erhielt:

1) die Haupt-(Platz-)Wache P. W. 20 Klappen,

2) die Feuerwache der Sonderausstellung Alt-Berlin,

3) die der Colonialabtheilung – und

4) die von Cairo je ein Tableau mit 5 Klappen,

5) die Spreewache, welche die nach der Spreeseite hin liegenden einzelnen Gebäude zu schützen bestimmt ist – und

6) die besondere Feuerwache für das Theater Alt-Berlin je ein Tableau mit 6 Klappen – und endlich

7) die Feuerwache für die Ausstellung „Nordpol“ ein Tableau mit 2 Klappen.

Die Tableaux enthalten für jede einmündende Leitung einen Blitzableiter, ein Galvanoskop, eine der oben bezeichneten Signalklappen mit einem Untercontact zur Einschaltung eines Alarmweckers, eine Klinke zur Einschaltung eines Sprechapparates (Mikrotelephon) und einen Stromwender für die Ruhestrombatterie. Die Signalklappe ist nach dem Modell der Reichspostverwaltung gebaut. Die Elektromagnetspulen erhielten der Ruhestrom anläge entsprechend eine feinere Wickelung, d.h. einen Widerstand von 200 Ohm. Die Klinke ist die bei Vielfachumschaltern bekannte und besteht (vgl. Fig. 19 und 22) aus der Stöpselhülse und einer Klinkenfeder mit Platinarmatur. Beim Einstecken des Stöpsels wird der Sprechapparat der Feuerwache ohne Trennung des Ruhestromkreises in die Leitung eingeschaltet.

Etwa 100 Feuermelder sind auf die einzelnen Gebäude vertheilt und weitere 25 solcher Melder an freistehenden Objecten angebracht. Von diesen Feuermeldeknöpfen, welche im Plan (Fig. 18) durch Kreise kenntlich gemacht sind, verfallen auf das Hauptindustriegebäude etwa 32, Alt-Berlin 10, das Theater 13, Cairo 20, Colonialabtheilung, Vergnügungspark und verschiedene Gebäude 25. Diese

|84|
Textabbildung Bd. 301, S. 84
|85|

Feuermeldeknöpfe sind auf starken eichenen roth lackirten Brettern montirt und leicht sichtbar.

Auf der Grundplatte befinden sich zwei Contactfedern, welche durch einen Knopf, der fest an der Glasscheibe anliegt, zusammengepresst werden (vgl. Fig. 19).

Durch Zerschlagen der Glasscheibe werden somit die Contactfedern frei und indem sie aus einander federn, wird die Ruhestromleitung geöffnet und die Klappe auf der Feuerwache ausgelöst, welche dabei ihrerseits den Localstromkreis mit dem Alarmwecker schliesst.

Die Inschrift am Feuermelder: „Glas einschlagen“ weist auf die Art des Gebrauches hin.

Mittels eines auf der Feuerwache befindlichen Schlüssels können die Melder auch ohne Zerschlagen des Glases – z.B. bei einer Revision – geöffnet werden. Die Feuermeldeknöpfe sind derart mit der Wache verbunden, dass immer eine gewisse Anzahl von auf einem bestimmten Wege bezieh. Gang befindlichen Meldern hinter einander geschaltet sind, wie dies auf dem Plane (Fig. 18) dargestellt ist. Die Melder eines solchen Weges sind im Plan mit gleichen Zahlen versehen und stellen die punktirten Linien die Leitungen dar. Der erste Feuermelder einer derartigen Reihe ist unmittelbar an das Tableau angeschlossen und der letzte der hinter einander geschalteten Meldeknöpfe an Erde gelegt.

Textabbildung Bd. 301, S. 85

Die einzelnen Leitungen sind so disponirt, dass die durch das Fallen einer Klappe bezieh. Läuten des Weckers alarmirte Feuerwehr bei Einhaltung des kürzesten Weges die betreffende Reihe der Feuermelder, von welcher die Meldung erfolgte, passiren muss.

Auf jeder Feuerwache hängt ein grosser Plan aus (Fig. 18 in verkleinertem Maasstabe), auf welchem die Feuermeldeknöpfe einer jeden Reihe mit einer bestimmten, von den anderen Reihen verschiedenen Farbe angelegt sind; die gleiche farbige Bezeichnung besitzt auch der Deckel der der betreffenden Reihe zugehörigen Tableauklappe.

Hierdurch ist der von der Feuerwehr zurückzulegende Weg nach der Brandstätte in praktischer Weise aus dem Plan ersichtlich und ein Irrthum ausgeschlossen, da, wenn beispielsweise die Klappe Grün fällt, der Weg durch die grün bezeichneten Meldeknöpfe bestimmt ist.

