Titel: Neuere Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 265–269)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302053

Neuere Pumpen.

(Fortsetzung des Berichtes * S. 245 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Eine von der Fire Appliances Manufacturing Co. in London und Northampton für eine Feuerspritze der Stadt Belfast (Hauptstadt der irischen Grafschaft Antrim) gelieferte stehende, dreicylindrige, compress gebaute Dampfpumpe beschreibt Revue industrielle vom 13. September 1893 S. 368.

Der zugehörige, ebenfalls stehend angeordnete Kessel ist dem vorliegenden Zwecke entsprechend für schnelles Anheizen eingerichtet und soll, wenn mit kaltem Wasser angefüllt, bereits 8 Minuten nach dem Anfeuern Dampf von 7 k Spannung geben. Die aus gezogenem Stahl gefertigten Rohre gehen quer durch den Kessel hindurch; letzterer besteht aus durch Schweissung mit einander verbundenen Lowmoor-Blechen. Zur Kesselarmatur gehören unter anderem zwei Wasserstandsgläser, zwei Manometer, ein Injector, ein federbelastetes Sicherheitsventil für 8 k und ein zweites ausser dem Bereich des Heizers liegendes derartiges Ventil für 8,5 k Spannung des Kesseldampfes.

Die drei in einem Stück gegossenen Cylinder des Motors ruhen auf acht Säulen aus Stahl, deren Zwischenstücke zum Lagern der Kurbelwelle dienen, während die etwas höher liegende Steuerwelle sich in den Lagern consolartiger Vorsprünge der vier vorderen Säulen führt. Der zu jedem Dampfcylinder gehörige Schieber erhält seine Bewegung von dem Kreuzkopf der vorhergehenden Maschine aus mit Hilfe eines auf Muffen der Steuerwelle wirkenden Hebels. So bethätigt der erste Cylinder den Schieber des zweiten Cylinders und dieser wirkt auf den Schieber des dritten Cylinders, welcher seine Bewegung dem zum ersten Cylinder gehörigen Schieber mittheilt. An einem der Längsträger des Gestells ist eine Speisepumpe befestigt, welche von einer am Ende der Hauptwelle sitzenden Kurbelscheibe betrieben wird.

Die Lagerschalen der Kurbelwelle sind aus Kanonenmetall, die Kolben aus Stahl gefertigt, während ihre Stangen, um ein Rosten zu verhüten, mit einem Bronzemantel umkleidet sind. Die Schmierung aller bewegten Theile erfolgt mittels Röhrchen von einem Hauptrohr aus, welches von einem Oelbehälter gespeist wird.

Der aus dem Ganzen gegossene Pumpenkörper hat drei Bohrungen für die mit den Dampfkolben direct verbundenen Wasserkolben und ist sammt oberen und unteren Deckeln aus Bronze hergestellt. Die Saug- und Druckventile sind in die Deckel eingebaut und nach Lösen von acht Schrauben der Tragsäulen und Entfernung des Pumpenkörpers leicht zugänglich. Jede Pumpe trägt ein auf 14 k Höchstspannung eingestelltes Sicherheitsventil. Saug- und Druckrohr stehen mit Windkesseln in Verbindung. Das aus U-Eisen von Stahl zusammengebaute Wagengestell ruht mittels Flachfedern auf Achsen von Lowmoore. Die Pumpen werden für Leistungen von 2200, 2700, 3200, 4500 und 5400 l in der Minute gebaut.

Von der Maschinen- und Armaturfabrik vorm. Klein, Schanzlin und Becker in Frankenthal wird seit einiger Zeit eine stehende, doppelt wirkende Plungerpumpe auf den Markt gebracht, welche statt der bisher nöthig gewesenen zwei Stopfbüchsen (eine nach oben und eine nach unten) nur eine Stopfbüchse hat, wodurch die Reibung des Plungers entsprechend geringer ausfällt. Letztere ist aber noch insofern unbedeutender, als bei einer gewöhnlichen Stopfbüchse, weil, wie Fig. 21 erkennen lässt, die Packung immer in der gleichen geringen Breite am Plunger anliegt, gleichgültig, ob viel oder wenig Packung in der Stopfbüchse ist. Nebenher dichtet die lange eingesetzte Büchse für sich schon gut ab, so dass für die eigentliche Stopfbüchse nicht mehr viel zu thun übrig bleibt.

