Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 121–126)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301027

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von Prof. Alfred Haussner, Brünn.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 300 S. 289.)

Mit Abbildungen.

Die Langsiebpapiermaschine.

a) Knotenfänger.

Textabbildung Bd. 301, S. 121

Von den neuerer Zeit mit Recht beliebt gewordenen und vielfach ausgeführten Knotenfängern mit saugender Bewegung (vgl. 1894 294 26 ff.) liegen auch jetzt einige Neuerungen vor. An erster Stelle sei des Plan-Knotensiebes von Rudolph Kron in Golzern (D. R. P. Nr. 75398), Fig. 1 und 2, gedacht. Die Knotenfangplatte z ist in einem Rahmen A angebracht, der sich in einem Troge B befindet und sich an den Boden desselben mit Hilfe elastischer Platten a1 anschliesst. Die gewöhnliche Sichtung ist nun die, dass der feine Stoff durch die Siebschlitze geht, sich im Troge B ausbreitet und bei dem Ueberfall b1 der Papiermaschine zuläuft, während grobe, auf dem Siebe liegen gebliebene Theile seitlich durch Kanäle a in den Seitenwänden des Rahmens A beständig abfliessen können, wodurch das Sieb ziemlich frei von Unreinigkeiten erhalten wird. Interessant ist, wie dieser grobe Stoff durch einen Theil C des Rüttelapparates abgeleitet wird. An die Seitenwände von A schliessen nämlich nach unten die Kästen C an, welche in den Ständern geführt sind und durch welche die Federn E gehen, so dass die Kästen C von diesen Federn E, die an das Gestell gehängt sind, getragen werden. Weiter nach unten, unmittelbar an die Federn E sich lehnend und auch im Gestelle geführt, befinden sich die Rahmen d3, die an geeigneten Ansätzen in erster Linie die Stösse der Schlagrädchen D auf der von einer Riemenscheibe d2 gedrehten Welle d1 empfangen, die Stösse aber, wegen des unmittelbaren Anschlusses, auf die Federn E, Kästen C, Platten a1 und den Siebkasten A übertragen. Durch elastische Körper F, deren Höhenstellung mit Hilfe der Daumen G, angreifend an die Platten f, bezieh. durch den Handhebel g geregelt werden kann, ist es möglich, die Stärke der Schüttelbewegung innerhalb gewisser Grenzen beliebig einzustellen und dadurch der Natur des zu sichtenden Stoffes anzupassen.

Ein anderer, saugend wirkender Knotenfänger ist der von Maurice M. Sloan in Philadelphia nach amerikanischem Patent Nr. 514736 (Fig. 3 und 4). Im Kasten A ist die Siebplatte B wie gewöhnlich angebracht. Das feine Material tritt nach unten durch, sammelt sich im Troge D und fliesst durch D1 zur Papiermaschine. Um den Durchgang des Stoffes zu beschleunigen, sind Kolben C vorhanden, welche mit Hilfe der geführten Stangen I durch unrunde Scheiben H und L auf der von der Riemenscheibe G umgetriebenen Welle E auf und ab bewegt werden. Dabei greifen die Scheiben H und L bezüglich an Rollen M oben und N unten. Von diesen ist M festgelagert in der unten kastenförmig ausgestalteten Verlängerung K der Stange I. N dagegen ist in dem Kästchen R eingelegt, welches nicht fest mit K verbunden, sondern gegen den Boden T von K abgefedert ist. Die abnehmbare Platte V verschliesst den Kasten K nach der einen Seite und Stellringe W hindern das seitliche Ausweichen, bezieh. Schwanken des ganzen Schüttelapparates.

Textabbildung Bd. 301, S. 121

Aehnlichkeit mit dem bereits 1894 294 28 besprochenen Knotenfang von Flanders besitzt der Knotenfang von Darwin B. Gotham in Watertown (Amerikanisches Patent Nr. 530586), ebenso wie der Knotenfang von Hall und Pearse in Dexter (Amerikanisches Patent Nr. 521409) eigentlich der Construction von Rogers 1890 277 211 entspricht, nur dass bei Hall und Pearse der elastische Boden durch Daumen in auf- und abschwingende Bewegung versetzt wird.

