Titel: Neuerungen an Oefen für keramische Zwecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 97–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302019

Neuerungen an Oefen für keramische Zwecke.

Von Dr. L. Sell in Charlottenburg.

Mit Abbildungen.

Zu einer Zeit des lebhaftesten internationalen Verkehrs und internationalen Wettbewerbs auf dem Weltmarkt ist es einigermaassen befremdend, zu sehen, dass die Internationalität der Productionsmethoden doch noch nicht in allen Industriezweigen zur Thatsache geworden ist.

Als die deutschen Keramiker von der Weltausstellung in Chicago heimkehrten, waren dieselben voll des Ruhmes der keramischen Erzeugnisse Amerikas. Das lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Productionsmethoden der Neuen Welt, die zum Theil in schroffem Gegensatz zu denjenigen des Continents stehen. In der keramischen Fachpresse wurde die in Amerika weit verbreitete Trockenpressung, die auf dem Continent, wenn auch nicht unbekannt, so doch gänzlich ausser Uebung war und auch noch ist, auf das eingehendste erörtert. Von einem anderen wichtigen Productionsfactor, den Brennöfen, wurde jedoch von Besuchern der Ausstellung damals nur beiläufig bemerkt, dass dieselben den in Deutschland gebräuchlichen nachstehen, ohne dass es zu einer eingehenderen Erörterung dieses Punktes gekommen wäre.

Es ist ohne weiteres klar, dass jedes derartige allgemeine Urtheil immer nur bedingt richtig sein kann. Für den Fortschritt der Technik bleibt aber ganz allgemein zu wünschen, dass jedes durch erfinderische Thätigkeit geschaffene Kapital, das, im Gegensatz zu dem Geldkapital, das ein einzelner erwirbt, seiner Natur nach zu allgemeiner Verwendung befähigt ist, auch allgemein nutzbar gemacht wird.

In diesem Bericht über Neuerungen an Brennöfen sollen daher neben den deutschen auch die in Amerika und England hervorgetretenen Constructionen eingehende Berücksichtigung finden. Und zwar werden die letzteren einen um so grösseren Raum für sich beanspruchen dürfen, als es sich bei ihnen darum handelt, eine lange Vernachlässigung gut zu machen. Dabei mag schon jetzt bemerkt werden, dass die Hauptstärke amerikanischer und englischer Erfinder sich bei der Construction von periodischen Oefen insbesondere zum Brennen mit überschlagender Flamme zeigt. Dass man mit solchen Oefen ausgezeichnete Resultate erzielen kann, wenn auch bei grossem Brennmaterialaufwand, ist ja auch in Deutschland hinreichend bekannt; auch sind vortreffliche Constructionen hier und da in Betrieb, von denen nur zu bedauern ist, dass sie nicht weiteren Kreisen durch Veröffentlichung bekannt gemacht werden. Hinsichtlich der Oefen mit continuirlichem Betrieb wird man dagegen, in Uebereinstimmung mit den Besuchern der Chicagoer Ausstellung, im Wesentlichen eine Ueberlegenheit Deutschlands gegenüber dem transoceanischen Ausland als feststehend annehmen dürfen.

In dem letzten Bericht (1895 298 1 ff.) war von Versuchen die Rede, den Ringofen zum Brennen feinerer und feinster Thonwaaren nutzbar zu machen. Es wurden in dieser Beziehung namentlich die Hädrich'schen Heizwände und die Diesener'schen Heizschächte erwähnt, die sich – die letzteren noch mehr als die ersteren – namentlich auch hinsichtlich der Kohlenersparniss vortrefflich bewährt haben. Von diesen Bestrebungen ist bei amerikanischen und englischen Erfindern noch kaum etwas zu verspüren – man fasst wenigstens die Aufgabe nicht so allgemein, wie es in Deutschland geschieht. In Deutschland erscheint es gewissermaassen selbstverständlich, dass der Vorzug des Hoffmann'schen Ringofens: die Vorwärmung der Verbrennungsluft, erhalten bleiben müsse. Dieser Vorzug wird von Amerikanern und Engländern, da, wo sie continuirliche Oefen zur Herstellung besserer Waaren construiren, häufig aufgegeben. Diese continuirlichen Oefen sind meist nur unmittelbar an einander gereihte oder auch räumlich von einander getrennte und nur durch Hitzeleitungskanäle mit einander verbundene Oefen mit äusserer Rostfeuerung. Was die eigentlichen Ringöfen anbetrifft, so beschränkt man sich in Amerika und England in der Hauptsache auf neuartige Anordnungen für Hitzeleitungs-, Rauch- und Schmauchkanäle, die ja natürlich auch Verbesserungen bedeuten können, die aber doch immer nur zu den kleinen Mitteln gehören, durch welche die Wirkungsweise des Ringofens im Grossen und Ganzen nicht wesentlich berührt wird.

