Titel: Prasch's Controleinrichtung zu Distanzsignalen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 158–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301034

Prasch's Controleinrichtung zu Distanzsignalen.

Mit Abbildungen.

Feststehende optische Eisenbahnsignale jeder Art, insbesondere Stationsdeckungssignale, Tunnel- oder Brückensignale u. dgl., sind bekanntlich von jenem Orte, wo sie gehandhabt werden oder wo ihre Handhabung überwacht werden soll, in der Regel zu weit entfernt, um von da aus einfach durchs Auge wahrgenommen zu werden. Bei der hohen Wichtigkeit dieser Distanzsignale erscheint es daher geboten, eigene mit den Signalen verbundene Controleinrichtungen (Rückmelder) anzuwenden, welche durch sichtbare oder hörbare Zeichen unausgesetzt über die jeweilige Lage des zu überwachenden Signals genaue Auskunft ertheilen. Der ursprüngliche Behelf, nämlich die Wiedergabe des Signalzeichens an Zwischenposten durch Bahnwächter, gewährt natürlich keine zureichende Sicherheit und ist auch viel zu kostspielig; desgleichen sind mechanische Rückmeldevorrichtungen (Nachahmungs-, Repetitionssignale), bei welchen ein am Controlorte aufgestelltes Signalmittel durch die bewegten Theile des zu controlirenden Signals |159| mittels Seile, Schnüre oder Drahtzüge conform eingestellt wird, nur innerhalb gewisser, nicht allzugrosser Entfernungen zulänglich. Für jede Entfernung entsprechen lediglich die elektrischen Controleinrichtungen, wie solche beispielsweise in der Schweiz, in Frankreich, in Oesterreich-Ungarn u.a. allgemein eingeführt und in den letztgenannten Staaten gesetzlich vorgeschrieben sind. Die gewöhnlichen Einrichtungen dieser Gattung bestehen aus einem Wecker, welcher läutet, wenn das zu controlirende Signal die Lage für Halt (Verbot der Fahrt) einnimmt, und schweigt, wenn das zugehörige Distanzsignal auf Frei (Erlaubte Fahrt) zeigt, und dieselben sind, so lange keine Halbstellungen des Distanzsignals vorkommen und so lange die Stromkreislinie in allen ihren Theilen in Ordnung ist, im zureichenden Maasse verlässlich. Halbstellungen des Distanzsignals äussern sich jedoch lediglich durch Schweigen des Controlweckers, also ebenso wie das richtige Signal für erlaubte Fahrt, und treten Leitungsstörungen oder Fehler in der Stromquelle ein, so kann es je nach der Art des Anstandes vorkommen, dass der Wecker läutet, während das Distanzsignal auf Frei steht, oder auch während der Haltlage des Signals schweigt. Wenn sich nun solche unter Umständen gefährliche Fälle auch nur ganz ausnahmsweise ereignen, so sollen sie denn doch zu eliminiren versucht, oder doch thunlichst unschädlich gemacht werden. Eine weitere üble Eigenschaft des gewöhnlichen Signalcontrolweckers, dessen drastisches Wesen sonst alles Lob verdient, ist der Umstand, dass sein Geklingel auf die Dauer schrecklich lästig werden kann. Auf allen grösseren Stationen1) oder selbst auf minder grossen während der Zugs- und Wagenverschiebungen bleiben die Controlklingeln nicht selten stundenlang thätig, und in wichtigen Stationen, welche überhaupt fortlaufend gedeckt sind und die Distanzsignale nur für die einzelnen Zugseinfahrten ganz kurze Zeit auf Frei stellen, hört das nicht nur für die Bahnbediensteten, sondern auch für die Reisenden geradezu qualvolle Gebimmel Tag und Nacht hindurch nicht auf. In dieser Hinsicht sind auch langsam schlagende Klingelwerke oder die auf Holz oder Federstahl klopfenden kleinen Weckerwerke, die sogen. Schnarren oder Brummer, nur eine halbe Abhilfe, denn auch sie besitzen die charakteristische Eigenschaft aller geräuschmachenden Vorrichtungen; für diejenigen nämlich, welche das Brummen oder Schnarren fortwährend anzuhören gezwungen sind, verliert dasselbe mit der Zeit seinen Wirkungsgrad als Signalzeichen; es macht den Hörer stumpf und – nervös. Den älteren akustischen Signalcontroleinrichtungen gegenüber war es also erstrebenswerth, derlei Anordnungen zu schaffen, welche einerseits den Eintritt jeden Fehlers im elektrischen Theile gleichwie jede Halbstellung des betreffenden Distanzsignals durch ein besonderes Zeichen selbsthätig und ganz zuverlässig anzeigen, und bei welchen andererseits die hörbaren Controlzeichen für gewöhnlich durch ebenso sichere, sichtbare ersetzt sind. Nach diesen Grundsätzen, welche bei den englischen elektrischen Repetitionssignalen und den deutschen Signalrückmeldern (vgl. D. p. J. 1892 284 265 und 269, 285 9 bis 11, 286 35) eingehalten sind, ist auch die Prasch'sche Controleinrichtung (vgl. Elektrotechnische Zeitschrift, 1894 S. 182, und Zeitschrift für Elektrotechnik, 1894 S. 159 und 184) ausgeführt; dieselbe hat, nachdem sie sich bereits mehrere Jahre hindurch in der Praxis bewährte, noch einige Vereinfachungen und Vervollkommnungen erfahren, und ist in dieser jüngsten Form laufenden Jahres seitens des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen preisgekrönt worden. Die Hauptneuerung besteht in der vereinfachten Anordnung des zeichengebenden Elektromagnetankers im Controlapparate und in Schaffung eines kleineren optischen Controlapparates für die Verwendung in jenen Fällen, wo eine solche Vorrichtung zur Durchführung der Signalcontrole im Stations- oder im Telegraphenbureau gewünscht wird.

