Titel: Pond's Geschützdrehbank.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 125–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302024

Pond's Geschützdrehbank.

Mit Abbildungen.

Von der Pond Machine Tool Company in Plainfield, N. Y., sind für die Geschützwerkstätte des Watervliet Arsenals in West Troy (N. Y., Nordamerika) drei gleich grosse mächtige Drehbänke für die Bearbeitung, d. i. das Abdrehen, das Ausbohren und das Gewindeschneiden, der 25,4- bezieh. 30,5- und 40,6-cm-Geschützrohre geliefert worden, welche in der Gesammtanlage und in den Einzelheiten Bemerkenswerthes darbieten. – Die vorgenannten Geschütze haben bei 9,45 bezieh. 11,27 und 15,24 m Rohrlänge ein Fertiggewicht von 30,6 bezieh. 52 und 128 t.

Mit Rücksicht auf Gewicht und Abmessungen des grössten 40-cm-Geschützes ist diese 254 t schwere Werkzeugmaschine ausgeführt, welche nach American Machinist, 1896 vom 9. April Bd. 19 Nr. 13 * S. 371, in den Fig. 1 bis 18 dargestellt erscheint und 200000 M. gekostet hat.

Das Wangenbett (Fig. 8 und 11 bis 13).

Die 41,45 m lange, 108 t schwere Bettwange ist aus sechs Theilen von annähernd je 18 t Gewicht zusammengebaut, welche sich in die mittlere, 3078 mm breite Hauptwange vom Querschnitt Fig. 8, in den 1820 mm breiten Bettheil für die verschiebbare, 20,4 m lange Bohrwange (Fig. 11 bis 13) und in die Bettung für den Spindelstock (Fig. 1) gliedert. Die beiden ersten Wangentheile haben 610 mm Höhe und verlaufen in der oberen Ebene ohne jede Kröpfung, sowie die Führungsbahnen des Bohrwangenbettes Anschluss an jene des mittleren Hauptbettes finden, während das Spindelstockbett nur 508 mm hoch ist.

Die Hauptwange (Fig. 8) besitzt drei Flachbahnen von 432, 768 und 330 mm Breite und durchschnittlich 32 mm Wandstärke. In der hinteren, 432 mm breiten Bahn ist bloss ein Spannschlitz, in der mittleren sind deren zwei für die Ankerschrauben vorgesehen. Als eigentliche Gleitbahnen für den Supportschlitten sind nur die vordere, 330 mm breite Bahn und annähernd ein Drittel der Bahnbreite von der mittleren Führung anzusehen, so dass die hintere (Fig. 8 links), 342 mm breite Bahn nur als Stützung für die linksseitige Schlittenverlängerung b dient. Das Mittelbett enthält acht, das hintere Bett für die Bohrwange |126| bloss vier 32 mm starke Stegwände, welche durch ∪-förmige, 1730 mm abständige Querbalken eine entsprechende Verbindung erhalten. An der äusseren vorderen Stegplatte des Mittelbettes sind zwölf Winkelstützen p für die Auflage der Leitlineale zum Kegeldrehen angeschraubt; ferner sind an den inneren Seiten der Mittelbahn Zahnstangen für den Transport der Setzstöcke und der Bohrwange, sowie der Supportschlitten und zudem noch eine dritte schmale Zahnstange vorgesehen, welch letztere zur Verriegelung der Supportschlitten während des Plandrehens dient. Das Mittelbett besitzt ausserdem in beiden Mulden fortlaufend geschlossene Deckwände mit Fensteraussparungen, während das schmälere hintere Bett für die Bohrwange oben offen ist.

Im Bereich der ganzen Bettlänge lagert eine glatte Steuerwelle u für den Vorschub der Bohrwange in der Bettmulde links, während im Mittelbett die Leitspindel z und die Gangwelle y für die Supportwerke nur so weit reichen, als die Supportschlitten gehen.

Der Spindelstock (Fig. 1 und 2).

