Titel: Neuerungen auf dem Gebiete des Bauwesens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 272–278)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302055

Neuerungen auf dem Gebiete des Bauwesens.

(Vorhergehender Bericht 1895 298 * 273.)

Mit Abbildungen.

A. Materialien und Verfahren.

Bimsstein als Baumaterial besitzt einen hervorragenden Werth wegen seiner hohen Isolirfähigkeit gegen Wärme und Kälte. Die Badische Gewerbezeitung bespricht das aus Bimsstein als Hauptbestandtheil hergestellte Baumaterial von H. Schneider in Neuwied a. Eh. (D. R. G. Nr. 1264) in folgender Weise:

Der Schneider'sche Baustein besteht aus grösseren Bimssteinstücken des rechtsrheinischen vulkanischen Bimssandes, welche in ausgesonderten Stücken ein specifisches Gewicht von 0,37 besitzen; ferner aus Schill (kleinen Muscheln aus dem Meersande) und Cement, welche zusammen zu einem porösen, schwammartigen Stein oder zu Platten verarbeitet werden. Ihre Abmessungen sind 250 : 120 : 65 mm oder |273| 250 : 250 : 50 mm. Eine ihrer grösseren Flächen ist mit wasserfester, dichter, glatter Aussenschicht aus Cement und Kieselguhr geglättet. Das specifische Gewicht eines uns vorliegenden Isolirbimssteines kleineren Formats ist 0,57. Eine wichtige Eigenschaft dieses Materials ist vor allem seine geringe Durchlässigkeit für Wärme, welche diejenige der bei uns seit Jahrzehnten zur Herstellung von Zwischenwänden vielfach angewendeten rheinischen Tuffsteine noch übertrifft. Weiterhin ist der Isolirbimsstein durch den Umstand, dass die eine flache Seite durch Cement abgeglättet und die einzelnen Bimssteinstücke mit einer Cementkruste überzogen sind, als wasserdicht zu betrachten, was von den anderen Isolirbausteinen nicht gesagt werden kann; es beruht hierauf, wie noch gezeigt werden soll, eine besondere Anwendung dieses Materials. Auch ist der Isolirbimsstein als feuerfest zu bezeichnen. Durch Versuche von Seiten der königl. Porzellanmanufactur in Berlin wurde festgestellt, dass erst bei über Goldschmelzhitze (1075°) liegenden Temperaturen das Material sich wesentlich zu verändern begann; bei etwa 1230° ging der innere Theil eines Probesteines durch Schmelzen in eine grossporige Schlacke von gelber Farbe über.

Isolirbimsstein und -platten lassen sich entsprechend ihren soeben bezeichneten Eigenschaften für verschiedenartige Zwecke zur Verwendung bringen; ausser zur Herstellung leichter und isolirender Zwischenwände eignen sie sich auch als Fussbodenbeläge in Kühlhallen oder Kellerräumen. Die Steine werden hier mit der wasserfesten, glatten Seite in Sand oder Kies unter genauer Stossfugendichtung verlegt. An der oberen, rauhen Seite sind dieselben sodann mit (Mettlacher u. dgl.) Plättchen zu decken, oder mit einem Cement-Estrich zu überziehen; in einigen Fällen kann wohl auch Asphaltüberzug hergestellt werden.

Ferner kann das Material mit Vortheil zur Einmauerung und Wärmeisolirung von Feuerungsanlagen, insbesondere von Dampfkesseln verwendet werden, was durch Erfolge in der Praxis bereits bestätigt wurde. Vorzüglich eignet sich der Bimsstein endlich zur Herstellung von Decken. Die Firma Schneider hat für solche Constructionen (D. R. P. Nr. 73495) einen besonderen Weg vorgezeichnet, wonach die Decke nicht aus den bereits vorbereiteten, oben beschriebenen Isolirbausteinen, sondern unmittelbar aus zu ihrer Herstellung dienenden Materialien: Bimssteinstücke und Cement, gebaut werden. Die Masse wird als Beton zwischen zwei leichte eiserne ⌶-Träger eingefüllt, nachdem man als Unterlage eine Bretterverschalung hergestellt hat, welche auf den oberen Flächen der unteren Trägerflanschen aufruht. Eine Dicke von 12 cm soll zur Erzielung schall- und wärmedichter Decken genügen. Der Deckenverputz kann von unten ohne weitere Vorarbeit aufgeworfen werden. Bei einem Versuch wurde ¾ qm solcher Decke durch 75 Centner Belastung nicht zum Bruch gebracht. – Ein von der Firma Schneider herausgegebener Prospect enthält eingehende Angaben über das Isolirmaterial dieser Firma und gibt ausführliche Anleitung zu Bauconstructionen; eine für die Isolirbimsdecken angestellte Preisberechnung zeigt im Vergleich mit den Kosten für gewöhnliche Balkendecken dasselbe Ergebniss; für beide Fälle wird 1 qm Decke (ohne Fussbodenbelag) zu rund 6 M. veranschlagt.

