Titel: Ueber Rauhmaschinen.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 241–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302048

Ueber Rauhmaschinen.

Von H. Glafey, Ingenieur, Berlin.

(Schluss des Berichtes S. 217 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Neben der Putzvorrichtung ist für das zuverlässige Arbeiten der Rauhmaschinen mit Kratzenwalzen die Art des Kratzenbeschlags von grosser Bedeutung. Man ist deshalb auch nach dieser Richtung hin bemüht gewesen, den höchsten Grad von Vollkommenheit zu erreichen.

C. G. Haubold jun. in Chemnitz hat im Patent Nr. 66304 eine Kratzenwalze in Vorschlag gebracht, welche, wie die Fig. 55 erkennen lässt, mit zwei Arten von Kratzenbeschlag versehen ist. Die Kratzenzähne der einen Sorte sind in der Drehungsrichtung, diejenigen der anderen entgegengesetzt hierzu gekrümmt, und hierdurch sollen gewissermaassen zwei Systeme von Rauhwalzen auf einer Walze vereinigt werden, diese also mit und gegen den Strich arbeiten.

Textabbildung Bd. 302, S. 241

D. Bouvier in Paris empfiehlt in der Patentschrift Nr. 74358 für Rauhmaschinen einen Kratzenbeschlag, dessen Häkchen S-förmig gebogen, aus Draht von gespitzt elliptischem Querschnitt hergestellt, am oberen Ende seitlich abgebogen und durch einen seitlich senkrechten Schnitt, welcher parallel der Kante des Kardenbandes liegt, zugespitzt sind (Fig. 56 und 57).

Textabbildung Bd. 302, S. 241

Durch die je nach Gebrauch veränderliche Form und die eigenartige Lage des Fusses c1 wird die Elasticität des Häkchens willkürlich mehr oder weniger, aber sicher erhöht. Die übliche Methode, dickere oder dichtere Kratzentuche zu diesem Zwecke zu verwenden, macht die Häkchen steif und schadhaft in ihrer Anwendung.

Ausserdem sinken bei der elastischen Zurückbiegung der Häkchen die Spitzen nach dem Kratzentuch, welches den schnellen Bruch der Fasern ausserordentlich begünstigt und gestattet, die Häkchenspitzen tiefer eingreifen zu lassen, als üblich, und dadurch vollkommenere, schnellere und ökonomischere Rauhung zu veranlassen.

Die obere seitliche Abbiegung m der Häkchen aus der senkrechten Ebene, welche durch die Reihe der Häkchenfusspunkte geht, dient dazu, die Kratzenspitze a1 normal auf die Fadenlagen und in der Drehrichtung der Rauhtrommel auftreffen zu lassen, was zur Schnelligkeit und Vollkommenheit der Rauhung ausserordentlich beiträgt. Dadurch steht auch die seitliche, schräge, die Spitze bildende Fläche am oberen Theil der Häkchen aus der Reihe der Häkchenstiele b1 hervor, wodurch die Schärfung der Spitze und sonstige Nachbesserung wesentlich erleichtert werden.

Die Häkchen werden auf dem Kardenbande entweder ganz gleichmässig oder in einzelnen, ein Parallelogramm bildenden Abtheilungen angeordnet, welche periodisch durch gegenseitig schräg verlaufende Zwischenräume getrennt sind. Letztere bilden beim Aufziehen des Bandes auf die Rauhtrommel von der Mitte der Trommel ab gegenseitig verlaufende, schraubenförmige Zwischenräume.

Die Abtheilungen auf dem Kardenbande können auch so angeordnet sein, dass die Zwischenräume auf der Rauhtrommel parallel zu deren Achse laufen.

Auf dem Kardenbande kann in den parallelogrammartigen Abtheilungen der Abstand der einzelnen Häkchenreihen progressiv abnehmen, und es können in jeder Abtheilung Häkchenreihen am Obertheil von verschiedener Neigung gegen das Kratzentuch verwendet werden.

Dadurch werden die zerbrochenen Fasertheile mit Schonung aufgerichtet, und durch die in entgegengesetzten Schraubenlinien verlaufenden Zwischenräume in dem Kardenbelage der Rauhtrommel entsteht unter anderem im Tuche eine in der Breite desselben gegenseitige Streckung, welche jeden Breiteverlust gänzlich verhindert.

