Titel: Ueber Rauhmaschinen.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 173–180)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302034

Ueber Rauhmaschinen.

Von H. Glafey, Ingenieur, Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 301 S. 294.)

Mit Abbildungen.

Von denjenigen Rauhmaschinen, welche in der vorbezeichneten Weise arbeiten, sind in erster Linie die Maschinen von Grosselin père et fils in Sedan (Englisches Patent Nr. 5394 A. D. 1888 und D. R. P. Nr. 55784), sowie Ernst Gessner in Aue (Englisches Patent Nr. 9096 A. D. 1891) zu erwähnen, welche der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe in gleicher Weise wirkender Maschinen gewesen sind.

Beide Rauhmaschinen arbeiten mit nur einem Rauhtambour und dieser ist mit zwei Systemen von Rauhwalzen ausgestattet, deren eines Kratzenbeschlag besitzt, dessen Zähne in der Bewegungsrichtung des Tambours gekrümmt sind, während das zweite mit einem Kratzenbeschlag versehen ist, dessen Zähne entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung des Tambours gekrümmt sind. Die beiden Rauhwalzensysteme sind wechselweise auf dem Tambour angeordnet, d.h. es folgt jeder Walze des einen Systems eine solche des anderen. Im Bedarfsfalle können auch mehrere Walzen eines jeden Systems auf einander folgen.

Der Unterschied zwischen beiden Rauhmaschinen besteht darin, dass bei derjenigen von Grosselin père et fils in Sedan die beiden Systeme von Rauhwalzen einen Antrieb nach verschiedenen Richtungen empfangen, also das eine Walzensystem in der Bewegungsrichtung des Tambours einen Antrieb empfängt, das andere dagegen entgegengesetzt hierzu. Bei der Maschine von Gessner dagegen empfangen beide Rauhwalzensysteme im gleichen Sinne eine Drehbewegung.

Die besondere Einrichtung der beiden Rauhmaschinen ist nun folgende:

Die Maschine von Grosselin père et fils in Sedan ist |174| mit einem Rauhtambour ausgestattet, dessen Florarbeiter T2 auf einer Seite oder auf beiden Seiten mit Riemenscheiben B2 (Fig. 1), dessen Gegenflorarbeiter T1 in gleicher Weise mit den Riemenscheiben B1 ausgestattet sind. Die erstbenannten Scheiben liegen ausserhalb, die letzteren dagegen innerhalb der Trommelkreuze T und jedes System von Riemenscheiben wird von einem Riemen umspannt, welche entweder, wie Fig. 2 erkennen lässt, als gekreuzter und offener Riemen von einer Welle aus Antrieb empfangen oder als zwei offene Riemen von zwei nach verschiedenen Richtungen sich drehenden Wellen in Umlauf versetzt werden (Fig. 3).

Textabbildung Bd. 302, S. 174

Steht bei der in Fig. 2 schematisch wiedergegebenen Ausführungsform die Scheibe C still, so ist, wenn die Trommel A sich in der Pfeilrichtung bewegt, die Umfangsgeschwindigkeit sämmtlicher Rauhwalzen nach rückwärts gleich der Umfangsgeschwindigkeit der Trommel nach vorwärts, weil die Riemenscheiben der beiden Systeme von Rauhwalzen in diesem Falle sich auf den Riemen B1xB2x abwälzen. Wird dagegen die Scheibe C in der Pfeilrichtung in Umdrehung versetzt und zwar mit einer Geschwindigkeit, welche 2 bis 20 Proc. der Umfangsgeschwindigkeit der Trommel beträgt, so wird die Umfangsgeschwindigkeit der Florarbeiter T2 nach rückwärts vermindert und diejenige der Gegenflorarbeiter T1 vergrössert, denn jetzt verzögert der in der Drehrichtung der Trommel umlaufende Riemen B2x die Rückwärtsbewegung der Florarbeiter, während der sich in entgegengesetzter Richtung bewegende Riemen die Rückwärtsbewegung der Gegenflorarbeiter beschleunigt. Bei dieser Einrichtung der Rauhtrommel und An trieb Vorrichtung für die Walzen ändert sich die Wirkung der Florarbeiter und Gegenflorarbeiter also gleichzeitig und in demselben Verhältniss.