(Pf.)

Derselbe (Pf.)-Correspondent desselben Blattes macht im Anschluss an das Vorstehende die folgenden Mittheilungen über Schwemmsteine.

Ein anderes aus Bims hergestelltes Baumaterial ist der bekannte Schwemmstein, der namentlich in den Gegenden des Bimssteinvorkommens am Rhein zum Bauen vielfach verarbeitet wird; bei uns hat das Material noch nicht die volle ihm gebührende Würdigung gefunden. Ueber die Herstellung der Schwemmsteine erhalten wir von der Firma Hubaleck und Co. in Weissenthurm, welche sich mit deren Fabrikation befasst, einige interessante Mittheilungen. Als Rohmaterial dient der im Neuwieder Becken des rechten Rheinufers in grossen Ablagerungen vorkommende Bimssand, Trümmer des vulkanischen Gesteins. Schon frühzeitig wurde derselbe in jenen Gegenden benutzt zum Ausfüllen von Decken, wofür man ihn wegen seiner Leichtigkeit und isolirenden Wirkung besonders geeignet fand. Die Verarbeitung zu Bausteinen greift bereits 50 Jahre zurück. Um Schwemmsteine herzustellen, wird Bimssand mit Kalkmilch in eiserne Formen gefüllt und mit einem eisernen Schläger fest eingeschlagen. Der auf diese Weise angefertigte, noch frische, aber seine Form behaltende Stein wird mittels eines darunter gelegten Brettchens auf ein Holzgerüst in freier Luft zum Trocknen aufgestellt. Hierzu genügen bei trockenem oder heissem Wetter 6 bis 8 Tage, nach dieser Zeit sind die Steine so weit fest geworden, dass man sie in Haufen aufstapeln kann. In diesen Aufstapelungen lässt man den Stein 4 bis 5 Monate oder noch längere Zeit, bevor man denselben verschickt und vermauert. Je länger der Stein lagert, desto fester wird derselbe. Am günstigsten für seine Haltbarkeit und Wetterbeständigkeit ist es, wenn man ihn überwintern lässt. Das Format der Schwemmsteine ist grösser als das der Backsteine; zwei derselben haben den Rauminhalt von drei Normalziegelsteinen. Die specifischen Gewichte der beiden Arten von Baumaterial verhalten sich wie 4:9, was auch hinsichtlich der Transportkosten von Wichtigkeit ist, indem dieselben für Schwemmsteine etwa nur die Hälfte betragen. Zur Charakterisirung der Vorzüge des Schwemmsteines als Baumaterial sind auch hier zu nennen: das geringe Gewicht, die schalldämpfende Wirkung und geringe Wärmedurchlässigkeit, die auf der Porosität beruhende Eigenthümlichkeit des Steines, beim Bauen rasch auszutrocknen. Besonders eignet sich daher der Stein zur Herstellung leichter, die Wärme schlecht leitender Zwischenwände, doch sind auch schon ganze Kellergewölbe aus Schwemmsteinen ausgeführt worden. Er eignet sich ferner vorzüglich zum Einmauern von Feuerungsanlagen wegen seiner Eigenschaft als Isolirmittel, worin er von keinem anderen Baumaterial übertroffen werden dürfte. Das grosse Format der Steine bietet noch den Vorzug, dass die Maurerarbeit rascher von Statten geht als beim Vermauern gewöhnlicher Ziegel. Die Festigkeit des Steines genügt, um Mauern von massiger Höhe damit herstellen zu können; nach Versuchen der königl. Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin betrug die Druckfestigkeit von Hubaleck gelieferter Schwemmsteine 18 k/qc, bei welcher Belastung Risse sich zeigten; völlige Zerstörung erfolgte erst bei 29 k/qc. Es bestehen in Ortschaften des mittleren Rheins ganz aus Schwemmsteinen errichtete Häuser, die sich, zum Theil selbst ohne Verputz, während 30 Jahren gut gehalten haben.

