Titel: Ueber Walzen und Walzwerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301 (S. 225–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/ar301048

Ueber Walzen und Walzwerke.

(Vorhergehender Bericht 1893 289 * 265.)

Mit Abbildungen.

In den letzten Jahren sind die Walzwerksbetriebstechniker mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, dass auch auf ihrem Felde die Specialisirung der Fabrikation von grossem Vortheile ist. Während noch vor nicht langer Zeit jedes Walzwerk einen ausgedehnten Walzenpark haben musste, um alle möglichen Sorten von Formeisen liefern zu können – vom schwächsten Fenstersprosseneisen bis zu den schwersten Trägereisen – suchen die neueren Walzwerke die Zahl ihrer Profile möglichst einzuschränken und legen Werth darauf, diese geringe Zahl nach Form und Gewicht auch möglichst gleichartig zu halten. Der grosse Vortheil dieses Bestrebens liegt darin, dass die Apparate, Oefen, Walzenstrassen, Betriebsmaschinen u. dgl. besser zu einander passend eingerichtet werden können. Auch wurde es dadurch ermöglicht, einen Betrieb für Massenproduction einzuführen. Bei dem früheren Verfahren ging ein grosser Theil der Zeit mit dem Auswechseln der Walzen verloren. Auch erforderte das Zurichten der Führungen, der- Abstreifer u. dgl. längere Zeit und gewöhnlich mussten auch noch mehrere Versuchsstäbe geopfert werden, bevor alles gelang.

Fernerhin wurde es erforderlich, für den verstärkten Betrieb mechanische Vorrichtungen zum selbsthätigen Einlassen der Walzstücke, zum Heben und Senken der Tische zu treffen. So entstand eine Reihe von Hilfsvorrichtungen, wie Rollentische, Ueberhebewerke, Selbstführungen, die alle darauf hinzielen, die persönlichen Kraftleistungen der Arbeiter durch Elementarkraft zu ersetzen. Auf diese Weise hat der Walzwerksbetrieb ein ganz neues Bild angenommen, so dass er dem früheren in vieler Hinsicht kaum noch ähnlich ist.

Die amerikanischen Walzwerke haben wohl die kräftigste Anregung zu diesen Betriebsumänderungen gegeben. Nicht zu verkennen ist jedoch auch der gute Einfluss, den die Schaffung von rationellen Normalprofilen auf die Entwickelung der Massenfabrikation ausgeübt hat. Jetzt ist es den Walzwerken ermöglicht, ein mehr oder weniger assortirtes Lager zu halten, da sie sicher sind, für die Normalprofile einen stetigen Absatz zu finden. Dasselbe ist bezüglich der Eisenbahnschienen eingetreten, von denen jetzt nur noch eine geringe Anzahl von Querschnittsformen verlangt wird, während früher jede Bahn ihre eigenen Constructionen und Constructiönchen, für Schienen sowohl wie für Laschen, hatte.

Die Herstellung der Panzerplatten hat zum Ausbau selbsthätiger Hilfsapparate ebenfalls wesentlich beigetragen, da das Hantiren so schwerer Stücke ohne Elementarkraft absolut unmöglich geworden war.

Der amerikanischen Anregung ist übrigens Deutschland auf dem Fusse gefolgt, wobei jedoch noch bemerkt werden mag, dass vor den Amerikanern schon deutsche Werke (Krupp insbesondere) bereits ebenso mächtige, ja vielleicht noch mächtigere Einrichtungen hatten, als die amerikanische Concurrenz. Jetzt haben sich die angedeuteten Principien bei uns schon allgemein und vollständig eingebürgert und die neueren Walzwerksanlagen werden von Specialfabriken in grosser Vollkommenheit entworfen und ausgeführt. Wir wollen nicht auf die Geschichte dieser Entwickelung eingehen, sondern unmittelbar einige unserer Neuanlagen beschreiben und deren Grundprincipien erörtern.

Das Blockwalzwerk der Union, Eisen- und Stahlwerke in Dortmund ist von der Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Gebrüder Klein in Dahlbruch im J. 1894 gebaut worden und dient nach Stahl und Eisen, 1895 Nr. 2, zum Auswalzen von Flusseisenblöcken im Meistgewicht von etwa 2500 k und einem Querschnitt von 450 × 450 mm.

Die Blöcke werden aus den geheizten Durchweichungsgruben senkrecht mittels eines hydraulischen Krahns gehoben und auf einen Auflegeapparat gesetzt. Mit Hilfe eines hydraulischen Cylinders dreht sich derselbe um 90° und legt den Block auf die schrägliegende Rollenbahn, auf welcher er durch sein eigenes Gewicht bis auf den umkehrbaren Rollenapparat herabrollt. Der Block wird nun in gewöhnlicher Weise zwischen den Blockwalzen mit Hilfe der vor und hinter den Walzen befindlichen Rollenapparate heruntergewalzt. Zum Verschieben und Wenden der Blöcke dient ein Wende- und Verschiebeapparat, welcher durch Wasserdruck zwischen den Rollen vor den Walzen wagerecht verschoben werden kann. Das Wenden der Blöcke erfolgt durch vier senkrechte Daumen, welche durch einen unter dem Kantapparat befindlichen hydraulischen Cylinder gehoben und gesenkt werden. Die Wasserröhrchen zu diesem Cylinder sind gelenkartig ausgebildet.

Die Oberwalze des Blockwalzwerks, sowie die obere Kuppelungsspindel werden durch hydraulische Cylinder ausbalancirt. Das Anstellen der Oberwalze erfolgt durch Wasserdruck mittels Zahnstange und an die Druckschrauben angeschmiedete Getriebe.

Ueber den Rollen vor den Walzen befindet sich eine Steuerbühne, von welcher aus das Auflegen der Blöcke auf die schrägliegende Rollenbahn, das Umsteuern der senkrechten Zwillingsreversirmaschine zum Betrieb der Rollen vor und hinter den Walzen, das Verschieben und Wenden der Blöcke, das Anstellen der Oberwalze, alles durch hydraulische Steuerapparate bewirkt wird. Die Handhabung der Steuerapparate erfolgt durch zwei Arbeiter, während vor und hinter den Walzen sich je ein Walzer

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befindet, um das Einführen sehr langer Blöcke in die Kaliber und das Wenden sehr langer und krumm gewordener Blöcke zu unterstützen.

Von dem Blockwalzwerk gelangen die Blöcke mittels eines schmalen Rollenapparates zu der wagerechten, durch Wasserdruck betriebenen Schere, welche von der Kalker Werkzeugmaschinenfabrik L. W. Breuer, Schumacher und Co. in Kalk geliefert wurde.

Ueber die Reversirmaschine zum Betriebe des Blockwalzwerks wäre nur zu bemerken, dass dieselbe mit Stephenson'scher Coulissensteuerung versehen ist; letztere, hydraulisch abbalancirt, wird durch Differentialsteuerung umgesteuert. Die Kolbenschieber haben, um den Hub zu verringern, doppelte Einströmungskanäle. In der Quelle ist die Zwillingsbetriebsmaschine skizzirt, sie hat 1200 mm Cylinderdurchmesser, 1300 mm Hub.

Die Dimensionen des Blockwalzwerks sind folgende:

Durchmesser der Blockwalzen 1100 mm
Ballenlänge 2700
Theilkreisdurchmesser der Kammwalzen 1150
Durchmesser der Rollen vor und hinter den Walzen 550
Länge der Rollen 3200

der senkrechten Zwillingsreversirmaschine zum Betriebe des Rollenapparates vor und hinter der Walze:

Cylinderdurchmesser 250 mm
Hub 300

der senkrechten Zwillingsreversirmaschine zum Betriebe des Rollenapparates vor und hinter der Schere:

Cylinderdurchmesser 200 mm
Hub 250

Die Räderübersetzung zwischen Maschine und Strasse ist 1 : 2,5.

Der hydraulische Druck beträgt 25 at.

Die Einrichtung ist in Fig. 1 bis 4 skizzirt.

Eine eingehende Zeichnung der Anlage findet sich a. a. O., auf die wir hier verweisen.

Das Blockwalzwerk der Neu-British-Iron-Company in Birmingham dient nach dem Berichte seines Erbauers, des Ingenieurs d'Head, zum Auswalzen von Blöcken von 380 × 380 mm Querschnitt und annähernd 1000 k Gewicht. Diese Blöcke werden auf 150 bis 75 mm Quadrateisen oder auf Flachstäbe 180 × 75 bis 150 × 50 vorgewalzt, die auf der nebenliegenden Fertigwalze zu Knüppeln ausgewalzt werden können. Die Blockwalzen haben bei 2400 mm Ballenlänge einen Durchmesser von 710 mm und machen 40 Gänge in der Minute. Die zugehörigen Kammwalzen haben 810 mm von Mitte zu Mitte. Die Reversirmaschine hat 915 mm Cylinderdurchmesser bei 1066 mm Hub; sie macht 120 Umdrehungen, das Vorgelege hat mithin eine Uebersetzung von 1 : 3; das zur Uebersetzung dienende Getriebe besteht aus Stahlgussrädern von 1200 und 8600 mm Durchmesser und hat Winkelzähne mit 177 mm Theilung. Die zum Anstellen der Oberwalze dienende kleine Zwillingsmaschine hat 150 mm Durchmesser der Cylinder und 230 mm Kolbenhub.

Die zugehörige Blockschere schneidet Querschnitte von 250 mm Seitenkante in warmem Zustande und wird durch eine Zwillingsmaschine von 460 mm Cylinderdurchmesser und 600 mm Kolbenhub bei 120 minutlichen Umdrehungen getrieben, während die Uebersetzung 6 Messerhübe in der Minute ergibt. Als Anhalt für die Grösse der Walzvorrichtung mögen folgende Gewichtsangaben dienen: Gesammtgewicht der Dampfmaschine nebst Uebersetzung 160 t, des Walzwerks 250 t, der Schere 65 t. Die in Stahl und Eisen, 1893 Nr. 8, dargestellte Anordnung zeigt eine gute Disposition.