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Gottlieb Heerbrandt in Raguhn hat im D. R. P. Nr. 77412 einen Knotenfänger mit veränderlicher Schlitzweite angegeben, um Fällen Rechnung zu tragen, welche es wünschenswerth erscheinen lassen, für das bereits auf der Maschine laufende Papier geänderte Schlitzweite zu benutzen. Um dies zu ermöglichen, sind bewegliche Sichtstäbe so benutzt, wie es in Fig. 5 und 6 skizzirt ist. Die Sichtstäbe e werden nämlich durch Leisten a1, a2.... a12 getragen. Einerseits ist jeder Stab e in eines der Löcher d gelenkig eingelegt, welche sich in Doppelreihen auf den Schienen a2, a4 ... a12 befinden. Andererseits aber ist jeder Stab e auch gelenkig in ein Loch der Schienen f eingelegt, welche paarweise auf den Längsschienen a1, a3... a11 liegen und mit Knaggen g in die Mitnehmerstücke h (Fig. 6) eingreifen. Weil nun in den Wänden b des Knotenfangkastens sich Schrauben h befinden, welche mit Bunden i auch in die Mitnehmerstücke h greifen, so wird dann, wenn eine Schraube k gedreht wird, sich diese aus der Wand b heraus bezieh. in die Wand b hineinschrauben, dabei aber das Stück h und, wegen des früher berührten Zusammenhanges, die beweglichen Schienen f und damit das eine Ende der Siebstangen e so mitnehmen, wie es die in Fig. 5 und 6 eingezeichneten Pfeile andeuten. Dadurch wird aber die Schlitzweite, der Abstand der Stäbe e von einander geändert, und zwar kann dies, wie nun leicht zu entnehmen ist, ohne weiteres während des Betriebes, ohne denselben unterbrechen zu müssen, geschehen. Damit nicht unversehens die Siebstäbe e herausspringen, sind Decklineale l vorhanden.

Textabbildung Bd. 301, S. 122

Möglichst bequemes Reinigen der Knoten fangplatten von darauf befindlichen groben Theilen, Katzen u. dgl., wird durch zwei neue Constructionen zu erreichen getrachtet. Der Plan-Knotenfang von Gustav Hoffsümmer in Düren nach D. R. P. Nr. 81171 ist kreisförmig angeordnet. Die Siebplatten A1 bis A6 bilden, Fig. 7 und 8, Sectoren eines Kreises um den gemeinsamen Zuflussraum B. Die Knotenfangplatten sind mittels Bügel T an eine cylindrisch gekrümmte Schiene C gehängt, welche ihrerseits durch vier Säulen D getragen wird, welche auf Querbalken E ruhen. E aber und deshalb auch die nach dem Früheren mit ihnen zusammenhängenden Knotenfangplatten A werden gerüttelt vom Schlagrade G aus durch den Hebel H, wobei die lothrechte Bewegung durch Führungsstangen F erzwungen wird. Während dies aber ebenso oder ähnlich schliesslich auch bei anderen Knotenfängern ausgeführt werden könnte, haben wir hier noch eine besondere Einrichtung, um nach Bedarf jede der Platten A ausschalten und auch reinigen zu können, ohne dass die Arbeit der übrigen Sectoren unterbrochen oder die Consistenz des 'auflaufenden Stoffes durch allfällig angewendetes Spritzwasser verändert wird. In dem Troge K nämlich, aus welchem beim Ueberfalle I der Stoff zur Maschine fliesst, befindet sich eine mit einem der Sectoren A correspondirende Abtheilung, jedoch nicht fest mit K verbunden, sondern durch Schrauben in der Höhenrichtung einstellbar. Soll nun irgend eine der Abtheilungen A gereinigt werden, so wird dieselbe vorerst mittels eines Schiebers von dem Raum B abgesperrt und dann über die früher erwähnte, in K stellbar angebrachte Kammer gedreht. Hebt man dann diese Kammer mit ihren Stellschrauben empor, so dass ihre mit Kautschuk verkleideten Ränder sich unterhalb der zu reinigenden Knotenfangplatte anpressen, so kann offenbar, unbeschadet der Arbeit der übrigen Sectoren, der eine Sector beliebig gereinigt werden.