Zur Erleichterung statischer Berechnungen solcher

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Tabelle für die zulässigen Abstände der eisernen ⌶-Träger bei Isolirbimsdecken.

⌶ Nr. = Trägerhöhe; G = Gewicht von 1 m Träger; H = Höhe der Bimsdecke; Qn = Nutzlast auf 1 qm in Kilo.


Nr.

G

H

Qn
L = Spannweite der eisernen ⌶-Träger.
2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0
12 11,1 0,20 200 1,50 0,89 0,53 0,34
14 14,3 0,20 200 2,00 1,59 1,00 0,62 0,40
16 17,9 0,20 200 2,00 1,62 1,00 0,70 0,48 0,33
16 17,9 0,20 250 2,00 1,38 0,90 0,60 0,41
16 17,9 0,25 250 2,00 1,30 0,85 0,57 0,40
18 21,9 0,20 200 2,00 1,63 1,10 0,77 0,55 0,38
18 21,9 0,20 250 2,00 1,42 0,96 0,67 0,48 0,36
18 21,9 0,20 300 2,00 1,94 1,27 0,86 0,60 0,42 0,32
18 21,9 0,25 250 2,00 1,35 0,90 0,64 0,45 0,34
18 21,9 0,25 300 2,00 1,70 1,17 0,80 0,56 0,39 0,30
20 26,2 0,20 200 2,00 1,68 1,20 1,07 0,61
20 26,2 0,20 250 2,00 1,46 1,02 0,74 0,53 0,46
20 26,2 0,20 300 2,00 1,88 1,30 0,91 0,65 0,48 0,40
20 26,2 0,25 250 2,00 1,39 0,97 0,70 0,51 0,43
20 26,2 0,25 300 2,00 1,76 1,28 0,84 0,61 0,44 0,38
20 26,2 0,30 300 2,00 1,65 1,13 0,80 0,57 0,41 0,35
22 31,0 0,25 250 2,00 1,42 1,10 0,83 0,56 0,40
22 31,0 0,25 300 2,00 1,80 1,24 0,96 0,72 0,48 0,36
22 31,0 0,30 300 2,00 1,70 1,16 0,94 0,68 0,45 0,34
24 36,2 0,25 250 2,00 1,46 1,23 0,81 0,62
24 36,2 0,25 300 2,00 1,75 1,27 1,07 0,70 0,54
24 36,2 0,30 300 2,00 1,64 1,20 1,00 0,66 0,50
26 41,9 0,30 300 2,00 1,64 1,20 1,00 0,70
30 54,1 0,30 300 2,00 1,65 1,34

Decken hat die Firma H. Schneider ihrem Prospecte die vorstehende Tabelle beigegeben, die von Fachleuten berechnet ist.

Nach Angabe derselben Firma ist nachstehende vergleichende Kostenberechnung aufgestellt, die wir hier wiedergeben, wenngleich die Ansätze je nach der Oertlichkeit vielen Schwankungen unterliegen. Bei dieser Berechnung ist zu beachten, dass sich der Deckenputz in ganz dünner Schicht unmittelbar auf die Unterfläche des Bimsbetons auftragen lässt, somit fällt die Ausgabe für die sonst nöthige Verrohrung fast gänzlich weg. Durch diese Ersparniss stellt sich selbst eine Isolirbimsdecke zwischen eisernen ⌶-Trägern nicht theurer als eine gewöhnliche gestakte Balkendecke, wie nachstehende Berechnung zeigt:

Balkendecke auf 1 qm:
Für Holzbalken 3,33 M.
Mauerlatten 0,58
Staken inclusive Material 0,90
Verrohrung und Verputz 1,10
–––––––––
5,91 M.
Isolirbimsdecke auf 1 qm:
Für eiserne ⌶-Träger N. P. Nr. 20 2,67 M.
Isolirbims, Arbeit und Schalung 3,35
Deckenputz 0,50
–––––––––
6,52 M.