Textabbildung Bd. 302, S. 174

Soll dieses Verhältniss nach Bedarf verändert werden, so muss man zwei Gegen wellen anwenden (Fig. 3), die unterhalb oder, wie dargestellt, oberhalb der Trommel gelagert sind, und von denen die eine die Bewegung der Florarbeiter und die andere diejenige der Gegenflorarbeiter regelt. Die beiden Wellen stehen durch auswechselbare Zahnräder o. dgl. so in Verbindung, dass die eine Welle sich umgekehrt wie die andere dreht und die Geschwindigkeiten beider nach Bedarf geändert werden können.

Fig. 4 zeigt eine vollständige Rauhmaschine, welche nach der in Fig. 2 dargestellten Ausführungsform gebaut ist. Die Welle C empfängt ihre Bewegung von dem Vorgelege Cx, das seinerseits durch einen gekreuzten Riemen C1x von der Trommel A aus in Umdrehung versetzt wird. Die Riemen B1x und B2x, der Rauhwalzen laufen um je eine auf die Welle C aufgekeilte Riemenscheibe C1 bezieh. C2, von denen C1 einen grösseren Durchmesser als C2 hat. Dies hat den Zweck, die Wirkung der Zug- oder fortschreitenden Geschwindigkeit des Gewebes auf die Rauhwalzen auszugleichen.

In Folge des für das Putzen der Maschine erforderlichen ungleichen Abstandes der Flor- und Gegenflorarbeiter vom Mittelpunkt der Trommel haben die Achsen der Gegenflorarbeiter eine grössere Umfangsgeschwindigkeit auf der Trommel als diejenigen der Florarbeiter, und demgemäss würde der sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit vorwärts bewegende Stoff die Gegenflorarbeiter in grösserem Maasstabe hemmen als die Florarbeiter, wenn nicht der Antrieb in der angegebenen Weise erfolgte, durch welchen den Gegenflorarbeitern eine dem Unterschied der genannten Peripheriegeschwindigkeiten entsprechend beschleunigtere Rückwärtsbewegung ertheilt wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 174

Eine Ausführung der in Fig. 3 skizzirten Rauhmaschine veranschaulicht Fig. 5. Der von der Transmission in Bewegung gesetzte Rauhtambour überträgt seine Drehbewegung durch den Riementrieb a auf die auf einem Gestellbolzen sitzende Stufenscheibe b und von dieser aus wird durch das Rädergetriebe c die Welle d in Umlauf gesetzt. Die letztere ist auf ihrem rechtsseitigen Ende mit einem Zahnrad e ausgestattet, das mit einem Zahnrad f auf der der Welle d parallelen Welle g in Eingriff steht. Diese Welle, sowie diejenige d trägt innerhalb der Gestellwandungen je zwei Riemenscheiben h und i, über die die Treibriemen kl laufen, welche den Flor- und Gegenflorarbeitern ihre Bewegung auf der umlaufenden Trommel ertheilen. Die beiden Wellen d und g drehen sich in Folge ihrer Verbindung durch die Triebräder e und f entgegengesetzt zu einander und es empfangen demgemäss auch die Rauhwalzen den gleichen Antrieb; dieselben arbeiten also so, wie es mit Bezug auf Fig. 3 erläutert wurde. Die Treibriemen werden durch Spannrollen m gespannt erhalten und sind so über Leitrollen n geführt, dass die Rauhwalzentriebscheiben immer wenigstens auf jeder Seite mit einem Riemen in Eingriff sind und daher stets sämmtlich bewegt werden, wie dies bei der in Fig. 4 dargestellten Maschine nicht der Fall ist. Indessen können auch bei dieser die Treibriemen eine besondere Führung |175| erhalten. Diese Einrichtung gestattet eine möglichst vortheilhafte Ausnutzung des Umfangs des Rauhtambours.

