Titel: Ein fahrbarer Desinfectionsapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 4 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi10_4

Ein fahrbarer Desinfectionsapparat.

Dieser Apparat von Francis in Philadelphia, Pa., verdankt seine Entstehung der letzten Gelben-Fieber-Epidemie in Brunswick, Georgia, wo man in Folge der streng durchgeführten Quarantäne und wegen Mangels an sanitären Vorrichtungen zu den primitivsten Hilfsmitteln seine Zuflucht nehmen musste, die daher in dringlichen Fällen von Interesse sein dürften.

Der Apparat besteht aus zwei Theilen:

1) Aus dem Dampfdesinfectionsapparat, welcher aus einer mit Dampfmantel umgebenen Kammer, dem in diese lose passenden Schiebegestell, dem Kessel und der Vacuumpumpe besteht. Das Ganze ist auf ein vierrädriges Fahrgestell montirt. Der aus dem Kessel kommende hochgespannte Dampf wird bei Eintritt in den Dampfmantel, wo er während der ganzen Dauer der Desinfection circulirt, durch ein Druckreductionsventil auf niedrige Spannung gebracht. Die Kleidungsstücke u.s.w., welche desinficirt werden sollen, werden auf die Drahtgitter des Schiebegestells gelegt oder an seine Haken gehängt und mit diesem in die Kammer geschoben; die mit einer Gummiliderung versehene Thür wird zugemacht und durch Verschraubung der in ihrem Rahmen befindlichen Bolzen luftdicht verschlossen. Ein Thermometer zeigt die in der Kammer herrschende Temperatur an. Sobald diese die nämliche wie die im Dampfmantel ist, wird die Vacuumpumpe angelassen. Nachdem die Luft aus der Kammer entfernt ist, lässt man Dampf aus dem Dampfmantel ein, welcher in Folge der vorhandenen Luftleere die in der Kammer befindlichen Gegenstände vollkommen durchdringt. Damit der einströmende Dampf nicht direct auf diese stosse, trägt sein Zuleitungsrohr am Ende eine Haube; etwa condensirter Dampf fliesst an den Wänden herunter und gibt so keine Veranlassung, dass wollene Sachen in Folge der Nässe einlaufen. Die Zeit, während welcher die Gegenstände in der Desinfectionskammer zu bleiben haben, ist je nach der Art derselben verschieden.

2) Aus dem Schwefelräucherapparat, welcher aus einem Ofen, einem Kessel, der Maschine und dem Ventilator besteht. Das Ganze ist ebenfalls auf ein vierrädriges Fahrgestell montirt. Der Verbrennungsofen für den Schwefel ist ein doppelter, der Feuerraum befindet sich an dem einen Ende; der Schwefel verbrennt langsam in einer gusseisernen Pfanne zu schwefliger Säure. Um neue Portionen Schwefel einführen zu können, ohne die Thüre öffnen zu müssen und so durch plötzlichen Luftzutritt eine zu rasche Verbrennung des Schwefels herbeizuführen, ist eine zweiflügelige Zuführeinrichtung angebracht. Die in dem Verbrennungsofen entwickelte schweflige Säure wird in einem auf demselben befindlichen Reservoir, in welchem passend angebrachte Querwände ein etwaiges Mitgerissenwerden von unverbranntem Schwefel verhüten, angesammelt und von dort durch den Ventilator, welcher direct durch eine rasch laufende Maschine getrieben wird, mittels eines Schlauches in das Gebäude, welches desinficirt werden soll, gepresst.

Der mit solchem fahrbaren Desinfectionsapparat verknüpfte Vortheil ist, dass man ihn, sobald ein verdächtiger Krankheitsfall constatirt ist, nach dem betreffenden Hause fahren kann, aus dem man den Kranken und seine Sachen entfernt, letztere im Dampfdesinfectionsapparat und das Haus selbst durch den Schwefelräucherapparat desinficirt.

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