Die Holzbalkendecke stellt sich also unter gleichen Verhältnissen um ungefähr 60 Pf. für 1 qm billiger. Kürzt man aber die Stockwerkhöhe um die oben erwähnten 10 bis 15 cm, um welche die Dicke solcher Isolirbimsdecken kleiner ist als bei Balkendecken, so macht die Ersparniss an Umfassungs- und Zwischenmauerwerk unter allen Umständen mindestens diese 60 Pf. für 1 qm aus, so dass man beide Decken als gleich in den Herstellungskosten rechnen kann.

Bei Holz-Cementbedachungen kann der Bimsbeton die Bretterverschalung ersetzen.

An Orten, nach denen die Fracht für den Bezug von Isolirbims die Decken unverhältnissmässig vertheuern würde, kann auch an Stelle des Bims Schlackenbeton aus Schlackensand und Steinkohlenschlacken angewendet werden.

Ueber die freitragende Wand aus Polygonplatten von R. Brendel, Baugewerksmeister in Chemnitz, macht Professor A. Gottschaldt in der Deutschen Bauzeitung nachstehende Mittheilung:

Textabbildung Bd. 302, S. 274

Die in Fig. 1 bis 5 abgebildete, durch D. G. M. Nr. 29813 geschützte, aus sechsseitigen Polygonplatten von Gyps gebildete Wand hat die Eigenschaft, sich bequem und schnell zusammensetzen zu lassen, dabei sich nicht nur selbst, sondern auch eine darüberstehende Wand von gleicher Höhe und Stärke freischwebend zu tragen und endlich an jeder beliebigen Stelle festsitzende Nägel mit daran hängenden Lasten an sich befestigen zu lassen.

Die einzelnen Platten, von denen die Normalform a eine Höhe von 60 cm, eine Breite in der Diagonale von 53 cm und eine untere und obere Seitenlänge von 30 cm besitzt, haben eine Stärke von 7 cm und sind durch halbrunde Nuthen u. dgl. Federn (Spunde) mit einander verbunden, |275| wodurch der ganzen Wand eine grosse Seitensteifigkeit und innigerer Verband der Platten unter sich ertheilt wird. Das Gewicht einer einzelnen Normalplatte beträgt 18 k trocken, deren Inhalt 0,25 qm, und es wiegt 1 qm Wand 72 k. Die Widerlagsplatten b werden zwischen zu beiden Seiten an Mauern oder Holzsäulen (Wandstielen) angebrachte, 7 cm von einander abstehende Falzleisten von 2 cm Stärke eingeschoben und zum Schliessen der untersten Schicht dienen die Theilplatten a2a3. Ausserdem finden noch 1½ Polygonplatten a1 Verwendung. Die eingeschriebenen Ziffern geben die Reihenfolge des Aufbaues an.

Eine solche Wand von 4,26 m Länge und 3,30 m Höhe wurde zwischen zwei festen Holzständern aufgebaut und auf ihre Tragfähigkeit geprüft. Nach dem Aufbaue der Wand wurde zunächst die Holzschwelle, auf welcher die unterste Plattenschicht ruhte, mit Ausnahme von zwei an beiden Enden belassenen, 15 cm langen Klötzchen herausgeschnitten und entfernt.

Es zeigte die Wand nach 3 Tagen eine Durchbiegung von nur 5 mm, die jedenfalls auf Rechnung des ungenügenden Fugenschlusses der trocken auf einander gesetzten Polygonplatten gesetzt werden muss. Hierauf wurde die Wand von oben mittels eines Doppel-⊤-Trägers und darauf gelegter Gewichte belastet. Die Belastung betrug einschliesslich des Trägergewichtes 900 k, während die Wand selbst ein Gewicht von 14,72 = 1008 k besass. Unter dieser Belastung zeigte die Unterkante der Wand nach abermals 3 Tagen eine Durchbiegung von nur 3 mm.

