Titel: Verhütung der Verwitterungen des Marmors.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 2 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi11_2

Verhütung der Verwitterungen des Marmors.

Ueber die nachtheiligen Einflüsse der Witterung auf den Marmor macht in der Baumaterialienkunde, Heft 3, F. Hauenschild einige Mittheilungen, deren Schluss wir in Nachstehendem folgen lassen:

Im J. 1885, gelegentlich der Restaurirungsarbeiten am St. Marcus-Dom, ermittelte der Bauleiter Ingenieur Saccardi in dem Verfahren, welches der Chemiker Kessler zum Härten weicher, natürlicher und künstlicher Bausteine vorschlug, bestehend im Imprägniren mit Metallfluosilicaten (Fluaten), ein Mittel, welches zu überraschenden Resultaten führte und das daher berufen erscheint, in der Frage der Renovirung und Conservirung der Statuenmarmore von Bedeutung zu werden. Saccardi behandelte im Laboratorium von Prof. Leonardi z.B. eine vollständig weich gewordene Marmorplatte mit Fluat, welche darauf ihre ursprüngliche Härte wieder erlangte, mit der Säge bearbeitet scharfe Ränder ergab und, mit Blei polirt, eine so klare Oberfläche erhielt, wie sie selbst bei neuem Marmor nicht zu erzielen ist.

Saccardi rühmt von diesem Mittel ferner, dass es auch zum Verkitten löcheriger Stellen im Marmor vorzügliche Dienste leistet, indem man zunächst aus dem mit Wasser angerührten Marmorpulver einen Brei bereitet und in die beschädigten Stellen einstreicht und hinterher mit Fluat härtet, wodurch der Kitt so hart wie der Marmor selbst wird und mit diesem ein homogenes Ganze bildet. Diesbezügliche Laboratoriumsversuche in der Mailänder Technischen Hochschule ergaben für eine so hergestellte künstliche Steinmasse aus Kalkpulver, imprägnirt mit Doppelfluat, eine durchschnittliche Festigkeit für Bruch von 57 k und für Druck von 142 k auf 1 qcm.

Vom chemischen Standpunkte aus erklärt sich diese in der Praxis beobachtete günstige Einwirkung der Fluate auf Marmor dahin, dass eine wechselweise Umsetzung vor sich geht.

Es bilden sich aus Aluminiumfluat und Marmor einerseits unlösliche Kieselsäure, Flusspath und unlösliche Thonerde, andererseits Kohlensäure, welche entweicht.

Es wäre sehr wünschenswerth, dass diese schon seit 10 Jahren bewährte Conservirungsmethode auch in Deutschland mehr Eingang fände, wozu die gegenwärtigen Mittheilungen eine Anregung bilden mögen.

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