Der Lagerkörper für die Triebwerke, der sogen. Spindelstock, hat eine Länge von 3175 mm, gemessen vom Hinter- bis zum Vorderlager, und eine Fussbreite von 3050 mm. Bei einer Spitzenhöhe von 1397 mm über Wangenkante beträgt die Höhe der Spindelachse über Grundplatte 1499 mm und die Achsenhöhe der Stufenscheibe 2007 mm. Die durchschnittlichen Wandstärken des Lagerkörpers sind 38 mm, jene am Lagerauge 76 mm. In die (1 : 8) kegelförmigen Lagerausbohrungen sind federnde Gussbüchsen von 610 bezieh. 406 mm cylindrischer Bohrung und 804 bezieh. 648 mm Länge für den vorderen bezieh. hinteren Lagerzapfen der gusseisernen Hohlspindel eingesetzt, die mittels Ringmuttern angezogen werden. Das Schaftstück der Spindel hat eine von 76 auf 89 mm ansteigende Wandstärke, während am Vorderzapfen eine 38 mm starke Kreuzrippe diesen Spindeltheil verstärkt. Mittels eines angegossenen Scheibenbundes von 1003 mm Durchmesser und 127 mm Stärke wird die am 406 mm starken und 273 mm langen Achsschenkel sitzende Planscheibe mittels acht Schrauben befestigt. Diese Planscheibe hat bei 2794 mm Durchmesser 229 mm Kranzbreite und trägt in den langen, radial stehenden Kreuzbahnen vier Backenschieber für Einstellungskreise von 457 bis 1700 mm Durchmesser, während in den kurzen zwischenliegenden Führungen durch die Schieber nur Einspannkreise von 1120 bis 1700 mm möglich sind. Stellspindeln von 68 mm Durchmesser und 8 mm Steigung des flachen Linksgewindes ermöglichen das Festspannen des Werkstückes, dessen Lage mittels eines Zapfens von 60° Kegelspitze und Einsatzschenkels von (1 : 20) Kegelform bestimmt wird. Eine in die Spindel eingesteckte Stahlbüchse versichert dieselbe vor Beschädigung durch das Eindrücken der Spitzen, während der Achsdruck auf die Spindel selbst durch eine 19 mm starke und 229 mm grosse gehärtete Spurplatte mit centraler Schmierung aufgefangen wird, welche durch einen am Hinterlagerbock mit zwei 76 mm starken Schrauben befestigten Querbügel gehalten wird. Das Gesammtgewicht der Planscheibe mit dem angeschraubten Zahnkranz beträgt 11,7 t.

Das Planscheibentriebwerk (Fig. 1 und 2).

Textabbildung Bd. 302, S. 126
Textabbildung Bd. 302, S. 126

Wie bei den gewöhnlichen grösseren Plan- und Spitzendrehbänken, besteht das Antriebwerk aus einem Deckenvorgelege mit zwei Satz Fest-Losscheiben für Umlaufszahlen n0 = 219,6 (abgerundet 220) und n = 187,3 (abgerundet 187) und einer Stufenscheibe für 254 mm breite Riemen, welche derjenigen am Spindelstocke in den Laufdurchmessern gleicht. An dieser Stufenscheibe a des Spindelstockes ist ein 27zahniges Getriebe b von doppelter Zahnbreite (340 mm) mittels Längskeil (25 : 25) angeschlossen. Beide Theile laufen frei mit eingelassenen Rothgussbüchsen von 343 und 317 mm Bohrung auf einer gusseisernen Rohrwelle c von 38 mm Wandstärke, an deren linksseitigem Ende ein gleiches 27zahniges Getriebe d von 181 mm Breite und am anderen Ende ein 76zahniges Rad von 178 mm Breite mit Keilen (25 : 32 mm) aufgesetzt sind. In diese Räder greifen jene des ersten und dritten Vorgeleges ein, und während die Räder d und k sammt der Rohr welle c das zweite Vorgelege bilden, besteht das vierte Vorgelege aus dem 54zahnigen Rade m und aus der Stahlwelle o mit dem 15zahnigen Getriebe p, welches in den 90zahnigen Planscheibenzahnkranz q eingreift. Dagegen besteht das erste Vorgelege aus der Rohrwelle e mit dem 81zahnigen Rade f und dem 32zahnigen Getriebe g, und das dritte Vorgelege aus der Stahlwelle i, auf deren Längskeil das 81zahnige Rad h verschiebbar und das 18zahnige Getriebe l fest aufgekeilt ist, welches mit dem Rade m dauernd im Eingriff steht. Sonach entsteht ein Wechsel in der Gesammtübersetzung nur durch Verschiebung des Rades h. Wird dieses Rad h in das breite Getriebe b eingerückt, so entsteht die erste Räderübersetzung:

|127|

.