Man kann sonach die vorstehende Construction zur Herstellung massiver, 7 cm starker, sich und eine zweite darüber stehende Wand frei tragender Scheidungen empfehlen, die, weil sie ohne alle Holzeinbindung und ausserdem als feuersicher zu betrachten sind, durch diese Vortheile sicher eine ausgebreitete Anwendung sich verschaffen dürften.

Zum Schluss wird bemerkt, dass ein Anstrich von Wasserglaslösung auf die Stossflächen der Polygonplatten den letzteren eine grössere Härte, schärferen Fugenschluss und demzufolge innigeren Verband ertheilt. Die Construction von Brendel hat mit der sogen. Stabilkeilmauer aus massiven Platten von Reiss und Güldner nur die Verbindung mittels Nuth und Feder gemein, vertritt aber im Uebrigen eine selbständige, neue Idee, deren Wirksamkeit augenscheinlich in der Bildung von, durch die punktirten Linien angedeuteten, auf einander folgenden Spannwerken beruht.

Die Glasbausteine von Falconnier aus geblasenem Glase, wie sie auf dem Glaswerke Adlerhütte in Panzig (Schlesien) angefertigt werden, sind wohl hinreichend bekannt (1896 299 96). Dem Erfinder G. Falconnier in Genf ist durch das österreichische Privilegium vom 6. October 1894 eine Verbesserung geschützt worden, welche eine Erleichterung und bessere Verbindung bei der Montage ermöglicht.

Textabbildung Bd. 302, S. 275

Die gläsernen Hohlziegel E werden an entsprechenden Stellen ihrer Kanten mit Kerben versehen, in welche aus Draht geformte Ringe d eingreifen und jeden einzelnen Hohlziegel umfassen. Die Kanten der Hohlziegel werden mit einem Ueberzuge c von gewöhnlichem Leim versehen, welcher eine gewisse Elasticität besitzt und bei der Montage zum Anschwellen gebracht werden kann, um während des Erhärtens des Cementes oder Kittes, welche zwei benachbarte Hohlziegel mit einander verbindet, wieder abzunehmen. Nachdem die Montage beendet und der Cement erhärtet ist, zieht sich der Leim zusammen, so dass in den so gestalteten Fugen der gewünschte Spielraum entsteht, welcher den Hohlziegeln gestattet, sich auszudehnen, ohne Brüche zu erzeugen. Die Drahtringe der einzelnen Hohlziegel kreuzen einander, so dass, wenn der Zwischenraum zwischen jenen Ziegeln mit einem geeigneten Kitt oder Cement b ausgefüllt wird, eine solide Wand bezieh. Diele entsteht.

Um die Anwendung dieser Hohlziegel aus Glas zu erleichtern, construirt man mittels einer beliebigen Anzahl solcher wie beschrieben mit einander verbundenen gläsernen Hohlziegel Tafeln von variablen Dimensionen, so dass die an Ort und Stelle vorzunehmende Montage entsprechend vermindert wird.

Textabbildung Bd. 302, S. 275

Endlich werden in gewissen Fällen die einen oder anderen Theile der Oberfläche dieser Hohlziegel, z.B. die Kanten vor Anbringung des Ueberzuges c mit einem dieselben als Spiegel gestaltenden Ueberzug versehen.

