Titel: Die Wassermesser für Hausleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 1–7)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302001

Die Wassermesser für Hausleitungen.

Von Dr. L. Sell.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 301 S. 289.)

Mit Abbildungen.

Eine Theilung der durch den Messer hindurchgehenden Flüssigkeitsmassen in mehrere Ströme von ungleicher Kraft, wie sie ja auch bereits beim Bernhard'schen Messer zu finden war, ist in mannigfacher Weise versucht worden.

Textabbildung Bd. 302, S. 1

Bei dem Messer von Jonathan Johnson (Amerikanisches Patent Nr. 197859 vom Jahre 1877) sind, ausser einer dauernd geöffnet bleibenden, verhältnissmässig engen Einströmungsöffnung, welche ihr Wasser gegen die obere von zwei Reihen beweglicher Flügel, mit denen das Flügelrad ausgerüstet ist, ergiesst, zwei weitere Einströmungsöffnungen angeordnet, welche so wie die erste von oben her das Wasser in den Flügelradraum eintreten lassen, durch federbelastete Ventile verschlossen sind und nur bei stärkerem Wasserdurchfluss in Wirksamkeit treten und eine übermässige Beschleunigung des Flügelrades verhüten.

Im Wesentlichen dasselbe Princip findet noch bei verschiedenen anderen Messern Anwendung.

Bei dem Messer von Heinrich Oeser in Dresden (D. R. P. Nr. 33115 vom Jahre 1884), Fig. 39 und 40, befinden sich die Einströmungsöffnungen in der Seitenwand der Flügelradkapsel; und zwar leiten die unveränderlichen Oeffnungen a das Wasser gegen das Flügelrad, während die von den Klappen c verschlossenen Reserveöffnungen b, welche sich bei stärkerem Druck, je nach der Stärke der Haltefedern d allmählich öffnen, das Wasser in den Raum unterhalb des Flügelrades leiten.

Textabbildung Bd. 302, S. 1

Der Messer von Henry Herbert Sporton und Ernst White (D. R. P. Nr. 55250 vom Jahre 1890), Fig. 41, besitzt zwei Reihen concentrisch zu einander liegender Zuströmungsöffnungen fg, so dass sämmtliche Zuflusströme direct gegen das Flügelrad gerichtet sind, jedoch in verschiedenem Abstande von der Achse angreifen. Während aber das durch die eine Reihe von Oeffnungen f eintretende Wasser ohne vorherige Ueberwindung von Widerständen in den Flügelradraum gelangt, muss das auf dem zweiten Wege g eindringende Wasser zuvor ein Ventil j öffnen.

Textabbildung Bd. 302, S. 1

Der Messer von Michel Esser in Lüttich (D. R. P. Nr. 68656 vom Jahre 1892), Fig. 42, hat gleichfalls zwei Reihen von Oeffnungen, von denen die eine dem Wasser freien Durchgang verstattet, während die Oeffnungen der anderen Reihe mit Blattfedern oder belasteten Ventilen abgeschlossen sind und sich nur bei stärkerem Druck öffnen. |2| Hier sind aber nur die ersteren in der Seitenwand der Flügelradkapsel angeordnet, während die letzteren d das Wasser von unten her gegen das Flügelrad führen und bremsend auf dasselbe wirken. Doch dürften die sich kreuzenden Wasserströme störende Wirbel zur Folge haben.

Textabbildung Bd. 302, S. 2

Bei dem Messer von Ludwig Valentin in Frankfurt a. M. (D. R. P. Nr. 64095 vom Jahre 1891), Fig. 43, wird ebenso wie bei dem Oeser'schen Messer (Fig. 39 und 40) ein Theil des Wassers durch Oeffnungen in der Flügelradkapsel direct gegen das Flügelrad geführt, während ein zweiter Theil, nach Hebung eines Ventils, unterhalb des Flügelrades fortgeführt wird, hier jedoch abweichend von dem Oeser'schen Messer, ohne überhaupt in die Flügelradkapsel einzutreten. Mit dieser Regulirvorrichtung ist eine Vorrichtung zur Verminderung der Geschwindigkeit des Flügelrades und damit der Abnutzung der Achse und Lager desselben verbunden. Dieselbe besteht in der Anordnung von Flügelansätzen l auf einer von dem Flügelrad auf seiner oberen Stirnseite getragenen Scheibe k mit centrischem Ausschnitt. Das durch die verstellbare Oeffnung m eintretende Wasser stösst gegen die Ansätze l und übt dadurch eine hemmende Wirkung auf das Flügelrad aus, ohne dass es die Bewegung des letzteren, da es durch die Scheibe k geschützt ist, zu stören vermöchte.