Einen Kratzenbeschlag für Rauhmaschinen, bei welchem zum Zwecke, die natürliche Kardendistel an Form und Wirkung zu ersetzen, jedes Häkchen derartig gekrümmt ist, dass dessen unterer, den Fuss bildender Theil geradlinig verläuft, während der obere, in eine Spitze von rundem Querschnitt auslaufende Theil mit dem Fusse in einer Ebene liegt und sich halbkreisförmig an ersteren anschliesst, damit die Spitze in Richtung des Gewebes eindringt, haben Georges Scrive und Albert Scrive in Lille (Nord, Frankreich) im Patent Nr. 82527 in Vorschlag gebracht.

Mit der zunehmenden Verwendung von Metallkratzen zum Rauhen von Webstoffen wächst auch das Bedürfniss nach Hilfsmaschinen und Apparaten, insbesondere nach solchen zum Beziehen, Egalisiren und Schleifen der Rauhwalzen. Mögen hierzu auch vielfach die in der Spinnerei für den gleichen Zweck vorhandenen Hilfsmaschinen und Apparate in Anspruch genommen werden, so ist dies doch in vielen Fällen mit Schwierigkeiten verknüpft, manchmal auch geradezu unausführbar, da die Dimensionen der Rauhwalzen meist verschieden von denen der Krempelwalzen sind, auch das Kratzenmaterial von abweichender Beschaffenheit ist.

Die in Fig. 58 abgebildete Egalisir- und Schleifmaschine von Dronsfield Bros. Ld. Atlas Works in Oldham ist nach |242| dem Deutschen Wollengewerbe speciell für Rauhwalzen construirt. Da die auf der Rauhmaschine behandelten Stoffe nicht immer von gleicher Breite sind, in den wenigsten Fällen auch die ganze Breite der Rauhwalzen decken, so ist ein ungleichmässiger Verschleiss der Walzen gar nicht zu umgehen. Es müssen deshalb die letzteren von Zeit zu Zeit egalisirt werden, um einen gleichmässigen Angriff auf den Stoff zu erreichen. Auch muss nach jedem Abrichten der Kratzenzahn wieder seitlich geschärft werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 242

Die Maschine besitzt zu diesem Zweck zwei Wellen, deren jede eine Schmirgelscheibe AA führt, die zwar auf der Welle verschiebbar sind, in Folge einer Keilführung aber mit derselben rotiren. Die Wellen sind sehr stark und dabei hohl, damit sie sich in der Mitte nicht durchbiegen. Jede Scheibe wird durch eine gabelförmige Klaue geführt, welche mit einer, mit Gewinde versehenen Hülse auf der Spindel B verbunden ist. Die Spindel kann durch eine Umsteuervorrichtung abwechselnd nach der einen oder anderen Richtung in Umdrehung versetzt werden, wodurch die Schmirgelscheiben beim Schleifen abwechselnd nach der einen oder anderen Seite des Apparates laufen.

Die zu egalisirenden bezieh. zu schleifenden Rauhwalzen werden in die verstellbaren Lager C eingelegt und mittels der durch das Handrad D zu bethätigenden Stellvorrichtung gleichmässig an die Schmirgelscheibe angerückt; dann durch die zugleich changirende und rotirende Scheibe bearbeitet. Alle Walzen können in gleicher Stellung eingelegt und somit auf gleichen Durchmesser geschliffen werden. Zunächst werden die Walzen auf der einen Seite der Maschine mittels einer glatten Schmirgelscheibe egalisirt. wobei nach Erforderniss durch das Handrad D nachgestellt werden kann. Wenn gleichmässig abgerichtet, werden dieselben auf die andere Seite des Apparates gebracht und hier der Zahn seitlich geschliffen. Dies geschieht mittels einer gerillten Schmirgelscheibe, die aus zehn dünnen Scheibchen besteht, welche zwischen die einzelnen Zahnreihen eingreifen.