Als neues Baumaterial können die Wellblechschienen (D. R. P. Nr. 80653) von F. J. Schürmann in Münster (Westfalen) angesehen werden. Sie dienen ähnlich den Schienen für die Kleine'schen Decken1) zur Verstärkung von Deckenconstructionen. Die grosse Tragfähigkeit beruht nach der Deutschen Bauzeitung bei diesen Decken auf der Einlage hochkantiger Bandeisen, die senkrecht zu den Hauptträgern in die Fugen der Deckensteine eingelegt werden und auf den Unterflanschen der Hauptträger ihr Auflager finden. Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch darin, dass zwischen den in Abständen von 30 bis 40 cm liegenden, eigenthümlich geformten Schienen die Decke als scheitrechtes Gewölbe hergestellt wird, ohne dass sich dadurch im Uebrigen ein merkbarer Schub gegen die Widerlager entwickelt. Erleichtert wird das Einwölben durch die Form der Schiene, die in Fig. 9 dargestellt ist. In dem 60 mm hohen, 1,25 mm starken Bandeisen wird durch einen zweiten Walzprocess auf kaltem Wege eine Reihe birnenförmiger Buckel hergestellt, die abwechselnd nach der einen und der anderen Seite herausgedrückt sind. Es ist hierdurch, wie der Querschnitt durch die Schiene zeigt, ein gutes Widerlager für die Steine geschaffen, und es stellt sich ausserdem durch das Eingreifen des Mörtels in die |276| Buckel der Schienen eine so innige Verbindung her, dass selbst bei grossen, concentrirten und stossweise wirkenden Einzellasten das Herausdrücken einzelner Steine so gut wie ausgeschlossen ist. Quer- und Längsschnitt durch eine Schürmann'sche Decke zeigen Fig. 10 und 11. Als Steinmaterial können gewöhnliche Ziegelsteine bei stark belasteten Decken, poröse Lochsteine oder Schwemmsteine für wenig belastete, möglichst leicht zu haltende Decken verwendet werden. Im ersteren Falle werden die Schienen nach je vier bis fünf Schichten eingelegt, während sich für poröses Material ein möglichst grosses Format empfiehlt, so dass etwa drei Schichten zwischen den Schienen liegen. Die Decken werden auf einer leichten Schalung hergestellt und können sehr bald ausgerüstet werden, so dass der Aufwand an Rüstmaterial nur gering ist. Die Wellblechschienen werden in Rollen von 20 bis 25 m geliefert und müssen mit besonderen Scheren auf die passende Länge zugeschnitten werden. Die Ausführung des Fussbodens über den Decken kann in allen üblichen Arten erfolgen.

Textabbildung Bd. 302, S. 276

Für die Ausführung der Decken werden keine eigentlichen Licenzen ertheilt, sondern der Käufer der Wellblechschienen erwirbt mit dem Kaufe auch das Ausführungsrecht. Für das bauende Publicum ist dies natürlich sehr bequem, es liegt darin aber unter Umständen eine gewisse Gefahr für die Güte der Ausführung. Besondere Patentgebühren werden nicht berechnet. Für die Wellblechschienen sind im Einzelverkauf etwa 60 bis 70 Pf. für 1 qm aufzuwenden. Die übrigen Kosten berechnen sich in üblicher Weise. Nach Angabe der Firma stellen sich einfache Decken mit Cement-Estrich noch billiger als Holzbalkendecken, während bei hölzernem Fussboden die Kosten etwa dieselben werden.

Nähere Mittheilungen enthalten die Prospecte der Firma.

Textabbildung Bd. 302, S. 276

Die Schürmann'sche Decke ist in Berlin durch das königl. Polizeipräsidium Belastungsproben unterworfen worden, die sehr befriedigende Ergebnisse erzielt haben. Von den Proben sei nur das Ergebniss der Wurfprobe ausgeführt. Die Versuchskappe hatte 1,2 m Spannung, 3 m Länge und war in Vollsteinen mit 31 cm Entfernung.der Wellblechschienen hergestellt. Nach Angabe der Firma bestand die Mörtelmischung aus 1 Th. Cement auf 4 Th. Kalkmörtel und es hatte die Decke ein Alter von 39 Tagen. Das niedrige Dach des Versuchsschuppens gestattete nur einen Fall aus etwa 3 m Höhe. Benutzt wurde ein spitzer Gusseisenbarren von 46 k Gewicht, den man mit dem spitzen Ende dreimal auf dieselbe Stelle auffallen liess. Die beiden ersten Würfe hinterliessen nur geringe Eindrücke, der dritte Wurf durchschlug die Decke. Es wurden dabei zwei Gewölbsteine zertrümmert bezieh. herausgeschlagen und eine gestreifte Wellblechschiene leicht geknickt. Die Decke besass keinerlei Ueberdeckung.