Textabbildung Bd. 301, S. 159

Aus den Abbildungen Fig. 1, 2 und 3 ist die Anordnung des zeichengebenden Apparates leicht zu ersehen: Zwei zweischenkelige Elektromagnete E und E1 stehen sich parallel gegenüber; zwischen denselben befindet sich der cylindrisch geformte, hohle Anker A. Die Elektromagnetschenkel tragen Polschuhe P und P1, welche auf der dem gemeinschaftlichen Elektromagnetanker zugekehrten Seite abgeschrägt sind. Jedes der beiden sich gegenüberliegenden Polschuhpaare ist durch eine Messingspange S, bezieh. S1 (Fig. 1 und 2) verbunden, und in diesen beiden Querspangen sitzen die zwei Spitzenschrauben s und s1, welche dem Anker A als Drehachsen dienen. Unmittelbar auf dem Anker ist ein kleiner Bügel festgemacht, der den aus dünnem Aluminiumblech hergestellten, schwarzbemalten Controlsignalarm K (Fig. 1, 2 und 3) trägt. Der Anker A hat seine Drehachse genau in der Mitte zwischen den beiden Elektromagneten, ist jedoch, wie die in grösserem Maassstabe ausgeführte Detailzeichnung (Fig. 3) zeigt, excentrisch gelagert und trägt zwei mit Schraubengewinden versehene, zu einander im rechten Winkel stehende Arme, an welchen sich die die Stelle von Ausgleichgewichten einnehmenden |160| Muttern G und G1 befinden. Durch angemessenes Einstellen der letzteren wird der Anker vor der Indienstsetzung des Apparates so ausgewogen, dass er genau die in Fig. 3 dargestellte, seiner natürlichen Schwerlinie entsprechende, neutrale Lage einnimmt und in derselben verharrt, wenn beide Elektromagnete stromlos sind. Bei dieser Ankerlage liegt der Controlsignalarm K nach rechts, 45° schräg nach aufwärts gekehrt. Ist jedoch einer der Elektromagnete stromdurchflossen, so zieht derselbe die Masse des Ankers an sich; letzterer verlässt die vorbetrachtete, neutrale Lage und kehrt sich dem magnetisch gewordenen Polschuhpaar zu, wobei er sich genau um 45° herumdreht. Je nachdem diese Drehung nach rechts oder nach links erfolgt, wird also auch der Controlsignalarm K um 45° gesenkt, mithin in die wagerechte Lage gebracht oder um 45° gehoben, d. i. senkrecht gestellt. Auf diese Weise können also mit dem Arm K drei deutlich von einander unterschiedene Zeichen gegeben werden, von welchen das in Fig. 1 dargestellte jedesmal selbsthätig erscheinen wird, wenn Fehler in der elektrischen Anlage eintreten oder falls eine Halbstellung des zu überwachenden Distanzsignals erfolgt wäre. Damit der Eintritt eines solchen Vorkommnisses sofort drastisch gemeldet werde, ist die Anordnung getroffen, dass bei der bezüglichen Lage des Elektromagnetankers im Controlapparate der locale Stromkreis eines kleinen Alarmweckers – sei es ein gewöhnlicher Rassler, ein Brummer oder ein Schnarrer – geschlossen wird. Zu diesem Zwecke ruht auf dem Anker A (Fig. 3) eine Contactfeder F, welche einen Contactamboss C berührt, so lange sich A in der gezeichneten, neutralen Lage befindet; mag der Anker nun nach rechts oder nach links abgelenkt werden, so hebt er F von C ab und unterbricht den bei l1 und l2 angeschlossenen localen Stromkreis des erwähnten Alarmweckers. Letzterer zeigt somit jeden Zeichenwechsel des Controlapparates, bezieh. jede Umstellung des controlirten Distanzsignals nur durch ein momentanes Ansprechen, eine Halbstellung des Distanzsignals oder einen Fehler der elektrischen Theile durch andauerndes Läuten an. Dass für die sämmtlichen Signalcontroleinrichtungen einer Station ein einziger, gemeinschaftlicher Alarmwecker hinreicht, braucht wohl nicht erst besonders hervorgehoben zu werden.