Textabbildung Bd. 302, S. 265

Es ist auch der Umstand von Wichtigkeit, dass die Stopfbüchse nicht den Plunger berührt, sondern nur die eingesetzte Büchse. Aus diesem Grunde findet keine Reibung und keine Riefenbildung zwischen Plunger und Stopfbüchse statt, selbst wenn letztere schief angezogen wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 265

Das Gesagte soll sich in der Praxis durchaus bestätigt haben, indem die neue Pumpe keineswegs langsamer geht, |266| wenn man die Stopfbüchse anzieht, während dies bei allen älteren Constructionen der Fall ist.

Eine wegen ihrer gedrängten Bauart bemerkenswerte wagerechte Dampfpumpe mit drei Plungern, welche letztere von um 120° gegenseitig versetzten Kurbeln einer mittels Stirnräder von der Hauptwelle der darüberliegenden Maschine betriebenen Vorgelegswelle aus bethätigt werden, zeigt die The Engineer vom 29. December 1893 S. 610 entnommene Abbildung (Fig. 22).

Die von Hulme and Lund in Manchester erbaute Pumpe ist namentlich für grosse Förderhöhen bestimmt. Die Ventilgehäuse sind bequem zugänglich an den hinteren Enden der einfach wirkenden Pumpencylinder angeordnet und mit leicht abnehmbaren Deckeln für jedes Ventil versehen. Auf Querstücken, welche zur Verbindung und gegenseitigen Absteifung der Pumpenkörper dienen, sind die Dampfcylinder derart befestigt, dass nach Entfernen derselben eventuell auch ein späteres Betreiben der Pumpen mittels eines Elektromotors möglich ist.

Die Pumpe hat Dampfcylinder von 305 mm Durchmesser für 305 mm Kolbenhub. Die Plunger haben sämmtlich 140 mm Durchmesser und denselben Hub wie die Dampfmaschine; letztere macht 136 Umdrehungen, die Pumpe dagegen nur 34 Umdrehungen in der Minute. Die Pumpen fördern Wasser auf eine Höhe von etwa 310 m und sollen hierbei ganz vorzüglich arbeiten.

Fig. 23 gibt die vordere Ansicht eines unabhängigen Condensators mit Luft- und Circulationspumpmaschinen von der Firma G. E. Bellis und Co. in Birmingham. Der Condensator findet nach Industries namentlich in Verbindung mit schnell laufenden Dampfmaschinen elektrischer Lichtstationen Verwendung, da hier in Anbetracht der grossen Geschwindigkeiten, mit denen die Hauptmaschinen arbeiten, ein directes Kuppeln derselben mit den Pumpen unzulässig ist.

Textabbildung Bd. 302, S. 266

Der Condensator kann auch den Abdampf mehrerer Betriebsmaschinen aufnehmen.

Eine kleine Differentialpumpe von Chas. E. Church in Norwalk, Conn., ist in American Machinist vom 4. Juni 1896 beschrieben. Dieselbe findet als Druckpumpe zur Prüfung kleiner Kugelventile Verwendung. Die Pumpe hat nur zwei Ventile, ist aber doppelt wirkend und fördert bei jedem Kolbenhub, während die Saugwirkung beim Abwärtshub unterbrochen ist.

Die Duplexpumpe von G. Mills in Radcliffe bei Manchester arbeitet nach The Engineer auch als Eincylinderpumpe, wenn durch irgend welchen Unfall ein Stillsetzen der einen Maschinenseite geboten ist.