Das Umsteuern der Schmirgelscheiben, sobald diese an dem einen Ende der Walzen angelangt sind, geschieht durch die über der Spindel B liegende vierkantige Steuerschiene, die an jeder Seite einen verstellbaren Ansatz besitzt, gegen welche die an der Lauf hülse angebrachte Steuergabel antrifft, die durch Spiralfedern in ihrer jeweiligen Lage festgehaltene Schiene verschiebt und dadurch die Maschine umsteuert, die demnach, wenn einmal in Gang gesetzt, vollkommen automatisch arbeitet.

Zum Schleifen künstlicher Rauhkarden, deren Zähne in Richtung der Achse derselben gebogen sind, hat Friedrich Bernhardt in Fischendorf bei Leisnig i. S. in der englischen Patentbeschreibung Nr. 11049 A. D. 1893 eine Maschine in Vorschlag gebracht, die in den Fig. 59 bis 62 in verschiedenen Ausführungsformen wiedergegeben ist.

Das Schleifen der Kratzen erfolgt bei sämmtlichen Maschinen mit Hilfe einer Schleifscheibe e (Fig. 60), die in Richtung der Achse der Karde hin und her läuft bezieh. unter welcher die Karde hin und her geschoben wird, während dieselbe gleichzeitig mit der Schleifscheibe eine Drehbewegung um ihre Achse ausführt.

Textabbildung Bd. 302, S. 242

Nach Fig. 59 wird die Karde A in den Lagern f von der Achse i aus mittels der Kegelräder ik in Umdrehung versetzt und gleichzeitig durch Verschiebung des die Lager tragenden Schlittens mittels des Schubkurbelgetriebes hh1 in axialer Richtung verschoben. Die Schleifscheibe e empfängt in den sie tragenden doppelarmigen Hebeln g mittels Schnurtriebes eine Umlaufbewegung. Mittels der Stellschraube q wird die Stellung der Hebel g und damit diejenige der Scheibe e über den Kratzen der Karde geregelt. Soll die Form der letzteren keine cylindrische, sondern, wie es wünschenswerth ist, eine elliptische, wie diejenige der Naturkarde sein, so führt die Schleifwalze neben der rotirenden gleichzeitig noch eine lothrecht auf und ab gehende Bewegung aus. Veranlasst wird dieselbe durch eine auf der Achse i sitzende Curvenscheibe p, welche auf einen Arm der Hebel g einwirkt.

Die in Fig. 61 wiedergegebene Ausführungsform der Schleifmaschine unterscheidet sich von der vorstehend erläuterten dadurch, dass nicht die Rauhwalze, sondern die Schleifscheibe hin und her bewegt wird. Die erstere dreht sich in den Lagern f und empfängt ihren Antrieb durch den Schnurtrieb mn von der Welle i aus. Das Kurbelgetriebe p1 veranlasst eine Schwingbewegung der die Schleifscheibe e tragenden Hebel g in lothrechter Ebene und somit eine in der Achsenrichtung der Kratzenwalze hin und her gehende Bewegung der Schleifscheibe selbst.

Sollen mehrere Karden gleichzeitig geschliffen werden, so erhält die Maschine die aus Fig. 62 ersichtliche Einrichtung. Die Karden sind auf dem Umfang einer Trommel o in den Lagern f gelagert, empfangen einen gemeinsamen Antrieb durch den Schnurtrieb m1n1, während die Trommel sich dreht und die umlaufende Schleifscheibe e in der Achsenrichtung derselben hin und her geschoben wird. Sollen die Karden einen elliptischen Querschnitt |243| erhalten, so werden sie auf der Trommel schräg gelagert, wie es die rechte Seite der Figur erkennen lässt.

Zum Schluss dieser Abhandlung seien noch zwei Rauhmaschinen erwähnt, welche zum Rauhen von Wirkwaaren bestimmt sind und in Folge der diesen eigenartigen Elasticität u.s.w. hinsichtlich ihrer constructiven Durchbildung wesentlich von allen vorbesprochenen Maschinen abweichen.