Der letzte und an Erde liegende Feuermelder einer jeden Reihe ist, wie aus Fig. 19 (links) hervorgeht, mit einer Klinke zur Einschaltung eines transportablen Sprechapparates versehen. Die Klinke dient zur Prüfung der Leitung. Hierzu wird der bekannte von der Firma Mix und Genest für Militärzwecke construirte Apparat verwendet, welcher aus dem Apparatkasten mit eingebauter Inductionsspule, zwei Trockenelementen und einem Mikrotelephon besteht. Der Ruhestromanlage entsprechend ist die Schaltung geändert und der Kasten mit einer anderen Taste versehen worden. An die Klemmen LE (Fig. 20) wird die Stöpselschnur mit dem Stöpsel angeschlossen. Ist der Stöpsel in die Klinke eingeführt, so ist die Leitung durch den Apparat, d.h. von Leitung L über die Klemmen L und T, die Wickelung des Telephons, die eine Contactfeder des Umschalters am Mikrotelephon, die Klemme E des Mikrotelephons, den Taster und Klemme E des Apparatkastens geschlossen. Die secundäre Wickelung der Inductionsspule liegt im Nebenschluss, der primäre Stromkreis dagegen ist bei dem Umschalter des Mikrotelephons offen.

Textabbildung Bd. 301, S. 85

Durch Drücken auf die Taste wird der secundäre Stromkreis geöffnet und die Klappe auf der Feuerwache fallen. Der dortige Wachhabende schaltet seinen Apparat (vgl. Fig. 19 und 22) ebenfalls durch Stöpseln ein und meldet sich durch Zuruf. Da der revidirende Beamte nunmehr die Taste wieder losgelassen und den Umschalterhebel am Mikrotelephon niedergedrückt hat, ist sowohl der secundäre wie der primäre Stromkreis geschlossen und das Aussprechen der Leitung bezieh. die Beantwortung des vorgenannten Feuermelder von Mix und Genest. Zurufes kann stattfinden.

Textabbildung Bd. 301, S. 85

Auf den Feuerwachen werden je zwei Leitungen von einer gemeinsamen Ruhestrombatterie, bestehend aus acht Kupfer-Zinkelementen, gespeist.

Zur Ausschliessung der durch remanenten Magnetismus möglicher Weise eintretenden Fehler ist die Instruction gegeben, dass die Batterien täglich am Morgen umgeschaltet werden. Zu diesem Zwecke sind bei den Tableaux die früher genannten Stromwender angeordnet.

Nach dieser Umschaltung der Batterien findet sogleich die vorstehend beschriebene Prüfung der Leitungen statt.

Ausser diesen normalen Einrichtungen sind noch

|86|
Textabbildung Bd. 301, S. 86
|87|

einige andere vorhanden, um besonders gefährdete Gebäude und Orte, an welchen grosse Menschenansammlungen stattfinden können, zu schützen.

So ist auf der hohen Brücke beim Nordpol ein Feuermeldeknopf angebracht, welcher statt zwei Contactfedern deren drei (vgl. Fig. 21) enthält, so dass an diesen Meldeknopf zwei Feuerwachen angeschlossen werden konnten. Der Ruhestrom geht von dem Tableau der einen Wache zur Feder L1 und von der zweiten Wache zur Feder L2 des Knopfes und liegt hier über eine lange Contactfeder E an Erde. Es ist aus Fig. 21 leicht zu entnehmen, dass nach Zerschlagen der Glasscheibe die Ruhestromleitung nach beiden Wachen geöffnet wird und dortselbst ein Alarm erfolgt.

Eine weitere besondere Einrichtung ist zum Schütze des Theaters Alt-Berlin und des daran angrenzenden Ortes Alt-Berlin geschaffen, da ein hierselbst etwa entstehendes Feuer gleich grosse Dimensionen annehmen dürfte. Die Feuerwache Alt-Berlin besitzt, wie aus Fig. 23 hervorgeht, vier Stromkreise, das Theater selbst 13 Feuermeldeknöpfe. Bei einem Feuersignal aus dem Theater wird nicht nur die Theaterfeuerwache alarmirt, sondern auch die Wache des Ortes Alt-Berlin und die Haupt-(Platz-)Wache.

In den einzelnen Meldeleitungen der Theaterwachen sind Relais eingeschaltet, deren Anker durch den, in den Feuermeldeleitungen befindlichen Ruhestrom angezogen erhalten werden. Nun geht von der Haupt-(Platz-)Wache eine besondere Leitung durch das dortige Tableau nach der Theaterwache und hier hinter einander über die Ankercontacte der vier Relais zu dem Tableau der Feuerwache des Ortes Alt-Berlin und hier zur Erde. Wird in einer der Feuermeldeleitungen des Theaters ein Alarmsignal gegeben, so fällt bei dem Tableau der Theaterwache, wie bei allen Tableaux, die Klappe und diese schliesst den Localweckerstromkreis; gleichzeitig lässt der Anker das Relais, da doch auch dieses in demselben Ruhestromkreis liegt, los und öffnet dadurch den Ruhestromkreis nach links (Fig. 23) zur Platz-(Haupt-)Wache und rechts zur Feuerwache Alt-Berlin, welche ebenfalls alarmirt werden. Die bei den Tableaux in den Ruhestromkreis eingeschalteten Galvanoskops dienen, wie ohne weiteres verständlich, zum Anzeigen, dass die Leitung Strom hat und demgemäss in Ordnung ist.