Wenn dagegen die Räder d und h im Eingriff stehen, so wird die zweite Uebersetzung folgen mit:

Textabbildung Bd. 302, S. 127

In Verbindung mit den doppelten Umlaufszahlen der Stufenscheibe erlangt die Planscheibe die aus der Tabelle A ersichtlichen minutlichen Umlaufszahlen, welche stetig von 9 bis 0,22 abnehmen. Bemerkt zu werden verdient, dass die Räder des ersten bis dritten Vorgeleges eine Stichzahl (t : π) = 16,93 bezieh. eine Bogentheilung t = 53,1 mm, jene des vierten Vorgeleges (l, m) eine Stichzahl (t : π) = 25,4 bezieh. t = 79,8 mm Bogentheilung besitzen, während der Zahnkranz der Planscheiben (t : π) = 29,03 bezieh. eine Zahntheilung von 91,2 mm hat, was bei der Zähnezahl 90 einem Theilkreisdurchmesser von 2612,6 mm entspricht. Es besitzen ferner die stärksten Lagerschenkel der Stahlwellen i und o, welche in 520 mm lange Lagerbüchsen laufen, 178 bezieh. 203 mm Durchmesser und der Wellenstummel p für das Zahnkranzgetriebe 190,5 mm Stärke bei 279 mm Länge mit Federkeil von 38 zu 38 mm Querschnitt.

Tabelle A.

Durchmesser der Riemenläufe in mm
Am Deckenvorgelege 1270 1111 935 755 574
Am Spindelstock 574 755 935 1111 1270
Uebersetzung in den
Stufenscheiben

2,213

1,472

1,0

0,6795

0,452
Umlaufszahl des
Deckenvorgeleges
Minutliche Umlaufszahlen der Stufenscheibe
(abgerundet)
n0 = 220 487 324 220 150 101
n = 187 414 275 187 127 85
Für die Räderübersetzung Minutliche Umlaufszahlen der Planscheibe

9
7,66
6
5,11
4
3,46
2,77
2,35
1,87
1,57

1,264
1,075
0,84
0,71
0,57
0,48
0,4
0,332
0,26
0,20

Das Schalttriebwerk für die Supportschlitten (Fig. 2 bis 10).

Von der stets fortlaufenden Stahlwelle i, welche zum ersten und dritten Rädervorgelege des Spindelstockes gehört, wird mittels Zwischenräder r durch Versatzräder s, welche an der Schere t angeordnet sind, die 114 mm starke Steuerwelle u bethätigt (Fig. 2), welche an ein Wendetriebwerk (Fig. 2 und 3) angekuppelt ist, das für 12,5fach schnelleren Rücklauf eingerichtet ist. Dasselbe besteht aus dem Schneckentriebwerke mit doppelter Linksschraube in Eingriff mit dem 25zähnigen Schneckenrade von 44,45 mm Bogentheilung, Winkelrädern, Zwischenkuppelung v und einem Stirnräderpaar von gleicher Stichzahl (t : π = 10) wie die Versatzräder s. Durch ein Stirnräderpaar x wird von der Welle w die eigentliche genuthete Gangwelle y ohne weiteres bethätigt, während zwischen der Welle w und der Leitspindel z noch ein zweites Wendetriebwerk (Fig. 4 und 5) eingeschaltet ist, so dass bei fortlaufendem Betrieb der Gangspindel y der Leitspindel z eine beliebige Gangart ertheilt werden kann.