Das Trägerwalzwerk der Actiengesellschaft Peiner Walzwerk wurde im J. 1889 von der Duisburger Maschinenbau-Actiengesellschaft Bechem und Keetman in Duisburg erbaut und ist, wie wir einer Mittheilung der Erbauerin an Stahl und Eisen, 1896 Nr. 14, entnehmen, noch heute als eine erstklassige Anlage anzusehen. Das Werk dient in erster Reihe zur Herstellung von Trägereisen, ist jedoch auch für andere Formen zu benutzen:

Es werden in dem Trägerwalzwerk sämmtliche Normalprofile von Nr. 15 bis Nr. 40 gewalzt und zwar die Profile 15 bis 20 ausschliesslich auf der 750 er Strasse, unter Benutzung sämmtlicher drei Gerüste. Für jedes Profil ist das Einlegen einer besonderen Fertigwalze in dem der Walzenzugmaschine zunächst liegenden Gerüst erforderlich, während die in beiden anderen Gerüsten liegenden Trios die Vorkaliber für sämmtliche sechs Profile enthalten.

Die mit der 750 er Strasse in gleicher Achse liegende 850 er Strasse ist so angeordnet, dass sie gebotenenfalls als eine Fertigstrasse mit drei Gerüsten ausgebaut werden kann. Zur Zeit sind nur zwei der vorgesehenen Gerüste betriebsfähig und dienen ausschliesslich als Vorwalzgerüste für die Herstellung der grösseren Trägerprofile. Die Profileisen Nr. 20 bis Nr. 40 werden unter Benutzung von vier Gerüsten gewalzt und zwar gehören davon zwei Gerüste der 850 er und zwei Gerüste der 750 er Strasse an. Es sind dies die Gerüste, welche zunächst den Maschinen liegen.

Ein drittes Gerüst der 850 er Strasse dient vorläufig als Reservegerüst, kann aber auch als drittes Arbeitsgerüst dieser Strasse dienen. Die Fertigwalze liegt für alle Profile ohne Ausnahme im ersten bezieh. dem der Maschine zunächst liegenden Gerüst der 750 er Strasse. Von hier aus bringt ein Rollgang das fertige Walzgut zu den Sägen bezieh. zur Adjustage.

Bemerkenswerth ist der Transport der auf der 850 er Strasse vorgewalzten Stäbe zur 750 er Strasse, die hier fertig gewalzt werden. Dieser Transport erfolgt mittels eines Wagens W von 3 m Spurweite, welcher, in einen unterirdisch angeordneten Seiltrieb eingeschaltet, den erwähnten Verkehr zwischen den beiden Strassen vermittelt.

Es wird dabei wie folgt verfahren:

Die aus dem letzten oberen Stich des zweiten Gerüstes der 850 er Strasse kommenden Stäbe werden, auf den Hebeln der Dachwippe liegend, unter Benutzung der entsprechend langen Querbahn dieser Hebevorrichtung über den Transportwagen gefahren und durch Sinkenlassen der Dachwippe dort abgelegt. Um dieses Ablegen zu ermöglichen, ist die Wippe vor der 850 er Strasse so eingerichtet, dass beide Enden gehoben und gesenkt werden können. Es geschieht dies durch einen Dampfcylinder, welcher auf die von der Strasse abgewendete Querbahn wirkt und diese in dem Augenblicke sinken lässt, in welchem der Block über dem Wagen ankommt. Nach Auflegen des Blockes auf den Transportwagen setzt sich derselbe in Bewegung und fährt vor das zweite Gerüst der 750 er Strasse. Hier treten zwei hydraulisch gehobene Abnehmer aus dem Plattenbelag hervor und heben den Stab so weit vom Wagen ab, dass dieser zurückfahren kann, und legen |228| alsdann den Stab auf den Rollgang nieder. Dieser, schon vorher in Bewegung gesetzt, fährt nun den Stab ohne weitere Beihilfe in das für ihn bestimmte Kaliber. Sämmtliche Steuerungen werden von einer hochstehenden Steuerbühne aus bedient und von hier aus die Vor- und Rückwärtsbewegung des Rollganges, das Fahren des Wagens, hydraulische Heben und Senken des Blockes und die Bedienung der Schlepper veranlasst.

Nachdem die fertig gewalzten Träger durch eine der beiden Pendelsägen auf die gewünschte Länge geschnitten sind, werden sie durch Schleppzüge vom Rollgang abgenommen und über die zu beiden Seiten desselben angeordneten, bis zur Arbeitshöhe der Richtpressen ansteigenden Schrägbetten vertheilt, wo sie zunächst abkühlen, um nachher von der Richtmannschaft von etwaigen Krümmungen befreit zu werden.

Die fertig gerichteten Träger werden auf die Kaltbetten oder Hochbetten abgeschoben, verputzt und dann durch Transportwagen entweder auf das Lager oder direct an die Verladungsrampe gebracht.

Einer nachträglich angebrachten Vorrichtung für die Horizontalbewegung der Hebellaufbahn geschehe noch Erwähnung. Um die erforderliche Horizontalbewegung der Hebellaufbahn der Dachwippe für die 850 er Strasse bequem und präcis ausführen zu können, ist in der Nähe der Walzenzugmaschine ein hydraulischer Hubmultiplicator angeordnet, welcher mittels einer Transmission zwei endlose Seile treibt, in welche der Laufbahnträger eingeschaltet ist. Durch diese Einrichtung werden viele Leute gespart und erleichtert dieselbe das Abnehmen des Blockes vom Hebetisch und das Auflegen auf den Quertransportwagen ungemein.