Die Pumpe hat zwei Cylinder und das Treibrad liegt mitten zwischen zwei Stangen, welche behufs Oeffnen und Schliessen der Dampfkanäle des Schieberkastens in der gewöhnlichen Weise mit Excentern verbunden sind. Damit jede Pumpe für sich arbeiten kann, sind die Schieberspindeln auf jeder Seite eines Lagers mit einem kurzen Schraubengewinde versehen, welches durch eine auf dem oberen Theil des Lagers angebrachte Verbindung hindurchtritt. Soll eine Maschinenseite ausser Thätigkeit gebracht werden, so löst man die Muttern, welche die betreffende Excenterstange mit dem genannten Lager verbindet, zieht die erstere so weit zurück, dass der eine Cylinderkanal durch den Schieber geschlossen wird, und sichert diese Stellung mittels einer durch einen Schlitz der Stange tretenden Stiftschraube. Die Enden des Druckrohres, sowie des Windkessels der nicht arbeitenden Pumpe werden durch einen Flansch oder in irgend welcher Weise abgeschlossen. (Englisches Patent Nr. 7293 vom 16. April 1892.)

Textabbildung Bd. 302, S. 266

Eine von der Gould's Company in den Handel gebrachte, mittels Riemen betriebene Triplexpumpe veranschaulicht Fig. 24. Die mittels Pleuelstangen von einer dreifach gekröpften, nur zweimal gelagerten Kurbelwelle aus betriebenen Pumpen saugen aus getrennten Saugkasten, aber einem gemeinsamen Saugrohr, drücken dagegen vereint in einen gemeinsamen Druckkasten.

Die drei Cylinder d jeder Pumpe sind mit einem gemeinsamen Gussmantel versehen; letzterer erweitert sich am oberen Ende jedes Cylinders zur Stopfbüchse und endet unten in einen Flansch. Seitlich ist der Mantel nach oben armartig verlängert und bildet die langen, mit Babbitmetall ausgegossenen Lagerstellen für die Kurbelwelle f, welche mittels Stirnrad von einem Vorgelegerad der Antriebswelle g in Umdrehung versetzt wird. Die plungerartigen Pumpenkolben mit Drehzapfen für die Kolbenstangen e werden durch Metallpackungen der Stopfbüchsen abgedichtet. Am Rücken des Pumpencylindermantels sind zwei Consolen für die Stehlager der Antriebswelle g angegossen, welche einerseits die Fest- und Losscheibe, andererseits das Getriebe trägt, welches mit dem Stirnrad der Kurbelwelle in Eingriff steht.

Der Pumpenkörper steht auf dem rechteckigen, dreitheiligen Saugkasten, in dessen vorderem Theile ein Saugkanal a vorgesehen ist, mit dem die getrennten Saugkasten der Pumpen durch je zwei Saugventile verbunden sind. Letztere bestehen je aus einem Ring mit mehreren Durchlassöffnungen, in dem sich der Ventilkolben bewegt, und einem auf den Ring geschraubten ringförmigen Deckel mit centraler Nabe, durch welche das Stängelchen des Ventilkolbens hindurchgeht. Zwischen diesem und dem |267| Deckel liegt eine kleine Schraubenfeder, welche den Kolben auf die Sitzfläche des Ringes presst. Es werden auch Kugelventile in Anwendung gebracht. Aus den Saugkästen wird das Wasser von allen drei-Pumpen in einen einzigen Druckkasten b gedrückt; letzterer enthält 3 × 2 Druckventile und endet in den Druckstutzen c mit aufgesetztem Druckwindkessel, der unten mit einer eingesetzten Büchse versehen ist.