Textabbildung Bd. 302, S. 175

Soll die Umlaufgeschwindigkeit der Rauhwalzen auf der Trommel gegenüber derjenigen der letzteren verändert werden, so muss der Treibriemen a auf den Stufenscheiben b eine Verlegung erfahren. Soll hingegen die Umfangsgeschwindigkeit der Florarbeiter gegenüber derjenigen der Gegenflorarbeiter eine Aenderung erfahren, so müssen die Wechselräder ef durch solche mit anderem Umsetzungsverhältniss ersetzt werden.

Zwecks Entbehrlichmachung der Stufenscheiben hat die Firma Grosselin père et fils in Sedan der Rauhmaschine die aus Fig. 6 ersichtliche Einrichtung gegeben. Bei derselben wird von der Tambourwelle b aus mittels des Treibriemens u die Vorgelegewelle t in Umdrehung versetzt und diese treibt mittels der Kegelräder r den Riemenkegel q. Der letztere überträgt seine Drehung durch den Riemen p auf den zweiten Riemenkegel o und dieser setzt wieder durch das Kegelräderpaar n die Riemenscheibe l in Umlauf, von welcher aus durch den Riementrieb e die Riemenscheibe k Bewegung empfängt. Diese Riemenscheibe sitzt auf der Welle a, welche in Verbindung mit der ihr parallelen Welle b die Rauhwalzen in gleicher Weise in Bewegung versetzt, wie dies für die in Fig. 5 veranschaulichte Ausführungsform erläutert worden ist. Je nach der Umfangsgeschwindigkeit, welche die Rauhwalzen beim Umlauf der Rauhtrommel haben sollen, wird der Riemen p mittels des Handrades c auf den Riemenkegeln o und q verstellt. Es ist somit ein Anhalten der Maschine, wie es die Anwendung von Stufenscheiben mit sich bringt, nicht mehr erforderlich.

Eine weitere Ausführungsform der Grosselin'schen Rauhmaschine, welche von der Maschinenfabrik Franz Müller in M.-Gladbach gebaut wird, veranschaulicht die Fig. 7. Bei dieser Maschine erfolgt der Antrieb der Rauhwalzen in folgender Weise.

Textabbildung Bd. 302, S. 175

Von der Tambourwelle a aus wird mittels eines 100 bis 110 mm breiten Riemens d die Welle b in Bewegung gesetzt, auf deren einem Ende der Konus oder Riemenkegel c, auf deren anderem Ende dagegen die sechsfache Stufenscheibe g sitzt. Von dem Riemenkegel aus wird durch den Riemen f der Konus e in Umlauf versetzt, welcher auf einem mit dem Getriebe o versehenen Zapfen sitzt. Die Stufenscheibe g dagegen bewegt mittels des Riemens i die Stufenscheibe h und diese überträgt durch die Zahnräder ml ihre Drehbewegung auf das lose auf der Tambourachse laufende Zahnrad n ebenso wie das Zwischenrad o auf ein gleiches auf der linken Seite des Tambours angeordnetes Rad. Die beiden Zahnräder no sind mit je zwei einander genau diametral gegenüberliegenden Riemenbügeln k ausgestattet, in welchen die Enden der vier Antriebsriemen für die Rauhwalzen nachstellbar befestigt sind. Da für jede Serie der Rauhwalzen, also |176| sowohl die Strich- als auch Gegenstrichwalzen, zwei Riemen neben einander vorgesehen sind, welche die Rauhwalzentriebscheiben ringförmig umfassen und die beiden Riemenbügel an jedem Treibriemen einander genau gegenüberstehen und jeder derselben für einen Riemen bestimmt ist, also auch die Riemenenden je zweier neben einander laufenden Riemen einander gegenüberliegen, so erhalten die Rauhwalzen in jeder Stellung des Tambours einen ununterbrochenen gleichmässigen Antrieb.