Textabbildung Bd. 302, S. 2

Von den bisher beschriebenen Regulirvorrichtungen durchaus verschieden ist eine Vorrichtung von Dreyer, Fig. 44. Rosenkranz und Droop (D. R. P. Nr. 79348 vom Jahre 1894), Fig. 44 und 45; dieselbe macht von der Thatsache Gebrauch, dass ein durch ein gerades Rohr sich vorwärtsbewegender Flüssigkeitsstrom, so lange die Durchgangsöffnung der geraden Rohrmündung den durchschiessenden Wassermengen annähernd entspricht, an einer kleinen seitlichen Oeffnung des Rohres vorüberschiesst, ohne überhaupt oder doch ohne beträchtliche Wassermengen durch dieselbe zu entsenden, und dass erst bei wachsender Durchflussmenge bezieh. wachsendem Flüssigkeitsdruck eine solche seitliche Oeffnung zur Wirkung gelangt.

Dreyer, Rosenkranz und Droop setzen nun in das Einflussrohr kurz vor seiner Mündung in den Flügelradraum eine Düse ein, welche durch, einen Schlitz oder durch Oeffnungen i mit einer Ringkammer o in Verbindung steht, aus welcher ein Kanal b in den Flügelradraum führt. Bei stärkerem Wasserdurchfluss wird durch Rückstau aus dem Flügelradraum Wasser in die Ringkammer o gedrängt, das durch den Kanal b als das Flügelrad hemmender Gegenstrom in den Flügelradraum eintritt.

Wenn im Vorhergehenden als eigentliche Regulirvorrichtungen diejenigen besprochen worden sind, bei welchen sich eine selbsthätige Veränderung, sei es der Grösse der Einströmungsöffnung (eventuell in Verbindung mit einer, wenn auch geringfügigen Aenderung der Richtung des in den Flügelradraum eintretenden Wassers), sei es der Angriffsstelle der Wasserströme findet, so wird nunmehr auf die uneigentlichen Regulir- oder Einstellvorrichtungen einzugehen sein, bei welchen die Veränderung der Grösse der Einströmungsöffnungen oder der Richtung der Wasserströme oder der Angriffsstelle der letzteren von Hand bewirkt wird. Hieran werden die Regulir- bezieh. Einstellvorrichtungen mit in die Wasserbahn eingeschaltetem und von Hand verstellbarem Widerstand anzuschliessen sein.

Ein Beispiel einer Einstellung eines Messers durch Veränderung der Grösse der Einströmungsöffnung war bereits früher gelegentlich der Besprechung des Druckreglers nach dem amerikanischen Patent Nr. 153482 erwähnt worden. Bei diesem Messer befand sich die Einströmungsöffnung in einem das Flügelrad umgebenden drehbaren Ring und konnte durch Drehung des Ringes beliebig verändert werden.

Auch bei den in England unter Nr. 5820 im Jahre 1884 und 13679 im Jahre 1885 patentirten Messern von William Newton Cox in Bristol und Heinrich Meinecke in Breslau befindet sich die Einströmungsöffnung in einem drehbaren Ring und kann durch Verstellung des Ringes beliebig verändert werden. Dabei ist bei dem Cox'schen Messer die Einströmungsöffnung unterhalb des Flügelrades angeordnet, um das letztere gegen Stösse zu sichern. Ueberdies wird hier diese Einstellvorrichtung durch eine zweite unterstützt, welche aus einer Schraube besteht, die in den Raum über dem Flügelrade mehr oder weniger weit hineingeschraubt werden kann.

Auch der genannte Meinecke'sche Messer besitzt eine besondere Eigenthümlichkeit; dieselbe besteht in einer kleinen Oeffnung, welche in dem drehbaren Ring neben der Hauptöffnung angeordnet und bestimmt, ist einen Gegenstrom in den Flügelradraum hinein zu senden.