Der continuirliche Betrieb selbst, der in Deutschland bei der Massenfabrikation namentlich gewöhnlicher Mauersteine fast allgemein Verwendung findet, ist in der amerikanischen Thonindustrie verhältnissmässig neu und hat, wie die amerikanische Zeitschrift Clay Record noch im Herbst 1895 schrieb, in derselben noch keinen Erfolg gehabt. Man wirft den continuirlichen Oefen vor, dass die Anlagekosten zu hoch seien, der Betrieb eine erhebliche Erfahrung erfordere, und dass die Controle des Ofens schwierig sei. Aus diesen Gründen sind in den amerikanischen Ziegeleien für gewöhnliche Steine hauptsächlich Feldöfen und für bessere und feuerfeste Waare Oefen mit niederschlagender Flamme im Gebrauch, von welchen letzteren bereits oben bemerkt wurde, dass die Construction derartiger Oefen die Hauptstärke amerikanischer und englischer Ofenconstructeure bilde.

Oefen mit continuirlichem Betriebe.

Ein bekannter Uebelstand der gewöhnlichen Ringöfen besteht in der Neigung des in der Nähe der Ofensohle befindlichen Theiles des Einsatzes zum Verschmauchen. Auch der von Siehmon und Rost erfundene und namentlich |98| durch die Bemühungen Bock's so schnell verbreitete obere Rauchabzug, event. selbst in Verbindung mit dem Bock'schen Verfahren des Rückwärtsschmauchens, ist für sich allein nicht immer ein unfehlbares Gegenmittel. Die Bemühungen, durch entsprechende Kanalsysteme eine lebhaftere Luftbewegung in der Nähe der Ofensohle zu erzeugen, dauern daher fort.

Textabbildung Bd. 302, S. 98

Eine diesem Zweck dienende Kanalanordnung ist von Peter L. Youngren in Oakland (Californien) in dem amerikanischen Patent Nr. 517637 (Fig. 1 und 2) angegeben. In die vorzuschmauchenden Kammern wird heisse Luft aus den abkühlenden Kammern (oder auch durch ein besonderes Schmauchfeuer auf der Ofendecke erzeugt) von der Sohle her eingeführt, welche die stagnirenden, mit Feuchtigkeit überladenen und verhältnissmässig kalten Luftmassen an der Sohle in Bewegung bringt. Die Verbindung der abkühlenden Kammern mit den vorzuschmauchenden wird durch einen über dem Rauchsammler E angeordneten Hitzeleitungskanal F hergestellt, welcher einerseits durch abnehmbare Kappen, die über eine Reihe von Heizlöchern und einen Kanalstutzen F1 des Kanals F gedeckt werden, mit den kühlenden Kammern und andererseits durch Ueberdecken der oberen Mündung des senkrechten Kanals H1 und eines Stutzens F1 mit einer Kappe G mit den vorzuschmauchenden Kammern verbunden werden kann.

Der Ofen ist noch in einer anderen Hinsicht bemerkenswerth. In Folge des Schwindens der Steine während des Brennprocesses entstehen in der Nähe des Ofengewölbes freie Räume, welche der Verbrennungsluft ungehinderten Zutritt zum Feuer gestatten und eine ordentliche Umschliessung des Einsatzes von den Feuergasen beeinträchtigen. Zur Beseitigung dieses Uebelstandes werden Gewölberippen P in angemessenen Abständen vorgesehen, welche vom Gewölbe her in den Ofenraum hinein vorspringen und die freie Luftpassage am Gewölbe entlang hemmen. Um jedoch das zwischen den Gewölberippen befindliche Material gar zu brennen, muss während des Schmauchens und in den ersten Stadien des Brennprocesses für hinreichende Luftbewegung am Gewölbe entlang gesorgt werden. Zu diesem Zweck sind in den Gewölberippen Durchlässe R vorgesehen, vor denen sich beim Schwinden des Einsatzes selbsthätig schliessende Klappen S befinden.

Textabbildung Bd. 302, S. 98

Eine andere Anordnung eines Hitzeleitungs- bezieh. Schmauchsystems, die in der Wirkung mit der soeben beschriebenen völlig übereinstimmt, ist in dem amerikanischen Patent Nr. 511026 von W. und J. Oakes angegeben. Der die mittlere Trennungswand der beiden Kammerreihen umschliessende Hitzeleitungskanal ist hier zwar unter der Ofensohle angeordnet. Doch gehen von diesem Kanal Zweigkanäle am Ofengewölbe entlang in die Höhe bis zum Scheitel des Gewölbes, wo sie in den Ofenraum münden. Es findet also auch hier die Entnahme der heissen Luft aus den abkühlenden Kammern von oben her und die Einführung in die zu schmauchenden Kammern von der Sohle aus statt.