Textabbildung Bd. 301, S. 87

Zu diesen Feuermeldeeinrichtungen kommen noch die besonderen telephonischen Verbindungen der Feuerwachen. Zu diesem Zwecke ist auf der Hauptwache P. W. (Fig. 18) ein Centralumschalter aufgestellt bezieh., wie aus Fig. 22 zu ersehen, mit dem Meldetableau in constructiver Hinsicht verbunden. An diesen Umschalter sind die einzelnen Feuerwachen durch Sprechleitungen angeschlossen.

|88|

Der Centralumschalter und die Sprechapparate selbst bieten nichts Neues und bedürfen daher keiner weiteren Beschreibung.

Von den wenigen ausgestellten Feuertelegraphen sind zwei Apparate bezieh. neue Einrichtungen anzuführen. Die Firma Groos und Graf verwendet zum Melden einen geschlossenen, wie üblich roth angestrichenen Eisenkasten, dessen Thüre mittels Schlüssels bei einer Alarmirung zu öffnen ist. Aus der vertieft liegenden inneren Wand des Kastens ragt eine Kurbel hervor, welche, wie auch auf der Innenseite der Thüre vermerkt ist, dem zu meldenden Klein-, Mittel- oder Grossfeuer entsprechend, ein-, zwei- oder dreimal zu drehen ist, worauf der Telegraph der Feuerwache die der ein- oder mehrmaligen Umdrehung entsprechenden Morse-Aufzeichnungen bewerkstelligt. Neben der Kurbel befindet sich das Klinkenloch zum Einstöpseln eines Löffeltelephons, um die vom Telegraphenapparat aus dem Melder zurückgegebene Antwort an dem Knacken des Telephons vernehmen zu können. Bei einer kleineren Type des Feuermelders hat die Firma Groos und Graf dasselbe Princip zur Anwendung gebracht, jedoch ist die Kurbel desselben stets nur einmal zu drehen und erfolgt auf der Feuerwache nur ein Zeichen in Morse-Schrift. Dieser Apparat ist für kleinere Orte, in welchen die Grösse des Feuers nicht besonders zu melden ist, bestimmt. Die Actiengesellschaft Mix und Genest benutzt dagegen folgende neue Melderconstruction: Hinter einer Glasscheibe liegt, in einem Gelenk hochgelegt, ein Messingring. Nach Zerschlagen der Glasscheibe fällt der Ring aus der erstandenen Thüröffnung heraus und die Aufschrift am Melder „Glas einschlagen“„Griff ziehen“ schreibt auch dem Laien die Benutzung vor. Durch Ziehen an dem an einer Stange angelenkten Ring wird das Contactwerk ausgelöst und der Telegraphenapparat auf der Feuerwache zeichnet in Morse-Schrift in bekannter Weise die Meldung auf.

Gleichzeitig sei hier ein der Firma Gould und Co. in Berlin kürzlich patentirter Feuermelder mit ausdehnungsfähiger Grundplatte (D. R. P. Nr. 83601) kurz beschrieben. Die Neuerung betrifft diejenige Art Melder, bei welchen in Folge zweier sich verschieden schnell ausdehnender Körper nur bei schneller Temperatursteigerung sich die Stromverhältnisse ändern. Bei diesen Feuermeldern soll der sich langsam ausdehnende Körper mit seiner Armatur gleich durch die Grundplatte des Melders ersetzt werden, welche Platte an einer Stelle mit dem sich schneller ausdehnenden Körper fest verbunden ist, während an einer anderen Stelle eine Verschiebung des sich schnell ausdehnenden Körpers gegen die Grundplatte bezieh. die mit dieser zusammenhängenden Armaturstücke erfolgen kann. Die Grundplatte, welche seither aus Marmor oder ähnlichen Materialien bestand, wird demgemäss aus einem ausdehnungsfähigen Stoff hergestellt.

––––––––––––

(Fortsetzung folgt.)

Berichtigung: Auf S. 64 dieses Bandes

links,Zeile20 v. u. anstatt 77250 ist zu lesen:128750
19 „ „154500 „257500
9 „ „162000 „270000
3 „ liess:257500 + 4700 = 304500
2 „ „ 270 + 96800 = 366800
|80|

Vgl. D. p. J. 1891 279 85 und 282 180.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: