Titel: Elektrische Beleuchtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 4 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi07_4

Elektrische Beleuchtung.

Die Stadt Singen am Fusse des Hohentwiel hat seit einiger Zeit elektrische Beleuchtung. Die Betriebskraft für das Elektricitätswerk wird von zwei Wasserkraftanlagen geliefert, von denen die eine 2 km unterhalb der Baumwollspinnerei von Trötschler und Co., die andere in dieser Fabrik selbst errichtet ist. Ausserdem steht noch eine Dampfmaschinen anläge als Reserve zur Verfügung. Alle drei Kraftanlagen können auf eine gemeinsame Hauptwelle arbeiten, die als Antriebswelle für die Dynamomaschine dient. In der ersten Wasserkraftanlage sind zwei Turbinen von der Maschinenfabrik Geislingen von zusammen 90 bis 100 aufgestellt, die mittels konischer Räder eine Welle in Bewegung setzen, auf der die Antriebsscheibe für eine Drehstrommaschine sitzt, deren Strom von 1700 Volt mittels drei blanker Kupferdrähte von 4,5 mm Durchmesser nach der Spinnerei geleitet wird und dort einen 70 -Drehstrommotor antreibt, der seine Kraft mittels Riemen an die Hauptwelle abgibt. Die Wasserkraftanlage in der Spinnerei umfasst eine Geislinger Turbine, welche bei einem Gefälle von 1,8 bis 2,3 m und etwa 4000 Secundenliter Wasserconsum im Mittel 90 leistet, ferner eine Girard-Turbine von B. Schmidt in Zelle i. W., die bei einem Gefälle von 1,8 m und 3200 Secundenliter Wassermenge 60 liefert. Die bei kleinen Wasserständen in Betrieb tretende Dampfmaschine von Gebr. Sulzer liefert bei 15 Proc. Füllung und 7 at Ueberdruck 80 . Die von der Hauptwelle zu betreibende langsam laufende Dynamomaschine leistet bei einem Kraftaufwande von 47 und 320 Umdrehungen in der Minute 30 Kilo-Watt (240 Volt × 125 Ampère). Ausserdem ist eine Accumulatorenbatterie von der Accumulatorenfabrik A.-G. in Hagen i. W. vorhanden, bestehend aus 122 Elementen Type 110a mit einer Capacität von 2 × 250 Ampère-Stunden, 64 Ampère Ladung, 83 Ampère Entladung; es können somit 332 Glühlampen zu 16 Normalkerzen 3 Stunden lang aus der Batterie gespeist werden. Ein Schaltbrett aus weissem Marmor mit den erforderlichen Strom- und Spannungsmessern, Schaltungsapparaten und Sicherungen vervollständigt die elektrische Einrichtung der Centrale. Das zur Fortleitung des Stromes dienende oberirdische Leitungsnetz ist auf zwei Speisepunkte ausgebaut, von denen der eine am Rathhaus, der andere am Bahnhof sich befindet. Diesen wird der elektrische Strom durch je zwei blanke Kupferkabel von 95 qmm und eins von 50 qmm Querschnitt zugeführt; drei Spannungsleitungen, bestehend aus Kupferdrähten von 3 mm Stärke, gehen von den Speisepunkten zur Centrale zurück und zeigen dort die an den Speisepunkten herrschende Spannung an. Die Speisepunkte sind 10 m hohe schmiedeeiserne Gittermaste, die oben auf besonderen Isolatoren drei Kupferringe tragen, von denen aus die Vertheilungsleitungen abzweigen. Die Speisepunkte sind mit einander durch Ausgleichsleitungen verbunden. Die auf Holzmasten von 10 m Höhe geführten Vertheilungsleitungen bestehen zum grössten Theil aus blanken Kupferkabeln von 50 und 25 qmm Querschnitt, während zu Abzweigungen Drähte von 5 und 3,5 mm Durchmesser verwendet sind. Die öffentliche Beleuchtung von Singen wird durch 60 Glühlampen von 16 bis 32 Normalkerzen bewerkstelligt, deren Ein- und Ausschaltung vom Rathhaus aus besorgt wird. Die Lampen sind in einer Höhe von 4,5 m an Holzmasten oder an den Häusern angebracht und mit parabolischem Reflector versehen. Die elektrischen Maschinen und Apparate wurden von der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft in Berlin geliefert, während die Projectirung und der Bau der Anlage von der Firma Wilh. Reisser, Elektrotechnische Fabrik in Stuttgart, ausgeführt wurde. (Elektrotechnische Zeitung.)

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