Textabbildung Bd. 302, S. 2

Dem Princip nach mit diesen Vorrichtungen, insbesondere mit der früher genannten des amerikanischen Patentes Nr. 153482, nahe verwandt, praktisch derselben jedoch in gewisser Beziehung überlegen zeigt sich die Ringschütze des Flüssigkeitsmessers von Johann Lühne in Aachen (D. R. P. Nr. 54329 vom 11. Februar 1890), Fig. 46. Diese Ringschütze o hat den Zweck, die Grösse der Einströmungsöffnung n nach Belieben zu regeln. Dadurch nun, dass die Verstellung der Ringschütze mittels eines Triebschlüssels p von aussen bewirkt werden kann, wird es |3| möglich, die Einstellung des Messers zu bewirken, ohne denselben aus einander zu nehmen.

Textabbildung Bd. 302, S. 3

Schon viel früher war eine von ausserhalb des Messers zu bewirkende Regulirung der Einströmung in den Messradraum von Alfred Tylor in London bei einer seiner Messerconstructionen vorgesehen (Englisches Patent Nr. 1411 vom Jahre 1871), Fig. 47 und 48. Doch handelte es sich hier nicht um die Regulirung einer einzigen Einströmungsöffnung, sondern um eine Mehrzahl in einer cylindrischen Trommel befindlicher Oeffnungen. Um die Grösse dieser Oeffnungen zu verändern, ist die Trommel von einer zweiten Trommel mit entsprechenden Oeffnungen umgeben, die von aussen mit Hilfe einer Schraube gedreht werden kann.

Textabbildung Bd. 302, S. 3

Die bei den beschriebenen Einstellvorrichtungen angewandte Methode der Regelung des Wasserzuflusses durch Drosselung der Eintrittsstelle bei im Uebrigen unveränderter Weite des Einströmungskanals kann unter Umständen störende Wirbelbewegungen zur Folge haben. Um die letzteren zu vermeiden und dem Wasser auch in den regulirten Kanälen eine gleichmässige, wirbelfreie Führung zu geben, ist von Paul Stoll in Düsseldorf eine Ringschütze construirt worden (D. R. P. Nr. 74621 vom 23. September 1893), Fig. 49, welche gestattet, die Einströmungskanäle ihrer ganzen Länge nach zu reguliren. Diese Ringschütze o ist mit Zungen c ausgerüstet, welche durch die zu regulirenden Kanäle a1 gehen und die regulirten Wasserstrahlen auf je einer Seite ihrer ganzen Länge nach begrenzen.

Bei denjenigen Messern, bei welchen das Wasser den Messer parallel zur Messradachse durchströmt, müssen die Einstellvorrichtungen, welche auf Veränderung der Grösse der Einströmungsöffnungen beruhen, gewisse Modificationen erleiden, doch finden sich auch hier Regulirklappen und Regulirschützen.

Bei dem Oliver Imray (für Alphonse Frazer und die Société Michel und Cie. in Paris) unter Nr. 11759 im Jahre 1885 in England patentirten Messer (Fig. 50) besteht die Regulirschütze aus einer unbeweglichen Kautschukmembran, welche den das Wasser zuführenden Ringkanal abdeckt und gleichzeitig die aus diesem Kanal in den Flügelradraum führenden schrägen Oeffnungen verschliesst. Dadurch, dass nun mehr oder weniger der schrägen Einströmungsöffnungen durch Durchbohrung der Membran freigelegt werden, kann der Messer beliebig eingestellt werden. Zur feineren Einstellung bezieh. zur Einstellung des Messers unabhängig von derjenigen durch die Zahl der Oeffnungen in der Membran sind in den Einströmungsöffnungen federnde Platten vorgesehen, welche dieselben, je nach der Stellung einer von aussen zugänglichen Schraube, mehr oder weniger schliessen.

Textabbildung Bd. 302, S. 3

Die Durchbohrung der die Einströmungsöffnungen versperrenden Membran ist offenbar ein sehr primitives Mittel, das der Vervollkommnung in hohem Maasse bedürftig und fähig ist. Die Membran ist zweckmässig durch eine durchlöcherte, drehbare Scheibe zu ersetzen, welche die Einströmungsöffnungen mehr oder weniger zu schliessen gestattet. In der That ist dieses Mittel schon viel früher bei dem Schraubenwassermesser – mit einer Schraube als Messrad – zur Anwendung gekommen, den sich Ahrbecker (für Henry Conrad) unter Nr. 3914 im Jahre 1876 in England patentiren liess. Bei diesem Messer ist das mit schrägen Oeffnungen versehene Leitrad, welches das Wasser senkrecht gegen die Schraubengänge leitet, drehbar über einer festen, mit den Leitradöffnungen entsprechenden Durchbohrungen versehenen Scheibe angeordnet. Die Einströmungsöffnungen können also durch Drehung des Leitrades beliebig verstellt werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 3

Mit dieser Einstellvorrichtung fast übereinstimmend ist diejenige, welche sich bei dem unter Nr. 12161 im Jahre 1887 in England patentirten Messer von C. Berhaut in Liege, Belgien, findet (Fig. 51 und 52). Auch hier strömt das Wasser durch zahlreiche Oeffnungen von unten gegen das Messrad, das hier die Form eines eigentlichen Turbinenrades besitzt. Doch ist hier die untere von zwei Scheiben (die mit schrägen Oeffnungen versehene) drehbar angeordnet.

Bei der allgemeinen Erörterung über die Methode zur Regulirung eines Messers war daraufhingewiesen, dass neben der Grösse der Einströmungsöffnung insbesondere die Richtung des in den Flügelradraum einströmenden Wassers und die Angriffsstelle des eintretenden Stromes für die Bewegung des Flügelrades maassgebend ist.

Die Einstellung eines Messers durch Veränderung der |4| Angriffsstelle zu bewirken, ist ein wenig beliebtes Verfahren. Wenigstens vermag ich nur einen Messer nachzuweisen, bei dem dasselbe zur Anwendung gekommen ist. Es ist dieses ein Messer von Francis George Fleury in Southwark, auf welches demselben unter Nr. 1008 im Jahre 1871 in England ein Patent ertheilt wurde (Fig. 53). Bei diesem Messer ist das Flügelrad in drehbaren Lagerstücken excentrisch gelagert. Durch Drehung der Lagerstücke wird somit eine Veränderung in der Stellung des Rades und damit zugleich, da Ein- und Austrittsstelle des Wassers unverändert bleiben, eine Veränderung der Angriffsstelle des Wasserstromes bewirkt.

Textabbildung Bd. 302, S. 4

Dagegen ist von dem Princip der Richtungsänderung des in den Flügelradraum eintretenden Wasserstromes bezieh. eines Theiles des letzteren zum Zweck der Einstellung des Messers in ziemlich ausgedehntem Maasse Gebrauch gemacht worden.

Die besondere Art und Weise, in der Balthasar Schneiderhöhn in Frankfurt a. M. dieses Princip bei seinem Messer (D. R. P. Nr. 22607 vom 23. Mai 1882), Fig. 54 und 55, verwirklicht, ist nahe verwandt mit früher angegebenen Methoden zur Regulirung der Grösse der Einströmungsöffnung. Auch hier ist das Flügelrad von einem Ringe umgeben, in welchem sich die Einströmungsöffnung e (und Ausströmungsöffnung) befindet. Dieser Ring oder diese Kappe b ist um das untere Spurlager c drehbar. Durch hinreichend starke Drehung der Kappe könnte zwar auch hier eine Veränderung der Grösse der Ein- bezieh. Ausströmungsöffnung bewirkt werden, doch geht die Absicht des Erfinders nur dahin, die Richtung des einströmenden Wassers zu beeinflussen. Uebrigens wird, bis zu einem gewissen Grade, mit der Richtung des Wasserstromes zugleich die Angriffsstelle desselben verändert.

Textabbildung Bd. 302, S. 4

Die Veränderung der Richtung des Wasserstromes von aussen zu bewirken, gestattet eine Einstelldüse der Firma Robert Gruis in Heilbronn (D. R. P. Nr. 35182 vom 6. October 1885), Fig. 56 und 57. Diese Düse ist im Zuleitungsrohr in einem Kugelgelenk drehbar. Die Drehung erfolgt mittels eines Drehstiftes 4, der mit der Gabel 5 einen Stift 6 fasst, welcher an der Düse befestigt ist.

Eine ähnliche, von aussen zugängliche Einstellvorrichtung findet sich auch bei den grossen Messern von Dreyer, Rosenkranz und Droop.