Auch der in dem englischen Patent Nr. 21876/1893 beschriebene Ofen (Fig. 3) von George Dean besitzt ein Kanalsystem, welches die Entnahme der Hitze aus den kühlenden Kammern von oben her und die Einführung in die Schmauchkammern von der Sohle aus gestattet. Diesem Zweck dient der rings um den Ofen, an dessen äusserer, oberer Kante laufende Hitzeleitungskanal I, der durch nach dem Gewölbescheitel und der Ofensohle abzweigende Querkanäle oben und unten mit den einzelnen Ofenkammern in Verbindung steht. Ausserdem ist dieser Ofen mit einer besonderen Einrichtung zur Abführung des Schmauches versehen. Derselbe zieht durch Oeffnungen P im Ofengewölbe und wagerechte Kanäle O1 nach dem Schmauchkanal O. Man hat also hier einen oberen Schmauchabzug mit besonderem Schmauchkanal. Der Rauchabzug ist auch bei diesem Ofen ein unterer, durch den Kanal E bewirkter, und zwar werden die Gase nach der Aussenseite der Ofenkammern gezogen. Obwohl ein besonderer Grund hierfür nicht angegeben ist, so dürfte diese Anordnung doch von Vortheil sein, da in der Nähe der Aussenwände des Ofens bisweilen ein Zurückbleiben des Feuers oder schwächerer Brand beobachtet wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 98

Anlass, diese Art der Zugführung gegen die Aussenmauer des Ofens hin ausdrücklich hervorzuheben, bietet der Umstand, dass auf dieselbe in Verbindung mit einem auch in Deutschland unter Nr. 64352 patentirten Ofen von Dubois d'Enghien in Hennuyères in Belgien (1895 298 4) ein besonderer Nachdruck gelegt ist (Englisches Patent Nr. 22008/1894 und Nr. 7914/1895). In der an zweiter Stelle erwähnten Patentschrift ist übrigens eine Zugführung beschrieben, welche das Feuer nicht nur gegen die Aussenmauern, sondern nach Belieben auch nach der Innenseite des Ofenkanals zu führen gestattet.

Auch die in Fig. 4 dargestellte Anordnung des amerikanischen Patents Nr. 511704 von A. Knacker erlaubt die Gase nach Belieben entweder mehr gegen die Aussen- oder gegen die Innenwandung zu leiten. Der Ofen, für welchen diese Art der Zugführung vorgesehen ist, ist ein solcher mit kreisförmigem Grundriss und in der Mitte befindlichem Schornstein, der event. von oben her mit flüssigem Brennmaterial befeuert werden kann.

Bei allen bisher beschriebenen Hitzeleitungs- bezieh. Schmauch- und Rauchkanalsystemen fand die Entnahme der heissen Luft aus den kühlenden Kammern durch das Ofengewölbe statt, während die Zuführung der heissen |99| Luft aus dem Hitzeleitungskanal in die zu trocknenden Kammern von unten her erfolgte. Bei der Anordnung nach dem amerikanischen Patent Nr. 513999 und Nr. 514709 (Thomas Green), Fig. 5, erfolgt die Entnahme der heissen Luft zwar auch von oben her; doch erfolgt auch die Einführung in die Schmauchkammern gleichfalls durch das Ofengewölbe und zwar durch Kanalstutzen F, welche denjenigen völlig gleich sind, die aus den Kühlkammern nach dem Hitzeleitungskanal G führen. Die Ableitung der Rauch- und Schmauchgase nach dem Kamin bezieh. der Rauchkammer B erfolgt an der Ofensohle durch Oeffnungen in den Aussenwänden des Ofens. Und zwar geschieht diese Ableitung der Gase entweder (Nr. 513999) in der Weise, dass die Gase durch senkrechte Kanäle an der Aussenseite des Ofens zunächst in einen rings um den Ofen an dessen Oberkante laufenden Kanal und dann erst durch über die Kammern hinweg geführte Kanäle in die Rauchkammer B geführt werden, oder dieselbe geschieht (Nr. 514709), wie aus Fig. 5 zu ersehen ist, ohne Vermittelung eines besonderen Kanals lediglich durch Kanäle C.

Textabbildung Bd. 302, S. 99
Textabbildung Bd. 302, S. 99

Auch bei der den Gegenstand des englischen Patents Nr. 21508/1893 (Fig. 6) bildenden Anordnung geschieht sowohl die Entnahme der heissen Luft aus den Kühlkammern, als auch die Wiedereinführung in den Ofen durch das Ofengewölbe mit Hilfe einer und derselben Art am Kanalstutzen a, welche durch einen freien Raum C sowohl mit dem Rauchkanal G, als auch mit dem Heissluftkanal N in Verbindung stehen bezieh. durch Oeffnung entsprechender Schieber in Verbindung gesetzt werden können. Die Einleitung der dem Hitzeleitungskanal entnommenen Luft in die mit dem frischesten Material besetzte Kammer erfolgt jedoch gleichwohl an der Ofensohle. Die einzelnen Ofenkammern sind nämlich durch Trennungswände H von einander getrennt, welche zur Verbindung der Kammern unmittelbar über der Ofensohle mit Oeffnungen 1 versehen sind. Die den abkühlenden Kammern durch Kanalstutzen a entnommene und in den Hitzeleitungskanal N übergeführte heisse Luft wird aus dem Kanal N durch einen Stutzen a in eine bereits vorgeschmauchte – wenn auch vielleicht noch nicht völlig ausgeschmauchte – Kammer geleitet und tritt aus dieser durch die Oeffnungen I in die vorzuschmauchende Kammer; die Abführung geschieht entweder durch einen Stutzen a oder durch eine Oeffnung f an der Ofensohle und einen daranschliessenden senkrechten Kanal f nach dem Rauchsammler G.