Textabbildung Bd. 302, S. 127

Dadurch wird ein selbständiger Arbeitsbetrieb für jeden einzelnen der beiden Supportwerke ermöglicht, was bei einer so grossen Maschine von höchster Wichtigkeit ist. Hiernach kann zugleich mit einem Support Gewinde geschnitten, mit dem anderen beispielsweise konisch abgedreht werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 127

Dieses Wendetriebwerk (Fig. 4 und 5) besteht aus einem Winkelradsatz a mit zwischenliegender Zahnkuppelung b. Vom Mittelrad wird mittels doppelt übersetzender Stirnradpaare c und d durch Winkelräder e die Leitspindel z betrieben. Bei ausgerückter Kuppelung kann die Leitspindel z durch das an der Welle d vorgesehene Zapfenviereck auch durch Handbetrieb bethätigt werden. Die 19 m lange Leitspindel z hat bei 146 mm Durchmesser, vier einfache Linksgänge auf 5 engl. Zoll Länge, was einer Steigung von 31,75 mm entspricht. Da gegen hat die 114 mm starke (9 : 19 mm) genuthete Gangwelle y eine Gesammtlänge von 20,4 m. Mit diesem Schalttriebwerke können Gewinde von 0,3 bis 1,0 Zoll von 1/10 Zoll ansteigend, ferner von 1,25 bis 3,00 Zoll von ¼ Zoll wachsend, ausserdem das Gewinde 0,25 und 0,75 Zoll geschnitten werden, wobei Versatzräder mit 24, 30, 36, 42, 45, 48, 54, 60 und 66 Zähnezahl, und zwar 45 und 66 doppelt gebraucht werden.

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Das Schaltgetriebe für das Bohrwerk

(Fig. 1, 1a, 8 und 11 bis 13).

Durch eine sinnreiche Verbindung eines wechselbaren Doppelgetriebes mit einem Satz von vier Stufenrädern wird im Wechsel eine stetige Reihe von 16 Schaltwerthen ermöglicht, die von 0,008 bis 0,17 engl. Zoll bezieh. von 0,2 bis 4,3 mm ansteigen. Dieser Schaltungsbetrieb wird von einem (48 : 24)zahnigen Stirnradpaare f von der Planscheibenspindel der Drehbank durch eine kurze Zwischenwelle auf ein Getriebe g (Fig. 1 und Nebenfig. 1a) abgeleitet, welches mit dem Stirnrade h in Verbindung steht. Neben diesem Radpaar gh ist ein zweites ik so angeordnet, dass k und h verbunden sind. Nun steht mit dem Rade h das Rad l und damit das Schwesterrad n in Verbindung, während die darin eingreifenden Räder m und o ebenso wie die Räder i und g mittels stellbarer Stabkeile abwechselnd mit den Wellen verkuppelt werden. Da nun mit den Stufenrädern p, q, r und s das Gleiche geschieht, deren stellbarer Stabkeil durch die Welle des unteren Rädersatzes geführt ist, während in der oberen hohlen Räderwelle der Stabkeil nur für die Schwesterräder o und m liegt, so ist es bei entsprechender Verlegung dieser drei Stabkeile möglich, 16 verschiedene Räderübersetzungen hervorzubringen. Zur Sicherung der Lage und zur Umschaltung während des Ganges sind cylindrische Zahnstangentriebwerke t (Fig. 1) vorgesehen, welche mittels kleiner Griffräder bethätigt werden.

Der grösste Schaltbetrieb wird erhältlich, wenn die Räder im und das Radpaar s eingerückt sind. Hierbei stellt sich die Uebersetzung, weil l bloss als Zwischenrad gilt, wie folgt:

während der langsamste Gang bei eingerückten Rädern g, o und p ermöglicht ist, wodurch eine Gesammtübersetzung erhalten wird, die

ist.

Wird von dem festen Räderpaar f und dem Stufenrädersatze p bis s einstweilen abgesehen, so bleiben die vier zwischenliegenden Rädercombinationen mit folgenden Uebersetzungen übrig:

I. = 3,774
II. = 1,377
III. = 0,74
IV. = 0,3375

Diese einzelnen Zwischenübersetzungen besitzen folgende Verhältnisse:

(I : II) = 2,7 (I : III) = 5,1
(II : III) = 1,86 (II : IV) = 4,1
(III : IV) = 2,19 (I : IV) = 11,2

Mit der Welle u (Fig. 1 und 8) wird diese Bewegung nach dem Triebwerk (Fig. 12 und 13) übergeleitet. Dasselbe besteht aus einem Schneckenwerk v mit der Umsetzung (1 : 40), dem Winkelradwendetriebwerk w mit der Uebersetzung (24 : 30), welches auf die 114 mm starke Druckspindel x mit doppeltem Linksgewinde von 25,4 mm Steigung einwirkt. Es wird daher für die grösstmögliche Räderübersetzung

die geradlinige Schaltung durch die Druckspindel x

(25,4 : 6) = 4,23 mm

betragen.