Textabbildung Bd. 301, S. 122

Andere Knotenfänger werden bekanntlich in irgend einer Pause der Papierbereitung durch Spritzwasser gereinigt, welches von oben in kräftigem Strahle auf die Knotenfangplatte geleitet wird und den grössten Theil der Unreinigkeiten wohl abschwemmt, aber doch auch einzelne gröbere Theilchen in Schlitze presst und dadurch nicht bloss die Sichtöffnungen zeitweise vermindern, sondern auch Anlass werden kann, dass solche Theilchen bei weiterer Verwendung des Knotenfängers doch endlich durchgehen und möglicherweise empfindliche Schönheitsfehler des Papieres verursachen. Es hat deshalb etwas für sich, wenn E. A. Richardson in Cumberland nach amerikanischem Patent Nr. 529193 Spritzrohre F mit gegen oben gerichteten Oeffnungen f (Fig. 9) unterhalb der in üblicher Weise im Rahmen B angebrachten Siebplatten D benutzt. Natürlich kann dieser Knotenfang nur dann ausgespritzt werden, wenn derselbe gerade nicht verwendet wird. Ob der Knoten fang durch aus den Röhren F allem kommendes Spritzwasser von allen auf der Platte D befindlichen Unreinigkeiten wird gereinigt werden können, bleibt allerdings fraglich.

Textabbildung Bd. 301, S. 122

Bei dem rotirenden Knotenfänger (und Zellstoffsichter) von Director Hermann Brüngger in Josefihütte sind die Platten leicht abnehmbar gemacht und wird dadurch eine rasche Reinigung bei allerdings nicht zu vermeidender Betriebsunterbrechung |123| ermöglicht. Im Uebrigen ähnelt dieser Knotenfänger dem in 1894 292 173 beschriebenen Sortirapparat von Nebrich.

Christian Wandel in Reutlingen schlägt im D. R. P. Nr. 82190 für seine rotirenden Knotenfänger (vgl. 1894 294 26) einen Antrieb der Sichttrommel vor, um dieselbe ganz unbeschadet der Rüttelung langsam drehen zu können.

Textabbildung Bd. 301, S. 123

In Fig. 10 ist das Antriebsrad an seiner Stirnfläche mit einer Verzahnung g versehen, in welche unten der Wurm e greift, der von der Welle w aus durch die Kegelräder dd1 gedreht werden kann. Ein Blick auf die Figur zeigt, dass es ohne Anstand möglich ist, die im Hebel h gelagerte Siebtrommel so geringfügig zu rütteln, wie es für solche Zwecke üblich ist.

Textabbildung Bd. 301, S. 123

Schon früher wurde darauf hingewiesen, wie unangenehm unter Umständen die „Katzen“ werden können, die sich unterhalb des Knotenfängers in Folge seiner Rüttelung nicht selten bilden. Um diese von dem Langsiebe fernzuhalten, macht Charles L. Hamilton in Philadelphia im amerikanischen Patent Nr. 527281 den Vorschlag, zwischen Knotenfänger und Langsieb eine kleine Stoffmühle einzuschalten (Fig. 11). Vom Knotenfänger A irgend eines Systems fliesst der Stoff durch Rohr b in die Stoffmühle B und aus dieser durch b2 in das lange Vertheilungsrohr E, welches durch viele Röhrchen e den Stoff, welcher nun katzenfrei ist, weil die Stoffmühle B dieselben aufgelöst hat, dem Mischkasten F überliefert, aus welchem der Stoff dem Metalltuche der Papiermaschine zugeht.

b) Das Metalltuch.

Immer grösser werdende Geschwindigkeit und Breite des Metalltuches charakterisiren die neuere Arbeitsweise der Papiermaschine. Insbesondere England und Nordamerika leisten darin das Aeusserste. So finden wir eine 150 engl. Zoll breite Papiermaschine bei der Clyde Paper Company in Glasgow, von Bertrams Limited gebaut. Die Maschine soll mit 260 Fuss engl. normal in der Minute laufen. Wenn dies auch vorläufig die grösste Maschine ist, so existiren doch einige andere, welche an die Grössen-Verhältnisse der Genannten heranreichen. So machte eine 136 engl. Zoll breite Maschine der Niagara-Falls Paper Company in 24 Stunden 25 t Papier.