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Auch bei dem unter Nr. 23299/1893 (Fig. 7 und 8) in England patentirten Ofen von William Eaves bilden die Hitzeleitungskanäle einen Hauptbestandtheil; doch handelt es sich bei demselben nicht nur um die Leitung der Wärme der abkühlenden Kammern, sondern auch um die Leitung und Nutzbarmachung der Abwärme von Kesselfeuerungen u. dgl. Die Verbrennungsgase von in Verbindung mit der Ofenanlage betriebenen Feuerungen sollen in die Ofenkammern eingeführt und dabei nicht nur durch Entziehung der Wärme, sondern auch durch vollständigere Verbrennung nutzbar gemacht werden. Zur Erreichung dieses Zweckes ist ein im Wesentlichen oben rings um den Ofen verlaufender Kanal g vorgesehen, der nach dem Ofen inneren führende Oeffnungen h besitzt. Der eigentliche Hitzeleitungs- bezieh. Schmauchkanal d zum Wärmetransport innerhalb des Ofens befindet sich an der Ofendecke zwischen den beiden Kammerreihen. Derselbe steht mit dem dem Gewölbe benachbarten Theil der Kammern durch Oeffnungen e in Verbindung, während an der Ofensohle Oeffnungen l vorgesehen sind. Die Verbindung zwischen den unteren Oeffnungen l und dem Kanal d wird durch senkrechte Kanäle k in der mittleren Trennungswand der Kammern hergestellt. Die zum Vorschmauchen bestimmte heisse Luft kann also auch hier aus den kühlenden Kammern von oben her entnommen und unten in die Schmauchkammern eingeführt werden. Zum Schmauchen kann auch direct von aussen zugeführte Luft, welche die Ofenkammern nicht passirt hat, benutzt werden. Um dies zu ermöglichen, ist unter der Ofensohle in der ganzen Länge des Ofens zwischen den beiden Kammerreihen ein Kanal o angelegt, der durch einen senkrechten Kanal q mit dem oberen Hitzeleitungskanal d in Verbindung steht. Um dem Kanal o stärker erwärmte Luft entnehmen zu können, sind in der mittleren Trennungswand Höhlungen r vorgesehen, die mit dem Kanal o in offener Verbindung stehen. Endlich ist auch Fürsorge getroffen, die im Ofen etwa disponible Wärme aus den Kanälen g, d und o in besondere Trockenräume zu leiten.

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An dieser Stelle mag auch ein Ofen, der „Chicago-Ofen“, |100| erwähnt werden, der, wie die Thonindustrie-Zeitung, 1895 S. 783, der amerikanischen Zeitschrift Clay Record entnimmt, für die amerikanische Ziegelindustrie von grosser Bedeutung sein soll.

Textabbildung Bd. 302, S. 100

Bei diesem Ofen (Fig. 9) steht der Schornstein S in der Mitte. Nach beiden Seiten desselben laufen drei Kanäle, ein Rauchkanal und zwei Schmauchkanäle, von welchen der eine zur Ueberführung heisser Luft aus den kühlenden in die vorzuschmauchenden Kammern, der andere zur Einführung von durch eine besondere Feuerung F erzeugter heisser Luft in die Schmauchkammern dient. Der Abzug der Feuergase erfolgt, wie die schematische Zeichnung erkennen lässt, dicht hinter dem Feuer. Der Ofen besitzt kein festes Bedeckungsgewölbe, sondern ist nur zum Theil durch eine bewegliche Decke bedeckt.

Die Thonindustrie-Zeitung unterzieht den Ofen einer abfälligen Kritik. In der That ist leicht zu sehen, dass der Abzug der Feuergase dicht hinter dem Feuer eine ausserordentliche Vergeudung an Brennmaterial zur Folge hat. Freilich wird bei dem Mangel einer festen Decke und den daraus resultirenden ungünstigen Zugverhältnissen eine Aenderung hierin kaum möglich sein. Der Mangel einer festen Decke trägt unzweifelhaft auch einen Theil der Schuld, wenn die kühlenden Kammern nicht hinreichend Wärme zum Vorschmauchen liefern. Uebrigens sind bewegliche Decken und besondere Schmauchfeuer – letztere freilich meist unter Wegfall weiterer Schmauchkanäle – in Deutschland seit langer Zeit bekannt, so dass sich schwer sagen Hesse, worin das Neue des Ofens besteht.

Es ist charakteristisch für die amerikanische Ringofentechnik und eine Bestätigung dessen, was oben darüber gesagt wurde, dass ein so mangelhafter Ofen eine gewisse Bedeutung in der amerikanischen Ziegelindustrie hat erlangen können.