Mit dem Riemenscheibenwendetriebwerk y (Fig. 12) von 762 mm Durchmesser und für 228 mm Breite des offenen und gekreuzten Riementriebes wird der Bohrschlitten mit 142 mm/Sec. Geschwindigkeit nach beiden Richtungen verschoben. Zudem ist durch das an dem Druckspindelende x vorgesehene Kurbelviereck Handverstellung erreichbar.

Die Stahlhalterschlittenwerke (Fig. 6 bis 10).

Jeder der beiden sonst übereinstimmenden Supporte besteht aus dem Schlittenvordertheil a und dem hinteren Verlängerungsstück b, welches bloss, wie vorerwähnt, während des Plandrehens Verwendung findet. Bei gewöhnlicher Dreharbeit wird an Stelle des Schlittenansatzes b eine einfache Deckelplatte (Fig. 7 bei c) angeschraubt. Auf dem Hauptschlitten a verschiebt sich der Querschlitten c, welcher auf seiner oberen Ringbahn das vollkommen drehverstellbare Drehstück d trägt. Auf der 2540 mm langen Prismabahn dieses Drehstückes bewegt sich der Kreuzschlitten e, auf dem ein Parallelschlitten f mit Doppelbahn geht, der nun die zwei Stahlhalterschlittenplatten g trägt. Mittels der Leitspindelmutter h wird die Schlittenbewegung zum Drehen und Gewindeschneiden hervorgebracht, indem mittels einer Hebelwelle i (Fig. 6 und 8a), an der ein Zahngetriebe angeschlossen ist, welches zwei Zahnstangenpaare nach entgegengesetzten Richtungen gleichzeitig bethätigt, der Schluss der Leitspindelmutter h erfolgt. Da nun diese Zahnstangenleisten an den Spindelmutterhälften angesetzt sind (Fig. 8a), so erklärt sich daraus leicht die Oeffnung oder der Verschluss der Spindelmutter bei einfacher Drehung der Hebelwelle i. Sowohl im Hauptschlitten a, als auch in der Drehstückwange d lagern Schraubenspindeln, welche mittels parallel abstehender Steuerwellen durch Vermittelung von Ausrückrädern gedreht werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 128

Durch eingelegte senkrechte Winkelwellen wird der Betrieb dieser Steuerwelle k, l und m von der im Bett lagernden Hauptwelle y abgeführt. Naturgemäss liegt die |129| senkrechte Winkelwelle (Fig. 6 und 7), welche die liegenden Steuerwellen l mit m verbindet, in der geometrischen Drehungsachse des Obertheiles d. Zum Kegeldrehen wird der Querschlitten c herangezogen, indem an dessen linker Flanke ein Arm n angeschraubt wird, dessen ausrückbarer Rollenzapfen in ein Leitlineal eingreift, welches in beliebiger Neigung zur Bettwangenkante auf den Winkelconsolen p des Bettes Anlage findet.

Textabbildung Bd. 302, S. 129
Textabbildung Bd. 302, S. 129

Um nun während des Kegeldrehens die Schlittenspindel frei, d. i. axial verschiebbar zu machen, wird deren vordere Lagerbüchse q (Fig. 10) durch Lüften eines tangentialen Querstiftes frei gemacht. Ebenso verhält es sich mit der Spindel im Parallelschlitten f (Fig. 7), wo der Querstift r (Nebenfig. 7b) die Lösung der Spindellagerbüchse besorgt. Indem nun der Rollenstift s in irgend eine am Obertheil d aufgelegte Curvennuthplatte einsetzt, kann mit dem oberen Parallelschlitten nach Formen oder Schablonen gedreht werden. Die Sicherungen und Verstellbewegungen der Schlitten sind durch Zahnstangen erhältlich. So wird bei geöffneter Leitspindelmutter h ein Nasenzahn der Mutterunterhälfte in eine kleine Zahnstange t einsetzen und die Lage des Hauptschlittens dadurch sichern. Soll dagegen der Schlitten a mit der Hand verlegt werden, so ist eine Zahnstange vorhanden, in welche ein entsprechendes Kurbelgetriebe u eingreift.