Die beiden Walzenstrassen sind mit Trioständern ausgerüstet. Das erste Gerüst der 850 er Strasse, sowie dasjenige der 750 er Strasse sind mit kräftig gebauten Hebetischen, welche durch liegenden Dampfcylinder und ein geeignetes unter dem Tische liegendes Hebelsystem bewegt werden, versehen. Zum Aus- und Einlegen der Walzen dient ein von Bechem und Keetman gelieferter, maschinell bewegter Bockkrahn von 12 m Spurweite und 30000 k Tragkraft.

Die beiden Walzenzugmaschinen baute die Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Gebr. Klein in Dahlbruch.

Zum Schlusse mögen noch einige Betriebsresultate folgen, welche die Direction des Peiner Walzwerks der Lieferantin zur Verfügung stellte.

Es werden zwei Rollöfen mit directer Feuerung betrieben und betrug z.B. auf einer Doppelschicht (also innerhalb 24 Stunden) im April 1896 beim Auswalzen von Profil 15: der Einsatz 511460 k Rohblöcke, das Ausbringen 464990 k fertiger Träger bei 5 Proc. Abfällen und 5,45 Proc. Kohlenverbrauch an den Rollöfen. In demselben Monat war bei N.-P. 20 der Einsatz 643260 k Rohblöcke, das Ausbringen 592005 k Träger bei 4,15 Proc. Abfällen und 4,15 Proc. Kohlen verbrauch; bei N.-P. 32 war der Einsatz 605160 k Rohblöcke, das Ausbringen 530115 k Träger bei 5,85 Proc. Abfällen und 4,8 Proc. Kohlenverbrauch; ferner bei N.-P. 38 war der Einsatz 544860 k Rohblöcke, das Ausbringen 488915 k Träger bei 5,9 Proc. Abfällen und 4,6 Proc. Kohlenverbrauch.

Zur Herstellung der Träger N.-P. 15 bis einschl. N.-P. 20 dienen Blöcke von 300 × 300 mm unterem Querschnitt und etwa 900 k Max.-Gew.

Für N.-P. 21 bis einschl. N.-P. 28

Blöcke von 380 × 380 mm und etwa 1500 k.

Für N.-P. 30 bis einschl. N.-P. 36

Blöcke von 405 × 405 mm und etwa 1700 k.

Für N.-P. 36 bis einschl. N.-P. 40

Blöcke von 430 × 430 mm und etwa 2000 k.

Bemerkenswerth ist auch die Reversirwalzwerksanlage, welche in den Jahren 1890 bis 1891 von der Duisburger Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Bechem und Keetman in Duisburg für den Hörder Bergwerks- und Hüttenverein in Horde erbaut wurde (Stahl und Eisen, 1893 Nr. 1). Sie dient vorzugsweise zur Erzeugung von Eisenbahnschienen, Drahtknüppeln, und zerfällt in zwei Abtheilungen:

1) die Blockstrasse und
2) die Fertigstrasse,

welch letztere sich unmittelbar an die erstere anschliesst.

In den vor dem Blockwalzwerk liegenden Gier'schen Gruben werden die von dem Stahlwerk kommenden Blöcke erwärmt und mittels eines hydraulischen Drehkrahns von 2000 k Tragkraft und 8 m Ausladung auf den vor dem Hauptrollgang liegenden Transportrollgang nach dem Blockgerüst gebracht. Derselbe wird durch eine kleine Reversirmaschine mittels Riemen und geeignetem Rädervorgelege angetrieben. Dieser Rollgang bringt das Walzgut auf den vor und hinter der Walze angeordneten Hauptrollgang, der ebenfalls durch besondere Transmission und Riemenbetrieb von vorerwähnter Reversirmaschine in Thätigkeit gesetzt wird.

Das Blockwalzwerk wird durch eine Zwillingsreversirmaschine mit 1200 mm Durchmesser bei 1300 mm Hub mittels eines Rädervorgeleges mit Uebersetzung 1 : 2,5 betrieben. Die Maschine macht 125 Umdrehungen in der Minute, woraus eine Umdrehungszahl der Blockwalze von 50 in der Minute sich ergibt.

Die Walzen haben einen Durchmesser von 1100 mm bei einer Ballenlänge von 2750 mm mit Zapfen von 550 mm Durchmesser und 475 mm Lauflänge. Der Rollendurchmesser der zum Blockwalzwerk gehörigen Rollen beträgt 550 mm bei einer Ballenlänge von 700 bezieh. 1650 bezieh. 3100 mm. Die Ausbalancirung der Oberwalze des Blockwalzwerks sowohl als auch die Druckschraubenstellung wird durch Presswasser bewirkt. Der für die Abbalancirung dienende hydraulische Druck beträgt 45 at, während für die Druckschrauben Stellung und die Kantvorrichtung 25 at zur Verfügung stehen. Die Abbalancirung der Oberwalze geschieht durch zwei hydraulische Cylinder mit Plungern von je 220 mm Durchmesser, welche durch Hängestangen an den Walzenständern befestigt sind. Für die Abbalancirung ist ein besonderer Accumulator vorgesehen.