Textabbildung Bd. 302, S. 100

Bei allen bisher genannten Oefen waren besondere Kanäle vorgesehen, um die heisse Luft der abkühlenden Kammera in die vorzuschmauchenden Kammern überzuführen. Derartige Schmauchkanäle sind auch sonst allenthalben angewandt, wo man den abkühlenden Kammern Wärme für den Schmauchprocess entnehmen will. Nur wenn man, wie Bock, die zum Vorschmauchen erforderliche Wärme den Rauchgasen entnimmt, hat man von der Anlegung besonderer Schmauchkanäle Abstand genommen. Hermann Spitta in Strieganzthal hat nun ein „Verfahren zum Vorschmauchen frisch eingesetzter Waare bei Ringöfen“ angegeben (D. R. P. Nr. 82831 vom 8. December 1894), bei dem die Wärme zum Schmauchen den abkühlenden Kammern entnommen wird, ohne dass besondere Schmauchkanäle zur Ueberführung der Hitze in die vorzuschmauchenden Kammern nothwendig wären. Das Verfahren beruht auf der ausserordentlichen Ausdehnung der Luft bei starker Erwärmung. Die durch die Thüre der in Entleerung begriffenen Kammer eintretende Luft bewegt sich – nach den vom Erfinder in der Patentschrift gemachten Angaben – in der Richtung des stärksten Zuges auf der Ofensohle nach dem Feuer hin. Dabei erwärmt sie sich, dehnt sich stark aus und strömt, da der Fuchs die Luftmassen nicht zu bewältigen vermag, an der Ofendecke rückwärts durch die leeren Kammern nach den vorzuschmauchenden Kammern und wird hier theils durch den geöffneten Fuchs abgezogen, theils strömt sie durch die offenen Heizkapseln aus. Man wird wohl, abweichend von den Angaben der Patentschrift, annehmen müssen, dass der offene Fuchs der Schmauchkammer unmittelbar einen Theil der in den Ofen einströmenden Luft ansaugt; doch bleibt dadurch die Erklärung des Schmauchvorganges im Wesentlichen unverändert. In der Ziegelei Strieganzthal, die mageres Material verarbeitet, ist das Verfahren mit gutem Erfolg zur Anwendung gekommen; die früher rothflammigen, unansehnlichen Steine kommen jetzt nach Einführung der neuen Schmauchmethode reinfarbig gelb aus dem Ofen (vgl. den Cramer'schen Vortrag in der Generalversammlung des deutschen Vereins für Fabrikation von Ziegeln, Thonwaaren, Kalk und Cement im Februar 1896, Bericht S. 118).

Bei einer weiteren Reihe continuirlicher Oefen sind der Hauptsache nach andere Rücksichten als solche auf das Vorschmauchen bezügliche für die Construction maassgebend gewesen.

Bei einem Ofen von Wilford (Englisches Patent Nr. 19132/1894; amerikanisches Patent Nr. 527255) ist Fürsorge getroffen, zu verhindern, dass die aus benachbarten Kammern kommenden Gase durch Zusammentreffen in demselben Hauptableitungskanal den Ofenzug stören. Zu diesem Zweck sind zwei Kanäle zur Ableitung der Gase aus den Ofenkammern vorgesehen, und die Abzugskanäle der auf einander folgenden Kammern münden abwechselnd in den einen und in den anderen dieser beiden unter der Ofensohle liegenden Hauptkanäle. Inwiefern gerade durch das Zusammentreffen von aus benachbarten Kammern kommenden Gasen eine Störung des Ofenbetriebes resultat, ist nicht angegeben. Es ist ja richtig, dass ein in einem Kanal sich fortbewegender Gasstrom in seiner Bewegung eine gewisse Störung erfährt, wenn man in denselben Kanal senkrecht zur Kanalrichtung einen zweiten Strom hineinleitet. Diese Störung bleibt aber im Wesentlichen dieselbe, gleichviel an welcher Stelle die Einleitung des zweiten Stromes erfolgt. Wenn aber daran gedacht sein sollte, die aus dem Zusammentreffen von Rauch- und Schmauchgasen resultirenden Störungen zu vermeiden, so bedarf es dazu anderer Mittel. Das eigentlich Gefährliche in dieser Hinsicht ist nicht das Zusammentreffen der Gase in den Kanälen, sondern im Schornstein. Zur Vermeidung |101| dieses Uebelstandes hat man deshalb für eine innige Mischung der abzuführenden Gase noch vor dem Eintritt in den Schornstein Sorge getragen, oder man hat im Schornstein getrennte Kanäle für die Abführung der Rauchgase einerseits und der Schmauchgase andererseits geschaffen, indem man den Schornstein aus zwei sich concentrisch umschliessenden Röhren herstellte.

Diesen letzteren Weg schlägt auch Ludwig Schiele in Freiburg i. B. bei dem von ihm angegebenen Verfahren zur getrennten Abführung der Rauch- und Schmauchgase ein (D. R. P. Nr. 85123 vom 16. Februar 1895), Fig. 10 und 11. Während man aber bisher in diesem Falle jede Ofenkammer durch besondere Kanäle mit dem inneren und mit dem ringförmigen äusseren Schornsteinraum verband, ordnet Schiele jeder Kammer nur einen einzigen Kanal 1 zu. Alle diese von den einzelnen Ofenkammern kommenden Kanäle 1 sind mit Sammelkanälen 2 und 3 verbunden, von denen der eine in den inneren, der andere in den äusseren Schornsteinraum führt. Je nachdem nun ein Kanal 1 Rauch- oder Schmauchgase führt, wird er mit dem Kanal 2 oder mit dem Kanal 3 verbunden, indem man entweder die Klappe 4 oder die Klappe 5 öffnet.