Der Durchmesser des Drehtheiles ist 1320 mm, die obere Bahn desselben 2540 mm lang und 1320 mm im Vollen breit bei 25 mm durchschnittlicher Wandstärke. Die Prismabahn des unteren Hauptschlittens ist 1000 mm breit, die Prismaleiste 127 mm hoch, der Prismawinkel 55° und die durchschnittlichen Wandstärken desselben 32 bis 38 mm. Die unteren Steuerwellen sind 81 mm stark, die obere Welle bloss 65, während beide Schraubenspindeln 12,7 mm Steigung des einfachen Linksgewindes von Trapezquerschnittsform besitzen. Das Gewicht eines vollständigen Supportes beträgt 16,2 t.

Das Bohrwerk, zugleich Reitstock der Drehbank (Fig. 11 bis 13).

Das auch als Reitstock verwendbare Bohrwerk besteht aus einer 20,4 m langen, 1372 mm breitfüssigen Wange a von 1397 mm Achsenhöhe über Bettung b und 1092 mm Höhe der 762 mm breiten Prismawange, an deren Vordertheil ein 698 mm langes Lagerauge c angegossen ist, während drei Stück Zwischenlager d und ein Drucklager e darauf gleiten. In diesem Drucklager ist eine aus zwei Stücken zusammengesetzte stählerne Bohrröhre f von 279 mm äusserem Durchmesser und 179 mm Bohrung bei 18,68 m Länge und 5,4 t Gewicht fest eingespannt, während sich dieselbe durch das vordere Auge c schiebt, wobei die Stützlager d streckenweise durch das Drucklager e mitgenommen werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 129

Soll das Bohrerrohr f als Reitstock benutzt werden, so wird in dieses an Stelle eines Bohrkopfes ein Reitnagel g mit 60° Kegelspitze eingesetzt, die hintere Deckscheibe h entfernt und dann mittels eines Kurbelgetriebes i (Nebenfigur 11 links) die vordere Ringmutter k (Fig. 12) gedreht, wodurch die gegen Verdrehung von einer oberen Nuthschraube |130| gesicherte Bohrröhre f vorgezogen wird. Wenn aber dieses Rohr f als Bohrstange gebraucht ist, wird dieses Rohr im Drucklager e festgeklemmt, welches mittels der 610 mm langen Rothgussmutter l, die bloss zwei Drittheile des oberen Umfanges der Triebschraube x umfasst, während das untere freie Drittel auf feste Lagerflächen sich stützt, vorgetrieben wird. Dabei werden die Stützlager d mit vorgeschoben, wobei Hebelklinken gefasst werden, wodurch später das Zurückführen derselben ermöglicht wird. Bemerkenswerth sind auch die beweglichen Stützlager n für die untere Steuerwelle u, die durch eine am Schneckenlager vorgesehene Weiche o herabgedrückt und nach Passiren des Schneckenlagers wieder angehoben werden, wobei eine Hebelklinke die Sicherung besorgt.

Textabbildung Bd. 302, S. 130

Um aber den Handtransport der Bohrwange a zu erleichtern, sind Hebelrollen p (Fig. 12) zwischen Wangenfuss und Bett b eingeschaltet, welche vor der Verlegung mittels Druckschrauben vorgestellt, demgemäss die Wange gelüftet wird. Zum Handbetrieb dient nun ein Stirnradsatz q mit Zahnstangengetriebe r (Fig. 11).