Die Anstellung der Druckschrauben geschieht auf folgende Weise:

Auf jedem der Blockwalzenständer ist ein hydraulischer Cylinder mit Plunger von 235 mm Durchmesser bei 1536 mm Hub angeordnet. An dem durchgehenden Plunger ist eine gemeinschaftliche Zahnstange befestigt, die ihrerseits an beiden Cylindern noch einmal geführt wird. Auf den vorstehenden und oben geführten Hälsen der Druckschrauben sind Ritzel aufgekeilt, welche in eine Zahnstange eingreifen und bei dem Hin- und Hergange des Plungers die Druckschrauben auf- und abwärts bewegen. Die Steigung der doppelgängigen Druckschrauben beträgt 82,5 mm. Ueber den hydraulischen Cylindern ist |229| eine Scala angebracht, auf der man mittels eines am Plunger befindlichen Zeigers die jeweilige Verstellung der Schrauben ablesen kann.

Es erübrigt nun noch, einiges über die vor der Blockwalze angeordnete Kantvorrichtung mit fahrbarem Wagen zu sagen.

Ein auf Schienen laufender Wagen trägt drei besonders montirte Aufsätze, welche einerseits die bewegliche Wendeklappe und andererseits die Linealträger aufnehmen. Das an die letzteren angeschraubte Lineal hat den Zweck, einen etwa weiter, als das betreffende Kaliber es zulässt, fallenden Block an die richtige Stelle zurückzuführen. Der Fahrcylinder hat einen Durchmesser von 200 mm bei einem Hub von 1800 mm und wird von dem Accumulator von 25 at bedient.

Textabbildung Bd. 301, S. 229

Die Wendeklappen sind so angeordnet, dass sie zwischen den Rollen des Hauptrollgangs herfahren können. Der Kant- oder Wendecylinder mit 200 mm Durchmesser und 400 mm Hub ist seitlich vom Hauptrollgang angeordnet. Derselbe greift an eine Vierkantachse an, auf welcher ein konisches Bad verschiebbar angebracht ist, welches wiederum in ein auf der Wendeachse festsitzendes Ritzel eingreift. Auf dieser Achse sind Hebel aufgekeilt, welche mittels Zugstangen an die in festgekeilten Scharnieren sitzenden Wendeklappen angreifen und so beim Vorwärts- und Rückwärtsgang des Plungers dieselben bewegen. Auf diese Weise können die in der Blockwalze angebrachten sechs Kaliber leicht bedient werden. Der hydraulische Druck beträgt auch hier 25 at.

Die Kammwalze hat 1150 mm Durchmesser und 1000 mm Ballenlänge mit Zapfen von 550 mm Durchmesser bei einer Lauflänge von 475 mm. Die 3 m langen Zwischenspindeln sind mittels Hebel und Contregewichte in der üblichen Weise ausbalancirt.

Die auf dem Blockwalzwerk vorgewalzten Blöcke werden auf einem etwa 12 m langen Transportrollgang mit 600er Rollen bei 1250 mm Ballenlänge einer Schere (für 300 mm Quadratblöcke) zugeführt, dort je nach Bedarf und Gewicht geschnitten und dann entweder wieder auf einem etwa 30 m langen Rollgang mit denselben Rollen, wie eben erwähnt, direct der Fertigstrasse zugeführt oder zum Theil in den vor der Fertigstrasse liegenden Rollofen gebracht, um von da aus später auf der Fertigstrasse verwalzt zu werden.

Die zum Betriebe beider Rollgänge nöthige Reversirmaschine von 230 mm Durchmesser und 340 mm Hub ist hinter der Blockschere aufgestellt und gibt mittels Riemen und je einem besonderen Vorgelege die zum Betrieb nöthige Kraft ab.

Die Fertigstrasse besteht aus drei Arbeitsgerüsten und einem Kammwalzgerüst. Erstere haben Walzen von 900 mm Durchmesser bei 2500 mm Ballenlänge mit Zapfen von 480 mm Durchmesser bei 425 mm Lauflänge. Die zum Betriebe der Fertigstrasse vorhandene Maschine ist eine Drillings-Reversirmaschine mit Cylinder von 1000 mm Durchmesser und 1300 mm Hub und greift an die Strasse direct an.

Die Maschine macht 60 Umdrehungen in der Minute und arbeitet ebenfalls mit 8 at Dampfspannung. Die Zwischenspindeln sind durch Federn ausbalancirt, auf welche Untersätze aus Stahlguss gelagert sind, in denen die Zwischenspindeln laufen. Die Oberwalzen sämmtlicher drei Gerüste sind wie bei dem Blockwalzwerk hydraulisch abbalancirt und ebenso ist das erste Fertiggerüst mit hydraulischer Anstellvorrichtung versehen. Die Druckschrauben der beiden anderen Fertiggerüste werden mittels aufgekeilter Nabenstücke angestellt.

