Titel: Reinigen und Schärfen gebrauchter Feilen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 301/Miszelle 2 (S. 302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj301/mi301mi13_2

Reinigen und Schärfen gebrauchter Feilen.

In der Zeitschrift des allgemeinen technischen Vereins macht A. Gawalowski folgende Angaben:

Feilen aus Werkstätten für Zinn- und Bleibearbeitung, aus Gasanstalten und Wasserwerken sind meist mit Blei und Zinn, seltener mit Eisenspänen belegt. Es genügt, dieselben einige Secunden in concentrirte Salpetersäure einzutauchen, bis lebhaft rothbraune Dämpfe auftreten, dann mit Wasser zu spülen und in Sägespänmehl, Kohlenstaub o. dgl. einzulegen oder rasch zu trocknen, um sie wieder gebrauchsfähig zu machen. Auf dieselbe Weise sind die Metallraspeln zu reinigen. Von Vortheil ist nach dem Aetzbade und der darauf folgenden Wasserspülung ein Abbürsten der Feilen und Raspeln mittels einer Reisstroh- oder scharfen Borstenbürste.

Mit Eisenfeilspänen versetzte Feilen sind zunächst in ein Bad aus in Wasser gelöstem Kupfervitriol zu tauchen, in dem das Eisen gelöst und Kupfer als Schlamm niedergeschlagen wird, ohne dass die eigentliche Stahlmasse der Feile erheblich angegriffen würde. Danach spült man mit Wasser, bürstet und taucht in Salpetersäure und behandelt die Feilen in oben beschriebener Weise. Die durch Zinkspäne abgestumpften Feilen reinigt man durch Eintauchen in verdünnte Schwefelsäure, und verfährt übrigens so, wie schon angegeben.

Feilen aus Kupferschmieden und Giessereien werden mittels Salpetersäure in oben beschriebener Weise gereinigt, jedoch ist die Aetzung und das Bürsten öfters zu wiederholen, da bei der ersten Aetzung hartnäckig am Eisen oder Stahl haftendes Kupfer niedergeschlagen wird.

Feilen und Raspeln aus Tischlerwerkstätten legt man zuerst in concentrirte, womöglich erwärmte Schwefelsäure, spült dann vorsichtig und bürstet ab, um sie danach in Kalilauge zu tauchen, wiederum zu spülen, zu bürsten und zuletzt zu trocknen.

Das Trocknen kann in allen Fällen schnell und bequem auf die Weise ausgeführt werden, dass man eine grössere Anzahl chemikaustisch gereinigter Feilen mit Spiritus übergiesst, diesen entzündet und auf den Feilen abbrennen lässt.

Die solchergestalt gereinigten Feilen sind, allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze, auch geschärft, da die Bruchspäne der Feilzähne und Kanten weggeätzt oder zum mindesten derart geätzt wurden, dass dieselben nachher auf mechanischem Wege (mittels Bürste und Spülwasser) bequem entfernt werden. Die umgebogenen Feilzähne und Kanten erlangen durch die chemische Aetzung ebenfalls wieder Schärfe gegenüber der zu feilenden Substanz.

In Betracht kommt aber auch noch, dass die Beizbäder lange wirksam bleiben und schliesslich an chemische Fabriken (als Eisenbeizwasser, Kupferbeizwasser u.s.w.) separat verkauft werden können, so dass die Kosten der Beizung ganz unbedeutend bleiben. (O. L. in Stahl und Eisen vom 1. Sept. 1896.)

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