Textabbildung Bd. 302, S. 4

Auch bei der Gruis'schen Einstelldüse bleibt die Richtungsänderung des Wasserstromes auf eine Drehung desselben in einer Ebene – senkrecht zur Messradachse – beschränkt. Demgemäss bleibt bei der Einstellung des Messers in Bezug auf die Stellung der Düse sowohl wie in Bezug auf diejenige der unmittelbar vorher genannten Kappe keine Wahl. Es ist aber an einer früheren Stelle ganz allgemein dargelegt worden, von welcher Bedeutung für die Regulirung eines Messers für die verschiedenen Durchflussmengen – im Gegensatz zu einer Einstellung desselben für eine bestimmte Durchflussmenge – eine grössere Mannigfaltigkeit der Einstellmöglichkeiten ist.

Textabbildung Bd. 302, S. 4

Eine solche Mannigfaltigkeit der Einstellmöglichkeiten bietet nun die unter Nr. 51767 vom 19. November 1889 patentirte Regulirvorrichtung von H. Meinecke jr. in Breslau (Fig. 58 und 59). Diese Regulirvorrichtung besteht aus einer oder mehreren durchbohrten Kugeln K, welche drehbar in die Wandung des Einsatzes eines Messers mit beliebig gestaltetem Betriebsrade eingefügt sind. Dank diesen Kugeln hat man hier also Wasserstrahlen zur Verfügung, deren Richtung zum Zweck der Einstellung bezieh. Regulirung des Messers beliebig geändert werden kann.

Eine ähnliche, wenn auch immerhin beschränktere Bewegungsfreiheit hat man auch bei dem Messer von John H. Swartz (Fig. 31) mit dem beweglichen Einflussrohr im Einlasstutzen; auch die Einstelldüse der Dreyer, Rosenkranz |5| und Droop'schen Messer (Fig. 3 und 4) lässt sich ähnlich wie die Meinecke'schen Kugeln des Patentes Nr. 51767 benutzen.

Textabbildung Bd. 302, S. 5

Diese Vorrichtungen, insbesondere auch die Meinecke'sche haben nun freilich den Uebelstand, dass die Einstellung nicht vorgenommen werden kann, ohne den Messer ausser Betrieb zu setzen. Bei der Ausführungsform der unter Nr. 51767 patentirten Regulirvorrichtung für Flügelradwassermesser von Carl Reuther, i. F. Bopp und Reuther in Mannheim (D. R. P. Nr. 76465), Fig. 60, ist nun zwar dieser Uebelstand vermieden, jedoch auf Kosten eines Vorzuges der Meinecke'schen Vorrichtung. Die durchbohrten Kugeln sind nämlich durch ein von aussen einstellbares Hahnküken D ersetzt, welches eines der Leitlöcher c des Einsatzes enthält und je nach seiner Stellung diesem Loche eine andere Richtung gibt. Wenn es auch in der Patentschrift heisst, dass „diesem Loch durch Drehung des Körpers eine beliebige Richtung gegeben werden kann“, so ist doch leicht zu sehen, dass von der Gesammtheit der möglichen Richtungen lediglich eine Kegelfläche gebildet wird, dass somit von allen möglichen Richtungen nur ein winziger Bruchtheil zur Verfügung steht.

Bei den zuletzt betrachteten Messern wurde zur Regulirung bezieh. Einstellung von Wasserströmen Gebrauch gemacht, deren Richtung von der allgemeinen Richtung des Wassers an ihrer Eintrittsstelle abwich. Solche Gegenströme waren zu Regulirzwecken anscheinend von Alfred Tylor in London zum ersten Mal angegeben und in der bereits erwähnten englischen Patentschrift Nr. 1411 vom Jahre 1871 beschrieben worden. Doch handelte es sich hier um ihrer Richtung nach unveränderliche Gegenströme, die nur ihrer Grösse nach regulirbar waren. Später (Englisches Patent Nr. 4056 vom Jahre 1876 und 3007 vom Jahre 1880) wurde von Alfred Tylor in Verbindung mit Joseph John Tylor dem regulirenden Gegenstrom die aus der 1882 244 * Taf. 5 Fig. 24 zu entnehmende Anordnung gegeben. Bei den neuen Tylor'schen Messern ist jedoch das Princip des Gegenstromes gänzlich aufgegeben (vgl. Fig. 63 und 64).