Der Dampfziegelei von Büscher und Co. in Caternberg bei Essen a. d. Ruhr ist das D. R. P. Nr. 82620 auf eine Mauerausführung mit Isolirhintermauerungssteinen ertheilt worden. Das Centralblatt der Bauverwaltung vom 2. Mai 1896 äussert sich über das System folgendermaassen:

Textabbildung Bd. 302, S. 276

Das bisherige System des Hohlmauerwerks litt an dem Nachtheil, dass die lebhaften Luftströmungen in den senkrechten Schlitzen desselben die Wärmewirkung stark beeinträchtigten. Man war deshalb (besonders in England) bereits dazu übergegangen, wagerechte Luftkanäle im Mauerwerk herzustellen aus Steinen, die nach Art wagerecht gelochter Verblender eingerichtet waren. Jedoch auch hier bestanden Schwierigkeiten theils in den complicirten Querschnittsverhältnissen, theils in dem hohen Preis dieser Steine. Die vorliegende Erfindung (Fig. 12 und 13) beseitigt diese Uebelstände dadurch, dass man den in Normalformat ausgeführten Steinen auf ihrer Unterseite gewölbte oder kappen artige Vertiefungen gibt, wie aus Fig. 12 und 13 an einer mit den neuen Steinen hergestellten Mauer in Querschnitt und Ansicht ersichtlich ist. Diese nach statischen Rücksichten geformten Vertiefungen sollen nicht allein das Gewicht der Steine verringern, ohne ihre Tragfähigkeit zu beeinträchtigen, sondern vor allem die Bildung ruhender Luftschichten ermöglichen, durch welche das Trocknen des Mauerwerkes beschleunigt und eine wirksame Isolirung desselben herbeigeführt wird. Bezüglich der Tragfähigkeit haben die Ermittelungen der königl. Prüfungsstation in Charlottenburg noch eine mittlere Druckfestigkeit von 499 k/qc ergeben. Die Steine vertragen den Transport und das Kippen auf der Baustelle, bieten dem Maurer keine Schwierigkeiten bei der Arbeit, gestatten die Anlage von Rauch- und Lüftungsröhren im Verbände, isoliren freistehende Schornsteine, Kesseleinmauerungen und Wohnräume jeder Art gegen Wärme und Nässe und sind nicht theurer als die gewöhnlichen Steine derselben Firma. Die Herstellung der Steine kann sowohl mit der Hand in besonderen Handformen als mit der Presse erfolgen. Eine neue Form von Hohlziegeln zur Verwendung in Innenräumen ist von John Mohlberg in New York angegeben und demselben durch D. R. P. Nr. 71464 geschützt worden.

An dem Ziegel (Fig. 14) sind zwei sowohl nach oben als auch nach unten sich erweiternde Oeffnungen b angebracht. Zwischen diesen befinden sich auf der Ober- und Unterseite Vertiefungen e, welche beim Verlegen auf die sich immer erweiternden Fugen f gelegt werden.

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Sämmtliche Oeffnungen werden bei Aufführung einer Mauer mit Mörtel ausgefüllt, so dass eine ankerartige Verbindung der Steine unter einander erzielt wird, während zwischen die Fugen Mörtel nicht treten kann.

Textabbildung Bd. 302, S. 277

Eine Verbesserung im Verputzverfahren ist von P. Stauss und H. Ruff in Cottbus vorgeschlagen, darin bestehend, dass der bisherige Verputz durch ein Drahtgewebe – von den Erfindern mit dem, wie uns scheint, nicht sehr glücklich gewählten Namen Drahtziegel bezeichnet – ersetzt wird. Der Drahtziegel besteht aus einem Drahtgewebe von 20 mm Maschenweite und dasselbe umhüllenden, aufgepressten, ziegelhart gebrannten, kreuzförmigen Thonkörperchen.

Bei dem Brennen bleibt das Drahtgewebe völlig heil.