Textabbildung Bd. 302, S. 267

Eine doppelt wirkende Handpumpe von T. Eddleston in Blackburn, Lancs., zeigen die The Engineer vom 31. März 1893 entnommenen Abbildungen (Fig. 25 und 26). Die beiden Pumpenkolben h arbeiten in zwei Cylindern a, welche mit den Ventilkasten a1a2 an den äusseren Enden der Pumpe aus einem Stück gegossen sind. Die Scharniere der als Klappen ausgebildeten Ventile h1h2 befinden sich am Deckel a3, nach dessen Entfernung diese Steuerorgane leicht zugänglich sind. Ein Aufsatz a6 des Pumpengehäuses bildet das Lager für ein kurzes Wellenstück i, auf dessen mittlerem vierkantigen Theil ein kurzer Hebel i1 mit entsprechend gelochter Nabe sitzt, dessen freies, mit einem Schlitz versehenes Ende h8 an der Verbindungsstange der beiden Kolben h angreift, während am äusseren Ende der Welle i ein doppelarmiger Hebel befestigt ist, dessen angreifende Stangen i3 mit einem Handhebel verbunden sind, der sich um einen am Druckrohr e1 mittels Schelle befestigten Zapfen dreht.

Ueber die neuen städtischen Flach- und Tiefbrunnen in Berlin berichtet die Deutsche Bauzeitung vom 14. September 1895 S. 463.

Flachbrunnen nennt man solche Brunnen, bei denen der tiefste Grundwasserstand nicht mehr als höchstens 5 m unter Erdgleiche liegt. Sie werden stets dort angelegt, wo die Beschaffenheit der wasserführenden Schichten die Gewinnung der für die Dampfspritze nothwendigen Wassermenge von 1000 l in der Minute als gesichert erscheinen lässt, und mit einem besonderen Sauger versehen, aus dem die Dampfspritze mittels eines angeschraubten Schlauches Wasser unmittelbar aus dem Brunnen entnehmen kann. Sind dagegen die wasserführenden Schichten nicht ergiebig genug, um eine Förderung von 1000 l Wasser in der Minute erwarten zu lassen, so legt man einen Tiefbrunnen statt eines Flachbrunnens an. Das äussere Saugrohr, welches gleichzeitig das Mantelrohr des Brunnens bildet und als Sauger der Pumpe dient, soll stets bis zu tiefer gelegenen Schichten getrieben werden, das Pumpensaugventil bei Flachbrunnen sich dagegen höchstens 2 m unterhalb der Bordkante befinden.

Tiefbrunnen heissen Brunnen, bei denen der niedrigste Grundwasserstand tiefer als 5 m unter Erdgleiche liegt. Beide Brunnenarten sind wie die Abessynier Rohrbrunnen ohne einen gemauerten Brunnenkörper einzubohren. Die Leistung eines Brunnens soll auf den Hub 1 l betragen und die angewendete Kraft 10 k nicht überschreiten. Der gusseiserne Brunnenpfosten wird auf die Fundamentplatte eines fest in die Erde gestampften gusseisernen Sockels geschraubt. Die Verbindung desselben mit dem Mantelrohr geschieht wie folgt: Der untere Tragring wird auf das Mantelrohr gelöthet, auf dem oberen lose übergeschobenen Passring ruht mittels der an das Mantelrohr geschraubten Schwelle der Brunnenpfosten nebst Sockel. Beim Flachbrunnen ist das Mantelrohr gleichzeitig Saugrohr für die Dampfspritze. Aus diesem Grunde wird das Saugrohr in dem Theil, der vom Wasser berührt wird, aus Kupfer hergestellt und gitter- oder siebartig durchbrochen; sodann wird ein grossmaschiges Netz aus Kupferdraht, dessen Maschen etwa doppelt so weit sind als eine der gitterförmigen Durchbrechungen, unverrückbar um dasselbe gelegt und zuletzt noch um dieses sehr feine dauerhafte Kupfergaze gespannt. Ebenso ist das Mantelrohr an allen Stellen, wo es durch tiefere wasserhaltige Stellen geht, gleichfalls als Saugkorb auszubilden. Die lichte Weite des Saugers bei Tiefbrunnen beträgt 94,5 mm bei 102 mm äusserem Durchmesser. An seinem oberen Ende ist ein Bronzering aufgelöthet, um das Herausnehmen zu erleichtern.