Textabbildung Bd. 302, S. 5

Anstatt dem Wasserstrom bereits an seiner Eintrittsstelle eine bestimmte Richtung zu ertheilen, kann man denselben auch mit Hilfe von Richtplatten in erwünschter Richtung gegen das Flügelrad leiten. Solche Richtplatten wurden schon oben bei den Messern nach den amerikanischen Patentschriften Nr. 197949 vom Jahre 1877 und Nr. 233446 (Fig. 31) erwähnt. Doch sind derartige, übrigens von aussen verstellbare Richtplatten (projecting plates) bereits in dem schon mehrfach erwähnten ersten Patent von Alfred Tylor (Nr. 1411 vom Jahre 1871) angegeben.

Bei den bisher erörterten Regulir- und Einstellvorrichtungen handelte es sich in erster Linie um eine Beeinflussung der Einströmmung in den Messer. Nun war aber früher dargelegt, dass auch die Grösse der Ausströmungsöffnungen für den Gang eines Messers nicht gleichgültig ist, wenn auch eine Regulirung der Ausströmungsöffnungen im Ganzen nicht für vortheilhaft gelten konnte. Gleichwohl sind einige wenige Versuche in dieser Richtung zu verzeichnen.

Die Meinecke'sche Regulirung der Ausströmung aus dem Flügelradraum durch verstellbare Seetoren und durch bewegliche Stauklappen (D. R. P. Nr. 1243 und 17285) wurde bereits erwähnt. Neben diesen beiden Vorrichtungen ist nur noch eine auf diesem Princip beruhende, sehr primitive Einstellvorrichtung von Julius Stoll in Düsseldorf zu nennen (D. R. P. Nr. 9169 vom 12. September 1879). Dieselbe besteht aus einer ringförmigen, zwischen Flügelrad und Ausströmungsraum eingeschalteten Scheibe, deren Oeffnung so gewählt wird, dass die Angaben des Messers mit den wirklich geförderten Wasser mengen übereinstimmen.

Es wäre nunmehr die Einstellung bezieh. Regulirung der Messer durch in die Wasserbahn eingeschaltete Hindernisse in Betracht zu ziehen. Beispiele dafür sind bereits früher bei anderer Gelegenheit erwähnt (vgl. englisches Patent Nr. 5820 vom Jahre 1884) und zahlreiche weitere Beispiele (von Stauflügeln) werden sich später gelegentlich der Besprechung der Messer mit als Ventil wirkendem Messrade ergeben. Deshalb sollen an dieser Stelle nur die folgenden wenigen Vorrichtungen genannt werden.

Der anscheinend bereits wieder verschwundene Turbinenflüssigkeitsmesser von Wilhelm Germutz in Wien (D. R. P. Nr. 15533 vom 29. Januar 1881), 1882 244 * Taf. 22 Fig. 5 und 6, besitzt Stauflügel unterhalb und oberhalb des Messrades. Uebrigens fliesst bei diesem Messer das aus einem Ringkanal in den Flügelradraum eintretende Wasser zu gleicher Zeit nach unten und nach oben ab, so dass auf diese Weise – da auch das Messrad aus leichtem Material (von Hartgummi) hergestellt ist – eine nahezu vollständige Entlastung der Achse von seitlichem und von senkrechtem Druck erreicht sein dürfte.

Eduard Schinzel in Wien wendet zur Regulirung Stauflügel besonderer Art an (D. R. P. Nr. 66715 vom 15. December 1891), Fig. 61 und 62. Dieselben bestehen aus Rippen o, welche von der Decke über dem Rade so weit gegen das letztere vorspringen, dass sich dasselbe unter Belassung eines nur ganz geringen Zwischenraumes unter ihnen fortbewegen kann. Das Charakteristische dieser Stauflügel liegt nun nach der Patentschrift darin, „dass sie die Mitte freilassen, derart, dass durch dieselben keilförmige, radiale, nach der Mitte zu unter die Ausströmungsöffnungen o2 gemeinschaftlich mündende Bassins gebildet werden, in welche sich die Wassermassen gleichsam wie in gegen Wirbel gesicherte Häfen einlegen, so dass sie ruhig nach der am wenigsten bewegten Mitte hin und von hier nach oben abfliessen können und folglich auf die denkbar genaueste Weise gemessen werden müssen.“ |6| Die Einstellung des Messers erfolgt entweder durch Abrunden der der Wasserströmung entgegengesetzten Kanten 1 oder durch Vergrössern der Einströmungsöffnungen a1 auf ersterem Wege, wenn eine Beschleunigung auf letzterem, wenn eine Verlangsamung des Messerganges bewirkt werden soll.