Die Fertigstrasse besitzt drei Hauptrollgänge vor und hinter jedem Arbeitsgerüst, mit Rollen von 600 mm Durchmesser bei 2500 mm Länge, und wird jeder Rollgang durch eine besondere Reversirmaschine von 280 mm Cylinderdurchmesser und 450 mm Hub mittels Riemen angetrieben. |230| Das auf der Fertigstrasse zu verarbeitende Walzgut wird von einem Gerüst zum anderen durch sechs vor und sechs hinter der Walze liegende, durch Kettenantrieb bethätigte Schlepper gebracht. Für diese Schlepper sind zwei besondere Reversirmaschinen von 160 mm Durchmesser und 240 mm Hub vorgesehen, welche den Antrieb durch geeignete Vorgelege bewirken. Die Führungen für die Schlepperdaumen bestehen aus je zwei zusammengenieteten -Eisen, welche zwischen den Rollen auf Böcken in Abständen von etwa 2,5 m gelagert sind. Eine endlose Kette, über verstellbare Kettenrollen geführt, nimmt die Schleppdaumen mit und bewirkt so den Transport des Walzgutes. An den Hauptrollgang des zweiten sowie an den des dritten Arbeitsgerüstes schliessen sich zwei je 74 m lange Transportrollgänge an, welche die fertigen Schienen oder die lang gewalzten Knüppelstreifen nach der Adjustage bezieh. dem Lagerplatze hin bringen. Die Rollgänge sind so getheilt, dass je eine besondere Reversirmaschine von 230 mm Durchmesser und 340 mm Hub mit Vorgelege zum Ein- und Ausrücken (um nach Belieben den einen oder anderen Rollenstrang treiben zu können) die Hälfte der Rollgänge treibt. Zwischen den Rollgängen sind in Entfernungen von etwa 31,5 m Pendelsägen bezieh. in Entfernungen von 10,6 m Scheren zum Zerschneiden der Schienen und Knüppelstreifen angeordnet.

Textabbildung Bd. 301, S. 230

Die Walzenzugmaschinen – Reversirmaschinen – für beide Strassen baute die Firma Ehrhardt und Sehmer in Schleifmühle bei Saarbrücken.

Durch die politischen Zeitungen sind die Stahlwerke in Homestead wegen der sich auf denselben abgewickelten socialpolitischen Differenzen in weiteren Kreisen bekannt geworden.

Wie Stahl und Eisen, 1889 Nr. 2, nach einem Bericht des Iron age vom 1. November 1888 berichtet, haben die in Homestead gelegenen Stahlwerke von Carnegie Phipps und Co. bei Pittsburgh einen selbst für amerikanische Begriffe ausserordentlich schnellen Aufschwung erfahren, indem dieselben aus einem kleinen Schienenwalzwerk mit zwei 5-t-Convertern in nur 2 Jahren zu einem Blechwalzwerke mit Herdofenschmelzerei von grösster Ausdehnung angewachsen sind. Selbstredend sind die neueren Walzwerkseinrichtungen bei diesen Werken zur Anwendung gekommen, so dass es als Urbild der neueren Bestrebungen gelten kann. Fig. 5 gibt einen Grundriss des zu dieser Anlage gehörigen Brammenwalzwerkes. Das Hauptgebäude misst 36 × 90 m, der Anbau des Kesselhauses hat 11 m Breite. In die vier Wärmeöfen H werden die Blöcke mittels der hydraulischen Krahnen I senkrecht eingesetzt und demnächst auf den Rollgang G befördert.

Textabbildung Bd. 301, S. 230

Die Krahnen haben eine Tragfähigkeit von 35 t bei 4 m Hub und 6 m Ausladung. Das Brammenwalzwerk besteht aus dem Gerüst D |231| für die senkrechten Walzen, welche durch die Umsteuermaschine C betrieben werden, und dem Gerüst B für die wagerechten Walzen, zu deren Antrieb die Umsteuermaschine A dient. In den Fig. 6 bis 9 ist dasselbe in grösserem Maasstabe dargestellt. Die Trennung der beiden Walzensysteme ist geschehen, um den Uebelstand der Ungleichheit der Walzenumfangsgeschwindigkeit zu vermindern, welcher bei gemeinschaftlichem Antriebe sich meistens in häufigen Brüchen der konischen Getriebe der Verticalwalzen äussert. Es wird freilich auch hier ein Stoss entstehen, wenn der Block aus einem Walzenpaare in das andere übergeht, dann aber werden die beiden Motoren sich bald einigen, weil keine erhebliche Schwungmasse vorhanden ist. Die Hauptmaasse sind aus den Figuren ersichtlich, der grösste Blockquerschnitt ist 1000 × 1400, das grösste Gewicht eines Blockes ist 25 t; die Umsteuermaschinen haben 760 mm Cylinderdurchmesser und 1370 mm Hub für die senkrechten und 1016 bezieh. 1370 für die wagerechten Walzen, die Dampfspannung beträgt 11,5 at. Von den Blockrollen sind je zwei durch Stirnräder mit einer Achse verbunden, welche den konischen Antrieb mit der Hauptachse vermittelt und in Folge ihrer Elasticität den Stoss vermindert, der stets beim Ansetzen der Betriebsmaschine entsteht und für die meisten derartigen Anlagen verderbliche Folgen hat (s. Fig. 7 und 8). Die hydraulischen Cylinder A dienen zum Abheben des Blockes von den Rollen und werden mittels des hydraulischen Cylinders B verschoben, um den Block stets in die richtige Lage zu bringen. Es ist ferner die Vorrichtung zum Unterstützen der Kuppelspindel C bemerkenswerth, indem dieselbe aus zwei Balken D besteht, welche die Lager E tragen und mittels Bolzen F und Gelenken an den Lagerdeckeln G befestigt sind, so dass sie die Bewegung der Oberwalze mitmachen, ohne dass ihr Gewicht nachtheilig auf die Kuppelmuffen wirkt. Die Neigung der Spindel C ist in der hier gezeichneten höchsten Stellung der Oberwalze eine auffallend steile und könnte dies durch Vergrösserung der Durchmesser der Kammwalzen vermindert werden, ein Hilfsmittel, welches namentlich bei Brammenwalzen statthaft ist. Bei K (Fig. 5) steht eine Brammenschere, welche den Wasserdruck durch die zwei Pumpen L erhält, deren Dampfcylinder 1650 mm Durchmesser und 2400 mm Kolbenhub haben; der Wasserkolben hat 254 mm Durchmesser.