Textabbildung Bd. 302, S. 101

Die Schiele'sche Construction dürfte wohl nur bei speciellen Ofenformen eine wirkliche Vereinfachung bieten. Bei gewöhnlichen Ringöfen wird es wohl immer vortheilhafter sein, bei den bekannten von einander getrennten, in sich geschlossenen Rauch- und Schmauchkanälen zu bleiben und nur einen doppelten Kamin vorzusehen, so dass die beiden Kanäle in getrennte Rohre geführt werden können. Rauch- und Schmauchkanal entsprechen dann den Schiele sehen Sammelkanälen und es bedarf keiner ausgedehnten Kanäle, um von den einzelnen Ofenkammern zu den Sammelkanälen zu gelangen.

Textabbildung Bd. 302, S. 101

Auch der Ofen des amerikanischen Patents Nr. 512106 von Forrester und Donecken (Fig. 12) bezweckt eine Ersparniss bei der Herstellung des Abzugskanalsystems. Es ist ein Ofen höchst primitiver Art, der nur eine mittlere, stabile Rauchkammer A erhält, während alle übrigen Theile für den jedesmaligen Brand frisch hergestellt werden. Die Rauchkammer ist zum grössten Theil mit Erde gefüllt und enthält Abzugsrohre H, welche an Sohlkanäle K anschliessen, die aus dem eingesetzten Material hergestellt werden. Um die Feuergase auch nach aussen zu ziehen, sind bewegliche Züge mit einem wagerechten Theil j und einem senkrechten Theil j1 vorhanden, welche gleichfalls an die Kanäle K anschliessen und beim Aufbau des Ofeneinsatzes eingebracht, bei der Fortschaffung des gebrannten Gutes wieder entfernt werden, um sofort wieder Verwendung zu finden. Zur Hitzeleitung hat man freilich auch sonst vielfach bewegliche Blechkappen angewandt, auch aus Metallröhren zusammengesetzte Schmauchkanäle sind bekannt (vgl. z.B. D. R. P. Nr. 63826 bezieh. D. p. J. 1895 298 4); die Anwendung derartiger dem directen Ofenfeuer ausgesetzter beweglicher Züge dürfte aber doch wenig empfehlenswerth sein. Die Befeuerung geschieht anfangs von unten durch in die Kanäle K eingebrachtes Brennmaterial, während im weiteren Verlauf des Brennprocesses das Feuerungsmaterial durch die Decke eingeführt wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 101

Auch der Ofen des englischen Patents Nr. 20126/1893 kommt mit einem Minimum an festen Kanälen aus; doch wird dieses Resultat hier nicht durch bewegliche Züge innerhalb des Ofens, sondern durch einen auf der äusseren Mauer rings um den Ofen wandernden Schornstein erreicht. Durch Sohlkanäle werden die Feuergase in die Seitenwand und durch diese aufwärts von dem Schornstein abgeführt. Zur Verbesserung des Ofenzuges, namentlich nach jedesmaliger Ortsveränderung des Schornsteins, können um den Schornstein herum Hilfsfeuerungen vorgesehen werden.

Ein Uebelstand, namentlich bei Ringöfen älterer Construction, besteht in ungenügender Kammerzahl bezieh. unzureichender Länge des Brennkanals. In solchem Falle pflegte man bisher den Ofenring zu öffnen und an einer Seite eine Anzahl Kammern anzubauen.

W. Röpert in Stumsdorf bei Halle a. S. will die Verlängerung des Ofenkanals anstatt auf diesem Wege durch Anlegung eines zweiten Ringes rings um den ersten bewirken (D. R. P. Nr. 84340 vom 7. März 1895), Fig. 13 und 14. Um den Zugang zu dem inneren Ofenring nicht zu versperren, muss der äussere Ring an denjenigen Stellen, an welchen sich die Einkarrthüren zum inneren Ring befinden, Unterbrechungen e erleiden. Das macht eine Ueberführung über die Durchgänge oder eine Unterführung unter dieselben erforderlich. Röpert wählt die Ueberführung, da über den Raum unter dem Brennkanal durch |102| Anordnung eines unterirdischen Rauchsammlers a in anderer Weise verfügt ist. Diese Ueberführung hat ziemlich complicirte Einrichtungen im Gefolge. Die Glocken h des neuen Brennkanals liegen dicht neben den Durchgängen e. Um die Glocken vor herabfallenden Steinen zu schützen, sind parallel zu den Wänden g der Durchgänge e durchbrochene Bogen Wandungen k aufgeführt; Schutz der Glocken h vor übermässiger Hitze wird durch Bedecken mit Sand erzielt, zu dessen Einbringung in den Wänden g Oeffnungen n vorgesehen sind. Auch auf der anderen Seite jedes Durchganges sind parallel den Mauern g Wände l aufgeführt, und zwar Gitterwände mit Oeffnungen o in ihrem unteren Theile. Dieselben haben den Zweck, die grünen Steine nicht direct vom Feuer treffen zu lassen, ausserdem aber auch das Feuer zu zwingen, sich gleichmässig in der Brennkammer auszubreiten. Der Betrieb wird im inneren Ring in der gewöhnlichen Weise geführt. Sobald das Feuer bis zur letzten Kammer gelangt ist (in der Zeichnung Kammer 7), wird es durch Aufführung einer Querwand r am weiteren Fortschreiten gehindert und durch Oeffnen der Glocke h von Kammer 8, durch Kanal s hindurch, in den äusseren Brennkanal herübergezogen. Die weitere Fortführung des Brennprocesses in dem letzteren erfolgt wiederum in der bei Ringöfen üblichen Weise.