Textabbildung Bd. 302, S. 267

Bei Flachbrunnen ist, wie Fig. 27 ersichtlich, eine lichte Weite von 58 mm bei 63 mm äusserem Durchmesser erforderlich. Die Kuppelung der einzelnen Rohre ist in der Weise zu bewirken, dass sie nach innen bündig stehen, die Muffen also nach aussen vorstehen. Die lichte Weite des Steigrohres beträgt 118,5 mm bei 127 mm äusserem Durchmesser. Dasselbe ist am Pumpenstiefel mittels Gewinde angeschraubt. Die Ausflusstülle des Brunnens liegt in einer Höhe von 930 mm über Bordkante und ist in das Steigrohr eingeschraubt. Der Pumpenstiefel besteht aus zwei Bronzetheilen, die äusserst sauber ausgebohrt sein müssen; seine Länge im oberen Theil beträgt 460 mm bei 6 mm Stärke. Die Verbindung der beiden Stiefel geschieht durch Gewinde mit Bleidichtungsring. Kolben und Saugventil bestehen im Wesentlichen aus zwei Theilen, die durch einen 13 mm starken Bolzen aus Schmiedeeisen nebst Bronzemuttern zusammengehalten werden. Das Gestänge besteht bei beiden Brunnenarten aus Gasrohr von 25,5 mm lichter Weite. Die Kuppelung desselben geschieht auf folgende Weise: An dem nach unten gerichteten Kuppelungstheil ist ein Zwischenstück eingeschaltet, durch dessen 15 mm weite Durchbohrung beim Herausnehmen des ganzen Gestänges eine Stange gesteckt werden kann, um während des Abkuppelns des einen Gestängetheils den übrigen Theil auf dem Pfosten aufruhen zu |268| lassen. Die Verbindung des Gestänges mit dem Kolben wird durch ein Doppelgabelgelenk bewirkt; mit der Seilwellenzunge ist es dagegen nur durch ein einfaches Gabelgelenk verbunden. Die Länge des Schwengels betragt vom Drehpunkt bis Ende Gegengewicht 1,5 m, die Schwengelzunge misst von Mitte zu Mitte Zapfen 172 mm. Um das Ablaufen des Brunnens zu bewirken, ist in das Steigrohr ein Kupferrohr mit Hahn von 10 mm lichter Weite dichtschliessend zu leiten. Der Hahn erhält eine senkrechte, bis über Erdgleiche geführte Schlüsselstange, die ebenso wie der Hahn durch ein Schutzrohr gegen das Erdreich abgeschlossen wird; das Kupferrohr mündet in ein 63 mm weites Eisenrohr, das bis ins Grundwasser hinabgeführt wird. Das Eisenrohr wird eingerammt, ausgebohrt und mit einem eisernen Deckel verschlossen. Die Herstellungskosten eines derartigen Brunnens belaufen sich je nach der Tiefe der wasserführenden Schichten auf 2500 bis 3000 M.

Textabbildung Bd. 302, S. 268

Während die Wirkung des hydraulischen Widders in den meisten Fällen darin besteht, dass die zum Betriebe desselben dienende Wassermenge vom Widder nach einem anderen Punkte zu weiterem Gebrauch transportirt wird, haben Durozoi et Cie. nach den Revue industrielle entnommenen Mittheilungen in Uhland's Technischer Rundschau, 1895 S. 24, neuerdings den hydraulischen Widder direct als Krafterzeuger benutzt, wie dies die in Fig. 28 dargestellte Wasserpumpe erkennen lässt. Dieselbe besteht aus einem Luftkessel j mit angesetzten Stopfbüchsen für den Saug- und Druckrohrstutzen. Im Inneren des Luftkessels j befindet sich der unten offene Pumpencylinder f, welcher nach dem Luftkessel zu durch ein Ventil h abgeschlossen wird. Die anzusaugende Flüssigkeit tritt durch das mit dem Rückschlagventil m versehene Saugrohr in den Cylinder f über den Kolben g. Sobald letzterer gehoben wird, schliesst sich das Ventil m selbsthätig und das im Cylinder f befindliche Wasser wird durch das Ventil h in den Kessel j gedrückt. Aus diesem tritt dann ein gleich grosses Wasserquantum in das mit dem Rückschlagventil n versehene Druckrohr.

