Titel: Experimentelle Untersuchung über Treibriemenverbindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 137–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301030

Experimentelle Untersuchung über Treibriemenverbindungen.

Von Walter Flint. M. E.

Mit Abbildungen.

Der Zweck dieser Untersuchung ist, möglichst genau festzustellen, welche von den gebräuchlichsten Treibriemenverbindungen die dauerhafteste sei, wobei die Abnutzung der Riemen ausser Betracht gelassen ist. Zugleich soll die Frage entschieden werden, ob runde, ausgestanzte Löcher oder schmale mit einer Ahle geschlitzte vorzuziehen sind. Viele Fachmänner behaupten, dass die letztgenannte Sorte Löcher bei weitem vorzuziehen sei, weil durch das blosse Einschneiden mit der Ahle kein Leder ausgeschnitten werde. Während nun gewichtige Gründe existiren, um die Richtigkeit dieser Behauptung in Zweifel zu ziehen, so ist doch bis jetzt ihre Hinfälligkeit noch nicht bewiesen worden.

Für jeden der folgenden Versuche wurde ein 4zölliger Treibriemen verwendet, dessen Enden in ihrer ganzen Breite mit einem ¼zölligen, vor Ingebrauchnahme gut gedehnten „Nähriemen“ verbunden wurden. Fünf Löcher wurden ¾Zoll von jedem Ende aus dem Treibriemen gestanzt, wenn nur eine Reihe Löcher benöthigt war; war eine zweite Reihe von Löchern nöthig, so wurde diese 1½ Zoll von jedem Ende ausgestanzt. Die ausgestanzten Löcher hatten 3/16 Zoll Durchmesser, nahmen mithin 15/10 Zoll von der Breite des Treibriemens in Anspruch. Da der zu den Versuchen verwendete Riemen 4 Zoll breit war, so war dort, wo die Reihe Löcher ausgestanzt war, ungefähr 76 Proc. Leder stehen geblieben. Werden aber die Löcher mit einer Ahle eingeschnitten, so ist theoretisch wenigstens der Querschnitt an Leder überall gleich.

Während des Versuchs wurde der Treibriemen im „Zerreissapparat“ mittels Haken so gehalten, dass er sich nach Belieben auf der einen oder anderen Seite mehr ausdehnen konnte. Genau genommen entspricht dieses nicht den wirklichen Verhältnissen, da ein Riemen auf einer Riemenscheibe dieses nicht thun kann. Aber in Anbetracht der nur sehr geringen Länge der verwendeten Riemen glaubte Verfasser, dass es am besten sei, die Versuche in dieser Weise anzustellen.

Fig. 1 und 1a. Die Art und Weise der Verbindung kann deutlich aus Fig. 1 ersehen werden, während Fig. 1a zeigt, wo das Zerreissen geschah. Der Treibriemen selbst war intact geblieben. Der zur Verbindung benutzte Nähriemen zerriss zuerst in der Mitte und dann an den Seiten. Das Zerreissen erfolgte bei einer Spannung von 1150 Pfund (engl.).

Da ein Treibriemen von dem Querschnitt, wie er nach Abzug der ausgestanzten Löcher bleibt, eine Spannung von ungefähr 2065 Pfund aushalten soll, so erscheint es offenbar zweckmässig mehr Nähriemen zur Verbindung zu verwenden.

Fig. 2. Die Art und Weise ist dieselbe wie in Fig. 1, nur mit dem Unterschiede, dass hier die Löcher mit einer Ahle geschnitten waren. Verfasser hat von einer Abbildung des Treibriemens vor dem Zerreissen absehen zu können geglaubt. Wie Fig. 2 zeigt, waren mehrere der eingeschnittenen Löcher mehr oder weniger eingerissen. Der Nähriemen riss erst, nachdem der Treibriemen auf der unteren Seite zerrissen war. Das Zerreissen trat bei 790 Pfund ein, und die Art und Weise desselben zeigt, dass es mehr durch die Form der Löcher, als durch die Schwäche des Treibriemens bedingt war.

Fig. 3 und 3a. Dieselbe Anzahl Löcher und ausgestanzt wie in Nr. 1, aber doppelt verschnürt, wie man aus Fig. 3 ersieht. Fig. 3a zeigt das Zerreissen bei c. Der Nähriemen war nicht gerissen. Angewandte Spannung 1460 Pfund.