Bei jenen Signalcontrolapparaten, die zu Diensten der Stationsbeamten am Bahnhofe im Freien, etwa an einem geeigneten Punkte des Perrons, angebracht werden sollen, und welche die durch Fig. 4 bis 8 gekennzeichnete Form aufweisen, findet der zeichengebende Doppelelektromagnet seinen Platz in einem Blechgehäuse, das ihn gegen Staub und Witterungseinflüsse vollständig abschliesst. Das an der Vorderwand des Blechkastens ausgesparte Fenster a, b, c, d (Fig. 4) ist durch eine seitlich einschiebbare, farblose Spiegelscheibe G (Fig. 8) verglast. Vermöge der Lage, welche dem Doppelelektromagnete im Kasteninneren beim Fertigstellen gegeben wird, kommt der knapp hinter der Fensterscheibe seinen Platz findende Controlsignalarm K (Fig. 8), wenn er senkrecht steht, genau in die Mittellinie der Fensterfläche zu liegen, wie es Fig. 4 zeigt, während er sich bei der wagerechten Stellung vollständig hinter dem Untertheil der Kastenvorderwand verbirgt. Parallel zur durchsichtigen Glastafel G ist etwas weiter rückwärts, und zwar hinter K eine zweite undurchsichtige Scheibe G, aus weissem Beinglas angebracht, welche einen weissen Hintergrund bildet, von dem der schwarze Controlsignalarm deutlich und grell absticht. In der Praxis wird für alle Fälle die Stromlaufschaltung so gewählt, dass der senkrecht stehende Controlsignalarm (Fig. 4) der Haltlage des zugehörigen Distanzsignals und das leere weisse Feld (Fig. 5) der Freilage des Distanzsignals entspricht; der schräg nach rechts stehende Controlsignalarm (Fig. 6) ist unter allen Umständen das Störungssignal. Dieselben Zeichen, welche bei Tag gelten, bleiben auch während der Nachtzeit aufrecht, da eine im Apparatkasten angebrachte. Lampe L (Fig. 8) die Beinglasscheibe transparent erscheinen lässt, auf welcher sich während der Beleuchtung der Arm K gerade so deutlich projicirt, wie am Tage. Erfahrungsmässig sind die Zeichen dieser Apparate bei der bisher angewendeten Dimensionirung des Tages sowohl als Nachts auf 20 bis 30 m Entfernung ganz gut sichtbar.