Textabbildung Bd. 302, S. 243

In Folge der grossen Elasticität der Wirkwaaren werden dieselben an der Rauhstelle gestreckt und werfen dann Falten, welche zunächst entfernt werden müssen, wenn ein mehrmaliges Rauhen nach einander an einem Rauhcylinder vorgenommen werden soll. Es ist aber wegen der grösseren Leistung nicht nur ein solches mehrfaches Rauhen eines Waarenstückes, sondern thunlichst auch ein gleichzeitiges Rauhen beider Seiten desselben erwünscht, da der einmalige Anstrich des Stoffes gewöhnlich nicht genügt und die Arbeit sehr lange dauert, wenn man das Stück mehrere Mal nach einander durch dieselbe Maschine führen muss. Fritz Wever in Chemnitz hat nach D. R. P. Nr. 62837 die Maschine deshalb so eingerichtet, dass sie einen flach zusammengelegten Waarenschlauch auf beiden Seiten gleichzeitig mehrmals rauht und in glatt gestreckter Lage und ursprünglicher Breite aufwickelt. Der Schlauch wird in Form des Wickels w1 (Fig. 63) der Maschine vorgelegt und in Richtung w über eine Brems- und Leitwalze a geführt, auf deren Achsen Bremshebel o1 wirken, so dass die Waare nur mit einer gewissen Spannung abgezogen werden kann, welche Spannung durch die nachfolgenden Bearbeitungen hervorgebracht wird. Diese Bearbeitungen bewirken die zwei Rauhwalzen l und m, deren jede eine Anzahl von Rauhstellen enthält (in der Zeichnung sind zwei angegeben), und zu jeder Rauhstelle gehören die folgenden vier Apparate:

Eine Breitstreckwalze l (Fig. 63) ist auf ihrem Umfange mit zwei von der Mitte ihrer Länge aus in links- und rechtsgängigen Schraubenlinien verlaufenden Reifen von dreieckigem Querschnitt versehen und wird durch Riemen- oder Kettentrieb s von der Walzenwelle schnell in derselben Richtung umgedreht, in welcher der Stoff langsam fortläuft, so dass die Reifen den auf ihnen liegenden Stoff erfassen und in der Breitrichtung ausstreichen und strecken. In dieser Breite hält eine Walze c, deren Umfang mit rauhem Blechbeschlag oder mit Nadelbeschlag besetzt ist, den Stoff, und diese Walze wird durch ein Kettenrad n1 und eine Kette n mit der Geschwindigkeit gedreht, mit welcher der Stoff w sich fortbewegen soll. Der letztere geht nun unter einem Führungsprisma d hinweg, welches ihn an den Beschlag der Rauhwalze l hinanbringt und durch dessen Verstellung mit dem Hebel p am Gradbogen q man ihm diesen Beschlag mehr oder weniger nähern kann, um verschieden stark oder tief zu rauhen. Bei diesem Rauhen wird der Stoff in der Längsrichtung ausgezogen, er liegt dann zwischen d und e faltig. Zur Vermeidung dieser Falten ist nun eine Einrichtung dahin getroffen worden, dass der Stoff schneller von dem Prisma d abgezogen, als ihm zugeführt wird, und es ist deshalb die Walze e mit rauhem Blech- oder Nadelbeschlag versehen, deren Kettenrad um ein Paar Zähne kleiner als dasjenige von c ist, so dass die Walze e etwas schneller als diejenige c sich dreht, entsprechend der Verlängerung, welche der Stoff beim Rauhen erleidet. Die Kette n erhält ihre Bewegung bei y von dem sonstigen Maschinenantrieb.

Textabbildung Bd. 302, S. 243

Die vier Apparate b bis e bilden eine Rauhstelle; auf dieselbe folgt eine zweite von ganz gleicher Art b1 als Breitstreckwalze mit schraubengangförmigen Reifen wie b, welche den Stoff breit streicht und Falten in seiner Längsrichtung verhindere, c1 mit rauhem Beschlag, gleich schnell gehend wie e, ein Prisma d1 zum Führen der Waare an die Rauhwalze, welches in gleicher Weise wie d verstellbar ist, und endlich eine Walze e1 mit rauhem Beschlag, welche etwas schneller sich dreht als c1. So können an der Rauhwalze l noch mehr Rauhstellen angeordnet sein, welche alle die Waare an der Innenseite 1 bearbeiten. Von der letzten Rauhstelle der Walze l ab wird das Stoffstück an die zweite Rauhwalze m geführt und diese bewirkt das Rauhen der Aussenseite 2 in ganz gleicher Weise, wie oben angegeben, durch die Anordnung einzelner Rauhstellen, wie b2c2d2e2 und b3c3d3e3, in denen immer die |244| Abziehwalzen e2 und e3 etwas schneller gehen als die Zuführwalzen c2 und c3. Zur richtigen Einstellung und zum Nachstellen dieser Walzen sind deren Wellen mit einem Kettenrade durch eine Kuppelung verbunden, welche man nach Belieben ausrücken kann, falls die Walzen mit der Hand nachgestellt werden sollen.