Textabbildung Bd. 302, S. 176

Die Regulirung der Rauhenergie erfolgt durch Verschiebung des Riemens f auf den Riemenkegeln c und e bezieh. des Riemens i auf den Stufenscheiben g und h und zwar mittels der Konus für den Gegenstrich (d.h. die Rauhwalzen, deren Kratzenspitzen dem Drehungssinn der Trommel entgegengesetzt gerichtet sind) und mittels der Stufenscheiben für die Strichwalzen (d.h. die Walzen, deren Kratzenspitzen in der Drehungsrichtung der Trommel liegen). Grössere Abstufungen der Rauhgrade werden durch Umwechselung der Getriebe mo gegen solche mit mehr oder weniger Zähnen erreicht.

Da der Antrieb der Rauhwalzenserien immer nur auf einer Seite erfolgt, hat die Firma Müller auf der dem Antrieb entgegengesetzten Seite bei der in Fig. 7 dargestellten Ausführungsform die Rauhwalzen durch einen dritten Riemen p umspannt, welcher ein Herausheben bezieh. Entfernen der Rauhwalzenzapfen aus ihren Lagern verhindern soll. Bei den Maschinen neuester Construction ist dieser Riemen durch genügend lange Lager für die Rauhwalzenzapfen entbehrlich gemacht worden. Gleichzeitig ist das bei diesen Maschinen für den Antrieb der Rauhwalzen vorgesehene Riemenkegelgetriebe durch ein Zahnrädergetriebe ersetzt worden.

In der der Erläuterung der Grosselin'schen Rauhmaschine vorausgeschickten Einleitung ist dargelegt worden, dass die Wirkung der auf einer Rauhtrommel mit zwei Systemen von Rauhwalzen ausgestatteten Rauhmaschinen darauf beruht, dass diese Rauhwalzen eine von der Umlaufgeschwindigkeit der Trommel unabhängige von einander verschiedene Umfangsgeschwindigkeit erhalten. Bei der Grosselin'schen Maschine wird dies, wie sich aus der Betrachtung der in den Fig. 1 bis 6 dargestellten Maschinen ergibt, dadurch erreicht, dass die beiden Rauhwalzensysteme einen vom Trommelantrieb unabhängigen Antrieb nach zwei verschiedenen Richtungen empfangen, bei dem einen System also die Abwälzungsgeschwindigkeit verzögert, bei dem anderen dagegen vergrössert wird. Gessner erreicht nun die eigenartige Wirkung der beiden Systeme von Rauhwalzen, wie bereits erwähnt, dadurch, dass er beiden Systemen einen Antrieb im gleichen Sinne ertheilt, aber eine Differenz in der Umfangsgeschwindigkeit dadurch erzielt, dass er entweder den Rauhwalzen verschiedene Durchmesser gibt, oder die Rauhwalzen von gleichem Durchmesser mit Riemenscheiben von verschiedenem Durchmesser ausstattet, oder endlich bei Rauhwalzen von gleichem Durchmesser den für den Antrieb der Rauhwalzen vorgesehenen Organen – Treibriemen, Bremsriemen oder Zahnrädern – eine verschiedene Wirkung gibt, sei es durch Anwendung verschieden grosser Triebscheiben für die Riemen, verschiedener Wechselräder zur Bewegung der die Triebräder auf den Rauhwalzen umschliessenden Radkränze, die gleichzeitige Anwendung von Brems- und Treibriemen oder dergleichen mehr.

Textabbildung Bd. 302, S. 176

Haben die Rauhwalzen verschiedene Durchmesser, so können nach der englischen Patentschrift Nr. 9096 A. D. 1891 die Rauhwalzen auf dem Tambour wechselweise so angeordnet werden, dass immer eine solche mit grossem Durchmesser einer Walze mit kleinem Durchmesser folgt und umgekehrt, oder die Rauhwalzen sind so ausgebildet, dass jede derselben auf ihren beiden Längenhälften verschiedene |177| Durchmesser erhält und die Längenhälften versetzt zu einander liegen. Für die Bewegung der beiden Serien von Rauhwalzen genügt in beiden Fällen ein einziger Riemen; es kann jedoch dann eine Aenderung der Differenz in den Umfangsgeschwindigkeiten nicht herbeigeführt werden.

