Titel: Norddeutsche Binnenschiffahrt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 2 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi08_2

Norddeutsche Binnenschiffahrt.

Berlin verfügte von Natur aus nur über die kleine Spree und musste sich für seinen jetzt ganz enormen Schiffahrtsverkehr erst ein Netz von künstlichen Wasserstrassen schaffen. Dass dies sich lohnte, ergibt sich aus den folgenden Ziffern:

Der gesammte Güterverkehr Berlins betrug im J. 1893:

Beförderungsmittel Versandt Empfang Im Ganzen
t t t
Schiff 444455 4346293 4790748
Eisenbahn 801494 4774713 5576207

Nach einer zuverlässigen Berechnung haben die in den Jahren 1880 bis 1888 vom preussischen Staate ausgeführten Verbesserungen des Berliner Wasserstrassennetzes der Bevölkerung Berlins in diesem Zeitraum eine Frachtersparniss, also einen Gewinn von 40 Millionen Mark eingetragen.

Durch den Neubau der Kurfürstenbrücke wird der Plan, Berlin zur Metropole der norddeutschen Kanalschiffahrt zu machen, seine Krönung finden. Es werden alsdann Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 500 t auf dem jetzt ausgebauten sogen. Berliner Grosschiffahrtsweg mitten durch Berlin fahren können und ein directer Grosschiffahrtsverkehr durch Berlin nach Hamburg, Magdeburg, Breslau u.s.w. stattfinden können.

In ähnlicher Weise wie in Berlin hat sich der Schiffahrtsverkehr Breslaus, das von Natur auch nur die obere Oder zur Verfügung hatte, in Folge der oberen Oderkanalisirung und des neuen Oder-Spreekanals mächtig entwickelt.

Der gesammte Güterverkehr auf der Oder in Breslau wuchs von 9572223 Centner im J. 1885 auf 32239700 Centner im J. 1894.

Wie die alte Kleinschiffahrt immer mehr abstirbt und der modernen Grosschiffahrt Platz macht, ergibt sich aus dem Verkehr des neuen seit 1890 vollendeten Oder-Spreekanals in Gegenüberstellung mit dem des alten Oder-Spree- oder Friedrich-Wilhelmkanals.

Es betrug nämlich die Zahl der geschleusten Schiffe:

im J. bei der Schleuse
Briskow Fürstenwalde
1884 3816 4762
1885 3629 4314
1886 3268 4642
1887 4554 6058
1888 3320 4902
1889 3824 5331
1890 6044 7176
1891 6751 13277
1892 1883 13947
1893 2254 15857

Die Schleuse bei Briskow dient nur dem Verkehr auf dem alten Kanal, die bei Fürstenwalde auch dem neuen Oder-Spreekanal. Abgesehen von der Zahl der Schiffe ist zu berücksichtigen, dass dieselben auf dem alten Kanal nur eine Tragfähigkeit von 150 t, auf dem neuen eine solche von 500 t erreichen.

Die Zahl der über das Maass der alten 150 t-Schiffe hinausgehenden Schiffe hat fortwährend zugenommen, sie betrug an der Fürstenwalder Schleuse:

1891 410 d.h. 1/30 der Gesammtzahl,
1892 1073 1/12
1893 1779

Auch der Dampferverkehr hat entsprechend zugenommen; es durchfuhren nämlich die Fürstenwalder Schleuse:

1891 1065 Dampfer
1892 1245
1893 1437

Aehnliche Erfahrungen würde man auch in Bayern bei Neuanlage von Kanälen machen. Der alte Friedrich-Wilhelmskanal entspricht unserem alten Donau-Mainkanal, ein neuer grosschiffahrtsfähiger Main-Donaukanal würde dem neuen Oder-Spreekanal gegenüber zu stellen sein. (Verein für Hebung der Fluss- und Kanalschiffahrt in Bayern.)

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