Interessant ist die Einrichtung, welche T. H. Savery, der Vicepräsident der berühmten amerikanischen Papiermaschinenfabrik The Pusey and Jones Co. in Wilmington, bei Papiermaschinen ausführt, um die Papierbahn auf so rasch laufenden Maschinen ohne allzuviel Ausschuss zu erzeugen. Savery schaltet nämlich ein leicht ausrückbares Vorgelege ein, welches ermöglicht, anfänglich, wenn die Papierbahn aufzulaufen beginnt, verhältnissmässig langsam zu arbeiten und dann, wenn alles in Ordnung ist, die Maschine rasch, d.h. sogar mit 400 Fuss engl. in der Minute oder sogar noch mehr laufen zu lassen. Die bisher üblichen Geschwindigkeiten, insbesondere in Europa, lassen ein solches Vorgehen kaum möglich erscheinen. Und doch wurden auf einer solchen Maschine in 34 auf einander folgenden Stunden 58000 englische Pfund Zeitungsdruckpapier erzeugt, wobei das Papier in der genannten Zeit nur zweimal riss.

Solche bedeutende Arbeitsgeschwindigkeiten bedingen aber gut eingearbeitete Maschinenwärter und schliesslich auch gewisse Vorkehrungen, um unangenehmen Erscheinungen zu begegnen, welche in Folge der grossen Metalltuchgeschwindigkeit nothwendigerweise eintreten. So geschieht es, dass die Registerwälzchen, welche das Metalltuch stützen, das auf sie gefallene Siebwasser fassen und nach allen Seiten, also auch nach oben gegen das Metalltuch abschleudern und dadurch die sich bildende Papierbahn schädigen. Dem sucht Thomas H. Savery in Wilmington nach amerikanischem Patent Nr. 541336 dadurch vorzubeugen, dass er unterhalb des Langsiebes zwischen je zwei Registerwälzchen unmittelbar unter dem Siebe Schutzbleche anbringt, welche das Herantreten des von den Registerwälzchen abgeschleuderten Siebwassers und damit das allfällige Beschädigen der nachgiebigen Papierbahn verhindern.

Nach dem D. R. P. Nr. 83020 von Ferd. Andres in Düren wird das Ansteigen des Metalltuches gegen die Gautschpresse hin empfohlen, und zwar veränderlich, den verschiedenen Papiergattungen angepasst. Bezweckt wird dadurch, dass der Stoff nicht so energisch unterhalb der Schaumlatten hervortritt und dadurch den Stoff, welcher sich in der Nähe der Schaumlatten bereits zum Papierblatte auf dem Siebe zu bilden begonnen hat, wieder aufwühlt. Es sind von Andres Vorkehrungen getroffen, um die Neigung des Siebes den jeweiligen Verhältnissen anzupassen, und zwar dadurch, dass die Siebständer nicht so ohne weiteres an ihrem unteren Ende gelenkig an eine feste Unterlage angeschlossen sind, sondern mittels Kugelzapfen sich auf Keilstücke stützen, welche innerhalb bestimmter Grenzen eingestellt werden können und mit ihnen das Metalltuch.

Textabbildung Bd. 301, S. 123

Für sein eigenthümliches Metalltuch (vgl. 1892 286 28) hat Paul Tourasse in Bridoire nach D. R. P. Nr. 77147 eine Abänderung angegeben, um das Sacken eines solchen Metalltuches zu verhindern. Es werden (Fig. 12) an jenen Stellen, wo Gewebeelemente a sich in einander winden, geradlinige Versteifungsdrähte b eingezogen, welche das Tuch in der Breitenrichtung erheblich versteifen, ohne doch die Schmiegsamkeit in der Längsrichtung zu beeinflussen.