Textabbildung Bd. 301, S. 231
Textabbildung Bd. 301, S. 231

Es sind vier Herdöfen von 15 bis 40 t Einsatz vorhanden, welche zum Theil sauer, zum Theil basisch zugestellt sind. Als Blechwalze dient ein Lauth'sches Trio mit zwei Walzen von 810 und einer mittleren von 610 mm Durchmesser bei 3000 mm Länge, welches durch eine |232| Schwungradmaschine mit 1220 mm Cylinderdurchmesser und 1350 mm Kolbenhub betrieben wird. Sämmtliche Hebezeuge haben Wasserdruck, welcher in den Duplexpumpen M (Fig. 5) ohne Rotation erzeugt wird.

Nach Jern-Kont. Ann. wird den neueren Walzwerken amerikanischer Bauweise – mit einer festgelagerten Mittelwalze, Ober- und Unterwalzen, welche mittels Schrauben stellbar sind – von dortigen und europäischen Fachleuten der Vorzug vor allen anderen gegeben. So trefflich diese Apparate auch sind, so haben sie doch den Fehler, dass sie sehr hohe Anlagekosten verursachen. Aus diesem Grunde hat der schwedische Ingenieur Gjers diese Walzwerke vereinfacht und billiger gemacht. Er lagert die unterste Walze fest und lässt die oberste durch Gegengewichte oder Federn tragen und verstellbar machen. Zwischen beiden soll eine Mittelwalze von gleichem Durchmesser lose liegen, welche wie die beiden anderen auf gewöhnliche Weise gekuppelt ist; passirt das Walzgut durch die obere Spur, so liegt sie gegen die Unterwalzen an, geht das Gut aber in einer der unteren Spuren, so wird sie gegen die Oberwalze emporgehoben. Zur Vermeidung von Stössen ist das Gewicht der Mittelwalze so auszugleichen, dass sie mit schwachem Druck sich immer gegen die Oberwalze legt. Kommt das Walzgut in eine untere Spur, so liegt die mittlere Walze bereits gegen die obere an. Durch am Walztisch angebrachte Hängeeisen werden die Gegengewichte der Mittelwalze beim Heben des Tisches mitgehoben und dieselbe senkt sich gegen die Unterwalze, so dass auch beim Einführen des Gutes in eine Oberspur kein Stoss erfolgt. Diese Anordnung ist einfacher, sie hat nur zwei Walzenschrauben und die Walzendurchmesser fallen kleiner aus; die Walzen werden also leichter. In Amerika gilt die Regel, dass die Mittenabstände zwischen den Walzen dreimal so gross sein müssen, wie die Dicke des Walzgutes, damit die Zapfen hinreichend dick und die Lager genügend stark ausfallen. In unserem Falle haben Unter- und Mittel walze nur ein Unterlager, die Oberwalze aber beide. Da die Mittelwalze kein Oberlager besitzt, so kann für das Unterlager der Oberwalze immer leicht Raum gefunden werden. Auf diese Weise kann obiger dreifache Abstand auf 2,5 reducirt werden. Dadurch wird auch die Walzoperation beschleunigt, weil schwächere Walzen mehr strecken als starke; ebenso wird der Stahl beim Auswalzen weniger angegriffen, denn grössere Walzen pressen stärker als kleinere. Die Walzendimensionen nach diesem System besitzen für 200 mm starkes Walzgut 500 mm Durchmesser und 1000 mm Länge.

Textabbildung Bd. 301, S. 232

Das Auswalzen von starkem und mittlerem Blech erfordert bekanntlich verschiedenere Einrichtungen als die Erzeugung von Feinblech. In jenem Falle verfährt man nach Uhr gewöhnlich so, dass man in einem Gerüst mit zwei gekuppelten Walzen verwalzt und dann in einem solchen |233| mit drei Walzen über einander fertig walzt. In Amerika aber steht das Gerüst zum Fertigwalzen unmittelbar am Schwungrade, mit dessen Welle die Unterwalze direct gekuppelt ist; dadurch vermeidet man die starken Schläge und Stösse, wie sie bei nicht genau schliessenden Kuppelungen vorkommen. Brüche und Unterhaltungskosten werden so vermindert, während das Werk rascher gehen kann. Die zwischen den beiden gekuppelten Unter- und Oberwalzen lose liegende Mittel walze wird durch Gegengewichte balancirt und durch einen Hebel mit der Hand gehoben oder gesenkt. Dabei aber muss die Oberwalze selbst ausbalancirt und in ständiger drehender Bewegung sein, was man durch Riementransmission erreicht.