Textabbildung Bd. 302, S. 102

Cramer unterzieht die Röpert'sche Einrichtung in seinem bereits erwähnten Vortrage auf dem letzten Zieglertage (S. 122) einer eingehenden Kritik, indem er auf verschiedene Mängel derselben hinweist; dass die eisernen Ventilstangen (der Glocken h) nicht lange vorhalten können, ist zweifellos; auch scheint die Haltbarkeit der Wölbungen und die Möglichkeit, das Feuer durch den Kanal über dem Durchgang wieder auf die Sohle zu ziehen, keineswegs hinreichend gesichert.

Textabbildung Bd. 302, S. 102

Im Ringofenbetriebe wendet man zuweilen, anstatt die einzelnen Kammern lediglich durch Papierschieber von einander zu trennen, Querwände mit Oeffnungen insbesondere an der Ofensohle an, durch welche das Feuer aus einer Kammer in die andere herübergezogen wird. Da nun die Kammergrösse, insbesondere bei wechselnder Beschaffenheit des Einsatzes, Veränderungen erleiden muss, erscheint es zweckmässig, diese Querwände so einzurichten, dass sie im Ofenkanal leicht versetzt werden können.

Textabbildung Bd. 302, S. 102

Eine solche versetzbare Trennungswand für Ringofenkammern bildet den Gegenstand des an Simon Boiger in Mittbach b. Hohenlinden, Oberbayern, ertheilten D. R. P. Nr. 86156 vom 28. Januar 1894 (Fig. 15 und 16). Der Unterbau derselben besteht aus zwei oder mehreren unter sich und mit der Kammerwand verfalzten Sockelsteinen a, die mit Gasdurchzugsöffnungen b und Vorlegeplatten c versehen sind, welche zur Regulirung des Durchzuges von aussen mittels Stangen verschoben werden können. Der Oberbau besteht aus einer gewöhnlichen, dreifachen Ziegelwand z, zu deren Aufbau man zweckmässig frische Ziegel verwendet, welche zugleich mit der eingekarrten Waare gebrannt werden.

Die bisher beschriebenen Oefen waren gewöhnliche Ringöfen mit unmittelbarer Berührung von Brenngut und Feuerungsmaterial. Dieselben dienen zur Herstellung geringwerthigeren Materials, zu welchem Zweck allein Ringöfen bis vor Kurzem im Gebrauch waren. Um auch bei der Erzeugung feinerer Waaren auf die Vortheile des Ringofenbetriebes nicht verzichten zu müssen, ist man, wie bereits im Eingange dieses Berichtes erwähnt wurde, zur Anwendung von Heizwänden und Heizschächten in Ringöfen übergegangen.

Textabbildung Bd. 302, S. 102

Seit meinem letzten Bericht ist in Deutschland nur eine einzige Neuerung auf diesem Gebiet zu verzeichnen gewesen. Es handelt sich dabei um eine weitere Umgestaltung der Diesener'schen Heizschächte des D. R. P. Nr. 62847 (vgl. D. p. J. 1895 298 1 und 2). Ursprünglich benutzte Diesener zwei im Ofenkanal freistehende Schächte. Später verlegte er dieselben zum Zweck der Raumersparniss an die Seiten des Ofenkanals; dadurch wurde eine Verlegung der Abzugskanäle für die Feuergase unter die Ofensohle erforderlich. Bei der Ausrüstung alter Oefen mit diesen Heizschächten hat sich nun aber |103| eine technische Schwierigkeit ergeben. Die Oefen sind oft nicht tief genug fundamentirt, um die Anlegung eines Kanals unter der Ofensohle unmittelbar neben der Ofenwandung zu gestatten. Die Anlegung der Heizschächte erforderte so eine mühsame und kostspielige Unterführung der Ofenfundamente. Um eine solche entbehrlich zu machen, zerreisst nun Diesener (D. R. P. Nr. 86653 vom 29. November 1895; zweiter Zusatz zu Nr. 62847) seine Heizschächte und rückt die Abführungskanäle cc1 (Fig. 17) von der Ofenwandung ab und verlegt dieselben mehr nach der Ofenmitte. Die Thonindustrie-Zeitung weist bei der Besprechung dieser Umgestaltung der Diesener'schen Heizschächte (S. 379/1896) mit Recht darauf hin, dass sich Diesener damit der Einrichtung des Tropus'schen Ofens (D. R. P. Nr. 77167) nähert, der auch im letzten Bericht (D. p. J. 1895 298 2) im unmittelbaren Anschluss an die Diesener'schen Heizschächte erwähnt wurde.