Es ist schliesslich bei den gewöhnlichen Verfahren natürlich, wenn man für eine gewisse Siebfeinheit und Stoffqualität nur eine gewisse, nicht innerhalb weiter Grenzen veränderliche Dicke der Papierbahn gut erzielen konnte. Es ist eben nothwendig, dass die Siebmaschen genügend gross sind, um so viel Wasser aus dem Stoffe abfliessen zu lassen, damit überhaupt noch vor der Gautsche |124| genügender Zusammenhang in der Papierbahn auf dem Langsiebe entstehe. Für merklich verschiedene Stoffqualitäten und Papierdicken müssten dementsprechend immer neue Siebe aufgezogen werden, was aber erfahrungsgemäss viel Umstände, Zeitverlust u. dgl. verursacht, auch dem Siebe keineswegs zum Vortheile gereicht.

Textabbildung Bd. 301, S. 124

Beachtenswerth ist deshalb der Vorschlag von Karl Eichhorn in Lomnitz D. R. P. Nr. 73380. Das Langsieb S (Fig. 13) geht wie gewöhnlich über Brustwalze B, Saugkästen D1 bis D3, weiter durch die Gautsche A und wird dessen Spannung geregelt durch Walzen CC1, von denen insbesondere C1 lothrecht verstellbar sind, so dass das Sieb leicht aus der voll in die gestrichelt gezeichnete Lage gebracht werden kann. Soll nun ein Papier, welches nach den bisherigen Erfahrungen gerade gut auf dem benutzten Siebe erzeugt werden kann, auf diesem hergestellt werden, so befindet sich das Sieb in der gestrichelt gezeichneten Lage, wobei insbesondere auch darauf aufmerksam gemacht sei, dass dabei der Saugkasten D1 und zwischen D1D2 die Vordruck walze G wie gewöhnlich benutzt werden. Walze E ist dabei tiefgestellt, F ganz entfernt zu denken. Soll nun aber ein wesentlich dickeres Papier als wie gewöhnlich auf S erzeugt werden, so hat man eben zu beachten, dass durch das Sieb nicht so ohne weiteres genügend Wasser entfernt werden kann, wie es insbesondere dafür nothwendig wäre, dass die Bahn in der Gautschpresse A nicht zerdrückt werde. Dem begegnet Eichhorn dadurch, dass er die noch weiche Bahn vorgautscht durch die bereits erwähnte Vordruckwalze G. Um jedoch durch diese den beabsichtigten Zweck zu erreichen, wird das Metalltuch so abgelenkt, dass es die Vordruckwalze G auf einen gewissen, nicht grossen Bogen umspannt. Hierfür werden die Walzen C1 hochgestellt, in die vollgezeichnete Lage, wodurch natürlicherweise das Sieb schlaff, aber auch ermöglicht wird, die Walze E hochzustellen und F nach Entfernung des Saugkastens D1 einzulegen, und der Zweck, G auf einen gewissen Bogen zu umspannen, erreicht wird. Dadurch ist nun thatsächlich Gelegenheit gegeben, dass die feuchte Bahn von G einigermaassen entwässert werde, und es ist glaublich, dass Eichhorn bei seinen Versuchen unverdrücktes Papier mit vorzüglicher Durchsicht erzielt hat.

Aber nicht bloss einfaches Papier, sondern auch doppellagige und zweifarbige Papiere und Cartons will Eichhorn mit derselben Einrichtung erzeugen. Er fügt nur den Stoffauflaufkasten H über der Vordruckwalze G hinzu und lässt aus H für die zweite Lage einen dünnen Stoffstrom auf die Vordruck walze laufen, welche dann offenbar das Rundsieb einer mit der Langsiebpapiermaschine vereinigten Cylinderpapiermaschine darstellt. Der Stoff, welcher auf G sich absetzt, wird dann unten mit der auf S gebildeten Bahn vereinigt.

Ebenfalls die Vereinigung zweier Stoffpartien wird auf einem Metalltuche in der Construction von George Planta Barnes in London nach amerikanischem Patent Nr. 507643 erstrebt. Nur liegt bei Barnes das Sieb stark geneigt gegen die Wagerechte (vgl. unten Fig. 16), und der Stoff fliesst dem Siebe durch die Seitenöffnungen von entsprechend angeordneten Stoffbehältern zu. Bevor nicht nähere Angaben über die gute Wirkung dieses etwas abenteuerlichen Systemes vorliegen, ist wohl der Zweifel in die günstige Wirksamkeit desselben gerechtfertigt.