Sind die Rauhwalzen mit Triebscheiben oder Triebrädern von verschiedenem Durchmesser ausgestattet, so sind für die Rauhwalzen zwei Antriebsorgane nothwendig, welche auf die beiden Seiten des Rauhtambours vertheilt oder auch auf einer Seite desselben und dann innerhalb und ausserhalb der Gestellwandung angeordnet werden können. Das Gleiche ist auch dann der Fall, wenn die Rauhwalzen auf verschiedenen Theilkreisen gelagert sind. In allen diesen Fällen kann die Differenz zwischen den Umfangsgeschwindigkeiten der beiden Rauhwalzensysteme nach Belieben geändert werden und zwar sprungweise oder allmählich, je nach der Art der gewählten Antrieborgane.

In den nachstehenden Figuren sind verschiedene Ausführungsformen der Gessner'schen Rauhmaschine wiedergegeben,

Textabbildung Bd. 302, S. 177

Fig. 8 veranschaulicht eine Rauhmaschine, bei welcher die auf dem Rauhtambour gelagerten beiden Walzensysteme AB zwar den gleichen Durchmesser, aber Antriebscheiben von verschiedenem Durchmesser haben. Die Scheiben eines jeden Systems werden von je einem Riemen K umspannt, die auf verschiedenen Seiten des Tambours mit ihren freien Enden mittels einer Klemme C an zwei frei drehbar auf der Tambourachse montirten Zahnrädern 1 befestigt sind. Jedes Rad 1 steht mit einem Rad 2 in Eingriff, das auf einer in der Gestellwand gelagerten kurzen Achse festsitzt, die ausserhalb der Gestellwand ein Wechselrad 3 trägt. Das Wechselrad 3 empfängt seinen Antrieb von dem Rad 4, das seinerseits wieder mit dem auf der Tambourachse festsitzenden Triebrad 5 in Eingriff steht. Haben die Räder 1 bis 5 die gleiche Verzahnung für beide Systeme von Rauhwalzen, so werden dieselben mit einer Energie arbeiten, welche sich aus der Differenz der den verschiedenen Treibscheibendurchmessern entsprechenden Umfangsgeschwindigkeiten ergibt. Will man dagegen den Unterschied in den letzteren und somit auch den Wirkungsgrad der Rauhwalzen ändern, so müssen nach Stillsetzung der Maschine die Räder 3 gegen solche mit anderer Zähnezahl ausgewechselt werden.

Werden die Wechselräder 3 ganz aus der Maschine entfernt, so empfangen beim Gange der Maschine die Rauhwalzen von der Tambourachse aus überhaupt keinen Antrieb und es wirken die beiden Riemen R nur als frei bewegliche Bremsriemen auf die Rauhwalzen.

Um nun eine Aenderung des Wirkungsgrades der Rauhmaschine ohne Anhalten derselben zu ermöglichen und dabei gleichzeitig den Uebergang von einem Wirkungsgrad zum anderen allmählich herbeizuführen, nicht aber sprungweise, wie dies die Anwendung von Rädergetrieben zur Folge hat, wendet Gessner an Stelle der letzteren Planscheiben-, Kegelscheiben- oder Expansionsscheibengetriebe an.