Textabbildung Bd. 302, S. 6

Schinzel bezieh. Lux nennt seinen Messer „Hartgummi-Wassermesser“. Der Grund dafür liegt darin, dass bei diesem Messer der Einsatz, der sonst aus Metall hergestellt zu werden pflegt, aus Hartgummi besteht. Die Bezeichnung des Messers deutet an, welchen hohen Werth der Erfinder bezieh. Fabrikant des Messers dieser Neuerung beilegt. Der Werth des Hartgummis auch für die Wassermessertechnik, insbesondere die Widerstandsfähigkeit demselben ist ja, wie auch oben bereits gelegentlich bemerkt wurde, seit langem bekannt, wenn man auch bisher nicht gerade den Einsatz aus diesem Material hergestellt hat. Wenn nun auch bei den anerkannt vortrefflichen Eigenschaften des Hartgummis die Anwendung desselben, wo immer es sei, also auch zum Einsatz durchaus empfehlenswerth ist, so ist doch kaum anzunehmen, dass dadurch eine wesentliche Verbesserung erzielt wird. Denn wenn die Oxydation von Metall für die Beschaffenheit des Wassers wirklich bedenklich wäre, was sie anscheinend nicht ist, so würde das Uebel durch den Schinzel-Lux'schen Hartgummieinsatz zwar um ein weniges verringert, bliebe aber doch im Wesentlichen bestehen, da das Messrad, für welches man früher bereits zuweilen Hartgummi angewandt hat, wie bei dem soeben erwähnten Germutz'schen Messer und namentlich bei dem Messer mit Sternrad von Dreyer, Rosenkranz und Droop, bei dem Schinzel'schen Messer aus Metall besteht.

In allgemein constructiver Hinsicht ist der Schinzel'sche Messer dem Tylor'schen Messer in seiner gegenwärtigen Form (Fig. 63 und 64) nahe verwandt, wie ein Vergleich von Fig. 61 und 62 und Fig. 63 und 64 ergibt. In Bezug auf die Achsenlagerung, die bei beiden Messern verschieden ist, wurde bereits früher bemerkt, dass die von Tylor vorzuziehen ist; dagegen ist die Uebertragung der Bewegung des Flügelrades auf das Zählwerk bei Schinzel-Lux günstiger. Auch der genannte Tylor'sche Messer besitzt Constructionsglieder, die man als Hemmflügel bezeichnen könnte, wenigstens haben die Vorsprünge x des Flügelradeinsatzes dieselbe hemmende Wirkung wie die Schinzel-Lux'schen Hemmflügel über dem Messrade.

Textabbildung Bd. 302, S. 6
Textabbildung Bd. 302, S. 6

Auch der Messer von F. Ant. Hubbuch in Furtwangen (D. R. P. Nr. 83598), Fig. 65 bis 67, besitzt eine grosse Aehnlichkeit mit dem Schinzel-Lux'schen Messer, derart, dass das Princip des Hubbuch'schen Messers – der übrigens in der Schweiz unter dem Namen von Friedrich Lux in Ludwigshafen patentirt ist (Schweizerisches Patent Nr. 10298) – direct bei dem Schinzel'schen Messer Anwendung finden kann. Oberhalb und unterhalb des Messrades befinden sich Stauflügel bezieh. (zwischen den Stauflügeln) geschweifte Kanäle k und p von gleichbleibendem Querschnitt, welche das Wasser nach der Flügelrad welle leiten, worauf dasselbe durch die Bohrung d und die Oeffnungen h zum Verbrauchsort weiterfliesst. Ausser der centralen Ausflussöffnung d besitzt der Messer noch Oeffnungen b in der Nähe des Umfanges der Messkapsel, welche durch einen über denselben liegenden Ring S mit |7| Oeffnungen a mehr oder weniger geöffnet werden können und dadurch eine Einstellung des Messers ermöglichen. Zur rohen Einstellung dient ein Ring U, durch dessen Drehung ein grösserer oder geringerer Widerstand in die Kanäle p eingeschaltet wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 7