Nun ist Drahtgewebe bereits als guter Putzträger bekannt und die angepressten, ziegelhart gebrannten Thonkörperchen vervollkommnen ihn als solchen noch insofern, als letztere dem. Putzmörtel jeder Art eine ausgezeichnete Haftfläche bieten und auch mit dem Mörtel eine innige Verbindung eingehen, wie Putz auf massiver Wand; die Thonkörperchen saugen das überschüssige Wasser schnell auf, wodurch auch die Putzarbeit gefördert wird. Ein weiterer Vorzug des Drahtziegels ist die Unverbrennlichkeit, er ist daher zum Verputz von Balkendecken, Bretterwänden, Verschlagen, Holz- und Eisenconstructionstheilen, wie Säulen und Trägern, und hauptsächlich zu feuersicheren Decken und Wänden vortheilhaft verwendbar.

Die Putzflächen sind frei von Rissen, auch an den Stössen der einzelnen Bahnen, da solche leicht und sicher verbunden werden.

Wegen Ersparniss von Mörtel, Gyps, Haaren und Leim stellt sich der Drahtziegel in der Anwendung billiger als concurrirende Systeme, während er auch als feuersicherer Deckenputz unter Balken sich nicht höher stellt als Rohrverputz auf Schalung.

Der Drahtziegel eignet sich für jegliche Art von Verputz, z.B. für geschalte Decken und Wände, sowie gegen Balken und massive Decken, zur Herstellung freitragender, leichter, feuersicherer Wände.

Textabbildung Bd. 302, S. 277

Die verschiedenen Arten der Verwendung, sowie auch die Befestigungsweise sind in dem Prospecte der Erfinder eingehend erläutert. Zur Befestigung von Fussböden und Decken an ⌶-Trägern dient die von der Firma H. Köttgen und Co. in Bergisch-Gladbach angefertigte Sinzig-Klammer, die in Fig. 15 dargestellt ist.2)

Die Art der Verwendung wird durch Fig. 16 erläutert.

Das Querschnittsprofil eines ⌶-Eisens wird der Länge nach, also parallel der Flansche, mit einer Holzleiste bedeckt, welche die gleiche Breite mit der Flansche haben muss, jedoch von beliebiger Stärke sein kann. Diese Leiste wird nun mit einer Sinzig-Klammer einmal von rechts und einmal von links in Abständen von etwa 50 bis 60 cm auf der Flansche des ⌶-Eisens befestigt. Da die untere Seite der Flansche des ⌶-Eisens sich nach dem Stege zu verstärkt, so ziehen die Klammern die Leiste fest auf die Flansche an. Die Eisenbalkenlage kann nun durch die Holzleiste wagerecht abgerichtet und aufgeführt werden. Dann befestigt man auf diese Leiste mittels Nägel, Drahtstiften oder Schrauben jedwede Art von Holzdielen, Cementdielen oder Gypsdielen.

Textabbildung Bd. 302, S. 277

Die verschiedenartigen Anwendungen sind dem Fachmanne sofort durchsichtig und soll auf dieselben hier nicht näher eingegangen werden.

Textabbildung Bd. 302, S. 277

Der Erfinder nimmt als Vortheile seines Systems: die billige und solide Herstellung von Fussböden, Decken und Zäunen (es ist in Köln z.B. das Legen von Fussböden inclusive Klammern und Leisten und Abrichten zu 28 Pf. für 1 qm übernommen worden), ferner leichtes und schnelles Abrichten und Befestigen der Fussböden, sowie günstige Aufnahme der Nutzlast des Fussbodens, die auf dem ⌶-Eisen ruht, während bei Verwendung von Mauerklötzen auf Beton besagte Last vom Betongewölbe aufgenommen werden muss, in Anspruch.

Als Material für die Klammern ist weicher Guss gewählt.

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Zum Aufdrücken der Holzleisten auf die ⌶-Eisen, damit man selbst gebogene Leisten auflegen und mit Sinzig-Klammern festmachen kann, sowie zum Antreiben der Fussbodenbretter beim Aufnageln, dient die in Fig. 17 und 18 abgebildete Klemmvorrichtung. Aus der Abbildung ist die Art der Anwendung leicht ersichtlich. Die Klauen sind aus Schmiedeeisen und können für die verschiedenen gebräuchlichsten ⌶-Eisenbalken benutzt werden.

|275|

Kleine'sche Decken“ vgl. 1895 298 275 * 276.

|277|

Vgl. auch D. p. J. 1896 299 * 215.

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