Textabbildung Bd. 301, S. 160
Textabbildung Bd. 301, S. 160

Für jene optischen Controlapparate, welche in Stations- oder Telegraphenbureaux oder allenfalls auch bei einem Weichen- und Signalstellwerke Aufstellung finden sollen, bleibt die Elektromagnetanordnung dem Principe nach |161| dieselbe, wie bei den bisher betrachteten Perronapparaten, doch sind alle Maasse angemessen kleiner gehalten. Auch ist für eine innere Beleuchtung selbstverständlich keine Vorsorge getroffen, da die äussere Beleuchtung des betreffenden Amtsraumes jederzeit hinreichen wird, die Signalcontrolzeichen wahrnehmbar zu machen. Die zeichengebenden Elektromagnete sind bei den Bureauapparaten in einfachen Holzkästchen von der durch Fig. 9 ersichtlich gemachten Form aufgestellt, und zwar umfasst das dargestellte Muster die für eine gewöhnliche Mittelstation mit zwei Einfahrten erforderlichen zwei Controlapparate mit sammt dem als Brummer angeordneten gemeinsamen Alarmwecker. Im oberen Theile der Vorderwand des Kästchens ist eine mit schwarzer Lackfarbe unterlegte Glastafel eingesetzt, in welcher zwei Halbkreise zur Sichtbarmachung des Controlzeichens ausgespart und durchsichtig belassen sind. Die das Controlzeichen gebenden Arme der beiden Elektromagnetpaare bewegen sich knapp hinter der Glastafel vor einem aus weisslackirtem Bleche hergestellten Hintergrunde, so dass sich ihre jeweilige Lage ganz scharf unterscheiden lässt.

Die Anordnung des Stromlaufschemas kann mannigfach variirt werden und lässt sich allen möglichen Bedürfnissen und Wünschen anpassen. Als eine der einfachsten und schon deshalb recht zweckmässigen Schaltungsformen darf die in Fig. 10 dargestellte gelten, bei welcher der Fall vorausgesetzt ist, dass die zum Betriebe der Signalcontroleinrichtung erforderliche Batterie B beim zu controlirenden Distanzsignal S selbst oder doch in nächster Nähe desselben, allenfalls in einem Wächterhause untergebracht werden kann. Der Controlapparat O befindet sich im Stationsbureau oder am Bahnsteig, der Alarmwecker A für alle Fälle am besten im Telegraphenbureau. Am Distanzsignal ist ein Stromwender angebracht, dessen Wirkungsweise durch eine Nase oder einen Daumen d gesteuert wird. Letzterer sitzt, wenn das betreifende Distanzsignal S eine Wendescheibe ist, auf der Scheibenspindel und bei Mastsignalen auf der Drehachse oder auf dem Körper des Signalflügels. Zur Verbindung des Stromwechslers mit dem Controlapparate – der aber im vorliegend gedachten Falle keinen gewöhnlichen, sondern einen polarisirten Anker haben muss – reichen zwei Leitungen L1 und L2 vollständig hin, wobei die eine oder die andere immerhin auch durch Erdleitung ersetzt werden kann. Ganz selbstverständlich können an jeder beliebigen Stelle des Stromkreises weitere Controlapparate O zwischengeschaltet werden, etwa neben einem Bureauapparat noch ein oder mehrere Perronapparate oder auch bei einem oder mehreren Wächterhäusern auf der Strecke vor dem Distanzsignal u.s.w. Je nachdem der Daumen d die Contactfeder F oder F1 des Commutators hebt, gelangt ein positiv oder negativ gerichteter Strom in die Spulen der eingeschalteten Elektromagnetpaare und demgemäss erfolgt die Anziehung der zeichengebenden Anker nach der einen oder der anderen Richtung. Würden die Spulen aus was immer für einer Ursache stromlos, dann fällt der Anker in seine neutrale Lage, in der er bis zur Fehlerbehebung verharrt, wobei die Ortsbatterie LB den Alarmwecker A in Thätigkeit bringt. Soll der beispielsweise in Oesterreich-Ungarn bestehenden Signalvorschrift, welche sogen. „Controlklingelwerke“ verlangt, Rechnung getragen werden, so schaltet man an erforderlicher Stelle einfach ein polarisirtes Relais in die Controlleitung ein, welches bei jenem Strome, der während der Haltlage des zu überwachenden Distanzsignals im Schliessungskreise L1L2 vorhanden ist, ein gewöhnliches Controlklingelwerk (Wecker) mit Hilfe einer besonderen Ortsbatterie in Wirksamkeit bringt. Selbstverständlich können bei Verwendung von Relais und Controlklingelwerken die sämmtlichen in einer Station vorhandenen Apparate der letzteren Gattung mit einer einzigen gemeinsamen Ortsbatterie betrieben werden, oder es können ebensowohl mehrere an verschiedenen Orten anzubringende Controlklingelwerke an ein und dasselbe Relais geschaltet werden. An Stelle von polarisirten Relais Kurzschlusswecker mit polarisirten Ankern in die Controlleitung einzuschalten, hat sich in der Praxis nicht bewährt; wohl aber lässt sich der Alarmwecker, nämlich der nicht die jeweiligen Signallagen, sondern die Störungen anzeigende Wecker direct in den Schliessungskreis L1L2 bringen, wenn man etwa die in Fig. 11 angedeutete Schaltung anwendet.