Ebenso wie die Hubbuch'sche Einstellvorrichtung besteht auch die unter Nr. 68391 in Deutschland patentirte Regulirvorrichtung von Gustav Sigl in Budapest (Fig. 68 und 69) in der Anwendung verstellbarer, in die Wasserbahn hineinragender Widerstände, im Gegensatz zu den festen Stauflügeln von Schinzel und Tylor. Als Messertypus, an dem in den nebenstehenden Zeichnungen die Vorrichtung veranschaulicht ist, ist der demselben Erfinder unter Nr. 61701 vom 10. Juli 1891 ab geschützte gewählt. Bei demselben wird das Wasser von unten her gerades Weges gegen ein Rohr geleitet, das mittels eines, in dasselbe eingesetzten Stopfens die Radachse trägt. Dadurch wird das Wasser veranlasst, seine Richtung umzukehren, durch Fig. 68. den die Röhre tragenden Siebboden zu treten, das Flügelrad in Bewegung zu setzen, um schliesslich durch die Oeffnungen G abzuströmen. Auf diesem Wege wird es durch Rohrstücke R bezieh. T, aus welchen die Regulirvorrichtung besteht, beeinflusst. Diese Rohrstücke, welche sich in die Wasserbahn stellen, werden Wirbel verursachen, welche hemmend auf das Flügelrad einwirken, und zwar um so mehr, je stärker die Wirbel sind. Die Wirbel werden aber um so stärker sein, mit je grösserem Druck bezieh. Geschwindigkeit das Wasser den Messer durchströmt. Es ist somit in der That eine regulirende Wirkung der Rohrstücke erklärlich, da ja zu einer solchen erfordert wird, dass das Flügelrad bei starkem Durchfluss in seiner natürlichen Bewegung im Verhältniss mehr gehemmt wird, als bei geringem. Es käme also nur darauf an, das Verhältniss der Hemmung bei starker und bei schwacher Wasserentnahme nach Belieben regeln zu können. Dieser Zweck soll einerseits durch die Verstellbarkeit und andererseits durch die Form der Rohrstücke R und des Rohrstückes T erreicht werden. Die Art der Regulirung mittels der Rohrstücke R ist aus der Zeichnung ohne weiteres verständlich; dagegen bedarf die Regulirung mit Hilfe des Rohres T einige Worte der Erklärung.

Das Rohr T dient insbesondere zur feineren Regulirung. Seine Wirkung beruht, nach der Patentschrift, auf der Contraction, welche ein Wasserstrahl beim Durchgange durch ein mit Gewinde versehenes Rohr erleidet. Der Ersatz eines glattwandigen Ausströmungsrohres durch ein mit Windungen versehenes wirkt wie eine Verengung des ersteren. Durch mehr oder weniger weites Einschrauben des Rohres T und dadurch bewirkte Freilegung von weniger oder mehr Windungen hat man also eine Regulirung der Ausströmung und damit des Messers überhaupt in der Hand.

Dieselbe Wirkung wie durch Veränderung der Grösse lässt sich auch durch Veränderung des Ortes eines in die Wasserbahn eingeschalteten Widerstandes erreichen. Eine solche Ortsveränderung eines Widerstandes wird bei der Stell- und Auslassvorrichtung für Wassermesser von B. Ketterer Söhne in Furtwangen in Baden (D. R. P. Nr. 78689 vom 11. Februar 1894), Fig. 70 und 71, benutzt. Bei dieser Vorrichtung ist das von aussen, nach Abnahme der Mutter d verstellbare Leitrad mit Stegen b2 unterhalb des Laufrades versehen. Eine Drehung des Leitrades bewirkt somit eine Lageveränderung der Stege b2, welche zur Einstellung des Messers benutzt wird. – Mit dieser Stellvorrichtung ist übrigens eine Vorrichtung, um das Einfrieren des Messers zu verhindern, verbunden. Dieser Zweck wird dadurch erreicht, dass dem Wasser gestattet ist, nach Entfernung der Verschlussmutter d ohne weiteres abzufliessen.

Textabbildung Bd. 302, S. 7

Es steht zu vermuthen, dass die Möglichkeit, gleichzeitig Grösse und Ort eines Regulirwiderstandes zu verändern; für die Regulirung eines Messers besondere Vortheile bieten würde; doch scheint bis jetzt keine Messerconstruction zu existiren, welche eine solche Combination aufweist.

(Fortsetzung folgt.)

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