Textabbildung Bd. 302, S. 177
Textabbildung Bd. 302, S. 177

Fig. 9 veranschaulicht eine Maschine der erstbezeichneten Art. Die Riemenscheiben der beiden Rauhwalzensysteme werden von den beiden Riemen a und b umspannt, welche ihren Antrieb von den mit den Planscheiben i und f ausgestatteten Wellen empfangen. Zum Zwecke des Antriebs der letzteren ist vor den Planscheiben in Armen des Maschinengestells eine Vorgelegewelle n gelagert, welcher von der auf der Rauhtrommelachse sitzenden Festscheibe d mittels des über die Leitrolle o geführten Riemens e und der Triebscheibe p Bewegung ertheilt wird. Zu beiden Seiten der letzteren befinden sich auf der Vorgelege welle n zwei Reibungsscheiben h und k, welche sich mittels der Stellvorrichtung lm auf der Welle n in Richtung der letzteren verschieben lassen und so dem Centrum der Planscheiben i und f beliebig genähert bezieh. beliebig weit von demselben entfernt werden können. Wird die Maschine und somit auch die Rauhtrommel in Umlauf gesetzt, so überträgt sich die Drehung der letzteren durch den Riemen e auf die Vorgelege welle, also auch die Reibungsscheiben k |178| und h, und dies hat zur Folge, dass auch die Planscheiben i und f eine Umlauf Bewegung ausführen, die durch deren Achsen den beiden Treibriemen für die Rauhwalzen mitgetheilt wird. Je nach der Stellung, welche die Reibungsrollen auf den Planscheiben einnehmen, wird sich die Umfangsgeschwindigkeit der beiden Rauhwalzensysteme ändern.

Die in Fig. 10 veranschaulichte Rauhmaschine ist mit zwölf Rauhwalzen ausgestattet, die ebenfalls von zwei Riemen ab Antrieb empfangen. Für die Bewegung dieser Riemen ist eine Welle vorgesehen, welche an beiden Enden mit einem Riemenkegel c ausgestattet ist. Parallel zu der bezeichneten Welle liegt im Maschinengestell eine zweite Welle d, die ihre Bewegung von der Tambourachse mittels des Riemens e empfängt und dieselbe mittels der Riemenkegel f auf die Triebwelle der Treibriemen für die Rauhwalzen überträgt. Je nach der Stellung, welche die Riemen g der beiden gegenüberliegenden Riemenkegel fc einnehmen, wird sich auch die Umfangsgeschwindigkeit der Rauhwalzen gegenüber derjenigen des Rauhtambours ändern.

Die in Fig. 11 dargestellte Ausführungsform der Gessner'schen Rauhmaschine unterscheidet sich von den beiden vorstehend erläuterten Maschinen dadurch, dass die Bewegung der beiden Treibriemen für die zwei Systeme von Rauhwalzen weder durch Planscheiben- noch Riemenkegelgetriebe, sondern unter Vermittelung von Expansionsscheiben erfolgt. Die besondere Einrichtung dieser Maschine ergibt sich aus der Zeichnung.

In gleicher Weise wie bei der Gessner'schen Rauhmaschine empfangen auch bei der in den Fig. 12 und 13 wiedergegebenen Rauhmaschine von August Monforts und Jos. Ewerhard in München-Gladbach die beiden Rauhwalzensysteme einen Antrieb in der gleichen Richtung. Zu diesem Zweck werden die auf verschiedenen Seiten der Rauhtrommel liegenden Triebscheiben der im Durchmesser von einander abweichenden Rauhwalzen ab nach dem Inhalt der englischen Patentbeschreibung Nr. 10511 A. D. 1891 von vier Riemen, je zwei auf jeder Trommelseite, umspannt. Für je zwei Riemen ist eine Welle f vorgesehen, deren jede mit einer Kegelscheibe h bezieh. h1 ausgestattet ist, über welche ein Riemen läuft, der von einer zweiten Kegelscheibe hh1 auf Welle g bezieh. g1 seinen Antrieb empfängt. Die Wellen gg1 selbst werden von der Tambourachse aus in Umdrehung versetzt und sind zu diesem Zweck mit Zahnrädern ii1 ausgestattet, die beide mit einem Zahnrad k auf der Trommelachse in Eingriff stehen. Sobald die letztere sich dreht, also die Maschine im Gange ist, drehen sich die Räder ii1 der Rauhtrommel entgegengesetzt und ebenso auch durch Vermittelung der Kegelscheiben hh1 die Wellen f, d.h. es empfangen alle Arbeitswalzen a und b eine Bewegung, welche derjenigen der sie tragenden Trommel entgegengesetzt ist. Je nach der Stellung, welche die über die Kegelscheiben hh und gg laufenden Riemen auf den bezeichneten Scheiben einnehmen, wird die Umfangsgeschwindigkeit der Rauhwalzen gegenüber derjenigen der Rauhtrommel sich ändern, also auch der Wirkungsgrad der ganzen Maschine ein anderer sein.

Um auch dem Gewebe, welches sich in Richtung der Rauhtrommeldrehung durch die Maschine bewegt, eine veränderliche Geschwindigkeit geben zu können, also auch hierdurch die Wirkungsgrade der Maschine noch weiter abzustufen, trägt die Trommelachse eine Stufenscheibe, von welcher durch Vermittelung eines Riemens und einer zweiten Stufenscheibe die Abzugswalze für das Gewebe in Umdrehung versetzt wird.

Die Fig. 14 und 15 veranschaulichen eine hinsichtlich des Rauhwalzenantriebs nach dem Gessner'schen System gebaute Rauhmaschine von Thomas Thorp, Peel Causeway und Charles Wood in Heaton Norris, Lancaster. Diese durch das englische Patent Nr. 15902 A. D. 1891 geschützte Maschine besitzt folgende Einrichtung.

Der Antrieb der Rauhtrommel b erfolgt durch die auf der Achse a derselben sitzenden beiden Riemenscheiben a1a2. Die in der Rauhtrommel gelagerten Rauhwalzen c sind wechselweise zu beiden Seiten der Stirnwandungen b der Trommel mit Riemenscheiben v ausgestattet, welche mit Leder bezogen oder gerauht sind, und jedes der genannten Systeme der Riemenscheiben wird von einem nachstellbaren Ring umspannt, deinen jeder mittels einer Stellschraube t an den Arm d2 (Fig. 15) eines Kettenrades dd1 befestigt ist, welches frei drehbar auf der Achse a der Trommel angeordnet ist. Ueber jedes Kettenrad dd1 läuft eine endlose Kette e bezieh. e1, die ihren Antrieb von Kettenrädern ff1 einer Welle g empfangen. Die letztere ist auf einer Seite mit einem Kegelrad g1 ausgestattet, das wieder in ein Kegelrad p1 eingreift, das auf einer Welle p sitzt.

Textabbildung Bd. 302, S. 178

Die Welle p trägt vier Zahnräder qq1q2q3, deren jedes mittels zweier durch die Handhebel s bewegten Kuppelungsmuffen mit der Welle p gekuppelt werden kann, zum Zweck, der Welle g und somit den Rauhwalzen c auf der Trommel b eine verschiedene Geschwindigkeit zu ertheilen. Um dies zu ermöglichen, steht jedes der bezeichneten Zahnräder q mit einem Zahnrad k in Eingriff, von denen das |179| erste k seinen Antrieb von der Welle a der Trommel b durch Vermittelung der Kegelräder h1i empfängt und seine Umdrehung durch Vermittelung eines Planetenradgetriebes lmno auf das zweite Rad k1 überträgt, was seinerseits wieder durch ein zweites Planetenradgetriebe l1m1n1o1 das Rad k2 ebenso in Umdrehung versetzt, wie dieses durch ein drittes Planetenradgetriebe l2m2n2o2 das Rad k3.

Textabbildung Bd. 302, S. 179
Textabbildung Bd. 302, S. 179

Aus dieser Anordnung der Räder k bis k3 ergibt sich, dass das Rad k1 doppelt so viel Umdrehungen ausführt, wie das Rad k, und das Rad k2 viermal so viel und das Rad k3 achtmal so viel, und demnach die Geschwindigkeit der Rauhwalzen c verdoppelt, vervierfacht oder verachtfacht werden kann, je nachdem das eine oder andere der Räder k bis k3 auf die Welle p durch Vermittelung der einrückbaren Räder q bis q3 einwirkt.