Am Kolben g ist mittels Stange d der Kolben im Cylinder bc des hydraulischen Widders angeschlossen. Ein Hebel k mit Gegengewicht o hält beide Kolben in der tiefsten Stellung. Tritt jedoch durch das Zuleitungsrohr a Wasser unter Druck zum Widder, so wird der Kolben desselben gehoben und damit auch der Kolben g im Cylinder f. Das Ventil im unteren Theile des Widdercylinders wird dabei auf seinen Sitz gepresst. Sobald der eingedrungene Wasserstrahl seine lebendige Kraft ausgeübt hat, kommen die Gegengewichtshebel k und diejenigen an dem unteren Ende der Stange d wieder zur Wirkung. Dadurch wird einerseits der Kolben d nach unten gezogen, andererseits das Ventil am Boden des Widders zum Auslassen des Druckwassers angehoben. Die Verbindung der beiden Gewichtshebel mit der Stange des Ventils am. unteren Ende von d erfolgt durch Gelenkhebel.

Der Cylinder der Wasserpumpe ist durch Säulen an denjenigen des Widders starr angeschlossen.

Namentlich für Bergwerkspumpen findet die Elektricität als treibende Kraft in der Neuzeit eine immer grössere Anwendung.

Die Triplex- oder Dreicylinderpumpen besitzen für die Combinirung mit einem elektrischen Motor insofern Vorzüge, als in Folge Versetzung der Krummzapfen um je 120° der von den Pumpen ausgeübte Widerstand bei allen Stellungen der Krummzapfen derselbe ist. Eine von Scott et Mountain für die Bergwerke von North-Seaton entworfene Triplexpumpe fördert nach Revue industrielle vom 18. März 1893 S. 103 in einer Rohrleitung von 200 mm Durchmesser und 1,200 m Länge 1100 l Wasser in der Minute auf 15 m Höhe.

Der auf dem einen äussersten Ende der Maschine liegende elektrische Motor entwickelt normal mit 720 minutlichen Umdrehungen 20 ; er arbeitet mittels Schnecke und Schneckenrad im Verhältniss 1 : 24 auf die Kurbelwelle der Pumpe, welche demnach 30 Umdrehungen in der Minute ausführt. Die aus Schmiedeeisen gefertigte Schnecke dreht sich in einem mit Oel angefüllten Behälter. Das zugehörige Rad ist aus Phosphorbronze hergestellt. Ein Drucklager dient zur Aufnahme der in Richtung der Schraubenachse wirkenden Kraft.

Die drei von einander unabhängigen Pumpen sind auf einer gemeinschaftlichen, aus zwei Theilen zusammengeschraubten Sohlplatte befestigt.

Kurbelwelle, wie auch die Pleuelstangen sind aus Stahl gefertigt. Die Plungerkolben, aus Kanonenmetall, haben 230 mm Durchmesser für 380 mm Kolbenhub.

Die Dynamomaschine, welche dem elektrischen Motor den nöthigen Strom zuführt, ist auf der Hängebank montirt; sie wird mittels Riemen betrieben und leistet bei 800 minutlichen Umdrehungen 65 Ampère bei 300 Volt. Die Maschine kann auch, falls die Pumpe ihre gesammte Energie nicht ausnutzt, für elektrische Beleuchtungszwecke verwendet werden. Die zur Dynamo gehörige stehende Dampfmaschine hat nur einen Cylinder von 330 mm Durchmesser für 254 mm Kolbenhub und läuft normal mit 200 minutlichen Umdrehungen.