Textabbildung Bd. 302, S. 244

Nach dem Rauhen auf beiden Seiten wird der Waarenschlauch durch zwei Presswalzenpaare fg und hi von der Maschine abgezogen und auf eine Wickelwalze w2 aufgerollt. Die Presswalzenpaare liegen löthrecht über einander, und zwischen ihnen wird in den Schlauch hinein ein Breitstrecker k, das ist ein aus Rohren zusammengestelltes Trapez, so gestellt, dass seine schmale Seite unten an fg und die breite oben dicht unter hi liegt, wodurch die Waare, während sie darüber hingezogen wird, sich wieder breit ausreckt, bis sie die ursprüngliche Breite wie im Winkel w1 hat; in dieser Breite erfassen die Walzen hi den Stoff und geben ihn zum Aufwickeln auf w2 ab. Eine besondere Kette n1 dreht die Walzen hi, deren Rad etwas grösser als dasjenige von g ist, langsamer als fg, da der Stoff durch das Breitstrecken sich etwas verkürzt. Das Breitstrecken des Schlauches in lothrechter Lage desselben ist wesentlich vortheilhafter als das bisher bekannte und ausgeübte Strecken in wagerechter Lage, weil im letzteren Fall die untere Schlauchhälfte unterhalb des Streckers in der Mitte sich senkt, also nicht in einer Ebene glatt liegt, die ganze Waare also sackig wird und ungleiche Spannung erhält.

Um baumwollenen gewirkten Handschuhstoffen eine Oberfläche zu ertheilen, welche vorzugsweise beim Befühlen den Eindruck des Wildleders macht, unterwirft Alban Aurich in Hartmannsdorf (Sachsen) nach D. R. P. Nr. 70128 dieselben einem Rauhprocess mittels Glaskanten oder geriffelten Eisenwalzen und Glaskanten.

Die Verwendung und Einwirkung genannter Organe geht aus Folgendem hervor:

Die Oberfläche der Wirkwaare wird, wie Fig. 65 schematisch darstellt, bekanntlich zufolge der Maschenbildung aus neben einander liegenden Fadenbogen a gebildet, so dass die Waare entsprechende Vertiefungen b zeigt.

Der Faden besteht aus einzelnen Fasern, wie durch die Linien f (Fig. 66) eines vergrösserten Fadenbogens angedeutet wird. Die Glaskanten E, die, wie in Fig. 64 dargestellt, bei gg1 unter einem spitzen Winkel, dessen Grösse sich an der Maschine durch die Stellung der Walzen K1 und K2 verändern lässt, treffen mit einer ihrer Schneidkanten gegen den Fadenbogen (Fig. 66), und zwar zunächst an der höchsten Stelle d desselben. Der Stoff mag sich in der Richtung des Pfeiles x bewegen. Hierdurch werden die äussersten Fasern bei d aufgeschnitten und bis c, d.h. so weit mit fortgeführt, als es der Wirkungsbereich der Glaskante gestattet. Das Faserstück, das anfangs von c bis d reichte, hängt nun von c bis e herab und wird von der Glaskante abgeschnitten, wobei die grosse relative Geschwindigkeit in Bezug zur Waare beiträgt. Von den nächsten Glaskanten werden die tiefer liegenden Fasern aufgeschnitten und gekürzt, bis die Oberfläche eben geworden und mit feinen Fasern bedeckt ist, welche derselben den wildlederartigen Griff ertheilen. Bei der Bewegung der Waare in der Pfeilrichtung x wird der Fadenbogen von d bis c mit Fasern bedeckt, und bei der Bewegungsrichtung nach y die andere Seite des Fadenbogens von d bis h.