Textabbildung Bd. 301, S. 161

In diesem Falle bleibt die vom zeichengebenden Elektromagneten zu steuernde Contactvorrichtung |162| ganz erspart, und dass die Ortsbatterie LB für eine beliebige Anzahl von Weckern A gemeinschaftlich benutzt werden kann, ist selbstverständlich. Die Spulen des Alarmweckers werden dauernd von jenem Strome durchflössen, welcher im Schliessungskreise L1L2 vorhanden ist; der Weckeranker bleibt daher für gewöhnlich angezogen und reisst nur bei Signalumstellungen momentan, bei Störungen aber dauernd ab, und in gleicher Weise tritt also auch die Batterie LB in Wirksamkeit, um den Wecker im Ortsschlusse zu betreiben.

Ist es mit Schwierigkeiten verbunden, für die Controlbatterie bei oder vor dem Distanzsignal einen geeigneten Aufstellungsort zu gewinnen, oder zieht man es aus was immer für Gründen, beispielsweise wegen leichterer Ueberwachung und Instandhaltung der Batterie, vor, diese lediglich in der Station selbst unterzubringen, so kann das in Fig. 12 angedeutete Stromlaufschema zur Anwendung kommen, welches allerdings drei Leitungen, nämlich zwei Drahtleitungen und eine Rückleitung, welche auch durch Erde ersetzt werden kann, erforderlich macht. Dagegen vereinfacht sich die Contactvorrichtung beim Distanzsignal S, welche jetzt kein Stromwender, sondern nur ein doppelter Stromschliesser zu sein braucht. Die beiden Elektromagnete des Controlapparates O haben nunmehr jeder seinen eigenen Stromkreis für sich, und es genügt sonach, dass der zeichengebende Anker nicht polarisirt ist, sondern lediglich aus weichem Eisen besteht. Die Zuschaltung des Alarmweckers A erfolgt entweder mittels der im optischen Controlapparate angebrachten Contactvorrichtung C, wie es Fig. 12 zeigt, oder auch so, wie es in Fig. 11 dargestellt erscheint; letzterenfalls müssten aber zwei Wecker, nämlich einer in der Leitung L1, der andere in L2 eingefügt werden, die allerdings nur eine gemeinsame Batterie erfordern. Auch lassen sich bei der in Fig. 12 angegebenen Schaltungsanordnung leichter als früher Signalcontrolklingelwerke direct einschalten, wie das in Fig. 13 durchgeführte Beispiel zeigt. Natürlich kommt das Controlklingelwerk W in jene der beiden Leitungen, welche während der Haltlage des Distanzsignals S stromdurchflössen ist; W darf auch nur ein sogen. Kurzschlusswecker (Selbstausschalter) sein und kein Selbstunterbrecher. Da zufolge der Einfügung des Controlklingelwerkes W die Widerstände in den Leitungen L1 und L2 nicht mehr gleich sind, erscheint es angezeigt, diesem Umstände in der Praxis durch eine angemessene Theilung der Batterie B, wie es Fig. 13 ersichtlich macht, Rechnung zu tragen. Dass man auch bei der Anordnung nach Fig. 12 die Anzahl von Controlapparaten beliebig wählen kann, bedarf keiner besonderen Erläuterung; es wird dabei lediglich darauf zu achten sein, dass alle für die Anzeige der Freilage des Signals wirksamen Elektromagnete hinter einander in dieselbe Leitung (L1 in Fig. 12 und 13) und ebenso alle anderen Elektromagnete in den bei der Haltlage des Distanzsignals geschlossenen Stromkreis (L2 in Fig. 12 und 13) eingeschaltet werden müssen. In Fig. 13 sind zwei Controlapparate, nämlich ein Perronapparat O und der Bureauapparat OB, vorausgesetzt; das Distanzsignal ist in der Halbstellung gedacht und es zeigen daher O wie OB das Störungszeichen; der Alarmwecker A läutet, das Controlklingelwerk W schweigt. Ganz unschwer liessen sich bei der Anordnung Fig. 12 oder Fig. 13 auch vor dem Distanzsignal Controlapparate zuschalten, zu welchem Zwecke eben nur die Anschlüsse 1 und 2 am Stromschliesser beim Distanzsignal nicht zur Erde geführt werden dürfen, sondern gerade so wie L1 und L2 zu den in der Station aufgestellten Controlapparaten, zu den auf der Strecke vorgeschobenen Apparaten weiterzuführen und dann erst zur Erde anzuschliessen sind. Schliesslich bliebe vielleicht noch darauf aufmerksam zu machen, dass überall dort, wo elektrisch stellbare Stationsdeckungssignale angewendet sind, welche mit Magnetinductionsströmen betrieben werden, und bei welchen anstatt der gewöhnlichen Erdleitung eigene Drahtleitungen als Rückleitungen in Benutzung stehen – eine höchst vortheilhafte Anordnung, welche auf österreichisch-ungarischen Eisenbahnen vielfach vorkommt –, diese Rückleitungen gleichzeitig als Controlleitungen mitbenutzt werden können. Ein solches Beispiel ist in Fig. 14 durchgeführt, wo I den zum Betriebe des Distanzsignals dienenden Siemens'schen Magnetinductor und T den Taster bezeichnet, mit dessen Hilfe die Inductionsströme in die Spulen S des Stellelektromagnetes des Distanzsignals entsendet werden, während die übrigen Theile dieselbe Bezeichnung tragen und dieselbe Bedeutung haben, wie in den Abbildungen Fig. 10 bis 13. Die Leitung L2 ist vorliegendenfalls gemeinschaftlich; die zum Stellen des Distanzsignals mit T und durch Drehung der Inductorkurbel abgehenden Ströme finden ihren Weg von I über LSL2T. Die von der Batterie B geleisteten Controlströme gehen rücksichtlich der Freilage des Signals über L2F12 und Erde, rücksichtlich der in der Zeichnung angenommenen Haltlage des Distanzsignals über L1F1 und Erde.

In Betreff der weiteren Behandlung und Pflege der geschilderten Signalcontrolapparate werden seitens des Constructeurs noch nachstehende Mittheilungen gemacht: „Bei Kurzschluss eines Controlapparates, gleichgültig ob Perron- oder Bureauapparat, reichen zum exacten Betriebe drei gewöhnliche Meidinger-Elemente vollständig und reichlich aus, zur Bemessung der Anzahl der für eine bestimmte Einrichtung in Verwendung zu nehmenden galvanischen Elemente sind also für einen Apparat je drei Stück anzusetzen und der Widerstand der Leitung oder eingeschalteter Zwischenapparate, wie z.B. A in Fig. 11 oder W in Fig. 13, noch besonders in Rechnung zu ziehen. Für den Alarmwecker im Ortsschlusse genügt ein einziges gewöhnliches Zinkkohlenelement oder ein Trockenelement. Wenn der zeichengebende Elektromagnetanker einmal richtig eingestellt wurde, arbeitet derselbe bei entsprechender Reinhaltung der Achslager jahrelang ohne jegliche Nachhilfe. Das Einstellen ist keineswegs schwierig, doch soll es mit Gewissenhaftigkeit und Aufmerksamkeit ausgeführt werden. Ein Hauptaugenmerk ist darauf zu richten, dass sich Anker und Polschuhe nirgends streifen und dass die Lagerspangen gehörig festgeschraubt sind, damit sie die einmal erhaltene richtige Lage nicht mehr verlieren können. Apparate mit polarisirtem Anker werden einfach bei stromlosen Elektromagnetspulen, solche mit nichtpolarisirtem Anker hingegen bei stromdurchflossenen Spulen regulirt. Damit auch die Leitungsberührungen am Apparate das Störungszeichen richtig hervorbringen, ist in beiden soeben gedachten Fällen beim Einstellen des Ankers zwischen den beiden Leitungen L1 und L2 (Fig. 10 bis 13) ein Kurzschluss herzustellen und dann der Anker abwechselnd nach rechts und links so nahe als möglich an |163| die Polschuhe zu bringen und wieder loszulassen. Kehrt dabei der Anker jedesmal ordentlich in seine neutrale Lage zurück, so ist der Apparat ausregulirt, anderenfalls muss dies durch Verschiebung der Regulirgewichte (G und G1 in Fig. 3) erreicht werden. Dieser Einstellung kann allenfalls auch durch eine kleine Verschiebung der Achslagerspangen nachgeholfen werden.

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Es sind hier natürlich in erster Linie Bahnstrecken ins Auge gefasst, auf welchen das Blocksystem noch nicht obligatorisch durchgeführt ist.

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