Für ungewöhnlich grosse Druckhöhen erweist sich das System der Triplexpumpen als unzweckmässig und es |269| gab dies Veranlassung, in solchen Fällen zu Doppelpumpen überzugehen. Die Arbeitsmaschine einer solchen Pumpe besteht aus einer Hochdruckdoppelpumpe von Knowles, während als Umtriebsmaschine ein 60pferdiger Thomson-Houston-Motor dient. Die Armaturwelle desselben ist verlängert und mit einer Schraube aus Kanonenmetall versehen, welche die Bewegung auf zwei grosse Zahnräder und durch diese auf die Betriebswelle überträgt, an deren Enden die Pumpen mittels Krummzapfen angeschlossen sind. Die Schraube und das Räderwerk sind vor äusseren Beschädigungen geschützt in einem dichten, mit Oel gefüllten Gehäuse eingeschlossen. Auch beim Abteufen von Schächten sind elektrische Doppelpumpen mit bestem Erfolg verwendet worden. In diesen Fällen ist der Motor nebst dem zur Kraftübertragung dienenden Zwischengeschirr in einem wasserdichten Gehäuse aus Gusstahl eingeschlossen. Die Pumpen sind doppelt wirkende Plungerpumpen mit äusserer Liderung. Derartige Pumpen arbeiten ebenso gut unter Wasser als ausserhalb desselben, und da die kühlende Wirkung des Wassers die Wirksamkeit des Elektromotors erhöht, sogar besser unter Wasser. Der einzige Umstand, auf den Aufmerksamkeit zu verwenden ist, besteht in der stets vollkommenen Isolirung des Leitungskabels.

Textabbildung Bd. 302, S. 269

Eine mittels Riemen von dem Elektromotor direct betriebene Pumpe von Otis Bros. and Co. in New York zeigen die Industries vom 28. October 1892 entnommenen Abbildungen (Fig. 29 bis 31). Die Kolben der vier Cylinder D1D2D3D4 sind durch Stangen A bezieh. B mit einander verbunden und erhalten ihre Bewegung durch Kreuzköpfe und gegabelte Stangen von zwei Kurbeln C einer mittels Riemen und Scheibe von dem Elektromotor E direct betriebenen Welle. Das Saugrohr F communicirt direct mit dem Cylinder D1, und ein hohles Gusstück G verbindet diesen mit dem Cylinder D2, der wieder mit dem Cylinder D3 durch eine Leitung H in Verbindung steht. Der Cylinder D3 communicirt durch einen Kanal I mit dem Cylinder D4, an welchen der Austrittsstutzen J angegossen ist. Die Kolben tragen federbelastete Ventile, welche, wenn sich die Stangen A und B in Richtung der Fig. 30 ersichtlichen Pfeile bewegen, in den Kolben der Cylinder D1, D2 und D3 geöffnet sind, während das Ventil des Kolbens D4 geschlossen bleibt. Das Wasser fliesst sonach unabhängig von der Kolbenbewegung innerhalb der Pumpe beständig in gleicher Richtung, während sich die Widerstände von einem Kolben auf den anderen stets während einer Viertelumdrehung der Kurbelwelle übertragen, und zwar beginnt dieser Wechsel, wenn sich der belastete Kolben dem Ende seines Hubes nähert, so dass der Uebergang ohne Stösse erfolgt. Für das Anlassen ist der Einlass F durch ein Rohr K (Fig. 29) mit dem Auslass verbunden, wodurch erreicht wird, dass die Flüssigkeit so lange durch die Cylinder und den Durchlasskanal hin und her strömt, bis bei einer festgesetzten Geschwindigkeit der Pumpe der Durchlasskanal langsam und selbsthätig abgeschlossen wird. Das Wasser tritt nun in das Ausströmrohr, ohne nach dem Einlass zurückzufliessen. Um dieses zu bewirken, ist ein Ventil mit Doppelkolben angeordnet, auf dessen oberen Kolben das in dem Rohr K befindliche, unter einem gewissen Druck stehende Wasser wirkt und das Ventil sammt Durchlass schliesst, während gleichzeitig der zunehmende Druck das Ventil M von seinem Sitz treibt und so die Verbindung mit dem Ausströmrohr herstellt.

Textabbildung Bd. 302, S. 269
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