Textabbildung Bd. 301, S. 124

Eine gute Idee finden wir bei der Walzenconstruction für Langsiebe (D. R. P. Nr. 76319) von H. Füllner in Warmbrunn verkörpert. Die Walzen, seien es Registerwälzchen oder z.B. die Brustwalze, werden (Fig. 14) aus einem eisernen Rohr a mit Gummiüberzug b hergestellt und in geeigneter Weise, wie es etwa bei c angedeutet ist, mit den Achsstammeln verbunden. Man erreicht dadurch mannigfache Vortheile, vor allem können die Walzen wesentlich billiger hergestellt werden, als die theueren Kupferwalzen; weiters darf man aber wegen des Gummiüberzuges eher hoffen, dass die Walzen durch das Langsieb in Folge der Reibung drehend mitgenommen werden, viel eher als wie kupferne Registerwälzchen, welche bald an der Umfläche so glatt werden, dass die Umfangsreibung nicht mehr ausreicht, die Wälzchen drehend mitzunehmen; das Metalltuch gleitet an der Umfläche, wodurch begreiflicher Weise Abnutzung des theueren Metalltuches eintreten muss. Die Füllner'schen Walzen mit Gummiüberzug, welche nach dem eben Gesagten wesentlich zur Schonung des Siebes beitragen, können im Uebrigen ganz wie die sonst üblichen Walzen eingelegt, und kann das Sieb ganz leicht gespannt werden, weil eine hinreichend grosse Berührung zwischen den Registerwalzen und dem Metalltuche stattfindet, um die Mitnahme sämmtlicher Wälzchen zu gewährleisten.

c) Sauger.

Textabbildung Bd. 301, S. 124

In dem Berichte (1894 294 32) wurde darauf hingewiesen, wie vortheilhaft es sei, wenn die merkliche gleitende Reibung vermieden werden könne, welche das Metalltuch bei dem Darüberstreifen über die Sauger erfahre, weil es vom äusseren Luftdrucke an die Oberfläche des Saugers kräftig angedrückt werde. Von diesem Gedanken ist auch nach D. R. P. Nr. 76915 die Construction von Henry Fairbanks in Saint Johnsburg geleitet. Es wird (Fig. 15) ein das Metalltuch G stützendes Sieb T in das Innere des Saugkastens S gelegt und mit derselben Geschwindigkeit angetrieben, welche das Papiersieb G erhält. Hierzu befinden |125| sich an dem Tuche T halbrunde Stäbe V, welche durch Gliederketten U verbunden sind. Weil nun die Stäbe V sich zu geeigneter Zeit in entsprechende Vertiefungen der Scheiben R einlegen, so wird dann, wenn eine dieser Scheiben R gedreht wird, das ganze endlose Tuch T mitgenommen. Die Drehung der einen Walze R wird aber dadurch bewirkt, dass die Achse derselben, mittels Stopfbüchsen abgedichtet, durch die Seitenwandungen der Saugwanne tritt, und einerseits eine Riemenscheibe aufgesetzt erhält, welche von einer nahe gleich grossen, auf der Achse der Walze C sitzenden Scheibe mittels offenen Riemens R1 angetrieben wird. Ueber die Walze C läuft aber das Metalltuch, so dass thatsächlich Metalltuch G und Unterstützungssieb T gleich grosse fortschreitende Geschwindigkeit erhalten, wodurch gleitende Reibung zwischen G und T ausgeschlossen ist. Weil aber die Gefahr besteht, dass durch den äusseren Luftdruck die Siebe durchgedrückt werden, wenn mittels Pumpe Z, verbunden durch das Rohr Y mit dem Saugkasten, wirklich abgesaugt wird, so stützen sich die Stäbe V, während sie oben geradlinig fortschreiten, auf Schienen X im Innern der Wanne.

Viel Aehnlichkeit mit dem Principe und auch in der Ausführung des 1894 294 32 beschriebenen Saugers von Fischer und Liska besitzt die Saugwalze von J. W. und J. G. Bedale in Erie nach amerikanischem Patent Nr. 524 299. Nur haben wir hier den eigentlich saugenden Theil, den Stellvertreter des Saugkastens in der gewöhnlichen Anordnung nicht als vollkommene Walze ausgebildet, wie bei Fischer und Liska, sondern es ist bei Bedale ein im Querschnitt sectorartiger Körper angewendet.