Textabbildung Bd. 301, S. 137

Fig. 4. Dieselbe Art und Weise wie in Fig. 2, aber doppelt verschnürt, wie in Fig. 3. Angewandte Spannung 1335 Pfund. Der Nähriemen zerschnitt die Löcher. Grund: Mangelhafte Form der Löcher. Der Nähriemen war intact geblieben.

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Diese Versuche scheinen zu beweisen, dass Löcher, welche mit einer Ahle gemacht worden sind, den mit einem Locheisen gemachten an Leistungsfähigkeit bedeutend nachstehen.

Fig. 5 und 5a. Dieser Versuch wurde mit metallenen „Riemenschlössern“ gemacht. Da diese Riemenschlösser von Stift zu Stift um 1 Zoll abstanden, so mussten die Löcher ½ Zoll von jedem Ende des Riemens entfernt gemacht werden. Fig. 5a zeigt das Zerreissen der Verbindung.

Angewandte Spannung 725 Pfund. Zwei Stifte zerbrachen, einer bog sich gerade, einer riss den Rand des Treibriemens durch und einer blieb intact.

Dieses Ergebniss zeigt schlechte Leistung sowohl des Treibriemens als auch der Riemenschlösser.

Fig. 6 und 6a. Dieselbe Art und Weise wie in Fig. 5, mit dem Unterschiede, dass hinter bezieh. vor der ersten Reihe von 5 Löchern in deren Zwischenräumen eine zweite Reihe von je 4 Löchern gemacht wurde, durch welche gleichfalls Riemenschlösser gesteckt wurden. Fig. 6a zeigt das Zerreissen, welches bei 1480 Pfund Spannung eintrat. Sowohl Treibriemen als Riemenschloss zerrissen.

Fig. 7 und 7a. Fig. 7 zeigt die Art und Weise der Verschnürung. Die Löcher waren gestanzt. Fig. 7a zeigt das Zerreissen, welches bei 1510 Pfund eintrat. Der Nähriemen zerriss an einer Stelle, während der Treibriemen beinahe in seiner ganzen Breite zerriss.

Fig. 8 und 8a. Diese ist unter dem Namen „Stiefelschaft“-Verschnürung (boot-leg lacing) bekannt und wird wegen ihrer Dauerhaftigkeit mit besonderer Vorliebe im Osten des Staates Maine angewendet; jedoch stehen oft ihrer Anwendung Hindernisse im Weg. Fig. 8a zeigt, wie der Nähriemen riss. Der Treibriemen selbst zeigt kleine, beginnende Risse auf der Innenseite. Angewandte Spannung 1310 Pfund.

Fig. 9. Dieses ist eine doppelt verschnürte Verbindung mit nur einmaligem Durchziehen des Nähriemens durch jedes Loch. Die Löcher waren gestanzt. Das Zerreissen fand auf der Linie AB statt. Der Nähriemen war intact geblieben. Das Zerreissen auf der Linie AB schien an allen Stellen zu gleicher Zeit eingetreten zu sein. Angewandte Spannung 2015 Pfund.

Da ein Treibriemen von dem Querschnitt, wie er nach Abzug der ausgestanzten Löcher bleibt, eine Spannung von ungefähr 2065 Pfund aushält, so ist dieses Ergebniss offenbar alles, was man bei 5 eingestanzten Löchern erwarten zu können berechtigt ist.

Fig. 10. Dieselbe Art und Weise wie in Fig. 9, nur waren die Löcher mit einer Ahle geschnitten. Verfasser beabsichtigte so die Schwächung des Riemens durch Ausstanzen zu vermeiden und womöglich ein besseres Resultat herbeiführen zu können. Fig. 10 zeigt das Resultat. Der Nähriemen war intact. Angewandte Spannung 1590 Pfund.

Fig. 11 und 11a. Bei diesem Versuche waren 9 Löcher an jedem Ende des Treibriemens ausgestanzt, in derselben Weise wie in Fig. 6. Durch jedes Loch war der Nähriemen einmal gezogen worden, und die Verschnürung parallel in der Fig. 11 ersichtlichen Weise und nicht kreuzweis wie in Fig. 9 ausgeführt worden. Es ist unerfindlich, warum die „parallele“ Verschnürung nicht eine ebenso grosse Spannung aushalten sollte wie die „kreuzweis“ ausgeführte. Fig. 11a zeigt den zerrissenen Nähriemen auf der unteren Seite. Offenbar hatte der Nähriemen eine schwache Stelle, da die Löcher nicht besonders stark in Anspruch genommen zu sein schienen. Angewandte Spannung 1835 Pfund.

Dieses Ergebniss kommt dem in Fig. 9 am nächsten.

Nach American Machinist.

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