Textabbildung Bd. 301, S. 233

Damit die Bleche gleich dick und äusserlich schön ausfallen, müssen die Walzen möglichst oft abgedreht und polirt werden. Bei Diston in Philadelphia erfolgt nun dieses Abdrehen an den in ihren Lagern ruhenden Walzen. Längs der Walzenstrasse liegt unter dem Boden eine Welle, welche mittels eines Zahnvorgeleges an beiden Enden die Kraft von der Treibwelle auf den äussersten Zapfen des Walzentrios überträgt. Die Umsetzungsverhältnisse dieser beiden Wechsel sind so gewählt, dass die Walzen bei normaler Geschwindigkeit der Triebwelle eine für das Abdrehen passende Geschwindigkeit erhalten.

Textabbildung Bd. 301, S. 233

Die Einrichtung von Gjers lässt sich auch zum Blechwalzen vortheilhaft anwenden. Man gewinnt dadurch für starke Zapfen und Lager Platz und die ganze Anlage wird solid, was man mit dem Triosystem für Grobbleche nur dadurch erreichen kann, dass der Walzendurchmesser sehr gross ausfällt. Aber sehr grosse Walzen kosten mehr und strecken schlechter. (Nach Jern-Kont. Ann., 1893 S. 56.)

Zur näheren Erläuterung des Vorstehenden führen wir ein Trio-Universalwalzwerk von 800 mm Walzbreite, erbaut im J. 1892 von der Duisburger Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Bechem und Keetman (Stahl und Eisen vom 15. Mai 1896) für die Prager Eisenindustrie-Gesellschaft, Abtheilung Kladno in Böhmen, an. (Fig. 10 bis 17.)

Die Anlage ist bemerkenswerth, da nicht allein bei derselben eine ausserordentliche Walzbreite der Streifen, bei grosser Länge, sondern auch das Vorwalzen von nur 400 mm langen Blöcken zur Bedingung gemacht wurde. Entgegen der gewöhnlichen Construction mit zwei Verticalwalzen, sollten deren vier angewendet werden und zwar zwei vor und zwei hinter der Walze, auch sollten alle Bewegungen für die einzelnen Manipulationen des Walzens von einer Centralstelle aus vorgesehen werden.

Die Hauptabmessungen und Constructionsbedingungen waren wie folgt vereinbart worden:

Grösste Walzbreite 800 mm
Kleinste „ 150 mm
Länge der kleinsten Packete 400 mm
Grösstes Packetgewicht 2000 k
Grösste Maulweite bezieh. Grösste
Hebung der Mittelwalze

350

mm
Durchmesser der Ober- bezieh.
Unterwalze

730

mm
Durchmesser der Mittelwalze 500 mm
„ „ Kammwalzen 600 mm
Länge des vorderen Hebetisches 6800 mm
„ „ hinteren „ 10000 mm
Hydraulischer Druck 28 at

Zur weiteren Erläuterung der Anlage diene Folgendes: Die Anstellung der Hauptdruckschrauben für die Oberwalze sowohl, als diejenige für die seitlichen Druckschrauben zur Bewegung der Verticalwalzen geschieht durch eine senkrechte Zwillingsmaschine von 160 mm Cylinderdurchmesser und 240 mm Hub, welche mittels geeigneter Räder- und Frictionsvorgelege den Antrieb bewirkt. Der Mechanismus l dient zur Anstellung der seitlichen Druckschrauben. Je nachdem der Hebel a oder b bewegt wird, gehen die Verticalwalzen vor bezieh. hinter der Walze aus einander, oder nähern sich. Durch den Hebel c wird die Auf- bezieh. Abwärtsbewegung der Horizontal walzen bewerkstelligt. Diese drei Hebel sind neben einander, auf der Ofenseite, angeordnet und werden von einem gemeinschaftlichen |234| Podium aus bedient. Die Stellungen der Hebetische für die einzelnen Walzperioden sind aus der schematischen Aufzeichnung leicht ersichtlich und durch den beistehenden Text genügend erläutert. Das Anstellen der Druckschrauben wird durch geeignete Zeigervorrichtungen erleichtert und zwar dient die mittlere Zeigerscheibe zur Erkennung der Stellung der Oberwalze, während die beiden rechts und links befindlichen Scheiben denselben Zweck für das Anstellen der vorderen bezieh. hinteren Verticalwalzen verfolgen. Die Ausbalancirung der Oberwalze, sowie das Heben der Mittelwalze geschieht durch unterhalb des Arbeitsgerüstes angebrachte Cylinder, von denen der zur Mittel walze gehörige gesteuert wird. Der Antrieb der Verticalwalzen geschieht vom Kammwalzgerüst aus durch ein Zwischenrad, in das beiderseitig die Antriebsritzel eingreifen und durch angekuppelte Stahlachsen die Bewegung auf die vierkantige Antriebsachse der Verticalwalzen übertragen. Die Hauptantriebsspindel, sowie die Zwischenspindel sind ausbalancirt und in besonders für diesen Zweck construirten Untersätzen gelagert. Um das Einbringen der kleinen, 400 mm langen Blöcke zu erleichtern, sind geeignete, mit angetriebenen Rollen versehene Vorrichtungen construirt worden, deren Lage und System aus den Zeichnungen ersichtlich ist.

Textabbildung Bd. 301, S. 234

Auf die Lagerungen der Antriebsachsen wurde besondere Sorgfalt verwendet, da an dieselben bei forcirtem Betriebe grosse Anforderungen gestellt werden.

(Fortsetzung folgt.)

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