Textabbildung Bd. 301, S. 125

In eigenthümlicher Weise wird in einer Construction von George Planta Barnes in London nach D. R. P. Nr. 75256 die Wirkung der Saugkästen benutzt, um echte Wasserzeichen auf dem Langsiebe zu erzeugen. In Fig. 16 ist a das Metalltuch, welches von den Walzen b geführt wird und die Gautschpresse c passirt. a steigt nun von Walze b1 gegen b2 schief aufwärts und kommt dabei vorerst an dem mit einem Rührer versehenen Stoffbehälter d vorüber, welcher von dem Stoffkasten e gespeist wird. Es setzt sich nun der aus d fliessende Stoff auf dem Siebe fest, was durch den Sauger f befördert wird. Die Stoffbahn steigt weiter aufwärts und gelangt bald an einer Walze h1 vorüber, wo sich ein zweites, sehr feines, endloses Metalltuch g, geführt über Walzen h1 bis h5, anschliesst, so dass zwischen den Walzen h1 und h2 die unten bei d gebildete Stoffbahn zwischen Tuch a und g zu liegen kommt. Nun besitzt aber g nach bestimmten Mustern hergestellte Durchbrechungen. In Folge dessen kann sich dann, wenn beide Siebe sammt der zwischen ihnen eingeschlossenen Stoffbahn vor dem zweiten Stoffkasten j mit Sauger l vorüber bewegen, hauptsächlich nur dort Stoff auf die bereits gebildete Papierbahn absetzen, wo eben Durchbrechungen in g vorhanden sind. Dadurch entsteht eine Musterung auf der Papierbahn, weil stellenweise die Papierbahn durch aus j zugeflossenen Stoff verstärkt worden ist. Die Papierbahn, welche bei m neuerlich einen Sauger, bei c die Gautschpresse und weiterhin all die übrigen zur Fertigstellung nothwendigen Apparate passirt, wird dann in der Durchsicht offenbar ein ganz ähnliches Bild bieten, wie Papier mit echten Wasserzeichen, welche ja dadurch hergestellt werden, dass die Vordruckwalze in der noch feuchten Papierbahn stellenweise die Fasern verschiebt und so dünnere und dickere Stellen im Papier erzeugt. Nur mag das Bedenken nicht verhehlt werden, dass bei dem Arbeitsvorgange bei Barnes die Wasserzeichen vielleicht nicht so zuverlässig folgen werden, wie bei der alterprobten Vordruckwalze.

d) Stoffänger.

Textabbildung Bd. 301, S. 125

Nicht unbedeutende Mengen von Stoff verlieren sich mit dem Abwasser vom Siebe, ohne dass man dagegen gerade viel thun könnte, als eben den Stoff in einem Stofffänger wieder aufzufangen und dann neuerlich zu verwenden. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, stellen sich die Stoffänger als Notwendigkeit dar. Schade nur ist es, dass manchen Orts die Anwesenheit der Stoffänger von den Maschinenführern dazu benutzt wird, um recht fahrlässig bei dem Abspritzen der von den Deckelriemen nur ungleichmässig gebildeten Ränder der Papierbahn zu verfahren. Es ist ja richtig, dass auch dieser Stoff im Stoffänger wieder aufgefangen wird, aber es sollte nicht vergessen werden, dass der Stoff aus dem Stoffänger immer nur als minderwerthig gegenüber dem gerade auf dem Sieb auflaufenden Stoffe anzusehen ist.

