Titel: Das Schiffshebewerk bei Dortmund.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 3 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi07_3

Das Schiffshebewerk bei Dortmund.

Nachdem sich in England, Frankreich und Belgien die senkrechten Schiffshebewerke vorzüglich bewährt haben (1891 281 * 249), ist ein solches Hebewerk auch in Deutschland in Ausführung begriffen, und zwar an dem Dortmund-Emshafenkanal bei Henrichenburg. Dasselbe übertrifft alle bisher ausgeführten Schiffshebewerke bedeutend an Grösse, da es im Stande ist, Schiffe von 600 t Ladefähigkeit schwimmend 16 m hoch zu heben, so dass es fast die doppelte Grösse des grössten bislang ausgeführten Hebewerkes hat. Das hierbei in Anwendung gebrachte System ist aus einem Wettbewerbausschreiben der preussischen Staatsbauverwaltung, zu welchem die ersten in Betracht kommenden Firmen aufgefordert waren, hervorgegangen. Der Firma Haniel und Lueg in Düsseldorf wurde nach ihren später von der Staatsbauverwaltung revidirten Plänen die Ausführung übertragen. Das Schiff wird in einen an den Enden durch Thore verschliessbaren Wasserkasten eingefahren und in diesem Wassertrog schwimmend durch fünf in etwa 30 m tiefe Brunnen tauchende Schwimmkörper getragen. Der Auftrieb der fünf Schwimmer ist gleich dem Gewicht des gefüllten Wassertroges mit dem darin befindlichen Schiff, so dass sich das Ganze in jeder Höhenlage im Gleichgewicht befindet. Durch geringe Kraftanwendung, welche durch ein aus vier etwa 25 m langen senkrecht stehenden Schraubenspindeln bestehendes Getriebe auf den Wasserkasten ausgeübt wird, oder durch ein geringes Uebergewicht an Wasser kann nun letzterer mit dem Schiff beliebig von unten nach der oberen Kanalhaltung oder umgekehrt befördert werden. Dabei dienen die Schraubenspindeln gleichzeitig zur Erhaltung der wagerechten Lage des Troges und zur Sicherung des Hebewerkes gegen Unfälle. Die ganze Hebung von 16 m erfordert etwa 2½ Minuten, mit Aus- und Einfahrt des Schiffes dürfte eine Zeitdauer von 10 bis 15 Minuten erforderlich sein. Wollte man diese Höhe mit gewöhnlichen Kammerschleusen überwinden, so würden vier von je 4 m Hubhöhe erforderlich gewesen sein und jede eine Zeitdauer von etwa 15 bis 20 Minuten zur Durchschleusung eines Schiffes erforderlich gemacht haben, so dass die ganze Zeitdauer mehr als 1 Stunde betragen hätte. Es ist also durch dieses Hebewerk ein ganz erheblicher Gewinn an Zeit und eine bedeutende Ersparniss an Wasser erreicht. Da die alten Kammerschleusen stets mit Wasser aus der oberen Kanalhaltung neu angefüllt werden müssen, so würde die in Betracht kommende Schleusentreppe z.B. für jede Schleusung eines Schiffes zusammen rund 3000 cbm Wasser gebraucht haben, während das Hebewerk fast gar kein Betriebswasser braucht oder doch nur so wenig, nämlich 30 cbm, dass dies gar nicht in Betracht kommt.

Die Bayerische Kanalvereinscorrespondenz, der wir diese Notiz entnehmen, hält dies System für das Project eines grossschiffahrtsfähigen Main-Donaukanals wegen der Verringerung der Schleusenzahl, der im Zusammenhang damit stehenden Zeitersparniss und Ermöglichung der Dampfschiffahrt auf langen Haltungen, sowie wegen der Wasserersparniss für sehr wichtig.

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