Das zu rauhende Gewebe w läuft in der Richtung des eingezeichneten Pfeiles (Fig. 14) in die Maschine ein, wird mit Hilfe der Stofführungswalzen x mehrfach an die Rauhwalzen c der Rauhtrommel l herangeführt, um schliesslich in der angedeuteten Richtung die Maschine wieder zu verlassen. Die Stofführungswalzen x sind heizbar und tragen an einer ihrer Stirnseiten je ein Kettenrad, welche sämmtlich durch eine gemeinsame Kette y umspannt sind. Ihren Antrieb empfängt diese Kette von der Trommelachse a aus durch die Reibungsscheibe h, gegen welche die auf der Welle 2 verschiebbar angeordnete Reibungsrolle z anliegt, deren Lage in Bezug zur Achse der Scheibe h durch die Stellschraube 4 3 verändert werden kann.

Die Achse 2 trägt an ihrem freien Ende ein Kegelrad 5, das in ein Kegelrad 6 auf der Abführwalze x der Maschine eingreift und so diese letztere und die über sie laufende Kette y in Bewegung versetzt. Je nachdem die Reibungsrolle z auf Welle 2 der Achse der Scheibe h näher oder entfernter liegt, wird die Umdrehungsgeschwindigkeit des Kegelrades 6, also auch der Kette y und Stofführungswalzen x verringert oder vergrössert.

Um die Rauhwalzen schleifen zu können, ist über der Trommel eine Schleifwalze 7 vorgesehen, die ihren Antrieb durch Riemen in geeigneter Weise empfängt und mit Hilfe des Handrades 8 in den Bereich der Rauhwalzen c gebracht oder aus denselben ausgerückt werden kann. Eine rotirende Bürste reinigt die Rauhwalzen.

Textabbildung Bd. 302, S. 179

Bei Erläuterung derjenigen Ausführungsform der Gessner'schen Rauhmaschine, bei welcher der Antrieb der beiden die zwei Rauhwalzensysteme bethätigenden Riemen von der Tambourachse aus unter Vermittelung von Rädergetrieben erfolgt, wurde erwähnt, dass beim gänzlichen Entfernen der Wechselräder aus der Maschine die Treibriemen frei beweglich werden, also als einfache Bremsriemen wirken. Eine Rauhmaschine, bei welcher dies in |180| gleicher Weise der Fall ist, bei welcher die Treibriemen also keine Bewegung empfangen, zeigen die Fig. 16 und 17. Diese Rauhmaschine ist eine Erfindung von Charles Wood in Heaton Norris, Lancaster, und Gegenstand des englischen Patents Nr. 6770 A. D. 1894. Nach dem Deutschen Wollengewerbe besitzt die Rauhmaschine folgende Einrichtung.

Textabbildung Bd. 302, S. 180

Die in der Trommel gelagerten beiden Systeme von Rauhwalzen haben verschiedenen Durchmesser und verschieden gerichteten Kratzenbeschlag. Diejenigen Walzen, welche den grösseren Durchmesser besitzen, und deren Beschlag entgegengesetzt zur Bewegung des Gewebes gekrümmt ist, legen den Flor nieder, den das andere System der Rauhwalzen gehoben hat. Der Antrieb der Rauhwalzen erfolgt, wie Fig. 17 erkennen lässt, auf jeder Seite der Rauhtrommel durch zwei Bremsriemen, welche über die Triebscheiben e der Arbeitswalzen d laufen und ihre Spannung durch die Laufrollen 28 empfangen, die in Schlitten ruhen, welche mittels der durch Handrad 30 drehbaren Schraubenspindeln 29 der Rauhtrommel genähert oder von derselben entfernt werden können. Je nach der Spannung der Riemen f wird der Widerstand, welchen die Treibscheiben e an denselben finden, und somit der Rauheffect ein grösserer oder geringerer sein.

Die Bewegung des Gewebes erfolgt in bekannter Weise durch die mittels Kettenradgetriebes in Umdrehung versetzten Walzen n1 bis n6 und diese empfangen ihren Antrieb von der Rauhtrommel aus durch die Stufenscheiben xy mittels des Rädergetriebes r, welches die Treibkette n in Umlauf setzt.

(Fortsetzung folgt.)

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