Von grosser Wichtigkeit ist die Einrichtung zur Bestimmung der Bohrlochtiefe bezieh. zum selbsthätigen Ausrücken des Schaltbetriebes durch Verstellung der Klauenkuppelung im Wendetriebwerk w und y. Hierzu dient ein Backenhebel s (Fig. 13), welcher um einen lothrechten Zapfen schwingt, an dem eine Gabel s1 angelenkt ist, die in einen der drei neben einander angeordneten Zahneinschnitte einer festen Leiste einsetzt, wodurch die Lage der Kuppelungsmuffe bestimmt wird. Wenn nun das Drucklager e mittels einer Seitennase an den Stellring der Ausrückstange t schlägt, so muss durch den Stellring zuerst eine halbe Drehung der Steuerstange vorhergehen, bevor eine axiale Verlegung möglich wird. Durch diese Verdrehung der Steuerstange wird nun durch einen Daumen t (Fig. 13) die Gabel s1 aus dem sichernden Einschnitt gehoben, wodurch erst die Verdrehung des Backenhebels s möglich wird.

Zur Handumsteuerung ist ein Handrad mit Griffhebel am Vorderlager c (Fig. 11 und 12) angebracht. Ein gleichzeitiges Umsteuern beider Wendetriebwerke w und y soll durch eine besondere Form und Stellung der beiden Daumenscheiben t (Fig. 13) umgangen werden, indem die eine nur bei Rechtshalbdrehung, die andere bei Linkshalbdrehung functioniren und auf w bezieh. y einwirken soll. Schliesslich mag noch bemerkt sein, dass zur Auffangung der Zugkraft in der Triebschraube ein Kugelringlager z vorhanden ist.

Die Setzstöcke oder Ringlagerstützen (Fig. 14 bis 17).

Der jeweiligen Geschützgrösse sind die offenen Setzstöcke (Fig. 14 und 15) angepasst, in welchen das Kammerende des Geschützes lagert. Dasselbe besteht aus einem schweren Sichelbügel a mit Lagerblock b, welcher durch ein Keilgetriebe c (1 : 10 Neigung) mittels einer Schraubenspindel d von einfachem rechtsgängigem Gewinde von 24,5 mm Steigung und von (3 : 4) übersetzenden Stirnrädern eingestellt wird. Seitliche Einstellung wird ferner durch zwei Walzenlager e erhalten, die mittels stellbarer Lagerblöcke f nach dem Werkstücke eingerichtet werden. Ein Setzstock für ein 30-cm-Geschütz wiegt 9 t.

Textabbildung Bd. 302, S. 130

Dagegen sind die Ringlagerstützen oder Ringlünetten (Fig. 16 und 17) mit Backenschieber eingerichtet, wodurch Einstellungskreise von 1300 bis 650 mm Durchmesser erhältlich sind. Für kleinere Einstellungskreise sind gewöhnlich auch kleinere Modelle von Ringstützen, seltener längere Schieber vorgesehen. Diese Ringlager bestehen aus einem halb offenen Lagerbock g, welcher mit seiner schiefen Fussfläche (1 : 6 Neigung) auf einer Grundplatte h liegt und welcher mittels Druckschrauben in der Höhenlage durch Längsverschiebung regulirt werden kann. Um nun nach erfolgter Höheneinstellung die Seiteneinstellung nach der Spitzenlinie der Drehbank zu verbessern, sind in Ansatz der Grundplatte h seitliche Anstellklötzchen i vorgesehen, |131| sowie für den Längstransport desselben die bekannte Einrichtung k mit Zahnstangen und Kurbeltriebwerk angebracht ist.

In diesem Lagerbock wird der zweitheilige Ring l eingelegt, der durch seine ∪-förmige Querschnittsform zugleich Seitenführung erhält. Vier Augenschrauben m dienen zur Verbindung der Ringhälften, während Deckplatten n am Lagerbock g gegen ein Herausdrücken sichern. In die Seitenwände der Spannringe l sind nun in sechs Radialführungen kurze oder nach Bedarf lange Backenschieber o durch Schraubenspindeln p anstellbar eingelassen, deren Anordnung aus Fig. 16 ersichtlich ist. –

Bei dieser Pond'schen Drehbank ist keine besondere Antriebseinrichtung für den Schnellgang des Werkstückes vorhanden, wie es oftmals zum Schleifen und Poliren des Geschützmantels gewünscht wird.

Pregél.

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