Textabbildung Bd. 302, S. 103

An dieser Stelle mögen auch einige mit den Diesener'schen Heizschächten erzielte Betriebsergebnisse namhaft gemacht werden, die ich dem bereits mehrfach erwähnten Cramer'schen Vortrage (S. 106) entnehme. Danach betrug die durch Einführung der Heizschächte gegen früher erzielte Ersparniss an Brennmaterial bei sechs verschiedenen Ziegeleien 55 bezieh. 53, 53, 43, 49 und 56 Proc. Wie man sieht, handelt es sich also hier nicht nur um eine Verbesserung des Brennproductes, sondern gleichzeitig um eine bedeutende Verbilligung des Brennverfahrens. Man kann hieraus schliessen, dass durch weitere Verbesserung der Ofenconstructionen ganz gewaltige Summen im Volkshaushalt erspart werden können.

Dass die deutschen Bemühungen auf diesem Gebiet im Auslande wenigstens nicht ganz unbemerkt geblieben sind, dafür bietet das englische Patent Nr. 22357/1894 von John Craven einen Beleg. Der Gegenstand dieses Patents ist nämlich ein Ofen mit Heizwänden, die ebenso wie die bekannten Hädrich'schen Heizwände (vgl. D. p. J. 1895 298 3) quer im Ofenkanal angeordnet sind. Während aber bei Hädrich ein einziger grosser Treppenrost den ganzen Ofenkanal überspannt, ist bei dem englischen Ofen eine Anzahl kleiner Treppenroste neben einander vorgesehen. Diese Einrichtung dürfte, insbesondere bei in der Längsrichtung des Ofengewölbes verlaufenden Heizwänden, nicht unvortheilhaft sein.

Es bleiben noch einige Oefen mit continuirlichem Betrieb und vom Brenngut getrennten Feuerstellen zu erwähnen, bei denen jedoch ein Hauptpunkt des Ringofenbetriebes, die Vorwärmung der Verbrennungsluft in den gar gebrannten Kammern, aufgegeben ist. Bei diesen Oefen sind die Feuerungsroste in den äusseren Längswänden des Ofens angeordnet und die Flammen schlagen über Feuerbrücken in das Ofeninnere hinein.

Textabbildung Bd. 302, S. 103

Der Ofen des englischen Patents Nr. 23495/1893 von John Charles Bates (Fig. 18 und 19) ist durch die Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten, den gasförmigen Inhalt einer Ofenkammer in eine beliebige andere Kammer überzuführen, ausgezeichnet. Zu diesem Zweck sind zu beiden Längsseiten des Ofens je zwei neben einander liegende Kanäle F und H angeordnet.

Für die Abführung der Gase aus irgend einer Kammer bestehen nun folgende Möglichkeiten: die Gase werden entweder durch Sohlöffnungen a oder durch Kanalstutzen I im Ofengewölbe abgeführt. Im ersteren Falle können sie entweder aus den Sohlkanälen A und den senkrechten Kanälen B in den Trennungswänden C durch Oeffnungen G, in den letzteren direct in die Nachbarkammer oder durch Kanäle E in die Kanäle F geleitet werden. Aus den Kanälen F können die Gase dann entweder direct in den Schornstein abgesogen oder nach Kreuzung der Kanäle H durch die Stutzen I in eine beliebige Kammer geführt werden. Dieselbe Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten ergibt sich bei Entnahme der Gase aus einer Ofenkammer durch die Gewölbeöffnungen I. Werden nicht nur zwei Kanäle HF, sondern drei oder mehrere angelegt, so tritt eine weitere Vermehrung der Zahl der für die Führung der Gase vorhandenen Möglichkeiten ein. Wenn man die Patentschrift liest, bekommt man den Eindruck, als ob hier die Vermehrung der Wege für die Ofengase gleichsam als Sport betrieben würde.

Textabbildung Bd. 302, S. 103

Der Ofen des englischen Patents Nr. 13328/1894 von |104| Joseph Onions (Fig. 20 und 21) ist gleichfalls ein Ofen mit seitlichen Rostfeuerungen. Die Feuergase werden durch regulirbare Oeffnungen dd1 in der Ofensohle abgesogen und treten zunächst in Kanäle BB1 ein. Diese letzteren stehen mit zu beiden Seiten des Ofens angeordneten Kanälen CC1 in Verbindung, von denen der erstere zur Hitzeleitung, der letztere zur Abführung der Gase nach dem Schornstein dient. Die Einrichtung ist so getroffen, dass die Verbindung der Kanäle BB1 mit den Kanälen CC1 an entgegengesetzten Kammerenden, und zwar durch die Kanäle gh1 bezieh. hg1 hergestellt ist. Die Abführung der Schmauchgase erfolgt durch die Ofendecke mittels des Kanals D. Wir haben also auch hier ein Vorschmauchen von unten nach oben und getrennte Abführung der Rauch- und Schmauchgase, so dass die Ofenconstruction als wohlgelungen angesehen werden könnte, wenn nicht die Vorwärmung der Verbrennungsluft fehlte.

(Fortsetzung folgt.)

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