Von den neueren Constructionen von Stoffängern verdient der von Eugen Füllner in Warmbrunn (D. R. P. Nr. 73130 vor allem Beachtung. Er besitzt in der Praxis viele Freunde. Der Stoff soll sich (Fig. 17) in dem Konus a absetzen, welcher mit Hilfe von Pratzen b von Säulen c getragen wird. Auf den Konus a setzt sich oben der Cylinder d, um den sich ein Kanal e legt, der durch Oeffnungen f mit dem Cylinder d, also auch mit a communicirt. Nun wird in den Kanal e mittels des Rohres t das Abwasser zugeleitet, welches vermöge der aus der Figur ersichtlichen Verhältnisse im Stoffänger in wesentlich |126| grössere Querschnitte als vorher kommt, wodurch also den im Wasser schwebenden und nicht besonders hohes specifisches Gewicht besitzenden Fäserchen Gelegenheit gegeben ist, sich allmählich abzusetzen. Damit aber der Strom gegen die tiefste Stelle des Konus a geleitet werde, von wo die abgesetzten Theile zu entfernen sind, finden wir eine konische Wand g angebracht, welche dem durch f eintretenden Strome die erwähnte Richtung schief nach abwärts anweist. Während nun die unten abgesetzten Theilchen durch Rohr n mittels des im Behälter herrschenden Wasserdruckes in den höher oder tiefer einstellbaren Auslauf gedrückt und nach Eröffnung des Ventiles s nach Belieben entleert werden können oder aber durch Rohr v der Behälter ganz entfernt werden kann, zieht ununterbrochen während des regelmässigen Betriebes das bereits ziemlich gereinigte Wasser nach oben gegen das Sieb u ab, an dessen unterer Fläche wieder Theilchen zurückgehalten werden, welche sich zu Flocken formen und zeitweise nach unten fallen. Hauptsächlich nur mehr reines Wasser tritt dann auf die Oberseite von u und strömt dann über die Ringkante d1 in den Seitenkanal l, welcher mit einem dichten Belag h auf Stegen i versehen ist. Aus Kanal l fliesst das so gereinigte Abwasser durch m fort.

Textabbildung Bd. 301, S. 126

Eine ziemlich weitgehende Trennung der durch das Abwasser mitgeführten Theilchen mit entsprechender Wiederverwendung derselben wird in dem Stofffänger beabsichtigt, welcher von dem Erfinder Otto Schmidt in Brohl a. Rhein (D. R. P. Nr. 72037) als Papierstoffwassersortirer bezeichnet wird. Durch eine Pumpe wird das Abwasser in Rohr I (Fig. 18) in den hochstehenden Behälter A gedrückt. In A befinden sich mehrere Zwischenwände a, welche das eingepumpte Wasser umfliessen soll. Jedenfalls ist aber durch die Anwesenheit dieser Wände a ein Hinderniss für die Strömung geschaffen, so dass immerhin erwartet werden kann, dass Oel, Fette, Schaum u. dgl. in A zurückgehalten werden. Das solcher Art bereits etwas gereinigte Wasser fliesst durch Rohr II dem tiefstehenden Behälter B zu, in dem auch wieder durch Zwischenwände b Bewegungshindernisse geschaffen sind. Deshalb und vermöge der Gestaltung der Wanne B werden in B fast alle im Abwasser suspendirten Theilchen zurückgehalten. Zuerst sinken die specifisch schweren Theilchen nieder, auf diese legt sich der grösste Theil der mitgenommenen Fäserchen, so dass durch Rohr IV vom Boden des Gefässes B weg diese Theilchen wieder der Stoffbütte zugeleitet werden können, aus welcher gerade das auf der Papiermaschine laufende Papier gearbeitet wird. Das dagegen in B mehr an der Oberfläche befindliche und von den specifisch schwereren sowohl als auch den specifisch leichteren Papierstofftheilchen befreite Wasser wird in Rohr III hochgedrückt, weil eben das Gefäss A so hoch gelegt wird, dass genügender Ueberdruck vorhanden ist. Die Rohre III führen nun das halbwegs gereinigte Abwasser in ein einfaches Bassin C oder besser in ein Doppelbassin C1C2. In C1 vermindert sich schon die Geschwindigkeit so weit, dass ziemlich bestimmt das Absetzen des letzten Restes des Fasermateriales erwartet werden kann und nach C2 durch Rohr D nur mehr Leimstoff enthaltendes Wasser übergeführt wird. Das Wasser aus C1 kann dann am besten zum Füllen der Stoffmühlen, das Wasser aus C2 beim Leeren der Stoffmühlen, allenfalls für die Saugkästen verwendet werden. Alles in allem ist dieser Apparat ganz hübsch ausgedacht; einfacher und praktischer ist wohl der eben zuvor erwähnte Stoffänger von Füllner.

(Fortsetzung folgt.)

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