Textabbildung Bd. 302, S. 244

Die Einwirkung der Glasstäbe ist eine sehr schonende, aber auch zeitraubende. Um die Arbeit schneller vor sich gehen zu lassen, werden vor deren Einwirkung geriffelte Eisenwalzen angewendet. Diese Eisenwalzen werden dadurch rauh gemacht, dass man beim Abdrehen derselben auf der Drehbank einen spitzen Stahl verwendet und diesen schnell transportiren lässt, wobei man das Drehen trocken vornimmt. Die Oberfläche dieser Walzen N zeigt Schraubengänge von etwa 0,5 bis 0,75 mm Steigung und der entstandene Grat, der durch Einreissen mit kleinen Lücken versehen ist, bildet die Angriffsstellen für die Waare. Die Fasern der Fadenbogen werden ebenso aufgerissen, wie dies von den Glaskanten erläutert wurde, jedoch mit dem Unterschiede, dass die Fasern nicht gekürzt werden. Die Oberfläche der Waare ist daher nach der Bearbeitung durch die Walzen wollig wie nach dem gewöhnlichen Rauhprocesse, aber noch nicht wildlederartig, da hier die Fasern sehr kurz sein müssen.

Die Einrichtung der Rauhmaschine ist folgende: In dem Gestelle A sind die beiden hölzernen Trommeln B und L gelagert, deren erste durch Riemenscheibe und Riemen C angetrieben wird. Der prismatische Umfang der Trommel B trägt eine grössere Zahl Glasstreifen E. Hierzu sind gusseiserne Rinnen D auf die Trommel geschraubt. Das Innere dieser Rinnen ist mit drei Holzleisten ausgefüllt, die sich durch Presschrauben an einander drücken lassen. Zwischen je zwei Leisten wird ein Glasstreifen E, der mit dem Diamant aus einer gewöhnlichen Glastafel geschnitten wird, eingeklemmt.

Rechts und links von der mit Glasstreifen versehenen Trommel ist eine Führungswalze K1 und K2 gelagert, deren Lager sich zu beiden Seiten der Maschinenwände durch Schrauben P1 und P2 hoch und tief stellen lassen, so dass man die Waare mit einem kleineren oder grösseren Theile des Trommelumfanges B in Berührung bringen kann.

Die zweite Holztrommel L trägt auf ihrer Mantelfläche eine Anzahl rauher Eisenwalzen N. Dieselben sind |245| mit Zapfen versehen, doch wird deren Drehung durch eine Presschraube gehindert. Ist der von der Waare berührte Theil abgenutzt, so hat man nur nöthig, die Walze etwas zu drehen.

Eine dritte, ebenfalls verstellbare Führungswalze K3 leitet die Waare auf die mit Walzen versehene Trommel L. Die Waare wird auf die Holz- oder Wickelwalze Q2 aufgerollt und von hier über die Führungswalzen K3K2K1 und Trommeln L und B geleitet und schliesslich zur Wickelwalze Q1 geführt. Die beiden Wickelwalzen Q1 und Q2 besitzen je eine verstellbare Bremse I1 und I2 und es wird jedesmal diejenige Bremse angezogen, von deren Walze die Waare abgezogen wird.

Um eine der Wickelwalzen Q1 oder Q2 selbsthätig zu bewegen, ist an der vorderen Seite auf den Trommelachsen je ein Zahnrad G1 bezieh. M1 befestigt, das in das Zwischenrad G2 oder M2 eingreift. Der Zapfen des letzteren ist an je einem schwingenden und feststellbaren Hebel H oder H1 angebracht, so dass man dieses Rad G2 oder M2 in oder ausser Eingriff mit den auf den Wickelwalzenachsen festgekeilten Zahnrädern G3 bezieh. M3 bringen kann.

Bei feinen Waaren ist es, wie angegeben, vortheilhaft, die Einwirkung der Walzen N der Trommel L auf das Gewirke theilweise oder ganz zu entziehen. Man erreicht dies durch Einlegen einer Führungswalze K4 (wie punktirt), über welche die Waare hinweggeführt wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: